Erfahrungsbericht von nici023
Manchette, Jean-Patrick "Fatal"
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Ort: Frankreich
Zeit: 1970er
Autor: Manchette, Jean-Patrick
Verlag: Distel Literatur, Heilbronn
Erschienen: 01.01.2001
ISBN: 3923208472
Typ: Taschenbuch
Dieser nur 148 Seiten lange Roman ist ein Feuerwerk, dessen rasante Handlung den Leser kaum zu Atem kommen lässt.
Wir begleiten Aimée auf Schritt und Tritt, sehen erstaunt ihren Handlungen zu, ohne zunächst über ihre Beweggründe Bescheid zu wissen. Dabei wären wir für eine Erklärung dankbar, schließlich knallt Aimée schon auf der vierten Seite einen Jäger ab.
Wir folgen ihr im rasanten Tempo bis sie in der Kleinstadt Blèville ihr Lager aufschlägt. Dort macht sie auf einem Cocktail-Empfang die Bekanntschaft mit der höheren Gesellschaftsschicht. Deren verlogene Harmonie wird gnadenlos entlarvt und der verdeckte Hass und Neid aufgedeckt. Aimée schürt das Ganze noch. Sie hat erkannt, dass sie mit der verlogenen Heuchelei der Bourgeoisie gute Geschäfte machen kann.
Der Roman endet – wie jedes Feuerwerk – in einem großen Finale, dass jedoch anderes ausgeht, als von Aimée geplant. Dabei war sie doch bisher absolut präzise und professionell.
Dieses Buch sei allen ans Herz gelegt, die schwarzen Humor, hinterlistige Intrigen und knappen Schreibstil mögen.
Verlagsinfo:
\"Haltet Eure Stadt sauber\" - lautet das oberste Gebot in Bléville, der Stadt des Geldes. Aimée, die Killerin, befolgt die Aufforderung auf ihre Weise. Sie kratzt an der Fassade der Provinzidylle und legt \"einen Sumpf von unsauberen Geschäften, Korruption und Intrigen frei. Als vertuscht werden soll, daß ein Säugling und eine alte Frau an einem Produkt der einflußreichen örtlichen Lebensmittelfabrikaten gestorben sind, beginnt Aimée mit ihrer «Aufräumaktion\". Sie schließt mit den einzelnen Honoratioren getrennte \"Verträge\" und spielt sie gegeneinander aus. Es kommt zum blutigen Show-down.
Mit diesem Buch wendet sich Manchette \"an die sinnlichen und und philosophischen Frauen\", wie er am Schluß des Buches schreibt. Die zierliche und attraktive Aimée ist die erste Killerin in der Geschichte des \"roman noir\": Allein, professionell, selbstsicher, unbeirrbar triumphiert sie gegen die Männer in einer Männergesellschaft und schlägt sie mit deren Waffen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-18 21:08:48 mit dem Titel Moret, Xavier "Das Leben war schneller"
Ort: Spanien; Barcelona
Zeit: 1990er
Autor: Moret, Xavier
Verlag: dtv, München
Erschienen: 01.07.2001
ISBN: 3423242582
Typ: Taschenbuch
Dieser Roman von Xavier Moret hat auf den ersten Blick wenig mit einem Kriminalroman zu tun. Erst ab der Mitte des Buches beginnt die Geschichte eine kriminalistische Note zu bekommen. Der Autor spielt mit dem Genre auf solch leichte und humorvolle Art und Weise, dass es eine Wonne ist, es zu lesen. Bevor es aber zu dieser Entwicklung kommt, hat uns Moret in seiner lockeren und witzigen Erzählweise in seine geliebte Altstadt Barcelonas entführt und übriggebliebene Hippies, Barkeeper, Filmsternchen und lächerliche Yuppies vorgestellt.
Die Hauptfigur Max Reira bezeichnet sich selbst als einer der übriggebliebenen Hippies. Er ist ein erfolgloser Schriftsteller, der in der Altstadt am Placa Reial lebt und von alten Zeiten träumt, als er und viele andere noch an ein gerechtes und freies Leben glaubten. Inmitten seiner Träumereien platzt ein Anruf seines alten Schulkollegen Pau Gispert, den Max schon zu Schulzeiten aus tiefsten Herzen verabscheute. Gispert bietet ihm einen sehr gut bezahlten Job als Drehbuchautor einer Fernsehserie an. Bedingung ist allerdings, dass nach zwei Wochen schon erste Ergebnisse vorliegen müssen. Max hat angesichts seiner permanenten Geldnöte gar keine andere Wahl als diesen Job anzunehmen. Es ist ihm aber völlig schleierhaft, warum er dieses Angebot bekommen hat. Gispert nennt ihn zwar einen alten Freund, Max kann sich aber nur an Prügelszenen in der Schule erinnern und außerdem hat er von Fernsehen nicht die geringste Ahnung (nicht mal als Konsument dieses Mediums).
