Erfahrungsbericht von sylvia1983
Arnes Nachlaß
Pro:
siehe oben
Kontra:
siehe oben
Empfehlung:
Nein
Halli hallo,
heute möchte ich Euch mal das Buch "Arnes Nachlaß" von Siegfried Lenz vorstellen, welches Aline, Vanessa und ich im letzten Schuljahr erarbeiteten und in Form eines Rollenspiels darstellten.
Rollenspiel:
************
Hans: "Ich bin heute hier, um euch etwas über meinen liebgewonnen Freund zu berichten. Als wir uns zum ersten Mal sahen, war ich 16 Jahre alt. Der 12jährige Arne Hellmer, dessen verstorbene Familie gute Freunde meines Vaters waren, kam an einem dieser diesigen Wintertagen, wie sie in Hamburg häufig sind, zu uns, um von nun an bei uns zu leben. Wir standen schon erwartungsvoll am Fenster unseres Hauses, das direkt neben dem Hafenbecken liegt, in dem schon einige alte Schiffe zum Abwracken bereit standen, als er von seinen Betreuern gebracht wurde. "
Arne kommt. Die anderen schauen erwartungsvoll.
Wiebke: (flüsternd) "Das muss er sein. Er sieht ganz schön unbeholfen und abgemagert aus."
Hans: "Pass bloß auf, was du sagst, Wiebke! Wir haben Mama versprochen, ihn wie ein Bruder aufzunehmen. "
Wiebke: "Ich muss es ja nicht mit ihm aushalten, sondern du. "
Hans gibt ihm als erster die Hand.
Hans: "Ich bin Hans. Du wirst in meinem Zimmer wohnen. Du wirst dich bestimmt wohlfühlen bei mir."
Arne starrt Wiebke an.
Wiebke: "Ich heiße Wiebke Carola, aber alle nennen mich hier nur Winnie."
Arne schweigt.
Wiebke: "Du kannst mich auch Winnie nennen, wenn du möchtest."
Hans: "Setz dich Arne. Mama hat dir etwas zum Essen gemacht. "
Alle stehen um ihn herum und starren ihn an.
Wiebke: "Nun iss doch mal was!"
Arne (flüstert): "Ich hab schon gegessen, wirklich, heute morgen. "
Lange sitzt Arne still da. Die anderen zucken die Achseln. Arne steht auf und öffnet seinen Koffer.
Wiebke: "Ist die Möwe aber schön."
Hans: "Feine Arbeit, in Norwegen machen sie so etwas."
Arne: "Sie ist aus Norwegen. Mein Vater hat sie einmal mitgebracht. Sie gehörte meiner Schwester."
Hans überreicht das Geschenk.
Wiebke: "Dieser Leuchtturm ist für dich, zum Einzug. Mein Vater hat ihn mal selbst gemacht.
Es ist schon lange her. "
Arne tastet es ab. Zum Dank geben sie sich stumm die Hände.
Hans: "Komm ich zeig dir jetzt, wo du zukünftig leben wirst. "
Hans: "Arne war ganz anders als wir. Trotz seiner Schüchternheit, war er gut in der Schule. Zuhause lernte er noch zusätzlich Finnisch, um sich später mal mit seinem Brieffreund, Toivo, unterhalten zu können.
Als er vor der gesamten Schule seinen Aufsatz, der den 2. Platz belegte, vorlesen sollte, brach er am Pult zusammen und ich habe seine Geschichte für ihn zuende gelesen.
Leider wurde er von Wiebke und Lars nie richtig akzeptiert, obwohl er stets zu ihnen Kontakt suchte. Ich wußte, dass er darunter litt, immer wieder von ihren gemeinsamen Unternehmungen ausgeschlossen zu werden. Sie wollten ihn nicht in ihre Clique aufnehmen.
Keinem von uns entging, wie gern er Wiebke hatte. Auch ihr entging es nicht, aber sie wollte immer nur wissen, was damals in jener Nacht geschah, als seine Eltern starben.
Viele Abende verbrachten wir damit, den Hafen mit dem Nachtglas von dem alten lettischen Getreidefrachter, Makarow, zu beobachten.
Einmal half uns Arne mit seinem Ersparten, die Reparatur einer kleinen, kaputten Jolle zu finanzieren. Auf Arnes Wunsch wurde sie Winnie getauft, doch beim Stapellauf kam es, durch Arnes Missgeschick, zu ihrem Untergang. Keiner hätte Arnes Schuld bemerkt, doch Arne konnte mit seiner Lüge nicht leben und beichtete.
Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass er nicht schwimmen konnte. Dies bemerkten wir erst, als wir an einem Wintertag zur alten Lapponia wollten und er ins Wasser fiel, da eine Eisscholle ihn nicht trug. Glücklicherweise konnte ihn mein Vater retten. Er war danach so schwer krank, dass wir weiterhin um sein Leben fürchteten.
Verwunderlich fand ich, dass er als einziger, außer meinem Vater, mit dem verschlossenen Hafenmeister Kalluk klar kam. Sie freundeten sich sogar während der ganzen Zeit an. Diese Freundschaft endete jedoch abrupt, als Arne von Wiebkes Clique dazu überredet wurde, bei einem Einbruch in der Hafenschmiede zu helfen. Durch einen dummen Zwischenfall wurde Kalluk niedergeschlagen und von Arne in seine Hütte gebracht. Wieder war es Arnes Ehrlichkeit, die die Sache aufdeckte. "
Hans, Wiebke und deren Vater abends am Tisch sitzend.
Wiebke: "Was ist heute Morgen eigentlich genau passiert? Wir hatten keine Lust mit dem Verräter zu sprechen."
Vater: "Arne kam zu mir, um von eurem Einbruch gestern Abend zu berichten, er konnte seine Schuldgefühle nicht mehr ertragen. Er war ziemlich bedrückt und verstört, ich konnte ihn nicht aufheitern. Er ging einfach wortlos hinaus, ohne auf mich zu hören. Hans hat ihn als letzten gesehen."
Hans: "Er wollte noch zu mir kommen, hat es sich dann aber durch eure verachtende Haltung anders überlegt, so sah es jedenfalls aus. Er ging in Richtung Dingi, band es los und ruderte aus der Hafenanlage. Ich folgte ihm nach einiger Zeit, als ich ihn nicht mehr wieder sah. Von weitem entdeckte ich schon das Boot, das an einer Boje angebunden war. Es war leer."
Wiebke: "Nein, und das alles wegen mir. Wir haben das doch nicht gewollt!"
Siegfried Lenz
***************
Siegfried Lenz wurde 1926 im ostpreußischen Lyck geboren. Mit 13 wurde er zur Hitlerjugend geschickt und ging mit 17 zur Kriegsmarine, wo er die Versenkung eines Schiffes überlebte. In Hamburg studierte er Philosophie, Germanistik und Anglistik. 1948 brach er das Studium ab und begann seine schriftstellerische Karriere als Redakteur bei der Tageszeitung "Die Welt". 1951 gab er den Journalismus auf und arbeitete als freier Schriftsteller in Hamburg. In vielen Büchern schreibt er über das Inventar seiner Generation: Gewalt, Flucht, missbrauchte Begeisterung und sinnlose Tode. Eines seiner berühmtesten Stücke ist die "Deutschstunde" (1968).
Siegfried Lenz war auch politisch bei der Bundestagswahl 1965 engagiert und bei den Landtagswahlen trat er als Redner für die SPD auf und unterstützte die sozialliberale Koalition unter Willy Brandt.
(Die Informationen des Autors haben wir aus Knaurs Lexikon der Weltliteratur, Microsoft Encarta 98 und
Autorenbücher Band 2 (Verlag C.H.Beck))
Aufbau
*******
Der Roman "Arnes Nachlaß" ist in Form eines Monologes gefasst, in dem sich Hans an die Zeit, die er mit Arne verbrachte, erinnert. Ab und zu unterhält er sich auch in der Gegenwart mit einzelnen Personen der Familie. Die Erinnerungsebene, die im Präsens geschrieben, ist das Hauptthema des Romans. Durch diese Erinnerungen sollen die möglichen Ursachen Arnes Verschwindens dargestellt werden.
These zur Diskussion
**********************
Menschen, die anders "ticken" als die Norm, haben keine Chance in der Gesellschaft aufgenommen zu werden / sich zu integrieren.
Meine Meinung
**************
Ich fand das Buch sehr interessant, trotz des Fachchinesisches, mit welchem ich Probleme hatte, denn ich bin nun mal nicht an der See aufgewachsen. Ansonsten ist das Buch leicht zu lesen. In vielen Kritiken wird erwähnt, dass das Buch mehreren Zeiten zugeordnet wird, denn einmal wird vom Untergang eines Schiffes gesprochen, welcher schon mehrere Jahre her ist und einmal von den Backstreet Boys.
