Mehr zu Terry Pratchett Testbericht

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Erfahrungsbericht von Haramis

Lords und Ladies - Wer spricht schon gerne über Elfen?

Pro:

Es ist von Pratchett

Kontra:

wird seinem sonstigen Stil einfach nicht gerecht

Empfehlung:

Ja

Eine alte Bedrohung kehrt zurück und Lancre muß sich gegen Angreifer wappnen, gegen die wohl nur besondere Krieger etwas ausrichten können. In diesem Falle sind es drei Frauen, genauer gesagt: zwei Hexen und eine Ehemalige...
Terry Pratchett hat es wieder geschafft, mich zu fesseln. Eigentlich hatte ich jemandem versprochen, endlich die Saga von Raymond Feist zu lesen, doch kaum hatte ich den ersten Band zur Hand genommen, hörte ich vom Bücherregal her ein leises Flehen: \"Lies mich, bitte, lies mich!\" Und schon hatte ich den nächsten Pratchett-Band in Händen. Es war eben ein Fehler, nach \"MacBest\" gleich zu \"Lords und Ladies\" zu greifen. Dabei wollte ich nur die ersten zwei Seiten lesen, um zu wissen, wie es weitergehen würde mit den Hexen von Lancre. Doch bereits diese paar Seiten nahmen mich derart gefangen, daß ich weiterlas und weiterlas... bis das Buch zu Ende war.


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Inhalt
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Es herrscht wieder Kornkreiszeit, die Zeit, in der sich die Parallel-Universen näher sind als sonst und es möglich ist, zwischen ihnen hin- und herzuwechseln. Vor sehr vielen Jahren war genau dies schon einmal gelungen, und zwar den sog. Herren und Herrinnen, den Elfen, doch es war den Bewohnern von Lancre gelungen, die Bedrohung durch diese grausamen Wesen abzuwehren. Nun ist es wieder so weit und auch die Tänzer, wie man den Steinkreis nennt, der das Tor bewacht, sind zu schwach, um das kleine Königreich zu schützen. Zum Glück gibt es in Lancre einige Bewohner, die aufkommende Gefahren besser erkennen als andere: die Hexen. Oma Wetterwachs, Nanny Ogg und Magrat Knoblauch sind die einzige Hoffnung für die Menschheit, aber glücklicherweise ahnt die Menschheit noch nichts davon. Ansonsten hätte sie sich vielleicht ernsthafte Gedanken machen müssen...

Ein Hexenzirkel besteht immer aus drei Hexen: der Maid, der Mutter und der alten Vettel. Doch nun dezimiert sich dieser Zirkel, denn die Maid, also Magrat, heiratet König Verence II. und gibt ihr Hexendasein endgültig auf. Ausgerechnet am Hochzeitstag gelingt es der Königin der Elfen, das Tor zu durchschreiten. Oma Wetterwachs wird gefangengenommen und Nanny Ogg kann sich dem Charme des Casanunda nicht entziehen. Nur Magrat ist noch übrig, nur sie in der Lage, ihr Königreich zu retten. Also zieht die Fast-Königin los und stellt sich der Herausforderung...


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Bekanntes und Unbekanntes
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Chaos ist man bei Terry Pratchett ja gewohnt, aber in diesem Band gibt es noch etwas mehr davon. Bereits in einem anderen Buch war ich überrascht, als plötzlich Sachen wie Einkaufswagen oder Flugzeuge auftauchten, die in der Scheibenwelt natürlich überhaupt nichts verloren haben, und auch in \"Lords und Ladies\" wird mal wieder kräftig die Fantasywelt mit der realen vermischt. So sehr mich das bei anderen Romanen stören würde - bei Pratchett erscheint es völlig normal. Egal ob Wagners \"Ring der Nibelungen\" oder New Yorker Taxifahrer, nichts ist ihm heilig.

Pratchett hat allem Anschein nach eine Vorliebe für Namen. Der Erzkanzler Mustrum Ridcully und Oma Wetterwachs sind nur einige Beispiele dafür. In \"Lords und Ladies\" hat sich der Autor noch etwas Verwirrenderes einfallen lassen. Hier ein kleiner Auszug (S. 170):

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\"Einen schönen guten Morgen, Brüder, lasset uns freuen über diesen herrlichen Tag\", sagte Fuhrmann, der Bäcker.
Die anderen Moriskentänzer musterten ihn skeptisch.
\"Hast du irgendwelche Tabletten genommen oder so?\" fragte Weber, der Dachdecker.
\"Ich versuche nur, für die richtige Stimmung zu sorgen\", antwortete Fuhrmann. \"Einfache Mechaniker reden so.\"
\"Einfache Mechaniker?\" wiederholte Bäcker, der Weber, verwirrt.
\"Ich glaube, sie gehören zu den komischen Handwerkern\", meinte Fuhrmann, der Bäcker.
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Szenen wie diese kommen dabei heraus, wenn man einfachen Leuten aufträgt, ein Theaterstück einzuüben. Genau darum geht es eigentlich in dem ganzen Buch - daß nämlich Menschen etwas tun sollen, was so gar nicht zu ihnen paßt. Nannys Sohn Jason wird Schauspieler, Magrat wird Königin und Oma Wetterwachs hat\'s mit den Bienen...

