Erfahrungsbericht von silke-silke
Unternehmen Brandenburg (G. Meade) - Fesselnder Thriller mit überraschendem Ende
Pro:
spannend
Kontra:
?
Empfehlung:
Nein
Mögt ihr Thriller, die sich nur schwer beiseite legen lassen? Seid ihr an Politik und kritischer Zeitgeschichte interessiert? Dann kann ich euch für diese tristen Herbstabende nur den erschreckend genialen Thriller "Unternehmen Brandenburg" des Autors Glenn Meade empfehlen.
Es handelt sich zwar um einen dicken Wälzer von 700 Seiten. Diese habe ich selber im Urlaub innerhalb einer Woche verschlungen. Euch dürfte es ebenso ergehen.
Dieser behandelt der Thematik alter und neuer Nazis, ihre internationalen Verbindungen und dem steten Willen, die Macht im Deutschland nach der Vereinigung an sich zu reißen.
Zwar ist die Geschichte fiktiv, doch hat die Nachkriegsgeschichte gezeigt, dass es zu diesem Thema keinen allzu großen Schritt benötigt, auch heute werden im Deutschland des neuen Jahrhunderts rechtsradikale Propaganda und Parolen gestreut, die ihre Abnehmer in erschreckender Weise finden.
Bis heute gibt es Vermutungen und Fanstasieäußerungen, was mit den Schätzen der Reichsbank sowie den Nazigrößen, die in der Endphase des Krieges spurlos verschwunden sind, passiert ist. Verbergen sie sich irgendwo und sind somit noch am Leben?
Glenn Mead macht aus dieser Story einen packenden Thriller, in dem die Spuren der Nazigrößen sowie ihrer Nachkommen in Südamerika zu finden sind. Dass viele insbesondere nach Argentinien und Paraguay geflüchtet sind, entspricht der Wahrheit. Auch gibt es Organisationen, die diese finanziell unterstützen und ebenfalls einflussreiche Beziehungen in Politik und Wirtschaft Südamerikas geknüpft haben.
Inhalt:
Ein Reporter stößt in der Hauptstadt Paraguays durch einen Zufall auf einen Schmuggel von Waren. Seinem Freund Rudi Hernandez hatte er davon, aus Angst umgebracht zu werden, erzählt. Dieser nimmt nach dessen Ermordung, angeblich ist er bei einem Unfall mit Fahrerflucht getötet worden, die Recherche auf. Gleichzeitig stößt Hernandez, als er sich als Reporter in der Villa des deutschstämmigen Geschäftsmannes Tscharkin aufhält, auf Hinweise einer geheimen Konferenz in einem Nobelhotel der Stadt. Tscharkin hatte zuvor, da ihm Ärzte mitgeteilt hatten, dass er nur noch 48 Stunden zu leben habe, Selbstmord begangen, nicht ohne vorher sämtliche Dokumente im Haus penibel zu beseitigen. Da Tscharkin diese Konferenz einige Tage zuvor gebucht hatte, wird der Reporter Hernandez neugierig. Auch hofft er den Mörder seines Freundes dadurch zu finden.
Hernandez bucht in dem Hotel in einiger Entfernung ebenfalls ein Zimmer und versucht die geheime Konferenz mit Überwachungsgeräten abzuhören und aufzuzeichnen. Ihm passiert jedoch ein fataler Fehler ....
Zur selben Zeit kommt es in Deutschland des Jahres 1994 zu einer Mordserie, über deren Zusammenhang der Leser nicht im Unklaren gelassen wird. In dieser Mordserie werden ein bekannter Nazi, sowie ältere Männer und Frauen auf offener Straße von Unbekannten hingerichtet.
Ein Agent des DSE, einer Abteilung der Koordinierungsstelle der Aktivitäten der Geheimdienste der EU-Länder, nimmt, nachdem er von der Cousine des oben genannten Reporters angesprochen wird, die Ermittlungen auf. Diese werden für ihn und alle Personen, die auch nur im Entferntesten an dem Fall beteiligt sind, sehr gefährlich. Blut fließt in dem Roman nicht gerade wenig. Mehr möchte ich hierzu nicht sagen, außer dass es sich bei dem Täterkreis um ehemalige Mitglieder der Leibstandarte Adolf Hitlers, also einer SS-Eliteeinheit, handelt.