Siegfied Lenz beschreibt seinen Grund zum Schreiben: "Für mich ist das auch eine Art Selbstbefragung, und in diesem Sinne versuche ich, auf gewisse Herausforderungen mit meinen Möglichkeiten zu antworten."
Viel Spaß beim Lesen!
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-02-17 14:49:25 mit dem Titel Eitel
Gedichtsinterpretation: "Es ist alles eitel" von Andreas Gryphius
Dieses barocke Gedicht sollte ich für die Schule analysieren. Hier ersteinmal für diejenigen, die es nicht kennen, der Text:
Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein;
Wo itzund Städte stehn, wird eine Wiesen sein,
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden;
Was itzund prächtig blüht, soll bald zertreten werden;
Was itz so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein.
Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Itzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.
Der hohen Taten Ruhm muß wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn?
Ach, was ist alles dies, was wir für köstlich achten,
Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind,
Als eine Wiesenblum, die man nicht wiederfind’t!
Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten.
Analyse:
*********
Die Eitelkeit hat in der heutigen Zeit die Bedeutung von Einbildung, auf das Äußere achten, Selbstsüchtigkeit. Im Barock hatte das Wort ‚eitel’ einen anderen Sinn. Dies lässt sich anhand des Gedichts "Es ist alles eitel" von Andreas Gryphius verdeutlichen.
Es wurde 1637 veröffentlicht und in der typische Dichtform des Barocks, dem Sonett, was sich von "sonare" (klingen, tönen) ableiten lässt, verfasst. Diese Form besteht aus vier Strophen, wobei die ersten beiden Quartette bilden und die letzten beiden Terzette.
Die Vierzeiler (Quartette) beinhalten jeweils einen Umarmungsreim der Folge a-b-b-a und die Dreizeiler (Terzette) bilden Paarreime der Form c-c-d und e-e-d. Anhand dieser formalen Analyse des Gedichts ist erkennbar, dass eine Beziehung der ersten beiden Strophen miteinander besteht, so auch die letzten beiden.
Beim Rhythmus handelt es sich um einen sechshebigen Jambus mit Mittelzäsur in den Verse 1-3, 5-8 und ab Vers 10. Die Verse a, c und d enden klingend mit einer weiblichen Kadenz, z.B. Erden/Herden (1. Strophe)/vergehn/bestehn(3. Strophe) und die Verse b und e weisen eine männliche Kadenz auf, wie beispielsweise ein/sein (1. Strophe) und Wind/find`t (4. Strophe), die stumpf wirkt.
In erster Linie handelt das Sonett von der Vergänglichkeit und die Wertlosigkeit aller Dinge des Irdischen, was man an "...auf Erden" (Vers 1) feststellen kann. Es beginnt mit der Anrede "Du siehst, wohin Du siehst,...", die für Aufmerksamkeit sorgt, den Leser persönlich anspricht und dessen Blick dann auf die unmittelbare Umgebung lenkt, indem sie beschrieben wird.
Im ersten Quartett geht es um die Vergänglichkeit des Menschenwerkes, z.B. Vers 2 "Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein", und im zweiten um die Vergänglichkeit der Natur und des Menschens, denn "Was izt so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein" (Vers 6) und "nichts ist, das ewig sei, kein Erz und kein Marmorstein" (Vers 7). So sind noch nicht einmal die Dinge, wie Erz und Marmor, die man für unvergänglich hielt, dauerhaft, sondern auch sie könnten nach Gryphius von einem Tag auf den anderen vergehen. Die mit den Verallgemeinerungen und Verstärkungen, wie "NUR Eitelkeit auf Erden" (Vers 1), "es ist ALLES eitel" (Überschrift) und "NICHTS ist, was ewig sei" (Vers 7) betont Gryphius, dass die Unbeständigkeit überall zu finden ist. Dieser Vorgang kann nicht aufgehalten werden, was die Gegensätze "heute-morgen" (Vers 2) und "baut-reißt ein" (Vers 2), sowie "Glück-Beschwerden" (Vers 8) hervorheben. Dennoch gibt es etwas, was ewig ist, was
der letzte Vers veranschaulicht: "Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten" (Vers 14). Es gibt also doch etwas, das unvergänglich ist, doch es wird von den Menschen nicht beachtet. Die Menschen wollen also nur das Vergängliche sehen und unvergängliche Werke widmen sie sich nicht.
