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Erfahrungsbericht von leser@tte

Einführung in die Festkörperphysik / Kopitzki, Konrad

Pro:

gute Beispiele, anschauliche Darstellung, viele Grafiken, gute Gliederung

Kontra:

schlechter Schriftsatz, teils inkonsitent, hoher Preis

Empfehlung:

Nein

Die Prüfung in technischer Physik ist vorbei, also kann ich ja mal ein Buch vorstellen, mit dem ich mich auf mein Diplom vorbereitet habe:

Konrad Kopitzkis Buch Einführung in die Festkörperphysik richtet sich laut Aufdruck an Studenten der Physik und verwandter naturwissenschaftlicher Fächer und ist meines Erachtens als Begleitbuch neben einer Vorlesung oder zur Wiederholung recht gut geeignet.

Es werden elementare Kenntnisse in Quantenmechanik und Atomphysik vorausgesetzt, wie sie in meinem Studiengang (Dipl.Phys. TU-Braunschweig) etwa bis zum Vordiplom gelehrt werden. Die verwendeten Ergebnisse der statistischen Mechanik (Gleichgewichtsbedingungen und Verteilungsfunktionen) sind in einem zehnseitigen Anhang kurz und prägnant dargestellt.

Der Inhalt gliedert sich in sieben Kapitel:
1.Der kristalline Zustand
2.Dynamik des Kristallgitters
3.Elektronen im Festkörper
4.Dielektrische Eigenschaften der Festkörper
5.Magnetische Eigenschaften der Festkörper
6.Supraleitung
7.Legierungen

Zu den meisten Kapiteln gibt es am Ende ein paar Aufgaben zur Vertiefung. Die Lösungen befinden sich nicht im Buch, es ist also Eigeninitiative gefragt.

Sehr gut finde ich, dass viele Sachverhalte an Skizzen und Grafiken erklärt werden. Es ist schwer das Buch an einer beliebigen Stelle aufzuschlagen und kein Bild zu finden. Auch der Schriftsatz ist angenehm und gut lesbar.
Etwas vermisst habe ich im ersten Kapitel eine gruppentheoretische Betrachtung der Gittersymmetrien. Aber das Buch ist ja auch nur als Einführung gedacht und liefert 4 Seiten weiterführende Literatur nach obigen Kapiteln geordnet.

Nützlich ist auch ein ausklappbares Periodensystem der Elemente am Ende des Buches, das wichtige Daten der atomaren und Festkörpereigenschaften auflistet.

Besonders praktisch finde ich das handliche Taschenbuchformat (205x137x20mm),welches eine Begleitung während der Vorlesung gut ermöglicht. Er ist nicht so schwer und groß wie die meisten Festkörperphysikbücher, die ich kenne.

Ein Sachverzeichnis wichtiger Begriffe und eine Tabelle der häufig im Buch verwendeten Symbole runden meinen positiven Gesamteindruck ab.


Daten:

Meine Ausgabe (3. Aufl.) umfaßt 392 Seiten
Preis: 46,- (1996 im GuMo-Buchladen Braunschweig)
ISBN 3-519-23083-6
B.G. Teubner Verlag Stuttgart


Fazit:

Als Einführung neben einer Vorlesung oder zur Auffrischung kann ich dieses Buch durchaus weiter empfehlen!


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-24 14:36:51 mit dem Titel Gerthsen, Christian / Physik : Was ist mit Kneser geschehen?

Der Gerthsen ist eines der Standardbücher, um die man im Physikstudium kaum herumkommt und auch für verwandte Studiengänge, die ein physikalische Praktikum beinhalten, kann er sehr nützlich sein.

Zwar prangt auf meiner 19.Auflage der Schriftzug Die ganze Tiefe der Physik, jedoch halte ich ihn eher für einen Einstieg in die Physik, der weite Teile abdeckt, als da wären (nach Kapiteln):

1 Mechanik des Massenpunktes
2 Mechanik des starren Körpers
3 Mechanik deformierbarer Körper
4 Schwingungen und Wellen
5 Wärme
6 Elektrizität
7 Elektrodynamik
8 Freie Elektronen und Ionen
9 Geometrische Optik
10 Wellenoptik
11 Strahlungsenergie
12 Das Atom
13 Kerne und Elementarteilchen
14 Festkörperphysik
15 Relativitätstheorie
16 Nichtlineare Dynamik
17 Statistische Physik
18 Nichtlineare Dynamik
Lösungen zu den Aufgaben
Farbtafeln
Quellennachweis
Sach- und Namensverzeichnis

Bei dieser Fülle an Themen und einem Umfang von mittlerweile fast 1300 Seiten (20.Aufl. 1262) kann es aber auch nicht wundern, daß nicht auf jedes Thema in der ganzen Tiefe eingegangen wird.

Aber der Gerthsen entwickelt sich auch stetig weiter.

In unserer Unibibliothek stehen diverse alte Ausgaben. Da heißt er noch Gerthsen, Kneser, Vogel und ist wesentlich handlicher. Mittlerweile heißt er aber nur noch Gerthsen und wird von H. Vogel herausgegeben. (Was aus dem Kneser wohl geworden ist...)

Den didaktischen Aufbau finde ich recht gelungen. Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen Einleitung, welche den historischen Zusammenhang herstellt. Am rechten Rand werden dann oft Personen vorgestellt, die eng mit dem Stoff des Kapitels in Zusammenhang stehen.

