Erfahrungsbericht von Kuhli
Stupid White Men - Michael Moore
Pro:
verdammt witzig, beissend sarkastisch, politisch informativ
Kontra:
leider voller trauriger Wahrheiten
Empfehlung:
Nein
Mein Weltbild ist kräftig am schwanken. Bin ich denn so naiv? Noch vor kurzer Zeit hielt ich politische Korruptionsfilme für völlig utopisch, in denen immer die einflussreichsten Geschäftsmänner und Politiker, als berechnende, machtgierige Egomanen dargstellt werden, obwohl ich solche Leute doch immer sympathisch fand, deren einziger Ansporn weder Geld noch Macht ist, sondern mit dem Willen etwas zu bewegen und zu verändern immer mit dem Wunsch, dem „kleinen Mann“ zu helfen. Aus demselben Grund fand ich aber dagegen Filme in denen der amerikanische Präsident sich opfert und die Welt rettet, geradezu dokumentarisch und erschreckend realistisch. Hey, es ist der amerikanische Präsident der Vereinigten Staaten, er ist doch der einzige der uns vor Kometen, Außerirdischen und Flutwellen retten kann. Oder?
Doch Michael Moores’ Buch hat mich zutiefst erschüttert. Diese Männer, die die Welt regieren sind wohl gar nicht so barmherzig und daran interessiert dem Pfadfinderkodex gerecht zu werden. Sie sind egoistisch. Sie sind machtgierig. Sie sind hinterhältig. Sie sind Lügner. Sie sind nicht an unserem, sondern an ihrem Wohl interessiert.
Und vor allem sind sie eines, DUMME WEISSE MÄNNER…
############
KURZINHALT :-)
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Auch wenn es in jedem Land dieser Welt dumme, weiße Männer in der Regierung und in den Chefetagen gibt, beschäftigt sich dieses Buch vorwiegend mit der neuen Regierung der USA, dem Heimatland des Autors. Trotzdem sind mir hierbei erschreckende Parallelen zu den momentanen Verhältnissen in Deutschland aufgefallen, also ist dieses Buch trotz des Amerikabezugs auch für uns allgegenwärtig. Leider…
Da das Buch in Kapitel eingeteilt ist, die sich alle mit einem anderen Thema beschäftigen, nutze auch ich diese Einteilung für meine Inhaltsangabe.
ONE – Ein sehr amerikanischer Coup
Gorge W. Bush hat die Präsidentschaftswahl im Jahr 2000 gewonnen. Das ist doch richtig, immerhin regiert ja mittlerweile das Land, also muss er auch gewonnen haben. Tja, falsch gedacht.
Al Gore hat die Wahl damals gewonnen und nur Dank „Connections“ ist Bush jr. heute der dümmste, weiße Mann Amerikas. Und das ist wirklich kein Scherz. Im Eröffnungskapitel schildert Moore mit einer Unzahl von unglaublichen Beweisen, wie „Baby Bush“ es an die Spitze geschafft hat. Dass sein Daddy auch schon einmal Präsident war und deswegen jede Menge Verbündete in der Regierung hat, dass die Wahlzettel viel zu kompliziert waren und dass sein Bruder Gouverneur von Florida ist, hat damit natürlich nichts zu tun. Ach was! Jeb Bush, so der Name des Bruders, hat ganz zufällig ein Gesetz in Florida erlassen, das Vorbestrafte und Leute die einen ähnlichen Namen oder das gleiche Geburtsdatum (!) wie diese Vorbestraften haben nicht wahlberechtigt sind. Und dass dadurch dann gerade 60% der Farbigen die wohl eher Demokraten anstatt Republikaner wählen, nicht wählen dürfen, war natürlich nicht beabsichtigt. Wer’s glaubt! Und die veralteten, viel zu verwirrenden Wahlzettel (wer erinnert sich nicht an das peinliche Fiasko) wurden ganz zufällig in den Minderheitenregionen aufgestellt, so dass die Mehrheit der dort lebenden Juden den rechten Pat Buchannen wählten und die Farbigen auch aus Versehen den Republikanern die Stimmen gaben. Unglaublich, aber wahr. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs an dem auch der Fernsehsender FOX nicht ganz unbeteiligt ist. Das Fox von dem konservativen Rupert Murdoch, der ja auch den italienischen Konservativen bei Wahl geholfen hat, geführt wird, ist genauso lächerlich und gab Al Gore den letzten Todesstoss.
Im mittleren Teil des ersten Kapitels, zählt Moore dann penibelst alle wichtigen Minister auf und ihre weiteren Geldquellen. Das Landwirtschaftministerin Ann Veneman so z.B. strikt gegen das Einführen von Markierungen von Genmanipulierten Lebensmitteln ist, könnte u.a. daran liegen, dass sie ihr bescheidenes Gehalt von 680.000 Dollar im Vorstand von einer Biotechnologiefirma aufbessert, die, wer hätte es gedacht, genmanipuliertes Gemüse auf den Markt bringen. Eine Hand wäscht halt die andere.
Zum Schluss gibt Moore dann noch echte Tipps gegen so etwas (mit genügend Mut und Engagement) vorzugehen.
TWO – Lieber George
Dieses komplette Kapitel ist ein offener Brief an „Präsident“ George W. Bush. Nachdem Moore geklärt hat, dass er und „Präsident“ fast mit einander verwandt sind, verteidigt und warnt er George, denn er ist wirklich kein fauler Mann, dass muss man ihm lassen. In seiner kurzen Amtszeit hat er schon einiges bewegt, was Moore dann auch aufzählt. Hier einige Beispiele.