Idylle und Hoffnung stellt die Wiese dar, "Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden" (Vers 4), was symbolisiert, dass aus der Zerstörung wird wieder Neues entstehen kann.
In den Terzetten ist die einzige Frage, und zwar "Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch bestehn?" (Zeile 10), auffällig, weil sie den Gleichklang bricht. Dieser Frage steht Gryphius mit Skepsis entgegen, was im letzten Vers "Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten" nochmals verdeutlicht wird. Der Mensch beschäftigt sich fast ausschließlich nur mit Vergänglichem, was im Einklang zum ersten Vers mit der "Eitelkeit" steht.
Da überwiegend vom vergänglichen Irdischen die Rede ist, vermute ich, dass Andreas Gryphius auf die religiöse Ebene, also auf Gott, anspielt, denn während des 30-jährigen Krieges hatte der größte Teil der Menschheit den Glauben an Gott verloren. Gryphius appelliert also, dass die Menschen an die Rettung Gottes in welcher Form auch immer glauben sollten.
Mit der Eitelkeit in diesem Sonett ist also Vergänglichkeit, Nichtigkeit und der Neid gemeint, was heutzutage nur die leicht mitwirkenden Aspekte sind.
Das Gedicht lässt sich auch auf die Gegenwart, unsere materielle gerichtete Gesellschaft, beziehen, die die vergänglichen Werte, wie z.B. Geld als wichtig erachtet und andere Werte, wie Liebe, Glaube vernachlässigt.
Des Weiteren herrscht auch heutzutage Eitelkeit in der Art, wie von Gryphius beschrieben, denn alles ist vergänglich und lässt sich auch irgendwie zerstören. Der Aspekt der Nichtigkeit und des Vergänglichen wird auch dadurch unterstrichen, dass wir zum größten Teil noch nicht einmal an Unvergängliches denken und viel Wert auf die Naturwissenschaften legen, zumal insbesondere die Welt ganz anders aussehen könnte. Warum beachten wir die Dinge, die wir sehen? Vielleicht entsprechen sie gar nicht der Wahrheit und unsere Sinne täuschen uns... Es hängt alles von den Augen des Betrachters ab.
Meinung:
*********
Sicherlich habe ich so einiges übersehen oder auch vergessen, was man noch hätte interpretieren können, aber man wird niemals alles finden können zu einem Kunstwerk oder einem Gedicht. Vor allem ist zu bedenken, dass das, was man heute reininterpretiert oder analysiert nicht immer stimmen mag. Wenn ich etwas zeichne oder male, mache ich mir natürlich Gedanken darüber, die teilweise auch tiefsinnig sind, doch Betrachter sehen manchmal viel mehr oder öffnen neue Wege etwas zu sehen.
Nun aber wirklich zu meiner Meinung zu diesem Gedicht. Es spiegelt sehr schön die barocke Weltansicht des MOMENTO MORI (gedenke den Tod) wieder. Es wurde, wie bereits erwähnt 1627 veröffentlicht, also während des 30-jährigen Krieges (1618-1648). Zu dieser Zeit herrschten u.a. die Pest, jeder kämpfte gegen jeden und es herrschte Unsicherheit. Man konnte sich einem Heer anschließen, Zuflucht suchen z.B. bei Gott, alles verdrängen oder sich in eine Scheinwelt träumen. Diese Tatsachen werden sehr schön in dem Gedicht verdeutlicht. Die gegensätzliche Weltanschauung war übrigens CARPE DIEM (lebe den Tag), bei der man den Augenblick genoss, da man schließlich nicht wusste, was morgen passieren könnte, vielleicht ist man da schon tot.
Ehrlich gesagt, fand ich das Gedicht anfangs sehr schwer zu verstehen und wollte mich erst gar nicht damit auseinandersetzen, doch nach und nach kam Verständnis. Dieses Gefühl etwas vom Ganzen zu verstehen sorgte bei mir dafür, dass ich das Gedicht nicht mehr so verabscheue, sondern es gar nicht so schlecht finde. Schließlich kann man sehr viel von der damaligen Zeit ablesen.
heute möchte ich Euch mal das Buch "Arnes Nachlaß" von Siegfried Lenz vorstellen, welches Aline, Vanessa und ich im letzten Schuljahr erarbeiteten und in Form eines Rollenspiels darstellten.
