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Erfahrungsbericht von Prisca

Das Lazaruskind von Robert Mawson ... ein Buch das sehr nachdenklich macht!

Pro:

geschichtlich sehr interessant

Kontra:

als Roman für mich eher oberflächlich

Empfehlung:

Nein

Wäre ich jetzt Heinz Erhard, würde ich sagen: Und noch´n Gedicht!

Aber ich bin ja nicht Heinz Erhard, ich bin´s nur, Prisca! Und darum an dieser Stelle: Und noch´n Buch! ( Sorry, wenn ich euch augenblicklich mit Buch Beschreibungen zuschütte, mir ist so danach! Und ich schreibe eigentlich immer nur, wonach mir gerade ist!)

Heute soll es um ein ganz besonderes Buch gehen.

DAS LAZARUSKIND

von Robert Mawson. Noch nie gehört?! Dann habt ihr was verpasst, ehrlich.

Vielleicht kann ich euch ja ein wenig neugierig machen, auf das zweite Buch dieses eher unbekannten Autors. Die Ausgabe die ich vorliegen habe, stammt vom Bertelsmann Club. Es war eine Club Premiere ( das heißt, dieses Buch wurde erstmals in Deutschland im Club veröffentlicht) – inzwischen kann man es aber auch ganz normal im Buchhandel kaufen.

Angesprochen hat mich eigentlich das Titelbild. (Übrigens ein anderes, als das oben abgebildetete) Es ist ganz in blau gehalten. Oben rechts kann man ein Mädchengesicht erkennen, unten links steht ein kleiner Junge halb im Wasser. Der untere Teil ist unterlegt von eben diesem Wasser, der obere Teil von einer (hm!?) Sonnenuhr. In schlichten, gelben Buchstaben kann man den Titel des Buchs lesen ( Das Lazaruskind) und kleiner ( in weiß) Robert Mawson.

Da ich ja von Natur aus geizig bin, was meinen Lesestoff betrifft, habe ich es natürlich nicht im Club erstanden sondern gewartet, bis ich es für (damals) 9,-- DM (INCL. Porto) als gebundene Ausgabe ersteigern konnte. Heute gibt es das Buch häufig schon für 1,-- bis 2,-- Euro zu ersteigern.

Jetzt zum Inhalt des Buches:
Ein kleines Mädchen (Frankie) und ihr Bruder (Ben) sind mit einer Freundin auf den Weg zur Schule. Ben läuft vor ( Was die Mädchen wieder zu trödeln haben!), um sich noch schnell einen Comic zu kaufen – und da geschieht das Unglaubliche. Die beiden Mädchen wollen ihm über eine belebte Straße folgen, achten nicht auf den Verkehr, werden von einem LKW erfasst. Die kleine Isabelle ist sofort tot, Frankie kann wiederbelebt werden, erlangt aber ihr Bewusstsein nicht zurück.

Ben zieht sich voller Schuldgefühle in sich zurück, der Vater der beiden fühlt sich hilflos und ebenfalls schuldig ( er hatte seine Frau kurz vor dem Unfall betrogen, woraufhin diese ihn aus dem Haus warf. Nur deshalb waren die beiden Kinder, die sonst immer von ihm zur Schule gebracht wurden, diesmal allein), die Mutter klammert sich verzweifelt an die Hoffnung, das Frankie wieder aufwacht.

Es vergeht eine lange Zeit, die Ärzte machen den Eltern keine Hoffnung für Frankie und Ben zieht sich immer mehr zurück. Eine Psychologin rät, Frankie sterben zu lassen – dann könnte wenigstens Ben den Verlust seiner Schwester verarbeiten und wieder ins Leben zurückfinden. Die Mutter wehrt sich verzweifelt – der Vater erkundigt sich. Doch was er erfährt, lässt auch ihn erschrocken zurück. Es gibt ein Gesetz, das aktive Sterbehilfe verbietet. Frankie dürfte also z.B. nicht durch eine erhöhte Dosis Medikamente erlöst werden. Als passiv geduldet würde es aber, im Falle einer zusätzlichen Infektion den geschwächten Körper nicht mit Medikamenten zu heilen – ODER das absetzen der künstlichen Ernährung! Das würde bedeuten, Frankie müsste verhungern, oder langsam an einer Krankheit sterben, die man nicht behandelt. Beides für ihre Eltern undenkbar!

