Erfahrungsbericht von denali
Mankell, Henning/Die falsche Fährte: Das falsche Buch....
Pro:
sympathische Hauptfigur (teilweise zumindest)
Kontra:
Leser wird in die Irre geführt, des Rätsels Lösung bleibt eher verborgen
Empfehlung:
Nein
....für meinen letzten Urlaub. Schade, denn erstens kannte ich Mankell als Schriftsteller noch nicht und zweitens spielen seine Romane in Südschweden, eine Landschaft, für die ich mich begeistern kann. Fehlt wohl noch Drittens; auch in der Toskana ist man nicht vor einer längeren Pause sicher und so las ich das Buch zweimal. Zum ersten- und letzten Mal.
Aber nun zum Inhalt:
Sommer in Ystad. Alle Mitarbeiter des Kommissariats, einschließlich Kurt Wallander (Mankell’s Hauptfigur) träumen von ihren bevorstehenden Urlauben. Doch dann entdeckt man am Strand die Leiche des ehemaligen Justizministers Wetterstedt. Das Besondere daran ist die Art und Weise, wie der Mann sein Leben ließ. Getötet wurde er mit einem Beilschlag zwischen seinen Schulterblättern. Zusätzlich nahm der Mörder ihm noch seinen „Skalp“. Wallander tappt mit seiner Mannschaft völlig im Dunkeln bezüglich des Mordmotivs und eines Täters. Auch die intensive Spurensuche nach Indizien im Haus des Opfers führt zu keinem Ergebnis. Von einem Bekannten erfährt Wallander, dass Wetterstedt seine Hände nicht nur in legalen Geschäften hatte sondern auch mit Kunstdiebstählen in Verbindung gebracht wird. Als wenige Tage später der Galerist Svedberg auf ähnliche Art und Weise aus dem Dasein schied, glaubt er, dass der Täter dieser Verbrechen aus dem Kunstgewerbe kommen muss....
Szenenwechsel: Familie Fredman, die Mutter lebt mit den 3 Kindern von ihrem Mann getrennt. Die älteste Tochter ist seit 3 Jahren im geschlossenen Teil einer psychiatrischen Anstalt in Behandlung. Und so lebt die alkoholabhängige Frau mit den beiden Söhnen allein. Ihr Mann ist ein Taugenichts. Keine feste Arbeit, nur hier und da ein paar krumme Geschäfte als Hehler. Ausgerechnet er wird nun zum 3. Opfer des Serienmörders.
Hinzu kommt ein mysteriöser Selbstmord einer jungen Frau, die mitten in einem Rapsfeld sich mit Benzin übergoss und sich anzündete....
Rufen wir uns nun den Buchtitel in Erinnerung, so wissen wir, dass Wallander mit seiner Vermutung, den Täter im Kunstgewerbe zu suchen, eben auf der falschen Fährte ist. So stochern er und sein Team im Nebel und suchen verzweifelt den Täter, ist doch ihrer aller Urlaub in Gefahr.
Doch ob nun weitere Opfer folgen bzw. in welch schmutzigen Geschäft die bisherigen Opfer ihre Hände im Spiel hatten, wird jetzt nicht verraten,
Die Wirkung des Buches auf mich:
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Mankell seine Leser zeitweise in die Irre schickt. Aber nicht, um die Spannung zu erhöhen, sondern weil Nebensächlichkeiten dermaßen in den Vordergrund gerückt werden, um dann im Nichts zu enden. Beispielsweise stieß Wallander im Zuge seiner Ermittlungen auf einen Nicht-Schweden, den er nach seinem Pass fragte. Er beschloss, sich den Namen der Person zu merken – Aha. So fragt sich der geneigte Leser nun zu Recht „Wofür das Ganze“ ? Eine Antwort darauf gibt es nicht, der Name der Person bzw. die Person selbst taucht im restlichen Buch nicht ein einziges Mal mehr auf.
Weiterhin scheint mir, dass Mankell die Fahrtzeiten seines Helden mit dem Auto willkürlich festsetzt. So fährt Wallander eines Nachts nachweislich mit seinem eigenen Auto um 2.45 Uhr aus Helsingborg zurück nach Ystad direkt zu seiner Wohnung. Eine Strecke, die man bei schwedischen Tempolimits in etwa 90 Minuten schaffen kann, vorausgesetzt es herrscht wenig Verkehr. Hinzurechnen muss man noch die Zeit, die der „Held“ durch Ystad zu seiner Wohnung fahren müsste.
