Erfahrungsbericht von MONETIX
Dem Rad in die Speichen fallen
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Nachdem ich nun das Buch \"DEM RAD IN DIE SPEICHEN FALLEN: Die Lebensgeschichte des Dietrich Bonhoeffer\" zum zweiten Mal gelesen habe, versuche ich nun einmal etwas über das, meiner Meinung nach, sehr informative und gut geschriebene Buch zu berichten.
Der Häftling in Zelle 92 -Dietrich Bonhoeffer- des Militärgefängnisses ist nicht irgend jemand. Sein Vater Chef der \"Charité\", des berühmten Berliner Krankenhauses, sein Onkel der Stadtkommandant von Berlin. Er selbst allerdings, Dietrich Bonhoeffer, ist Mitte dreissig, mit Halbglatze und Brille, ein eher langweilig wirkender Theologe.
Das Dietrich Bonhoeffer von den Nazis umgebracht wurde, wissen sicher die meisten. Aber wer weiss schon, dass er als Kind ständig Stress mit seinem Vater hatte, der sich wünschte sein Sohn wäre ein bisschen weniger zart besaitet?
Dass Dietrich Bonhoeffer sich für die politischen Ereignisse seiner Zeit erst mal gar nicht interessierte?
Dass er ein hervorragender Tänzer war?
Dass er liebend gerne reiste und auch im Ausland studierte?
In Renate Winds Biografie geht es nicht nur um den Theologen, der sich aus Gewissensgründen mit Hitler anlegt und dafür die Höchststrafe riskiert.
Man erfährt auch viel Normales und Aussergewöhnliches über den Menschen Dietrich Bonhoeffer.
Das Buch ist -meistens- gut verständlich geschrieben. Nur manchmal wenn´s um politische Entwicklungen oder theologische Fragen geht, ist es nicht ganz leicht hinterherzukommen.
FAZIT
Kein Buch zum Nebenher-Verschlingen, aber eine gute Möglichkeit einen \"Tollen Typen\" besser kennen zu lernen.
Ich kann das Buch nur empfehlen und gebe ihm die volle Punktzahl!
Autorin: Renate Wind
Verlag: Beltz & Gelberg
Preis: 12,90 DM vor ca. 2 Jahren
Vielen Dank fürs lesen und bewerten, Günter.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-05 18:54:28 mit dem Titel Alexis Sorbas lebt - Kreta in der Literatur /Teil1
Kreta in der Literatur: Das ist für die meisten Zeitgenossen Nikos Kazantzakis (so heisst auch der Flughafen von Heraklion). Oder besser: \"Alexis Sorbas\", sein wohl bekanntestes Werk.
Doch die meisten, die so sehr von Alexis Sorbas und seiner Botschaft schwärmen, haben das Buch nie gelesen. Es ist der Film, der dafür gesorgt hat, dass die Gestalt von Alexis Sorbas immer noch lebt. Der Film ist ein Beweis dafür, dass es nicht unmöglich ist, auch die komplizierteste, verschlungenste Romanvorlage in Bilder umzusetzen.
Doch wer dann später, vielleicht nach dem ersten Kreta-Besuch, -so ging es mir-, den Roman \"Alexis Sorbas\" in die Hand nimmt, ist angenehm überrascht: Er bietet, bei aller Qualität der Verfilmung, wesentlich mehr, als die Filmerzählung vermuten lässt. Die quälende Frage nach dem \"Warum\" ist der rote Faden des Romans. Alexis will auf alles eine Antwort haben, und während er diese Antwort sucht, lebt er -mit einer Vitalität, die mit der Schablone \"typisch griechisch\" nur oberflächlich erklärt ist. Und wenn man mit Alexis Sorbas auf Suche geht, lernt man eine fremde Welt kennen, die griechische, die kretische Wesensart. Am Ende bleibt Sorbas nur der Tanz -im Film unterlegt mit der Musik von Theodorakis, übrigens auch ein Kreter.