Obwohl Pratchett seine Bücher hauptsächlich auf Humor aufbaut, gibt es in \"Lords und Ladies\" ausnahmsweise auch Stellen, die ungewöhnlich ernst, oder sogar ein wenig gruselig sind. Hierbei handelt es sich ausnahmslos um die Szenen, in denen die Elfen auftreten. Mir kam es beim Lesen so vor, als ob Pratchett ganz bewußt die von Tolkien aufgestellten Regeln durchbrechen wollte, es aber nicht übers Herz brachte, Witzfiguren aus ihnen zu machen. Die Elfen sind keine Wesen, über die man lachen und sich amüsieren kann, sie sind grausam und zeigen keinerlei Mitleid. Solche Figuren findet man sonst nie bei Pratchett, denn sogar die Assassinen-Gilde ist immer für einen Lacher gut, und sei es auch nur wegen ihrem überkorrekten Auftreten. Pratchett bringt den Elfen einen gewissen Respekt entgegen, so daß ich mich unwillkürlich gefragt habe, wie wohl ein Horror-Roman aus seiner Feder aussehen würde. Sicher kämen darin Elfen vor.

Alte Bekannte aus anderen Scheibenwelt-Romanen tauchen in \"Lords und Ladies\" fast geballt auf. Schließlich sind zur Hochzeit jede Menge Leute geladen, unter ihnen Mustrum Ridcully, Ponder Stibbons und natürlich der Bibliothekar und der Quästor. Ridcully, der Erzkanzler der Unsichtbaren Universität, findet in Lancre sogar seine verflossene Liebe wieder. Wenn es um Romantik geht, so hat er hier eine nicht zu verachtende Konkurrenz, denn auch Casanunda, der zweitbeste Liebhaber der Welt, taucht wieder auf und auch er entdeckt eine alte Liebe.
Selbstverständlich hat auch der Tod wieder einige kleine Auftritte. Die dürfen wohl in keinem Pratchett-Buch fehlen, zumindest habe ich noch keines gelesen, in dem er nicht erschien. Es scheint, als wäre das zwei Meter große Skelett mit der Sense nicht nur der Liebling der Leser, sondern auch der des Autors.

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S. 39:
WILLIAM PIRSCH.
\"Ja?\"
BITTE HIER ENTLANG.
\"Bist du ein Jäger?\"
ICH SEHE MICH GERN ALS SAMMLER UNBERÜCKSICHTIGTER KLEINIGKEITEN.
Tod lächelte hoffnungsvoll. Pirsch runzelte die inzwischen recht metaphysische Stirn.
\"Meinst du... Sherry, Vanillesoße und so?\"
Tod seufzte. Bei vielen Leuten hatten Metaphern überhaupt keinen Sinn. Manchmal glaubte er, daß ihn niemand ernst genug nahm.
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Zum Buch
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\"Lords und Ladies\" erschien im Goldmann-Verlag und kostete damals 15 DM. Leider bzw. verständlicherweise ist es eines der begehrtesten Pratchett-Bücher, so daß man es auch bei ebay nur geringfügig unter dem Neupreis bekommt. Die ISBN lautet: 3-442-42580-0. Es hat 378 Seiten und gehört zu den Ausgaben, die etwas größer als die normalen Taschenbücher sind.

Wer \"Lords und Ladies\" noch nicht gelesen hat, dem empfehle ich dringend, erst \"MacBest\" zu lesen, da es sich hier um die einzigen Scheibenwelt-Romane handelt, die direkt aufeinander aufbauen. Vorkenntnisse sind also durchaus erwünscht. Haramis. Den Folgeband \"Mummenschanz\" kann man notfalls schon wieder ohne Vorkenntnisse lesen, allerdings tritt in \"Lords und Ladies\" das erstemal Agnes Nitt auf, die später Magrat im Hexenzirkel ersetzen wird.



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FAZIT
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\"Lords und Ladies\" ist das beste Buch, das ich jemals von Terry Pratchett gelesen habe. Ich weiß, das sage ich bei jedem, aber es ist tatsächlich so, daß mir jeder Band ein wenig besser gefällt als die Vorgänger, von einzelnen Ausnahmen einmal abgesehen.
Dieser Band ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Zum einen wird man regelrecht bombardiert mit einem Sammelsurium aus den vorherigen Bänden (s. Ridcully, Casanunda usw.), und zum anderen hat das Buch einen Tiefgang, den man bei Pratchett eher selten findet. Zum erstenmal ist es mir passiert, daß ich bei ihm so etwas wie Spannung empfunden habe. Der Wechsel zwischen humorvollen und ernsthaften Szenen ist zwar ungewöhnlich, dafür aber sehr gelungen und läßt so auch nicht zu, daß man als Leser das Buch wieder weglegt.

Pratchett schreibt seine Bücher wie einen Film - ständige Szenenwechsel, immer neue Situationen mit neuen Gefahren, neuen Witzen. \"Lords und Ladies\" ist rasant, actiongeladen, völlig abgedreht und sollte meiner Meinung nach unbedingt verfilmt werden ;-) Den Moriskentanz von Jason und den \"einfachen Mechanikern\" würde ich doch zu gerne sehen...