Eins wird nach einiger Zeit deutlich: Die Morde hängen mit dem sogenannten "Brandenburger Testament" zusammen, welches Historiker nicht genau in den Bereich Mythos oder Realität einzuordnen vermögen. Dieses Testament soll Ende Februar 1945, also zwei Monate vor dem Selbstmord Hitlers, von Hitlers und seinen treu Ergebenen unterzeichnet worden sein. Um was es sich dem Hörensagen in dem Testament handeln soll, möchte ich nicht verraten.
Am Ende des Buches hofft der Leser, dass das, was in diesem Thriller so akribisch geplant und umgesetzt wird, niemals in die Wirklichkeit umgesetzt wird. Sonst kann man nur sagen, "gute Nacht Deutschland, gute Nacht Europa". Die politische Landkarte würde in jedem Fall verändert werden.
Man bekommt als Leser das Gefühl, dass Glenn Meade in hervorragender Weise die deutsche Nazigeschichte, die Organisationsstruktur der Geheimdienste sowie die Schauplätze recherchiert hat. Das Buch bleibt spannend bis zum Schluss. Ich finde an dem Buch auch gut, dass die Helden keine Superhelden sind, nahezu alle werden "draufgehen", aber eben dieses zeigt doch deutlich, wie erbittert der Kampf beider Seiten mit Sicherheit auch heute noch geführt wird.
Glenn Meade: Unternehmen Brandenburg, Bastei-Lübbe TB, 1994, deutsche Ausgabe 1999.
ISBN 3-404-14190-3 (18,90,- DM), 700 Seiten
Viel Spaß beim Lesen, eure Silke
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-09 19:43:23 mit dem Titel Henning Mankell - Mörder ohne Gesicht
Heute möchte ich euch einen Krimi vorstellen, den ich von einem Kollegen geliehen habe und leider viel zu lange ungelesen in der Ecke liegen hatte.
Hätte ich ihn doch schon eher gelesen!
Es handelt sich hierbei um den Thriller "Mörder ohne Gesicht" des schwedischen Autors Henning Mankell. Viele von euch werden diesen
Krimiautor kennen oder aber mal Verfilmungen seiner Krimis gesehen haben. Ich gehörte bislang nicht zu dieser Gruppe, ich muss es gestehen! Liegt
doch eigentlich mein Leseherz eher auf der Seite historischer Romane. Aber ich will nicht abschweifen und sogleich zum "Mörder ohne Gesicht"
kommen.
Der Inspektor Kurt Wallander ermittelt in diesem Krimi unter anderem in einem Doppelmord, der einem schon zu Beginn fast den Atem stocken
lässt:
Ein altes Bauernehepaar wird im schwedischen Schonen auf bestialische Weise ermordet. "Es war schlimmer, als er es sich vorgestellt hatte. Viel
schlimmer. Später wird er sagen, dass es das Schlimmste war, was er je gesehen hatte. Es war sogar bis auf die Porzellanlampe hinaufgespritzt
....." Tja, die Beschreibungen der Opfer werde ich euch jetzt natürlich nicht preisgeben. Auf jeden Fall nimmt Wallander die Ermittlungen auf.
Zunächst überhaupt nicht hilfreich scheint ihm dabei das letzte Wort des einen sterbenden Opfers zu sein: "Ausländer" - oder müssen nun die
Ausländer wieder als Buhmänner für alles Negative herhalten?
Doch obwohl sich die Erfolge seiner Ermittlungen zunächst überhaupt nicht zeigen wollen, gelingt es ihm, die vagen Worte in einen Zusammenhang zu
bringen - denn da war ja noch ein besonderer Knoten ...
Dieser Krimi zeigt das heutige Schweden. Es ist nicht unbedingt das Tourismus-Schweden der Reiseprospekte. Insbesondere in der meist von
älteren Leuten bewohnten Provinz Schonen, in der es bei weitem noch nicht so zugeht wie in Stockholm, obwohl auch hier erste Ansätze
erkennbar sind, wird das vielleicht wahre Schweden deutlich:
Es ist ein Schweden mit Fremdenfeindlichkeit, resultierend aus einer Angst vor Überfremdung. Sogar ein Asylbewerberheim geht in den Flammen auf.
Das Thema "Asylanten und die Asylpolitik Schwedens" steht im Mittelpunkt des Interesses. Kann es da eine Verbindung zwischen dem Mord und den
Worten der Sterbenden geben? Vielleicht wollte sie auf etwas anderes hinaus - schließlich führte ihr braver Ehemann ein Doppelleben.....