Hier prallen zwei Welten aufeinander: der sympathische Loser und der reiche Emporkömmling. Max durchstreift die Welt des Fernsehens mit all seinen aufgeblasenen Typen, die ihre Wichtigkeit daran messen, wie viele Telefonnummern sie in ihren Handys gespeichert haben und wie viele Termine sie in ihrem elektronischen Terminkalender vorweisen können. Diese satirische Beschreibungen sind absolut köstlich und es verwundert nicht, dass Max die neue Entwicklung in seinem Leben mit furchtbaren Albträumen bezahlen muss. So träumt er von einer Drehszene, in der ein politischer Korrektor so lange an einer Verhaftungsszene herumkritisiert, bis der Polizist völlig verdreht aber politcal correct den Verdächtigten stellt.
Die Geschichte gewinnt an Tempo und Themen, es ereignen sich kleinere und größere Katastrophen in Max näherem Umfeld: Liebeskummer, Trennungen, skrupellose Bauspekulationen und schließlich der Tod einer Nachbarin. Sie ist einer der vielen Drogenopfer, deren Zahl in letzter Zeit in Barcelona auffallend gestiegen ist. Max glaubt jedoch, dass sie ermordet wurde und ist wegen der Untätigkeit der Polizei entsetzt. Andererseits hat er mit denen natürlich sehr wenig am Hut und forscht gemeinsam mit seinem Freund Roc selbst ein wenig nach.
Es ist klar, dass es bei dem geborenen Losertyp nicht alles glatt läuft und dass es vor dem Finale zu einigen Rippenbrüchen kommt. Der Roman ist ebenso rasant wie unterhaltsam und eine Liebeserklärung an Barcelona (vielleicht eher an ein Barcelona, das so nicht mehr existiert).
Das Buch ist mit der Illustration von Nazario Luque sehr auffallend und passend gestaltet. Jeder Kapitelanfang zeigt einen Auszug aus dem Eingangsbild, das prima zu dem Roman passt.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-19 16:38:46 mit dem Titel Marcy, Jean "Eiskaltes Blond"
Ort: USA, Deutschland
Zeit: 1990er
Autor: Marcy, Jean
Verlag: Argument, Hamburg
Erschienen: 01.01.2001
ISBN: 3886198634
Typ: Taschenbuch
Vivian Rudder suchte bei Police Detectiv Sarah Lindstrom Zuflucht vor ihrer gewalttätigen Geliebten. Statt Schutz zu erfahren, wird sie aber brutal ermordet. Nach der Entdeckung der toten Freundin in ihrem eigenen Bett ruft Lindstrom die Privatdetektivin Meg Darcy um Hilfe. Diese verzehrt sich gerade vor Liebe zu der unterkühlten schönen Polizistin und ist trotz Zurückweisung wild entschlossen, Lindstrom zu beschützen und den Fall aufzuklären. Diese ausführlichen Beschreibungen von Beziehungskisten und Liebeskummer sind häufig in Romanen mit lesbischen Heldinnen zu finden. Oftmals werden die Nebenaspekte eines Krimis überhöht dargestellt, wirken aufgezwungen und langweilig.
Doch in diesem Roman geht die Geschichte spannend weiter und die Teile werden schlüssig zusammengeführt. Noch während der Motivsuche (war es die brutale Geliebte oder der Ex-Ehemann) kommt Meg der entsetzliche Gedanke, dass Vivian vielleicht nur aus Versehen umgebracht wurde und eigentlich ihre heißgeliebte Sarah das Opfer sein sollte. Und tatsächlich Sarah erhält Drohungen, die diesen Verdacht verstärken und nun nimmt sie auch die Megs Hilfe an.
Der Krimi ist eine klassische Detektivstory, in der es reichlich Verdächtige aus dem Privatleben der Toten und dem Berufsleben der Polizistin gibt. Die Verbindung der ermittelnden Privatdetektiv und der Polizistin als potentielles Opfer ist eine interessante Krimivariante, weil dadurch Elemente einer Polizei- und Privatdetektivgeschichte miteinander verknüpft werden. Die Beziehung der beiden zueinander ist das Rückgrat, das die Geschichte zusammenhält.
Der Roman ist spannend und gut erzählt, leider ist das Ende abrupt und erscheint unzureichend ausgearbeitet. Die Kriminalgeschichte wird schludrig und ohne hinreichende Erklärung hastig zu Ende erzählt, um dann wieder der Liebesgeschichte Raum zu widmen.
Am Rande:
Hinter dem Pseudonym Jean Marcy verbergen sich Jean Hutchison und Marcy Jacobs, die seit mehreren Jahren ein Paar sind. Beim Lesen sind mir ein paar Ungereimtheiten aufgefallen, die vielleicht damit zu erklären sind, dass diesen Buch nicht aus einer Feder stammt.
