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Erfahrungsbericht von Gering

PACKEND, FESSELND , GENIAL

Pro:

wie immer

Kontra:

s.o

Empfehlung:

Ja

Unternehmen Brandenburg / Meade, Glenn

Ein kritisches Thema der Zeitgeschichte nimmt sich Glenn Meade in seinem Buch UNTERNEHMEN BRANDENBURG an: Fiktiv zwar, doch hat die Nachkriegsgeschichte gezeigt, dass das Buch und sein Inhalt so weit weg von der Wahrheit nicht sein braucht.

Die Aufarbeitung der Nazizeit hat in Deutschland lange Jahre geruht, selbst Verbrecher, Kriegsverbrecher usw. brauchten lange Zeit in Deutschland keine Strafverfolgung zu fürchten. Befehlsnotstand, oder bei Richtern, die Gesetzestreue eines Urteils, waren Garant dafür, dass man in Ruhe seinen Lebensabend verbringen konnte.

Glenn Mead nimmt sich in dem Agententhriller das bis heute die fantasieanregende Thema des Verbleibs der Schätze der Reichsbank und einiger Nazigrößen an, die während der letzten Kriegsmonate und der Nachkriegszeit scheinbar spurlos verschwunden sind, und von dem man annimmt, das beide in Südamerika gelandet sind.


Fakt ist, dass es Organisationen in südamerika und Deutschland gegeben hat, die sich um die Versorgung dieser Nazischergen gekümmert haben bzw. von eben diesen ins Leben gerufen worden sind.

Diese Organisationen haben und hatten in Südamerika immer noch einen großen Einfluss auf Politik und Wirtschaft.



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Zum Inhalt
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In der Hauptstadt Paraguays stößt ein Reporter durch den Tipp eines Schmugglerpiloten auf interessante Verschiebungen von Waren über die Grenze. Der Schmuggler hatte dem Reporter, Rudi Hernandez, diesen Tippgegeben, weil er befürchtete, dass sein Auftraggeber ihn eliminieren könnten, nachdem die Flüge abgeschlossen sind.
Eines Tages wird der Pilot tatsächlich toto in eine Nebenstraße gefunden: Unfalltod und Fahrerflucht, so die Ermittlungen der Polizei.
Gleichzeitig erschisset sich ein schwerkranker, deutschstämmiger Unternehmer namens Tscharkin in seiner Villa, nachdem die Ärzte ihm mitgeteilt hatten, er habe nur noch maximal 48 Stunde zu leben. Dem selbstgewählten Abgang von dieser Welt ging aber die Vernichtung sämtlicher Dokumente voraus, die der Mann trotz großer Schmerzen penibel und akribisch verbrannte und die Asche selbst noch so bearbeitete, dass niemand mehr die Dokumente wiederherstellen konnte.

Hernandez wiederum soll über diesen Selbstmord berichten. Als er sich im Haus des Toden aufhält, klingelt das Telefon: Er gibt sich als der Tode aus und erfährt so, dass in einem Nobelhotel eine Konferenz stattfinden soll, die von dem Toden selbst einberufen worden ist.
Da Hernandez die ganze Geschichte merkwürdig vorkommt, beschließt er, diese Konferenz zu überprüfen.
Allerdings kommt es zu einem schweren Fehler, die Teilnehmer bemerken, dass sie abgehört werden. Sie finden die Identität und den Aufenthaltsort des Reporters heraus und töten ihn auf grausame Art und Weise.

Währenddessen kommt es in Deutschland zu einer Mordserie, allerdings wird nur dem Leser klar, dass zwischen den Morden ein Zusammenhang bestehen muss.
Ältere Männer und eine ältere Frau, daneben ein bekannter Neonazi, werden teilweise auf offener Straße, teilweise bei sich zu Hause ermordet, oder besser: hingerichtet.

Derweil wird ein Agent des DSE, einer Organisation der EU, in der die Aktivitäten der Geheimdienste der EU-Länder koordiniert werden, namens Joe Volkmann, von der Cousine des ermordeten Reporters angesprochen und auf den Fall aufmerksam gemacht.

Volkmann beginnt seine Ermittlungen, die schnell sehr brisant und gefährlich werden: So scheuen die Personen, die sich durch die Ermittlungen in südamerika und Deutschland belästigt fühlen, weder vor Polizistenmorden und anderem zurück.

Schnell aber wird Volkmann klar: Hinter den Morden in Südamerika und Deutschland steckt eine Organisation, die ihre Wurzeln in der Nazizeit hat, oder genauer: Der Kreis derer scheint sich aus der ehemaligen Leibstandarte Adolf Hitler, einer SS – Eliteeinheit, die für Hunderte von Kriegsverbrechen auf fast allen Kriegsschauplätzen bekannt war, zu rekrutieren. Und man kann das noch genauer eingrenzen: Die Motive der Morde scheinen mit einem Ereignis zusammenzuhängen, von dem selbst die Historiker nicht genau wissen, ob es Mythos oder Realität ist: dem sog. Brandenburger Testament Adolf Hitlers. Dieses soll nach Hörensagen von dem ihm treu Ergebenen im Februar 1945, als kurz vor dem Selbstmord Adolf Hitlers, in dessen Beisein unterzeichnet worden sein. Der Personenkreis der Mordopfer und der vermeidlichen Täter scheinen mit dem Personenkreis in Verbindung zu stehen, die bei diesem Ereignis zu gegen waren.



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Das Buch von Glenn Meade gilt als Lesetipp schlichtweg. Lange Zeit ausverkauft, ist es das buch der letzten Monat. Was aber ist so besonderes an diesem Buch?

Sicher, die Zeit der großen, vielschichtigen Agentenschinken ist vorbei, viele gibt es davon heute nicht mehr. Ein Beispiel ähnlicher Art wäre Greg Iles „SCHWARZER TOD“, das aber beispielsweise sicherlich weniger Leser finden wird, als das Werk von Glenn Meade.
Meade legt ein vielschichtiges, oft den Leser überraschendes Buch vor, indem die „Helden“ in der Regel sterben. Denn sie sind keinen Superhelden, sind sterblich , machen Fehler. Allein schon hier unterscheidet sich das Buch von den üblichen trivialen Büchern mit Happy End für die Guten. Im Gegenteil, die Tode der Helden sind weit weniger happy als vielmehr dramatisch und schlimm.
Damit erreicht er aber auch Realitätsnähe, denn in der tat: Die Jagd nach Nazigrößen war eine für beide Seiten blutige Angelegenheit, bei der beide Seiten keine Gnade kannten, denn für beide ging und geht es um eine ganze Menge.

Aber auch die schriftstellerische Leistung ist beeindruckend: Die hohe Zahl an inhaltlichen Fäden, die nach und nach in dem 700 Seiten Werk zu einem ganzen verknüpft werden, die glaubhafte Darstellung der handelnden Personen, all das macht das Buch zu einem lesenswerten Buch. Freilich: Man sollte Zeit haben zu Lesen, denn das verteilte Lesen über einige Wochen wird beim Leser sicher nur die Verwirrung steigern, denn alles kann man über einen langen Zeitraum kaum behalten, alle Details und alle Personen. Deshalb: Drei oder vier wirklich freie Urlaubstage sind mit dem Buch voll verplant
Immerhin: Dafür erhält man eine spannende, fesselnde Lektüre, die sich nicht nur an den Freund des Genres richtet, sondern allgemeiner noch eigentlich jeden Leser zu fesseln vermag.



Michael





----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-03 16:02:18 mit dem Titel und wieder meisterhaftes aus dem hohen Norden

In seinem neuesten Fall hat es Kurt Wallander, leitender Kriminalbeamte der Polizei in Ystad, nicht nur mit ungewöhnlichen Morden zu tun, sondern auch mit Verrat in den eigenen Reihen aber auch mit der „neuen“ Kriminalität via Datenleitung – für ihn freilich ein Buch mit sieben Siegeln.


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INHALT
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Zwei merkwürdige Todesfälle stehen ganz zu Beginn der Handlung:

1) Zwei Mädchen, das eine 14, das andere 19 Jahre alt, sitzen abends in einer Kneipe. Sie bestellen ein Taxi, geben ein Ziel an.
Später töten sie gemeinsam den Taxifahrer durch ein Messer und einen Hammer.

2) Der unscheinbare, von seiner Frau getrenntlebende Computerfachmann Tyrell Falk bricht zu seinem üblichen Abendspaziergang auf. Diesen nutzt er, um an einem Bankautomaten Kontoauszüge zu ziehen. Wenig später wird er tot vor dem Bankautomaten gefunden. gestohlen wurde nichts.

Beide Fälle geben dem Ermittlerteam rund um Kurt Wallander viele Fragen auf. Zunächst die für weibliche Täter ungewohnt brutale Vorgehensweise bei dem Taximord, dann aber auch die Tatsache, dass irgendjemand sich die Mühe macht, die Leiche des Tyrell Falk aus dem Leichenschauhaus zu stehlen und später wieder an ihrem ursprünglichen Fundort zu platzieren – freilich nicht ganz vollständig.

