Erfahrungsbericht von AlinaBaby
"ich würde euch so gerne verstehen" von Catrherine Maurice
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Wie lange habe ich nur nach diesem Buch gesucht? 3 Monate mit Sicherheit. Bei Bol war es zur Zeit nicht lieferbar, in den Buchhandlungen nicht vorhanden, in keinem Computer erwähnt und in der Bücherei sowieso nicht vorhanden. Doch vor knapp einer Woche habe ich es dann durch einen ganz dummen Zufall gefunden. Es war Samstag und wir mussten im Walmart noch ganz schnell ein paar Einkäufe erledigen. Da es schon kurz vor 16 Uhr war stürmten wir förmlich durch die Gänge. Doch als ich einen großen Wühltisch mit Büchern für 2,50 Euro entdeckte musste ich kurz anhalten und konnte meinen Augen kaum trauen. Da lag es : „Ich würde euch so gerne verstehen“ von Catherine Maurice. Das ist bestimmt ein anderes Buch, dachte ich mir und las die Kurzbeschreibung auf der Rückseite. Nein, genau der gleiche Text, den ich damals bei Bol gelesen hatte. Ich konnte es kaum glauben. Wie eine Irre durchwühlte ich den Tisch nach weiteren Schätzen und fand tatsächlich noch ein Buch, dass mein Interesse schon vor einiger Zeit erweckt hatte: „Das Geschenk der Delphine“. Ich schmiss beide Bücher in den Einkaufswagen während wie Freund schon ganz genervt auf die Uhr sah. Kaum daheim angekommen schmiss ich mich auf die Couch und fing an zu Lesen. Ich kam zwar nicht weit, da Alina auf einmal das dringende Bedürfnis hatte mit mir zu spielen, aber so bald sie im Bett war habe ich es wieder zu Hand genommen und war absolut gefesselt davon.
DIE GESCHICHTE
Anne-Marie ist ein normales Kind. Vielleicht etwas schüchtern, aber es hält sich noch im Rahmen und da ihre Entwicklung die eines ganz normalen Babys entspricht macht sich auch keiner Sorgen. Doch ab ihrem ersten Geburtstag verändert sie sich immer mehr. Sie zieht sich fast nur noch in sich zurück und verlernt nach einigen Monaten sogar die paar Wörter, die sie bis dahin gelernt hatte. Es geht soweit dass sie gar nichts mehr von ihrer Umgebung wahrnimmt und fast ständig weint. Die Mutter macht sich ernsthafte Sorgen und wälzt sämtliche Kinderratgeber. Doch keines der beschriebenen Verhaltensmuster passt zur kleinen Anne Marie, was Catherine davon überzeugt, mit ihrer kleinen Tochter wäre etwas nicht in Ordnung. Eines Tages liest sie einen kleinen Artikel über Autismus. Anne Maries Verhalten stimmt fast perfekt mit dem eines autistischen Kindes überein. Catherine spricht den Kinderarzt darauf an , worauf viel verschiedene Einstufungen und Verhaltensanalysen gemacht werden.
Als Anne Marie dann grade 2 Jahre ist, steht die Diagnose fest: Frühkindlicher Autismus. Für Catherine und ihren Mann ist es ein riesiger Schock, doch sie wollen kämpfen. Nachdem alle Ärzte Anne Marie ganz und gar keine rosige Zukunft vorrausgesagt haben (das Wort Heilung nimmt erst recht niemand in den Mund), kommt Catherine durch Zufall auf Dr. Ivaas , der es geschafft hat mehrere austistische Kinder durch eine strenge Verhaltensmodifikation zu heilen. Zusammen mit Robin, der Verhaltenstherapeutin und Bridget, der Sprachtherapeutin machen sie sich auf den langen Weg der Heilung. Anfangs steht Catherin jedoch der Verhaltensmodifikation (mehr dazu später) sehr kritisch gegenüber und wendet sich an Dr. Martha Welch (auch zu ihr werde ich noch einige Worte verlieren), die sozusagen das Forced-Holding (sicher viele als Festhaltetherapie bekannt) erfunden hat.