Seit einigen Auflagen ist das ganze Buch zweifarbig gedruckt (blau und schwarz), wodurch die Grafiken wesentlich deutlicher werden.

Am Ende jedes Kapitels findet sich eine Sammlung von Fragen (Lösungen im Anhang), die nach dem Schwierigkeitsgrad gekennzeichnet sind.

Die Auswahl dieser Fragen finde ich recht gelungen, da sie oft einen direkten Alltagsbezug haben.

Z.B. Warum ist der Himmel blau oder warum tickt es in dem Kasten am Weidezaun...

Besonders hat mir das Kapitel über Statistische Physik gefallen. (*wirklich*)

Hier werden die Grundaufgaben der Kombinatorik an guten Beispielen erklärt, wie z.B. der Wahrscheinlichkeit, daß eine Horde Affen aus Buchstabennudeln den Satz TO BE OR NOT TO BE legt.
(Auch wenn Herr Gerthsen o. Vogel nicht bedenken, daß die Affen die Nudeln wohl eher essen würden, was das Ganze natürlich NOCH UNWAHRSCHEINLICHER macht! *ggg*)

Der Gerthsen versteht sich selbst als Übungsbuch, Lehrbuch neben der Vorlesung, zur Prüfungsvorbereitung, zur Vertiefung einzelner Fragestellungen und als handliches, umfassendes Nachschlagewerk.

Wenn ich ihn auch nicht als umfassend empfinde und zur Vertiefung lieber anderweitig gucke, wird er dem Anspruch doch über weite Strecken gerecht!

Ein Buch, das ich schon oft empfohlen habe, wenn ich Praktikanten betreut habe.

Den größten Nachteil sehe ich noch in dem recht unhandlichem Format, daß der Gerthsen angenommen hat, seit die Lösungen der Aufgaben mit aufgenommen worden sind...


Die aktuelle Auflage ist im übrigen noch unhandlicher und auch Herr Vogel ist nicht mehr der Autor. Stellt sich mir zum Schluß die Frage, wie lange der letzte von den dreien (also Gerthsen) noch im Titel bleibt.

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-27 13:23:55 mit dem Titel Feynman, Richard / Vorlesungen über Physik: Trotz Fehlern zu empfehlen!

Feynmans Vorlesungen über Physik gehören für mich zu den besten Büchern, auf die ich in meinem Studium gestoßen bin. Damit spiele ich weniger auf den Inhalt, sondern vielmehr auf den didaktischen Aufbau an, denn Feynmann hat eine sehr eigene und sehr anschaulich Art seine Vorlesungen zu halten.

Im großen und ganzen behandeln die ersten zwei Bände den Stoff, der bei uns in Braunschweig zum Vordiplom behandelt wird. (Mechanik, Elektrodynamik, Themodynamik..) Feynmans Darstellung zeigten mir aber oft neue Wege neben meinen Vorlesungen, da er versucht mit wenig Formeln und vielen Beispielen den Stoff zu erklären.

Schade finde ich, daß sich in den Büchern (wie so oft in der physikalischen Literatur) recht viele Fehler eingeschlichen haben und einige Fotos in dem Druck schlecht zu erkennen sind.

Negativ finde ich auch das Desinteresse des Oldenburg Verlags, den auf meine Fehlersammlung, die ich einschickte, erhielt ich überhaupt keine Reaktion.

Der dritte Band hat mir zum Verstädnis meiner Quantenmechanik Vorlesungen zwar geholfen, wer jedoch nach Hilfen für die Hausaufgaben sucht, sollte lieber in anderen Büchern suchen.

Alles in allem drei schöne Bucher, die helfen, den Spaß an der Physik nicht zu verlieren. ;-)

Die Bände sind übrigens beim Oldenbourg Verlag erschienen und kosten zusammen rund 150 Euro, sollten aber auch in jeder guten Bibliothek zu finden sein...

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-29 11:24:25 mit dem Titel Abrahams, Marc / Der Einfluß von Erdnußbutter auf die Erdrotation

Ein Buch mit einem solchem Titel verdient doch, daß man mal einen Blick hinein wirft!, dachte ich mir als ich bei ciao auf die Existenz dieses merkwürdigen Werkes aufmerksam wurde. Zum Glück gibt es eine Ausgabe in unserer Universitätsbibliothek, so daß ich dieses Vorhaben schnell in die Tat umsetzen konnte.

Nun, wer jetzt wahnsinnige Aufschlüsse über den Einfluß von Erdnußbutter auf die Erdrotation erwartet, dem sei gesagt, daß alles was das Buch zu diesem Titelthema hergibt die Auskunft ist, daß ein Team von über 200 Forschern keinen Einfluß feststellen konnte.

Was soll das ganze also?

Der Untertitel gibt da schon etwas mehr Auskunft. Best of Annals of Improbable Research Eine deutsche Übersetzung also, der besten Artikel des A.I.R. Magazins, welches man im Internet unter http://www.improbable.com/ findet. Es handelt sich dabei um das Magazin, welches alljährlich den IgNobel-Preis für Forschungsarbeiten verleiht, die nicht reproduziert werden können oder sollten.

