Erfahrungsbericht von der_Baer
Massey, Sujata - Bittere Mandelblüten
Pro:
gute Sichtweise, gute Ansätze
Kontra:
schleppt sich gegen Ende ohne besondere Lösung hin
Empfehlung:
Ja
Irásshaimasé (Herzlich willkommen) zu einem Bericht über einen Krimi, der uns ins Land der aufgehenden Sonne entführt, wo Rei Shimura, eine junge Frau, halb Amerikanerin, halb Japanerin, in Tokio einen Antiquitätenladen für alte japanische Kunst betreibt.
So ganz kann sie ihre mütterlich amerikanische Wurzeln jedoch nicht abstreiten und ihre Tante Norie versucht alles, aus ihr mehr und mehr eine Japanerin zu machen. Aus diesem Grund hat sie ihr in der berühmtesten Ikebana-Schule, der Kayama-Schule, einen sündteuren Blumensteckkurs spendiert.
Die Zeit der Kirschblüte ist gekommen. Doch das Arrangieren der Zweige wird unwichtig, als die alles beherrschende Lehrerin Frau Sakura mit einer Blumenschere im Hals erstochen aufgefunden wird. Jeder im Haus Anwesende, Lehrer, wie Schüler, kann für diese Tat verantwortlich sein.
Bei einer Ikebanaausstellung wird Rei plötzlich übel. Sie erbricht, klappt zusammen und landet im Krankenhaus. Ihr Tee war mit Arsen vergiftet. War es jemand vom Lehrpersonal? Etwa Takeo Kayama, der Erbe der Schule, der ein auffälliges Interesse an Rei zeigt und auf sie durchaus anziehend wirkt? Oder war es einer der militanten Schulgegner, denen die Pflanzenzucht unter Pestizideinsatz ein Dorn im Auge ist? Könnte es auch eine Frau aus der Verwandtschaft sein, die verhindern will, dass die Schatten der Vergangenheit sie einholen? Vielleicht sogar die eigene Tante, die sich so sorgsam um die angeschlagene Rei Shimura kümmert?
Irgendwer, der Böses im Schilde führt, schiebt Kuverts mit Haikus unter der Wohnungstür durch. Gedichte, bestehend aus drei Zeilen mit fünf, sieben und noch Mal fünf Silben, enthalten unmissverständliche Drohungen. Wer ist der Täter unter bitteren Mandelblüten?
Sujata Massay, die bezaubernde Schriftstellerin mit deutschen und indischen Wurzeln, die, genau wie ihre Protagonistin, Jahre in den USA und Japan gelebt hat, zeichnet in faszinierend exotischem Ambiente das Leben einer jungen Frau, die ihr Leben nach verschiedenen Traditionen gestalten muss. Die Probleme, die sich daraus ergeben, mischen sich mit der fernöstlichen Gespaltenheit eines Landes, dass nach dem Zweiten Weltkrieg praktisch aus dem Mittelalter in die High-Tech-Gegenwart gerissen wurde.
Anfänglich fühlt sich der Leser, des von Sonja Hauser aus dem Amerikanischen übersetzten Krimis, ein wenig durch die ungewohnten japanischen Namen überfordert, lernt aber bald durch die skurrile Zeichnung der persönlichen Eigenheiten die Identifikation mit den handelnden Personen aus zwei Kulturkreisen. Besonders bei der Beobachtung des japanischen Alltags lässt Frau Massey eine gehörige Portion Witz aufblitzen. Fast könnte man meinen, in diesem Krimi kämen nur schräge Vögel vor, aber je länger die Handlung dauert, um so besser erkennt der Leser, das dies in der Eigenart japanischen Denkens liegt und sich die Spannung auf Grund der landesspezifischen Lebensumstände völlig anders entwickelt.
\"Bittere Mandelblüten\" war für mich seit Langem wieder ein Buch, das ich in einem Zug lesen musste. Die Spannungselemente halten sich zwar in Grenzen, aber die Neugier, hervorgerufen durch den Umstand, dass Alles und Jeder verdächtig ist, lässt den Leser mit der sympathischen Miss Marple Junior asiatischer Prägung mitfiebern.