So bekommt Anne Marie nun eine Kombination aus Holding- und Sprachtherapie, sowie der Verhaltensmodifikation. Und siehe da, es wird immer besser. Anne Marie lernt sich zu konzentrieren, anderen Menschen in die Augen zu schauen, zu reden und zu einem ganz normalen Kind heran zu wachsen. Bis auf wenige kleine Defizite, was die Sprache angeht, hat sie mit 3 ½ Jahren die anderen Kinder in ihrer Entwicklung vollkommen eingeholt.
Doch dann fällt Catherine an ihrem jüngsten Sohn Michel auf, dass er sehr wenig redet. Und der Augenkontakt wird auch immer weniger.
Mehr wird hier nicht verraten, da es in diesem Buch wirklich so einiges an Spannung gibt.
FRÜHKINDLICHER AUSTISMUS
Um dieses Buch wirklich zu verstehen braucht man doch ein wenig an Wissen über Autismus. Das meiste wird im Laufe des Buches erklärt, doch grade zu Anfang ist vieles unverständlich, da Catherine selbst noch gar nichts darüber wusste.
Frühkindlicher Autismus hat Ursachen wie Sand am Meer. Einige wurden wissenschaftlich bewiesen, andere sind nur reine Spekulationen und Vermutungen. Noch vor 20 Jahren vertrat ein gewisser Bettelheim die These, frühkindlicher Autismus wäre die Folge von starker Vernachlässigung des Kindes von Seiten der Mutter. Das Kind fühlt sich ungeliebt und gibt deshalb den Versuch nach Kontakt zur Außenwelt auf. Es zieht sich vollkommen in sich zurück und entwickelt stereotype Verhaltensmuster zum Selbstschutz.
Gott sei Dank ist das passé. Frühkindlicher Autismus kann zum Beispiel von Hirnschäden kommen. Vor etwa 2 Wochen habe ich erst einen interessanten Bericht von Dr. Rimland (der wohl bekannteste Forscher auf dem Gebiet des Autismus) gelesen, in dem ein Zusammenhang zwischen Quecksilbervergiftung und Autismus genannt wurde. Tatsächlich wiesen viele der getesteten Autistischen Kinder einen extrem hohen Quecksilbergehalt auf. Eine Ursache dafür könnte die Impfung sein, aber wie gesagt, es ist eine Vermutung keine Tatsache.
Genau wie Ursachen gibt es auch viele Symptome, die aber bei den verschiedenen Kindern ganz unterschiedlich sein können. Als erstes steht hier natürlich das fehlenden Interesse an der Umwelt, selbst Mutter und Vater werden nie oder nur selten wahrgenommen. Dann verfügt jedes Autistische Kind über verschiedenen Stereotype Verhaltensweisen, wie zum Beispiel das ständige Streichen über glatte Oberflächen, laufen auf Zehenspitzen, zusammen schlagen von Spielzeug und und und. Viele Autistische Kinder neigen auch dazu sich selbst zu verletzen. Kommuniaktionsvermögen ist bei autistischen Kindern kaum bis gar nicht vorhanden.
Selbstverständlich ist nicht jeder Autismus gleich schwer. Manch einer ignoriert sein Umfeld ganz und gar, ein anderen ist in seiner Wahrnehmung nur etwas eingeschränkt.
Als Behandlungsmethode hat sich die Verhaltenstherapie und die Gabe von verschiedenen Medikamenten bewährt. Obwohl man bei den Medikamenten auch sehr vorsichtig sein muss, da sie oft, ähnlich wie bei Hyperaktivität, nur die Symptome lindern und ohne Therapie völlig unnütz sind.
In dem Buch wurde auch die Festhaltetherapie ausführlich beschrieben, die von Dr. Martha Welch damals als Wundermittel gegen Autismus angebrissen wurde. Das diese nicht allein die Heilung herbeiruft ist durch die Erkenntnisse der letzten Jahre logisch, aber ob sie unterstützend angewendet wird ist mir nicht bekannt. Ich habe davon zuvor ehr nur im Zusammenhang mit der fehlenden Bindung zwischen Adoptivkindern und Adoptiveltern gehört. Gestern habe ich ein Buch darüber durchflogen in dem das forced-Holding noch als Heilmittel beschrieben wird, doch dieses Buch stammt aus der Bücherei und erschien bereits 1992. Falls jemand darüber genauer Bescheid weiß, würde ich mich sehr über weitere Informationen freuen. Ich glaub ich wüsste da sogar schon jemand, der mir sicher eine Antwort geben kann, oder Björn?