Auf Seite 119 freut sich Meg, dass Sarah noch weiß, wie sie ihren Kaffee mag (\"Der Kaffee dampfte und mit dem ersten Schluck merkte ich, dass sie nicht vergessen hatte, wie ich ihn mochte\"). Kurze Zeit später wird folgender Dialog wiedergegeben, der im absoluten Widerspruch dazu steht: \"Ist der Kaffee für mich?\"... \"Vielleicht. Ich habe nur Milch hineingetan. Ich vergesse immer, was du magst.\" (S. 139)
Nach dem die beiden Frauen gemeinsam gegessen haben (\"Zehn Minuten später aßen wir zum ersten Mal seit Tagen ein richtiges Abendessen.\" S. 109) und sie durch einen Anruf aufgeschreckt werden, trennen sich ihre Wege und Meg fährt nach Hause, um dort ihrem Mitbewohner folgenden Vorschlag zu machen: \"Mir ist kalt und ich sterbe vor Hunger. Könntest du etwas zu essen machen, während ich schnell eine heiße Dusche nehme\" (S. 112). Endlich mal wird unstillbarer Appetit ausgelebt und nur am Rande erwähnt ohne dies großartig als Esssucht zu thematisieren ;-)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-19 16:42:33 mit dem Titel Milne, John "Nicht tot zu kriegen"
Ort: Großbritannien; England; London
Autor: Milne, John
Verlag: Rotbuch, Hamburg
Erschienen: 01.10.2001
ISBN: 3434540210
Typ: Taschenbuch
Es geht schon mit der titelgrafik los: gekonnt kindlich gehalten (andere sprechen von naiv), erkennt jeder sofort den traumwagen der sechziger jahre, einen jaguar E-type. und stimmig geht es in milnes traurig-schauriger ballade vom dahinfließen der zeit, vom aussterben der werte, vom sterben der familien und vom städtebaulichen ausrotten ganzer stadtviertel weiter: stimmig für london die schilderung der südlich der themse gelegenen arbeiterviertel, stimmig die milieuschilderung einfacher, ehrlicher leute und einfacher, kleiner bis mittelschwerer ganoven, und, vor allem für anhänger von vorurteilen besonders wichtig: stimmig der allgegenwärtige, trübe londoner sprühregen in kalten wintermonaten. da fehlt nur noch der kleine querverweis auf die ganz bösen buben jener zeit - die gebrüder kray, und schon ist man mitten drin in der geschichte, und zwar im doppelten sinn des wortes.
zum einen beschreibt der ich-erzähler, milnes serienheld jim jenner, als privatdetektiv in london schon von hause aus eine seltenheit (auch ohne das amputierte unterbein), seine jugend ohne mutter, aber mit einem strengem, gesetzesfürchtigen vater und einem nicht ganz so gesetzesfürchtigen älteren bruder. dieser hängt sich an die rockschöße eines in besagtem jaguar fahrenden ganoven, überlebt aber nicht lange genug, um wirklich als gangster groß herauszukommen. mit lakonischen worten und einem ironischen unterton erinnert jim jenner an seine amerikansichen vorbilder der \"harten schule\" (marlowe, archer et.al.), seine körperbehinderung an den \"anderen\" südlondoner ex-cop und privatdetektiv, nick sharman (serienfigur von mark timlin, ebenfalls mit gehbehinderung - durch einen schuss in den fuß! jenner hat seinen fuß durch eine bombe verloren). an einer stelle wird jenner sogar von seiner auftraggeberin im aktuellen (scheidungs)fall darauf angesprochen, ob er denn zu jenen privatdetektiven gehöre, die bis zum bitteren ende weiterermitteln und die wahrheit suchen, ohne rücksicht auf geldgeber oder ausgang der geschichte. seit seinem zweiten fall (jenner sucht nach einer vermißten tochter) scheint es mit jenner bergab zu gehen, jetzt läßt er sich schon auf scheidungsfälle ein, sein helfershelfer ist ein unerträglicher maulheld, er fährt eine uralte karre und muß sich von seiner ex-frau (polizistin) einen karrieregeilen \"nachfolger\" (ebenfalls polizist) vorstellen lassen. bezeichnend für den grundton der geschichte ist der ort der begegnung: die bar \"l´étoile\", die früher einmal \"the star\" geheißen hat und auf den sozialen wandel in diesem viertel der millionenstadt hinweist. nicht, daß man sich im \"étoile\" heutzutage nicht genauso betrinken könnte wie früher im \"star\". der roman gerät etwas aus den fugen, so wie jenner der fall aus den händen zu gleiten droht, weil immer wieder geschichten aus den sechziger jahren den fortgang der aktuellen geschichte, die ende der neunziger spielt, zu überholen droht. und das ist der einzige schwerwiegende mangel an dieser modernen geschichte vom antihelden ohne zukunft, ohne nennenswerte