Dramatischer wird es vor allem, als es der 19 jährigen Mörderin gelingt, durch eine Unachtsamkeit aus dem Polizeipräsidium fliehen zu können. Freilich, viel Glück scheint das Mädchen nicht gehabt zu haben, denn ihre bis zur Unkenntlichkeit verschmorte Leiche wird einen Tag später früh morgens in einem Transformatorenhäuschen zwischen den Starkstromleitungen gefunden. Merkwürdig auch hier: Die Schlüssel zu den Häuschen unterliegen der höchsten Sicherheitsstufe. Kein Schlüssel fehlt bei dem örtlichen Stromlieferanten und dennoch war das Häuschen vom Mörder mit einem Schlüssel geöffnet worden.

Und auch der Freund der 19 jährigen verschwinden zunächst auf nicht nachvollziehbare Art und Weise, bis seine Leiche auf eine Fähre, die von Polen nach Schweden übersetzte, zwischen den Antriebswellen gefunden wird.

Grundsätzlich aber besteht das Problem, die einzelnen taten in einen Zusammenhang zu bringen, ein Motiv für die Mordserie zusammenzureimen.
Noch schwieriger wird es für Wallander, weil er öffentlich in die Kritik gerät: Bei dem Verhör der 14 jährigen Taximörderin prügelt diese auf ihre anwesende Mutter ein, so dass Wallander nur durch eine Ohrfeige das Mädchen zur Besinnung bringen kann. Und eben nur diese Ohrfeige erscheint als Foto am nächsten Morgen in der Zeitung.


Bei allen Ermittlungen wird aber schnell klar: Der unscheinbare Falk hatte mehr Vergangenheit, als das selbst von seinem Umfeld, seiner Exfrau wahrgenommen worden ist.
Das unterstreicht auch der PC des Toten, der zwar massiv gegen das Eindringen fremder gesichert ist, der aber unter Mithilfe eines vorbestraften Hackers geknackt werden kann. Und was sich auf dem PC brisantes verbirgt, verschlägt selbst Wallander die Sprache ......


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ERFOLGSGARANTIE

Man kann sich die Frage stellen, wie es Mankell schafft, mit jedem neuen Buch immer wieder einen neuen Beststeller zu schaffen und die Antwort darauf bezieht sich eigentlich auf alle Wallander Bücher insgesamt:
Nun, eigentlich ist das Rezept, das hinter seinen Wallander – Krimis steckt, recht simpel beschrieben: Wallander ist ein Typ wie du und ich, nichts ungewöhnliches und kein Übermensch mit besonderen Fähigkeiten. Er hat seine Macken, ihm rutscht auch mal ein Satz raus, der besser ungesagt geblieben wäre usw.
Er muss sich Sorgen machen um sein Auto, dass merkwürdige Geräusche von sich gibt und für dessen Ersatz er eigentlich kein Geld hat. Seine Tochter hat ihren eigenen Kopf und seine Exfrau hat einen reichen Mann geheiratet.

Nun, nichts von Wegen James Bond oder ähnliches. Ein ganz normaler Kriminalbeamter mit all den Sorgen und Nöten, die jeder andere „fleischliche“ Mensch auch hat.
Das macht den Typen Wallander unheimlich sympathisch und glaubwürdig.

Zum anderen ist es auch die Art und Weise, wie die Fälle gelöst werden: Wallander ist der Kopf eines Teams, er ist der Denker, der aber ohne den Input seiner Leute nichts zu Wege bringen würde.
Die Fälle erscheinen zunächst als wahllose Sammlung von Fakten, Vermutungen, Indizien und Gedanken, deren Zahl sich durch die Ermittlungen immer mehr erhöhen.
Wichtig ist dann das Durchdenken, alleine und im Team.

Beide Punkte machen die Muster der Wallander – Krimis aus und das sind auch die beiden Punkte, die die Bücher für viele so lesenswert machen.

In dem Buch die Brandmauer verhält es sich gleich, nur das die Art und Weise der Verbrechen sich immer wieder ändern.
Das ändert aber nichts an der Anziehungskraft und der geschickten Art des Aufbaues der Bücher, die eine Erfolgsgarantie für die ganze Serie sind.


Wiederum ist mit „Die Brandmauer“ ein ungemein spannender Wallander Krimi vorgelegt worden, der in einem Rutsch abgelesen wird, von mir zumindest.
Ich lese die Reihe mit einem absoluten Genuss und ich hoffe, dass die Bücher bei euch ähnlich wirken.

Michael



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-03 16:04:06 mit dem Titel Anfang schwach, Ende stark

Mörder ohne Gesicht / Mankell, Henning
Ein älteres Ehepaar wird in seinem einsam gelegenen Hof überfallen - der Mann wird auf brutalste Art getötet, die Frau stirbt später an den Folter - Verletzungen, den die oder der Einbrecher ihr zugefügt hatten.

Für die recht beschauliche Gegend um Ysatd, in die sich Polizisten versetzen lassen, die von der Großstadt die Nase voll haben, ein ungewöhnliches Verbechern, vor allem wegen der erschreckenden Gewalt, die gegen das alte Ehepaar angewendet worden ist.

Die Ermittlungen des Teams um Kurt Wallander, einem alternden Kommissar, der noch an seiner Scheidung zu knappsen hat und derentwegen 10 Kilo mehr auf den Rippen trägt, ein zunächst nicht nur unlösbarer Fall. Denn die letzten Worte der sterbenden Bäuerin haben verheerende Folgen, lenkt sie doch scheinbar die Spur auf eine Tätergruppe, die in Schweden wie andernorts sehr gerne als Buh - Männer für jedes nur erdenklich Negative herhalten müssen - die Ausländer.
Angestachelt von der schlagzeilen - geilen Tagespresse kommt es zu Gewalttätigkeiten, schließlich zum Mord an einem Asylbewerber.

Alle Hände voll damit beschäftigt kommt man bei der Suche nach den Mördern des Ehepaares monatelang nicht weiter.

Deutlich wird: er Bauer hat seit Jahrzehnten ein Doppelleben geführt. War das der grund für sein wenig friedvolles Ableben?

Aber erst die Erinnerung einer kleinen Angestellten bringen den Kommissar auf die wirklich heiße Spur.
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Der eher schläfrige Einstieg in die Handlung wird schnell dadurch wett gemacht, dass Henning Mankell den Leser durch ein Labyrinth der Indizien und Verdachtsmomente straucheln lässt - wie seinen Held auch. Kurt Wallander, der Protagonist mit allen alltäglichen Schwächen, verfolgt hartnäckig jede Spur, lässt den Leser mit auf die Jagd gehen.

Zunächst hatte ich ehrlicherweise gedacht, dass das Buch, handelnd in der schwedischen Provinz, genau dahin gehört.

Im Verlauf des Lesens aber steigert sich die Spannung, man wird auf tolle Art und Weise nicht nur zum lesenden Betrachter, sondern beteiligt sich an dem Nachdenken daran, wer nun wann was wohl gemacht haben könnte - und das ebend auf eine andere Art und Weise, wie es mir bisher bei Krimis widerfahren ist.

"Mörder ohne Gesicht" ist ein sehr empfehlenswertes Buch nicht nur für Krimi - Freunde.

Lesespaß pur!


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-03 16:06:10 mit dem Titel Mal wieder: Beste Krimiliteratur aus Schweden

Hunde von Riga / Mankell, Henning
In einem roten Schlauchboot ohne Typen - und Herstellerangaben werden zwei Tote an die Küste des kleinen schwedischen Ortes Schonen gespült. An sich sind die Umstände dieses Falles des Kommissars Kurt Wallander schwierig: Verständlicherweise gibt es keinen eigentlichen Tatort bzw. ist dieser nicht bekannt und kann deshalb bei den Ermittlungen, wer die beiden Toten sind, woher sie kommen, welche Nationalität sie besessen haben, helfen. Weder das Schlauchboot noch die Toten selbst tragen deutliche Hinweise, die die näheren Umstände des Falles beleuchten könnten.
Einzig die Zähne der beiden Toten bzw. die Zahnfüllungen zeigen den Ermittlern, dass es sich um Osteuropäer handeln muss, mehr aber verraten die Toten nicht. im Gegenteil, sie liefern immer mehr scheinbar unlösbare Fragen: Beide Toden wurden durch Schüsse ins Herz getötet, doch die Jacketts, die beide Toten tragen, weisen keinerlei Schusslöcher auf. Sie müssen also nach der tat den Toten angezogen worden sein.
Die Toten tragen teure Einzelanfertigungen, sind gepflegt.
Für die Ermittler rund um Kurt Wallander ein hoffungsloser Fall.
Bis, ja bis die lettische Polizei nach Ersuchen des Außenministeriums.
Der Major der lettischen Polizei Liepa wird nach Schweden zur Amtshilfe entsandt.
Mit Hilfe der lettischen Behörden kann die Identität der beiden Leichen geklärt werden: Es handelt sich um zwei kriminelle aus dem organisierten Verbrechen des kleine Baltikumstaates - allerdings nur um kleine Fische, nicht mehr.
Hinter den Morden muss demnach mehr stecken.

