Mehr zu Terry Pratchett Testbericht

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Erfahrungsbericht von nopelzin

*Macbest* - (K)ein Drama in unzähligen Akten

Pro:

witzig, fantastisch, Unterhaltung pur

Kontra:

Es besteht die Gefahr unbedingt auf der Scheibenwelt leben zu wollen ;-)

Empfehlung:

Ja

Fast jeder von uns hat sie – die Tage an denen wir uns fragen, wie verrückt eigentlich die Welt ist. Ein Typ, der uns total unerwartet anlächelt, die unheimlichen Geräusche im Keller, der Stress des Alltags eben ... doch eins könnt ihr mir glauben:

DIE DINGE, DIE VERRÜCKTER SIND ALS TERRY PRATCHETT’S SCHEIBENWELT SIND AUF UNSERER WELT WIRKLICH SELTEN!

Zur Erklärung für diejenigen, die sich auf der Scheibenwelt noch nicht auskennen: Es handelt sich um eine Welt, die von Elefanten getragen wird, in der es Hexen, Zauberer, Bibliothekare, Gilden, Zwerge, Trolle, den TOD und andere wunderbare Wesen gibt, die alle an irgendeinem Punkt und in irgendeinem Universum zusammen gehören – nämlich dem ihrer eigenen verrückten Welt!

Eines Tages stolperte ich also über MACBEST – einem Roman der Scheibenwelt. Ich fing an zu Lesen, entspannte meine Gesichtsmuskeln und war einfach nur noch begeistert.

MACBEST? Erinnert euch an ein Drama eines Schriftstellers namens Shakespeare? Echt?
MACBETH – richtig! Irgendwie hat also Pratchett auf seiner Scheibenwelt also einfach nur 2 Buchstaben verändert und die Geschichte ein bisschen anders laufen lassen ... aber schauen wir uns das doch mal genauer an!

Das zentrale Thema in Shakespeares MACBETH? Na?
Okay, ich sag’s euch: Königsmord - Macbeth bringt auf Drängen seiner Frau Lady Macbeth den guten König Duncan um und das alles nur, weil drei Hexen im das mitten in der Nacht vorausgesagt haben.

Und was macht Pratchett daraus? Er setzt die Geschichte in das Königreich Lancre auf der Scheibenwelt. Dort ist kürzlich ein anderer König an die Macht gekommen, aber nur, weil er den vorherigen hinterrücks auf der Treppe erdolcht hat und natürlich ist auch seine Angetraute nicht ganz unschuldig daran. Der direkte Nachkomme des alten Königs wurde vorher aus dem Schloss geschafft und gerät durch Zufall in die Hände von drei Hexen: Nanny Ogg, Oma Wetterwachs und Magrat Knobloch – und diese drei sind trotz ihrer verrückten Ideen, markanten Unterschiede und einiger Auseinandersetzungen durchaus liebenswert. Sie beschließen, dass der Königssohn irgendwo anders aufwachsen sollte und ihre Wahl fällt dann auf eine Theatergruppe, die zufällig gerade in Lancre gastiert. Der Kleine wird also kurzerhand in die Obhut des Besitzers gegeben und zum fahrenden Komödianten gemacht.

Die Entwicklungen in Lancre laufen anders, als es sich die Hexen wünschen würden – der neue König hat nämlich lange nicht soviel Respekt vor den Hexen, wie ihnen zusteht (ihrer eigenen Meinung nach) und dann erdreistet er sich auch noch das Volk mit hohen Steuern zu belasten und sich grauenvoll aufzuführen. Oma Wetterwachs, die älteste und weiseste der drei Hexen, spürt, dass nicht nur das Volk und die drei Hexen von Lancre nicht mit dem neuen König klarkommen. Auch das recht eigenwillige Land fühlt sich bedroht, weil es spürt (ja, das Land Lancre hat eine eigene Seele), dass der König das kleine Land, welches nur aus Wald, Wald, Wald und Felsen besteht, nicht mag.

Während Oma Wetterwachs und Nanny Ogg also an der Lösung für ihre Probleme grübeln, macht Magrat, die junge Nachwuchshexe, Bekanntschaft mit Verence – dem Hofnarr. Sie ist fasziniert von einem Narr, der trotz des lustigen Kostüms mit den vielen Glöckchen immer traurig aussieht und schüchtern lernen sich die beiden immer besser kennen.
Was am Ende mit den beiden passiert, wie die Geschichte mit dem bösen König, dem wirklichem Thronfolger, den Hexen und den Mitgliedern des Theaters ausgeht, werde ich nicht verraten . Wenn man die ersten Seiten des Romans liest und auch nur annähernd ein bisschen weiche Masse im Kopf, beziehungsweise ein Herz für verrückte Fantasien hat, dann kann man das Buch sowieso nicht mehr aus den Fingern legen.

Auf gut 350 Seiten erzählt Pratchett eine Geschichte, die voller witziger, bizarrer Details ist, dass sie am Ende einfach liebenswert und spannend zugleich wirkt. Meine Angst, dass es sich hierbei nur um eine niveaulose und degradierende Nacherzählung von Shakespeares Macbeth handelt, wurde schon nach den ersten Seiten zerschlagen. Pratchett greift zwar immer wieder Motive und Themen aus dem Original auf, lässt aber seine Geschichte ganz anders verlaufen und letztendlich nur die Hauptpersonen – also den König, die Königin und die drei Hexen – einen Rahmen wie in Macbeth bilden. Alles andere kommt vollkommen unerwartet!

Das Buch ist also durchaus zu empfehlen!

***FAKTEN***
ISBN: 3-453-05408-3
Heyne Verlag (Taschenbuch)
Preis: 7,90 Euro
Tipp:
1.unter www.ebay.de ersteigern – man spart etwa 2-3 Euro!
2.noch mehr Pratchett Bücher lesen! Die Scheibenwelt ist wunderbar!
3.auch auf Englisch zu empfehlen, manchmal sogar noch witziger!

Zum Schluss gebe ich als Vorgeschmack noch eins meiner Lieblingszitate aus dem Buch mit auf den Weg:

„Partikel aus purer Inspiration rasen die ganze Zeit über durchs Universum. Viele Leute schreiten durch ihr Leben, ohne auch nur ein einziges Kreativitätspartikel zu empfangen. Manche Personen sind noch schlimmer dran: Sie werden von allen getroffen!“

aus Terry Pratchett MACBEST

so long … viel Spass beim Lesen und bis zum nächsten Mal!

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