Daher eine klare Leseempfehlung für all jene Krimifans, die Freude an Tatorten finden, die gekennzeichnet sind von fremden Ländern und fremden Sitten. Zu dieser Krimireise nach Japan kann man nur sagen: \"dõzo ki wo tsukéte!\" (Viel Vergnügen).
Weitere Romane mit der jungen Rei Shimura sind \"Zuflucht im Teehaus\" und \"Tödliche Manga\". Der erste Krimi von Sujata Massey, Jahrgang 1964, war \"Die Tote im Badehaus\" und wurde mit dem Agatha-Award ausgezeichnet.
\"Bittere Mandelblüten\"
ISBN 3-492-23864-5
Taschenbuch, 399 Seiten, € 9.90
Verlag Piper München Zürich
© W. Weninger
www.baerenhoehle.tv
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-04-10 09:37:42 mit dem Titel Mischke, Susanne - Das dunkle Haus am Meer
Saint-Muriel an der bretonischen Küste. Das alte Haus aus Granitsteinen, zur einen Seite hin die Klippen, zur anderen Wald und Moor, hat neue Bewohner. In dem düsteren, geheimnisvollen Bollwerk sind Helen und Paul eingezogen. Er, des Mordes an einer jungen Frau verdächtigt, aber freigesprochen und Sie, die Frau an seiner Seite, die mit ihm verheiratet ist, aber seine Geheimnisse und die des Hauses nicht kennt. Sie ahnt, dass sich mehr dahinter verbirgt, aber die Menschen im Dorf mögen keine Fremden.
Im Nachbarhaus, mit dem Fernglas sichtbar, zieht Monsieur Loup ein. Auch er Deutscher, mit Namen Wolf, von Beruf Richter. Doch das ist kein Zufall. Er kennt Paul. Und auch er will hinter das Geheimnis kommen, das dessen Vergangenheit birgt.
Zur gleichen Zeit in Deutschland. Beatrix wird beschattet. Ihr Carolus hat sich im Knast das Leben genommen. Nichts ist ihr geblieben. Kein Geld, die Gemälde an der Wand nur Kopien und keine Ahnung, warum Carolus wegen seiner finanziellen Transaktionen in die Fänge der Justiz geraten ist. Noch schlimmer ist, dass sie nicht weiß, wo dieses Geld ist. Nur ein Foto, dass Carolus mit zweien seiner Freunde zeigt, ist ein Fingerzeig. Einer von ihnen ist Paul. Aber der ist verschwunden.
Am 6. März 2002 war Anke Maas ermordet worden. Ihre Mitbewohnerin Lisa durchsucht deren Hinterlassenschaft. Fotos zeigen den Mann, der Ankes Verhältnis gewesen war und der jetzt verschollen ist, seit er seine Unschuld beweisen konnte. Dieser Mann ist Paul.
Alle suchen Paul. Alle finden dieses Dorf in der Bretagne. Alle finden dieses Haus. Aber Paul ist nicht da. Helen wird konfrontiert. Und sie beginnt zu reagieren. Um sie herum verschwinden Menschen, passieren seltsame Unfälle. Was in der Vergangenheit passiert ist, hat die Frau eingeholt und mit mörderischer Gelassenheit wird sie ihr Revier verteidigen: das dunkle Haus am Meer.
Susanne Mischke, geboren 1960 in Kempten, hat ihren bislang neunten Roman veröffentlicht. Das Syndikatsmitglied der „Sisters of Crime“, das auch durch ihre Drehbücher für die Fernsehserie „Alarm für Cobra 11“ bekannt ist, liefert mit „Das dunkle Haus am Meer“ einen subtilen Psychothriller ab, der weniger durch Action gekennzeichnet ist, als durch die durchgezeichneten, exzentrischen Charaktere, deren wahrer Background erst nach und nach offenbar wird. Auch wenn man schon von Anbeginn erkennen kann, dass hier wirklich jede und jeder seinen Dreck am Stecken hat, braucht es fast bis zum Ende, um die Wirklichkeit erkennen zu lassen.