Doch nun zu Mankells ermittelnder Inspektor Wallander selbst. Er ist kein Hochglanz-Sherlock-Holmes, sondern ein Mann, in dessen Privatleben das
Wort "Chaos" zu Hause ist. Seine Frau ist weg, zu seiner Tochter hat er seit Jahren keinen Kontakt mehr und sein seniler Vater ist nicht gerade
eine Hilfe, das Privatleben in den Griff zu bekommen. Zunehmend zeigt sich seine Tendenz in problematischen Situationen zur Flasche zu greifen.
Doch bestehen seine Trinkgewohnheiten während der Arbeitszeit und auch in nicht so problematischen Situationen darin, ständig Kaffee zu trinken.
Ich weiß nicht, ob der Kaffeekonsum der Schweden so extrem ist, doch fällt es dem Leser schon auf.
Ständige Besprechungen zeigen, wie zäh Ermittlungen in Kriminalfällen laufen können und, dass der ermittelnde Polizist nicht sofort a la Sherlock
Holmes auf den Täterkreis kommt. Es dauert womöglich Monate, in der richtigen Richtung zu ermitteln. Das wird in diesem Krimi sehr deutlich und
dies finde ich gut. Wenn der Detektiv oder Inspektor intuitiv sogleich den Täter aus dem Hut zaubert, ist mir dies suspekt. Doch da Wallander so
manches Mal fast resigniert, um dann doch weiter zu kämpfen, macht dies ihn und seine Kollegen glaubwürdiger.
Die Sprache des Krimis besteht vornehmlich aus einfachen, teils kurzen Hauptsätzen. Somit ist er leicht zu lesen. Da diese Satzwahl eigentlich für
das Deutsche untypisch ist, schließlich sind wir für unsere Schachtelsätze bekannt, erscheint der Krimi sprachlich teils holperig, weil man am
Lesefluss gehindert wird. Doch liegt dies vielleicht an dem schwedischen Satzbau?? Auch beginnen öfters die Sätze mit dem gleichen Wort "Er" - im
Deutschen nicht gerade ein Zeugnis von Qualität, doch vielleicht ist dies im Schwedischen nicht so?
Viele Dialoge zwischen den ermittelnden Personen ermöglichen dem Leser, sich das Geschehen quasi als Film vorzustellen. Doch bin ich der Meinung,
dass hier und da beschreibende Zusammenfassungen mit spannungsgeladener Sprache angebrachter gewesen wäre.
Insgesamt muss man sowieso sagen, dass das Buch sehr spannend beginnt, diese jedoch nicht halten kann, was bei Ermittlungsarbeiten ja
auch einleuchtet.
Nichts desto trotz finde ich den Krimi lesenswert. Der Leser wird vielleicht aufgrund der zähen Ermittlungen immer zum Grübeln nach dem Täter
angeregt.
Im Übrigen ist Henning Mankell mit "Mörder ohne Gesicht" 1992 als bester Thriller Schwedens ausgezeichnet worden. Soweit ich weiß, ist "Mörder
ohne Gesicht" sein Debüt. Dafür ist er wahrlich gelungen.
"Mörder ohne Gesicht" ist im dtv Verlag erschienen und kostet 9,46 €.
Viele Grüße an alle Leseratten und insbesondere an die eine, die mir diesen Krimi geliehen hat,
eure silke-silke
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-26 23:44:39 mit dem Titel Mankell: Die falsche Fährte - Serientäter treibt sein Unwesen in Schonen
Henning Mankell ?? Ja !! Es dürfte kaum einen Buchladen geben, bei dem die Werke des schwedischen Krimiautors Henning Mankell nicht reißenden Absatz finden dürften. Sieht man seine Krimis doch sogar in den kleinen Bücherregalen von Supermärkten.
Mankell ist zum Inbegriff eines zeitgemäßen und vor allem gesellschaftskritischen Autors in Europa geworden, der als bester Krimiautor Schweden ausgezeichnet worden ist.
Nachdem ich zunächst die ersten beiden Bände der bis jetzt 9teiligen Reihe, nämlich „Mörder ohne Gesicht“ und „Hunde von Riga“ gelesen hatte, fand nun der fünfte Band „Die falsche Fährte“ meine Aufmerksamkeit. Dass ich die beiden Bände davor zeitlich erst danach lesen werde, ist keineswegs schlimm, da Mankells Inspektor Wallander die wichtigsten Informationen des zuvor Geschehenen zusammenfasst.