Kazantzakis war ein fleissiger Mann. Zu seinen berühmtesten Werken gehört die \"Griechische Passion\". Auch dieser Roman ist verfilmt worden, doch hat diese Verfilmung auch nicht annähernd den Ruhm des Sorbas-Films erreicht.
In diesem Roman lernt man Kazantzakis als den grossen Kritiker der Kirche kennen, und dieses Werk hat gewiss dazu beigetragen, dass sein Verhältnis zur orthodoxen Kirche Griechenlands überaus gespannt blieb -bis nach seinem Tode.
Aber gleichzeitig ist die \"Griechische Passion\" eine eindringliche Schilderung kretischer Charaktere und kretischer Bräuche. Wer das Dorf Kritsa von heute kennt, hat es nicht leicht, darin die Romanvorlage zu wiederzuerkennen. Aber man stelle sich das Ausflugsziel Kritsa ohne Busse, ohne Autos und ohne all die Souvenirläden vor -solch ein Ort muss Kazantzakis vorgeschwebt haben.
Freiheit oder Tod war die Losung der Kreter in den Aufständen gegen die Türken. Wer die Freiheit nicht errang, war bereit zu sterben. Was die türkische Besatzung für die kretische Bevölkerung, für jede betroffene Familie, wirklich bedeutet hat, vermittelt Kazantzakis eindringlich in seinem Roman \"Freiheit oder Tod\".
Er ist ein ausgezeichneter Schlüssel zum Verständnis der kretischen Geschichte.
Er schildert die Grausamkeiten der Türken mit einer Eindringlichkeit, die verständlich macht, dass auch heute noch überall auf der Insel vom \"türkischen Joch\" gesprochen wird.
Nicht nur Alexis Sorbas lebt, sondern auch die Zeit, in der kretische Widerstandskämpfer öffentlich gehäutet wurden.
Bei aller Parteilichkeit und bei allen Längen des Romans, sollte man diese Geschichte des kretischen Widerstandes lesen, wenn man die Einstellung der Kreter von heute zu den Türken begreifen will.
Übrigens: Zu Hass hat Nikos Kazantzakis niemals aufgerufen!
Kazantzakis, der moderner dachte als er schrieb, hat noch eine Reihe weiterer Werke verfasst, die ins Deutsche übersetzt worden sind -unter anderem den \"Brudermörder\" oder auch die \"Rechenschaft vor El Greco\".
Selbst wenn man beim Lesen an der Langatmigkeit der Romane scheitert -stets findet man hier einen Gedanken, den man selbst weiterzudenken gezwungen ist, dort den Ansatzpunkt für eine Erinnerung (Urlaub), oder auch nur eine Landschaftsschilderung, die einem bekannt vorkommt und die unvergesslich bleibt.
Das gilt ganz besonders für die kleine Schrift \"Im Zauber der griechischen Landschaft\".
Nikos Kazantzakis, der 1883 in Heraklion geboren wurde, lebte in Deutschland, als dort 1955 die Übersetzung seines schon 1946 geschriebenen Romans \"Alexis Sorbas\" erschien. \"Freiheit oder Tod\", 1953 verfasst, war in einer deutschen Übersetzung schon 1954 erschienen.
Als Nikos Kazantzakis am 26. Oktober 1957 in Freiburg(Breisgau) starb, war seine Anhängerschaft nicht nur in Griechenland, sondern auch in Deutschland und in Frankreich, wo er lange gelebt hatte, gross.
Auf Kreta wurde und wird er heute noch geradezu abgöttisch verehrt. Sein Grab auf der Bastion von Heraklion ist Tag für Tag eine Pilgerstätte.
Im Teil 2 werde ich über den zweiten berühmten kretischen Schriftsteller der Gegenwart Pandelis Prevelakis schreiben.