Das Lesegefühl schwankt zwischen Spannung und Verwirrung. Während bereits am Beginn die Schilderung des Hauses für leichte Gänsehaut sorgt, sind die permanenten Ortswechsel zu Beginn ziemlich störend. In ganz kleinen Häppchen wird abwechselnd das wahre Licht hinter den handelnden Personen aufgedeckt. Immer wieder wird zurück geblendet in die Zeiten, die als Ursache für die Verschrobenheit der Figuren herhalten müssen. Durch diesen wenig linearen Ablauf werden Spannungselemente abgebrochen und neue Handlungsfäden gesponnen, die sich zum Ende hin zwar logisch verknüpfen, aber nicht dafür taugen, Sympathieträger aufzubauen.
Der Schluss tut sein Übriges , um eine kleine Unzufriedenheit zu hinterlassen. Denn trotz der negativen Aspekte, die an den einzelnen Handelnden haften, scheint sich, außer für die mittlerweile Verstorbenen, alles in bestes Wohlgefallen aufzulösen. Nach dem Motto „Eine Hand wäscht die andere“ bleibt ein leiser Hauch von Ungesühntheit auf dem dunklen Haus am Meer haften.
Das anfänglich mühsame Lesegefühl macht in der Folge einem Kribbeln im Bauch Platz. Man will endlich wissen, was wirklich passiert ist und warum sich alle verstecken. Doch irgendwie muss man die 269 Seiten überstehen, bis alle Rätsel geklärt sind, die man für € 19,80 (Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen) im Piper Verlag unter der ISBN 3492042422 verlegt hat. Eine klare Leseempfehlung, obwohl den Bären dünkt, dass dieses Buch eher die weiblichen Krimianhängerinnen zur Gänsehaut animieren wird.
Infos über die Autorin gibt es auf www.susannemischke.de
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-04-30 11:03:35 mit dem Titel Marklund Lisa - Studio 6
Annika Bengtzon, die einmal Journalistin werden möchte, hängt als Aushilfe am Idiotentelefon der Stockholmer Zeitung \"Abendblatt\". Auf dieser Leitung klingelt es, wenn sich Wichtigtuer, Verrückte und sonstige Informanten melden, um ihre oft kuriosen Meldungen abzugeben.
Doch der nächste Anruf ist nicht harmlos. \"Auf dem Friedhof im Kronobergspark liegt die Leiche einer jungen, nackten Frau!\"
Natürlich ist das Presseteam sofort unterwegs. Fotograf, Journalistin und unsere blutjunge Annika raufen sich mit den Kollegen von anderen Zeitungen und diversen Fernsehstationen um die ersten mageren Informationen, die außerhalb der Polizeiabsperrung zu ergattern sind.
Der engagierte Neuling Annika sammelt seine ersten Erfahrungen. Interviews und Recherchen bringen das Bild einer jungen Frau zu Tage, die im Stripschuppen \"Studio 6\" als Tänzerin gearbeitet hat. In diesem Lokal verkehren nicht nur \"normale\" Nachtfalter, sondern auch Politiker der Regierungspartei.
Annika hat sich mit der Freundin der Ermordeten angefreundet und findet durch ihre Hartnäckigkeit sehr schnell heraus, dass der Nachtklubbesitzer sein bestes Pferd im Stall bis zu ihrem gewaltsamen Tod auf Übelste misshandelt hat. Auch das Alibi eines im Klub anwesenden Ministers kann ihren Ermittlungen nicht standhalten. Parallel dazu sucht eine von Annikas Kolleginnen nach alten Akten, die den Nachweis kollektiver Bespitzelung der schwedischen Bevölkerung erbringen sollen. Und auch hier hat besagter Minister offenbar seine Finger im Spiel.