Doch nun zur „Falschen Fährte“:
Hauptermittler ist wiederum Kurt Wallander, ein Polizeiinspektor aus Ystad in Schonen. Dass das eigentlich verträumte Schonen in Südschweden gar nicht so ungefährlich ist, ist nicht nur den Polizisten in Ysad sondern auch dem Leser sehr bald klar – treibt doch ein Serienmörder sein Unwesen. Diesen lernt der Leser punktuell immer wieder kennen, schildert doch ein Erzähler das Ritual der Maskierung. Der Täter ist barfuß unterwegs und bemalt sich wie ein indianischer Krieger am ganzen Körper. Da er seine Opfer auch noch skalpiert, verstärkt den Eindruck, dass es sich um eine Psychopathen handeln muss. Lange Zeit tappen Wallander und auch der Leser im Dunkeln, ergreifen doch die Ermittler lange Zeit „die falsche Fährte“.
Zu seinen Opfern zählen ein ehemaliger Justizminister Schwedens, der in legale und illegale Kunstgeschäfte verwickelt war und der Galerist Svedberg. Es folgen jedoch weitere Opfer, die nichts mit der Kunstszene zu tun haben. Was haben die Opfer, die aus verschiedenen Gesellschaftsschichten kommen, gemeinsam? Hängt es mit dem sich selbst verbrennenden Mädchen in einem Feld zusammen oder ist dieses Ereignis, das sich vor den Augen Wallanders abspielt, ein Zufall? Vermutlich nicht.
Ich möchte hier anmerken, dass ich urplötzlich einen Gedanken hatte, als ich dies las, der mit dem Motiv des Täters in Einklang zu bringen war. Doch dauerte es lange, den Pfad „der falschen Fährte“ zu verlassen. Mehr möchte ich hierzu nicht sagen, da ihr den Krimi ja noch lesen wollt....
Gut finde ich, das Henning Mankells ermittelnder Ermittler selbst kein Hochglanz-Inspektor a la Sherlock Holmes ist. Dafür wird zu oft deutlich, dass er sich durchaus auf einer „falschen Fährte“ mit seinem Team befinden kann. Auch sein Privatleben ist nicht hochglanzverdächtig. Nachdem ihn seine Frau vor einigen Jahren verlassen hatte, merkt man nun, dass sein Verhältnis zu seiner Tochter sich in diesem Band etwas entspannt hat. Hatten sie im ersten Band so gut wie keinen Kontakt, treffen sie sich hier hin und wieder und sprechen miteinander – und sei es auf kleinen Zettelchen. Zum anderen wird deutlich, dass dieser Inspektor wie viele andere auch seine „Probleme“ mit dem Älterwerden seines senilen Vaters hat. Verstanden haben sie sich lange nicht gut, dennoch meldet er sich hin und wieder bei ihm und macht diesem zur Freude schließlich sogar eine Italienreise mit seinem 85jährigen Vater.
Doch in seinem Privatleben kränkelt es nach wie vor. Zwar hat er in den „Hunden von Riga“ eine Polizistenwitwe namens Baiba kennen und lieben gelernt, dennoch kann man immer noch nicht von einer richtigen Beziehung sprechen. Er lebt in Schweden, sie in Riga/Lettland. Dass für ihn eigentlich die Arbeit vorrang hat, wird in seiner Feigheit deutlich, diese Frau anzurufen, um wegen seiner Arbeit eine Urlaubsreise mit ihr abzusagen. Man merkt als Leser die Schwierigkeiten einer solchen Partnerschaft auf Distanz. So verliebt wie in „Hunde von Riga“ erscheint Wallander nun überhaupt nicht mehr.
Die Tendenz, in problematischen Situationen zur Flasche zu greifen, hat sich deutlich gegenüber den Erstlingswerken gebessert. Zwar kauft und trinkt Wallander immer noch Whisky, dennoch nicht mehr in dem Ausmaße wie noch Jahre zuvor. Auch sein Kaffeekonsum ist deutlich rückläufig – was bei dem Ausmaß an Überstunden, auch nächtlicher, durchaus verwunderlich sein kann.