vergangenheit. ansonsten ist john milnes fünftes abenteuer mit jim jenner, der bevorzugt whisky von der insel islay (nämlich bowmore!) trinkt und die gesellschaftliche stellung verschiedener figuren an ihrem schuhwerk ableitet, eine packend und schnell voranschreitende geschichte, hart, brutal, zynisch, und typisch \"police procedural\" der englischen schule. ein paar unglaubwürdigkeiten (muß judy ex-jenner ausgerechent jenen polizisten heiraten wollen, dessen untergebener der mann ist, der bei jenners freundin einbricht und die wohnung nach fotos durchwühlt, die jenner im banksafe hat?)kann man verzeihen, doch insgesamt eine in sich stimmige geschichte. jmd
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-19 16:47:13 mit dem Titel Manchette, Jean-Patrick "Blutprinzessin"
Ort: Frankreich / Kuba
Zeit: 1950er
Autor: Manchette, Jean-Patrick
Verlag: Distel Literatur, Heilbronn
Erschienen: 01.01.2001
ISBN: 3923208499
Typ: Taschenbuch
Dieser posthum erschienene Roman von Jean-Patrick Manchette ist wie seine anderen Werke von einem rasanten Tempo geprägt. Schon nach drei Seiten geht das Gemetzel los. Eine missglückte Entführung, bei der sich die Verbrecher gegenseitig abknallen, bildet den Beginn der Story. Das Anfangstempo wird eine Weile beibehalten, es werden in Zeitsprüngen und Ortswechsel viele Figuren in die Geschichte eingebracht. Der Roman umfasst die Zeitspanne kurz nach dem 2. Weltkrieg bis zur Mitte der 50er Jahre und verknüpft die Handlung mit Zeitgeschichte, wie etwa den Aufstand in Ungarn oder die Algerienkrise. Der Stil ist einem Spionageroman nachempfunden, denn die Handlung ist international, die Figuren spielen ein doppeltes Spiel und viele Statisten tauchen auf. Manchette spielt mit diesem Genre, wenn er etwa den Tagesablauf der Protagonistin Ivory Pearl in ihrem einsamen Unterschlupf auf Kuba mit genauen Uhrzeitangaben verbindet, was fern jeglicher Zivilisation absolut irrelevant scheint.
In Berlin der Nachkriegszeit lernt die noch minderjährige Ivory Pearl den britischen Offizier Samuel Farakhan kennen. Sie ist als Waise mit den alliierten Truppen nach Berlin gekommen. Farakhan kümmert sich um Ivory und bringt sie in einem Internat in der Schweiz unter. Sie wird Fotoreporterin und wie schon damals in Berlin, fotografiert sie Kriegsschauplätze. Jedes Jahr am Neujahrstag treffen sich Ivory und Farakhan wieder. Dieses Mal ist Ivory völlig entnervt und Farakhan schlägt ihr vor, sich in der Einsamkeit Kubas von ihrem Job zu erholen. Dort lebt sie im Zelt und fotografiert Tiere. Sie lebt spartanisch und geht bei Bedarf in das mehrere Tagesmärsche entfernte Dorf, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Etwas merkwürdig an der Beschreibung dieses Einsiedlerlebens ist das mobile Fotolabor, das neben der restlichen Ausstattung ziemlich absurd wirkt. Nach einer gewissen Zeit fühlt sich Ivory beobachtet und in ihrer Abwesenheit wurde ihr Zelt durchsucht. Also legt sie sich auf die Lauer. Nun beginnen die Fäden im Hintergrund deutlicher in Erscheinung zu treten. Was auch immer im Hochland in Kuba passiert, die Entscheidung darüber liegt nicht in der Hand von Ivory. Geschickt verknüpft Manchette die Geschichte um die Fotoreporterin mit politischen Intrigen und Spionagetätigkeiten.
Der Roman war ursprünglich als Zyklus geplant und Manchette wollte darin von den 50er Jahren beginnend die politische Zeitgeschichte verarbeiten. Leider konnte er sein Vorhaben nicht mehr vollenden, denn Manchette starb 1995, bevor er diesen ersten Roman des Zyklus vollenden konnte. Der Roman unterscheidet sich durch seine internationalen Schauplätze von seinen vorherigen Romanen, die ausschließlich in Frankreich spielen. Sehr gut möglich, dass sich damit Manchette einem größeren Publikum erschlossen hätte. Unverändert ist aber auch in „Blutprinzessin“ sein unverkennbarer Stil: kurz und prägnant, auf das Wesentliche reduziert.
Dem unvollendeten Roman sind nach den Arbeitsnotizen des Autors die Fortsetzung und Ausgang der Geschichte angefügt. Wer noch nie Manchette gelesen hat, sollte nicht unbedingt mit diesem unvollendeten Werk beginnen. Wer aber Manchette bereits kennt, sollte sich davon nicht abschrecken lassen, auch wenn die Notizen am Ende sehr trocken aneinander gereiht werden, wird doch zumindest das Ende erzählt.