Die ersten ca. 30 Seiten des Buches setzen sich dann auch ausführlich mit der Geschichte des Magazins und dem IgNobel-Preis auseinander. Wer mehr darüber erfahren möchte sollte vielleicht tatsächlich einen Blick in das Buch werfen. Für Fernleihe gebe ich hier doch einfach mal die Signatur an:
2778 986 in der UB der TU-Braunschweig


Nun die restlichen ca. 130 Seiten des Buches sind eigentlich nichts als Unsinn. Auch wenn es sich zum Teil um echte wissenschaftliche Arbeiten handelt (diese sind mit einem * gekennzeichnet) handelt es sich doch eher um eine Lektüre für die Lachmuskeln.

Welche wichtigen Frage neben dem Einfluß von Erdnußbutter auf die Erdrotation werden noch in dem Buch erörtert? Ich gebe mal einen kleinen Ausschnitt wieder:

- Die Aerodynamik von Kartoffelchips
- Das Laser-Raclette
- Die Xerox-Vergrößerungsmikroskopie XVM
- Übertragung von Gonorrhoe durch eine aufblasbare Puppe*
- Das Micky-Maus-Gen
- Die Heilwirkung von Pusten auf kleinere Verletzungen
- Die Mathematik von Telefonnummern
- Tote im Unterricht
- Jugend forscht: Ein Fruchtgummiwurm auf dem Bürgersteig
- Die Quanteninterpretation des Intelligenzquotienten (QI des IQ)


Nun Lachen ist gesund und unter dem Aspekt finde ich das Buch auch recht gelungen. Den Preis von knapp 40DM für 161 Seiten A4 finde ich allerdings entschieden zu hoch. Wer der englischen Sprache mächtig ist, dem empfehle ich daher eher die obige Internetadresse des original Magazins unter welche auch ein newsletter bezogen werden kann.

Gerade diejenigen, welche für Job oder Studium des öfteren wissenschaftliche Arbeiten lesen müssen werden hier sicher ihren Spaß haben. Thematisch finden sich die folgenden Kapitel:

- Astronomie, Physik und Fressalien
- Hochtechnologie und moderner Alltag
- Physik und Metaphysik
- Die neue Chemie
- Biologie und Medizin
- Medizin und Biologie
- Mathematik und Modelle
- Forschung und Lehre

Auch wenn die meisten Aufsätze für mich unter der Überschrift Blödsinn zusammengefasst werden können ist es doch meißt das Fünkchen Wahrheit in den Arbeiten, welches am meisten zum Lachen bringt!


Fazit:

Ausleihen, ablachen und zurückgeben oder auf den Iternetseiten unter http://www.improbable.com/ vorbeischauen. Zum Kauf würde ich bei dem Preis nicht raten.



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-03 12:51:18 mit dem Titel Der Drache in meiner Garage oder Die Kunst der Wissenschaft, Unsinn zu entlarven / Sagan, Carl

Jagd auf die Dämonen der Vergangenheit

Da es die Hardcover-Ausgabe gerade recht günstig gibt, möchte ich eines meiner Lieblingsbücher hiermit jedem kurz schmackhaft machen.


Zum Inhalt
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Im Originaltitel heißt das Buch frei übersetzt Eine Welt voller Dämonen - Wissenschaft als eine Kerze in der Dunkelheit, was mir persönlich wesentlich besser gefällt, als der deutsche Titel. Über diese Welt voller Dämonen, die wir aus der fernen Vergangenheit der Menschen immer noch mit uns herumschleppen schreibt Carl Sagan in dem Buch, welches ich hier kurz vorstellen möchte.

Der Buchrücken verkündet, es handele sich um ein mit Leidenschaft geschriebenes Plädoyer für eine wissenschaftliche Forschung, die der Wahrheit und Humanität verpflichtet ist; ein Plädoyerdafür, die Geheimnisse des Lebens und des Kosmos zu ergründen und alle Mythen und Legenden abzuschütteln, die uns den Blick auf die reiche Vielfalt der Natur verstellen. Zum anderen handelt es sich gewissermaßen um das Vermächtnis Sagans an die Nachwelt, da er im Dezember 1996, kurz nach erscheinen leider verstorben ist.

Sagan predigt in dem Buch, daß jeder doch bitte selbst kritisch hinterfragen soll, was ihm an Informationen dargeboten wird und setzt sich mit den verschiedensten Dingen auseinander, die seiner Vorstellung von gesundem Menschenverstand zuwider laufen. Es finden sich Abschnitte über Ufos, Halluzinationen, Das Gesicht auf dem Mars, Religion, Visionen, Politik, Geisterheiler und vieles mehr unterteilt in 24 Kapiteln.

Er vertritt aber keineswegs den Standpunkt, daß es nur die Wissenschaft ihre Berechtigung hat und sonst nichts, sondern versucht recht neutral zu argumentieren. Es liegt ihm nicht daran, einen bestimmten Standpunkt durchzusetzen, eher soll sich jeder doch bitte seinen eigenen bilden und nicht einfach leichtgläubig alles übernehmen.


Der Autor
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Carl Edward Sagan (1934-1996) war Professor für Astronomie und Weltraumwissenschaften und Leiter des Laboratory for Planetary Studies an der Cornell University in Ithaca (NY), Gastdozent am Jet Propulsion Laboratory des California Institute of Technilogy und Vorsitzender der Planetary Society. Er verfasste arbeiten über die Oberflächen und Atmosphären der Planeten, insbesondere die Erforschung von Mars und Venus mit Radarmethoden, untersuchte die Möglichkeiten der Entstehung des Lebens in der Frühzeit der Erde und erlangte einen breiten Bekanntheitsgrad durch Versuche zum Nachweis intelligenten Lebens auf anderen Planeten.