Aber Annika schießt bei ihrer Berichterstattung, mit der sie sogar die Seite 1 schafft, kräftig über das Ziel hinaus, worauf sie sang- und klanglos gefeuert wird. Doch ihr Ehrgeiz und ihr Wollen nach Aufklärung lassen sie weiterhin tiefer in die Materie eindringen, obwohl das Ganze nicht ungefährlich ist.
Wird Annika den Mörder finden? Und schafft sie es wieder, eine Anstellung beim Abendblatt zu ergattern?
Liza Marklund, Jahrgang 1963, gilt als neuer Stern am schwedischen Kriminalschriftstellerhimmel. Mit dem Roman \"Studio 6\" (Rowohlt Taschenbuch Verlag, ISBN 3-499-22875-0, EUR 9,90) stellt sie die Anfänge ihrer Protagonistin Anneke vor, der acht Jahre vor ihrem Erstling \"Olympisches Feuer\" spielt. Das Original ist 1999 im Verlag Ordupplager, Stockholm, als \"Studio sex) erschienen und wurde von Susanne Dahmann aus dem Schwedischen übersetzt.
Die Sprache von Frau Marklund ist schnörkellos und zielt gekonnt darauf ab, sofort Spannung zu erzeugen. Obwohl sie, wie alle ihre nordischen Kollegen, stark auf den seelischen Spannungszuständen der Titelheldin herum reitet, verliert sie dabei das Wesentliche nicht aus den Augen. Fast bis zum Schluss bleibt die zügige Lesbarkeit erhalten, doch der anfänglich gut konstruierte Handlungsablauf verläuft bei seiner Klärung absolut ins Leere und das Ende ist nicht etwa ein erlösender Knall, sondern eine weibliches Drama im Privatbereich, wie er Lesern von Klatschzeitungen vielleicht gefallen kann, aber im Krimibereich eher nichts zu suchen hat.
Hätten sich diese Schwächen im Abschluss nicht ergeben, müsste man Frau Marklund für Konstruktion, Sprache und Spannung eine Top-Wertung verpassen. So reicht es leider nur für vier von fünf Sternen, aber das ist immerhin noch mehr, als es viele ihrer Schreiberfreunde verdienen und somit jederzeit eine Leseempfehlung wert.
W. Weninger
www.baerenhoehle.tv
So ganz kann sie ihre mütterlich amerikanische Wurzeln jedoch nicht abstreiten und ihre Tante Norie versucht alles, aus ihr mehr und mehr eine Japanerin zu machen. Aus diesem Grund hat sie ihr in der berühmtesten Ikebana-Schule, der Kayama-Schule, einen sündteuren Blumensteckkurs spendiert.
Die Zeit der Kirschblüte ist gekommen. Doch das Arrangieren der Zweige wird unwichtig, als die alles beherrschende Lehrerin Frau Sakura mit einer Blumenschere im Hals erstochen aufgefunden wird. Jeder im Haus Anwesende, Lehrer, wie Schüler, kann für diese Tat verantwortlich sein.
Bei einer Ikebanaausstellung wird Rei plötzlich übel. Sie erbricht, klappt zusammen und landet im Krankenhaus. Ihr Tee war mit Arsen vergiftet. War es jemand vom Lehrpersonal? Etwa Takeo Kayama, der Erbe der Schule, der ein auffälliges Interesse an Rei zeigt und auf sie durchaus anziehend wirkt? Oder war es einer der militanten Schulgegner, denen die Pflanzenzucht unter Pestizideinsatz ein Dorn im Auge ist? Könnte es auch eine Frau aus der Verwandtschaft sein, die verhindern will, dass die Schatten der Vergangenheit sie einholen? Vielleicht sogar die eigene Tante, die sich so sorgsam um die angeschlagene Rei Shimura kümmert?
Irgendwer, der Böses im Schilde führt, schiebt Kuverts mit Haikus unter der Wohnungstür durch. Gedichte, bestehend aus drei Zeilen mit fünf, sieben und noch Mal fünf Silben, enthalten unmissverständliche Drohungen. Wer ist der Täter unter bitteren Mandelblüten?