Zeit: 1970er
Autor: Manchette, Jean-Patrick
Verlag: Distel Literatur, Heilbronn
Erschienen: 01.01.2001
ISBN: 3923208472
Typ: Taschenbuch
Dieser nur 148 Seiten lange Roman ist ein Feuerwerk, dessen rasante Handlung den Leser kaum zu Atem kommen lässt.
Wir begleiten Aimée auf Schritt und Tritt, sehen erstaunt ihren Handlungen zu, ohne zunächst über ihre Beweggründe Bescheid zu wissen. Dabei wären wir für eine Erklärung dankbar, schließlich knallt Aimée schon auf der vierten Seite einen Jäger ab.
Wir folgen ihr im rasanten Tempo bis sie in der Kleinstadt Blèville ihr Lager aufschlägt. Dort macht sie auf einem Cocktail-Empfang die Bekanntschaft mit der höheren Gesellschaftsschicht. Deren verlogene Harmonie wird gnadenlos entlarvt und der verdeckte Hass und Neid aufgedeckt. Aimée schürt das Ganze noch. Sie hat erkannt, dass sie mit der verlogenen Heuchelei der Bourgeoisie gute Geschäfte machen kann.
Der Roman endet – wie jedes Feuerwerk – in einem großen Finale, dass jedoch anderes ausgeht, als von Aimée geplant. Dabei war sie doch bisher absolut präzise und professionell.
Dieses Buch sei allen ans Herz gelegt, die schwarzen Humor, hinterlistige Intrigen und knappen Schreibstil mögen.
Verlagsinfo:
\"Haltet Eure Stadt sauber\" - lautet das oberste Gebot in Bléville, der Stadt des Geldes. Aimée, die Killerin, befolgt die Aufforderung auf ihre Weise. Sie kratzt an der Fassade der Provinzidylle und legt \"einen Sumpf von unsauberen Geschäften, Korruption und Intrigen frei. Als vertuscht werden soll, daß ein Säugling und eine alte Frau an einem Produkt der einflußreichen örtlichen Lebensmittelfabrikaten gestorben sind, beginnt Aimée mit ihrer «Aufräumaktion\". Sie schließt mit den einzelnen Honoratioren getrennte \"Verträge\" und spielt sie gegeneinander aus. Es kommt zum blutigen Show-down.
Mit diesem Buch wendet sich Manchette \"an die sinnlichen und und philosophischen Frauen\", wie er am Schluß des Buches schreibt. Die zierliche und attraktive Aimée ist die erste Killerin in der Geschichte des \"roman noir\": Allein, professionell, selbstsicher, unbeirrbar triumphiert sie gegen die Männer in einer Männergesellschaft und schlägt sie mit deren Waffen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-18 21:08:48 mit dem Titel Moret, Xavier "Das Leben war schneller"
Ort: Spanien; Barcelona
Zeit: 1990er
Autor: Moret, Xavier
Verlag: dtv, München
Erschienen: 01.07.2001
ISBN: 3423242582
Typ: Taschenbuch
Dieser Roman von Xavier Moret hat auf den ersten Blick wenig mit einem Kriminalroman zu tun. Erst ab der Mitte des Buches beginnt die Geschichte eine kriminalistische Note zu bekommen. Der Autor spielt mit dem Genre auf solch leichte und humorvolle Art und Weise, dass es eine Wonne ist, es zu lesen. Bevor es aber zu dieser Entwicklung kommt, hat uns Moret in seiner lockeren und witzigen Erzählweise in seine geliebte Altstadt Barcelonas entführt und übriggebliebene Hippies, Barkeeper, Filmsternchen und lächerliche Yuppies vorgestellt.
Die Hauptfigur Max Reira bezeichnet sich selbst als einer der übriggebliebenen Hippies. Er ist ein erfolgloser Schriftsteller, der in der Altstadt am Placa Reial lebt und von alten Zeiten träumt, als er und viele andere noch an ein gerechtes und freies Leben glaubten. Inmitten seiner Träumereien platzt ein Anruf seines alten Schulkollegen Pau Gispert, den Max schon zu Schulzeiten aus tiefsten Herzen verabscheute. Gispert bietet ihm einen sehr gut bezahlten Job als Drehbuchautor einer Fernsehserie an. Bedingung ist allerdings, dass nach zwei Wochen schon erste Ergebnisse vorliegen müssen. Max hat angesichts seiner permanenten Geldnöte gar keine andere Wahl als diesen Job anzunehmen. Es ist ihm aber völlig schleierhaft, warum er dieses Angebot bekommen hat. Gispert nennt ihn zwar einen alten Freund, Max kann sich aber nur an Prügelszenen in der Schule erinnern und außerdem hat er von Fernsehen nicht die geringste Ahnung (nicht mal als Konsument dieses Mediums).