----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-01-26 12:48:29 mit dem Titel Total verhext - Wenn Hexen auf Reisen gehen

Pratchett\'s Bücher sind ja leider ein einziges Auf und Ab. Wenn man einen seiner Romane zur Hand nimmt, weiß man voher nie, was einen erwartet. In \"Total verhext\" trifft der Leser wieder einmal auf Oma Wetterwachs, die ich bisher nur aus \"Das Erbe des Zauberers\" kannte. Dieses Buch fand ich nun aber todlangweilig, so daß ich mit relativ zwiespältigen Gefühlen an den neuen Band ging. Zum Glück kam aber alles anders als erwartet...



Inhalt
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Desiderata Hohlig vermacht nach ihrem Tod der jungen Magrat Knoblauch ihren Zauberstab. Doch damit bürdet sie dem Mädchen eine große Last auf, denn der Stab gehört nicht einfach nur zu einer Hexe, sondern zu einer guten Fee. Und als gute Fee muß die noch recht unerfahrene Magrat zu allererst nach Gennua reisen, um dort zu verhindern, daß ein Stubenmädchen einen Prinzen heiratet.

So seltsam dies auch klingt, es hat einen einleuchtenden (?) Hintergrund: Da es immer zwei Feen gibt - eine gute und eine böse -, und Magrat die gute ist, heißt das, daß die böse Hexe auch noch irgendwo herumgeistern muß - und das natürlich ausgerechnet in Gennua, wo sie damit beschäftigt ist, Geschichten und Märchen wahr werden zu lassen. Da Cinderella den Prinzen im Märchen heiratet, muß Magrat also dafür sorgen, daß dies in der Realität nicht passiert, denn nur so kann sie ihre Widersacherin zur Strecke bringen.

Als ob diese Aufgabe nicht schon schwer genug wäre, muß die gute Fee auch noch mit zwei \"Mithexen\" zurechtkommen, die sie auf ihrer Reise begleiten: der stets übel gelaunten Oma Wetterwachs und der immer gut aufgelegten Nanny Ogg.
Das Ausland birgt für die drei Hexen jede Menge Überraschungen, doch zum Glück kann Nanny Ogg \"ausländisch\"...



Allgemein
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Ich habe nun schon einige Bücher von Terry Pratchett gelesen und bisher haben es nur wenige geschafft, mich restlos zu überzeugen - \"Total verhext\" gehört unbedingt dazu. Es ist wirklich unglaublich, wieviel treffenden Humor man in so wenig Seiten packen kann.
Natürlich ist auch dieser Roman wieder in der typischen Pratchett-Manier abgefaßt, also mit häufigem Szenenwechsel, Fußnoten und völlig abgedrehtem Inhalt. Haramis. Zusätzlich gibt es hier noch eine kleine \"Beigabe\", nämlich die Briefe, die Nanny Ogg unterwegs immer an ihren Sohn Jason schreibt. Manche davon sind zum Kugeln, z. B. dieser hier auf Seite 95:

\"Lieber Jason und Familie,
umseitig auf der anderigen Seite findest du in der Anlage eine Zeichnung von einem Orte irgendwo ich glaube ein König starbigt dort und wurde begraben was weiß ich wie und warum. Gegessen haben wir was und es waret ziemlich zäh wer hätte gedacht, dasse so ein Fleisch von Schlangen schtammt. Oma vertillkte drei Porzionen bevor sie dahinterkam und daraufhinnig stritt sie mit dem Koch und Magrat bliebet den ganzen Abend über blasse, hatte später auch noch die Lauferitis.
Ich denke an dich und euch Eure liebevolle MAMA. PS Die hiesige Abort sind ABSCHOILICH. Sie befindigen sich hier IM Haus und das isset bestimmt sehr UNHÜGIENISCH.\"

Ich gebe zu, das ist ein bißchen schwer zu Lesen, aber gerade deswegen finde ich diese Briefe so witzig. Der Übersetzer kann einem leid tun, denn ich kann mir vorstellen, daß es im Original nicht recht viel anders geschrieben ist. Selbstverständlich erstreckt sich dieser grammatikalisch geniale Stil ausschließlich auf die Briefe, nicht auf den restlichen Roman, falls jemand dies befürchten sollte. Pratchetts Humor jedoch zeigt er sehr deutlich auf, denn auf diese Weise zieht er sich durchaus durch das ganze Buch.

Die Fußnoten sind übrigens, wie fast immer, völlig sinnlos und dienen lediglich der Erheiterung des Lesers. Daß sich dabei eine Fußnote einmal über fast eine halbe Seite ziehen kann, nimmt man jedoch gerne in Kauf.



Oma und Nanny
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Die beiden alten Hexen sind das absolute Highlight des Romans. Auf eine geradezu geniale Weise hat Terry Pratchett hier zwei völlige Gegensätze geschaffen, die sich trotzdem (oder gerade deswegen?) unglaublich gut ergänzen.

