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Erfahrungsbericht von ritasport

"A Monk Swimming"

Pro:

witzig, traurig-komisch

Kontra:

merkwürdiges Ende

Empfehlung:

Nein

Ich habe gerade ein Buch ausgelesen, daß ich zu Weihnachten bekommen hatte. Es handelt sich dabei um das Buch "Der Junge aus Limerick" von Malachy McCourt.
Der Name McCourt ist vielleicht dem einen oder anderen ein Begriff. Malachy's älterer Bruder Frank hatte vor ein paar Jahren einen autobiographischen Roman namens "Die Asche meiner Mutter" veröffentlicht. In diesem Buch beschrieb er, wie sich seine Eltern in Amerika kennenlernten, er neun Monate später geboren wurde und die ganze Familie zurück nach Irland, in die Heimat, ging. Diese Familie lebt in größter Armut. Drei der sieben Kinder sterben früh, der Vater trinkt und läßt die Familie im Stich und auch ansonsten ist wenig Hilfe in Sicht. Franks ganzes Sehnen geht Richtung Amerika, in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und so richtet er alle Mühen auf das Ziel dorthin zu kommen. Das Buch endet damit, daß er es im Alter von etwa 18 Jahren geschafft hat und Irland verläßt.
"Die Asche meiner Mutter" hat zu der Zeit als es erschienen ist einen großen Wirbel ausgelöst, da es eine grausame Armut darstelle, die man sich eigentlich gar nicht mehr vorstellen kann. Das Buch wurde auch verfilmt und stand monatelang in den Bestseller-Listen.

Nun hat Malachy, der nächst ältere nach Frank nachgelegt. Sein Buch beginnt damit, daß Frank ihm ermöglicht nach Amerika, genauer gesagt, nach New York, nachzukommen und somit die Armut hinter sich zu lassen und ein neues Leben zu beginnen.

Der Klappentext verrät uns, daß sich Malachy aufmacht um New York zu erobern, als Hafenarbeiter, Barkeeper, Schauspieler und Goldschmuggler. An Geld und Frauen mangelt es ihm nicht. Doch die Erinnerung an die Kindheit in Irland bleibt lebendig.
Außerdem gibt es noch einen Kommentar von der "Frankfurter Rundschau" die besagt: "Beste Unterhaltung und oft zum Brüllen komisch."

Dieser Text gibt nur einen kurzen Abriss des Ganzen, denn Malachy hat noch sehr viel mehr Probleme. Einen großen Platz nimmt sein Vater in dieser Geschichte ein und weiterhin kann es er nicht verkraften, daß seine Frau ihn mit den Kindern verläßt. Getrieben von dieser Wut und Verzweiflung läßt er sich auf ein Leben voller Abenteuer ein.

Wenn Autoren eine Fortsetzung eines erfolgreichen Buches herausbringen, so haben sie meistens einen schweren Stand, weil sie hohe Erwartungen erfüllen müssen. Dieses Buch ist zwar keine direkte Fortsetzung, allerdings bin ich auch hier mit sehr hohen Erwartungen ans Lesen gegangen.
Malachy macht nicht den Fehler, dieselben Sachen beschreiben zu wollen, die sich schon sein Bruder Frank vorgenommen hat. Er beschreibt seine eigenen Geschichte, aber trotzdem gibt es sehr viele Querverweise auf "Die Asche meiner Mutter". Man wird immer wieder Punkte finden, die man aus Franks Buch schon kannte und man wird immer wieder zurückerinnert werden, wie seine Kindheit war, wenn man Franks Buch gelesen hat.

Dieses Buch hat in etwa denselben Erzählstil. Es wird kein Blatt vor den Mund genommen und in einem heiteren Ton geschrieben, der einen fast vergessen läßt, daß die Zeit bestimmt nicht so einfach war, wie sie hier dargestellt wird. Es ist wirklich "zum Brüllen komisch", allerdings ist es auch eine gewisse Tragik, die diese Komik erzeugt. Locker beschreibt Malachy, wie er Tag für Tag in den Pubs verschwindet, seinen Whiskey trinkt und eigentlich immer nur voll ist. Er beschreibt, wie er Frau und Kinder allein läßt, sie sogar terrorisiert, wenn er in betrunkenem Zustand nach Hause kommt. Er beschreibt auch, wie er immer wieder neue Wege sucht, um Geld zu verdienen, aber keine seiner Tätigkeiten ist von Dauer. Insofern lebt er ein sehr unstetes Leben, in dem sich nur das Trinken wie ein roter Faden durchzieht.
Das Ganze gleicht einem Teufelskreis, aus dem er von alleine nicht rauskommt, allerdings hat man durch seine Erzählweise auch nicht den Eindruck, als gehe es irgendwann nicht mehr weiter.