Ich kann euch diesen Krimi nur empfehlen. Zwar werden Orts- und Zeitwechselsprünge unternommen, dennoch ist es nicht schwierig, dem Geschehen zu folgen. Auch ist es möglich, diesen Krimi unabhängig von den vorherigen zu lesen.
Viele Grüße
silke-silke
Es handelt sich zwar um einen dicken Wälzer von 700 Seiten. Diese habe ich selber im Urlaub innerhalb einer Woche verschlungen. Euch dürfte es ebenso ergehen.
Dieser behandelt der Thematik alter und neuer Nazis, ihre internationalen Verbindungen und dem steten Willen, die Macht im Deutschland nach der Vereinigung an sich zu reißen.
Zwar ist die Geschichte fiktiv, doch hat die Nachkriegsgeschichte gezeigt, dass es zu diesem Thema keinen allzu großen Schritt benötigt, auch heute werden im Deutschland des neuen Jahrhunderts rechtsradikale Propaganda und Parolen gestreut, die ihre Abnehmer in erschreckender Weise finden.
Bis heute gibt es Vermutungen und Fanstasieäußerungen, was mit den Schätzen der Reichsbank sowie den Nazigrößen, die in der Endphase des Krieges spurlos verschwunden sind, passiert ist. Verbergen sie sich irgendwo und sind somit noch am Leben?
Glenn Mead macht aus dieser Story einen packenden Thriller, in dem die Spuren der Nazigrößen sowie ihrer Nachkommen in Südamerika zu finden sind. Dass viele insbesondere nach Argentinien und Paraguay geflüchtet sind, entspricht der Wahrheit. Auch gibt es Organisationen, die diese finanziell unterstützen und ebenfalls einflussreiche Beziehungen in Politik und Wirtschaft Südamerikas geknüpft haben.
Inhalt:
Ein Reporter stößt in der Hauptstadt Paraguays durch einen Zufall auf einen Schmuggel von Waren. Seinem Freund Rudi Hernandez hatte er davon, aus Angst umgebracht zu werden, erzählt. Dieser nimmt nach dessen Ermordung, angeblich ist er bei einem Unfall mit Fahrerflucht getötet worden, die Recherche auf. Gleichzeitig stößt Hernandez, als er sich als Reporter in der Villa des deutschstämmigen Geschäftsmannes Tscharkin aufhält, auf Hinweise einer geheimen Konferenz in einem Nobelhotel der Stadt. Tscharkin hatte zuvor, da ihm Ärzte mitgeteilt hatten, dass er nur noch 48 Stunden zu leben habe, Selbstmord begangen, nicht ohne vorher sämtliche Dokumente im Haus penibel zu beseitigen. Da Tscharkin diese Konferenz einige Tage zuvor gebucht hatte, wird der Reporter Hernandez neugierig. Auch hofft er den Mörder seines Freundes dadurch zu finden.
Hernandez bucht in dem Hotel in einiger Entfernung ebenfalls ein Zimmer und versucht die geheime Konferenz mit Überwachungsgeräten abzuhören und aufzuzeichnen. Ihm passiert jedoch ein fataler Fehler ....
Zur selben Zeit kommt es in Deutschland des Jahres 1994 zu einer Mordserie, über deren Zusammenhang der Leser nicht im Unklaren gelassen wird. In dieser Mordserie werden ein bekannter Nazi, sowie ältere Männer und Frauen auf offener Straße von Unbekannten hingerichtet.
Ein Agent des DSE, einer Abteilung der Koordinierungsstelle der Aktivitäten der Geheimdienste der EU-Länder, nimmt, nachdem er von der Cousine des oben genannten Reporters angesprochen wird, die Ermittlungen auf. Diese werden für ihn und alle Personen, die auch nur im Entferntesten an dem Fall beteiligt sind, sehr gefährlich. Blut fließt in dem Roman nicht gerade wenig. Mehr möchte ich hierzu nicht sagen, außer dass es sich bei dem Täterkreis um ehemalige Mitglieder der Leibstandarte Adolf Hitlers, also einer SS-Eliteeinheit, handelt.
Eins wird nach einiger Zeit deutlich: Die Morde hängen mit dem sogenannten "Brandenburger Testament" zusammen, welches Historiker nicht genau in den Bereich Mythos oder Realität einzuordnen vermögen. Dieses Testament soll Ende Februar 1945, also zwei Monate vor dem Selbstmord Hitlers, von Hitlers und seinen treu Ergebenen unterzeichnet worden sein. Um was es sich dem Hörensagen in dem Testament handeln soll, möchte ich nicht verraten.