Oma Wetterwachs ist zu ihrem Bedauern als gute Hexe zur Welt gekommen, was sie jedoch nicht daran hindert, immer schlechter Laune zu sein. Am besten bei ihr finde ich den Besen, der eine ganz besondere Macke hat: Er kann nur mit Anlauf gestartet werden. Man stelle sich vor: Eine uralte Frau mit einem Kleid unter dem sich viele, viele Unterröcke verbergen, rast mit einem Besen zwischen den Beinen auf einer Lichtung hin und her...
Pratchett versteht es wirklich, die Phantasie seiner Leser anzuregen. Er verrät einem gerade soviel, daß man sich alles sehr gut vorstellen kann, ohne in eine bestimmte Bahn gedrängt zu werden. Haramis. Ich bin sicher, daß jeder, der dieses Buch liest, hinterher eine genaue Vorstellung von Oma Wetterwachs hat, und daß sie trotzdem bei jedem anders aussieht.

Nanny Ogg spielt auch eine sehr wichtige Rolle, da sie nämlich als einzige \"Ausländisch\" kann und mit ihrer immerwährenden guten Laune so einige Streits zwischen Oma Wetterwachs und dem \"Küken\" Magrat schlichten muß. Die Leser, die mindestens drei Fremdsprachen beherrschen, dürften mit Nannys Ausländisch übrigens keine Probleme haben, denn das klingt dann ungefähr so: \"Garkon! Ettzehtra großen Julep awek petieh Schüssel mit Erdnüssen, pur fawor.\"

Auch ihre Übersetzungskünste sind faszinierend. So lernt man beispielsweise, daß \"dekadent\" was mit 10 Zähnen zu tun haben muß (deka = 10, dent = Zahn) und daß \"Amour\" eigentlich von \"Amme\" kommt.

Warum Pratchett gleich drei Hauptpersonen gewählt hat, ist leicht zu erklären: Es muß nämlich immer drei Hexen geben. Schon der große Schüttelbier begann seinen \"MacBeth\" mit \"When shall we three meet again?\" (Sorry, ich kenn\'s nur auf Englisch *g*)
Pratchett erklärt es sogar noch genauer, denn es dürfen nicht irgendwelche Hexen sein. Genaugenommen müssen es immer eine Maid, eine Mutter und eine alte Vettel sein.

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Seite 271:

\"Ihr drei seid wirklich komisch. Steckt voller unsinniger guter Absichten. Die Maid, die Mutter und die alte Vettel.\"
\"Wen nennst du Maid?\" fragte Nanny Ogg.
\"Wen bezeichnest du als Mutter?\" erkundigte sich Magrat.
Oma Wetterwachs schnitt eine finstere Miene. Zwei oder drei Sekunden lang wirkte sie wie jemand, der feststellen muß, daß nur noch ein Strohhalm übrig ist, und alle anderen die langen gezogen haben.
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FAZIT
*=*=*=*

\"Total verhext\" ist mit Abstand eines der besten Bücher, die Terry Pratchett jemals verbrochen hat. Ich habe mich stellenweise wirklich kringelig gelacht, wenn die Hexen mal wieder versucht haben, eine bestimmte Situation zu deuten und natürlich alles verdreht haben. Nanny Ogg erinnert mich ein wenig an meine Oma: alt, etwas schwer von Begriff, wenn\'s um moderne Sachen geht, aber trotzdem immer gut aufgelegt und läßt sich durch nichts aus der Ruhe bringen.

Ich bin mir nicht sicher, ob es einen Roman gibt, der zeitlich vor \"Total verhext\" kommt (außer \"Das Erbe des Zauberers\", das aber keinen inhaltlichen Zusammenhang zu diesem hier aufweist). Momentan lese ich gerade \"Mummenschanz\", in dem Magrat bereits mit einem Prinzen verheiratet ist. Mir kam\'s die ganze Zeit so vor, als würde dazwischen ein Band fehlen, aber ich kann mich natürlich täuschen. \"Total verhext\" ist jedenfalls, wenn überhaupt, der Anfang einer mehrbändigen Geschichte, die in sich abgeschlossen ist und ohne Vorkenntnisse gelesen werden kann. Halt, stimmt nicht ganz - gerade lese ich\'s in der Widmung: \"MacBest\" kam vorher, darin wird anscheinend auch erklärt, was es mit Nannys \"Igel-Lied\" auf sich hat...




Ich wünsche Euch jedenfalls viel Spaß beim Lesen, denn den werdet Ihr mit Sicherheit haben!

Eure Haramis.

