Mehr zu Terry Pratchett Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von Lachesis
GEVATTER TOD MIT KÜCHENSCHÜRZE UND EINEM KÄTZCHEN IN DER HAND
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Mort starrte auf seine Spiegeleier hinunter - Sie schwammen in einem
kleinen Teich aus Fett und erwiderten seinen Blick...\"
Dies ist nur ein Satz aus dem Roman Gevatter Tod (im Original
\"Mort\") des genialen britischen Kult-Autors Terry Pratchett, der aber von dem Stil, in dem seine Bücher geschrieben sind, schon einiges erahnen lässt.
Wer noch nie einen Terry-Pratchett-Roman gelesen hat oder wer ganz allgemein mal ein Buch sucht, bei dem man ständig kichernd auf der Couch liegt, so dass man von eventuell anwesenden Personen nur kopfschüttelnd gemustert wird, sollte unbedingt damit anfangen, und \"Gevatter Tod\" sei als idealer Einstieg in die (Scheiben-) welt empfohlen.
Die Scheibenwelt (für alle Nicht-Kenner der Materie):
Terry Pratchett\'s Universum ist die Scheibenwelt, flach wie eine Pizza,
ruhend auf dem Rücken von vier mächtigen Elefanten, die wiederum auf dem Rücken der monströsen Sternenschildkröte Groß-A\'Tuin stehen. Von den Rändern der Scheibenwelt ergießt sich ein ewiger Wasserfall ins All.
Wichtigste Stadt ist Ankh-Morpork, keine wirklich empfehlenswerte Wohngegend für Leute, denen an ihrem Leben etwas liegt. Das bemerkenswerteste an der Scheibenwelt ist, dass dort alle magischen und übernatürlichen Vorgänge und Wesen, die man bei uns aus Erzählungen und Märchen kennt, zum Alltag gehören. Darunter die Zauberer, die an der unsichtbaren Universität ausgebildet werden, Götter, klassische Könige, Drachen.... und der senseschwingende Gevatter Tod...
Die Story:
Eben dieser liebenswerte Zeitgenosse steht, wie man sich ja angesichts des Titels der deutschen Übersetzung schon denken kann, im Mittelpunkt dieses Romans.
Mort, jüngster Sohn einer Bauernfamilie, ist auf der Suche nach einer
Lehrstelle. Um zu verstehen, warum ihm das nicht eben leicht fällt, möchte ich kurz die Beschreibung des Jungen im Buch einfügen:
...Mort war groß, hatte rotes Haar und Sommersprossen. Sein Körper schien nur teilweise der Kontrolle seines Gehirns zu unterliegen und erweckte den Eindruck, einzig und allein aus Knien zu bestehen...
Soviel zu Mort, der allerdings das Herz am rechten Fleck hat. Als die Lage schon aussichtslos scheint, findet sich doch noch jemand ein, der bereit ist Mort als Lehrling einzustellen - eine große und für ihre dünne, knochige Figur doch recht schwere Gestalt in dunklem Gewand, die nur in Großbuchstaben spricht und auf einem Ross mit dem würdevollen Namen \"Binky\" heran reitet. Mort nimmt an und tritt als Azubi in die Dienste von Tod persönlich.
Schon bald begleitet er seinen neuen Lehrmeister auf seinen Ausflügen und übernimmt schließlich sogar allein die Aufgabe, mit einem gezielten
Sensenhieb Seelen ins Jenseits zu geleiten.
Tod im Gegenzug genießt es plötzlich Freizeit zu haben und versucht sich im Verstehen von menschlichen Zeitvertreiben, wie Party feiern, sich hemmungslos zu betrinken, Glücksspiel oder einer stinknormalen Arbeit. Während Tod also schließlich in einer Brutzelbude fröhlich Spiegeleier brät, steht Mort vor einem großen Problem. Er hat es nicht fertig gebracht, die schöne, junge Prinzessin Keli nach Ablauf ihrer Sanduhr zu töten und damit die Realität durcheinander gebracht. Während eine bedrohliche Glocke das Land überzieht, um Keli schließlich zu töten und die Realität zu heilen, wird Mort seinem Meister immer ähnlicher...