DR. MARTHA WELCH
Irgendwann in den 80ern wurde von Niko und Lis Tinbergen ein Buch über kindlichen Autismus verfasst. Eigentlich waren die beiden Tierforscher, doch eines Tages kamen sie auf die schlechte Idee ein Buch über den frühkindlichen Autismus zu verfassen. Sie gaben der Mutter die Schuld an der Krankheit, da diese es in der frühen Kindheit versäumt hat, ein Bindung zu ihrem Kind aufzuführen. Nach ihrer Theorie könnte man Autismus ganz einfach heilen, in dem die Bindung zwischen Mutter und Kind wieder hergestellt wird. Aus dieser Theorie hat Dr. Martha Welch dann die Festhaltetherapie entwickelt. Sie hat ihren Standpunkt immer vehement vertreten und war absolut gegen die Verhaltensmodifikation, da ihrer Meinung nach , die Kinder zu willenlosen Robotern „umfunktioniert“ werden.
In dem Buch über Festhaltetherapie das ich vor kurzen gelesen haben wurde sie gleich im Vorwort erwähnt, sozusagen als die Erfinderin. Ende der 80er wurde von BBC eine Dokumentation über sie und ihre Arbeit mit den autistischen Kindern gedreht. Es war mehr ein Werbefilm als eine Dokumentation, denn die Fakten wurden stehts verdreht. Ab diesem Zeitpunkt ging die Welle um und jeder wollte auf einmal für sein Kind das forced-holding.
VERHALTENSMODIFIKATION
Das bedeutet schlicht und einfach, den Kindern neue, richtige Verhaltensweisen anzutrainieren. Das ganze folgt nach einem bestimmten Programm, das je nach Krankheit und Verfassung des Kindes individuell gestaltet wird. Im Gegenteil zu der Gabe von Medikamenten ist es sehr harte Arbeit, sowohl für das Kind als auch für die Eltern und Therapeuten.
MEINE MEINUNG ZUM BUCH
Geschrieben war das Buch einfach erstklassig. Sehr flüssig und auch zum Teil spannend. Der Stil der Autorin hat mir sehr zugesagt. Sie schrieb das Buch erst viele Jahre nach der Heilung ihrer Tochter, aber trotzdem hört es sich stets so an, als wäre sie mitten in den Geschehnissen und nicht als würde sie darauf zurück blicken. Bei jedem verändern sich Gefühle im Nachhinein durch Erfahrungen, doch Catherine Maurice schafft es stets ihre damaligen Gefühle ohne Anspielungen auf die Gegenwart oder die besser die damalige Zukunft auszudrücken.
Die Geschichte an sich war natürlich sehr bewegend. Der Leser kann richtig teilhaben, die Anne Marie sich ganz langsam, Schritt für Schritt erholt. Ich habe sie mir immer vorgestellt, wie sie das erste Mal lacht, das erste Wort spricht, plötzlich anfängt mit ihrem Bruder zu spielen und und und.
Der Teil über Michels ist meiner Meinung nach sehr kurz geraten, aber es wird dennoch alles ausreichend beschrieben. Ich denke, das ist deshalb da der lange Prozess bis zur Diagnose und die Suche nach Behandlungsmethoden bei ihm wegfällt. Aber auch im Teil über Anne Marie wird er hin und wieder erwähnt, genau wie Anne Marie in seinem Teil.
Was ich wahnsinnig toll finde ist der letzte Teil: Weiterer Ratschläge und Stimmen anderen Eltern. Hier beschreibt einer der behandelnden Ärzte wie er das ganze erlebt hat, die Geschichte eines andern autistischen Kindes wird erzählt und weitere Informationen und Ratschläge zum Thema Autismus werden geliefert. Dieser Teil rundet das Buch sehr gut ab.