Aber auch er kann kein Licht hinter die mysteriösen Toten bringen.
Bewegung kommt erst in den Fall, als gerade dieser Major kurz nach seiner Heimkehr nach Riga aus seinem Haus gelockt und ermordet wird.
Damit steht fest, das der Fall mehr ist als nur eine Berechnung mit kleinen Fischen der Branche, denn die Ermordung eines Polizeioffiziers ist selbst in Zeiten, in denen die Ostmafia weite Teile der Wirtschaft beherrscht, immer noch ein Novum.

Kurt Wallander wird nun seinerseits nach Riga geschickt, um mitzuhelfen, den Tod des sympathischen Majors aufzuklären.
Dabei stößt er auf einen Filz von Korruption und Lügen, die das Land beherrschen und Recht zu Unrecht und unrecht zu Recht werden lassen, und die schließlich auch ihn bedroht.


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Und wieder einmal: Das Henning Mankell zur Zeit der Stern der europäischen Krimi - Literatur ist, muss jedem aufgefallen sein, der einen Buchladen betritt. Und das nicht zu Unrecht.
Wichtig für den Leser ist ein Identifikationsfigur bzw. eine Person, die den Leser mit der Handlung verbindet, ihn Anteil daran nehmen lässt.
Wie man das meisterhaft zustande bringt, das zeigt eben Henning Mankell meisterhaft. Der sympathische, weil mit den typischen Alltagssorgen behaftete Kurt Wallander ist ein Typ, der nebenan wohnen könnte, halt normal.
Und das der Held kein Supertyp ist, der auch danebenschießen kann aber mit seinem Kasten auf dem Kopf trotz einiger Umwege und Irrungen umzugehen versteht, dass macht die Bücher zu dem, was sie sind:

Spitzen Kriminalliteratur und sicherlich derzeit das Beste, was man als Serie (oder auch als Einzelbuch) derzeit im Buchhandel finden kann.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-03 16:07:17 mit dem Titel SPITZENKRIMI AUS DEM KALTEN NORDEN

Mittsommer: Bei Ikea immer ein Grund, die Preise zu senken und absolute Schnäppchenangebote zu machen.

Mittsommer: In Schonen /Ystad 1994 Grund genug, nicht das Haus zu verlassen.

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INTRO
Was haben diese Begriffe miteinander gemeinsam ?

Mitsommer – Mittelamerika – der Wilde Westen – tote Mäuse – Schonen / Ysatd

Gut, die Frage ist sicherlich unfair, ab für jeden hält Henning Mankell die Antwort bereit

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Viele Deutsche und Festlandseuropäer zieht es in den Sommer- und Wintermonaten nach Schweden, eher aber sicherlich die Sommermonate. Dagegen ist auch grundsätzlich nichts einzuwenden, freilich sollte man um bestimmten Gegenden in Schweden einen weiten Bogen machen, denn definitiv lässt sich feststellen, dass allein die Gegend um Schonen / Ystad eine statischtisch höhere Serienmörderdichte aufweist, als alle anderen Gegenden der Welt.

Gut, man kann dagegen einwenden, dass es die Gegend ist, in der Kurt Wallander Kommissar ist, der Titelheld der Krimis aus der Feder Henning Mankells, dennoch: Wissen kann man es nie ganz sicher, ob es vielleicht doch irgendwie real ist ........


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Zwei Morde und ein Selbstmordversuch stehen am Beginn der Handlung. Ein junges Mädchen aus Mittelamerika verbrennt sich auf einem Rapsfeld vor den Augen Kurt Wallanders, ein vor 25 Jahren aus dem Dienst geschiedener ehemaliger Justizminister wird an seinem einsam gelegenen Haus überfallen, mit einem Axtschlag ins Rückrat weniger sanft aus dem leben gerissen und auch nach seiner haare nebst dazugehörender Kopfhaut beraubt. Ähnliches widerfährt kurze Zeit später einem geachteten und gehassten Kunsthändler während einer großen Mittsommerparty auf seinem eigenen Grund und Boden


Kurt Wallander wird zu Leiter der Ermittlungen in den beiden Morden bestimmt und schon bald wird klar, dass man es nicht mit einem „normalen“ Serienmörder zu tun hat (welcher ist/war bisher normal???), dass also vermutlich das Motiv der taten nicht rational nachvollziehbar sein kann.
Dafür spricht – so die Ermittlungsgruppe – das Skalpieren der Opfer. Zwar ist es nicht ungewöhnlich gerade bei pathologischen Tätern, dass sie sich Trophäen ihrer Opfer mitnehmen, in extrem Fällen sogar Teile von diesen zu sich nehmen, aber die Mitnahem eines Skalps im Sinne Karl Mays ist ein Novum.

Einen Zusammenhang mit dem jungen Mädchen aus Mittelamerika sieht man bis dahin noch nicht, vermutet eher, dass die beiden Mordopfer, der Minister und der Kunsthändler, in der Vergangenheit sich gemeinsame Feinde gemacht haben könnten und zumindest der direkte Bezug zwischen den beiden Männern kann schnell hergestellt werden.

Erschreckend aber ist, dass dieser scheinbar nicht mit den Morden in Zusammenhang stehen kann, denn die Mordserie geht weiter, das Team um Kurt Wallander steht – mal wieder – vor einem Rätsel!!!!

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HENNING MANKELL ist mittlerweile zu einem Qualitätsbegriff in der europäischen Krimiliteratur geworden. Sein Titelheld Kurt Wallander – ein Mensch wie du und ich,, glaubwürdig, manchmal begriffsstutzig, mit guten und auch schlechten Seiten – ist ein hartnäckiger Ermittler, dem es nicht an Intuition fehlt, der aber viele der Fälle auf Grund wirklich routinierter Polizeiarbeit leistet. Dass er neben dem Allerweltscharakter auch noch geistig – glaubwürdig - flexibel ist, ohne dass er ein ÜBERMENSCH wäre, macht das lesen der Bücher zum Genuss.


Bei dem Buch DIE FLASCHE FÄHRTE ähnelt der Aufbau sicherlich den anderen Büchern, mir aber ist das nicht negativ aufgefallen, denn neben dem altenbekannten kommen in jedem Buch auch Neuerungen vor. Zudem sind die Bücher, ist auch dieses Buch toll und ergreifend geschrieben, dass man es kaum mehr aus der Hand legen mag.


DIE FALSCHE FÄHRTE – wieder ein typischer Mankell mit allem Für und Wider – für mich trotzdem eine TOPWERTUNG.


Michael





----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-03 16:09:13 mit dem Titel Mittsommermord – ein Krimi vom Feinsten

Mittsommermord / Mankell, Henning
Wer kennt ihn nicht, den Mittsommer und das dazugehörende Fest, an dem nicht nur in Schweden feste Feste gefeiert werden, sondern auch in einem aus Schweden stammenden Möbelhaus die Preise – und je nach Andrang auch die Kunden auf den Treppen purzeln.

Mittsommer ist aber auch ein Ereignis, dass die betroffenen Personen aus Mankells neuen Roman nicht so schnell vergessen werden, wenn sie denn zu diesem psychologischen Akt noch in der Lage wären. Die Formulierung legt nicht nur nahe sondern macht es zwingend, dass diese dieses eben nicht mehr können, was einen denkbar einfachen, wenn auch blutigen Hintergrund hat, denn die Opfer wurden allesamt ermordet! Mankell eben, wie leibt und schreibt, .... lebt!


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Vier Jugendliche in den 20er Lebensjahren planen wie immer zu Mittsommer, alleine und ohne den Angehörigen genau zu sagen, wohin es gehen wird und wer genau teilnehmen wird, die Nacht des Mittsommers verkleidet in Kostümen festgelegter Epochen zu feiern, weit ab von anderen Menschen.

Als sie aufbrechen wollen, meldet sich aber eine der beiden Mädchen mit Durchfall ab, sodass nur drei der Jugendliche zu dem gemeinsamen Fest mit ihren Autos aufbrechen. ziel ist ein Naturschutzgebiet.
Und von da ab verliert sich die Spur der drei jugendlichen für die handelnden Personen, nicht aber für den Leser, der genau weiß, was jenen zugestoßen ist.

Kurt Wallander, der Derrick Schwedens, erfährt zwar davon, dass drei Jugendliche anscheinend verschwunden sind, macht sich deshalb aber noch keine Sorgen. Jugendliche verschwinden ab und an und tauchen dann auch wieder auf. Was ihn in dieser Ansicht noch verstärkt, ist die Tatsache, dass die Mutter des einzig teilnehmenden Mädchens Postkarten aus verschiedene Städten erhält, die scheinbar ihre Tochter verfasst hat. Dennoch lässt diese Mutter nicht locker, hat sie doch die Ahnung, dass die Karten gefälscht sind und ihrer Tochter etwas schlimmste zugestoßen sein muss.