Am Ende des Buches hofft der Leser, dass das, was in diesem Thriller so akribisch geplant und umgesetzt wird, niemals in die Wirklichkeit umgesetzt wird. Sonst kann man nur sagen, "gute Nacht Deutschland, gute Nacht Europa". Die politische Landkarte würde in jedem Fall verändert werden.
Man bekommt als Leser das Gefühl, dass Glenn Meade in hervorragender Weise die deutsche Nazigeschichte, die Organisationsstruktur der Geheimdienste sowie die Schauplätze recherchiert hat. Das Buch bleibt spannend bis zum Schluss. Ich finde an dem Buch auch gut, dass die Helden keine Superhelden sind, nahezu alle werden "draufgehen", aber eben dieses zeigt doch deutlich, wie erbittert der Kampf beider Seiten mit Sicherheit auch heute noch geführt wird.
Glenn Meade: Unternehmen Brandenburg, Bastei-Lübbe TB, 1994, deutsche Ausgabe 1999.
ISBN 3-404-14190-3 (18,90,- DM), 700 Seiten
Viel Spaß beim Lesen, eure Silke
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-09 19:43:23 mit dem Titel Henning Mankell - Mörder ohne Gesicht
Heute möchte ich euch einen Krimi vorstellen, den ich von einem Kollegen geliehen habe und leider viel zu lange ungelesen in der Ecke liegen hatte.
Hätte ich ihn doch schon eher gelesen!
Es handelt sich hierbei um den Thriller "Mörder ohne Gesicht" des schwedischen Autors Henning Mankell. Viele von euch werden diesen
Krimiautor kennen oder aber mal Verfilmungen seiner Krimis gesehen haben. Ich gehörte bislang nicht zu dieser Gruppe, ich muss es gestehen! Liegt
doch eigentlich mein Leseherz eher auf der Seite historischer Romane. Aber ich will nicht abschweifen und sogleich zum "Mörder ohne Gesicht"
kommen.
Der Inspektor Kurt Wallander ermittelt in diesem Krimi unter anderem in einem Doppelmord, der einem schon zu Beginn fast den Atem stocken
lässt:
Ein altes Bauernehepaar wird im schwedischen Schonen auf bestialische Weise ermordet. "Es war schlimmer, als er es sich vorgestellt hatte. Viel
schlimmer. Später wird er sagen, dass es das Schlimmste war, was er je gesehen hatte. Es war sogar bis auf die Porzellanlampe hinaufgespritzt
....." Tja, die Beschreibungen der Opfer werde ich euch jetzt natürlich nicht preisgeben. Auf jeden Fall nimmt Wallander die Ermittlungen auf.
Zunächst überhaupt nicht hilfreich scheint ihm dabei das letzte Wort des einen sterbenden Opfers zu sein: "Ausländer" - oder müssen nun die
Ausländer wieder als Buhmänner für alles Negative herhalten?
Doch obwohl sich die Erfolge seiner Ermittlungen zunächst überhaupt nicht zeigen wollen, gelingt es ihm, die vagen Worte in einen Zusammenhang zu
bringen - denn da war ja noch ein besonderer Knoten ...
Dieser Krimi zeigt das heutige Schweden. Es ist nicht unbedingt das Tourismus-Schweden der Reiseprospekte. Insbesondere in der meist von
älteren Leuten bewohnten Provinz Schonen, in der es bei weitem noch nicht so zugeht wie in Stockholm, obwohl auch hier erste Ansätze
erkennbar sind, wird das vielleicht wahre Schweden deutlich:
Es ist ein Schweden mit Fremdenfeindlichkeit, resultierend aus einer Angst vor Überfremdung. Sogar ein Asylbewerberheim geht in den Flammen auf.
Das Thema "Asylanten und die Asylpolitik Schwedens" steht im Mittelpunkt des Interesses. Kann es da eine Verbindung zwischen dem Mord und den
Worten der Sterbenden geben? Vielleicht wollte sie auf etwas anderes hinaus - schließlich führte ihr braver Ehemann ein Doppelleben.....
