Erfahrungsbericht von Joebln
Die falsche Fährte (Henning Mankell)
Pro:
spannend, sympathische Figuren, gut geschrieben, brisantes Thema
Kontra:
nix
Empfehlung:
Nein
Mal wieder drückte mir ein Kollege ein Buch in die Hand, dass ich selber nie ausgesucht hätte. Denn bisher hatte ich von Mankell nur gehört, dass seine Grundstimmung immer sehr düster und deprimierend wäre. Doch \"Die falsche Fährte\" scheint mir für alle Mankell-Nichtkenner ein guter Einstieg zu sein.
Es ist schon später Sommer und Kurt Wallander – Mankells Dauerermittler und Hauptfigur – plant mit seiner (lettischen?) Freundin einen gemeinsamen Urlaub, bei dem er sich vorstellen kann, die Beziehung zu vertiefen und voran zu bringen.
Doch dann verbrennt sich ein junges Mädchen vor seine Augen in einem Feld. Und Wallander kann die unbeschreibliche Angst in ihren Augen nicht vergessen. Doch zu ausführlicheren Ermittlungen kommt er nicht, da plötzlich ein Serienkiller sein grausames Handwerk beginnt. Sein erstes Opfer ist der ehemalige Justizminister Gustav Wetterstedt. Während weitere illustre Personen kaltblütigst umgebracht und skalpiert werden, kann das Team um Wallander keine Gemeinsamkeiten feststellen und damit auch kein Motiv finden.
Sie stochern so zu sagen im Dunkeln – aber mit der Gewissheit, das nächste Opfer folgt bestimmt.
Je länger jedoch die Ermittlungen dauern, desto unwahrscheinlicher wird für Wallander die Möglichkeit, mit seiner Freundin Baiba in den Urlaub zu fahren. Wann wäre nun der geeignetste Zeitpunkt, ihr das schonend am Telefon bei zu bringen? Oder kann er den Fall vorher lösen? Was war nur mit dem Mädchen los? Wo ist bloß der Zusammenhang zwischen allem??
Der Einstieg in das Buch spielt in der Dominikanischen Republik. Und irgendwie wundert man sich, ob die Seiten wirklich zu dem vorliegenden Buch gehören. Aber nach dem Epilog beginnt die eigentliche Geschichte und auf Grund dieses Epilogs ist der Leser mit seinen Schlussfolgerungerungen Wallander meilenweit voraus. Auch der Täter ist dem Leser relativ schnell klar, während die größeren Zusammenhänge den Kreis schließen.
Das heißt, man kann nicht miträtseln, sondern verfolgt als Außenstehender wie sich das Wallander Team abmüht. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Mit viel Enthusiasmus wird gestartet und viele Ideen entwickelt – doch dann tritt man auf der Stelle. Der Polizeialltag scheint mir hier wunderbar getroffen. Es gibt ein Team und keine Machos oder Superhelden. Zweifeln, mitfühlen, erschöpft sein oder vom Thema abschweifen ist erlaubt und macht die Sache noch authentischer in meinen Augen.
So werden denn auch nach dem Ermittlungsdurchbruch noch einmal bei allen die letzten Reserven frei gesetzt – dabei aber kein Schnellschuss gestartet, sondern weiter mit Sorgfalt und trotz der Aufregung mit angemessener Ruhe vorgegangen.
Das Buch ist auch überhaupt nicht düster und depressiv. Vielleicht liegt das auch an der Jahreszeit. Es stimmt, die Hauptfigur Wallander hat oft mit Weltschmerz zu kämpfen. Aber Mankell hat ihn nicht depressiv gezeichnet. Im Gegenteil Wallander kam mir sehr sympathisch rüber und ich konnte seinen Ermittlungsgedanken so gerne und gut folgen wie auch denen, bei dem es sich um sein eher rares Privatleben dreht. Da \"Die falsche Fährte\" nicht sein erster Einsatz ist, hat Wallander mittlerweile auch schon einen recht ausführlichen Background, bei dem Mankell auch schon mal Bezüge zu früheren Büchern setzt oder Tatsachen – wie Wallanders Freundin – einfach für bekannt voraussetzt. Das stört aber gar nicht, sondern macht Lust, auch andere Bücher mit diesem sympathischen Ermittler zu lesen.
Sehr schön sind auch die Landschaftsbeschreibungen Mankells. Man erhält einige Ausblicke auf das Klima und die Natur der Gegend um Ystad. Dabei verliert er sich aber nicht, sondern setzt Akzente und drückt Stimmungen aus.
Überhaupt hat mir Mankells Schreibweise und sein Erzählstil sehr gefallen. Das Buch ist durchweg gut zu lesen. Mit einfachen Sätzen kann Mankell durch schöne Bilder und eine sehr ruhige Art fesseln und gleichzeitig Freiraum geben. Man liest das Buch nicht atemlos durch, sondern begibt sich auf eine Art Reise in ein fremdes Land, ein fremdes Leben.