Für die Ermittler der Kriminalpolizei in Ystad allerdings erhält der Fall eine völlig neue Dimension, als der Kollege – und dem Leser der Mankell Reihe sehr wohl bekannte – Polizist Svedberg erschossen in seiner Wohnung aufgefunden wird. Nach dem ersten Schock bei den betroffenen beamten stellt sich aber schon schnell bei den Ermittlungen heraus, aus welchem Motiv der oder die Täter Svedberg hätten ermorden wollen, dass dieser ein Doppelleben geführt hat. Zum anderen wird deutlich, dass Svedberg, obwohl in Urlaub, auf eigene Faust nach dem Verbleib der drei vermissten Jugendlichen gefahndet hat und mit hoher Wahrscheinlichkeit dem oder den Täter / Tätern so nahe gerückt war, dass diese / dieser ihn aus den Weg geräumt haben / hat.

Kurz nach dem Mord an Svedberg tauchen auch die drei Jugendlichen wieder auf – erschossen.


Wallander, vom Tod des langjährigen Kollegen tief erfasst, und seine Ermittlungsgruppe, treten zunächst auf der Stelle. Keinerlei Motiv für den Mord an den drei Jugendlichen scheint naheliegend, die Morde scheinen zwar geplant erfolgt, aber ohne wirkliches personenbezogenes Motiv.

Erst als der Mörder / die Mörder ein drittes Mal ei Blutbad anrichtet, hat die Ermittlungsgruppe erste Hinweise auf den möglichen Täter.

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Zum Buch

Eigentlich ist das Buch von Wallander erst das Zweite, bei dem ich das Erscheinen des Taschenbuches nicht abwarten wollte ( das erste war der dritte Band von Kathy Reichs, wen es interessiert). 39 DM kostet das Buch im Bertelsmann Club (6 Mark billiger, als die Ladenfassung).

Und: Es lohnt sich, NICHT zu warten sondern den Mehrpreis zu zahlen.

Denn MITTSOMMERMORD wartet nicht nur mit den gewohnten Qualitäten, in den einzelnen Bänden mehr oder minder stark herausgearbeitet, wieder auf, sondern Mankell scheint beim Schrieben dieses Buches vor Schreiblust geradezu gestrotzt zu haben. Eine dicht gestrickte Handlung, die den Leser lange Zeit mitfiebern lässt, wie und was sich nun alles weiterentwickelt, ein gekonnt hinausgezögertes Ende ( immerhin ist knapp 100 Seiten vor dem Schluss der Täter bekannt, aber noch nicht gefasst). das nicht aufgesetzt wirkt.

Insgesamt ein Buch für Krimigenießer, dass jeden Pfennig ( ab Januar: jeden Cent) wert ist.

Ich jedenfalls meine, dass Mittsommermord das bisher beste Buch der Wallander Reihe ist, auch wenn die anderen an sich schon in der Spitzenliga der Krimi Literatur einzuordnen sind.




Michael

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-27 13:03:30 mit dem Titel An diesem Buch fehlt etwas ....

Toyer / McKay, Gardner

TOYER von Gardner McKay handelt von zwei ganz unterschiedlichen Frauen, die sich gemeinsam auf die Jagd nach dem Serientäter TOYER machen.

TOYER ist der „Künstlername“, den Sara Smith, eine der beiden Frauen und Reporterin bei der L.A –Herald, diesem Täter gegeben hat.
Die andere ist die Physiaterin (DAS IST KEIN RECHTSCHREIBFEHLER, laut Duden ist das die NATURHEILKUNDE, nur passt das hier kaum) Maude Garance, die die Opfer des TOYER in der Klinik betreut. Se selbst ist verwitwet und lebt allein in einem kleinen Landhaus.

TOYER selbst tötet seine Opfer nicht, vergewaltigt sie auch nicht, sondern zerstört mit einem spitzen Instrument die Nervenstränge des Nachhirns, ohne allerdings das Rückenmark zu zerstören. Damit sind die Opfer für den Rest ihres Lebens ohne Kontrolle über ihren Körper, in der Regel aber bei Bewusstsein, ohne dieses aber der Umwelt mitteilen zu können.

Grausig, grausig.
TOYER sucht sich in der Regel gutaussehende, hochintelligente Frauen ab 20 Jahren, die er ganz genau observiert, um dann zuzuschlagen.

Bisher hat TOYER neun Frauen überfallen, aber der Autor lässt uns nicht im Unklaren darüber, dass der Täter „nur“ eine schwere Körperverletzung begeht und das zu erwartende Strafmaß nur unbedeutend höher ausfallen würde, als bei einem Autodieb, sollte er denn dann gefangen werden.

Die beiden Frauen, Sara und Maude, stehen zu Beginn auf Kriegsfuß miteinander: Maude sieht in der Reporterin die durchtriebene Story-Jägerin, die auch über Leichen geht, Sara in der PHYIATERIN eine leicht durchgedrehte Ärztin mit Dünkel.

Erst als TOYER zunächst Sara auflauert, dann Maude Besuch erhält, wird beiden Frauen klar, dass sie gemeinsam etwas gegen diesen Mann unternehmen müssen, da von staatlicher Seite eine solchen Delikt nicht ein Beamter wert ist!!!!!

Die Jagd beginnt – nur wer der Jäger ist, das müsst ihr selbst erlesen.


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Um es gleich vorweg zu sagen: Es handelt sich bei dem mit einem anziehenden Einband ausgestatteten Taschenbuch nicht um einen Chartbreaker. Die Heldin Maude bleibt wie auch TOYER während der gesamten Lektüre blass und berührt den lesen kaum. Auch Unglaubwürdigkeiten – welcher Staatsanwalt würde keine Sonderkommission fordern, wenn alle Zeitungen der Stadt regelmäßig über die Opfer des Serientäters berichten, welcher Tatort würde so schlampig untersucht wie in diesem Buch – stören den eigentlichen Lesefluss, weil man kopfschüttelnd die Nebensächlichkeiten bemerkt.
Insgesamt steht das Buch weit hinter den besten der Gattung zurück, beispielsweise den Büchern von Kathy Reichs, die eine ähnliche Dramaturgie ihrer Bücher verfolgt, dass aber viel, viel besser kann.

Insgesamt ist das Buch leichte Kost mit Störeffekten, aber bestimmt nicht der große Wurf des Thriller – Genres in dieser und auch der letzten Zeit.



Goldmann April 2001
17,00 DM




----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-27 16:35:58 mit dem Titel Interessant, doch mit Längen

Schild des Talos / Manfredi, Valerio

Die Spartaner begegnen den meisten vor allem im Geschichtsunterricht - und danach nie wieder. Sicher wird so mancher an die verklärten Darstellungen alter Schulbücher oder an die vom Lehrkörper heldenhaft ausgestalteten wie vorgetragenen Schilderungen der Schlacht des Leonidas mit seinen (ich habe gelernt 1000 Spartanern) 300 Hopliten am Thermophylen - Pass gegen die 100 000 Perser (eine bei weitem NICHT gesicherte Zahl!!!) erinnert.
Manfredi als erfahrener Altertumsforscher hat nun mit "Der Schild des Talos" einen Roman vorgelegt, der sicherlich mit einigen der Klischees in unseren Köpfen aufräumen wird, andererseits aber sicher mehr als ein Schulbuch das leisten kann die Zweigeteiltheit der Bevölkerung des damaligen Lakoniens plastisch vor Augen führt: nämlich zwischen den Gleichen (den Spartanern) auf der einen und den Heloten (der versklavten Ureinwohnerschaft) auf der anderen Seite.
Das Buch beginnt spannend und ergreifend, denn der jüngste und verkrüppelte Sohn eines geachteten Spartaners muss, den Gesetzen der Stadt gehorchend, ausgesetzt und den Tieren überlassen werden.
Diesem nimmt sich ein alter Schafhirte an, zieht ihn auf und bildet ihn aus mit dem Bogen.
Nach mehreren Wirrungen und Irrungen wird er Zeuge des Kampfes der Spartaner gegen die Perser. Seine wahre Identität wird erkannt und so wird aus Talos, dem Heloten, Kleidemos, der Spartaner.
Allerdings soll er die Heloten in die lang ersehnte Freiheit führen.
Das soll zur Fabel des Romans reichen, ich sollt es ja auch noch - bei Gefallen - kaufen.
Mir selbst hat der Beginn und der Schluss des Buches gefallen, die Detailtreue Manfredis und sein Wissen über die Gesellschaft der Spartaner hat mich begeistert. Allerdings fällt die Handlung m.M.n. im mittleren Teil in ein kleines erdzählerisches loch, wirkt langatmig - manchmal auch nicht stringent. Ein wenig unglaubwürdig ist dieser Teil deshalb, weil Talos, der seinem Bruder - ohne es zu Wissen als Helot dient - mit diesem in Schwarzenegger - Manier, den Einzelkampf mit dutzenden Persern sucht - und überlebt.