So, in diesem Absatz lässt Mankell seine Hauptfigur nach der Ankunft nochmals die Aufzeichnungen durchsehen und ihn auch spät einschlafen. Aufstehzeit ist 5 Uhr morgens. Nun die Preisfrage: Wieso geht man dann überhaupt noch in seine Koje??? In der Mankell’schen Lösung wird die Fahrtzeit auf eine Stunde zusammengestrichen, hmmm, Ordnungshüter als Gesetzesbrecher???
Diese beiden Beispiele (nur eine kleine Auswahl) sollen Euch zeigen, was mich bei diesem Buch stört. Zudem gibt Mankell schon früh die Identität des Täters frei. Somit blättert man im Prinzip nur bis ans Ende, um zu erfahren, auf welche Art und Weise es der Polizei es gelingt, diese Person festzunageln.
Schwach gelöst finde ich auch das „Drumherum“ um diese Person. Der Täter (ok, „Er“ ist männlich) schlüpft in zwei Gestalten á la Jekyll und Hyde. Aber warum, wie kam es dazu und wie kam er an seine Informationen über seine Opfer?
Am Ende bleiben somit mehr Fragen offen.....
Zudem scheint Mankell ein Problem mit der schwedischen Bürokratie zu haben. Fast alle Polizisten/Kriminalbeamte, vor allem aber Wallander, arbeiten rund um die Uhr, sind ständig erreichbar, scheinen niemals müde zu werden und sind nach wenigen Minuten Schlaf wieder fit wie ein Turnschuh. Aha...wer’s glaubt...
Positives ist aber auch zu vermelden. Mankell schafft es immerhin seine Figuren sympathisch zu gestalten. So ist Wallander eben nur der Leiter eines Teams und nicht der Supermann mit irgendwelchen besonderen Fähigkeiten. Er ist eben ein Mensch wie Du und ich, mit kleinen menschlichen Schwächen. So bleibt z.B. schon mal die Wäsche liegen oder ein Werkstatttermin wird schlichtweg vergessen. Dieser positive Aspekt trifft aber nur auf Wallander zu, über seinen engeren Mitarbeiterkreis erfährt man schon sehr wenig.
Fazit:
Mein Urteil (geschrieben und verkündet): nicht lesenswert. Mag man noch so sehr Schweden-Enthusiast sein, aber viele erschreckende Fehler innerhalb des Skripts ermuntern mich nicht, noch weitere Werke von diesem Autor zu lesen. Außerdem sei nochmals an die fehlenden Informationen rund um den Täter erinnert....
Das 507-seitige Buch ist als Taschenbuch im dtv-Verlag bereits in der 5. Auflage erschienen. Weshalb auf dem Titelbild ein Engel abgebildet ist, weiß wohl nur der Verlag. Die ISBN- Nr. lautet 3-423-20420-6. Interessenten für dieses Buch müssen mit einem Neupreis von momentan 10 Euro rechnen.
Viele Grüße
denali
Aber nun zum Inhalt:
Sommer in Ystad. Alle Mitarbeiter des Kommissariats, einschließlich Kurt Wallander (Mankell’s Hauptfigur) träumen von ihren bevorstehenden Urlauben. Doch dann entdeckt man am Strand die Leiche des ehemaligen Justizministers Wetterstedt. Das Besondere daran ist die Art und Weise, wie der Mann sein Leben ließ. Getötet wurde er mit einem Beilschlag zwischen seinen Schulterblättern. Zusätzlich nahm der Mörder ihm noch seinen „Skalp“. Wallander tappt mit seiner Mannschaft völlig im Dunkeln bezüglich des Mordmotivs und eines Täters. Auch die intensive Spurensuche nach Indizien im Haus des Opfers führt zu keinem Ergebnis. Von einem Bekannten erfährt Wallander, dass Wetterstedt seine Hände nicht nur in legalen Geschäften hatte sondern auch mit Kunstdiebstählen in Verbindung gebracht wird. Als wenige Tage später der Galerist Svedberg auf ähnliche Art und Weise aus dem Dasein schied, glaubt er, dass der Täter dieser Verbrechen aus dem Kunstgewerbe kommen muss....
Szenenwechsel: Familie Fredman, die Mutter lebt mit den 3 Kindern von ihrem Mann getrennt. Die älteste Tochter ist seit 3 Jahren im geschlossenen Teil einer psychiatrischen Anstalt in Behandlung. Und so lebt die alkoholabhängige Frau mit den beiden Söhnen allein. Ihr Mann ist ein Taugenichts. Keine feste Arbeit, nur hier und da ein paar krumme Geschäfte als Hehler. Ausgerechnet er wird nun zum 3. Opfer des Serienmörders.
Hinzu kommt ein mysteriöser Selbstmord einer jungen Frau, die mitten in einem Rapsfeld sich mit Benzin übergoss und sich anzündete....