Meinung:
Selten habe ich mich bei einem Buch so köstlich amüsiert. Pratchett hat mit seinem einmaligen zutiefst schwarzen Humor und einer unglaubliche Portion Phantasie ein überaus spannendes und fesselndes Buch geschrieben, dabei ausgesprochen sympathische Charaktere geschaffen und den Mythos des Gevatter Tod in ein völlig neues Licht gestellt. Denn Tod ist nicht in erster Linie ein schrecklicher, mordender Kinderschreck, sondern vielmehr ein pflichtbewusster Zeitgenosse mit durchaus menschlichen Schwächen, der nur eben die nebensächlichen Eigenschaften hat nur aus Knochen zu bestehen, keine nennenswerten Gefühle zu haben und außerhalb der Zeit zu leben.
Es ist wunderbar makaber sich einen Sensenmann vorzustellen, der den Schnapsvorrat einer Kneipe leert, wie jeder normale Schussel auf einer glatten Eisfläche ausrutscht, mit einer Schürze um die knochigen Hüften Hamburger brät oder sich bei einer Jobvermittlung nach einer möglichst verantwortungsarmen Tätigkeit umschaut. Hierzu ein kleiner Auszug:
\"Und wo warst Du vorher beschäftigt?\"
WIE BITTE?
\"Womit hast du dir deinen Lebensunterhalt verdient?\" fragte der junge Mann hinter dem Schreibtisch. Die Gestalt ihm gegenüber rutschte unruhig auf dem Stuhl hin und her.
ICH HABE SEELEN INS JENSEITS GELEITET. ICH WAR DAS ENDE ALLER HOFFNUNGEN. ICH WAR DIE EXTREME REALITÄT. ICH WAR DER MÖRDER, DER SICH VON KEINER NOCH SO FEST VERSCHLOSSENEN TÜR AUFHALTEN LIESS.
\"Jaja, ich verstehe. Aber beherrschst du irgendwelche besonderen
Fähigkeiten?\"
Tod überlegte.
WIE WÄR\'S MIT ERFAHRUNGEN IM UMGANG MIT GEWISSEN LANDWIRTSCHAFTLICHEN
WERKZEUGEN?...
Menschliche Schwächen und Laster stehen immer im Mittelpunkt von Pratchett\'s Erzählungen. Dabei versteht er es immer meisterhaft auch Dinge wie Morde, Saufgelage oder Fressorgien feinfühlig und ohne jegliche Obszönitäten zu beschreiben und in intelligente, makabre Metaphern umzusetzen, die der ungläubige Leser oft erst zweimal lesen muss, um dann wieder in hysterisches Kichern auszubrechen. Normalerweise ausgesprochen ekelhafte oder grausige Vorgänge weiß Pratchett in Sätze zu verpacken, die dafür fast zu schön formuliert scheinen. Zwischenmenschliche Abartigkeiten werden zu liebevoll
eingearbeiteten Selbstverständlichkeiten, kein noch so ehrenhafter Zauberer ist gegen ausgesprochen hartnäckige Begriffsstutzigkeit oder klebrige Sirupbrötchen in der Tasche geweiht, kein Adliger und kein Priester schafft es würdevoll zu wirken.
Im Grunde bekommt jeder sein Fett weg, wobei man gleichzeitig die alle
miteinander ebenfalls nicht fehlerlosen Helden mühelos ins Herz schließt. Pratchett macht das gewöhnliche zum besonderen, die Nebensächlichkeit zum Mittelpunkt.
Die sprühende Phantasie des Autors findet man in jedem Satz wieder,
besonders in den faszinierend bösen Beschreibungen und den langen Fußnoten, die dem Leser Aufschluss über die feinen Besonderheiten der Scheibenwelt geben, ihr Universum und ihre Geschichte.
Dank dieser zahlreichen makabren Ideen und dem einmaligen Schreibstil ist Terry Pratchett zu lesen immer wieder ein umwerfend humorvolles und
spannendes Abenteuer und jedem ans Herz zu legen, der schwarzen Humor liebt.
kleinen Teich aus Fett und erwiderten seinen Blick...\"
Dies ist nur ein Satz aus dem Roman Gevatter Tod (im Original
\"Mort\") des genialen britischen Kult-Autors Terry Pratchett, der aber von dem Stil, in dem seine Bücher geschrieben sind, schon einiges erahnen lässt.