George hat:
* Die Ausgaben für die Erforschung erneuerbarer Energiequellen um 50 % reduziert
* zugelassen, dass seine Innenministerin Gale Norton um Vorschläge bat, wie man die Nationalparks für Holzwirtschaft, Kohlebergbau und Öl- und Gasförderung erschließen könnte
* die amerikanische Zustimmung zum Kyoto-Protokoll über die Klimaerwärmung zurückgezogen, das nur von 178 anderen Staaten unterzeichnet wurde
* die Mittel für Programme gegen den Missbrauch und die Vernachlässigung von Kindern um 15,7 Millionen Dollar gekürzt
Das waren jetzt nur 4 der 48 (!) Punkte die aufgezählt werden. Und da so was alles unglaublich ist stellt Moore drei wichtige Fragen und liefert seine Gründe.
1. George, kannst du lesen und schreiben wie ein normaler Erwachsener?
2. Bist du Alkoholiker, und wenn ja, welchen Einfluss hat das auf dein Verhalten als Oberbefehlshabe?
3. Bist du ein Verbrecher?
So mögen die Fragen jetzt etwas anmaßend klingen, aber Moore gibt auch hier mal wieder genug Beweise, das diese Fragen nicht nur Provokation sondern begründet sind.
THREE – Ab zum Abschwung
Nicht nur die Regierung ist korrupt, sondern genauso die großen Konzerne. Da gründet z.B. der Ölkonzern Halliburton auf den Kayman-Inseln eine Tochtergesellschaft. Um Steuern zu sparen? Nur weil es auf den Kaymans kein Öl gibt? Hmm, sehr vage.
Genauso melden viele große Konzerne Krisen, obwohl sie Gewinne einstreichen, aber dann tausende von Angestellten feuern. Und die Regierenden, die alle ihre Finger in den Konzernen haben tun natürlich nichts dagegen, warum auch, wenn nur der „kleine Mann“ bluten muss.
FOUR – Los, killt die Weißen!
Deutschland ist das einzige „zivilisierte“ Land in dem es Rassismus gibt, oder? Also in Amerika gibt es so was doch nicht. Wer hat nicht in der Schule vom berühmten Meltingpot gehört, in dem alle Menschen, egal welcher Hautfarbe, glücklich zusammen leben und händchenhaltend durch die Gegend hüpfen.
„Klar, ihr könnt hier in unserer Nachbarschaft wohnen; eure kinder können auch die Schulen unserer Kinder besuchen. Warum auch nicht, zum Teufel? Wir wollten sowieso gerade wegziehen“
Doch Moore sieht das anders – realistisch nämlich. Rassismus gab’s immer und wird es immer in Amerika geben. Und die wirklichen schlimmen sind die Weißen. Die Weißen sind es, die Kriege führen, Kredite ablehnen, Gift ins Abwasser schütten und Arbeitsplätze abbauen.
„Wer schmeißt mich ständig aus meiner Internetverbindung raus? So ein blöder weißer Wichser, und wenn ich den je finde, ist er ein toter Weißer.“
Wen Moore damit meint? Keine Ahnung?
Und warum Leute wie Bruce Springsteen Dinge wie „Ich tötete alles, was meinen Weg kreuzte/ich kann nicht sagen, dass mir das, was wir getan haben, leid tut“ singen können, Rapper aber die Textzeilen wie „Ich versuche, mein Leben zu ändern, denn ich will nicht als Sünder sterben“ (Master P.) singen, als Gangster-Rapper tituliert werden und heftig umstritten sind? Keine Ahnung.
Warum Weiße eine fünfmal höhere Chance haben, bei einem Schlaganfall eine gerinnselauflösende Notfallbehandlung zu bekommen, als Schwarze? Keine Ahnung, aber irgendwo haben bestimmt dumme, weiße Männer damit etwas zu tun.
Das Highlight dieses Kapitels sind aber von mir einstimmig gewählt die „Überlebenstipps für Schwarze“. Brüllend komisch, genau wie mein folgendes Lieblings-Zitat:
„Ich habe Liberale dummes Zeugs reden hören wie ‚In der Fernsehserie Friends spielen gar keine Schwarzen mit’. Ich finde es gut, dass es keine schwarzen Freunde bei Friends gibt, denn auch im wirklichen Leben haben solche Freunde keine schwarzen Freunde. Es ist also eine ehrliche, glaubwürdige Serie.“
Traurig, aber wahr.
FIVE – Nation der Dummköpfe
Gut, dass ist nichts neues. Die Amerikaner zählen nicht zu den Schlausten und stellen wohl sogar unsere Pisa-Schüler in den Schatten. Ich kann mich noch gut an einen Kommentar von einem amerikanischen Studenten über den Irakkrieg erinnern. Er sagte:“Ich würde mit den Irakern genau das gleiche tun, was wir Amerikaner auch schon mit den Deutschen in Vietnam gemacht haben“. Kein Kommentar. Aber wie soll sich so was auch bessern mit einem Präsidenten wie George. W. Bush.