Sujata Massay, die bezaubernde Schriftstellerin mit deutschen und indischen Wurzeln, die, genau wie ihre Protagonistin, Jahre in den USA und Japan gelebt hat, zeichnet in faszinierend exotischem Ambiente das Leben einer jungen Frau, die ihr Leben nach verschiedenen Traditionen gestalten muss. Die Probleme, die sich daraus ergeben, mischen sich mit der fernöstlichen Gespaltenheit eines Landes, dass nach dem Zweiten Weltkrieg praktisch aus dem Mittelalter in die High-Tech-Gegenwart gerissen wurde.
Anfänglich fühlt sich der Leser, des von Sonja Hauser aus dem Amerikanischen übersetzten Krimis, ein wenig durch die ungewohnten japanischen Namen überfordert, lernt aber bald durch die skurrile Zeichnung der persönlichen Eigenheiten die Identifikation mit den handelnden Personen aus zwei Kulturkreisen. Besonders bei der Beobachtung des japanischen Alltags lässt Frau Massey eine gehörige Portion Witz aufblitzen. Fast könnte man meinen, in diesem Krimi kämen nur schräge Vögel vor, aber je länger die Handlung dauert, um so besser erkennt der Leser, das dies in der Eigenart japanischen Denkens liegt und sich die Spannung auf Grund der landesspezifischen Lebensumstände völlig anders entwickelt.
\"Bittere Mandelblüten\" war für mich seit Langem wieder ein Buch, das ich in einem Zug lesen musste. Die Spannungselemente halten sich zwar in Grenzen, aber die Neugier, hervorgerufen durch den Umstand, dass Alles und Jeder verdächtig ist, lässt den Leser mit der sympathischen Miss Marple Junior asiatischer Prägung mitfiebern.
Daher eine klare Leseempfehlung für all jene Krimifans, die Freude an Tatorten finden, die gekennzeichnet sind von fremden Ländern und fremden Sitten. Zu dieser Krimireise nach Japan kann man nur sagen: \"dõzo ki wo tsukéte!\" (Viel Vergnügen).
Weitere Romane mit der jungen Rei Shimura sind \"Zuflucht im Teehaus\" und \"Tödliche Manga\". Der erste Krimi von Sujata Massey, Jahrgang 1964, war \"Die Tote im Badehaus\" und wurde mit dem Agatha-Award ausgezeichnet.
\"Bittere Mandelblüten\"
ISBN 3-492-23864-5
Taschenbuch, 399 Seiten, € 9.90
Verlag Piper München Zürich
© W. Weninger
www.baerenhoehle.tv
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-04-10 09:37:42 mit dem Titel Mischke, Susanne - Das dunkle Haus am Meer
Saint-Muriel an der bretonischen Küste. Das alte Haus aus Granitsteinen, zur einen Seite hin die Klippen, zur anderen Wald und Moor, hat neue Bewohner. In dem düsteren, geheimnisvollen Bollwerk sind Helen und Paul eingezogen. Er, des Mordes an einer jungen Frau verdächtigt, aber freigesprochen und Sie, die Frau an seiner Seite, die mit ihm verheiratet ist, aber seine Geheimnisse und die des Hauses nicht kennt. Sie ahnt, dass sich mehr dahinter verbirgt, aber die Menschen im Dorf mögen keine Fremden.
Im Nachbarhaus, mit dem Fernglas sichtbar, zieht Monsieur Loup ein. Auch er Deutscher, mit Namen Wolf, von Beruf Richter. Doch das ist kein Zufall. Er kennt Paul. Und auch er will hinter das Geheimnis kommen, das dessen Vergangenheit birgt.