Hier prallen zwei Welten aufeinander: der sympathische Loser und der reiche Emporkömmling. Max durchstreift die Welt des Fernsehens mit all seinen aufgeblasenen Typen, die ihre Wichtigkeit daran messen, wie viele Telefonnummern sie in ihren Handys gespeichert haben und wie viele Termine sie in ihrem elektronischen Terminkalender vorweisen können. Diese satirische Beschreibungen sind absolut köstlich und es verwundert nicht, dass Max die neue Entwicklung in seinem Leben mit furchtbaren Albträumen bezahlen muss. So träumt er von einer Drehszene, in der ein politischer Korrektor so lange an einer Verhaftungsszene herumkritisiert, bis der Polizist völlig verdreht aber politcal correct den Verdächtigten stellt.
Die Geschichte gewinnt an Tempo und Themen, es ereignen sich kleinere und größere Katastrophen in Max näherem Umfeld: Liebeskummer, Trennungen, skrupellose Bauspekulationen und schließlich der Tod einer Nachbarin. Sie ist einer der vielen Drogenopfer, deren Zahl in letzter Zeit in Barcelona auffallend gestiegen ist. Max glaubt jedoch, dass sie ermordet wurde und ist wegen der Untätigkeit der Polizei entsetzt. Andererseits hat er mit denen natürlich sehr wenig am Hut und forscht gemeinsam mit seinem Freund Roc selbst ein wenig nach.
Es ist klar, dass es bei dem geborenen Losertyp nicht alles glatt läuft und dass es vor dem Finale zu einigen Rippenbrüchen kommt. Der Roman ist ebenso rasant wie unterhaltsam und eine Liebeserklärung an Barcelona (vielleicht eher an ein Barcelona, das so nicht mehr existiert).
Das Buch ist mit der Illustration von Nazario Luque sehr auffallend und passend gestaltet. Jeder Kapitelanfang zeigt einen Auszug aus dem Eingangsbild, das prima zu dem Roman passt.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-19 16:38:46 mit dem Titel Marcy, Jean "Eiskaltes Blond"
Ort: USA, Deutschland
Zeit: 1990er
Autor: Marcy, Jean
Verlag: Argument, Hamburg
Erschienen: 01.01.2001
ISBN: 3886198634
Typ: Taschenbuch
Vivian Rudder suchte bei Police Detectiv Sarah Lindstrom Zuflucht vor ihrer gewalttätigen Geliebten. Statt Schutz zu erfahren, wird sie aber brutal ermordet. Nach der Entdeckung der toten Freundin in ihrem eigenen Bett ruft Lindstrom die Privatdetektivin Meg Darcy um Hilfe. Diese verzehrt sich gerade vor Liebe zu der unterkühlten schönen Polizistin und ist trotz Zurückweisung wild entschlossen, Lindstrom zu beschützen und den Fall aufzuklären. Diese ausführlichen Beschreibungen von Beziehungskisten und Liebeskummer sind häufig in Romanen mit lesbischen Heldinnen zu finden. Oftmals werden die Nebenaspekte eines Krimis überhöht dargestellt, wirken aufgezwungen und langweilig.
Doch in diesem Roman geht die Geschichte spannend weiter und die Teile werden schlüssig zusammengeführt. Noch während der Motivsuche (war es die brutale Geliebte oder der Ex-Ehemann) kommt Meg der entsetzliche Gedanke, dass Vivian vielleicht nur aus Versehen umgebracht wurde und eigentlich ihre heißgeliebte Sarah das Opfer sein sollte. Und tatsächlich Sarah erhält Drohungen, die diesen Verdacht verstärken und nun nimmt sie auch die Megs Hilfe an.
Der Krimi ist eine klassische Detektivstory, in der es reichlich Verdächtige aus dem Privatleben der Toten und dem Berufsleben der Polizistin gibt. Die Verbindung der ermittelnden Privatdetektiv und der Polizistin als potentielles Opfer ist eine interessante Krimivariante, weil dadurch Elemente einer Polizei- und Privatdetektivgeschichte miteinander verknüpft werden. Die Beziehung der beiden zueinander ist das Rückgrat, das die Geschichte zusammenhält.
Der Roman ist spannend und gut erzählt, leider ist das Ende abrupt und erscheint unzureichend ausgearbeitet. Die Kriminalgeschichte wird schludrig und ohne hinreichende Erklärung hastig zu Ende erzählt, um dann wieder der Liebesgeschichte Raum zu widmen.
Am Rande:
Hinter dem Pseudonym Jean Marcy verbergen sich Jean Hutchison und Marcy Jacobs, die seit mehreren Jahren ein Paar sind. Beim Lesen sind mir ein paar Ungereimtheiten aufgefallen, die vielleicht damit zu erklären sind, dass diesen Buch nicht aus einer Feder stammt.