Neben diesem grundsätzlichen Tenor ist sein Buch gespickt mit skurrilen Geschichten und Begebenheiten. Er trifft sowohl in seiner Bar als auch an anderen Plätzen immer wieder auf Leute, die zu der zeit oder auch später erst bekannt sind. Schauspieler, Fernsehmoderatoren, politische Gesandtschaften, er kennt sie einfach alle.
Teilweise rutscht er auch einfach in Situationen hinein, in denen er sich dann meisterhaft schlägt, oder was würdet ihr machen, wenn ich plötzlich der Queen von England und Prinz Phillip vorgestellt werdet? Er jedenfalls hat viel Spaß dabei!

Malachys bewegtes Leben ist es sicherlich wert, daß man ein Buch daraus macht und dieses Buch liest sich auch hervorragend. Ich konnte es kaum noch aus den Händen legen und habe die 332 Seiten innerhalb von zwei Tagen durchgelesen (auch wenn ich eigentlich wichtigeres zu tun gehabt hätte!). Es ist witzig und auch spannend geschrieben und insofern eine gute Unterhaltung.

Was mich an diesem Buch gestört hat ist die Tatsache, daß sie Malachy oft vornimmt, etwas zu ändern, diesen Vorsatz aber nicht verfolgt. Selbst wenn er sich mies fühlt, weil er im Suff mal wieder irgendetwas angestellt hat, so hält die Reue doch nicht lange genug als daß er etwwas ändern würde. Spätestens am selben Abend läßt er sich wieder vollaufen.
Auch das Ende zeigt eigentlich keine Aussicht. Es ist nicht so, daß er jetzt endlich etwas gefunden hätte, mit dem er zufrieden ist. Es ist nicht so wie bei Frank, daß mit dem Aufbruch nach Amerika auch ein neues Leben beginnt. Nein, hier bleibt das Buch einfach an einer Stelle stehen und sagt eigentlich nicht, was als nächstes passiert. Die Geschichte bricht meiner Meinung nach viel zu abrupt ab. In der Danksagung erfährt man, daß er noch mehr Kinder hat und anscheinend ein ruhigeres glückliches Leben führt und ich hätte schon gerne gewußt, wie es dazu gekommen ist. Vielleicht wollte er sich ja die Option auf eine Fortsetzung offen halten. Wer weiß!

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, allerdings würde ich es nur Leuten erzählen, die auch Franks Buch "Die Asche meiner Mutter" gelesen haben. Malachys Buch baut doch sehr stark darauf auf. Man könnte dieses Buch zwar auch so lesen und bestimmt hat man allein an der Erzählweise einen risengroßen Spaß, aber es wird doch vieles angesprochen, bei dem es gut ist, den näheren Zusammenhang zu kennen.
Außerdem ist es wirklich eine Art Fortsetzung und man erfährt, wie es Frank in den USA gegangen ist, wie es mit den Eltern und teilweise auch mit den Brüdern weitergeht.
Insofern würde ich jedem empfehlen beide Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen!

"Der Junge aus Limerick" von Malachy McCourt ist zur Zeit als Sonderausgabe im Fischer-Verlag erhältlich und kostet als Taschenbuch 8 Euro. Die ISBN Nummer lautet 3596505127.
Der Originaltitel lautet übrigens "A monk swimming" und auch dieses wird im Buch überaus lustig begründet!

18 Bewertungen, 3 Kommentare

  • anonym

    09.03.2002, 20:58 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    schöner bericht, vielleicht liest man sich mal wieder 8-)

  • Frank_2000

    07.03.2002, 22:30 Uhr von Frank_2000
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich bin neidisch. Du schreibst super

  • Volker111

    07.03.2002, 22:15 Uhr von Volker111
    Bewertung: sehr hilfreich

    Du trägst zur Verlängerung meiner Bücherliste bei.