Zur gleichen Zeit in Deutschland. Beatrix wird beschattet. Ihr Carolus hat sich im Knast das Leben genommen. Nichts ist ihr geblieben. Kein Geld, die Gemälde an der Wand nur Kopien und keine Ahnung, warum Carolus wegen seiner finanziellen Transaktionen in die Fänge der Justiz geraten ist. Noch schlimmer ist, dass sie nicht weiß, wo dieses Geld ist. Nur ein Foto, dass Carolus mit zweien seiner Freunde zeigt, ist ein Fingerzeig. Einer von ihnen ist Paul. Aber der ist verschwunden.
Am 6. März 2002 war Anke Maas ermordet worden. Ihre Mitbewohnerin Lisa durchsucht deren Hinterlassenschaft. Fotos zeigen den Mann, der Ankes Verhältnis gewesen war und der jetzt verschollen ist, seit er seine Unschuld beweisen konnte. Dieser Mann ist Paul.
Alle suchen Paul. Alle finden dieses Dorf in der Bretagne. Alle finden dieses Haus. Aber Paul ist nicht da. Helen wird konfrontiert. Und sie beginnt zu reagieren. Um sie herum verschwinden Menschen, passieren seltsame Unfälle. Was in der Vergangenheit passiert ist, hat die Frau eingeholt und mit mörderischer Gelassenheit wird sie ihr Revier verteidigen: das dunkle Haus am Meer.
Susanne Mischke, geboren 1960 in Kempten, hat ihren bislang neunten Roman veröffentlicht. Das Syndikatsmitglied der „Sisters of Crime“, das auch durch ihre Drehbücher für die Fernsehserie „Alarm für Cobra 11“ bekannt ist, liefert mit „Das dunkle Haus am Meer“ einen subtilen Psychothriller ab, der weniger durch Action gekennzeichnet ist, als durch die durchgezeichneten, exzentrischen Charaktere, deren wahrer Background erst nach und nach offenbar wird. Auch wenn man schon von Anbeginn erkennen kann, dass hier wirklich jede und jeder seinen Dreck am Stecken hat, braucht es fast bis zum Ende, um die Wirklichkeit erkennen zu lassen.
Das Lesegefühl schwankt zwischen Spannung und Verwirrung. Während bereits am Beginn die Schilderung des Hauses für leichte Gänsehaut sorgt, sind die permanenten Ortswechsel zu Beginn ziemlich störend. In ganz kleinen Häppchen wird abwechselnd das wahre Licht hinter den handelnden Personen aufgedeckt. Immer wieder wird zurück geblendet in die Zeiten, die als Ursache für die Verschrobenheit der Figuren herhalten müssen. Durch diesen wenig linearen Ablauf werden Spannungselemente abgebrochen und neue Handlungsfäden gesponnen, die sich zum Ende hin zwar logisch verknüpfen, aber nicht dafür taugen, Sympathieträger aufzubauen.
Der Schluss tut sein Übriges , um eine kleine Unzufriedenheit zu hinterlassen. Denn trotz der negativen Aspekte, die an den einzelnen Handelnden haften, scheint sich, außer für die mittlerweile Verstorbenen, alles in bestes Wohlgefallen aufzulösen. Nach dem Motto „Eine Hand wäscht die andere“ bleibt ein leiser Hauch von Ungesühntheit auf dem dunklen Haus am Meer haften.
Das anfänglich mühsame Lesegefühl macht in der Folge einem Kribbeln im Bauch Platz. Man will endlich wissen, was wirklich passiert ist und warum sich alle verstecken. Doch irgendwie muss man die 269 Seiten überstehen, bis alle Rätsel geklärt sind, die man für € 19,80 (Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen) im Piper Verlag unter der ISBN 3492042422 verlegt hat. Eine klare Leseempfehlung, obwohl den Bären dünkt, dass dieses Buch eher die weiblichen Krimianhängerinnen zur Gänsehaut animieren wird.
Infos über die Autorin gibt es auf www.susannemischke.de
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-04-30 11:03:35 mit dem Titel Marklund Lisa - Studio 6
Annika Bengtzon, die einmal Journalistin werden möchte, hängt als Aushilfe am Idiotentelefon der Stockholmer Zeitung \"Abendblatt\". Auf dieser Leitung klingelt es, wenn sich Wichtigtuer, Verrückte und sonstige Informanten melden, um ihre oft kuriosen Meldungen abzugeben.