Man sieht: Kreta ist mehr als eine Urlaubsinsel, in diesem Sinne viel Spass beim lesen und bewerten, Günter.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-06 15:13:00 mit dem Titel Alexis Sorbas lebt - Kreta in der Literatur /Teil 2
Hallo erstmal, ich komme nun zu den versprochenen zweiten Teil von \"Kreta in der Literatur\".
Ich fange mit dem letzten Satz von gestern an, und dann gehts in neue literarische Gefilde.
Nach Nikos Kazantzakis ist Pandelis Prevelakis, der zweite berühmte kretische Schriftsteller der Gegenwart. Er hat bei weitem nicht den Ruhm von Kazantzakis erlangt.
Der 1909 in Retimnon geborene Professor hat eine Reihe von Werken geschrieben,, die zwar nicht der Popularität der Romane Kazantzakis´erlangt haben, aber durch ihre knappe Sprache vortrefflich geeignet sind, in kretische Denk- und Lebensweise, in das komplizierte Gefüge von Brauchtum und Tradition einzuführen. Auch wenn das Problem der Blutrache kaum noch existiert, ist der Roman \"Die Sonne des Todes\" -1961 verfasst, schon 1962 in Deutsche übersetzt- für jeden Kreta-Urlauber, der mehr als an Sand und Sonne interessiert ist, eine wahre Fundgrube. Denn er schildert meisterhaft aus Traditionen erwachsene Zwänge, die Menschen erdrücken können -ob sie sich nun beugen oder sie in Frage stellen. Zudem sind Prevelakis´Figuren von einer Kraft, die der Gestalt des Alexis Sorbas in nichts nachsteht.
Gross ist die Zahl der Bücher, die man in Bibliotheken unter dem Stichwort \"Kreta\" findet -von frühesten Reisebeschreibungen eines Pashley (\"Travels Crete\", erschienen 1837 in Cambridge) über Werke der Kunstgeschichte und Archäologie bis hin zur sozialen Doktorarbeit: \"Tradition und sozialer Wandel auf der Insel Kreta\" von Vassilios Vuidaskis.
Zei literarische Meisterwerke gehören, zumal als Taschenbuch erhältlich, ins Reisegepäck, wenn man die Insel Kreta besucht: Henry Millers \"Der Koloss von Maroussi\" und Erhart Kästners Inselbeschreibung mit dem Titel \"Kreta\".
Henry Millers Aufzeichnungen stammen aus der Zeit kurz vor dem zweiten Weltkrieg, Kästners Kreta-Bericht mitten aus dem Krieg. Henry Miller widmet nur relativ wenige Seiten der Insel Kreta,wie er auch nur die kürzeste Zeit seines Griechenland-Aufenthaltes auf dieser Insel verbracht hat.
Doch wie er die Griechen -unruhige Geister in einer unruhigen Zeit- schildert, weckt den Hunger auf eine Begenung mit griechischen Menschen. Wer auf Kreta Freunde hat, und ich habe viele dort mittlerweile, der findet sie anhand der Beschreibungen in diesem Buch wieder.
Erhart Kästner (geboren 1904 in Augsburg, gestorben 1974 in Staufen/Breisgau) schildert eine ganz andere Welt -es ist eine intakte Welt, obwohl Kästner als Soldat nach Kreta kam und seine Aufzeichnungen aus dieser Zeit stammen. der Krieg findet nur am Rande statt, in Nebensätzen. Kästners kretische Welt ist heil, und die Sprache, in der er sie einem schildert, ist es ebenso. Das ist ganz bestimmt nicht jedermanns Geschmack, und auch ich musste diese Aufzeichnungen mehrmals lesen um klarzukommen. Aber jeder, der in der Literatur nach einem Schlüssel zum Verständnis der Insel Kreta und ihrer Bewohner sucht, ist dankbar für die Zustandsbeschreibung in diesem Kreta-Buch.