Auch hier stellt sich die Autorin wieder nicht als Heldin da, die ihr Kind aus der Isolierung des Autismus befreit hat, sondern zeigt deutlich wie schwer alles für sie war und dass sie genau so Fehler gemacht hat. Und sie verdeutlicht wie sie es letztendlich geschafft hat, ihre Tochter in vollem Maß zu unterstützen und zu forden. Auch räumt sie mit dem weitverbreiteten Vorurteil auf, Mütter wüssten immer was das beste für ihre Kinder ist. Denn zu Anfang nach der Diagnose wollte sie die Verhaltensmodifikation eigentlich hinschmeissen und sich ganz auf die Festhaltetherapie verlassen, was mit Sicherheit nicht den Effekt der Kombination gehabt hätte. Sie hatte auch das Gefühl, die Verhaltensmodifikation wäre zu qualvoll für ihre Tochter , bis sie dann gesehen hat wie Anne Marie immer glücklicher wurde.
Geeignet ist das Buch sicher am besten für betroffenen Eltern. Sie sehen, dass es nicht leicht ist ein autistisches Kind zu heilen. Aber es ist möglich, falls der Autismus rechtzeitig erkannt wird. Die Erfahrungen andere (besonders wenn sie positiv sind) helfen hier sicher ungemein. Für Pädagogen und Leute die sich für Autismus interessieren ist es auch ein tolles Buch, da es nicht nur die Erfahrungen der Maurice wiedergibt sondern auch viele Informationen. Es ist einfach so wahnsinnig anschaulich, wie kein Fachbuch es je sein wird. Durch die Geschichte wird es natürlich auch nicht langweilig.
DATEN
Auter/Titel: Catherine Maurice
Cover: Zwei Kindern die streng in die Kamera sehen
Preis: 10,00 DM (ich habe aber nur 2,50 gezahlt, da es ein Mängelexemplar ist, wovon ich allerdings nichts festgestellt habe)
ISBN: 3-404-25592-5
Seitenzahl: 446
FAZIT: Ich fand das Buch einfach toll und möchte es jedem ans Herz legen, der sich auch nur im entferntesten an Autismus interessiert. Es ist einfühlsam, informieren, mitreißend, gefühlvoll und sogar spannend, eine Mischung die ich in solch einem Ausmaß noch nie bei einem Buch erlebt habe.
Zum Schluss muss ich noch kurz anmerken, dass in dem Buch sämtlichen Namen geändert wurden, da die Autorin somit die Privatsphäre ihrer Kinder schützen möchte. Einige Ärzte werden jedoch mit richtigen Namen erwähnt, was vorne auch angegeben wird. Hierbei hätte es eh keinen Sinn, ihnen ein Pseudonym zu geben, da die meisten mehr als nur bekannt wäre und jeder der sich in dem Gebiet ein wenig auskennt sie mit Sicherheit schon an ihren Arbeiten erkannt hätte.
DIE GESCHICHTE
Anne-Marie ist ein normales Kind. Vielleicht etwas schüchtern, aber es hält sich noch im Rahmen und da ihre Entwicklung die eines ganz normalen Babys entspricht macht sich auch keiner Sorgen. Doch ab ihrem ersten Geburtstag verändert sie sich immer mehr. Sie zieht sich fast nur noch in sich zurück und verlernt nach einigen Monaten sogar die paar Wörter, die sie bis dahin gelernt hatte. Es geht soweit dass sie gar nichts mehr von ihrer Umgebung wahrnimmt und fast ständig weint. Die Mutter macht sich ernsthafte Sorgen und wälzt sämtliche Kinderratgeber. Doch keines der beschriebenen Verhaltensmuster passt zur kleinen Anne Marie, was Catherine davon überzeugt, mit ihrer kleinen Tochter wäre etwas nicht in Ordnung. Eines Tages liest sie einen kleinen Artikel über Autismus. Anne Maries Verhalten stimmt fast perfekt mit dem eines autistischen Kindes überein. Catherine spricht den Kinderarzt darauf an , worauf viel verschiedene Einstufungen und Verhaltensanalysen gemacht werden.