Fazit: Ein spannender, hintergründiger Roman mit immer aktuellem Thema. Exzellent geschrieben und auf alle Fälle empfehlenswert!
Henning Mankell
Die falsche Fährte
2001 im dtv Verlag
506 Seiten für 10,00 EUR
ISBN: 3423204206
Es ist schon später Sommer und Kurt Wallander – Mankells Dauerermittler und Hauptfigur – plant mit seiner (lettischen?) Freundin einen gemeinsamen Urlaub, bei dem er sich vorstellen kann, die Beziehung zu vertiefen und voran zu bringen.
Doch dann verbrennt sich ein junges Mädchen vor seine Augen in einem Feld. Und Wallander kann die unbeschreibliche Angst in ihren Augen nicht vergessen. Doch zu ausführlicheren Ermittlungen kommt er nicht, da plötzlich ein Serienkiller sein grausames Handwerk beginnt. Sein erstes Opfer ist der ehemalige Justizminister Gustav Wetterstedt. Während weitere illustre Personen kaltblütigst umgebracht und skalpiert werden, kann das Team um Wallander keine Gemeinsamkeiten feststellen und damit auch kein Motiv finden.
Sie stochern so zu sagen im Dunkeln – aber mit der Gewissheit, das nächste Opfer folgt bestimmt.
Je länger jedoch die Ermittlungen dauern, desto unwahrscheinlicher wird für Wallander die Möglichkeit, mit seiner Freundin Baiba in den Urlaub zu fahren. Wann wäre nun der geeignetste Zeitpunkt, ihr das schonend am Telefon bei zu bringen? Oder kann er den Fall vorher lösen? Was war nur mit dem Mädchen los? Wo ist bloß der Zusammenhang zwischen allem??
Der Einstieg in das Buch spielt in der Dominikanischen Republik. Und irgendwie wundert man sich, ob die Seiten wirklich zu dem vorliegenden Buch gehören. Aber nach dem Epilog beginnt die eigentliche Geschichte und auf Grund dieses Epilogs ist der Leser mit seinen Schlussfolgerungerungen Wallander meilenweit voraus. Auch der Täter ist dem Leser relativ schnell klar, während die größeren Zusammenhänge den Kreis schließen.
Das heißt, man kann nicht miträtseln, sondern verfolgt als Außenstehender wie sich das Wallander Team abmüht. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Mit viel Enthusiasmus wird gestartet und viele Ideen entwickelt – doch dann tritt man auf der Stelle. Der Polizeialltag scheint mir hier wunderbar getroffen. Es gibt ein Team und keine Machos oder Superhelden. Zweifeln, mitfühlen, erschöpft sein oder vom Thema abschweifen ist erlaubt und macht die Sache noch authentischer in meinen Augen.
So werden denn auch nach dem Ermittlungsdurchbruch noch einmal bei allen die letzten Reserven frei gesetzt – dabei aber kein Schnellschuss gestartet, sondern weiter mit Sorgfalt und trotz der Aufregung mit angemessener Ruhe vorgegangen.
Das Buch ist auch überhaupt nicht düster und depressiv. Vielleicht liegt das auch an der Jahreszeit. Es stimmt, die Hauptfigur Wallander hat oft mit Weltschmerz zu kämpfen. Aber Mankell hat ihn nicht depressiv gezeichnet. Im Gegenteil Wallander kam mir sehr sympathisch rüber und ich konnte seinen Ermittlungsgedanken so gerne und gut folgen wie auch denen, bei dem es sich um sein eher rares Privatleben dreht. Da \"Die falsche Fährte\" nicht sein erster Einsatz ist, hat Wallander mittlerweile auch schon einen recht ausführlichen Background, bei dem Mankell auch schon mal Bezüge zu früheren Büchern setzt oder Tatsachen – wie Wallanders Freundin – einfach für bekannt voraussetzt. Das stört aber gar nicht, sondern macht Lust, auch andere Bücher mit diesem sympathischen Ermittler zu lesen.
Sehr schön sind auch die Landschaftsbeschreibungen Mankells. Man erhält einige Ausblicke auf das Klima und die Natur der Gegend um Ystad. Dabei verliert er sich aber nicht, sondern setzt Akzente und drückt Stimmungen aus.
Überhaupt hat mir Mankells Schreibweise und sein Erzählstil sehr gefallen. Das Buch ist durchweg gut zu lesen. Mit einfachen Sätzen kann Mankell durch schöne Bilder und eine sehr ruhige Art fesseln und gleichzeitig Freiraum geben. Man liest das Buch nicht atemlos durch, sondern begibt sich auf eine Art Reise in ein fremdes Land, ein fremdes Leben.
Fazit: Ein spannender, hintergründiger Roman mit immer aktuellem Thema. Exzellent geschrieben und auf alle Fälle empfehlenswert!
Henning Mankell
Die falsche Fährte
2001 im dtv Verlag
506 Seiten für 10,00 EUR
ISBN: 3423204206
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