Trotzdem: Das Buch ist es wert, gelesen zu werden.



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-04-17 21:25:47 mit dem Titel Ungemein spannender historischer Roman

Valerio M. Manfredi: Die letzte Legion

Zum Untergang des Römischen Weltreiches 476 n. Chr. Gibt es viele Theorien, zigfach mehr Bücher darüber, viele Annahmen – nur gesicherte Erkenntnisse sind leider rar. Mir hat man im Geschichtsstudium immer wieder eingebläut, das monokausale Erklärungsversuche diesen Prozess nicht beschreiben könnten. Innere Schwäche, äußerer Druck, eine gesellschaftliche Wandlung, die Wirtschaftskrise inklusive Währungsverfall … Viele Gründe (also eine Gemengelage) führten zum Untergang der antiken Supermacht. Aber: Die Völkerwanderung an sich war nicht der Grund des Unterganges, denn die Römer siedelten gezielt ganze Völker dieser Zeit, so die Westgoten, bewusst als eigenständige Reiche innerhalb ihres Imperiums ein.

Und in dieser Zeit der letzten Zuckungen des Römischen Reiches, oder genauer gesagt, des Weströmischen Reiches mit Ravenna als Hauptstadt, spielt die Handlung von Valerio M . Manfredis neuestem Roman „Die letzte Legion“, und zwar in den allerletzten Zuckungen.
Romulus Augustus, verächtlich auch Romulus Augustulus genannt, der Überlieferung nach ein kleiner Knabe von sicher kaum mehr als 12 Jahren, wird von seinem Vater auf den Thron gesetzt. In einer Zeit freilich, in der die Armee der Römer vor allem aus Söldnern und Hilfstruppen aus aller Herren Länder besteht. Kaum mehr ein Bürger ist mehr zum Dienst in der Armee bereit, zunehmend ist man auf die wankelmütigen Fremden angewiesen, die mal diesem, mal jenem ihre Gunst schenken, je nachdem , wer eben am besten zahlt. Es sind noch keine 20 Jahre vergangen, nach dem Attila mit seinen Hunnen ein für alle Mal geschlagen wurde und dieses Volk wieder dort verschwand, wo es so urplötzlich hergekommen war, nämlich in der Versenkung, die Zukunft des Reiches gesichert schein, bis Odoaker, Germanenfürst und Militär für Westrom, Romulus Augustus Vater tötet und den jungen Kaiser in die Verbannung schickt, was sicherlich auch den Tatsachen entsprechen kann, denn die Überlieferung über das Schicksal des jungen Kaisers gibt hie keine sicheren Erkenntnisse.
Derweil befindet sich Aurelius, Held des Buches, nach der Zerschlagung der letzten römischen Legion durch die Truppen Odoakers auf der Flucht, oder besser gesagt, auf dem Weg zum noch am Leben geglaubten Vater des Kaisers in Ravenna, um Hilfe zu holen.
Dort angekommen findet er ihn nur noch sterbend vor und gibt das Versprechen, den jungen Kaiser zu retten. Bei seinem ersten, fast geglückten Versuch, wird er schwer verletzt und von Livia Prisca, einer der ersten Venezianerinnen, gerettet. Aurelius erfährt über Umwege, dass zum einen der junge Kaiser nach Capri geschafft werden soll, zum anderen, dass sich einige Überlebende der Legion ebenfalls dort befinden, um als Sklaven verkauft zu werden.
Gemeinsam machen sich die beiden auf, um den Kaiser zu befreien und die letzte römischen Soldaten zu retten. Beides gelingt mit viel Glück und mit viel Scharfsinn.
Auf Capri findet der junge Kaiser das Schwert Julius Caesar, das fortan eine treibende Kraft der Akteure darstellen wird.
Da man in Italien nicht mehr sicher sein kann, bringt Ambrosius die Retter dazu, quer druch Europa nach Britannien zu fliehen, wo die einzige Rettung für den jungen Kaiser besteht – die letzte Legion Roms, die Drachenlegion, die immer noch am Hadrianwall harrt und auf Verstärkung hofft.


MEINUNG
Auch wenn das Buch auf Fiktion, Annahmen und Vermutungen basiert, was für die Zeit des endgültigen Ablebens des Reiches auch für die Fachwissenschaft gilt, schafft Manfredi ein kolossal unterhaltsames und spannendes Buch zu dieser Ära, das von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Wo er sich Freiheiten herausnimmt, Geschichte deutet oder aber für die Fabel seines Buches adaptiert, tut er das logisch nachvollziehbar und glaubwürdig.
Sein Held Aurelius erinnert sicherlich an den Kinofilm GLADIATOR, und Russel Growe und so stellt sich der Leser, also ich, sich diese Person auch vor.
Geschockt on dem Schicksal des Reiches, getroffen vom Tod der letzten Kameraden, gehetzt von einer mordlüsternen Meute, ist Aurelius vom Charakter her ein Krieger der besseren Art, der moralisch sein Handeln herleitet und begründet, aber auch gnadenlos und skrupellos sein kann, wenn es dem Überleben der Gruppe hilft.
Dazu kommt der Zerfall der Kultur der Römer, begonnen von den Sitten, wobei man natürlich darüber streiten kann, ob die Römer als solche über eben diese je in einem nennenswerten Maße verfügt haben, der Verwaltung ( obwohl oft von en neuen Herrschern in Teilen übernommen), der Technik usw. und natürlich der Verlust der Sicherheit für die Bevölkerung.
Die Protagonisten spielen dabei prototypisch verschiedene Rollen, die man so aber natürlich auch anders hätte skizzieren können: Die stolzen, ehrenwerten, dem Untergang zustrebenden Römer, darunter Aurelius und seine Gruppe, und daneben die aufstrebenden, brutalen Germanenstämme.
Glücklicherweise nimmt die Beziehung zwischen Ost- und Westrom nur einen sehr geringen Raum in diesem Buch ein, eben den, den es braucht, die Geschichte zu verstehen. Und das ist gut so.
Zugleich ist das Buch auch als ein Versuch zu verstehen, Erklärungen für die verwirrende Zeit zu geben, in der sich die fiktiven Geschichte abspielt. Das tut Manfredi mit hohen Sachwissen und einer genauen Kenntnis der fachwissenschaftlichen Unkenntnis dieser Zeit und eben dese nutz er aus, sein beeindruckendes Buch zu schreiben.

Gleichsam verbindet Manfredi geschickt den Untergang des Römischen Reiches mit der so populären Artussage und zwar von dem Aufbau seines Buches her stringent, logisch und glaubwürdig. Dass es auch anders gewesen sein könnte, kann, sein muss …..wer weiß?

Wer historische Roman gerne liest, der wird mit diesem Buch von Manfredi einen historischen Roman der obersten Liga sein eigen nennen können und damit eine spannende Lektüre, die einerseits fachlich fundiert, andererseits meisterhaft aufgebaut und geschrieben worden ist.


Michael


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-04-19 16:20:04 mit dem Titel Verzwickter Mordfall und normale Polizistin

Ein junges Mädchen wird vermisst und mit ihr ist auch das Pferd nicht aufzufinden, mit dem es ausgeritten ist. Statt dessen finden die Ermittler der Mordkommission aus Cincinnati einen ramponierten Zaun und eine große Blutlache daneben.
Das Mädchen lebte zusammen mit ihrem Vater und den zwei Geschwistern auf einem heruntergekommenen Reiterhof, auf dem Pferde eingestellt werden können, auf dem aber auch Reitunterricht erteilt wird.
DIe Ermittlungen der Mordkommission unter der Leitung von Sonora Blair bringen schnell brisanten Details ans Tageslicht: Scheinbar handelt es sich bei dem Reiterhof um eine Zweigstelle einer skrupellos agierenden Pferdemafia zu handelt, bei dem in großem Stil Betrügereien rund ums heißgeliebte Huftier einigen Herrschaften große Gewinne in die Taschen spülen. Natürlich wird das Verschwinden des Mädchens sofort damit in Zusammenhang gebracht: Ist das Mädchen vielleicht Zeuge eines „Transfers“ geworden, war das Mädchen den Tätern im Weg, als man sich des Pferdes bemächtigen wollte?
Der Verdacht schien sich zu erhärten, als die Betreiberin besinnungslos und ohne einen ihre Finger aufgefunden wird – eine Drohung an sie, ja nichts Falsches an die Polizei weiterzugeben?
Das Auffinden der Mädchenleiche macht dann den Verdacht zur Gewissheit. Nun setzt Sonora Blair alles daran, das verschwundene Pferd ausfindig zu machen und gelangt bei diesen Ermittlungen auch an ein eigenes.
Dennoch scheint bei diesem Fall so einiges nicht zueinander zu passen: Ein tatsächliches Motiv für den Tod des Mädchens scheint es nicht zu geben. Und die Auffindesituation des Mädchens spricht auch gegen einen Mord nebenher: Das Mädchen war liebevoll aufgebahrt aufgefunden worden – zwischen Täter und Opfer muss also eine emotional weitergehende Beziehung bestanden haben.
Nach und nach rückt der Vater des Mädchens in den Mittelpunkt der Ermittlungen, doch was Sonora dann herausfindet, konnte wohl niemand erahnen ………………….


