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Erfahrungsbericht von Lachesis

Marlo Morgan oder Der Traum vom besseren Menschen

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

\"Die Babys werden in einem Zustand emotionalen Friedens geboren. Was mit ihren Sinnen geschieht, ist mit Gefühlen verbunden. Wenn wir älter werden, können wir zum Beispiel das Geräusch von Adlerschwingen hören und uns dabei wohl fühlen oder fürchten, je nachdem, wie unsere Erfahrungen mit einem Adler waren oder was wir darüber glauben. Als Medizinmann weiß ich, dass die Menschen, wenn sie sich dessen bewusst sind, gesünder leben können und als Kluger Mann weiß ich, dass Wissen sie befähigt, mehr Ewigkeitslicht in diese menschliche Zeit zu tragen.\"...

Nicht jedes Buch ist so ein Glücksgriff wie \"Weißer Oleander\" von Janet Fitch, auf das ich gestern mein Loblied geschrieben habe. Und nicht jedes Buch geht so gut weiter wie es anfängt. In letztere Kategorie möchte ich den Roman Traumreisende von Marlo Morgan einordnen - die Geschichte einer jungen Aborigines, die gleich nach der Geburt ihrer Mutter weggenommen wird und als Erwachsene schließlich versucht die Wurzeln ihres Volkes wieder zu finden...

Story:

Beatrice Lake und ihr Zwillingsbruder Geoff werden in den 30er Jahren
unseres Jahrhunderts irgendwo im Australischen Outback geboren. Doch sie verbringen nur eine einzige Nacht mit ihrer Mutter, bis sie in einer britischen Siedlung ihrer Mutter weggenommen werden. Sie werden getrennt. Beatrice wächst in einem Waisenhaus auf, Geoff fast unbeachtet auf einer Farm. Der Junge kommt später zu Pflegeeltern in die USA, läuft schließlich weg, wird alkoholabhängig und kriminell, bis er schließlich wegen eines undurchsichtigen Mordes zum Tode verurteilt wird. Nach der Abschaffung der Todesstrafe wird die Strafe in lebenslänglich umgewandelt. Beatrice dagegen bleibt sehr lange im Waisenhaus, wird misshandelt und gequält. Später nimmt sie Jobs als Haushälterin an. Doch ihre Wurzeln holen sie ein. Nie hat man ihr die Wahrheit gesagt was aus ihrer Mutter geworden ist oder ihr etwas über ihre Herkunft erzählt. Dennoch fasst sie den Entschluss mehr über ihre Wurzeln herauszufinden und schließt sich letztendlich einer Gruppe Aborigines an, die noch frei nach den Bräuchen und dem Glauben ihres Volkes in der Wildnis leben. In den vielen Jahren dieses neuen Lebens findet Beatrice zu sich zu sich selbst.

Meinung:

Wie schon eingangs erwähnt, wollte mich dieser Roman nicht so recht bewegen. Am Anfang habe ich mich sofort festgelesen. In kurzen, einfachen, abwechslungsreichen Sätzen geschrieben, ist die Geschichte der Trennung der Kinder, ihr getrenntes Aufwachsen und Geoffs Sozialer Abstieg wirklich spannend, rührt einen beinahe zu Tränen und das, ohne kitschig zu sein wie in einem Schnulzenroman.
Doch irgendwie war für mich etwa ab der Mitte des Buches, als Beatrice sich den Aborigines anschließt und ihr bisheriges Leben vollkommen für ein besitzloses Leben aufgibt, der Wurm drin. Die Autorin macht hier ganz klar einen Schnitt in der Geschichte, um dem Leser nun einen detaillierten Einblick in das Leben und den Glauben der australischen Ureinwohner zu geben. Irgendwie schafft sie es jedoch nicht, gleichzeitig noch eine spannende Geschichte weiterzuerzählen und dabei den Leser in die Welt der Aborigines zu entführen. Ich habe allgemein eigentlich ein großes Interesse an anderen Völkern, ihren Geschichten und Philosophien, aber dafür, dass ich hier einen Roman lese und kein Buch über fremde Religionen wird man hier fast erschlagen von der Fülle an Gedanken und Lebensweisheiten. Sobald Beatrice der Gemeinschaft der Aborigines beitritt, besteht das Buch nur noch
aus den Lebensgrundsätzen dieses Volkes, alle Stammesmitglieder tun nichtsanderes mehr als davon zu erzählen warum sie was wie tun. Irgendwie ist das total ermüdend. Was aus Geoff wird, der im ersten Teil des Buches eine ebenso große Rolle spielt wie Beatrice, wird völlig untergraben und bleibt für große Strecken des weiteren Romans unbeachtet. Es geht nur noch nach dem Motto weiter: Beatrice hört eine weise Geschichte und wird wieder ein Stück mehr wie ihre Vorfahren. Sie zweifelt an nichts, nimmt alles einfach an. Und das lässt den Roman unglaubwürdig erscheinen. Würde denn jemand, der zwanzig Jahre in einer bestimmten Weise aufgewachsen und geformt worden ist, so vollkommen widerspruchslos eine neue, um 180° andere Lebensweise annehmen? Möglich ist das, natürlich. Doch es passt nicht zu dem
starken Charakter, den Marlo Morgan in den ersten Kapiteln aus Beatrice
werden ließ.
Überdeutlich wird die Liebe der Autorin zu den australischen Ureinwohnern spürbar. Sie will dem Leser alles wiedergeben was sie weiß, alles über ihre Lebensweise, ihre Weisheit und Güte, ihren Respekt dem Leben gegenüber, ihre Verbindung und Verehrung der Erde, des Universums und alles Existierenden.
Es gibt hochinteressante Kapitel, die einen zum Nachdenken bringen oder
einen die weißen Eroberer früherer Jahrzehnte hassen lässt, doch leider verliert sich die Autorin in ihrer Leidenschaft für das Volk des Outback immer wieder in lange Litaneien darüber wie die Menschen sein sollten. Was die Aborigines glauben, wird als das einzig wahre hingestellt. Schon ihre Bezeichnung als \"Wahre Menschen\" im Gegensatz zu den \"Veränderten\" lässt die Autorin in meinem Kopf irgendwie als Missionarin erscheinen, die der Welt eine neue alte Religion zu Füßen legen will. Und wahrscheinlich ist es das, was mich an dem Roman letztendlich so gestört hat. In der von ihr beschriebenen Lebensweise der australischen Ureinwohner liegt zweifellos eine große Wahrheit und ein Verantwortungsbewusstsein für die Erde und das Leben, das in der heutigen Zeit ein riesiger Rettungsanker wäre. Aber alles andere stattdessen zu verurteilen, erscheint mir der falsche Weg. Die
Aborigines werden als unfehlbare Menschen dargestellt, die niemals etwas schlechtes tun, niemals mit einer Situation umgehen können, niemals etwas schlechtes tun. Menschen, die alles wissen, alles verstanden haben? Auch diese Darstellung eines perfekten Volkes wird irgendwann unglaubwürdig und es wird schwer sich mit jenen Menschen in Morgans Werk zu identifizieren.
Die Autorin schafft es auch nicht mehr in ihrem Roman noch eine Spannung aufzubauen oder den Leser mit ihrer Hauptfigur mitfiebern zu lassen.

Aber vielleicht hat Marlo Morgan auch nur eine Art von Menschen schaffen wollen, wie sie diese Welt brauchen würde. Menschen, die die Natur akzeptieren und in und mit ihr leben, sich gegenseitig schätzen. Menschen, die nicht ohne Grund töten und andere abschlachten, Tiergattungen ausrotten und sich ewig in arm und reich unterscheiden. Dem, der sich einmal in einer solchen Welt bewegen möchte, kann ich Traumfänger durchaus empfehlen.

Das Buch erschien erstmals 1998 unter dem Titel \"Message from Forever\" (der mir wesentlich passender erscheint als die deutsche Übersetzung). Meine Ausgabe stammt aus dem Verlag Goldmann und kostete 8,50 Euro.

21 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Striker1981

    14.11.2008, 14:13 Uhr von Striker1981
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und Liebe Grüße vom STRIKER