„Unser Oberdummkopf bemüht sich nicht einmal, seine Unwissenheit zu verbergen – er prahlte sogar mit ihr. In seiner Eröffnungsrede vor dem Jahrgang 2001 von Yale verkündete George W. Bush stolz, dass er nur ein mittelmäßiger Student von Yale war. ‚Und all den mittelmäßigen Studenten sage ich jetzt, auch ihr könnt Präsident der Vereinigten Statten werden!’ Daß man dazu auch einen Ex-Präsidenten als Vater, einen Bruder als Gouverneur eines Staates, in dem noch ein paar Stimmen fehlen, und einen Obersten Gerichtshof voller Duz-Freunde des eigenen Papas braucht, hat er natürlich nur deshalb nicht erwähnt, weil das für eine so kurze Ansprache viel zu kompliziert gewesen wäre.“
Es ist schon ernüchternd, wenn die Politiker Milliarden in neue Bomben investieren, und dafür Subventionen für Schulen und Bibliotheken kürzen, aber was soll man machen. Vor allem bei unterbezahlten Lehrern, die mit den überfüllten Klassen nicht zurechtkommen und dann Ärger mit den Ältern bekommen, die selbst ihre Kinder nicht richtig erziehen konnten. Genauso peinlich ist es, dass viele Schulen veraltete Bücher haben, in denen Dinge wie AIDS oder die Mondlandung noch nicht existieren.
Und am Ende gibt’s auch mal wieder Tipps, diesmal für „aufmüpfige statt unterwürfige Schüler“, damit auch wirklich mal die Schüler ihre Meinung sagen und ihre Interessen vertreten werden.
SIX – Netter Planet, aber keiner da
Amerika ist der größte Umweltverschmutzer auf dieser Welt. Recycling und regenerative Energien sind Fremdwörter für Amerikaner und deswegen trinken die seit Jahren arsenverseuchtes Wasser, tragen weiterhin mit ihren Klimaanlagen zum Ozonloch bei und verbrauchen Wasser wie kein anderer. Und das alles ist der Regierung so ziemlich egal.
Aber ein Mann sorgt dann doch noch für die Umwelt, auf seiner eigenen ökologisch korrekten Ranch, denn während dort alles getan wird, um Energien zu sparen, will genau dieser Mann in Naturschutzgebieten nach Öl bohren. Ja, wer könnte das denn sein? Genau, George W. Bush.
SEVEN – Das Ende des Mannes
Männer führen Kriege, Männer haben Autos, FCKW und Industrien erfunden, die Mutter Natur ruinieren. Und darum recht sich diese jetzt. Immer weniger Männer werden geboren, die Frauen übernehmen die Überhand. Lediglich zur Fortpflanzung werden wir noch gebraucht, gäbe es da nicht Verräter in den eigenen Reihen. Denn männliche Forscher haben schließlich auch die künstliche Befruchtung und sogar die Entwicklung eines Embryos ohne Spermie entwickelt. Zum Glück gibt Moore auch hier wieder Tipps „Wie trickst man die Natur aus, mehr Männer zu machen?“ und natürlich „Überleben, wenn ein Bett brennt“, falls ein Mann mal wieder eine rachsüchtige Frau erwischt hat. Natürlich sollte man auch den Tipp zum richtigen Pinkeln und Händewaschen nicht außer Acht lassen.
EIGHT – Wir sind die Nummer Eins!
Ja, die „Bananenrepublik“ Amerika ist die einzige Weltmacht auf unserem Planeten. Würde sie wenigstens von einem charismatischen, intelligenten Mann geleitet wäre das kein Problem, aber seit Bush an der Macht ist, macht er weiter wie sein Vater aufgehört hat und verscherzte es sich mit China, Russland, Jugoslawien und so ziemlich jedem anderen.
Und so ein einflussreiches land hat dann natürlich auch Einfluss auf andere Länder und könnte dort für Frieden sorgen und so gibt’s Moore logische Tipps wie man die Gewalten und Konflikte in Israel, Irland, Jugoslawien und Nord Korea lösen könnte. Erstaunlich simpel, aber nicht unmöglich.
NINE – Ein großes glückliches Gefängnis
In so einem großen Land passieren natürlich Justizfehler. Wenn aber Unschuldige erschossen und auf dem elektrischen Stuhl gebraten werden, läuft irgendetwas schief, vor allem wenn das alles auch nicht vertuscht werden soll. Aber zum Glück haben wir ja Michael Moore, der kein Blatt vor den Mund nimmt und Namen und Fakten nennt. Er erzählt von unfähigen Pflichtverteidigern, die alles andere außer die Interessen ihrer Mandanten im Kopf haben, er berichtet davon, dass Amerika die einzige Industrienation ist, in der Jugendliche und geistig behinderte hingerichtet werden dürfen. Schöne neue Welt, sag ich nur dazu.
TEN – Demokraten – ein hoffnungsloser Fall
Das Problem an der ganzen Sache ist, dass die Opposition nicht wirklich besser ist. Die Demokraten haben nicht nur kein Rückgrat, sondern haben auch noch dadurch ähnliche Ansichtsweisen wie die Republikaner. Bill Clinton hat nicht viel anders gemacht als Bush, er hat das ganze nur cleverer und charmanter verpackt. Was einem hier lieber ist, muss jeder selbst entscheiden.