Als Anne Marie dann grade 2 Jahre ist, steht die Diagnose fest: Frühkindlicher Autismus. Für Catherine und ihren Mann ist es ein riesiger Schock, doch sie wollen kämpfen. Nachdem alle Ärzte Anne Marie ganz und gar keine rosige Zukunft vorrausgesagt haben (das Wort Heilung nimmt erst recht niemand in den Mund), kommt Catherine durch Zufall auf Dr. Ivaas , der es geschafft hat mehrere austistische Kinder durch eine strenge Verhaltensmodifikation zu heilen. Zusammen mit Robin, der Verhaltenstherapeutin und Bridget, der Sprachtherapeutin machen sie sich auf den langen Weg der Heilung. Anfangs steht Catherin jedoch der Verhaltensmodifikation (mehr dazu später) sehr kritisch gegenüber und wendet sich an Dr. Martha Welch (auch zu ihr werde ich noch einige Worte verlieren), die sozusagen das Forced-Holding (sicher viele als Festhaltetherapie bekannt) erfunden hat.
So bekommt Anne Marie nun eine Kombination aus Holding- und Sprachtherapie, sowie der Verhaltensmodifikation. Und siehe da, es wird immer besser. Anne Marie lernt sich zu konzentrieren, anderen Menschen in die Augen zu schauen, zu reden und zu einem ganz normalen Kind heran zu wachsen. Bis auf wenige kleine Defizite, was die Sprache angeht, hat sie mit 3 ½ Jahren die anderen Kinder in ihrer Entwicklung vollkommen eingeholt.
Doch dann fällt Catherine an ihrem jüngsten Sohn Michel auf, dass er sehr wenig redet. Und der Augenkontakt wird auch immer weniger.
Mehr wird hier nicht verraten, da es in diesem Buch wirklich so einiges an Spannung gibt.
FRÜHKINDLICHER AUSTISMUS
Um dieses Buch wirklich zu verstehen braucht man doch ein wenig an Wissen über Autismus. Das meiste wird im Laufe des Buches erklärt, doch grade zu Anfang ist vieles unverständlich, da Catherine selbst noch gar nichts darüber wusste.
Frühkindlicher Autismus hat Ursachen wie Sand am Meer. Einige wurden wissenschaftlich bewiesen, andere sind nur reine Spekulationen und Vermutungen. Noch vor 20 Jahren vertrat ein gewisser Bettelheim die These, frühkindlicher Autismus wäre die Folge von starker Vernachlässigung des Kindes von Seiten der Mutter. Das Kind fühlt sich ungeliebt und gibt deshalb den Versuch nach Kontakt zur Außenwelt auf. Es zieht sich vollkommen in sich zurück und entwickelt stereotype Verhaltensmuster zum Selbstschutz.
Gott sei Dank ist das passé. Frühkindlicher Autismus kann zum Beispiel von Hirnschäden kommen. Vor etwa 2 Wochen habe ich erst einen interessanten Bericht von Dr. Rimland (der wohl bekannteste Forscher auf dem Gebiet des Autismus) gelesen, in dem ein Zusammenhang zwischen Quecksilbervergiftung und Autismus genannt wurde. Tatsächlich wiesen viele der getesteten Autistischen Kinder einen extrem hohen Quecksilbergehalt auf. Eine Ursache dafür könnte die Impfung sein, aber wie gesagt, es ist eine Vermutung keine Tatsache.
Genau wie Ursachen gibt es auch viele Symptome, die aber bei den verschiedenen Kindern ganz unterschiedlich sein können. Als erstes steht hier natürlich das fehlenden Interesse an der Umwelt, selbst Mutter und Vater werden nie oder nur selten wahrgenommen. Dann verfügt jedes Autistische Kind über verschiedenen Stereotype Verhaltensweisen, wie zum Beispiel das ständige Streichen über glatte Oberflächen, laufen auf Zehenspitzen, zusammen schlagen von Spielzeug und und und. Viele Autistische Kinder neigen auch dazu sich selbst zu verletzen. Kommuniaktionsvermögen ist bei autistischen Kindern kaum bis gar nicht vorhanden.