Rollenspiel:
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Hans: "Ich bin heute hier, um euch etwas über meinen liebgewonnen Freund zu berichten. Als wir uns zum ersten Mal sahen, war ich 16 Jahre alt. Der 12jährige Arne Hellmer, dessen verstorbene Familie gute Freunde meines Vaters waren, kam an einem dieser diesigen Wintertagen, wie sie in Hamburg häufig sind, zu uns, um von nun an bei uns zu leben. Wir standen schon erwartungsvoll am Fenster unseres Hauses, das direkt neben dem Hafenbecken liegt, in dem schon einige alte Schiffe zum Abwracken bereit standen, als er von seinen Betreuern gebracht wurde. "
Arne kommt. Die anderen schauen erwartungsvoll.
Wiebke: (flüsternd) "Das muss er sein. Er sieht ganz schön unbeholfen und abgemagert aus."
Hans: "Pass bloß auf, was du sagst, Wiebke! Wir haben Mama versprochen, ihn wie ein Bruder aufzunehmen. "
Wiebke: "Ich muss es ja nicht mit ihm aushalten, sondern du. "
Hans gibt ihm als erster die Hand.
Hans: "Ich bin Hans. Du wirst in meinem Zimmer wohnen. Du wirst dich bestimmt wohlfühlen bei mir."
Arne starrt Wiebke an.
Wiebke: "Ich heiße Wiebke Carola, aber alle nennen mich hier nur Winnie."
Arne schweigt.
Wiebke: "Du kannst mich auch Winnie nennen, wenn du möchtest."
Hans: "Setz dich Arne. Mama hat dir etwas zum Essen gemacht. "
Alle stehen um ihn herum und starren ihn an.
Wiebke: "Nun iss doch mal was!"
Arne (flüstert): "Ich hab schon gegessen, wirklich, heute morgen. "
Lange sitzt Arne still da. Die anderen zucken die Achseln. Arne steht auf und öffnet seinen Koffer.
Wiebke: "Ist die Möwe aber schön."
Hans: "Feine Arbeit, in Norwegen machen sie so etwas."
Arne: "Sie ist aus Norwegen. Mein Vater hat sie einmal mitgebracht. Sie gehörte meiner Schwester."
Hans überreicht das Geschenk.
Wiebke: "Dieser Leuchtturm ist für dich, zum Einzug. Mein Vater hat ihn mal selbst gemacht.
Es ist schon lange her. "
Arne tastet es ab. Zum Dank geben sie sich stumm die Hände.
Hans: "Komm ich zeig dir jetzt, wo du zukünftig leben wirst. "
Hans: "Arne war ganz anders als wir. Trotz seiner Schüchternheit, war er gut in der Schule. Zuhause lernte er noch zusätzlich Finnisch, um sich später mal mit seinem Brieffreund, Toivo, unterhalten zu können.
Als er vor der gesamten Schule seinen Aufsatz, der den 2. Platz belegte, vorlesen sollte, brach er am Pult zusammen und ich habe seine Geschichte für ihn zuende gelesen.
Leider wurde er von Wiebke und Lars nie richtig akzeptiert, obwohl er stets zu ihnen Kontakt suchte. Ich wußte, dass er darunter litt, immer wieder von ihren gemeinsamen Unternehmungen ausgeschlossen zu werden. Sie wollten ihn nicht in ihre Clique aufnehmen.
Keinem von uns entging, wie gern er Wiebke hatte. Auch ihr entging es nicht, aber sie wollte immer nur wissen, was damals in jener Nacht geschah, als seine Eltern starben.
Viele Abende verbrachten wir damit, den Hafen mit dem Nachtglas von dem alten lettischen Getreidefrachter, Makarow, zu beobachten.
Einmal half uns Arne mit seinem Ersparten, die Reparatur einer kleinen, kaputten Jolle zu finanzieren. Auf Arnes Wunsch wurde sie Winnie getauft, doch beim Stapellauf kam es, durch Arnes Missgeschick, zu ihrem Untergang. Keiner hätte Arnes Schuld bemerkt, doch Arne konnte mit seiner Lüge nicht leben und beichtete.
Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass er nicht schwimmen konnte. Dies bemerkten wir erst, als wir an einem Wintertag zur alten Lapponia wollten und er ins Wasser fiel, da eine Eisscholle ihn nicht trug. Glücklicherweise konnte ihn mein Vater retten. Er war danach so schwer krank, dass wir weiterhin um sein Leben fürchteten.