ELEVEN – Das Gebet für die Menschheit
Zum Abschluss langt Moore noch mal richtig zu. Einleitend regt er sich über Politiker auf, die nur solange gegen irgendwelche Dinge sind, bis sie selbst davon betroffen werden, wie z.B. der Vizepräsident Dick Cheney, der jahrelang vehement gegen die Gleichstellung von Homosexuellen plädiert hat, bis zu dem Zeitpunkt, als seine Tochter sich als lesbisch geoutet hat. So kann’s gehen
„Wie ich diese dreisten, rechten Heuchler liebe! Ihr ganzes Leben lang machen sie allen anderen das Leben schwer, aber sobald sie selbst ein kleiner Schicksalsschlag trifft, heißt es sofort: ‚Zum Teufel mit dem Wertesystem – Ich will Ergebnisse!’ Jahrelang widmen sie ihre ganze Energie dem Bestreben, allen Schwarzen, Mädchen oder Männern, die Männer lieben, den sozialen Aufstieg oder auch nur eine einigermaßen würdevolle Behandlung zu verwehren, aber kaum bleibt jemand aus der eigenen Familie zurück: Holla, Freundchen, wirf meinem Zögling keine Steine in den Weg, er ist etwas Besonderes!“
Und zum Schluss kommt dann der Hammer, ein Gebet, dass an Boshaftigkeit und Sarkasmus seines Gleichen sucht. „Ein Gebet, die Gutbetuchten zu strafen“, denn nur so können wir die Welt bessern. Wen wir alle beten, das Bischöfe ungewollt schwanger werden, Erzkonservative von Männern auf die Lippen geküsst werden und weiße Politiker eines Tages als Schwarze aufwachen, könnte unsere Welt besser werden, weil diese Menschen dann endlich was bewegen werden.
EPILOG – Tallahasse Hi-Ho
Das letzte Kapitel ist dann quasi ein Ausklang in dem Michael Moore von seinen eigenen politischen Erfahrungen erzählt, da er bei den Wahlen 2000 dem Präsidentschaftskandidaten Paul Nader geholfen hat, die Wahl zu gewinnen. Natürlich erfolglos, da Nader aber wohl missverstanden wurde, klärt Moore hier den Leser auf.
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KRITIK
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Von jedem hätte ich so ein Buch erwartet, aber nicht von einem „Nestbeschmutzer“. Dass ein Amerikaner öffentlich so über sein Land klagt, hätte ich niemals für möglich gehalten. Aber, um Missverständnissen vorzubeugen, sei gesagt, dass dieses Buch nicht antiamerikanisch im eigenen Sinne ist, denn hier werden lediglich „große Tiere“ angeprangert. Die normalen, verrückten Amerikaner liebt Moore natürlich über alles und diese möchte er auch nicht missen. Trotzdem ist dieses Buch in jedem Punkt erschreckend offenherzig. Hier wird nicht drum herum geredet, sondern Klartext gesprochen, Namen genannt und öffentlich vorgeführt. Und dass nicht nur realistisch mit einer Unmenge an interessanten, schockierenden Informationen, einfachen Beispielen und nachvollziehbaren Beweisen, sondern auch verdammt entlarvend und somit verdammt witzig. Von Ironie kann hier kaum die Rede sein, Sarkasmus ist hier schon eher angesagt. Dabei lässt Moore aber keinen aus und bezieht auch keine Stellung, lediglich seine Eigene.
Ein Sachbuch, das genauso eine treffende Satire ist, hab ich bisher noch nie gesehen. Doch Moore packt das alles in ein Buch, das ich verschlungen habe, wie noch nie ein Buch. Eigentlich bin ich nicht so der Mensch der gerne lange liest (Ich weiß, wie dumm es ist das ich deutsche und englische Literaturwissenschaften studiere *g*), aber „Stupid White Men“ konnte ich echt nicht zur Seite legen. So etwas habe ich noch nie vorher an mir entdeckt und hat mich echt verwundert. Zudem ist der Schreibstil sehr gut verständlich und auch ohne all zu großes Hintergrundwissen kann man sich über menschliche Handlungen lustig machen und gleichzeitig darüber schockiert sein. Mit Hintergrundwissen macht das Buch aber noch mehr Spass, wenn man schon Powell, Cheney und Ashcroft wenigstens äußerlich kennt, kann man sich herrlich über sie aufregen, wenn man dieses Buch liest. Und alle die Bush genauso unsympathisch und psychopatisch wie ich finden, die können sich hier toll abreagieren und über diesen dummen Menschen lachen. Da dieser dumme Mensch aber noch immer der wichtigste auf diesem Planeten ist, bleibt aber dieses Lachen leider oft genug im Hals stecken.
Zudem eignet sich das Buch hervorragend um interessante Diskussionen mit dem Freundeskreis oder auch Fremden zu führen. Schon alleine durch das auffällige Buchcover wurde ich andauernd darauf angesprochen, wenn ich es in der Öffentlichkeit las. Und da ich mich auch schon genug in der Inhaltsangabe ausgetobt habe, reicht das wohl jetzt als Kritik. Und wer die Kritik zu kurz und lediglich „hilfreich“ findet, den schicke ich nach Florida, damit er 2004 die Stimmzettel auswerten kann.
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AUTOR
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Michael Moore wurde 1954 geboren und würde nach seiner „rebellischen“ Schulzeit Regisseur von Dokumentarfilmen. Bekannt wurde er hier durch „Roger & Me“, und den gerade in Deutschland gestarteten Film „Bowling for Columbine“ in dem er sich mit der Waffenvernarrtheit der Amerikaner beschäftigt. Zudem ist er noch Fernsehmoderator und natürlich Schriftsteller. Sowohl dieses Buch, als auch sein erstes Buch „Downsize this“ wurden direkt nach Erscheinen New York Times Bestseller.