Selbstverständlich ist nicht jeder Autismus gleich schwer. Manch einer ignoriert sein Umfeld ganz und gar, ein anderen ist in seiner Wahrnehmung nur etwas eingeschränkt.
Als Behandlungsmethode hat sich die Verhaltenstherapie und die Gabe von verschiedenen Medikamenten bewährt. Obwohl man bei den Medikamenten auch sehr vorsichtig sein muss, da sie oft, ähnlich wie bei Hyperaktivität, nur die Symptome lindern und ohne Therapie völlig unnütz sind.
In dem Buch wurde auch die Festhaltetherapie ausführlich beschrieben, die von Dr. Martha Welch damals als Wundermittel gegen Autismus angebrissen wurde. Das diese nicht allein die Heilung herbeiruft ist durch die Erkenntnisse der letzten Jahre logisch, aber ob sie unterstützend angewendet wird ist mir nicht bekannt. Ich habe davon zuvor ehr nur im Zusammenhang mit der fehlenden Bindung zwischen Adoptivkindern und Adoptiveltern gehört. Gestern habe ich ein Buch darüber durchflogen in dem das forced-Holding noch als Heilmittel beschrieben wird, doch dieses Buch stammt aus der Bücherei und erschien bereits 1992. Falls jemand darüber genauer Bescheid weiß, würde ich mich sehr über weitere Informationen freuen. Ich glaub ich wüsste da sogar schon jemand, der mir sicher eine Antwort geben kann, oder Björn?
DR. MARTHA WELCH
Irgendwann in den 80ern wurde von Niko und Lis Tinbergen ein Buch über kindlichen Autismus verfasst. Eigentlich waren die beiden Tierforscher, doch eines Tages kamen sie auf die schlechte Idee ein Buch über den frühkindlichen Autismus zu verfassen. Sie gaben der Mutter die Schuld an der Krankheit, da diese es in der frühen Kindheit versäumt hat, ein Bindung zu ihrem Kind aufzuführen. Nach ihrer Theorie könnte man Autismus ganz einfach heilen, in dem die Bindung zwischen Mutter und Kind wieder hergestellt wird. Aus dieser Theorie hat Dr. Martha Welch dann die Festhaltetherapie entwickelt. Sie hat ihren Standpunkt immer vehement vertreten und war absolut gegen die Verhaltensmodifikation, da ihrer Meinung nach , die Kinder zu willenlosen Robotern „umfunktioniert“ werden.
In dem Buch über Festhaltetherapie das ich vor kurzen gelesen haben wurde sie gleich im Vorwort erwähnt, sozusagen als die Erfinderin. Ende der 80er wurde von BBC eine Dokumentation über sie und ihre Arbeit mit den autistischen Kindern gedreht. Es war mehr ein Werbefilm als eine Dokumentation, denn die Fakten wurden stehts verdreht. Ab diesem Zeitpunkt ging die Welle um und jeder wollte auf einmal für sein Kind das forced-holding.
VERHALTENSMODIFIKATION
Das bedeutet schlicht und einfach, den Kindern neue, richtige Verhaltensweisen anzutrainieren. Das ganze folgt nach einem bestimmten Programm, das je nach Krankheit und Verfassung des Kindes individuell gestaltet wird. Im Gegenteil zu der Gabe von Medikamenten ist es sehr harte Arbeit, sowohl für das Kind als auch für die Eltern und Therapeuten.
MEINE MEINUNG ZUM BUCH
Geschrieben war das Buch einfach erstklassig. Sehr flüssig und auch zum Teil spannend. Der Stil der Autorin hat mir sehr zugesagt. Sie schrieb das Buch erst viele Jahre nach der Heilung ihrer Tochter, aber trotzdem hört es sich stets so an, als wäre sie mitten in den Geschehnissen und nicht als würde sie darauf zurück blicken. Bei jedem verändern sich Gefühle im Nachhinein durch Erfahrungen, doch Catherine Maurice schafft es stets ihre damaligen Gefühle ohne Anspielungen auf die Gegenwart oder die besser die damalige Zukunft auszudrücken.
