Erfahrungsbericht von Peter3110
DIE SUCHE
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Der Leser findet sich am Ende des 19.Jahrhunderts wieder. Er ist zur Gast an einem Konvikt (Internat), das von den kommenden Eliten der österreichischen K&K-Monarchie (Kaiser und König) besucht wird.
Die Geschichte „Die Verwirrungen des Zögling Törleß“ von Robert Musil dreht sich um den jungen Törleß, der wegen seines großen Ehrgeizes seine Eltern dazu gebracht hat ihn auf das Konvikt zu schicken.
Jetzt aber erst einmal kurz ein paar Sätze zum Inhalt und zum Handlungsablauf dieses Romans.
Der Inhalt
Der junge Törleß wird auf sein persönliches Drängen hin im Konvikt aufgenommen. Diesen Entschluss bereut er jedoch nach kurzer Zeit, da er großes Heimweh nach seinen Eltern hat.
Nachdem dieses Heimweh endlich schwächer wird, gewinnt er endlich seinen ersten Freund, einen jungen Prinzen. Wegen der Religiosität des Prinzen kommt es jedoch zum Streit, woraufhin der Prinz das Konvikt verlässt.
Der junge Törleß findet sich durch diesen Vorfall noch schlechter im Konvikt zurecht, besonders auch weil der Prinz wegen seiner nicht so ausgeprägten Männlichkeit oft die Zielscheibe des Hohns der anderen Zöglinge wurde.
Nun begibt sich Törleß jedoch in eine Gruppe von Schüler, die sich durch ihre Rohheit und Rücksichtslosigkeit auszeichnen. Die Anführer dieser Gruppe sind Beineberg und Reiting. Diese beiden zeichnen sich durch ihre merkwürdigen Chraktereigenschaften aus.
Beineberg ist vom buddhistisch-spirituellen bewegt, während Reiting glaubt er sei von hoher Abstammung und werde man die Herrschaft übernehmen. Sie ekeln Törleß zwar an, doch er genießt es ihr „Generalstabschef“ zu sein.
In dieser Situation gewinnt er endlich ein gewisses Maß an Stabilität, dass ihm bisher so gefehlt. Nun ereignet sich jedoch ein Vorfall im Konvikt, der das Leben des Törleß entscheidend verändern wird.
Ein Mitzögling (Mitschüler) Basini stiehlt Reiting Geld. Basini, der aus verarmten adligen Hause stammt, muss nun alles machen, was die drei von ihm verlangen. Dies geht so weit, dass Basini ihnen auch in sexuellen Dingen folgen muss.
Nach einer Reihe von zum Teil Menschen verachtenden Experimenten, von denen sich Törleß immer weiter abwendet, liefern Beineberg und Reiting Basini dem Zorn der Schüler aus. Törleß flieht daraufhin, kommt kurz nach dem Vorfall in das Konvikt zurück. Nach einem Gespräch, in dem Törleß in die Tiefe seiner Seele sieht, verlässt Törleß endgültig das Konvikt.
Interpretation
„Die Verwirrungen des Zögling Törleß“ ist das erste Werk des Robert Musil, in dem er sicher auch autobiographische Inhalte einbringt, die aber nicht den Kern dieses Romans bilden.
In diesem Roman geht es um die Suche des jungen Törleß nach der Kraft seiner Seele und wohl auch nach der Erkenntnis an und für sich.
Diese Suche wird dem Leser unheimlich deutlich gemacht, da Musil es versteht dem Gang der Gedanken zu folgen und sie dem Leser nahe zu bringen.
Törleß durchlebt während der Geschichte eine starke Entwicklung. Diese ist durch eine Reihe von „Experimenten“ gekennzeichnet. Das erste „Experiment“ ist die Freundschaft mit dem jungen Prinzen. Für Törleß war diese Freundschaft auf Grund der Religiosität des Prinzen ein Abgleiten in das Irrationale. Diesen Weg verlässt er jedoch, als er mit der „Keule der Logik“ dieses Konstrukt zerschlägt. Man kann als weiteres Experiment seine Heimweh nennen. Ich denke jedoch, dass dies der Anstoß für diese „Experimente“ ist, da Törleß merkt was für eine unglaubliche Kraft in ihm schlummert und nur darauf wartet hervor zu brechen.