Szenenwechsel!
Elizabeth ( Lizzie) musste als Kind den Tod ihres Bruders mit ansehen. Unbewusst entwickelt sie den Entschluss, später Kindern in seiner Situation zu helfen. Sie wird Ärztin – setzt sich besonders für Komapatienten ein. Eines Tages gelingt es ihr tatsächlich, einen bereits aufgegebenen Patienten wieder „ zu erwecken“ , ihn in ein normales Leben zurückzuholen. Die Presse ist begeistert, sie bekommt viele Anfragen von Menschen in ähnlicher Situation.
Aber kann sie ihnen helfen?

Sie gründet eine Komaklinik – ein umstrittenes Projekt, das von Beginn an von der Schulmedizin nicht gern gesehen wird und das ständig mit finanziellen Problemen zu kämpfen hat. Trotzdem verbucht sie Erfolge – sie kann einige Kinder heilen, manche nur teilweise „zurückholen“, so das sie stark behindert bleiben – und einige Patienten sterben auch. Das ruft trauernde Angehörige auf den Plan, die einen Schuldigen suchen – und die Presse. Es wird an die Öffentlichkeit gezerrt: Die Methoden, mit denen Lizzie versucht, die Kinder zu erreichen, sind sehr „eigenwillig“ – Hypnose und Drogen sind noch die harmlosen – sie arbeitet auch mit Elektroschocks, mit Methoden, für die es noch nicht mal einen Namen gibt. Lizzie gibt offen zu: ich arbeite auf einem völlig neues Gebiet – teilweise muss ich experimentieren. Das ruft schließlich den Staatsanwalt auf den Plan...eine Schließung ihrer Klinik wird angedroht

In dieser angespannten Situation laufen die beiden Geschichten zusammen. Frankies Eltern haben von Lizzis Erfolgen gehört – und Lizzie erklärt sich bereit, ihnen zu helfen .....

Mehr werde ich euch auf keinen Fall verraten, sonst ist die Spannung aus dem Buch. Obwohl, dieser Roman lebt nicht unbedingt von Spannung. Er ist ergreifend, traurig, macht sehr nachdenklich...und ist doch niemals kitschig!

Er ist teilweise geschrieben aus der Sicht von Frankies Eltern, teilweise aus der Sicht von Lizzie. Es ist immer gleichbleibend ruhig, selbst die spannenden Stellen sind nicht so sehr auf Sensation aus, sondern sind eher traurig. Natürlich fragt man sich als Leser: Wie geht es denn nun weiter? Was wird aus den Kindern? Was wird aus Lizzie? Was wird aus ihrer Arbeit? Wer nun glaubt, das Ende vorhersehen zu können, den muss ich enttäuschen.

Natürlich macht man sich ein Bild, wie der Roman ausgehen KÖNNTE. Ich weiß nicht, ob es euch schließlich so gehen wird wie mir: Für mich war das Ende dann doch eine Überraschung – genauso still und ruhig, traurig und doch voller Hoffnung – so, wie das ganze Buch.

Was mir an dem Buch besonders gefallen hat ist die Realitätsnähe. Die ganzen Gefühle, die ganzen Gedanken der Menschen – Verzweifelung, Mut, Hoffnung.... das alles beschreibt Robert Mawson so lebendig, das man glaubt, es mit realen Personen zu tun zu haben. Er beschreibt sogar die Gedanken, die Traumwelt von Komapatienten – und das auf eine Art, die man nicht Frage stellen mag. Ich weiß nicht, ob es solche Koma-Kliniken gibt ( jedenfalls habe ich noch nichts davon gehört), aber man kann sich vorstellen, das es dann so laufen würde.