Daten
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Carl Sagan
Der Drache in meiner Garage oder Die Kunst der Wissenschaft, Unsinn zu entlarven
Droemer Knaur Verlag, 1997
528 Seiten incl. Register und weiterführender Literaturhinweise
Preis: 10,50 Euro


Fazit
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Über dieses Buch ist zwar schon einiges bei ciao geschrieben worden und für gewöhnlich versuche ich eher neue Bücher vorzustellen anstatt den X-ten Bericht abzugeben, aber dieses Buch hat es einfach verdient, wenn ich auch leider nicht noch mehr Sterne verteilen kann. Da Carl Sagan als Astronomieprofessor jedoch eh mehr Sterne in seinem Leben gesehen hat, als ich ihm hier geben kann, ist dies wohl auch nicht zu tragisch.

Ich habe da Buch oft vor Lachen nicht weiter lesen können und noch öfter grübelnd aus der Hand gelegt. Auch wenn es mir einige Nächte den Schlaf geraubt hat, weil ich einfach nicht aufhören konnte, möchte ich diese Nächte nicht missen.

Ein Buch, das ich bestimmt noch öfter lesen werde und am liebsten als Pflichtlektüre an der Schule empfehlen möchte, da es in einer sehr klaren Sprache Dinge formuliert, die diese Welt vielleicht in einem besseren Ort verwandeln könnten, wenn sie sich jeder einmal durch den Kopf gehen läßt...

(auch hier erstveröffentlicht bei ciao.de)










----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-19 11:28:12 mit dem Titel Diplomarbeit in Lack und Leder? : Wissenschaftliches Publizieren mit LaTeX / Machert, Thorsten

Wissenschaftlich publizieren mit LaTeX ist zunächst ein doppeldeutiger Titel. Jeder der schon einmal nach Informationen zu dem Thema gesucht hat und LaTeX als Suchbegriff bei einer Web-Recherche eingegeben hat weiß wovon ich spreche!

Also vorab vielleicht ein paar Worte, was mit LaTeX (gesprochen LATECH) gemeint ist, denn es handelt sich keinesfalls um Kautschukprodukte.

LaTeX ist ein Satzsystem, welches unter der GNU Lizenz frei verfügbar ist. Neben dem Vorteil, daß es nichts kostet, bietet es auch eine meines Erachtens unübertroffene Möglichkeit mathematische Formeln darzustellen. Sehr schön ist auch, daß selbst große Dokumente wie Diplomarbeiten, Dissertationen oder Bücher nicht zwangsweise zu riesigen Dateien führen, wie es bei den meisten Textverarbeitungsprogrammen der Fall ist. Manchmal ist es doch angenehm eben mal schnell eine Sicherheitskopie auf Diskette machen zu können.

Allerdings funktioniert LaTeX auch nach einem anderem Prinzip als eine herkömmliche Textverarbeitung, bei der man gleich beim tippen am Bildschirm sieht, wie das Dokument auf dem Drucker aussehen soll. LaTeX ist ein Textprozessor, d.h. man gibt einen Quellcode ein (vergleichbar mit HTML) und läßt dann von dem Prozessor das Dokument erstellen. Die Ausgabe erfolgt standardmäßig in einer DVI Datei, welche dann aber auch problemlos in HTML, PostScript oder PDF gewandelt werden kann.

Nun aber zum Buch:


__INHALT__

1.Ihr erster Erfolg
2.Absatzgestaltung
3.Alles über Zeichen
4.Umgang mit Tabellen
5.Umgang mit Fußnoten
6.Formeln für Alle
7.Formeln für die, die mehr brauchen
8.Wir machen uns ein erstes Bild
9.Fremde Grafiken
10.Arbeiten mit Verweisen
11.Erstellen von Verzeichnissen
12.Erzeugen eines Stichwortverzeichnisses
13.Titelblatt und anderes
14.Publikationen im Internet
15.Weitere Tips und Tricks
A LaTeX Installation
B Einführung in MicroEMACS
C Fehlermanagement
D Aufstellung aller Sonderzeichen
E Lösungen der Aufgaben


Thorsten Machert fängt wirklich fast bei Null an. Allerdings muß ich bemängeln, daß mir der Anhang A bei meiner Ausgabe keine große Hilfe war. Die Installationsanleitung kann man sich in der Regel auch sparen, wenn man mit Linux arbeitet. Bei Windows Systemen ziehe ich allerdin MiKTeX dem hier ausführlich behandeltem emTeX vor. Die aktuelle Version findet sich unter www.miktex.org .

Auch eine generelle Einführung hätte ich nicht unbedingt gebraucht, da es unter www.dante.de diese auch kostenlos zum download gibt. Dennoch denke ich, daß gerade der LaTeX Neuling hier eine wertvolle Hilfe hat, wenn er z.B. seine Diplomarbeit tippen möchte. Alle wichtigen Punkte werden in kürze, aber auch nicht zu knapp behandelt: Wie zitiere ich richtig, wie erstelle ich ein Literatur-, Abkürzungs-, oder Inhaltsverzeichniss und wie binde ich Grafiken ein oder wie setze ich Formeln und Tabellen.