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FAZIT
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Pflichtlektüre für alle. Kaufen; lesen, faszinieren lassen und totlachen…
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DATEN
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Stupid White Men
Eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush
Von Michael Moore
Original Titel:
Stupid White Men…and Other Sorry Excuses fort he State of the Nation!
329 Seiten
erschienen im PIPER Verlag
Erscheinungsjahr 2001/2002
ISBN 3-492-04517-0
Als Taschenbuch für ca. 12€ erhältlich
Doch Michael Moores’ Buch hat mich zutiefst erschüttert. Diese Männer, die die Welt regieren sind wohl gar nicht so barmherzig und daran interessiert dem Pfadfinderkodex gerecht zu werden. Sie sind egoistisch. Sie sind machtgierig. Sie sind hinterhältig. Sie sind Lügner. Sie sind nicht an unserem, sondern an ihrem Wohl interessiert.
Und vor allem sind sie eines, DUMME WEISSE MÄNNER…
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KURZINHALT :-)
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Auch wenn es in jedem Land dieser Welt dumme, weiße Männer in der Regierung und in den Chefetagen gibt, beschäftigt sich dieses Buch vorwiegend mit der neuen Regierung der USA, dem Heimatland des Autors. Trotzdem sind mir hierbei erschreckende Parallelen zu den momentanen Verhältnissen in Deutschland aufgefallen, also ist dieses Buch trotz des Amerikabezugs auch für uns allgegenwärtig. Leider…
Da das Buch in Kapitel eingeteilt ist, die sich alle mit einem anderen Thema beschäftigen, nutze auch ich diese Einteilung für meine Inhaltsangabe.
ONE – Ein sehr amerikanischer Coup
Gorge W. Bush hat die Präsidentschaftswahl im Jahr 2000 gewonnen. Das ist doch richtig, immerhin regiert ja mittlerweile das Land, also muss er auch gewonnen haben. Tja, falsch gedacht.
Al Gore hat die Wahl damals gewonnen und nur Dank „Connections“ ist Bush jr. heute der dümmste, weiße Mann Amerikas. Und das ist wirklich kein Scherz. Im Eröffnungskapitel schildert Moore mit einer Unzahl von unglaublichen Beweisen, wie „Baby Bush“ es an die Spitze geschafft hat. Dass sein Daddy auch schon einmal Präsident war und deswegen jede Menge Verbündete in der Regierung hat, dass die Wahlzettel viel zu kompliziert waren und dass sein Bruder Gouverneur von Florida ist, hat damit natürlich nichts zu tun. Ach was! Jeb Bush, so der Name des Bruders, hat ganz zufällig ein Gesetz in Florida erlassen, das Vorbestrafte und Leute die einen ähnlichen Namen oder das gleiche Geburtsdatum (!) wie diese Vorbestraften haben nicht wahlberechtigt sind. Und dass dadurch dann gerade 60% der Farbigen die wohl eher Demokraten anstatt Republikaner wählen, nicht wählen dürfen, war natürlich nicht beabsichtigt. Wer’s glaubt! Und die veralteten, viel zu verwirrenden Wahlzettel (wer erinnert sich nicht an das peinliche Fiasko) wurden ganz zufällig in den Minderheitenregionen aufgestellt, so dass die Mehrheit der dort lebenden Juden den rechten Pat Buchannen wählten und die Farbigen auch aus Versehen den Republikanern die Stimmen gaben. Unglaublich, aber wahr. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs an dem auch der Fernsehsender FOX nicht ganz unbeteiligt ist. Das Fox von dem konservativen Rupert Murdoch, der ja auch den italienischen Konservativen bei Wahl geholfen hat, geführt wird, ist genauso lächerlich und gab Al Gore den letzten Todesstoss.
Im mittleren Teil des ersten Kapitels, zählt Moore dann penibelst alle wichtigen Minister auf und ihre weiteren Geldquellen. Das Landwirtschaftministerin Ann Veneman so z.B. strikt gegen das Einführen von Markierungen von Genmanipulierten Lebensmitteln ist, könnte u.a. daran liegen, dass sie ihr bescheidenes Gehalt von 680.000 Dollar im Vorstand von einer Biotechnologiefirma aufbessert, die, wer hätte es gedacht, genmanipuliertes Gemüse auf den Markt bringen. Eine Hand wäscht halt die andere.
Zum Schluss gibt Moore dann noch echte Tipps gegen so etwas (mit genügend Mut und Engagement) vorzugehen.
TWO – Lieber George
Dieses komplette Kapitel ist ein offener Brief an „Präsident“ George W. Bush. Nachdem Moore geklärt hat, dass er und „Präsident“ fast mit einander verwandt sind, verteidigt und warnt er George, denn er ist wirklich kein fauler Mann, dass muss man ihm lassen. In seiner kurzen Amtszeit hat er schon einiges bewegt, was Moore dann auch aufzählt. Hier einige Beispiele.