Auf Seite 119 freut sich Meg, dass Sarah noch weiß, wie sie ihren Kaffee mag (\"Der Kaffee dampfte und mit dem ersten Schluck merkte ich, dass sie nicht vergessen hatte, wie ich ihn mochte\"). Kurze Zeit später wird folgender Dialog wiedergegeben, der im absoluten Widerspruch dazu steht: \"Ist der Kaffee für mich?\"... \"Vielleicht. Ich habe nur Milch hineingetan. Ich vergesse immer, was du magst.\" (S. 139)
Nach dem die beiden Frauen gemeinsam gegessen haben (\"Zehn Minuten später aßen wir zum ersten Mal seit Tagen ein richtiges Abendessen.\" S. 109) und sie durch einen Anruf aufgeschreckt werden, trennen sich ihre Wege und Meg fährt nach Hause, um dort ihrem Mitbewohner folgenden Vorschlag zu machen: \"Mir ist kalt und ich sterbe vor Hunger. Könntest du etwas zu essen machen, während ich schnell eine heiße Dusche nehme\" (S. 112). Endlich mal wird unstillbarer Appetit ausgelebt und nur am Rande erwähnt ohne dies großartig als Esssucht zu thematisieren ;-)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-19 16:42:33 mit dem Titel Milne, John "Nicht tot zu kriegen"
Ort: Großbritannien; England; London
Autor: Milne, John
Verlag: Rotbuch, Hamburg
Erschienen: 01.10.2001
ISBN: 3434540210
Typ: Taschenbuch
Es geht schon mit der titelgrafik los: gekonnt kindlich gehalten (andere sprechen von naiv), erkennt jeder sofort den traumwagen der sechziger jahre, einen jaguar E-type. und stimmig geht es in milnes traurig-schauriger ballade vom dahinfließen der zeit, vom aussterben der werte, vom sterben der familien und vom städtebaulichen ausrotten ganzer stadtviertel weiter: stimmig für london die schilderung der südlich der themse gelegenen arbeiterviertel, stimmig die milieuschilderung einfacher, ehrlicher leute und einfacher, kleiner bis mittelschwerer ganoven, und, vor allem für anhänger von vorurteilen besonders wichtig: stimmig der allgegenwärtige, trübe londoner sprühregen in kalten wintermonaten. da fehlt nur noch der kleine querverweis auf die ganz bösen buben jener zeit - die gebrüder kray, und schon ist man mitten drin in der geschichte, und zwar im doppelten sinn des wortes.
zum einen beschreibt der ich-erzähler, milnes serienheld jim jenner, als privatdetektiv in london schon von hause aus eine seltenheit (auch ohne das amputierte unterbein), seine jugend ohne mutter, aber mit einem strengem, gesetzesfürchtigen vater und einem nicht ganz so gesetzesfürchtigen älteren bruder. dieser hängt sich an die rockschöße eines in besagtem jaguar fahrenden ganoven, überlebt aber nicht lange genug, um wirklich als gangster groß herauszukommen. mit lakonischen worten und einem ironischen unterton erinnert jim jenner an seine amerikansichen vorbilder der \"harten schule\" (marlowe, archer et.al.), seine körperbehinderung an den \"anderen\" südlondoner ex-cop und privatdetektiv, nick sharman (serienfigur von mark timlin, ebenfalls mit gehbehinderung - durch einen schuss in den fuß! jenner hat seinen fuß durch eine bombe verloren). an einer stelle wird jenner sogar von seiner auftraggeberin im aktuellen (scheidungs)fall darauf angesprochen, ob er denn zu jenen privatdetektiven gehöre, die bis zum bitteren ende weiterermitteln und die wahrheit suchen, ohne rücksicht auf geldgeber oder ausgang der geschichte. seit seinem zweiten fall (jenner sucht nach einer vermißten tochter) scheint es mit jenner bergab zu gehen, jetzt läßt er sich schon auf scheidungsfälle ein, sein helfershelfer ist ein unerträglicher maulheld, er fährt eine uralte karre und muß sich von seiner ex-frau (polizistin) einen karrieregeilen \"nachfolger\" (ebenfalls polizist) vorstellen lassen. bezeichnend für den grundton der geschichte ist der ort der begegnung: die bar \"l´étoile\", die früher einmal \"the star\" geheißen hat und auf den sozialen wandel in diesem viertel der millionenstadt hinweist. nicht, daß man sich im \"étoile\" heutzutage nicht genauso betrinken könnte wie früher im \"star\". der roman gerät etwas aus den fugen, so wie jenner der fall aus den händen zu gleiten droht, weil immer wieder geschichten aus den sechziger jahren den fortgang der aktuellen geschichte, die ende der neunziger spielt, zu überholen droht. und das ist der einzige schwerwiegende mangel an dieser modernen geschichte vom antihelden ohne zukunft, ohne nennenswerte vergangenheit. ansonsten ist john milnes fünftes abenteuer mit jim jenner, der bevorzugt whisky von der insel islay (nämlich bowmore!) trinkt und die gesellschaftliche stellung verschiedener figuren an ihrem schuhwerk ableitet, eine packend und schnell voranschreitende geschichte, hart, brutal, zynisch, und typisch \"police procedural\" der englischen schule. ein paar unglaubwürdigkeiten (muß judy ex-jenner ausgerechent jenen polizisten heiraten wollen, dessen untergebener der mann ist, der bei jenners freundin einbricht und die wohnung nach fotos durchwühlt, die jenner im banksafe hat?)kann man verzeihen, doch insgesamt eine in sich stimmige geschichte. jmd