Verwunderlich fand ich, dass er als einziger, außer meinem Vater, mit dem verschlossenen Hafenmeister Kalluk klar kam. Sie freundeten sich sogar während der ganzen Zeit an. Diese Freundschaft endete jedoch abrupt, als Arne von Wiebkes Clique dazu überredet wurde, bei einem Einbruch in der Hafenschmiede zu helfen. Durch einen dummen Zwischenfall wurde Kalluk niedergeschlagen und von Arne in seine Hütte gebracht. Wieder war es Arnes Ehrlichkeit, die die Sache aufdeckte. "
Hans, Wiebke und deren Vater abends am Tisch sitzend.
Wiebke: "Was ist heute Morgen eigentlich genau passiert? Wir hatten keine Lust mit dem Verräter zu sprechen."
Vater: "Arne kam zu mir, um von eurem Einbruch gestern Abend zu berichten, er konnte seine Schuldgefühle nicht mehr ertragen. Er war ziemlich bedrückt und verstört, ich konnte ihn nicht aufheitern. Er ging einfach wortlos hinaus, ohne auf mich zu hören. Hans hat ihn als letzten gesehen."
Hans: "Er wollte noch zu mir kommen, hat es sich dann aber durch eure verachtende Haltung anders überlegt, so sah es jedenfalls aus. Er ging in Richtung Dingi, band es los und ruderte aus der Hafenanlage. Ich folgte ihm nach einiger Zeit, als ich ihn nicht mehr wieder sah. Von weitem entdeckte ich schon das Boot, das an einer Boje angebunden war. Es war leer."
Wiebke: "Nein, und das alles wegen mir. Wir haben das doch nicht gewollt!"
Siegfried Lenz
***************
Siegfried Lenz wurde 1926 im ostpreußischen Lyck geboren. Mit 13 wurde er zur Hitlerjugend geschickt und ging mit 17 zur Kriegsmarine, wo er die Versenkung eines Schiffes überlebte. In Hamburg studierte er Philosophie, Germanistik und Anglistik. 1948 brach er das Studium ab und begann seine schriftstellerische Karriere als Redakteur bei der Tageszeitung "Die Welt". 1951 gab er den Journalismus auf und arbeitete als freier Schriftsteller in Hamburg. In vielen Büchern schreibt er über das Inventar seiner Generation: Gewalt, Flucht, missbrauchte Begeisterung und sinnlose Tode. Eines seiner berühmtesten Stücke ist die "Deutschstunde" (1968).
Siegfried Lenz war auch politisch bei der Bundestagswahl 1965 engagiert und bei den Landtagswahlen trat er als Redner für die SPD auf und unterstützte die sozialliberale Koalition unter Willy Brandt.
(Die Informationen des Autors haben wir aus Knaurs Lexikon der Weltliteratur, Microsoft Encarta 98 und
Autorenbücher Band 2 (Verlag C.H.Beck))
Aufbau
*******
Der Roman "Arnes Nachlaß" ist in Form eines Monologes gefasst, in dem sich Hans an die Zeit, die er mit Arne verbrachte, erinnert. Ab und zu unterhält er sich auch in der Gegenwart mit einzelnen Personen der Familie. Die Erinnerungsebene, die im Präsens geschrieben, ist das Hauptthema des Romans. Durch diese Erinnerungen sollen die möglichen Ursachen Arnes Verschwindens dargestellt werden.
These zur Diskussion
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Menschen, die anders "ticken" als die Norm, haben keine Chance in der Gesellschaft aufgenommen zu werden / sich zu integrieren.
Meine Meinung
**************
Ich fand das Buch sehr interessant, trotz des Fachchinesisches, mit welchem ich Probleme hatte, denn ich bin nun mal nicht an der See aufgewachsen. Ansonsten ist das Buch leicht zu lesen. In vielen Kritiken wird erwähnt, dass das Buch mehreren Zeiten zugeordnet wird, denn einmal wird vom Untergang eines Schiffes gesprochen, welcher schon mehrere Jahre her ist und einmal von den Backstreet Boys.
Siegfied Lenz beschreibt seinen Grund zum Schreiben: "Für mich ist das auch eine Art Selbstbefragung, und in diesem Sinne versuche ich, auf gewisse Herausforderungen mit meinen Möglichkeiten zu antworten."
Viel Spaß beim Lesen!