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-20 15:33:18 mit dem Titel Mummenschanz oder Das Phantom der Oper


Da meine letzte Pratchett-Lektüre (\"Total verhext\") absolut super war, holte ich mir natürlich sofort einen weiteren Roman aus der \"Scheibenwelt\"-Reihe. Ebenso wie \"Total verhext\" gehört \"Mummenschanz\" zu den Büchern, in denen die Hexen die Hauptrollen spielen. Ähnlichkeiten mit gewissen anglistischen Pflichtlektüren sind von Pratchett vermutlich gewollt :-)

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Wind heulte. Gewitter prasselte und krachte über den Bergen. Blitze tasteten über die Gipfel wie ein alter Mann, der versuchte, einen widerspenstigen Brombeerkern aus seinem Gebiß zu entfernen.
Zwischen den zischenden Stechginsterbüschen züngelten die Flammen eines Feuers in den Böen hin und her.
Eine unheimliche Stimme kreischte: \"Wann werd\'n wir ... zwei ... uns wiedersehen?\"
Donner grollte.
Eine weitaus normaler klingende Stimme erwiderte: \"Warum schreist du so? Mir ist die Scheibe Brot ins Feuer gefallen.\" (S. 7)
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Bereits nach diesen paar Zeilen dürften dem eingefleischten Pratchett-Fan zwei Dinge klar sein:
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1. Die Stimmen stammen von Hexen, und dem Tonfall nach zu urteilen können es nur Nanny Ogg und Oma Wetterwachs sein.
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2. Es stimmt etwas nicht, denn sie sind nur zu zweit. Dabei müssen Hexen immer zu dritt sein, denn schließlich muß es stets eine Hexe geben, die den Streit der anderen beiden schlichtet.
***

Tatsächlich ist der Hexenzirkel auf zwei geschrumpft, den Magrat Knoblauch hat geheiratet und lebt jetzt mit ihrem Prinzen zusammen. Oma, die sich das sehr zu Herzen nimmt, ist deswegen ganz deprimiert und überhaupt nicht mehr ansprechbar. Also beschließt Nanny, sie ein wenig aufzumuntern, indem sie eine dritte Hexe findet. Nach kurzem Überlegen ist klar: Es muß Agnes Nitt sein. Die Sache hat nur einen winzigen Haken: Agnes Nitt nennt sich jetzt Perdita X Nitt, arbeitet an der Oper von Ankh-Morpork und denkt nicht im Traum daran, Hexe zu werden.

Als Agnes ihre Stellung als Chorsängerin antritt, kommt sie aber vom Regen in die Traufe. Sie wollte vor den Hexen fliehen, findet sich nun aber in einem Opernhaus wieder, in dem es nicht mit rechten Dingen zugeht. Menschen werden ermordet und ein Phantom mit weißer Maske besetzt regelmäßig bei allen Vorstellungen die Loge 8. Als dann auch noch Oma, Nanny und der berühmte Opernsänger Enrico Basilika dazukommen, ist das Chaos perfekt.

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Oma Wetterwachs nickte, ohne die Augen zu öffnen.
Sie hielt sie geschlossen, als die Oper begann. Nanny begriff zwar, daß sie Oma besser ihren eigenen Angelegenheiten überlassen sollte, aber gleichzeitig fühlte sie sich verpflichtet, das allgemeine Geschehen zu kommentieren.
\"Da ist Agnes!\" entfuhr es ihr plötzlich. \"He, das ist Agnes!\"
\"Hör auf zu winken und setz dich\", brummte Oma... (S. 134)
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Pratchett\'s Hauptpersonen
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Wer schon mehrere Scheibenwelt-Romane gelesen hat, der wird dabei vermutlich auf verschiedene - nennen wir es mal \"Zyklen\" - gestoßen sein. Egal, ob es Rincewind mit seiner Truhe, der Tod oder eben die Hexen sind, sie alle kehren mit steter Regelmäßigkeit wieder. Werke, in denen mehrere dieser Personen auf einmal vorkommen, gibt es wohl eher selten, und wenn, dann spielen die \"Eindringlinge\" höchstens eine Nebenrolle. In Mummenschanz beispielsweise taucht die Stadtwache von Ankh-Morpork aus \"Wachen, Wachen!\" oder \"Helle Barden\" auf. Auch Tod ist ein paarmal ganz kurz dabei, aber er ist ohnehin der einzige, der so ziemlich in JEDEM Buch mitspielt.

Oma Wetterwachs und Nanny Ogg haben also in der inzwischen recht umfangreichen Scheibenwelt-Reihe ihren festen Stammplatz und sind auch nicht mehr wegzudenken. Momentan lese ich gerade den vierten Band mit Oma und Nanny und versuche immer noch, eine chronologische Reihenfolge hineinzubringen. \"Mummenschanz\" ist jedenfalls einer der letzten Bände, da Magrat schon nicht mehr dabei ist; d.h. \"Total verhext\", \"MacBest\" und \"Das Erbe des Zauberers\" (mehr kenn ich ja noch nicht) kommen zeitlich gesehen auf jeden Fall vorher. Haramis. Falls man die Gelegenheit hat, sollte man zumindest \"MacBest\" vorher lesen, denn in \"Mummenschanz\" wird desöfteren darauf angespielt. Man versteht das Buch zwar auch ohne Vorkenntnisse, aber trotzdem hatte ich ständig das Gefühl, etwas versäumt zu haben. Andererseits habe ich von \"MacBest\" inzwischen schon rund 50 Seiten gelesen und Fragen wurden immer noch keine geklärt. Also ist es von Pratchett vielleicht gewollt, daß sich der Leser einiges einfach selbst zusammenreimt.