Doch nun zu Mankells ermittelnder Inspektor Wallander selbst. Er ist kein Hochglanz-Sherlock-Holmes, sondern ein Mann, in dessen Privatleben das
Wort "Chaos" zu Hause ist. Seine Frau ist weg, zu seiner Tochter hat er seit Jahren keinen Kontakt mehr und sein seniler Vater ist nicht gerade
eine Hilfe, das Privatleben in den Griff zu bekommen. Zunehmend zeigt sich seine Tendenz in problematischen Situationen zur Flasche zu greifen.
Doch bestehen seine Trinkgewohnheiten während der Arbeitszeit und auch in nicht so problematischen Situationen darin, ständig Kaffee zu trinken.
Ich weiß nicht, ob der Kaffeekonsum der Schweden so extrem ist, doch fällt es dem Leser schon auf.
Ständige Besprechungen zeigen, wie zäh Ermittlungen in Kriminalfällen laufen können und, dass der ermittelnde Polizist nicht sofort a la Sherlock
Holmes auf den Täterkreis kommt. Es dauert womöglich Monate, in der richtigen Richtung zu ermitteln. Das wird in diesem Krimi sehr deutlich und
dies finde ich gut. Wenn der Detektiv oder Inspektor intuitiv sogleich den Täter aus dem Hut zaubert, ist mir dies suspekt. Doch da Wallander so
manches Mal fast resigniert, um dann doch weiter zu kämpfen, macht dies ihn und seine Kollegen glaubwürdiger.
Die Sprache des Krimis besteht vornehmlich aus einfachen, teils kurzen Hauptsätzen. Somit ist er leicht zu lesen. Da diese Satzwahl eigentlich für
das Deutsche untypisch ist, schließlich sind wir für unsere Schachtelsätze bekannt, erscheint der Krimi sprachlich teils holperig, weil man am
Lesefluss gehindert wird. Doch liegt dies vielleicht an dem schwedischen Satzbau?? Auch beginnen öfters die Sätze mit dem gleichen Wort "Er" - im
Deutschen nicht gerade ein Zeugnis von Qualität, doch vielleicht ist dies im Schwedischen nicht so?
Viele Dialoge zwischen den ermittelnden Personen ermöglichen dem Leser, sich das Geschehen quasi als Film vorzustellen. Doch bin ich der Meinung,
dass hier und da beschreibende Zusammenfassungen mit spannungsgeladener Sprache angebrachter gewesen wäre.
Insgesamt muss man sowieso sagen, dass das Buch sehr spannend beginnt, diese jedoch nicht halten kann, was bei Ermittlungsarbeiten ja
auch einleuchtet.
Nichts desto trotz finde ich den Krimi lesenswert. Der Leser wird vielleicht aufgrund der zähen Ermittlungen immer zum Grübeln nach dem Täter
angeregt.
Im Übrigen ist Henning Mankell mit "Mörder ohne Gesicht" 1992 als bester Thriller Schwedens ausgezeichnet worden. Soweit ich weiß, ist "Mörder
ohne Gesicht" sein Debüt. Dafür ist er wahrlich gelungen.
"Mörder ohne Gesicht" ist im dtv Verlag erschienen und kostet 9,46 €.
Viele Grüße an alle Leseratten und insbesondere an die eine, die mir diesen Krimi geliehen hat,
eure silke-silke
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-26 23:44:39 mit dem Titel Mankell: Die falsche Fährte - Serientäter treibt sein Unwesen in Schonen
Henning Mankell ?? Ja !! Es dürfte kaum einen Buchladen geben, bei dem die Werke des schwedischen Krimiautors Henning Mankell nicht reißenden Absatz finden dürften. Sieht man seine Krimis doch sogar in den kleinen Bücherregalen von Supermärkten.
Mankell ist zum Inbegriff eines zeitgemäßen und vor allem gesellschaftskritischen Autors in Europa geworden, der als bester Krimiautor Schweden ausgezeichnet worden ist.
Nachdem ich zunächst die ersten beiden Bände der bis jetzt 9teiligen Reihe, nämlich „Mörder ohne Gesicht“ und „Hunde von Riga“ gelesen hatte, fand nun der fünfte Band „Die falsche Fährte“ meine Aufmerksamkeit. Dass ich die beiden Bände davor zeitlich erst danach lesen werde, ist keineswegs schlimm, da Mankells Inspektor Wallander die wichtigsten Informationen des zuvor Geschehenen zusammenfasst.