Wer Zeit und Muße hat findet in dem Buch auch kleine Übungsaufgaben, welche im Anhang gelöst werden.


__DATEN__

Torsten Machert
Wissenschaftliches Publizieren in LaTeX2e
Der Kompaß zur erfolgreichen wissenschaftlichen Publikation
Vieweg Verlag. Braunschweig; Wiesbaden (1998)
237 Seiten (natürlich geTeXt!)
ISBN 3-528-05664-9
http://www.vieweg.de


__WAS BRAUCHE ICH NEBEN DEM BUCH__

Für ein verbreitetes M$ Windows System sollte man sich meines Erachtens die MiKTeX Distribution installieren. Hierbei zwei Tipps, um schlaflose Nächte zu vermeiden.

In der aktuellen Version 2.1 habe ich zwei böse Fehler gefunden:

1.Installiert man nur die minimale Version muß manuell das Paket txfonts (Packages - Fonts - Postscript Fonts) nachinstalliert werden. Anderweitig funktioniert die Umwandlung des Dokuments in ein PS file nicht!

2.Der DVI-Viewer (YAP) kommt mit der aktuellen Version von Ghostscript (7.20) nicht klar. Hier hilft die Installation des neuen YAP aus der MiKTeX 2.2 BETA!

Zusätzlich muß ghostscript und ghostview installiert werden. Beide Programme gibt es ebenfall ohne Kosten im Netz. Aktuelle Versionen ( ghostscript 7.20 und ghostview 4.3)

Nun sollte noch ein Editor installiert werden. Prinzipiell kann jeder beliebige Editor (z.B. notepad) benutzt werden. Mein Favorit ist jedoch WinEdt. Dieser Editor (z.Zt. Version 5.3) schlägt für mich jeden anderen (auch unter Linux) und ist damit alleine schon die LaTeX Installation unter Windows wert. Allerdings handelt es sich um ShareWare. (30 Tage frei dann 30 $ für Studenten)


__MEINE ERFAHRUNGEN_

Ich bin keine wirklicher LaTeX Neuling, d.h. ich habe schon einmal eine Seminarsausarbeitung und ein Vorlesungsscript geTeXt. Dennoch stellt mich meine Diplomarbeit nun auch vor rein formale Anforderungen, auf die ich im Studium erstmal nicht vorbereitet wurde. Letztendlich könnte ich natürlich auch einfach StarOffice oder OpenOffice benutzen, aber wer TeX einmal zu schätzen gelernt hat wird verstehen, daß ich mich zu diesem System durchgerungen habe.

Bisher hat mir das Buch wirklich gute Dienste geleistet. Allerdings schlage ich meist bei speziellen Problemen nach, mit denen ich bisher kaum konfrontiert wurde. Bei Kleinigkeiten komme ich aber dennoch um einen Blick ins Netz oder eine Frage bei Freunden nicht herum.

Ich denke es handelt sich um ein Werk, daß man zu Beginn einer Arbeit aus der Bibliothek leihen sollte. Je weiter ich komme, desto weniger schaue ich hinein...


__FAZIT__

Wer eine wissenschaftliche Arbeit mit LaTeX verfassen will wird hier sicher einen guten Begleiter für die ersten Hürden finden. Wer vorher noch nie mit LaTeX gearbeitet hat sollte sich meines Erachtens erst einmal die LaTeX Kurzbeschreibung anschauen, welche es unter ftp://ftp.dante.de/tex-archive/info/lshort/german gratix zum download gibt. Ein Einstieg wird dort noch besser und immer aktuell vermittelt.

Auch wenn ich mir das Buch nicht kaufen werde halte ich es für eine gute Wahl, wenn man sich das erste Mal mit dieser Thematik auseinander setzt. Mir hat es bisher geholfen und ich vergebe fast volle Punkte.

(auch hier erstveröffentlicht bei ciao.de)






----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-20 17:26:53 mit dem Titel kurz... und dann? : LaTex kurz & gut / Dallheimer, Matthias Kalle

Na wenn das Buch schon kurz und gut heißt werde ich auch mal versuchen mich kurz zu fassen.


__WORUM GEHT´S__

Das Buch oder vielmehr Heft soll eine kurze Einführung in LaTeX (sprich Latech) geben und zum Nachschlagen für oft verwendete Befehle und deren Optionen dienen. Ebenso wird kurz auf einige Zusatzaspekte wie Grafikeinbindung und die Anpassung des eigentlich englischen Satzprogramms an den deutschen Sprachraum eingegangen.


__WAS IST LaTeX__

LaTeX ist ein Satzsystem, welches unter der GNU Lizenz frei verfügbar ist. Neben dem Vorteil, daß es nichts kostet, bietet es auch eine meines Erachtens unübertroffene Möglichkeit mathematische Formeln darzustellen. Sehr schön ist auch, daß selbst große Dokumente wie Diplomarbeiten, Dissertationen oder Bücher nicht zwangsweise zu riesigen Dateien führen, wie es bei den meisten Textverarbeitungsprogrammen der Fall ist. Manchmal ist es doch angenehm eben mal schnell eine Sicherheitskopie auf Diskette machen zu können.