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\"Das hier ist Oma Wetterwachs.\"
Der Troll lächelte ungläubig, und neue Falten bildeten sich auf seiner Stirn, als er Oma ansah.
Sie nickte.
\"Ihr nennt sie \'Aaoograha hoa\', nicht wahr?\" fügte Nanny hinzu. \"Man-geht-ihr-besser-aus-dem-Weg.\"
Der Troll sah auf die Keule hinab, als zöge er ernsthaft in Erwägung, sich damit selbst zu erschlagen. (S. 167)
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Das Phantom der Oper
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Auf teilweise amüsante, streckenweise aber auch spannende Weise hat Pratchett in diesem Roman die Geschichte vom \"Phantom der Oper\" umgesetzt. Das ist das erstemal, daß ich einen Pratchett-Roman las, in dem tatsächlich die Handlung wichtig war. Bisher war alles Geschehen immer nur eine Art \"Verzierung\" für sein Jonglieren mit Wortwitz, Ironie und Parodie. Was passierte, war nicht wichtig, hauptsache man konnte darüber lachen. \"Mummenschanz\" hat zumindest in diesem Punkt einen Tiefgang, der mich sehr überrascht hat. Der Roman artete manchmal schon fast zu einer Art Krimi aus und verleitete zum Mitraten. Gerade in bezug auf das Phantom fügte Pratchett auf eine für ihn ungewohnte Weise viel \"Pschikologie\" mit ein, wie Oma Wetterwachs das nennen würde.

Freud hätte sicherlich seine helle Freude an \"Mummenschanz\" gehabt, denn der Titel sagt mehr aus, als man ahnt. Es geht darum, daß die Menschen sich verkleiden und unter ihrer Maske zu anderen Personen \"mutieren\". Und damit sind nicht nur die Schauspieler auf der Bühne gemeint. Vielmehr ganz im Gegenteil bezieht sich der Titel eher auf die beiden (oder drei?) Hauptpersonen, angefangen bei Agnes Nitt, die sich hinter Perdita X. versteckt und auf zwei verschiedenen Ebenen denkt. Auch der junge Walter, der im normalen Leben eher tollpatschig und dumm wirkt, verwandelt sich in einen völlig anderen Menschen, sobald er eine Maske aufsetzt (und NEIN, ob er der Mörder ist oder nicht, werde ich sicher nicht verraten :-)).

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Das Wasser plätscherte.
\"Äh... Hilfe? Ist hier jemand?\"
Eine Ratte lief über ihren Fuß.
Oh, ja, dachte die Perdita in ihr bitter. Wenn Christine hierhergekommen wäre, hätte sie bestimmt eine große glitzernde Höhle mit romantischen Gefahren entdeckt. Für Agnes hielt die Welt nur Ratten und stinkende Keller bereit. Und weshalb? Wegen ihres guten Charakters. (S. 206)
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Man erfährt in dem Roman sehr genau, wie Agnes alias Perdita X. mit ihrem Schicksal - nämlich dem, dick und \"nett\" zu sein - hadert und sich wünscht, jemand anderes zu sein. Während Agnes immer schön brav alles befolgt, was man ihr als Kind eingetrichtert hat, ergreift Perdita schon mal die Initiative und überschreitet die imaginäre rote Linie. Zum Beispiel verabreicht sie ihrer Zimmergenossin ein Schlafmittel, was Agnes nie machen würde.

Und auch bei Walter verhält es sich ähnlich. Im Alltagsleben ist er ein Junge, von dem jeder annimmt, er wäre geistig zurückgeblieben. Er geht gebeugt, redet kaum und folgt seiner Mutter aufs Wort. Doch wenn er seine Maske aufsetzt, fängt er plötzlich an, Opern zu komponieren und gegen Räuber zu kämpfen.

Auch Enrico Basilica versteckt sich hinter einer Maske. Denn in Wirklichkeit ist er nämlich Henry Faul und trägt seinen Künstlernamen nur deshalb, weil beim Publikum eben nur das ankommt, was \"ausländisch\" und unbekannt klingt. Dabei leidet Henry ständig darunter, daß ihm überall nur Nudelgerichte zum Essen angeboten werden, wo er doch viel lieber hausgemachte Mehlklöße und gebratene Hammelkeulen hätte...

Der ganze Roman ist eben ein einziger \"Mummenschanz\".



Zum Buch
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\"Mummenschanz\" erschien als Taschenbuch im Goldmann-Verlag. Auf der Rückseite ist als Preis 18,00 DM angegeben, allerdings findet man es bei ebay immer wieder ein paar Mark bzw. Euro günstiger. Die ISBN lautet 3-442-41593-4.
Das Werk umfaßt 315 Seiten und trägt den Originaltitel \"Maskerade\", was auch diesmal wieder ein Wortspiel ist. Pratchett änderte das engl. \"masquerade\" (= Maskerade, bzw. \"Mummenschanz\") in \"maskerade\" und leitete es vom engl. \"to mask\" ab, was zwar auch maskieren heißt, aber mehr im Sinn von \"tarnen\". Dadurch wird bereits deutlich, daß es in dem Roman um mehr geht als nur um harmloses Schminken.