Das nächste „Experiment“ ist die Leidenschaft, die er für die Prostituierte Bozena empfindet, von der er sich jedoch bald wieder abwendet und auch keine sexuelles Verhältnis mit ihr hat.
Nachdem diese „Experimente“ nicht sehr ertragreich für Törleß war und die Leere in ihm immer wieder zurückkam, suchte er nun im Bereich des Rationalen, nämlich im Bereich der Mathematik, da er nicht verstand, wie es sich mit den imaginären Zahlen verhält. Doch auch hier kam er nicht weiter, da sein Lehrer es nicht vermochte ihm diese Dinge befriedigend zu erklären. Da er also im imaginären nicht vorankam, suchte er im Bereich des „Natürlichen“. Weshalb er sich auch nicht gegen die Annäherungsversuche des Basini wehrte, der Törleß gewinnen wollte, damit dieser ihm beistehen sollte.
Nach seiner Flucht, die das Ergebnis seiner inneren Verwirrung war, eröffnet er seinen Lehrern seine „Erkenntnisse“ und Erfahrungen. Hier liegt ein großer Interpretationshorizont. So interpretiert der Verlag, dass Musil den Törleß von dem „Bösen“ im Menschen sprechen lässt und so auf den Faschismus vorgreift. Diese Interpretation übernimmt auch ein preisgekrönter Film über diesen Roman, doch ich denke, dass Musil es eher um die Psychologie des jungen Törleß geht, als um den Hintergrund und die anderen handelnden Personen. Man kann trotzdem sagen das einige Verhaltensweise in diese Richtung zeigen, aber das Hauptthema ist ein anderes.
So hat Törleß durch seine Entwicklung eine bessere Sicht auf die Dinge des täglichen Lebens und vermag es hinter die Dinge zu sehen.
Fazit
Auch wenn viele meiner Stufenkollegen in der Schule nur wenig für dieses Buch übrig hatten, hat es mich durch seine Erzählweise gefesselt. Es ist grandios, wie Musil es vermag seelische Vorgänge in einer fast bedrückenden Dringlichkeit zu beschreiben.
So mag uns auch die Handlung fern sein, doch trotzdem kann ich jedem dieses Buch nur empfehlen.
Vielen Dank fürs Lesen und ich freue mich schon auf zahlreiche Kommentare.
Die Geschichte „Die Verwirrungen des Zögling Törleß“ von Robert Musil dreht sich um den jungen Törleß, der wegen seines großen Ehrgeizes seine Eltern dazu gebracht hat ihn auf das Konvikt zu schicken.
Jetzt aber erst einmal kurz ein paar Sätze zum Inhalt und zum Handlungsablauf dieses Romans.
Der Inhalt
Der junge Törleß wird auf sein persönliches Drängen hin im Konvikt aufgenommen. Diesen Entschluss bereut er jedoch nach kurzer Zeit, da er großes Heimweh nach seinen Eltern hat.
Nachdem dieses Heimweh endlich schwächer wird, gewinnt er endlich seinen ersten Freund, einen jungen Prinzen. Wegen der Religiosität des Prinzen kommt es jedoch zum Streit, woraufhin der Prinz das Konvikt verlässt.
Der junge Törleß findet sich durch diesen Vorfall noch schlechter im Konvikt zurecht, besonders auch weil der Prinz wegen seiner nicht so ausgeprägten Männlichkeit oft die Zielscheibe des Hohns der anderen Zöglinge wurde.
Nun begibt sich Törleß jedoch in eine Gruppe von Schüler, die sich durch ihre Rohheit und Rücksichtslosigkeit auszeichnen. Die Anführer dieser Gruppe sind Beineberg und Reiting. Diese beiden zeichnen sich durch ihre merkwürdigen Chraktereigenschaften aus.
Beineberg ist vom buddhistisch-spirituellen bewegt, während Reiting glaubt er sei von hoher Abstammung und werde man die Herrschaft übernehmen. Sie ekeln Törleß zwar an, doch er genießt es ihr „Generalstabschef“ zu sein.
In dieser Situation gewinnt er endlich ein gewisses Maß an Stabilität, dass ihm bisher so gefehlt. Nun ereignet sich jedoch ein Vorfall im Konvikt, der das Leben des Törleß entscheidend verändern wird.