Mein Fazit:
410 Seiten, die sich auf jeden Fall lohnen, wenn man mal was ganz anderes lesen will als immer nur Grusel und Krimi und Herzschmerz.

(diese Meinung wurde bereits vor einiger Zeit unter dem Namen Prisca (1960) in aneren Meinungsforen eingestellt!)


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-19 22:04:00 mit dem Titel Insel der Verlorenen / Colleen McCullough ...

Vor einiger Zeit habe ich den neusten Roman von Colleen McCullough ersteigert. Er hat den Titel

INSEL DER VERLORENEN

und ist als Clubpremiere im Bertelsmann Club erstmals in Deutschland erschienen. Inzwischen ist es aber auch schon normal über den Buchhandel zu beziehen.

Gebundene Ausgabe
Sehr schön gestalteter Schutzumschlag
Ca. 600 Seiten
24,90 Euro neu bei Amazon

Wie der Klappentext verrät, handelt es sich bei diesem Roman um einen sehr persönlichen. Denn er beschreibt die Geschichte eines direkten Vorfahren des australischen Ehemannes von C. McCullough. Ob er deshalb aber auch einer ihrer besten Romane geworden ist? Lest einfach weiter, dann werdet ihr meine Meinung dazu erfahren!

Zunächst einmal kurz zum Inhalt:
Richard Morgan lebt im 18. Jahrhundert in Bristol. Er ist ein ruhiger, sensibler Mann – sehr zum Leidwesen seines Vaters, der in Bristol eine Kneipe betreibt. Würde der es doch viel lieber sehen, wenn Richard sich wie ein Mann benimmt, Stärke zeigt, Gefühle versteckt. Doch Richard steht offen zu seinen Gefühlen, liebt seine Frau und seine Kinder. Der Tod seiner kleinen Tochter trifft ihn schwer. Trotzdem steht er seinen Mann, geht einer geregelten Arbeit nach – leider nicht in der Kneipe seines Vaters, obwohl er dort immer noch lebt.

Das Schicksal schlägt erneut zu. Erst verliert er seine Frau durch einen Schlaganfall, dann verschwindet sein Sohn auf mysteriöse Weise. Richard verliert den Halt – er lässt sich mit einer Prostituierten ein – gerät schließlich in eine finstere Intrige. Plötzlich findet er sich im Gefängnis wieder (die Zustände sind katastrophal – nur mit Hilfe eines Verwandten, der als Apotheker bewandert ist, kann er überleben)

Richard ist unschuldig, doch als er vor Gericht nicht einmal aussagen darf ist sein Schicksal besiegelt. Er wird zu vielen Jahren Zwangsarbeit verurteilt für ein Verbrechen, das er gar nicht begangen hat.

Im Gefängnis beginnt er sich zu verändern. Auf seine ruhige, besonnene Art sammelt er einige andere Gefangene um sich und unmerklich wird er zu ihrem Sprecher und Anführer. Als es schließlich zur Deportation kommt, gelingt es ihm, das sie alle gemeinsam verschifft werden.

Verschifft auf einem ehemaligen Sklavenschiff – nach Australien soll es gehen – ein damals noch unbekannter Kontinent – gerade erst entdeckt. Die Sträflinge sollen ihn nutzbar machen für England...

Diese Stelle im Buch findet man ungefähr auf Seite 250 ( also ungefähr das erste Drittel. Mehr möchte ich euch auch gar nicht über den Inhalt verraten, dann braucht ihr das Buch ja nicht mehr zu lesen!

Müsst ihr es denn überhaupt lesen?! Ich werde euch mal meine Eindrücke zu dem Buch schildern. Schon von Beginn an war ich ein wenig enttäuscht. Die Inhaltsangabe versprach einen leichten, aber spannenden Roman – ein bisschen Abenteuer, ein bisschen Romantik und das alles geschickt verknüpft mit etwas historischer Geschichte.