Die Geschichte an sich war natürlich sehr bewegend. Der Leser kann richtig teilhaben, die Anne Marie sich ganz langsam, Schritt für Schritt erholt. Ich habe sie mir immer vorgestellt, wie sie das erste Mal lacht, das erste Wort spricht, plötzlich anfängt mit ihrem Bruder zu spielen und und und.
Der Teil über Michels ist meiner Meinung nach sehr kurz geraten, aber es wird dennoch alles ausreichend beschrieben. Ich denke, das ist deshalb da der lange Prozess bis zur Diagnose und die Suche nach Behandlungsmethoden bei ihm wegfällt. Aber auch im Teil über Anne Marie wird er hin und wieder erwähnt, genau wie Anne Marie in seinem Teil.
Was ich wahnsinnig toll finde ist der letzte Teil: Weiterer Ratschläge und Stimmen anderen Eltern. Hier beschreibt einer der behandelnden Ärzte wie er das ganze erlebt hat, die Geschichte eines andern autistischen Kindes wird erzählt und weitere Informationen und Ratschläge zum Thema Autismus werden geliefert. Dieser Teil rundet das Buch sehr gut ab.
Auch hier stellt sich die Autorin wieder nicht als Heldin da, die ihr Kind aus der Isolierung des Autismus befreit hat, sondern zeigt deutlich wie schwer alles für sie war und dass sie genau so Fehler gemacht hat. Und sie verdeutlicht wie sie es letztendlich geschafft hat, ihre Tochter in vollem Maß zu unterstützen und zu forden. Auch räumt sie mit dem weitverbreiteten Vorurteil auf, Mütter wüssten immer was das beste für ihre Kinder ist. Denn zu Anfang nach der Diagnose wollte sie die Verhaltensmodifikation eigentlich hinschmeissen und sich ganz auf die Festhaltetherapie verlassen, was mit Sicherheit nicht den Effekt der Kombination gehabt hätte. Sie hatte auch das Gefühl, die Verhaltensmodifikation wäre zu qualvoll für ihre Tochter , bis sie dann gesehen hat wie Anne Marie immer glücklicher wurde.
Geeignet ist das Buch sicher am besten für betroffenen Eltern. Sie sehen, dass es nicht leicht ist ein autistisches Kind zu heilen. Aber es ist möglich, falls der Autismus rechtzeitig erkannt wird. Die Erfahrungen andere (besonders wenn sie positiv sind) helfen hier sicher ungemein. Für Pädagogen und Leute die sich für Autismus interessieren ist es auch ein tolles Buch, da es nicht nur die Erfahrungen der Maurice wiedergibt sondern auch viele Informationen. Es ist einfach so wahnsinnig anschaulich, wie kein Fachbuch es je sein wird. Durch die Geschichte wird es natürlich auch nicht langweilig.
DATEN
Auter/Titel: Catherine Maurice
Cover: Zwei Kindern die streng in die Kamera sehen
Preis: 10,00 DM (ich habe aber nur 2,50 gezahlt, da es ein Mängelexemplar ist, wovon ich allerdings nichts festgestellt habe)
ISBN: 3-404-25592-5
Seitenzahl: 446
FAZIT: Ich fand das Buch einfach toll und möchte es jedem ans Herz legen, der sich auch nur im entferntesten an Autismus interessiert. Es ist einfühlsam, informieren, mitreißend, gefühlvoll und sogar spannend, eine Mischung die ich in solch einem Ausmaß noch nie bei einem Buch erlebt habe.
Zum Schluss muss ich noch kurz anmerken, dass in dem Buch sämtlichen Namen geändert wurden, da die Autorin somit die Privatsphäre ihrer Kinder schützen möchte. Einige Ärzte werden jedoch mit richtigen Namen erwähnt, was vorne auch angegeben wird. Hierbei hätte es eh keinen Sinn, ihnen ein Pseudonym zu geben, da die meisten mehr als nur bekannt wäre und jeder der sich in dem Gebiet ein wenig auskennt sie mit Sicherheit schon an ihren Arbeiten erkannt hätte.
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