George hat:
* Die Ausgaben für die Erforschung erneuerbarer Energiequellen um 50 % reduziert
* zugelassen, dass seine Innenministerin Gale Norton um Vorschläge bat, wie man die Nationalparks für Holzwirtschaft, Kohlebergbau und Öl- und Gasförderung erschließen könnte
* die amerikanische Zustimmung zum Kyoto-Protokoll über die Klimaerwärmung zurückgezogen, das nur von 178 anderen Staaten unterzeichnet wurde
* die Mittel für Programme gegen den Missbrauch und die Vernachlässigung von Kindern um 15,7 Millionen Dollar gekürzt
Das waren jetzt nur 4 der 48 (!) Punkte die aufgezählt werden. Und da so was alles unglaublich ist stellt Moore drei wichtige Fragen und liefert seine Gründe.
1. George, kannst du lesen und schreiben wie ein normaler Erwachsener?
2. Bist du Alkoholiker, und wenn ja, welchen Einfluss hat das auf dein Verhalten als Oberbefehlshabe?
3. Bist du ein Verbrecher?
So mögen die Fragen jetzt etwas anmaßend klingen, aber Moore gibt auch hier mal wieder genug Beweise, das diese Fragen nicht nur Provokation sondern begründet sind.
THREE – Ab zum Abschwung
Nicht nur die Regierung ist korrupt, sondern genauso die großen Konzerne. Da gründet z.B. der Ölkonzern Halliburton auf den Kayman-Inseln eine Tochtergesellschaft. Um Steuern zu sparen? Nur weil es auf den Kaymans kein Öl gibt? Hmm, sehr vage.
Genauso melden viele große Konzerne Krisen, obwohl sie Gewinne einstreichen, aber dann tausende von Angestellten feuern. Und die Regierenden, die alle ihre Finger in den Konzernen haben tun natürlich nichts dagegen, warum auch, wenn nur der „kleine Mann“ bluten muss.
FOUR – Los, killt die Weißen!
Deutschland ist das einzige „zivilisierte“ Land in dem es Rassismus gibt, oder? Also in Amerika gibt es so was doch nicht. Wer hat nicht in der Schule vom berühmten Meltingpot gehört, in dem alle Menschen, egal welcher Hautfarbe, glücklich zusammen leben und händchenhaltend durch die Gegend hüpfen.
„Klar, ihr könnt hier in unserer Nachbarschaft wohnen; eure kinder können auch die Schulen unserer Kinder besuchen. Warum auch nicht, zum Teufel? Wir wollten sowieso gerade wegziehen“
Doch Moore sieht das anders – realistisch nämlich. Rassismus gab’s immer und wird es immer in Amerika geben. Und die wirklichen schlimmen sind die Weißen. Die Weißen sind es, die Kriege führen, Kredite ablehnen, Gift ins Abwasser schütten und Arbeitsplätze abbauen.
„Wer schmeißt mich ständig aus meiner Internetverbindung raus? So ein blöder weißer Wichser, und wenn ich den je finde, ist er ein toter Weißer.“
Wen Moore damit meint? Keine Ahnung?
Und warum Leute wie Bruce Springsteen Dinge wie „Ich tötete alles, was meinen Weg kreuzte/ich kann nicht sagen, dass mir das, was wir getan haben, leid tut“ singen können, Rapper aber die Textzeilen wie „Ich versuche, mein Leben zu ändern, denn ich will nicht als Sünder sterben“ (Master P.) singen, als Gangster-Rapper tituliert werden und heftig umstritten sind? Keine Ahnung.
Warum Weiße eine fünfmal höhere Chance haben, bei einem Schlaganfall eine gerinnselauflösende Notfallbehandlung zu bekommen, als Schwarze? Keine Ahnung, aber irgendwo haben bestimmt dumme, weiße Männer damit etwas zu tun.
Das Highlight dieses Kapitels sind aber von mir einstimmig gewählt die „Überlebenstipps für Schwarze“. Brüllend komisch, genau wie mein folgendes Lieblings-Zitat:
„Ich habe Liberale dummes Zeugs reden hören wie ‚In der Fernsehserie Friends spielen gar keine Schwarzen mit’. Ich finde es gut, dass es keine schwarzen Freunde bei Friends gibt, denn auch im wirklichen Leben haben solche Freunde keine schwarzen Freunde. Es ist also eine ehrliche, glaubwürdige Serie.“
Traurig, aber wahr.
FIVE – Nation der Dummköpfe
Gut, dass ist nichts neues. Die Amerikaner zählen nicht zu den Schlausten und stellen wohl sogar unsere Pisa-Schüler in den Schatten. Ich kann mich noch gut an einen Kommentar von einem amerikanischen Studenten über den Irakkrieg erinnern. Er sagte:“Ich würde mit den Irakern genau das gleiche tun, was wir Amerikaner auch schon mit den Deutschen in Vietnam gemacht haben“. Kein Kommentar. Aber wie soll sich so was auch bessern mit einem Präsidenten wie George. W. Bush.
„Unser Oberdummkopf bemüht sich nicht einmal, seine Unwissenheit zu verbergen – er prahlte sogar mit ihr. In seiner Eröffnungsrede vor dem Jahrgang 2001 von Yale verkündete George W. Bush stolz, dass er nur ein mittelmäßiger Student von Yale war. ‚Und all den mittelmäßigen Studenten sage ich jetzt, auch ihr könnt Präsident der Vereinigten Statten werden!’ Daß man dazu auch einen Ex-Präsidenten als Vater, einen Bruder als Gouverneur eines Staates, in dem noch ein paar Stimmen fehlen, und einen Obersten Gerichtshof voller Duz-Freunde des eigenen Papas braucht, hat er natürlich nur deshalb nicht erwähnt, weil das für eine so kurze Ansprache viel zu kompliziert gewesen wäre.“
Es ist schon ernüchternd, wenn die Politiker Milliarden in neue Bomben investieren, und dafür Subventionen für Schulen und Bibliotheken kürzen, aber was soll man machen. Vor allem bei unterbezahlten Lehrern, die mit den überfüllten Klassen nicht zurechtkommen und dann Ärger mit den Ältern bekommen, die selbst ihre Kinder nicht richtig erziehen konnten. Genauso peinlich ist es, dass viele Schulen veraltete Bücher haben, in denen Dinge wie AIDS oder die Mondlandung noch nicht existieren.