Doch nun zur „Falschen Fährte“:
Hauptermittler ist wiederum Kurt Wallander, ein Polizeiinspektor aus Ystad in Schonen. Dass das eigentlich verträumte Schonen in Südschweden gar nicht so ungefährlich ist, ist nicht nur den Polizisten in Ysad sondern auch dem Leser sehr bald klar – treibt doch ein Serienmörder sein Unwesen. Diesen lernt der Leser punktuell immer wieder kennen, schildert doch ein Erzähler das Ritual der Maskierung. Der Täter ist barfuß unterwegs und bemalt sich wie ein indianischer Krieger am ganzen Körper. Da er seine Opfer auch noch skalpiert, verstärkt den Eindruck, dass es sich um eine Psychopathen handeln muss. Lange Zeit tappen Wallander und auch der Leser im Dunkeln, ergreifen doch die Ermittler lange Zeit „die falsche Fährte“.
Zu seinen Opfern zählen ein ehemaliger Justizminister Schwedens, der in legale und illegale Kunstgeschäfte verwickelt war und der Galerist Svedberg. Es folgen jedoch weitere Opfer, die nichts mit der Kunstszene zu tun haben. Was haben die Opfer, die aus verschiedenen Gesellschaftsschichten kommen, gemeinsam? Hängt es mit dem sich selbst verbrennenden Mädchen in einem Feld zusammen oder ist dieses Ereignis, das sich vor den Augen Wallanders abspielt, ein Zufall? Vermutlich nicht.
Ich möchte hier anmerken, dass ich urplötzlich einen Gedanken hatte, als ich dies las, der mit dem Motiv des Täters in Einklang zu bringen war. Doch dauerte es lange, den Pfad „der falschen Fährte“ zu verlassen. Mehr möchte ich hierzu nicht sagen, da ihr den Krimi ja noch lesen wollt....
Gut finde ich, das Henning Mankells ermittelnder Ermittler selbst kein Hochglanz-Inspektor a la Sherlock Holmes ist. Dafür wird zu oft deutlich, dass er sich durchaus auf einer „falschen Fährte“ mit seinem Team befinden kann. Auch sein Privatleben ist nicht hochglanzverdächtig. Nachdem ihn seine Frau vor einigen Jahren verlassen hatte, merkt man nun, dass sein Verhältnis zu seiner Tochter sich in diesem Band etwas entspannt hat. Hatten sie im ersten Band so gut wie keinen Kontakt, treffen sie sich hier hin und wieder und sprechen miteinander – und sei es auf kleinen Zettelchen. Zum anderen wird deutlich, dass dieser Inspektor wie viele andere auch seine „Probleme“ mit dem Älterwerden seines senilen Vaters hat. Verstanden haben sie sich lange nicht gut, dennoch meldet er sich hin und wieder bei ihm und macht diesem zur Freude schließlich sogar eine Italienreise mit seinem 85jährigen Vater.
Doch in seinem Privatleben kränkelt es nach wie vor. Zwar hat er in den „Hunden von Riga“ eine Polizistenwitwe namens Baiba kennen und lieben gelernt, dennoch kann man immer noch nicht von einer richtigen Beziehung sprechen. Er lebt in Schweden, sie in Riga/Lettland. Dass für ihn eigentlich die Arbeit vorrang hat, wird in seiner Feigheit deutlich, diese Frau anzurufen, um wegen seiner Arbeit eine Urlaubsreise mit ihr abzusagen. Man merkt als Leser die Schwierigkeiten einer solchen Partnerschaft auf Distanz. So verliebt wie in „Hunde von Riga“ erscheint Wallander nun überhaupt nicht mehr.
Die Tendenz, in problematischen Situationen zur Flasche zu greifen, hat sich deutlich gegenüber den Erstlingswerken gebessert. Zwar kauft und trinkt Wallander immer noch Whisky, dennoch nicht mehr in dem Ausmaße wie noch Jahre zuvor. Auch sein Kaffeekonsum ist deutlich rückläufig – was bei dem Ausmaß an Überstunden, auch nächtlicher, durchaus verwunderlich sein kann.
Ich kann euch diesen Krimi nur empfehlen. Zwar werden Orts- und Zeitwechselsprünge unternommen, dennoch ist es nicht schwierig, dem Geschehen zu folgen. Auch ist es möglich, diesen Krimi unabhängig von den vorherigen zu lesen.
Viele Grüße
silke-silke
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21.03.2009, 11:05 Uhr von LiFo
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich! Liebe Grüße, Lifo
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