Fazit
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Richtige Scheibenwelt-Fans werden von dem Buch vielleicht ein wenig enttäuscht sein, da sich der typische Pratchett-Humor diesmal eher in Grenzen hält. Wer nur etwas zum Lachen braucht, dem empfehle ich \"Total verhext\". \"Mummenschanz\" hingegen ist eine Mischung zwischen humorvollem, psychologischem und Krimi-Roman. Man ist es von Pratchett gewohnt, daß er sich mit Themen befaßt wie Ausländerfeindlichkeit, Tourismus usw. Die meisten Leser werden darauf auch gar nicht achten, weil der Humor und die Art und Weise, alles darzustellen, vom eigentlichen Inhalt viel zu sehr ablenken. In \"Mummenschanz\" dagegen wird sehr gezielt auf die psychischen Probleme der handelnden Personen eingegangen, so daß man nicht nur Pratchett, sondern auch die Scheibenweltbewohner zeitweise von einer ganz anderen, ernsthafteren Seite kennenlernt.

Empfehlen kann ich das Buch auf alle Fälle, und ganz besonders auch für Leute, die die Scheibenwelt bisher noch nicht kennen. Ich weiß, daß einige Leser mit Pratchetts Humor nichts anfangen können, darum wäre \"Mummenschanz\" genau der richtige Einstieg, weil man nicht gleich damit \"überfallen\" wird und trotzdem die Scheibenwelt mit all ihren schillernden Persönlichkeiten kennen lernen kann.



Danke für\'s Lesen und Viel Spaß bei Euren nächsten Pratchett-Buch!

Eure Haramis.



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-06-28 08:57:15 mit dem Titel Rollende Steine oder "Musik mit Steinen drin"


Nach \"Gevatter Tod\" und \"Alles Sense\" ist \"Rollende Steine\" praktisch der dritte Teil der Tod-Reihe. Die Bände hängen zwar inhaltlich nicht oder kaum zusammen, aber alle drei handeln von TOD, der immer wieder in eine Identitätskrise fällt und sich auf die Scheibenwelt begibt, um seine \"Pflicht\" zu vergessen...


Inhalt
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Oh je, jetzt tu ich mich wirklich schwer, das Buch zusammen zu fassen, da ich den Anfang schon gar nicht mehr recht in Erinnerung habe. Mal sehen - es geht um einen Jungen namens Imp und ein Mädchen mit Namen Susanne. Beide sind relativ ungewöhnlich.

Während Imp für sein Leben gerne Musik macht - mit seiner Harfe -, kann Susanne sich nach Lust und Laune unsichtbar machen. Letzteres ist auch kein Wunder, denn das Mädchen hat einen etwas außergewöhnlichen Großvater. Ihr Opa ist nämlich TOD persönlich...

Nun geschieht es, daß Imp eine Gitarre in die Finger kriegt, die Leben enthält - eine Form von Leben, die auf der Scheibenwelt nichts zu suchen hat. Sobald er die Gitarre spielt, ergreift sie von ihm Besitz und erhält ihn später sogar am Leben. Denn eigentlich hätte er bei seinem Auftritt sterben sollen...

Das Schicksal wollte aber, daß TOD wieder einmal seine Pflicht vernachlässigte und auf die Scheibenwelt gereist war. Was passiert, wenn niemand mehr der Pflicht nachkommt, kann man ja in den beiden vorherigen Bänden nachlesen. Um das Chaos nicht erneut ausbrechen zu lassen, überredet der Rattentod Susanne, die Stelle ihres Opas vorübergehend zu übernehmen. Haramis. Doch Susanne, die eigentlich Imps Seele in Empfang nehmen soll, verliebt sich in den jungen Burschen und rettet ihm - entgegen den Gesetzen der Welt - das Leben.

Imp, der sich inzwischen Buddy nennt und mit seiner \"Band Mit Steinen Drin\" auf Tournee geht, lebt nur noch durch die Musik,
Susanne versucht mehr oder weniger gewissenhaft, die \"Pflicht\" zu erfüllen,
Treibe-Mich-Selbst-In-Den-Ruin Schnapper verkauft heiße Würstchen,
die Assassinen-Gilde jagt im Auftrag der Musikergilde hinter der \"Band Mit Steinen Drin\" her,
der Erzkanzler führt den Ritus von Askh-Ente durch und fängt die Musik ein,
Albert, Tods Diener, macht sich auf die Suche nach seinem Herrn,
und TOD tritt der Fremdenlegion bei...

Ein ziemliches Durcheinander entsteht, und wie es ausgeht, das lest ihr besser selber, denn so ganz schlau wurde ich daraus nicht.




Wird den Vorgängern nicht gerecht
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Die ersten Teile mit TOD waren absolut überwältigend, deswegen freute ich mich schon sehr auf den nächsten Band. Doch \"Rollende Steine\" (Original: \"Soul Music\") war eine Enttäuschung auf der ganzen Linie. Ich brauchte ungelogen Monate, bis ich es endlich durch hatte. Immer mal wieder las ich ein paar Seiten weiter und legte es meist schon nach wenigen Minuten wieder weg. Es war einfach langweilig. Der typische Pratchett-Humor beschränkte sich auf ein paar sporadisch verteilte Stellen, während der Rest eher einen krampfhaften Versuch darstellt, auf Biegen und Brechen noch mehr Witz hinein zu bringen.