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-19 16:47:13 mit dem Titel Manchette, Jean-Patrick "Blutprinzessin"
Ort: Frankreich / Kuba
Zeit: 1950er
Autor: Manchette, Jean-Patrick
Verlag: Distel Literatur, Heilbronn
Erschienen: 01.01.2001
ISBN: 3923208499
Typ: Taschenbuch
Dieser posthum erschienene Roman von Jean-Patrick Manchette ist wie seine anderen Werke von einem rasanten Tempo geprägt. Schon nach drei Seiten geht das Gemetzel los. Eine missglückte Entführung, bei der sich die Verbrecher gegenseitig abknallen, bildet den Beginn der Story. Das Anfangstempo wird eine Weile beibehalten, es werden in Zeitsprüngen und Ortswechsel viele Figuren in die Geschichte eingebracht. Der Roman umfasst die Zeitspanne kurz nach dem 2. Weltkrieg bis zur Mitte der 50er Jahre und verknüpft die Handlung mit Zeitgeschichte, wie etwa den Aufstand in Ungarn oder die Algerienkrise. Der Stil ist einem Spionageroman nachempfunden, denn die Handlung ist international, die Figuren spielen ein doppeltes Spiel und viele Statisten tauchen auf. Manchette spielt mit diesem Genre, wenn er etwa den Tagesablauf der Protagonistin Ivory Pearl in ihrem einsamen Unterschlupf auf Kuba mit genauen Uhrzeitangaben verbindet, was fern jeglicher Zivilisation absolut irrelevant scheint.
In Berlin der Nachkriegszeit lernt die noch minderjährige Ivory Pearl den britischen Offizier Samuel Farakhan kennen. Sie ist als Waise mit den alliierten Truppen nach Berlin gekommen. Farakhan kümmert sich um Ivory und bringt sie in einem Internat in der Schweiz unter. Sie wird Fotoreporterin und wie schon damals in Berlin, fotografiert sie Kriegsschauplätze. Jedes Jahr am Neujahrstag treffen sich Ivory und Farakhan wieder. Dieses Mal ist Ivory völlig entnervt und Farakhan schlägt ihr vor, sich in der Einsamkeit Kubas von ihrem Job zu erholen. Dort lebt sie im Zelt und fotografiert Tiere. Sie lebt spartanisch und geht bei Bedarf in das mehrere Tagesmärsche entfernte Dorf, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Etwas merkwürdig an der Beschreibung dieses Einsiedlerlebens ist das mobile Fotolabor, das neben der restlichen Ausstattung ziemlich absurd wirkt. Nach einer gewissen Zeit fühlt sich Ivory beobachtet und in ihrer Abwesenheit wurde ihr Zelt durchsucht. Also legt sie sich auf die Lauer. Nun beginnen die Fäden im Hintergrund deutlicher in Erscheinung zu treten. Was auch immer im Hochland in Kuba passiert, die Entscheidung darüber liegt nicht in der Hand von Ivory. Geschickt verknüpft Manchette die Geschichte um die Fotoreporterin mit politischen Intrigen und Spionagetätigkeiten.
Der Roman war ursprünglich als Zyklus geplant und Manchette wollte darin von den 50er Jahren beginnend die politische Zeitgeschichte verarbeiten. Leider konnte er sein Vorhaben nicht mehr vollenden, denn Manchette starb 1995, bevor er diesen ersten Roman des Zyklus vollenden konnte. Der Roman unterscheidet sich durch seine internationalen Schauplätze von seinen vorherigen Romanen, die ausschließlich in Frankreich spielen. Sehr gut möglich, dass sich damit Manchette einem größeren Publikum erschlossen hätte. Unverändert ist aber auch in „Blutprinzessin“ sein unverkennbarer Stil: kurz und prägnant, auf das Wesentliche reduziert.
Dem unvollendeten Roman sind nach den Arbeitsnotizen des Autors die Fortsetzung und Ausgang der Geschichte angefügt. Wer noch nie Manchette gelesen hat, sollte nicht unbedingt mit diesem unvollendeten Werk beginnen. Wer aber Manchette bereits kennt, sollte sich davon nicht abschrecken lassen, auch wenn die Notizen am Ende sehr trocken aneinander gereiht werden, wird doch zumindest das Ende erzählt.
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