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Erfahrungsbericht von rispetto

Die Hecke brennt

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Kann Hennig Mankell nun eigentlich wirklich schreiben, oder ist er einer der meist überschätzten Kriminalautoren der Gegenwart? Die Verkaufzahlen möchte ich bei meiner Betrachtung seines Romans „Die Brandmauer“, übrigens mein erster Mankell und, es sei vorweggenommen, mit Sicherheit auch mein letzter, nicht als Kriterium heranziehen. obwohl Millionen Leser können doch nicht irren? Oder?

Seit Maj Sjöwall und Per Wahlöö, scheint die skandinavische Kriminalliteratur ohne Sozialkritik nicht auskommen zu können. Mankell benutzt die zum Teil großartigen Geschichten der beiden schwedischen Kultautoren als Rohbau für seine äußerst erfolgreichen Romane. Und zwar in der, wie ich meine, denkbar miesesten Variante.
Er ersetzt den Kommissar Beck bei Sjöwall/Wahlöö flugs durch einen, ewig mit dem Schicksal hadernden, Kommissar Wallander. Auf eine schon fast kindlich rührende Art lässt er seinen Protagonisten durch eine furchtbar schlechte Welt stolpern, mit seinem Schicksal hadernd und doch zu keinem Zeitpunkt bereit, etwas zu ändern.

Kurt Wallander wird inszeniert bis zum erbrechen, keine Banalität die nicht noch Erwähnung findet und wenn es seine Pinkelzeiten auf dem Kommissariat sind.
Was macht diesen weinerlichen Langweiler, der ständig mit seiner Diabetes kämpft, vergisst sein Auto in die Werkstatt zu bringen und an ganz banalen Problemen fast zugrunde geht für seine Leserschaft bloß so interessant? Wer, zum Teufel, will sich eigentlich selber in solchen Romanen wiederfinden?
Ich lese Unterhaltungsromane um in eine andere Welt einzutauchen, nicht um meine eigenen Unzulänglichkeiten im Spiegel zu sehen.

Aber wenden wir uns jetzt der Brandmauer zu.

Eine Brandmauer ist vielleicht vielen besser bekannt als Firewall und genau das ist gemeint.
Mankell hat diesen Roman in der Computer und Hackerszene angesiedelt. Ein gigantisch geplantes Unternehmen soll die internationale Finanzwelt in Schutt und Asche legen und, wie sollte es anders sein, das ganze soll in der schwedischen Kleinstadt Ystad, Wallanders ureigenstes Revier, seinen Anfang finden.

Der geneigte Leser muss von Anfang an seine gesamte Aufmerksamkeit den verworrenen Handlungssträngen widmen und, ganz nebenbei noch die gesamte Palette von Wallanders banalen Tagesproblemen mitverfolgen. Das alleine erweist sich für mich schon als wahres Martyrium!
2 minderjährige Mädchen begehen einen Mord an einem Taxifahrer, ein Mann stirbt unter seltsamen Umständen vor einem Geldautomaten. Kurze Zeit später wird eines der Mädchen in einer Transformatorenstation zu einem Stück Kohle verarbeitet und Wallander und sein ständig nachts um drei aus den Betten geholtes Team versuchen in diesem Chaos einen Sinn zu entdecken. Leider geht es dem Team wie mir: Der Sinn bleibt verborgen.

Um die schon ziemlich nervende Story noch weiter zu strecken, erfahre ich noch viele völlig unwichtigen Dinge über den permanent gegen seine Müdigkeit kämpfenden Wallander, der sich neben dem Fall auch noch mit allen möglichen ultraspannenden Dingen des täglichen Lebens herumschlagen muss. Zum Beispiel ein vorbestelltes und nicht abgeholtes Buch, verworrene Anrufe seiner Tochter und so gravierendes wie eine vergessene Brieftasche beim Einkauf...Gähn...

Ich schweife ab... genau wie der Langweiler Mankell...um es kurz zu machen, die Dinge, wer hätte das gedacht, spitzen sich auf völlig unlogische Weise immer weiter zu.
Ein ehemaliger Hacker kann einen der Computer anzapfen und liefert so wertvolle Informationen um diesen Fall in letzter Minute noch zu einem Erfolg für die gestresste Truppe um Wallander werden zu lassen. Das Ende ist genauso banal wie der gesamte Roman....für alle die noch nicht abgeschreckt sind, werde ich es im Dunkeln lassen....obwohl, im Dunkeln bleibt man bei der abstrusen Handlung sowieso!

Ganz nebenbei verliert Wallander in diesem Fall durch Intrigen noch seinen besten Freund im Team, wird durch eine aufgegebene Kontaktanzeige, die zum Knackpunkt für den ganzen Fall wird, schwer enttäuscht und fragt sich im Laufe des Romans mindesten 5 Mal ob er seine Karriere bei der Polizei nicht beenden soll. Ich hoffe, er kann sich bald dazu durchringen!

Gott sei Dank, die letzte Seite ist geschafft!
Mein erster und letzter Roman von Henning Mankell ist abgehakt und dafür bin ich aus tiefstem Herzen dankbar.
Zum Schluss möchte ich noch ein Zitat über Mankell anfügen, es beschreibt, wie ich glaube, recht gut meine Einschätzung von Henning Mankell und seiner „Brandmauer“.

Zitat: Das Beste an Mankell ist, dass er seinen eigenen Scheiß manchmal nicht mehr überblickt.
Und dann hat sein Kretin Wallander die Arschkarte.
Henning Mankell hat versprochen, keine Wallander-Bücher mehr zu schreiben. Hoffentlich hält er sich dran.


Dem ist nichts hinzuzufügen... findet:
rispetto

©Rispetto, auch gepostet bei Ciao

41 Bewertungen, 4 Kommentare

  • Kunigunde

    28.05.2002, 16:08 Uhr von Kunigunde
    Bewertung: sehr hilfreich

    Auch ich kann mit Mankells Wallander reichlich wenig anfangen. So trist kann die Welt gar nicht sein... Martin Beck hingegen hat seinen Humor nie verloren! Lieber Gruß, Kunigunde

  • Verena77

    17.05.2002, 18:46 Uhr von Verena77
    Bewertung: sehr hilfreich

    Guter Bericht!

  • Superbiene20000

    10.05.2002, 09:54 Uhr von Superbiene20000
    Bewertung: sehr hilfreich

    Joo...da guck ich immer die Verfilmungen die in der ARD laufen. Jeden Freitag gegen 1:00UHR...naja iss ja eigentlich Samstag.

  • yopi-user

    10.05.2002, 09:48 Uhr von yopi-user
    Bewertung: sehr hilfreich

    tja, ist Geschmackssache.......die Wallander Krimis finde ich eigentlich ganz in Ordnung, Sjöwall / Wahlöö eigentlich fast noch besser. Letztere genießen übrigens einen sehr guten Ruf unter Kritikern... Mankells übriges Roma