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Erfahrungsbericht von Peter3110

DIE LEKTÜRE FÜR DEN TIEFGANG

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Die Literatur, die bisher der Menschheit überlassen wurde, besitzt praktisch unzählbar viele Facetten und Besonderheiten, die sich dem heutigen Leser nur sehr schwer erschließen. Einige Dinge kann sich zwar durch Logik und Kenntnisse aus anderen Bereichen erschließen, da einige verschiedene Stile oder Motive bis in die heutige Zeit ihre Wirkung nicht verloran habe oder von anderen Schriftstellern aufgegriffen wurden.
Den Tiefgang, den man jedoch anstreben sollte, falls man ein Buch wirklich ernsthaft lesen will, wobei es sich dabei auch um „ernstzunehmende“ Literatur handeln muss, erreicht man, wenn man nicht unbedingt ein absolutes Genie ist, nur mit ausgezeichneter Sekundärliteratur.
Da ich mich momentan sehr intensiv mit Herodot beschäftige, suchte ich dementsprechend etwas zu diesem Autor und dessen Stil und Motiven. Nach einer kurzen Suche stieß ich dann auch auf das Buch “Die Anfänge der Geschichtsschreibung bei den Griechen“ von Wolfgang Schadewaldt. Da mir der Name Schadewaldt ein Begriff war und ich schon bei vielen anderen Themen zuvor kompetente Beiträge von ihm gelesen habe, erwarb ich dieses Buch umgehend. Sein Ruf zeigt sich schon daran, dass seine Erörterungen und Vorlesungen noch 30 Jahre nach seinem Tod publiziert werden und er damit in die Reihe der großen Gräzisten Deutschlands gehört, wie auch Mommsen und Willamowitz. Momentan ist noch keiner in Sicht der diese Reihe einmal fortsetzen wird.
Jetzt aber zu diesem Buch „Die Anfänge der Geschichtsschreibung bei den Griechen“, das das Thema meines heutigen Berichtes sein soll.

Der Inhalt
Das Buch enthält die Vorlesung des Wolfgang Schadewaldt über „Die Anfänge der Geschichtsschreibung bei den Griechen“ und „Thukydides“, die er 1959 bzw. 1961 in Tübingen gehalten hat.
So befasst er sich im ersten Teil sehr stark mit dem Übergang vom Mythos zum Logos, was den Übergang von der Dichtung in die Prosa mit sich brachte.
Dabei zeichnet er das Bild von Homer und Hesiod über Hekataios von Milet bis Herodot und später eben zu Thukydides.
So versucht die geistige Entwicklung der Griechen an diesen Autoren mustergültig aufzuweisen und verständlich zu machen.
Hier möchte ich besonders auf den Begriff der Rationalität eingehen. Da Schadewaldt zum einen diesen Punkt behandelt hat und ich zum anderen in meinem Bericht zum ersten Buch Herodots auf diesen Sachverhalt angesprochen wurde, ich aber aus Zeitgründen damals nicht antworten konnte und ich diesen Kommentar erst so spät gesehen habe, dass es für eine kurze Antwort wohl zu spät gewesen wäre. Ferner kann man aber an diesem Beispiel sher gut über die Arbeit mit solchen Büchern reflektieren und somit den nützlichsten Gebrauch ermitteln.
Homer und Hesiod befinden sich nach Schadewaldt und auch nach meiner Auffassung noch im Zeitalter des Mythos, was die Rolle des Menschen in einer durch Götter determinierten Welt beweist. In der Odyssee, die wohl nicht ganz von Homer geschrieben wurde, zeichnet sich bereits ein Teil dieser Rationalität ab, doch auch der Held Odysseus kann sich der Götterwelt nicht entziehen. An diesem Punkt der Odyssee bestätigt sich auch meine Aussage vom Beginn, dass man ebenso Vorkenntnisse benötigt, da Schadewaldt diese Sache ausklammert und Homer als Einheit sieht, was ich für nicht ganz zutreffend halte, was wiederum beweist, dass man sich auch kritisch mit Sekundärliteratur auseinandersetzen muss.
Er greift dann die Rationalität bei Hekataios von Milet wieder auf. Hekataios schrieb ein Werk, in dem er einige Mythen ordnete, weshalb sich hier auch allmählich das Aufkommen der echten Rationalität abzeichnet, die dann bei Herodot meiner Ansicht nach geboren wird und bei Thukydides ihre volle Macht entwickelt, denn Thukydides gilt als Vorbild unserer modernen Geschichtsschreibung.
Ich hoffe ihr verzeiht mir dieses kleine Abschweifen, dafür konnte ich euch aber an einem Beispiel den kritischen Umgang mit solchen Werken, den Nutzen von Kenntnissen und gleichzeitig noch eine alte Diskussion beantworten.
Im ersten Teil legt Schadewaldt in der textlichen Interpretation besondern Wert auf die Gyges-Geschichte, während im zweiten Teil vor allem die Rede des Perikles vor den Gefallenen des ersten Jahres des Peleponnesichen Krieg herausstellt.
Dazu gibt er umfangreiche Einblicke, die dem Leser das tiefere Verständnis dieser Texte erleichtert.

Stil
Schadewaldt gebraucht eine sehr angenehme und überaus verständliche Sprache, die den Zuhörer, wie heute auch den Leser in seinen Ausführungen fesselt, ohne dass Langeweile oder ähnliches aufkommt, womit auch schon über diese Vorlesungen sagen kann, dass diese nicht in die Kategorie der hochwissenschaftlichen, aber für den Großteil der Zuhörer langweiligen Vorlesungen gehörte.

Gebrauch
Ich persönliche nutze Sekundärliteratur zur Erweiterungen meines persönliche Horizont, da man zwar schnell einzelne Dinge innerhalb von Texten erkennt und auch problemlos je nach Kenntnisstand Parallelen herstellen kann. Im Endeffekt kam man ohne ein solches Buch eine Lektüre nicht völlig verstehen, wobei man auf keinen Fall alle Positionen blind übernehmen sollte, denn egal wie versiert Menschen in ihren Wissensgebieten sind, so machen sie trotzdem noch Fehler. Dies gilt für mich genauso für Wolfgang Schadewaldt. Deshalb rate ich euch einfach euren Kopf zu benutzen und die Ergebnisse anderer zu hinterfragen und dann einfach auszusortieren.

Zum Autor
Wolfgang lebte von 1900 bis 1974 und hatte Professuren in Königsberg, Freiburg, Leipzig und Berlin und wurde 1950 in Tübingen emeritiert. Er gehört zu den Altmeistern der klassischen Philologie und wird heute noch viel beachtet.

Fazit
Insgesamt hat mich die Lektüre dieses Buch sehr weiter gebracht, da es mir Einblicke in die geistesgeschichtliche Welt der Griechen eröffnet hat, die ich so noch nicht kannte, da meine Lieblingsfelder bisher die Tragödie, die Komödie und die Philosophie waren.
Ferner hat mir diese Lektüre auch für die Universität einige wichtige Hilfen gegeben und vor allem mir einmal mehr bewiesen, dass der Gebrauch des eigenen Verstandes keine Nachteile hat.
Vielen Dank fürs Lesen und ich freue mich schon auf zahlreiche Kommentare.

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