Ich hatte aber von Anfang an das Problem, so richtig mit der Handlung mitzugehen. Nicht, das das Buch schlecht geschrieben wäre. Im Gegenteil. Der Stil ist einfach und verständlich – man kann das Buch auch aus der Hand legen und nach einer Woche weiterlesen, ohne den Faden zu verlieren. Was hat mich also gestört?

Na ja, der ganze Roman erinnert mich ein wenig an ein interessantes Geschichtsbuch. Man bekommt wirklich ein sehr genaues Bild vom Bristol der damaligen Zeit. Wie haben die Leute gelebt, wie haben sie gearbeitet, mit welchen Krankheiten hatten sie kämpfen? Wie liefen die Gerichtsverfahren damals ab, wie fielen die Urteile aus? Wie wurden Sträflinge behandelt und wie war das bei der Deportation? .....

Alles sehr anschaulich und lebendig geschrieben – man sieht das Leben damals richtig vor sich. Und genau diese Art der Schilderungen war für mich der Grund, das Buch überhaupt zu Ende zu lesen. Es war interessant, das alles zu erfahren, ich gebe es zu.

Allerdings wollte ich ja eigentlich kein Geschichtsbuch lesen, sondern einen unterhaltsamen Roman. Und genau da scheint das Buch für mich zu versagen. Wenn ich einen Roman lese, dann möchte ich in der Handlung versinken – ich möchte alles gemeinsam mit den Hauptpersonen erleben. Die Figuren in einem guten Roman werden für mich lebendig, ich lache und leide mit ihnen.

Und in: Insel der Verlorenen? ! Nichts! Ich konnte während der ganzen Zeit keine Beziehung zu Richard aufbauen. Er war für mich eine Person, die mich durch ein interessantes Kapitel der Weltgeschichte leitet – nicht weniger, aber auch nicht mehr! Er hat für mich niemals wirklich existiert – ich habe seine Trauer nicht nachempfinden können, als er seine Frau und seinen Sohn verliert – ich konnte nicht ängstlich Mitfiebern, als er zum ersten Mal das schreckliche Sklavenschiff betritt, das ihn nach Australien bringt.

Auch die anderen Personen im Roman erscheinen mir blass und unpersönlich – jederzeit austauschbar – fast noch unwichtiger als Richard selbst.

Ich frage mich, woran es liegen mag, das dieser Roman so unpersönlich auf mich wirkt! C. McCullough kann doch ganz anders! Ich denke da an die „Dornenvögel“, ein Roman, der auch in Australien spielt. Vielleicht geschichtlich nicht so korrekt und intensiv – aber die Geschichte lebt! Was habe ich bei diesem Roman geheult! Was habe ich mit Maggi und Pater Ralph gehofft und gelitten...

Vielleicht liegt es daran, das sie in diesem Fall ja keinen fiktiven Roman schreibt, sondern die reale Geschichte eines Menschen, der gelebt hat. Vielleicht hat sie deshalb besonders viel Wert auf historische Korrektheit gelegt ... und dabei vergessen, ihren Figuren Leben einzuhauchen! Ich kann es nicht mal genau sagen.

Mein Fazit:
Auf mich wirkt dieses Buch wie ein spannendes, interessantes Geschichtsbuch, nicht wie ein Roman. Und damit komme ich mit der Bewertung mal wieder in Schwierigkeiten ( warum gibt es bloß kein Mittelding zwischen empfehlenswert und nicht empfehlenswert???) . Da es als Roman gedacht ist, werde ich es wohl auch als Roman bewerten: also mittlere Bewertung und nicht empfehlenswert. An dieser Stelle möchte ich euch allerdings raten: Trotz des nicht empfehlenswert solltet ihr euch das Buch vielleicht mal ausleihen und anlesen. Vielleicht empfindet ihr das Ganze ja ganz anders. Wie gesagt, es ist schon interessant geschrieben – nur, für mich lebt der Roman nicht!

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