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-02-17 14:49:25 mit dem Titel Eitel
Gedichtsinterpretation: "Es ist alles eitel" von Andreas Gryphius
Dieses barocke Gedicht sollte ich für die Schule analysieren. Hier ersteinmal für diejenigen, die es nicht kennen, der Text:
Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein;
Wo itzund Städte stehn, wird eine Wiesen sein,
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden;
Was itzund prächtig blüht, soll bald zertreten werden;
Was itz so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein.
Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Itzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.
Der hohen Taten Ruhm muß wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn?
Ach, was ist alles dies, was wir für köstlich achten,
Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind,
Als eine Wiesenblum, die man nicht wiederfind’t!
Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten.
Analyse:
*********
Die Eitelkeit hat in der heutigen Zeit die Bedeutung von Einbildung, auf das Äußere achten, Selbstsüchtigkeit. Im Barock hatte das Wort ‚eitel’ einen anderen Sinn. Dies lässt sich anhand des Gedichts "Es ist alles eitel" von Andreas Gryphius verdeutlichen.
Es wurde 1637 veröffentlicht und in der typische Dichtform des Barocks, dem Sonett, was sich von "sonare" (klingen, tönen) ableiten lässt, verfasst. Diese Form besteht aus vier Strophen, wobei die ersten beiden Quartette bilden und die letzten beiden Terzette.
Die Vierzeiler (Quartette) beinhalten jeweils einen Umarmungsreim der Folge a-b-b-a und die Dreizeiler (Terzette) bilden Paarreime der Form c-c-d und e-e-d. Anhand dieser formalen Analyse des Gedichts ist erkennbar, dass eine Beziehung der ersten beiden Strophen miteinander besteht, so auch die letzten beiden.
Beim Rhythmus handelt es sich um einen sechshebigen Jambus mit Mittelzäsur in den Verse 1-3, 5-8 und ab Vers 10. Die Verse a, c und d enden klingend mit einer weiblichen Kadenz, z.B. Erden/Herden (1. Strophe)/vergehn/bestehn(3. Strophe) und die Verse b und e weisen eine männliche Kadenz auf, wie beispielsweise ein/sein (1. Strophe) und Wind/find`t (4. Strophe), die stumpf wirkt.
In erster Linie handelt das Sonett von der Vergänglichkeit und die Wertlosigkeit aller Dinge des Irdischen, was man an "...auf Erden" (Vers 1) feststellen kann. Es beginnt mit der Anrede "Du siehst, wohin Du siehst,...", die für Aufmerksamkeit sorgt, den Leser persönlich anspricht und dessen Blick dann auf die unmittelbare Umgebung lenkt, indem sie beschrieben wird.
Im ersten Quartett geht es um die Vergänglichkeit des Menschenwerkes, z.B. Vers 2 "Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein", und im zweiten um die Vergänglichkeit der Natur und des Menschens, denn "Was izt so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein" (Vers 6) und "nichts ist, das ewig sei, kein Erz und kein Marmorstein" (Vers 7). So sind noch nicht einmal die Dinge, wie Erz und Marmor, die man für unvergänglich hielt, dauerhaft, sondern auch sie könnten nach Gryphius von einem Tag auf den anderen vergehen. Die mit den Verallgemeinerungen und Verstärkungen, wie "NUR Eitelkeit auf Erden" (Vers 1), "es ist ALLES eitel" (Überschrift) und "NICHTS ist, was ewig sei" (Vers 7) betont Gryphius, dass die Unbeständigkeit überall zu finden ist. Dieser Vorgang kann nicht aufgehalten werden, was die Gegensätze "heute-morgen" (Vers 2) und "baut-reißt ein" (Vers 2), sowie "Glück-Beschwerden" (Vers 8) hervorheben. Dennoch gibt es etwas, was ewig ist, was
der letzte Vers veranschaulicht: "Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten" (Vers 14). Es gibt also doch etwas, das unvergänglich ist, doch es wird von den Menschen nicht beachtet. Die Menschen wollen also nur das Vergängliche sehen und unvergängliche Werke widmen sie sich nicht.
Idylle und Hoffnung stellt die Wiese dar, "Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden" (Vers 4), was symbolisiert, dass aus der Zerstörung wird wieder Neues entstehen kann.
In den Terzetten ist die einzige Frage, und zwar "Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch bestehn?" (Zeile 10), auffällig, weil sie den Gleichklang bricht. Dieser Frage steht Gryphius mit Skepsis entgegen, was im letzten Vers "Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten" nochmals verdeutlicht wird. Der Mensch beschäftigt sich fast ausschließlich nur mit Vergänglichem, was im Einklang zum ersten Vers mit der "Eitelkeit" steht.