Allerdings funktioniert LaTeX auch nach einem anderem Prinzip als eine herkömmliche Textverarbeitung, bei der man gleich beim tippen am Bildschirm sieht, wie das Dokument auf dem Drucker aussehen soll. LaTeX ist ein Textprozessor, d.h. man gibt einen Quellcode ein (vergleichbar mit HTML) und läßt dann von dem Prozessor das Dokument erstellen. Die Ausgabe erfolgt standardmäßig in einer DVI Datei, welche dann aber auch problemlos in HTML, PostScript oder PDF gewandelt werden kann.


__DATEN__

Titel: LaTeX kurz und gut.
Autor: Matthias Kalle Dalheimer
Broschiert - 64 Seiten - O\'Reilly/VVA
Erscheinungsdatum: 2000
ISBN: 3897212048
Preis: 8 Euro


__MEINE KRITIK__

Das Buch hat sich ein Freund gekauft, der ebenso wie ich gerade mit den Tücken von LaTeX kämpft. Immer auf der Suche nach Hilfe habe ich auch dort mal einen Blick hinein geworfen.

Nun, was die eine Hälfte des Titels betrifft wird sicher nicht zu viel versprochen. Das Buch ist recht kurz und bietet somit natürlich auch nur sehr begrenzten Platz. Aus diesem Grund würde ich das GUT im Titel lieber streichen...

Ein großer Vorteil ist sicher das Format, den das Büchlein kann man wirklich problemlos mit herumschleppen - aber wer will das schon?

Mit LaTeX arbeite ich eh nur am PC und neben dem habe ich dann doch eher das dicke LaTeX Companion von Michel Goossens liegen, welches wirklich nahezu alles erklärt.

Als eine Einführung finde ich das Buch auch nur begrenzt geeignet. Eher ziehe ich da doch die LaTeX Kurzbeschreibung vor, welche es unter ftp://ftp.dante.de/tex-archive/info/lshort/german gratix zum download gibt. Hier wird mir auf wenigen Seiten wirklich eine gute Einführung gegeben, die zudem auch immer aktuallisiert wird.


__FAZIT__

Also ich finde das Buch wird seinem Anspruch nicht gerecht. Als Einführung zu oberflächlich und als Nachschlagewerk zu knapp gehalten.

Wer eine Einführung braucht kann die sicher auch gratis im Netz finden und wird sich die 8 Euro (12,5 Cent pro Seite!) für das Buch sparen können. Wer dann tatsächlich ein Nachschlagewerk braucht weil das surfen in den newsgroups zu teuer wird sollte sich lieber ein umfassenderes Werk wie den LaTeX Companion zulegen.

Also wo ist die Zielgruppe?

Ich denke das Geld kann man sich sparen!

(auch hier erstveröffentlicht bei ciao.de)







----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-03 14:13:05 mit dem Titel LaTeX. Eine Einführung / Kopka, Helmut: Es muß nicht immer der Begleiter sein!

Wer sich zum ersten Mal mit LaTeX auseinander setzt sieht sich doch oft einigen Hürden gegenüber. Genau da setzt die Einführung von Helmut Kopka an. Da ich gerade meine Diplomarbeit mit LaTeX gesetzt habe, habe ich mich zwangsläufig durch einiges an Büchern zu dem Thema durchgelesen. Die Einführung in LaTeX von Kopka scheint mir im Abschluß das Beste Buch zu sein, was mir zwischen die Finge gekommen ist.

Wer nicht weiß, was es mit dem Schriftsatz Programm LaTeX auf sich hat, dem empfehle ich hier mal nach LaTeX zu suchen. Da ich schon einen eigenen Bericht zu dem Thema geschrieben habe, möchte ich hier nicht alles im einzelnen wiederholen. Vielleicht soviel: LaTeX ist eine Alternative zu Textverarbeitungen wie StarOffice und Word, die durch ein etwas anderes Konzept viele Probleme von üblichen Textverarbeitungen nicht aufweist. Der Formelsatz von LaTeX ist bisher der beste, den ich kenne und selbst meine 100 Seiten Diplomarbeit konnte ich problemlos jeden Abend auf Diskette sichern (ohne Bilder!), da die TeX-Dateien recht kompakt sind. Zudem ist eine einfach Möglichkeit gegeben, die Schriftstücke im Anschluß in pdf oder html zu wandeln. Und im Gegensatz zu Word und StarOffice ist LaTeX auch noch kostenlos erhältlich.

Weiteres siehe wie gesagt in meinem LaTeX Bericht oder bei www.dante.de oder www.miktex.org.


Jetzt aber zu dem Buch von Kopka:

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, weil es in einer sehr verständlichem Sprache die Probleme erklärt, welche dem LaTeX Beginner immer wieder begegnen. Zwar findet man in der Regel auch im LaTeX Begleiter auf alles eine Antwort, nur da verstehe ich sie in vielen Fällen einfach nicht auf Anhieb.

Ferner geht das Buch soweit in die Tiefe, daß ich wirklich alle Probleme die während meiner Arbeit auftraten in dem Buch gefunden habe. Erklärt werden neben dem formalen Aufbau des TeX-Dokumentes natürlich der Satz von Formeln und Tabellen, sowie das Einbinden von Bildern, was bei TeX bei vielen Leuten zu Problemen führt.

Abgesehen davon kann man das Buch auch als einen LaTeX-Kurs durcharbeiten, da immer wieder kleine Übungen zu den behandelten Themen eingestreut sind.

