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Erfahrungsbericht von emmtie

Miller jr,W.-Lobgesang auf Leibowitz: Einer der ersten und besten Post-Doom-Romane

Pro:

Meisterwerk der SF, sehr nachdenklich, fast philosophisch

Kontra:

fast zu pessimistisch

Empfehlung:

Nein

Als ich in letzter Zeit mehrere gute Berichte über Klassiker des Science Fiktion Literatur gelesen habe, bekam ich auch mal wieder Lust, etwas aus diesem Bereich (erneut) zu lesen. Dazu muss ich vielleicht anmerken, dass ich im Alter zwischen 14 und 18 Jahren fast ausschließlich SF gelesen habe und somit doch über eine relativ große Sammlung verfüge.

Doch wie das wohl bei vielen Lesejunkies ist, kann auch ich nicht alle meine Bücher in meiner Wohnung unterbringen. Aber zum Glück habe ich ein großes Elternhaus, in dem meine ausgelagerte Bibliothek Platz findet. Als ich das nächste mal zu Hause war, habe ich daher meine SF-Sammlung einmal gesichtet. Vielleicht werden sich einige noch erinnern: Anfang der 80er Jahre erschien fast alles, was (nach meinem damaligen Geschmack) in der SF wichtig war auf Deutsch bei Heyne als Taschenbuch. Alle Bücher der normalen SF-Reihe hatten einen schwarzen Rücken. (Es gab noch eine spezielle Reihe "Bibliothek der Science Fiction Literatur", die einheitlich weiß war). Als ich so vor dem hohen Bücherregal stand, das komplett mit einheitlichen schwarzen Büchern bestückt ist, hat mich meine eigene Sammlung schon alleine optisch beeindruckt :-)
Also verbrachte ich einen langen Nachmittag mit Stöbern und Querlesen und habe einige Bücher mitgenommen, obwohl ich noch genügend ungelesene Bücher rumstehen habe und daher eigentlich keine Bücher zum zweitenmal lesen muß :-)
Darum werde ich in nächster Zeit wohl einige Bericht über ältere SF-Werke schreiben.


Den Anfang macht ich mit "Lobgesang auf Leibowitz" von Walter M. Miller jr., einem Roman der mich schon beim ersten Lesen sehr beeindruckt hat und im Gedächtnis hängen blieb und der auch jetzt, 20 Jahre später, nichts von seiner Faszination verloren hat.

WARNUNG: Im Gegensatz zu anderen Meinungen von mir werde ich hier etwas detaillierter auf den Inhalt eingehe und auch das Ende verraten, da ich der Meinung bin, das es hier nicht nur um einen Unterhaltungsroman geht, sondern auch versucht wird eine Art Aussage zu vermitteln und auf diese kann man nur eingehen, wenn man auch etwas tiefer auf den Inhalt eingeht. Nur für den Fall, das es Leute wie mich selbst gibt, die nicht wissen wollen, wie etwas ausgeht, das man noch selbst lesen/sehen will.


Inhaltsangabe:
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Im ersten der drei Teil dieses Romans sind wir etwa 600 Jahre nach einem Atomschlag auf der Erde. Das was von der Menschheit übrig gebliebenen ist lebt in Stämmen ohne große Ordnung oder Staatsgebilde. Weil die Wissenschaft für die Katastrophe verantwortlich gemacht wurde, gab es das was die "große Vereinfachung" genannt wird. Fast alle Wissenschaftler und Gelehrten, die noch lebten, wurden getötet, alles was es an Aufzeichnungen, Schriftstücken etc. gab, wurde vernichtet. Es kann kaum jemand mehr lesen. Einer der wenigen Wissenschaftler, die sich anfangs noch retten konnten, Isaak Leibowitz, flüchtete sich zu einem katholischen Orden und erreichte dort, das das Wenige, was an Texten übrig blieb, im geheimen gesammelt und archiviert wurde. Im Laufe der Jahrhunderte werden dies zusammenhanglosen Bruchstücke des ehemaligen Wissens von dem Orden, der mittlerweile den Namen Leibowitz führt, wie Reliquien verehrt. Als ein junger Novize beim Fasten in der Wüste mit Hilfe eines Pilgers einen alten Bunker entdeckt, in dem u.a. eine Blaupause und ein Einkaufszettel des Ordensgründers gefunden werden, ist dies der Auslöser für die Heiligsprechung von Leibowitz.

Der zweite Teil des Buches springt ca 600 Jahre weiter in die Zukunft. Es gibt wieder Regionalfürsten, die sich belauern und bekriegen. Aber auch der Orden des Leibowitz besteht noch und bewahrt seine alten Texte. Da sich langsam wieder ein Wissenschaft bildet, können auch einige der Bruchstücke gedeutet werden und zur Weiterentwicklung der Technicken, z.B. der Elektrizität genutzt werden. Die ersten Konflikte zwischen der weltlichen und der geistigen Welt bauen sich auf.

Der 3.Teil ist wieder 600 Jahre weiter in der Zukunft angesiedelt. Die Menschheit betreibt wieder Raumfahrt; aber die Machtblöcke stehen eigentlich genau wieder da, wo es knapp 2000 Jahre vorher zur Katastrophe kam. Der immer noch existierende Orden des Leibowitz ist für den Fall eines Krieges wieder mit der Erhaltung des Wissens und der katholischen Kirche beauftragt, wenn auch nicht mehr auf der Erde. Als es dann zum Krieg kommt, verlassen einige Mönchen auf den letzten Drücker die Erde mit einem Raumschiff. Der Roman hat quasi einen Kreis geschlossen und ist in der gleichen Situation wie an seinem Anfang angelangt.