Da überwiegend vom vergänglichen Irdischen die Rede ist, vermute ich, dass Andreas Gryphius auf die religiöse Ebene, also auf Gott, anspielt, denn während des 30-jährigen Krieges hatte der größte Teil der Menschheit den Glauben an Gott verloren. Gryphius appelliert also, dass die Menschen an die Rettung Gottes in welcher Form auch immer glauben sollten.
Mit der Eitelkeit in diesem Sonett ist also Vergänglichkeit, Nichtigkeit und der Neid gemeint, was heutzutage nur die leicht mitwirkenden Aspekte sind.
Das Gedicht lässt sich auch auf die Gegenwart, unsere materielle gerichtete Gesellschaft, beziehen, die die vergänglichen Werte, wie z.B. Geld als wichtig erachtet und andere Werte, wie Liebe, Glaube vernachlässigt.
Des Weiteren herrscht auch heutzutage Eitelkeit in der Art, wie von Gryphius beschrieben, denn alles ist vergänglich und lässt sich auch irgendwie zerstören. Der Aspekt der Nichtigkeit und des Vergänglichen wird auch dadurch unterstrichen, dass wir zum größten Teil noch nicht einmal an Unvergängliches denken und viel Wert auf die Naturwissenschaften legen, zumal insbesondere die Welt ganz anders aussehen könnte. Warum beachten wir die Dinge, die wir sehen? Vielleicht entsprechen sie gar nicht der Wahrheit und unsere Sinne täuschen uns... Es hängt alles von den Augen des Betrachters ab.
Meinung:
*********
Sicherlich habe ich so einiges übersehen oder auch vergessen, was man noch hätte interpretieren können, aber man wird niemals alles finden können zu einem Kunstwerk oder einem Gedicht. Vor allem ist zu bedenken, dass das, was man heute reininterpretiert oder analysiert nicht immer stimmen mag. Wenn ich etwas zeichne oder male, mache ich mir natürlich Gedanken darüber, die teilweise auch tiefsinnig sind, doch Betrachter sehen manchmal viel mehr oder öffnen neue Wege etwas zu sehen.
Nun aber wirklich zu meiner Meinung zu diesem Gedicht. Es spiegelt sehr schön die barocke Weltansicht des MOMENTO MORI (gedenke den Tod) wieder. Es wurde, wie bereits erwähnt 1627 veröffentlicht, also während des 30-jährigen Krieges (1618-1648). Zu dieser Zeit herrschten u.a. die Pest, jeder kämpfte gegen jeden und es herrschte Unsicherheit. Man konnte sich einem Heer anschließen, Zuflucht suchen z.B. bei Gott, alles verdrängen oder sich in eine Scheinwelt träumen. Diese Tatsachen werden sehr schön in dem Gedicht verdeutlicht. Die gegensätzliche Weltanschauung war übrigens CARPE DIEM (lebe den Tag), bei der man den Augenblick genoss, da man schließlich nicht wusste, was morgen passieren könnte, vielleicht ist man da schon tot.
Ehrlich gesagt, fand ich das Gedicht anfangs sehr schwer zu verstehen und wollte mich erst gar nicht damit auseinandersetzen, doch nach und nach kam Verständnis. Dieses Gefühl etwas vom Ganzen zu verstehen sorgte bei mir dafür, dass ich das Gedicht nicht mehr so verabscheue, sondern es gar nicht so schlecht finde. Schließlich kann man sehr viel von der damaligen Zeit ablesen.
35 Bewertungen, 5 Kommentare
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12.03.2003, 21:02 Uhr von maurenbrecher
Bewertung: sehr hilfreichkannste den bericht wohl noch etwas gliedern, dann wird er leichter zu lesen sein! gruß maurenbrecher
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23.02.2002, 12:24 Uhr von annette*
Bewertung: sehr hilfreichhab ich auchmal interpretiert *g*
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17.02.2002, 15:52 Uhr von blokk
Bewertung: sehr hilfreichSo bringt ein Referat noch etwas ein.
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17.02.2002, 15:52 Uhr von madhead
Bewertung: sehr hilfreichWiedermal ein kurzweiliger Bericht, den ich von Dir lese! Madhead
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17.02.2002, 15:51 Uhr von monkey
Bewertung: sehr hilfreichMan liest sich :o)
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