Nach ZAHLTAG und DER BLINDE FLECK ist „Der tödliche Ritt“ des dritte buch aus der Reihe um die Polizistin Sonora Blair, die so anders ist als andere Polizistinnen in dieser belletristischen Berufsbranche. Verglichen mit Amelia Sachs beispielsweise muss sie von einem beeindruckend durchschnittlichen Aussehen sein. Die irdischen Probleme als Alleinerziehende abe ich in dem Bericht zu DER BLINDE FLECK ausführlich geschildert. Schlimm, schlimm.
Wichtig vor allem an dieser Polizistin ist ihre Glaubhaftigkeit im Umgang mit Problemen, Personen, Dingen und Fällen, die dem Leser nicht die abgehobene Welt eines Superbullen vorgaukeln, sondern ehr die irdischen Seiten des Ermittlerdarseins nebst dem Übergewicht wegen dem regelmäßigen Fastfood Essen bei Observationen darlegen.
In diesem Fall geht es um Kindsmord auf der einen, um die Pferdemafia auf der anderen Seite, zwei Handlungssphären, die sich durch äußerste Brutalität auszeichen. Im Gegensatz zum BLINDEN FLECK steckt in dem Buch nun keine immanente Systemkritik, sondern vielmehr eine hochspannende Ermittlergeschichte, in der durch das Zusammenarbeiten vieler Ermittler zwei Fälle parallel entwirrt und gelöst werden. Zwei Fälle, di bei weitem nicht banal sind, sondern durchaus mit Können erdacht wurden.
Wie die beiden Bücher vorher auch hat die Autorin mit diesem Buch einen guten Thriller geschrieben, der dem Fan des Genres sicher gefallen wird.

Michael



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-07-30 20:11:58 mit dem Titel Gewitzer Privatermittler gegen den Rest von Rom

Auf seine typisch gewitzte Art und Weise stolpert der Titelheld der Romanreihe, Marcus Didius Falco, Rufname Falco, mal wieder in ein Verbrechen hinein, das nicht nur ihm Kopf und Kragen kosten kann.
Mit dem Charakter des pfiffigen Detektivs Falco hat Lindsey Davis mit einen der bekanntesten Romanhelden geschaffen, die es derzeit aus der Zeit des römischen Reiches gibt.


Inhalt:
Das ach so große und ruhmreiche Rom hatte selbst zu seinen Hochzeite eine Verwaltungsorganisation, die eher einem ländlichem Kaff als einer Hauptstadt eines Weltreiches gerecht werden konnte. Man war halt Traditionsbewusst, Veränderungen sah man nicht gern und so veränderte sich die Verwaltung der Hauptstadt im Grunde genommen auf dem Weg vom „Kuhdorf“ zu einer eben solchen wichtigen Zentralstadt eines Weltreiches nicht viel.
Eine moderne Polizei gab es nicht, und spätestens der Wahnsinnige Nero hätte den Nachweis bringen müssen, dass zumindest eine gut organisierte Feuerwehr hilfreich sein könnte. Aber nix da.
Und so wurde Rom beherrscht von skrupellosen Banden, die alle erdenklichen Einnahmequellen okkupierten und das Leben in der Millionenstadt nicht gerade sicher machen. Raub, Mord, Diebstahl waren an der Tagesordnung (wobei Mord bei den alten Römern als absolut legitimes Mittel er Politik galt).
Ein eben ein solcher Bandenchef, ein recht skrupelloser und zudem noch der mächtigste, geht im Jahre 72. n . Chr. Den Vigiles der 4. unter Petronius, einem engen Freund von Falco, ins Netz. Balbinus Pius heißt der Gute, der äußerlich nun gar nicht wie ein Schwerverbrecher aussieht.
Balbinus, zum Tode verurteilt, erhält freilich das, was bei dem Römern sei jeher Tradition ist: Da man einen Bürger nicht ins Gefängnis werfen kann, da es solche in dieser Form für Bürger gar nicht kennt, erhält er eine GNADENFRIST bis zu seiner Hinrichtung, die in dieser Form mit einer Verbannung ans Ende der Welt gekoppelt ist. Balbinus ha Rom zu verlassen. Kehrt er zurück, wird er hingerichtet.
Falco und Petronius überwachen beide das Anbordgehen des Gangsterbosses auf das Schiff, dass diesen ins Nirgendwo bringen soll.
Doch schon kurz nach dessen Abreise gibt es erste Anzeichen, dass die organisierte Kriminalität mit Balbinus nicht ihren Kopf verloren hat. Aufsehnerregende Überfalle mit unerlaubt reicher Beute werden begangen, und Zeugen, die gegen Balbinus ausgesagt haben, werden brutal ermordet.
Die Frage, die Petronius und Falco im Auftrag des Kaisers zu verfolgen haben ist die, wer scheinbar sofort an die Stelle des Oberganoven getreten ist und dessen Machtaperrat übernommen hat. Eine Frage, die zu Klären beide und nicht nur sie in höchste Gefahr bringt aber auch Hinweise darauf gibt, dass bei den Vigiles nicht alles so weiß ist, wie es zunächst scheint……


MEINUNG
Nachdem „Letzter Akt in Palmyra“ von mir nur vier Sterne bekommen hat, weist „DIE GNADENFRIST“ mal wieder alle positiven Stärken der Romanreihe von Lindsey Davis auf. Falco, hin und her gerissen zwischen den Aufgaben und Pflichten eines werdenden Vaters, schließlich bekommt seine Freundin Helena ein Kind von ihm, und andererseits dem Problem, dass seine Familie ihm nicht viel zutraut, der Kaiser aber auf ihn baut, das Verbrechen in der Hauptstadt in Fesseln zu legen, und zudem aufgefordert, bei der Hochzeit seines Vermieters, den er auf den Tod nicht ausstehen kann, das rituelle Opfer zu leisten und aus dem Gedärm des unschuldigen Opferschafes eine möglichst günstige Zukunft zu erkennen, klappt nicht alles so ideal, wie er sich das vorgestellt hat.
Falco vor allem, als sympathischer Held der Handlung, der alles bissig-ironisch, bisweilen auch urkomisch kommentiert, und seine Freundin Helena, die wohlerzogene, mit einem scharfen Verstand ausgestattete Senatorentochter, die nichts von alten Traditionen wie „ Der Mann ist der Chef im Haus“, „Man hat den Mann mit Demut und Respekt zu behandeln“ usw. hält, sind die treibende Kraft.
Die Würze auch dieses Buches liegt eindeutig m Zusammenspiel dieser beiden Charaktere, die auch den bedrohlichen Situationen durch ihre Gedanken und ihre Sprüche so komisch machen können, dass jedem Leser ein Schmunzeln quasi ins Gesicht geschrieben wird.

Der Aufbau der Krimihandlung mag sich nicht messen können mit den Meistern des Faches, aber der Aufbau und die Art der Erzählhandlung und der Erzählsituationen machen dieses buch als solches, bzw. die anderen Bücher der Reihe allgemein zu einem Lesespaß der höchsten Kategorie!


Michael


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-07-30 20:14:58 mit dem Titel Spannender Kriminalroman von den Grenzen Roms

Wer sich einmal einen Überblick verschafft, über was der Gering so alles seine Meinungen verfasst, der wir vielleicht überrascht feststellen, dass es vornehmlich Bücher sind. Denn neben einen Vielzahl von Fachliteratur, die ich beruflich lesen muss, vertreibe ich meine Freizeit mit der Lektüre von Belletristik, wobei in den letzten Jahren das Bild der Lesestoffe facettenreicher geworden ist.
Bei dem Überblick würden auch verschiedene Autoren auffallen, die des Öfteren mein Interesse auf sich ziehen. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier…..

Die Bücher von Lindsey Davis treten da in den letzten Monaten in den Vordergrund, schlicht auch deshalb, weil sie allesamt in der Tat für den Liebhaber historischer Krimis ein Leckerbissen sind.

Marcus Didius Falco ist Privatermittler zur Zeit des Princeps (~ Kaisers) Vespasian und oft in Diensten des knauserigen Kaisers unterwegs. Reich wird Marcus dadurch nicht, Ehre erhält er auch nicht viel, aber er kommt über die Runden. Das muss er auch, denn privat ist er mit Helena, einer dickköpfigen und selbstständigen Senatorentochter liiert, der er einmal ein angemessenes Heimanbieten können möchte.