Zum Autor und Werk
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Walter M.Miller jr ist im Gegensatz zu seinen Schriftstellerkollegen des sogenannten "golden Age" der Science Fiction Anfang Mitte der 50er und Anfang der 60er Jahre, wie z.B. Asimov, Heinlein oder Poul Anderson, das was man in der Musik ein "One hit wonder" nennen würde. Der hier besprochene Roman, dessen 3 Teile zwischen 1955 und 1957 als einzelne Kurzgeschichten in einer SF-Zeitschrift erschien, ist das einzige Werk von Bedeutung, das er jemals veröffentlicht hat. Es gibt zwar eine Art Fortsetzung dieses Buches, die er aber bei seinem Selbstmord 1996 unvollendet zurück lies und die von einem anderen Autor zu Ende geschrieben wurde. Doch diese weiß wenig zu überzeugen. Aber "Lobgesang auf Leibowitz" wurde 1960 mit dem Hugo, dem höchsten Literaturpreis für SF ausgezeichnet.



Meine Meinung
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"Lobgesang auf Leibowitz" war der erste sogenannte "Post doom"-Roman, also eine Schilderung von möglichen Zuständen nach einem Atomschlag, den ich gelesen habe; lang bevor dieses Thema z.B. durch Filme wie die Mad-Max-Serie populär wurden. Und obwohl ich ihn vor fast 30 Jahren zum erstenmal gelesen habe, ist er mir nachhaltig in Erinnerung geblieben und hat auch beim zweiten Lesen überzeugt.

Es wird in den drei Episoden der Wiederaufbau der Erde und das Aufleben der Menschheit nach einem Atomschlag geschildert. Und der Zeitraum von ca. 2000 Jahren nach dem Atomschlag, der dargestellt wird, ist letztendlich ein Spiegelbild der 2000 Jahre vor dem Atomschlag. Die Menschheit entwickelt sich wieder und macht die gleichen Fehler wie zuvor. Das diese von Miller sehr pessimistisch geschilderte Entwicklung schließlich wieder am Ausgangspunkt, der erneuten Vernichtung der Welt ankommt, ahnt man schon sehr bald.

Doch dieser pessimistische Ansatz ist vielleicht verständlicher, wenn man die Zeit betrachtet, in der dieses Buch geschrieben wurde. Ende der 50er Jahre war die Hochzeit des Kalten Krieges und die Welt stand mehrmals am Rande eines 3.Weltkrieges, der mit den neu entwickelten Vernichtungswaffen definitiv der letzte Weltkrieg für lange Zeit geworden wäre. In dem Zusammenhang vielleicht noch die Anmerkung, das man so ganz nebenbei in der Fiktion von Miller auch erkennen kann, das damals das Ausmaß eines Atomkrieges trotz aller Befürchtungen nicht abschätzbar war. Denn in der Realität wäre ein wiederaufbau, wie er ihn schildert aufgrund der Strahlenbelastung so schnell (wenn man bei 2000 Jahren von schnell reden kann) nicht möglich.

Miller war ein religiöser Mensch und daher ist es auch erklärlich, das der Katholizismus aus seiner Sicht etwas ist, was, wenn auch in einer etwas abgewandelten Form, auch nach dem "großen Schlag" weiterbesteht. Doch dies ist keine Verklärung des Glaubens, sondern der Orden, der ja letztendlich das Bindeglied der drei einzelnen Geschichten ist, ist eher in der Form des Beobachters, des Chronisten zu sehen, der zum einen in seiner Aufgabenstellung innerhalb der Handlung die Erinnerung an die Vergangenheit versucht aufrecht zu erhalten und zum anderen ist er verkörpert er die Sichtweise des Lesers auf die Handlung. Durch Handlungsfäden, wie z.B. der Einkaufliste von Leibowitz, die eigentlich eine Banalität, wie eine Reliquie verehrt wird, ist auch eine leicht ironische Distanz zur Religion vorhanden, die eine Verklärung verhindert.

Besonders fasziniert hat mich der Einsatz der Figur des "ewigen Juden". Diese seit dem Mittelalter bekannte Legende, in der Lazarus, den Jesus von den Toten aufgeweckt hat, solange auf Erden wandelt muss, bist das Ende der Welt nach christlicher Sicht naht, wird von Miller geschickt eingesetzt, um neben dem Orden des Leibowitz eine noch weiter außerhalb des Geschehens stehende Person als Beobachter in allen 3 Romanteilen zu haben.

Was eventuell ein wenig störend beim Lesen sein könnte ist der häufige Gebrauch von lateinischen Ausdrücke, die auch nicht übersetzt werden. Ich habe meine verschütteten Kenntnisse des Großen Latinums aus Schulzeiten und der katholischen Liturgie ausgegraben und kam einigermaßen zurecht. Aber es kann doch etwas irritieren.


Fazit:
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Einer der großen Science Fiktion Roman, der sowohl spannend ist als auch eine große Portion Nachdenklichkeit, wenn man es etwas pathetisch ausdrücken will, sogar philosophische Gedankengut beinhaltet. Einer der wenigen Romane des Genres der auch heute noch topaktuell ist und auch von Leuten, die sonst nichts mit SF am Hut haben, gelesen werden sollte.

21 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Andreas68

    14.05.2002, 16:02 Uhr von Andreas68
    Bewertung: sehr hilfreich

    Habe das Buch auch als Jugendlicher gelesen u. war änlich bewegt wie Sie!