Ein Mitzögling (Mitschüler) Basini stiehlt Reiting Geld. Basini, der aus verarmten adligen Hause stammt, muss nun alles machen, was die drei von ihm verlangen. Dies geht so weit, dass Basini ihnen auch in sexuellen Dingen folgen muss.
Nach einer Reihe von zum Teil Menschen verachtenden Experimenten, von denen sich Törleß immer weiter abwendet, liefern Beineberg und Reiting Basini dem Zorn der Schüler aus. Törleß flieht daraufhin, kommt kurz nach dem Vorfall in das Konvikt zurück. Nach einem Gespräch, in dem Törleß in die Tiefe seiner Seele sieht, verlässt Törleß endgültig das Konvikt.
Interpretation
„Die Verwirrungen des Zögling Törleß“ ist das erste Werk des Robert Musil, in dem er sicher auch autobiographische Inhalte einbringt, die aber nicht den Kern dieses Romans bilden.
In diesem Roman geht es um die Suche des jungen Törleß nach der Kraft seiner Seele und wohl auch nach der Erkenntnis an und für sich.
Diese Suche wird dem Leser unheimlich deutlich gemacht, da Musil es versteht dem Gang der Gedanken zu folgen und sie dem Leser nahe zu bringen.
Törleß durchlebt während der Geschichte eine starke Entwicklung. Diese ist durch eine Reihe von „Experimenten“ gekennzeichnet. Das erste „Experiment“ ist die Freundschaft mit dem jungen Prinzen. Für Törleß war diese Freundschaft auf Grund der Religiosität des Prinzen ein Abgleiten in das Irrationale. Diesen Weg verlässt er jedoch, als er mit der „Keule der Logik“ dieses Konstrukt zerschlägt. Man kann als weiteres Experiment seine Heimweh nennen. Ich denke jedoch, dass dies der Anstoß für diese „Experimente“ ist, da Törleß merkt was für eine unglaubliche Kraft in ihm schlummert und nur darauf wartet hervor zu brechen.
Das nächste „Experiment“ ist die Leidenschaft, die er für die Prostituierte Bozena empfindet, von der er sich jedoch bald wieder abwendet und auch keine sexuelles Verhältnis mit ihr hat.
Nachdem diese „Experimente“ nicht sehr ertragreich für Törleß war und die Leere in ihm immer wieder zurückkam, suchte er nun im Bereich des Rationalen, nämlich im Bereich der Mathematik, da er nicht verstand, wie es sich mit den imaginären Zahlen verhält. Doch auch hier kam er nicht weiter, da sein Lehrer es nicht vermochte ihm diese Dinge befriedigend zu erklären. Da er also im imaginären nicht vorankam, suchte er im Bereich des „Natürlichen“. Weshalb er sich auch nicht gegen die Annäherungsversuche des Basini wehrte, der Törleß gewinnen wollte, damit dieser ihm beistehen sollte.
Nach seiner Flucht, die das Ergebnis seiner inneren Verwirrung war, eröffnet er seinen Lehrern seine „Erkenntnisse“ und Erfahrungen. Hier liegt ein großer Interpretationshorizont. So interpretiert der Verlag, dass Musil den Törleß von dem „Bösen“ im Menschen sprechen lässt und so auf den Faschismus vorgreift. Diese Interpretation übernimmt auch ein preisgekrönter Film über diesen Roman, doch ich denke, dass Musil es eher um die Psychologie des jungen Törleß geht, als um den Hintergrund und die anderen handelnden Personen. Man kann trotzdem sagen das einige Verhaltensweise in diese Richtung zeigen, aber das Hauptthema ist ein anderes.
So hat Törleß durch seine Entwicklung eine bessere Sicht auf die Dinge des täglichen Lebens und vermag es hinter die Dinge zu sehen.
Fazit
Auch wenn viele meiner Stufenkollegen in der Schule nur wenig für dieses Buch übrig hatten, hat es mich durch seine Erzählweise gefesselt. Es ist grandios, wie Musil es vermag seelische Vorgänge in einer fast bedrückenden Dringlichkeit zu beschreiben.
So mag uns auch die Handlung fern sein, doch trotzdem kann ich jedem dieses Buch nur empfehlen.
Vielen Dank fürs Lesen und ich freue mich schon auf zahlreiche Kommentare.
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