Einer der ewigen Kontrahenten des Marcus Didius Falco ist Anacrites, Oberspion des Palastes, der Falco nicht leiden kann, was allerdings auf Gegenseitigkeit beruht.
Von ihm erhält Falco den Auftrag, für den Kaiser die Dekapolis und Nabatäa, beide im Gebiet des heutigen Israels und Jordaniens zu finden, auszukundschaften, denn beide Gegenden kontrollieren den Handeln mit für Rom wichtigen Luxusgütern und haben daher schon einiges an Reichtümern anhäufen können. Falco soll sondieren, ob eine „Inobhutnahme“ dieser Gebiete für das Römische Reich einträglich sein sollte.
Da trifft es sich gut, dass er für eine Bekannte aus dem Schaustellergewerbe eine entwichene Wasserogelspielerin auffinden soll, die in eben dieser Gegend vermutet wird. Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, das ist etwas für Falco. Und da dessen Holde ebenfalls einen Tapetenwechsel zu pass käme, kommt sie auch gleich mit.
Wer aber Falco kennt, weiß, dass er relativ schnell ist den dicksten Dreckshaufen fällt, der in der Gegend zu finden ist. Und so finden die beiden auch gleich zu Beginn ihrer Spionagetour in Petra (eine Stadt) auf einem Berg gelegenen Tempelbecken einen Toten.
Grundsätzlich wäre daran ja nichts auszusetzen, wäre der Tote nicht nachweislich ermordet worden.
Die Umstände ergeben, dass sich Falco und Helena, die beide den Mörder fassen wollen, einer Schauspielertruppe anschließen, denn der Tote hatte für diese Truppe gearbeitet und alles weist darauf hin, dass der Täter auch in dieser Truppe zu finden ist.
Um sich nützlich zu machen, erlernt Falco sogar die Kunst, Theaterstücke zu überarbeiten und zu kreieren, freilich mit noch mäßigem Erfolg.
Schließlich, wie soll es anders sein, kommt es in Palmyra zum Show down, nicht allerdings ohne dass vorher noch andere Mitglieder der Truppe Opfer des Mörders geworden sind…..


Meinung
Das Buch „Letzter Akt in Palmyra“ ist einer von derzeit sieben Falco – Romanen von Lindsey Davis. Das Buch besticht durch allen Büchern dieser Reihe eigenen Wesenszügen: Lockere Sprüche, ironische Kommentare und Wortwitz durch und durch. Zum anderen sind Helena und Falco als lebende Gegensätze die treibende Kraft der Handlung: Helena als überlegte Akteurin, Falco als impulsiver Held, dem nicht alles glückt –beides ist das Salz in der Suppe bei diesen Büchern.
Dass Falco mitunter überzeugend dusselig wirkt, eher tollpatschig an Filme wie „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ usw. erhöht die Attraktivität der Bücher. Ich lache und schmunzele halt gern beim Lesen und beides ist in der Anlage der Bücher mit angelegt.

Die Handlung dieses Bandes freilich kann da nicht ganz mithalten mit denen der anderen Falco – Romanen, was eindeutig einen Grund hat: Die Länge des Buches und die Tatsache, dass nicht alles für die Lösung des Falles wichtig ist. Verglichen mit den anderen Büchern, da mag auch der Grund dafür liegen, dass ich es hier kritisiere, ist das Buch weniger aktionsgeladen, weniger zielstrebig im Aufbau und weniger fesselnd in den Aktionen an sich.
Das bedeutet nun aber keineswegs, dass der „Letzte Akt in Palmyra“ nicht zu den lesenswerten Büchern zählen würde. Im Gegenteil, aber für den Fan der Reihe ist es sicherlich das schwächste unter den sehr guten Büchern.
Die Rahmenhandlung vor allem, Falco als Stückeschreiber in einem Theaterbetrieb, der einen Mörder fangen soll, passt für meinen Geschmack nicht, waren alle anderen Bücher anders angelegt.
Insofern ein gutes Buch, aber nicht das Beste von Lindsey Davis.


Michael



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-08-18 20:51:54 mit dem Titel Wirtschaftskrimi aus Rom wie in Berlin heute!

Wer wie ich ein junger Vater ist, der wird, allen vorherigen Gepflogenheiten zuwider, schnell den Vorteil von Olivenöl vermittelt bekommen ? von hilfsbereiten Hebammen angefangen, durch die von der Frau angeschafften Fachbücher zum Thema ?Glückliche Babys? und von den im Haus aus- und eingehenden Freunden und Freundinnen, Mitgliedern des Geburtsvorbereitungskurs und jetzigen Absolventinnen des Rückbildungskurses usw.
Olivenöl, welches ich selbst werde zu Salaten oder sonstigen kulinarischen Exzessen nutze, weil es mir nicht schmeckt, ist mittlerweile ein regelmäßiger Einkaufsgegenstand. Und das schlicht und einfach, weil Olivenöl ein sehr vielseitiges, nicht nur zum Verzehr geeignetes Nahrungsmittel ist. Das wussten auch schon die alten Römer??

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INHALT
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??, die das dann auch in dem Band ZWIELICHT IN CORDOBA aus der Reihe um den Privatermittler Marcus Didius Falco von Lindsey Davis in bare Münze umzusetzen versuchen.
Marcus Didius Falco, des Öfteren beschäftigt vom Kaiser Vespasian, um heikle Missionen für das Reich zu lösen, kommt als Privatermittler leidlich über die Runden, hat aber das Problem, dass er eine Frau von Stand nicht nur liebt, sondern mit ihr auch verheiratet ist und bald auch Vater eines Kindes von ihr.. Helena, seine Frau, ist eine Senatorentochter, Marcus selbst Mitglied der Plebs ? nicht nur eine ungewöhnliche, sondern eine skandalträchtige Verbindung.
Dass ihm alle wegen seiner angeblichen Erfolglosigkeit im Nacken sitzen, seine werte Schwiegermama ihm eigentlich sonst was wünscht, außer ihre Tochter, nun all dieses macht sein Leben nicht gerade einfacher.
Schwierigkeiten ergeben sich auch aus einem Treffen der Freunde und Förderer des Olivenhandels des fernen Baetica, wobei das kleine Detail, dass die Teilnehmer eigentlich keinerlei Ahnung von Olivenhandel haben, nur eine Randerscheinung ist. Man sucht halt die Möglichkeit, auf Kosten des Staates mal so richtig zu feiern.
An diesem Treffen nehmen auch die zwei Topspione des Reiches teil (zumindest meinen sie, dieses zu sein), und natürlich auch Falco, der einen recht erfolgreichen Abend verbringt, kann er doch eine ganze Amphore mit der beliebten Fischsauce abstauben.
Ärgerlicher ist aber, dass zwei Gäste dieses Abend sauf dem Nachhauseweg überfallen werden: Dabei kommt ein junger Mann zu Tode und Anacrites, einer der beiden Topspione, erhält tüchtig was auf den Kopf, was bei einigen die Angst, bei anderen die Hoffung auslöst, er können sich, sollte er denn das Attentat überleben, geistig verändern.
Falco untersucht diesen Zwischenfall in Rom aufgrund einer Weisung des zweiten Topspiones und kommt schnell darauf, dass es als Hintergrund des Anschlages nur darum gehen konnte, das Informationen für immer versiegelt werden sollten, die diese beiden hatten.
Falco findet heraus, dass es Preisabsprachen geben soll zu Lasten des Reiches, um den Preis des Olivenöls, dass in der Gegend von Cordoba erwirtschaftet wird, in die Höhe zu trieben und den Profit der am Handel beteiligten zu erhöhen.
Falco muss nach Spanien reisen, wobei Helena es sich nicht ausreden lässt, selbst hochschwanger mitzureisen.
Dort angekommen ist natürlich die Hilfsbereitschaft der Einheimischen recht gering. Und es kommt zu weiteren ?Unglücksfällen?. Dennoch steht für Falco fest: Der Drahtzieher des ganzen Komplottes ist in Rom zu finden und zwar in den höchsten Kreisen des Reiches?.

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MEINUNG
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Geschichtswissen kann man auf ganz unterschiedliche Art und Weise erwerben, wobei die klassische Form des Geschichtsunterrichtes in Deutschland zu den unbeliebtesten gehört. Die der Privaten, die Billigstproduktionen a la HERKULES einkaufen aber auch zu den schädlichsten, weil eben reine Fiktion den gesicherten Fakten entgegengesetzt wird. Es wird Geschichte vermittelt, die keine Geschichte ist.
Mir persönlich, der Geschichte studiert hat, liegt der erste Weg natürlich nahe, trotzdem liebe ich bestimmte Bücher von einigen Autoren, weil sie faktisch gesichertes Wissen über vergangene Zeiten eben auf weniger eingefahrene, sondern mehr auf wirklich spannende, erzählende Art und Weise vermitteln ( auch wenn die sog. REFLEKTIERTE ANEIGUNG VON GESCHICHTSWISSEN, vor allem in Deutschland hochgehalten, dabei auf der Strecke bleiben mag).
Lindsey Davis ist eine dieser Autoren, die wissenschaftlich immens genau, aber ebenfalls immens spannende Bücher zur Geschichte des Römischen Reiches erstaunlich erfolgreich verfasst.