Wer noch nie einen Terry-Pratchett-Roman gelesen hat oder wer ganz allgemein mal ein Buch sucht, bei dem man ständig kichernd auf der Couch liegt, so dass man von eventuell anwesenden Personen nur kopfschüttelnd gemustert wird, sollte unbedingt damit anfangen, und \"Gevatter Tod\" sei als idealer Einstieg in die (Scheiben-) welt empfohlen.
Die Scheibenwelt (für alle Nicht-Kenner der Materie):
Terry Pratchett\'s Universum ist die Scheibenwelt, flach wie eine Pizza,
ruhend auf dem Rücken von vier mächtigen Elefanten, die wiederum auf dem Rücken der monströsen Sternenschildkröte Groß-A\'Tuin stehen. Von den Rändern der Scheibenwelt ergießt sich ein ewiger Wasserfall ins All.
Wichtigste Stadt ist Ankh-Morpork, keine wirklich empfehlenswerte Wohngegend für Leute, denen an ihrem Leben etwas liegt. Das bemerkenswerteste an der Scheibenwelt ist, dass dort alle magischen und übernatürlichen Vorgänge und Wesen, die man bei uns aus Erzählungen und Märchen kennt, zum Alltag gehören. Darunter die Zauberer, die an der unsichtbaren Universität ausgebildet werden, Götter, klassische Könige, Drachen.... und der senseschwingende Gevatter Tod...
Die Story:
Eben dieser liebenswerte Zeitgenosse steht, wie man sich ja angesichts des Titels der deutschen Übersetzung schon denken kann, im Mittelpunkt dieses Romans.
Mort, jüngster Sohn einer Bauernfamilie, ist auf der Suche nach einer
Lehrstelle. Um zu verstehen, warum ihm das nicht eben leicht fällt, möchte ich kurz die Beschreibung des Jungen im Buch einfügen:
...Mort war groß, hatte rotes Haar und Sommersprossen. Sein Körper schien nur teilweise der Kontrolle seines Gehirns zu unterliegen und erweckte den Eindruck, einzig und allein aus Knien zu bestehen...
Soviel zu Mort, der allerdings das Herz am rechten Fleck hat. Als die Lage schon aussichtslos scheint, findet sich doch noch jemand ein, der bereit ist Mort als Lehrling einzustellen - eine große und für ihre dünne, knochige Figur doch recht schwere Gestalt in dunklem Gewand, die nur in Großbuchstaben spricht und auf einem Ross mit dem würdevollen Namen \"Binky\" heran reitet. Mort nimmt an und tritt als Azubi in die Dienste von Tod persönlich.
Schon bald begleitet er seinen neuen Lehrmeister auf seinen Ausflügen und übernimmt schließlich sogar allein die Aufgabe, mit einem gezielten
Sensenhieb Seelen ins Jenseits zu geleiten.
Tod im Gegenzug genießt es plötzlich Freizeit zu haben und versucht sich im Verstehen von menschlichen Zeitvertreiben, wie Party feiern, sich hemmungslos zu betrinken, Glücksspiel oder einer stinknormalen Arbeit. Während Tod also schließlich in einer Brutzelbude fröhlich Spiegeleier brät, steht Mort vor einem großen Problem. Er hat es nicht fertig gebracht, die schöne, junge Prinzessin Keli nach Ablauf ihrer Sanduhr zu töten und damit die Realität durcheinander gebracht. Während eine bedrohliche Glocke das Land überzieht, um Keli schließlich zu töten und die Realität zu heilen, wird Mort seinem Meister immer ähnlicher...