Und am Ende gibt’s auch mal wieder Tipps, diesmal für „aufmüpfige statt unterwürfige Schüler“, damit auch wirklich mal die Schüler ihre Meinung sagen und ihre Interessen vertreten werden.
SIX – Netter Planet, aber keiner da
Amerika ist der größte Umweltverschmutzer auf dieser Welt. Recycling und regenerative Energien sind Fremdwörter für Amerikaner und deswegen trinken die seit Jahren arsenverseuchtes Wasser, tragen weiterhin mit ihren Klimaanlagen zum Ozonloch bei und verbrauchen Wasser wie kein anderer. Und das alles ist der Regierung so ziemlich egal.
Aber ein Mann sorgt dann doch noch für die Umwelt, auf seiner eigenen ökologisch korrekten Ranch, denn während dort alles getan wird, um Energien zu sparen, will genau dieser Mann in Naturschutzgebieten nach Öl bohren. Ja, wer könnte das denn sein? Genau, George W. Bush.
SEVEN – Das Ende des Mannes
Männer führen Kriege, Männer haben Autos, FCKW und Industrien erfunden, die Mutter Natur ruinieren. Und darum recht sich diese jetzt. Immer weniger Männer werden geboren, die Frauen übernehmen die Überhand. Lediglich zur Fortpflanzung werden wir noch gebraucht, gäbe es da nicht Verräter in den eigenen Reihen. Denn männliche Forscher haben schließlich auch die künstliche Befruchtung und sogar die Entwicklung eines Embryos ohne Spermie entwickelt. Zum Glück gibt Moore auch hier wieder Tipps „Wie trickst man die Natur aus, mehr Männer zu machen?“ und natürlich „Überleben, wenn ein Bett brennt“, falls ein Mann mal wieder eine rachsüchtige Frau erwischt hat. Natürlich sollte man auch den Tipp zum richtigen Pinkeln und Händewaschen nicht außer Acht lassen.
EIGHT – Wir sind die Nummer Eins!
Ja, die „Bananenrepublik“ Amerika ist die einzige Weltmacht auf unserem Planeten. Würde sie wenigstens von einem charismatischen, intelligenten Mann geleitet wäre das kein Problem, aber seit Bush an der Macht ist, macht er weiter wie sein Vater aufgehört hat und verscherzte es sich mit China, Russland, Jugoslawien und so ziemlich jedem anderen.
Und so ein einflussreiches land hat dann natürlich auch Einfluss auf andere Länder und könnte dort für Frieden sorgen und so gibt’s Moore logische Tipps wie man die Gewalten und Konflikte in Israel, Irland, Jugoslawien und Nord Korea lösen könnte. Erstaunlich simpel, aber nicht unmöglich.
NINE – Ein großes glückliches Gefängnis
In so einem großen Land passieren natürlich Justizfehler. Wenn aber Unschuldige erschossen und auf dem elektrischen Stuhl gebraten werden, läuft irgendetwas schief, vor allem wenn das alles auch nicht vertuscht werden soll. Aber zum Glück haben wir ja Michael Moore, der kein Blatt vor den Mund nimmt und Namen und Fakten nennt. Er erzählt von unfähigen Pflichtverteidigern, die alles andere außer die Interessen ihrer Mandanten im Kopf haben, er berichtet davon, dass Amerika die einzige Industrienation ist, in der Jugendliche und geistig behinderte hingerichtet werden dürfen. Schöne neue Welt, sag ich nur dazu.
TEN – Demokraten – ein hoffnungsloser Fall
Das Problem an der ganzen Sache ist, dass die Opposition nicht wirklich besser ist. Die Demokraten haben nicht nur kein Rückgrat, sondern haben auch noch dadurch ähnliche Ansichtsweisen wie die Republikaner. Bill Clinton hat nicht viel anders gemacht als Bush, er hat das ganze nur cleverer und charmanter verpackt. Was einem hier lieber ist, muss jeder selbst entscheiden.
ELEVEN – Das Gebet für die Menschheit
Zum Abschluss langt Moore noch mal richtig zu. Einleitend regt er sich über Politiker auf, die nur solange gegen irgendwelche Dinge sind, bis sie selbst davon betroffen werden, wie z.B. der Vizepräsident Dick Cheney, der jahrelang vehement gegen die Gleichstellung von Homosexuellen plädiert hat, bis zu dem Zeitpunkt, als seine Tochter sich als lesbisch geoutet hat. So kann’s gehen
„Wie ich diese dreisten, rechten Heuchler liebe! Ihr ganzes Leben lang machen sie allen anderen das Leben schwer, aber sobald sie selbst ein kleiner Schicksalsschlag trifft, heißt es sofort: ‚Zum Teufel mit dem Wertesystem – Ich will Ergebnisse!’ Jahrelang widmen sie ihre ganze Energie dem Bestreben, allen Schwarzen, Mädchen oder Männern, die Männer lieben, den sozialen Aufstieg oder auch nur eine einigermaßen würdevolle Behandlung zu verwehren, aber kaum bleibt jemand aus der eigenen Familie zurück: Holla, Freundchen, wirf meinem Zögling keine Steine in den Weg, er ist etwas Besonderes!“
Und zum Schluss kommt dann der Hammer, ein Gebet, dass an Boshaftigkeit und Sarkasmus seines Gleichen sucht. „Ein Gebet, die Gutbetuchten zu strafen“, denn nur so können wir die Welt bessern. Wen wir alle beten, das Bischöfe ungewollt schwanger werden, Erzkonservative von Männern auf die Lippen geküsst werden und weiße Politiker eines Tages als Schwarze aufwachen, könnte unsere Welt besser werden, weil diese Menschen dann endlich was bewegen werden.