Also wirklich eine Einführung, die nicht gleich an der Oberfläche aufhört. In dem Falle einer kurzen Einführung kann man ja auch auf das Netz zurückgreifen und auf ein Buch verzichten.
(siehe: ftp://ftp.dante.de/tex-archive/info/lshort/german)


Das Buch gibt es mittlerweile in überarbeiteter 3bändiger Ausgabe bei Pearson Studium. Den erste Band, auf den ich mich beziehe, habe ich Ende letzten Jahre gebraucht für 20 DM gekauft. Aber auch die knapp 40 Euro, die das Buch neu kostet, halte ich für eine durchaus gute Investition. Dafür ist schließlich die ganze Software kostenlos.


Daten der aktuellen Ausgabe:

LaTeX I. Einführung.
Helmut Kopka
Gebundene Ausgabe - Pearson Studium
ISBN: 3827370388
Preis: 39,95 Euro


Fazit:

Von dem ganzen Berg an LaTeX Büchern, die derzeit auf dem Markt sind, halte ich den Kopka für eines der besten Werke. Er ist verständlich und geht soweit in die Tiefe, daß man nicht gleich bei den ersten Versuchen etwas nicht ganz banales zu machen keine Hilfe findet.

Also wenn EIN Buch für LaTeX, dann dieses! Die eierlegende Wollmilchsau, sprich der LaTeX Begleiter, muß es in den meisten Fällen gar nicht sein.

Ich vergebe volle Punkte, eine uneingeschränkte Empfehlung und wünsche noch viel Spaß beim LaTeX einführen!

(ersveröffentlich bei ciao.de)

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-28 13:57:31 mit dem Titel Schreibtipps zur Diplomarbeit!?

Manchmal gibt es sehr merkwürdige Zufälle. So nahm ich vor gut einem Jahr an einem Gewinnspiel teil, ohne genau zu wissen, was es denn überhaupt zu gewinnen gab, und gewann promt zum damaligen Beginn meiner Diplomarbeit das Buch Diplomarbeiten normgerecht verfassen, welches ich jetzt mal kurz vorstellen möchte.

Vielleicht geht es ja auch mach einem, wie mir damals, der auf die Frage ob es irgendwelche formalen Anforderungen vom Institut an die Diplomarbeit gibt die kurze Antwort NEIN bekommt. Da kommt ein Buch wie dieses natürlich gerade Recht. Zumal der Untertitel – Schreibtipps zur Gestaltung von Studien-, Diplom- und Doktorarbeiten – eigentlich recht vielversprechend klingt.


ALSO KURZ ZUM INHALT

Das Buch gibt nicht nur Tipps, sondern ist auch selbst formal wie eine Diplomarbeit aufgebaut. Ich muß sagen ich war schon überrascht, was Alles durch Normen geregelt ist. Sowerden also die wichtigsten DIN-Normen zusammengefaßt wiedergegeben und Gestaltungsregeln aus der Literatur zitiert. Wichtige Punkte sind:

Textverarbeitung am Beispiel von Microsoft Word
Die ersten Seiten der DiplomarbeitenVerzeichnisse und Listen
Textabschnitte und Anhang
Quelle, Zitat, Einordnungsformel und Literaturverzeichnis
Die Gestaltung einzelner Elemente
Der wissenschaftliche Schreibstil

Zudem gibt es weiteres Material zu dem Buch auf den Seiten des Verlags unter www.vogel-buchverlag.de


MEINE ERFAHRUNGEN

Also ich muß zugeben, daß mir daß Buch nicht so stark weitergeholfen hat, wie ich mir bei dem Titel erhofft hatte. Dies mag zu einem großen Teil daran liegen, daß ich meine Diplomarbeit mit LaTeX geschrieben habe und die meisten Probleme mit Word, die in diesem Buch beschrieben werden, überhaupt nicht auftauchten.

Zum wissenschaftlichen Schreibstil enthält das Buch gerade einmal drei Seiten. Wer also diese Informationen such, kann auch kurz in einer Bibliothek vorbei schauen. Die Informationen sind so schnell gelesen, daß es nicht einmal notwendig ist, daß Buch auszuleihen.

Wer tatsächlich seine Arbeit mit Word schreiben möchte, findet hier möglicherweise mehr Informationen, als ich. Ich denke aber auch in diesem Fall reicht es aus, sich über die Seite des Verlags die Muster-Datei herunter zu laden. Alles wichtige ist hier bereits enthalten.


DATEN

Dieter Scholz
Diplomarbeiten normgerecht verfassen
Schreibtipps zur Gestaltung von Studien-, Diplom- und Doktorarbeiten
Vogel Verlag
1. Auflage 2001
117 Seiten Paperback
ISBN 3-8023-1859-5


FAZIT

Die Tipps zum wissenschaftlichen Schreibstil fand ich schon nützlich, aber für 3 Seiten halte ich es für unsinnig, ein Buch zu kaufen.

Der Titel sollte treffender lauten:
Diplomarbeiten normgerecht verfassen mit MS Word

Bei meiner Arbeit mit LaTeX hat es nicht viel beitragen können.

Die zusätzlichen Informationen auf den Seiten des Verlages sind zwar eine sehr nette Sache, machen das Buch an sich dann aber eher überflüssig.

Aus diesen Gründen dann von mir auch nur eine mittelmäßige Bewertung und keine Kaufempfehlung, wenn ich auch zugeben muß mich über den Gewinn gefreut zu haben.