Doch der nächste Anruf ist nicht harmlos. \"Auf dem Friedhof im Kronobergspark liegt die Leiche einer jungen, nackten Frau!\"
Natürlich ist das Presseteam sofort unterwegs. Fotograf, Journalistin und unsere blutjunge Annika raufen sich mit den Kollegen von anderen Zeitungen und diversen Fernsehstationen um die ersten mageren Informationen, die außerhalb der Polizeiabsperrung zu ergattern sind.
Der engagierte Neuling Annika sammelt seine ersten Erfahrungen. Interviews und Recherchen bringen das Bild einer jungen Frau zu Tage, die im Stripschuppen \"Studio 6\" als Tänzerin gearbeitet hat. In diesem Lokal verkehren nicht nur \"normale\" Nachtfalter, sondern auch Politiker der Regierungspartei.
Annika hat sich mit der Freundin der Ermordeten angefreundet und findet durch ihre Hartnäckigkeit sehr schnell heraus, dass der Nachtklubbesitzer sein bestes Pferd im Stall bis zu ihrem gewaltsamen Tod auf Übelste misshandelt hat. Auch das Alibi eines im Klub anwesenden Ministers kann ihren Ermittlungen nicht standhalten. Parallel dazu sucht eine von Annikas Kolleginnen nach alten Akten, die den Nachweis kollektiver Bespitzelung der schwedischen Bevölkerung erbringen sollen. Und auch hier hat besagter Minister offenbar seine Finger im Spiel.
Aber Annika schießt bei ihrer Berichterstattung, mit der sie sogar die Seite 1 schafft, kräftig über das Ziel hinaus, worauf sie sang- und klanglos gefeuert wird. Doch ihr Ehrgeiz und ihr Wollen nach Aufklärung lassen sie weiterhin tiefer in die Materie eindringen, obwohl das Ganze nicht ungefährlich ist.
Wird Annika den Mörder finden? Und schafft sie es wieder, eine Anstellung beim Abendblatt zu ergattern?
Liza Marklund, Jahrgang 1963, gilt als neuer Stern am schwedischen Kriminalschriftstellerhimmel. Mit dem Roman \"Studio 6\" (Rowohlt Taschenbuch Verlag, ISBN 3-499-22875-0, EUR 9,90) stellt sie die Anfänge ihrer Protagonistin Anneke vor, der acht Jahre vor ihrem Erstling \"Olympisches Feuer\" spielt. Das Original ist 1999 im Verlag Ordupplager, Stockholm, als \"Studio sex) erschienen und wurde von Susanne Dahmann aus dem Schwedischen übersetzt.
Die Sprache von Frau Marklund ist schnörkellos und zielt gekonnt darauf ab, sofort Spannung zu erzeugen. Obwohl sie, wie alle ihre nordischen Kollegen, stark auf den seelischen Spannungszuständen der Titelheldin herum reitet, verliert sie dabei das Wesentliche nicht aus den Augen. Fast bis zum Schluss bleibt die zügige Lesbarkeit erhalten, doch der anfänglich gut konstruierte Handlungsablauf verläuft bei seiner Klärung absolut ins Leere und das Ende ist nicht etwa ein erlösender Knall, sondern eine weibliches Drama im Privatbereich, wie er Lesern von Klatschzeitungen vielleicht gefallen kann, aber im Krimibereich eher nichts zu suchen hat.
Hätten sich diese Schwächen im Abschluss nicht ergeben, müsste man Frau Marklund für Konstruktion, Sprache und Spannung eine Top-Wertung verpassen. So reicht es leider nur für vier von fünf Sternen, aber das ist immerhin noch mehr, als es viele ihrer Schreiberfreunde verdienen und somit jederzeit eine Leseempfehlung wert.
W. Weninger
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