Das ganze Buch über laufen meist vier Handlungen parallel ab, zwischen denen oft schon nach wenigen Absätzen wieder gewechselt wird. Dies ist jedoch kein Nachteil, sondern hält den Roman wenigstens ein bißchen am Leben. Trotzdem führt es manchmal zu einem geistigen Wirrwarr, da oft einfach ZUVIEL gleichzeitig abläuft.

Manche Stellen waren recht enttäuschend, z. B. starben mittendrin Susannes Eltern, also TODs Adoptivtochter und sein ehemaliger Lehrling Mort, die ja beide in \"Gevatter Tod\" eine Hauptrolle hatten. Dem Unfall werden nur 1 1/2 Seiten gewidmet, in denen Susannes Eltern nicht einmal namentlich erwähnt werden. Eigentlich geht es total unter und berührt den Leser kein bißchen.

Auch der Schluß ist sehr undurchsichtig, wenn Pratchett wieder mit seinem Verständnis für Logik rumspielt, mit denen kein Normalsterblicher etwas anfangen kann. Haramis. Erst ist Susanne dabei, Tods Pflicht zu erfüllen, dann ist sie plötzlich im Internat und war eigentlich die ganze Zeit dort. Sie erinnert sich an die Zukunft und weiß, was geschehen wird, weil es genau genommen schon geschehen ist...

Im Großen und Ganzen bleibt Pratchett also seinen Prinzipien treu. Auch von der Darstellung her braucht man sich von den anderen Bänden nicht umzugewöhnen. Noch immer spricht TOD in GROSSBUCHSTABEN, und noch immer werden alle paar Seiten Fußnoten angegeben, die jedoch diesmal nicht besonders originell sind. Wer sich von Terry Pratchetts Schreibweise einen Eindruck verschaffen will, dem will ich hier mal eine kleine Leseprobe hinterlassen (S. 368/369):


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In der Dunkelheit bekam er etwas zu fassen, das sich wie ein dünner Zweig anfühlte.
Einige Sekunden lang hing er über dem Abgrund, bevor seine Füße Halt fanden. Es gelang ihm, mit der anderen Hand einen gesplitterten Zaunpfosten zu ergreifen.
Er sah, wie die Kutsche ihre rasende Fahrt fortsetzte. Weiter vorn beschrieb die Straße eine scharfe Kurve.
Klatschmaul kniff die Augen zu und hielt sie geschlossen, bis der Schrei verklungen war, bis auch das Knirschen und Krachen aufhörte. Daraufhin hob er die Lider und beobachtete, wie ein brennendes Rad durch die Schlucht rollte.
\"Meine Güte\", sagte er. \"Welch ein Glück, daß ich mich hier... an... etwas... festhalten... konnte...\"
Er hob den Blick. Und hob ihn noch etwas mehr.
DA HAST DU VÖLLIG RECHT.

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Zum Buch
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Das Taschenbuch erschien im Goldmann-Verlag und kostet neu 18 DM. Es hat 379 Seiten (die Schrift ist allerdings relativ groß), und die ISBN lautet 3-442-41589-6.
Der Originaltitel lautet übrigens nicht wie zu erwarten \"Rolling Stones\", sondern \"Soul Music\", was den Inhalt noch weit besser trifft.

Wer die Scheibenwelt-Reihe noch nicht kennt, dem empfehle ich, voher die Bände \"Gevatter Tod\" und \"Alles Sense!\" zu lesen. Beide bewegen sich ungefähr im selben Preisrahmen.



FAZIT
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Ich bin enttäuscht, wirklich enttäuscht. TOD war bisher meine Lieblingsfigur in den Scheibenwelt-Romanen. In \"Rollende Steine\" kommt er leider nur selten vor und Susanne, sein \"Ersatz\", füllt diese Lücke nicht einmal annähernd zufriedenstellend aus.

Der Humor kommt viel zu kurz, beschränkt sich genaugenommen nur auf vier oder fünf Stellen, während der Rest seicht vor sich hin plätschert. Einige Sachen werden ständig wiederholt in der Hoffnung witzig zu sein, wie z. B. die Sache mit den Trollzähnen. Aber gerade durch die Wiederholung verliert es mehr und mehr an Bedeutung.

Spannung oder gar Romantik kennt das Buch übrigens überhaupt nicht. Es geht hier wirklich nur darum, den Leser zu unterhalten, möglichst humorvoll. Die Story an sich wäre ja sehr originell, nur leider ist die Umsetzung nicht ganz geglückt.

Ich will nicht sagen, daß das Buch schlecht ist. Allein betrachtet ist es eigentlich ganz passabel, deswegen kann ich es auch gerade noch empfehlen. Wer allerdings die Vorgänger kennt und von Pratchett Besseres gewöhnt ist, der wird bei \"Rollende Steine\" eine herbe Enttäuschung erleben...



Danke für\'s Lesen!
Eure Haramis.

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