(erstveröffentlicht bei ciao.de)


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-12 14:42:32 mit dem Titel Einführung in die Festkörperphysik / Kittel, Charles


Charles Kittels Einführung in die Festkörperphysik (im folgenden kurz Kittel) wurde in meinem Studium allgemein als Standardlektüre gehandelt. Auf die Frage nach Hilfestellungen zur den Hausaufgaben hörte man oft die Antwort - Schau halt mal in den Kittel - womit nicht gemeint war, daß irgendein Betreuer die Musterlösung in seinem Laborkittel stecken hat.

So waren dann auch meine ersten Erfahrungen mit dem Kittel die Suche nach Hilfestellungen für Hausaufgaben. Da mir der Schriftsatz allerdings überhaupt nicht gefiel habe ich in Folge immer versucht das Buch zu meiden. Irgendwie sieht das Buch doch aus, als wäre es mit der Schreibmaschine gesetzt. Zudem hat mich der Preis, von z. Zt. rund 65 Euro, immer davon abgehalten, mir das Buch selbst zuzulegen.

Als ich nun aber letztens eine Prüfung in Experimentalphysik abzulegen hatte und mein Professor meinte ich solle zu Vorbereitung irgendein Buch über Festkörperphysik lesen, habe ich mir doch den Kittel vorgenommen, da ich in bis dahin nicht gelesen hatte und nicht eines der Bücher, die ich schon kenne, erneut lesen wollte.

Nach der Lektüre muß ich sagen, daß ich durchaus positiv überrascht bin. Die Darstellung ist meist sehr gelungen und viele Beispiele gefallen mir sehr gut. Auch wird nicht so theoretisch/mathematisch wie z. B. in Kopitzkis Einführung in die Festkörperphysik an das Thema heran gegangen. Auch wird ein sehr breites Spektrum abgedeckt.

Vielleicht sollte ich erst einmal kurz den Inhalt nach Kapiteln listen, um eine Übersicht zu geben, was das Buch bietet:


  • Struktur der Kristalle
  • Das reziproke Gitter
  • Bindungsverhältnisse in Kristallen
  • Phononen I: Gitterschwingungen
  • Phononen II: Thermische Eigenschaften
  • Das freie Elektronengas
  • Energiebaänder
  • Halbleiterkristalle
  • Fermi-Flächen und Metalle
  • Plamonen, Polaritonen und Polaronen
  • Optische Prozesse und Exitonen
  • Supraleitung
  • Dielektrische und ferroelektrische Festkörper
  • Diamagnetismus und Paramagnetismus
  • Ferromagnetismus und Antiferromagnetismus
  • Magnetische Resonanz
  • Nichtkristalline Festkörper
  • Punktdefekte
  • Oberflächen- und Grenzflächenphysik
  • Versetzungen
  • Legierungen


Die Gliederung gefällt mir dabei recht gut. Zu jedem Kapitel gibt es weiterführende Literaturhinweise und oft werden die wichtigsten Punkte am Ende eines Kapitel noch einmal kurz zusammengefaßt. Auch die Grafischen Darstellungen finde ich überwiegend gelungen und verständlich. Zur Vertiefung gibt es zudem eine Reihe von Übungsaufgaben und einen dicken Anhang. Natürlich fehlt auch das Stichwortverzeichnis nicht um gezielt Informationen aufzufinden.

Allerdings sind mir auch einige Punkte negativ aufgefallen. Diese beziehen sich auf die 12. Auflage, welche ich mir aus der Bücherei geliehen hatte. An einigen Stellen scheinen die Zeilen gebrochen und rutschen z.B. plötzlich um eine halbe Zeile nach unten. Auch finden sich recht häufig Leerzeichen vor Satzzeichen, was meines Erachtens nicht zur Lesbarkeit beiträgt. Daneben werden einige Dinge auch nicht konsequent durchgehalten. So wird z.B. definiert, daß ein (Kristall-)Gitter in 2 Dimensionen als Netz bezeichnet wird - im folgenden liest man aber immer von 2 dimensionalen Gittern.

Dennoch ein sehr hilfreiches Buch, daß ich in einer Woche gut durchlesen konnte, mir aber wohl zu dem aktuellen Preis nicht in den Schrank stellen muß.


Daten der aktuellen Auflage:

Kittel, Charles
Einführung in die Festkörperphysik
Preis: EUR 64,80
13., korrig. Aufl. 2002. XVIII, 725 S. m. Abb. u. graph. Darst.
Einband: Gebunden Hardcover
Oldenbourg Verlag
Best.-Nr. 0328790
ISBN-Nr. 3-486-27219-5


Fazit:

Trotz einiger Inkonsiztenzen und mangelhaftem Schriftsatz, ein Buch, daß anschaulich in das Themengebiet einführt und somit seinem Namen gerecht wird. Die Gliederung und Darstellung durch den Autor finde ich gelungen und verstehe mittlerweile, daß sich das Buch seit Jahren als Standard etabliert hat. Dennoch kann ich an der deutschen Ausgabe nicht verstehen, daß ein Buch nach so vielen Auflagen immer noch so viele Fehler im Satz enthält.

Wer also einen Überblick über das Gebiet der Festkörperphysik sucht, sollte hier auf jeden Fall einen Blick hinein werfen. Gleich kaufen würde ich es allerdings nicht.

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