Rufen wir uns nun den Buchtitel in Erinnerung, so wissen wir, dass Wallander mit seiner Vermutung, den Täter im Kunstgewerbe zu suchen, eben auf der falschen Fährte ist. So stochern er und sein Team im Nebel und suchen verzweifelt den Täter, ist doch ihrer aller Urlaub in Gefahr.
Doch ob nun weitere Opfer folgen bzw. in welch schmutzigen Geschäft die bisherigen Opfer ihre Hände im Spiel hatten, wird jetzt nicht verraten,
Die Wirkung des Buches auf mich:
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Mankell seine Leser zeitweise in die Irre schickt. Aber nicht, um die Spannung zu erhöhen, sondern weil Nebensächlichkeiten dermaßen in den Vordergrund gerückt werden, um dann im Nichts zu enden. Beispielsweise stieß Wallander im Zuge seiner Ermittlungen auf einen Nicht-Schweden, den er nach seinem Pass fragte. Er beschloss, sich den Namen der Person zu merken – Aha. So fragt sich der geneigte Leser nun zu Recht „Wofür das Ganze“ ? Eine Antwort darauf gibt es nicht, der Name der Person bzw. die Person selbst taucht im restlichen Buch nicht ein einziges Mal mehr auf.
Weiterhin scheint mir, dass Mankell die Fahrtzeiten seines Helden mit dem Auto willkürlich festsetzt. So fährt Wallander eines Nachts nachweislich mit seinem eigenen Auto um 2.45 Uhr aus Helsingborg zurück nach Ystad direkt zu seiner Wohnung. Eine Strecke, die man bei schwedischen Tempolimits in etwa 90 Minuten schaffen kann, vorausgesetzt es herrscht wenig Verkehr. Hinzurechnen muss man noch die Zeit, die der „Held“ durch Ystad zu seiner Wohnung fahren müsste.
So, in diesem Absatz lässt Mankell seine Hauptfigur nach der Ankunft nochmals die Aufzeichnungen durchsehen und ihn auch spät einschlafen. Aufstehzeit ist 5 Uhr morgens. Nun die Preisfrage: Wieso geht man dann überhaupt noch in seine Koje??? In der Mankell’schen Lösung wird die Fahrtzeit auf eine Stunde zusammengestrichen, hmmm, Ordnungshüter als Gesetzesbrecher???
Diese beiden Beispiele (nur eine kleine Auswahl) sollen Euch zeigen, was mich bei diesem Buch stört. Zudem gibt Mankell schon früh die Identität des Täters frei. Somit blättert man im Prinzip nur bis ans Ende, um zu erfahren, auf welche Art und Weise es der Polizei es gelingt, diese Person festzunageln.
Schwach gelöst finde ich auch das „Drumherum“ um diese Person. Der Täter (ok, „Er“ ist männlich) schlüpft in zwei Gestalten á la Jekyll und Hyde. Aber warum, wie kam es dazu und wie kam er an seine Informationen über seine Opfer?
Am Ende bleiben somit mehr Fragen offen.....
Zudem scheint Mankell ein Problem mit der schwedischen Bürokratie zu haben. Fast alle Polizisten/Kriminalbeamte, vor allem aber Wallander, arbeiten rund um die Uhr, sind ständig erreichbar, scheinen niemals müde zu werden und sind nach wenigen Minuten Schlaf wieder fit wie ein Turnschuh. Aha...wer’s glaubt...
Positives ist aber auch zu vermelden. Mankell schafft es immerhin seine Figuren sympathisch zu gestalten. So ist Wallander eben nur der Leiter eines Teams und nicht der Supermann mit irgendwelchen besonderen Fähigkeiten. Er ist eben ein Mensch wie Du und ich, mit kleinen menschlichen Schwächen. So bleibt z.B. schon mal die Wäsche liegen oder ein Werkstatttermin wird schlichtweg vergessen. Dieser positive Aspekt trifft aber nur auf Wallander zu, über seinen engeren Mitarbeiterkreis erfährt man schon sehr wenig.
Fazit:
Mein Urteil (geschrieben und verkündet): nicht lesenswert. Mag man noch so sehr Schweden-Enthusiast sein, aber viele erschreckende Fehler innerhalb des Skripts ermuntern mich nicht, noch weitere Werke von diesem Autor zu lesen. Außerdem sei nochmals an die fehlenden Informationen rund um den Täter erinnert....
Das 507-seitige Buch ist als Taschenbuch im dtv-Verlag bereits in der 5. Auflage erschienen. Weshalb auf dem Titelbild ein Engel abgebildet ist, weiß wohl nur der Verlag. Die ISBN- Nr. lautet 3-423-20420-6. Interessenten für dieses Buch müssen mit einem Neupreis von momentan 10 Euro rechnen.
Viele Grüße
denali
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