Meinung:
Selten habe ich mich bei einem Buch so köstlich amüsiert. Pratchett hat mit seinem einmaligen zutiefst schwarzen Humor und einer unglaubliche Portion Phantasie ein überaus spannendes und fesselndes Buch geschrieben, dabei ausgesprochen sympathische Charaktere geschaffen und den Mythos des Gevatter Tod in ein völlig neues Licht gestellt. Denn Tod ist nicht in erster Linie ein schrecklicher, mordender Kinderschreck, sondern vielmehr ein pflichtbewusster Zeitgenosse mit durchaus menschlichen Schwächen, der nur eben die nebensächlichen Eigenschaften hat nur aus Knochen zu bestehen, keine nennenswerten Gefühle zu haben und außerhalb der Zeit zu leben.
Es ist wunderbar makaber sich einen Sensenmann vorzustellen, der den Schnapsvorrat einer Kneipe leert, wie jeder normale Schussel auf einer glatten Eisfläche ausrutscht, mit einer Schürze um die knochigen Hüften Hamburger brät oder sich bei einer Jobvermittlung nach einer möglichst verantwortungsarmen Tätigkeit umschaut. Hierzu ein kleiner Auszug:
\"Und wo warst Du vorher beschäftigt?\"
WIE BITTE?
\"Womit hast du dir deinen Lebensunterhalt verdient?\" fragte der junge Mann hinter dem Schreibtisch. Die Gestalt ihm gegenüber rutschte unruhig auf dem Stuhl hin und her.
ICH HABE SEELEN INS JENSEITS GELEITET. ICH WAR DAS ENDE ALLER HOFFNUNGEN. ICH WAR DIE EXTREME REALITÄT. ICH WAR DER MÖRDER, DER SICH VON KEINER NOCH SO FEST VERSCHLOSSENEN TÜR AUFHALTEN LIESS.
\"Jaja, ich verstehe. Aber beherrschst du irgendwelche besonderen
Fähigkeiten?\"
Tod überlegte.
WIE WÄR\'S MIT ERFAHRUNGEN IM UMGANG MIT GEWISSEN LANDWIRTSCHAFTLICHEN
WERKZEUGEN?...
Menschliche Schwächen und Laster stehen immer im Mittelpunkt von Pratchett\'s Erzählungen. Dabei versteht er es immer meisterhaft auch Dinge wie Morde, Saufgelage oder Fressorgien feinfühlig und ohne jegliche Obszönitäten zu beschreiben und in intelligente, makabre Metaphern umzusetzen, die der ungläubige Leser oft erst zweimal lesen muss, um dann wieder in hysterisches Kichern auszubrechen. Normalerweise ausgesprochen ekelhafte oder grausige Vorgänge weiß Pratchett in Sätze zu verpacken, die dafür fast zu schön formuliert scheinen. Zwischenmenschliche Abartigkeiten werden zu liebevoll
eingearbeiteten Selbstverständlichkeiten, kein noch so ehrenhafter Zauberer ist gegen ausgesprochen hartnäckige Begriffsstutzigkeit oder klebrige Sirupbrötchen in der Tasche geweiht, kein Adliger und kein Priester schafft es würdevoll zu wirken.
Im Grunde bekommt jeder sein Fett weg, wobei man gleichzeitig die alle
miteinander ebenfalls nicht fehlerlosen Helden mühelos ins Herz schließt. Pratchett macht das gewöhnliche zum besonderen, die Nebensächlichkeit zum Mittelpunkt.
Die sprühende Phantasie des Autors findet man in jedem Satz wieder,
besonders in den faszinierend bösen Beschreibungen und den langen Fußnoten, die dem Leser Aufschluss über die feinen Besonderheiten der Scheibenwelt geben, ihr Universum und ihre Geschichte.
Dank dieser zahlreichen makabren Ideen und dem einmaligen Schreibstil ist Terry Pratchett zu lesen immer wieder ein umwerfend humorvolles und
spannendes Abenteuer und jedem ans Herz zu legen, der schwarzen Humor liebt.
29 Bewertungen, 2 Kommentare
-
26.04.2009, 01:30 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSehr interessant zu lesen. Schade nur, dass so wenige Leser bisher bei Dir waren. LG Leseratee
-
14.11.2008, 15:39 Uhr von Striker1981
Bewertung: sehr hilfreichSH und Liebe Grüße vom STRIKER
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