In diesem Buch beispielsweise kann der Leser neben dem Gesellschaftsaufbau, der Frage, wie die Römer heirateten oder sich scheide ließen (mehrer Formen waren da möglich), der Behandlung der Sklaven in den Städten und auf dem Land (die durchaus anders war mit einer deutlich höheren Lebenserwartung in der Stadt), dem Funktionieren des Wirtschaftssystems des Reiches, der Gesetzgebung bzw. der herrschenden Rechtsideen etc. nebenbei bei der Lektüre lernen und zwar so intensiv, wie es so manches Seminar an einer UNI nicht vermitteln könnte.
Speziell wird aber deutlich, wozu der Luxusgegenstand OLIVENÖL alles benötigt wurde ? selbst als Geburtshilfe!

Dass wir heute Kinder in mit Olivenöl versetzet Wasser baden um die schön reichenden, aber allergieauslösenden Kinderbadezusätze zu umgehen, dass weiß ich schon bzw. habe ich vorher schon gelernt.

Insofern sind die Bücher und ist dieses Buch insbesondere meiner Meinung nach sehr empfehlenswert, weil neben der Unterhaltung auch noch ein Zuwachs an Wissen hinzukommt.
Andererseits könnten dieses Bücher auf dem Markt nicht bestehen, wenn sie so grottenschlecht erzählt werden, dass niemand sie lesen wollte. Und eben das sind sie nicht.

Falco zählt zu einer der liebenswertesten Detektivfiguren, die ich kenne. Ein bisschen tölpelhaft dusselig, seiner Meinung nach ein Gott für die Frauen ( ohne dass diese von er Einschätzung des Falco auch nur den geringsten Schimmer hätten), jemand, der Fettnäpfchen magisch anzuziehen scheint wie ihn ebenso jede offene oder verschlossene Weinamphore, gefühlsdusselig in der Beziehung zu Helena, ewiger Pechvogel und Taugenichts für den Rest seiner Familie und den meisten seiner Bekannten - und trotzdem des beste Ermittler, den der Kaiser des Reiches hat, und das, ohne dass es der Rest der Welt weiß.

Wichtig für den Lesespaß ist aber auch die Übersetzerin, Susanne Aeckerle, die Falco seine scharfe Zunge verleiht und damit den Lesern der Bücher bisweilen die Tränen vor Lachen in die Augen treibt.
Situationscomic wie in modernen Sitcoms, aber auf höherem Niveau ? das erwartet den Leser dieses Buches bzw. dieser Bücher


? und mich eine Nullnummer auf dem Guthabenkonto, weil eben Bücher nicht ganz so wichtig für CIAO sind.

Sei`s drum, werde das Lesen deshalb nicht sein lassen.


Michael



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-08-19 11:33:46 mit dem Titel Yopi - Mitglieder müssen sich schämen..

...denn Tatsache ist, dass die Bücher von Lindsey Davis (hier: DREI HÄNDE IM BRUNNEN) auf der Plattform kaum bekannt sind und Meinungen auch kaum gelesen werden. Dazu sollte man aber wissen, dass diese Bücher auf dem freien Markt heiß begehrt sind: So stehen die beiden vergriffenen Bände der Falco Reihe der Autorin, allesamt Taschenbücher, knapp 5 Tage vor dem Endtermin bei EBAY immerhin bei über 20 Euro!!!
Wenn das keine Geldanlage ist, und dann noch eine, die bildet!!!

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INHALT
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Marcus Didius Falco, Privatermittler im alten Rom unter dem Kaiser Vespasian, muss vor sich hin knausern, denn einträglich ist sein Geschäft nicht, wohl aber spannend. Zwar hat er in der Vergangenheit heikle Missionen für den Kaiser und das Reich Ruhm – und erfolgreich bestritten, der versprochene Aufstieg von der Plebs zum equites ( frei übersetzt wird das trivial mit Ritter) bleib ihm aber verwehrt.
Falco kann aber nicht anders: Wenn ihm etwas verdächtig vorkommt, dann muss er es untersuchen. Und genau das passiert, als er sich mit seinem Freund Pedro, der von seiner Frau wegen einem Techtelmechtel mit einer reichen Patrizierin vor die Tür gesetzt worden war, an einem Brunnen an einer Amphore gütlich tut. Der Brunnen läuft nämlich nicht, ist verstopft, erstaunlicherweise aber nicht von Unrat oder Müll, sondern von einer verwesten menschlichen Hand.
Da die Römer über einer der heutigen Polizei vergleichbaren Strafverfolgungsbehörde verfügten, ist das die Stunde des Falco. Seine ersten Ermittlungen bringen ein schreckliches Geheimnis an den tag: Regelmäßig werden in den Aquädukten der Stadt und auch im Tiber selbst menschliche Überreste, Torsen und auch Köpfe gefunden. Allesamt vermutlich von Frauen, und die Funde reichen schon einige Jahre hin in die Vergangenheit.
Falco ist recht schnell klar, dass er es mit einem Serienmörder zu tun hat, der Frauen bestialisch tötet.
Öffentliches Interesse erregen die Funde vor allem, weil die Bewohner der Stadt sich um die Qualität des Trinkwassers sorgen und so wird Falco offiziell von einem Ex-Konsul beauftragt, mit ihm zusammen herauszufinden, wer da das Trinkwasser verunreinigt.
Mit Hilfe eines Beamten kommt man zu dem Schluss, dass der Täter ein gewisses Zeitfenster hat, an denen er seine Taten verübt und deshalb vermutlich außerhalb Roms wohnt.
Auch die tatsache, dass die Überreste in den hermetisch vershclossenen Leitungen gefunden werden, scheint diese Theorie zu stützen.
Nur: Wie soll man in einer Stadt wie Rom mit über 1 Million Einwohnern, in der es keine Vermisstenmeldungen gibt, keine Ermittlungsbehörden oder ähnliches, einem Täter auf die Spur kommen????

Nun, man muss eben Falco heißen…

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MEINUNG
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In diesem Band nimmt es Falco mit einem Typ Straftäter auf, der scheinbar relativ modern scheint: dem Serienmörder ( nicht zu verwechseln mit dem Massenmörder!!).
Dass es diese aber auch in der Geschichte gegeben hat, beispielsweise dem sagenhaften Guy de Rais, dem im 15. Jh. zwischen 100 (anhand von Skelettfunden nachgewiesenen) und 800 (aufgrund der Vermisstenmeldungen) Morde an jungen Knaben und Mädchen nachgewiesen bzw. zugeordnet wurden, zeigt ein Blick in die Geschichte dieser Mordart. (Lektüreempfehlung: Das Lexikon der Serienmörder).
Und da in Rom das Verschwinden bzw. Morden nicht gerade selten war bzw. nicht wirklich verfolgt wurde, ist es als sicher anzunehmen, dass auch die römische Geschichte seine Serienmörder hatte, wenn sie auch nicht überliefert worden sind.

Das Buch macht dem Geschichtsinteressierten deutlich, wie der Aufbau der Gesellschaft im Rom war und wie sie funktionierte, von der Ämterlaufbahn der Patrizier, von Falco immer bissig kommentiert, bis hin zum Leben der unteren Schichten und auch dem leben des Verbrechens.
Historisches Wissen wird so in den Büchern von Lindsey Davis vermittelt, und zwar ein solches, dass sich an de Erkenntnissen der modernen Geschichtswissenschaft messen lassen kann.
Daneben aber, nunmehr mehrfach in meinen Meinungen über die Person des Falco in den Büchern der Lindsey Davis beschrieben, ist eben dieser gewitzte Ermittler schon aufgrund der Anlage der Figur zum Erfolg am Ladentisch verdammt:
Liebenswürdig (weil ein wenig dusselig, ironisch bissig und schlagfertig, gewitzt, intelligent und auch dem angenehmen Leben nicht abgeneigt, einsatzfreudig und doch auch faul) und mit Problemen behaftet ( so die Ehe mit der zwei Ränge über ihm stehenden Helena, dem Problem der knappen Barschaft, dem Problem, einen nervigen Vermieter zu haben, der gerne mal die Miete haben möchte, der Familie, die ihn nicht ernst nimmt) ist er eben ein perfekter Sympathieträger, über den der Leser des Buches immer und immer wieder schmunzeln muss.

Stil und Sprache des Buches sind fesselnd, auch hier muss noch einmal Susanne Aeckerle, die alle neuen Ausgaben der Reihe übersetzt hat, hervorgehoben werden, denn sie muss die Sprache des Originals in der Übersetzung am Leben halten.

Wie immer: Ein ungemein spannender historischer Roman, der fesselt, der schmunzeln lässt, der die Welt des Alten Roms vor dem inneren Auge entstehen lässt.

Ein neuer Band der Reihe (Eine Jungfrau zu viel) ist gerade erschienen als HC, ein weiterer band (Der Tod eines Mäzens) ist in Vorbereitung.


Michael

18 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Striker1981

    10.07.2008, 20:16 Uhr von Striker1981
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und Liebe Grüße vom STRIKER