EPILOG – Tallahasse Hi-Ho
Das letzte Kapitel ist dann quasi ein Ausklang in dem Michael Moore von seinen eigenen politischen Erfahrungen erzählt, da er bei den Wahlen 2000 dem Präsidentschaftskandidaten Paul Nader geholfen hat, die Wahl zu gewinnen. Natürlich erfolglos, da Nader aber wohl missverstanden wurde, klärt Moore hier den Leser auf.
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KRITIK
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Von jedem hätte ich so ein Buch erwartet, aber nicht von einem „Nestbeschmutzer“. Dass ein Amerikaner öffentlich so über sein Land klagt, hätte ich niemals für möglich gehalten. Aber, um Missverständnissen vorzubeugen, sei gesagt, dass dieses Buch nicht antiamerikanisch im eigenen Sinne ist, denn hier werden lediglich „große Tiere“ angeprangert. Die normalen, verrückten Amerikaner liebt Moore natürlich über alles und diese möchte er auch nicht missen. Trotzdem ist dieses Buch in jedem Punkt erschreckend offenherzig. Hier wird nicht drum herum geredet, sondern Klartext gesprochen, Namen genannt und öffentlich vorgeführt. Und dass nicht nur realistisch mit einer Unmenge an interessanten, schockierenden Informationen, einfachen Beispielen und nachvollziehbaren Beweisen, sondern auch verdammt entlarvend und somit verdammt witzig. Von Ironie kann hier kaum die Rede sein, Sarkasmus ist hier schon eher angesagt. Dabei lässt Moore aber keinen aus und bezieht auch keine Stellung, lediglich seine Eigene.
Ein Sachbuch, das genauso eine treffende Satire ist, hab ich bisher noch nie gesehen. Doch Moore packt das alles in ein Buch, das ich verschlungen habe, wie noch nie ein Buch. Eigentlich bin ich nicht so der Mensch der gerne lange liest (Ich weiß, wie dumm es ist das ich deutsche und englische Literaturwissenschaften studiere *g*), aber „Stupid White Men“ konnte ich echt nicht zur Seite legen. So etwas habe ich noch nie vorher an mir entdeckt und hat mich echt verwundert. Zudem ist der Schreibstil sehr gut verständlich und auch ohne all zu großes Hintergrundwissen kann man sich über menschliche Handlungen lustig machen und gleichzeitig darüber schockiert sein. Mit Hintergrundwissen macht das Buch aber noch mehr Spass, wenn man schon Powell, Cheney und Ashcroft wenigstens äußerlich kennt, kann man sich herrlich über sie aufregen, wenn man dieses Buch liest. Und alle die Bush genauso unsympathisch und psychopatisch wie ich finden, die können sich hier toll abreagieren und über diesen dummen Menschen lachen. Da dieser dumme Mensch aber noch immer der wichtigste auf diesem Planeten ist, bleibt aber dieses Lachen leider oft genug im Hals stecken.
Zudem eignet sich das Buch hervorragend um interessante Diskussionen mit dem Freundeskreis oder auch Fremden zu führen. Schon alleine durch das auffällige Buchcover wurde ich andauernd darauf angesprochen, wenn ich es in der Öffentlichkeit las. Und da ich mich auch schon genug in der Inhaltsangabe ausgetobt habe, reicht das wohl jetzt als Kritik. Und wer die Kritik zu kurz und lediglich „hilfreich“ findet, den schicke ich nach Florida, damit er 2004 die Stimmzettel auswerten kann.
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AUTOR
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Michael Moore wurde 1954 geboren und würde nach seiner „rebellischen“ Schulzeit Regisseur von Dokumentarfilmen. Bekannt wurde er hier durch „Roger & Me“, und den gerade in Deutschland gestarteten Film „Bowling for Columbine“ in dem er sich mit der Waffenvernarrtheit der Amerikaner beschäftigt. Zudem ist er noch Fernsehmoderator und natürlich Schriftsteller. Sowohl dieses Buch, als auch sein erstes Buch „Downsize this“ wurden direkt nach Erscheinen New York Times Bestseller.
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FAZIT
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Pflichtlektüre für alle. Kaufen; lesen, faszinieren lassen und totlachen…
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DATEN
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Stupid White Men
Eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush
Von Michael Moore
Original Titel:
Stupid White Men…and Other Sorry Excuses fort he State of the Nation!
329 Seiten
erschienen im PIPER Verlag
Erscheinungsjahr 2001/2002
ISBN 3-492-04517-0
Als Taschenbuch für ca. 12€ erhältlich
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