Aber auch dies ist nur ein Mosaikstein zu einem Kreta-Bild, das wohl niemals vollendet wird.
Ich bin seit nunmehr über 10 Jahre dieser Insel im Mittelmeer, im wahrsten Sinne des Wortes, verfallen.
Wer auf Kreta war kann dies mit Sicherheit nachvollziehen und denjenigen die mal dorthin möchten sei gesagt: \"Vorsicht Kreta macht süchtig!\"
Vielen Dank fürs lesen und bewerten, Günter
Der Häftling in Zelle 92 -Dietrich Bonhoeffer- des Militärgefängnisses ist nicht irgend jemand. Sein Vater Chef der \"Charité\", des berühmten Berliner Krankenhauses, sein Onkel der Stadtkommandant von Berlin. Er selbst allerdings, Dietrich Bonhoeffer, ist Mitte dreissig, mit Halbglatze und Brille, ein eher langweilig wirkender Theologe.
Das Dietrich Bonhoeffer von den Nazis umgebracht wurde, wissen sicher die meisten. Aber wer weiss schon, dass er als Kind ständig Stress mit seinem Vater hatte, der sich wünschte sein Sohn wäre ein bisschen weniger zart besaitet?
Dass Dietrich Bonhoeffer sich für die politischen Ereignisse seiner Zeit erst mal gar nicht interessierte?
Dass er ein hervorragender Tänzer war?
Dass er liebend gerne reiste und auch im Ausland studierte?
In Renate Winds Biografie geht es nicht nur um den Theologen, der sich aus Gewissensgründen mit Hitler anlegt und dafür die Höchststrafe riskiert.
Man erfährt auch viel Normales und Aussergewöhnliches über den Menschen Dietrich Bonhoeffer.
Das Buch ist -meistens- gut verständlich geschrieben. Nur manchmal wenn´s um politische Entwicklungen oder theologische Fragen geht, ist es nicht ganz leicht hinterherzukommen.
FAZIT
Kein Buch zum Nebenher-Verschlingen, aber eine gute Möglichkeit einen \"Tollen Typen\" besser kennen zu lernen.
Ich kann das Buch nur empfehlen und gebe ihm die volle Punktzahl!
Autorin: Renate Wind
Verlag: Beltz & Gelberg
Preis: 12,90 DM vor ca. 2 Jahren
Vielen Dank fürs lesen und bewerten, Günter.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-05 18:54:28 mit dem Titel Alexis Sorbas lebt - Kreta in der Literatur /Teil1
Kreta in der Literatur: Das ist für die meisten Zeitgenossen Nikos Kazantzakis (so heisst auch der Flughafen von Heraklion). Oder besser: \"Alexis Sorbas\", sein wohl bekanntestes Werk.
Doch die meisten, die so sehr von Alexis Sorbas und seiner Botschaft schwärmen, haben das Buch nie gelesen. Es ist der Film, der dafür gesorgt hat, dass die Gestalt von Alexis Sorbas immer noch lebt. Der Film ist ein Beweis dafür, dass es nicht unmöglich ist, auch die komplizierteste, verschlungenste Romanvorlage in Bilder umzusetzen.
Doch wer dann später, vielleicht nach dem ersten Kreta-Besuch, -so ging es mir-, den Roman \"Alexis Sorbas\" in die Hand nimmt, ist angenehm überrascht: Er bietet, bei aller Qualität der Verfilmung, wesentlich mehr, als die Filmerzählung vermuten lässt. Die quälende Frage nach dem \"Warum\" ist der rote Faden des Romans. Alexis will auf alles eine Antwort haben, und während er diese Antwort sucht, lebt er -mit einer Vitalität, die mit der Schablone \"typisch griechisch\" nur oberflächlich erklärt ist. Und wenn man mit Alexis Sorbas auf Suche geht, lernt man eine fremde Welt kennen, die griechische, die kretische Wesensart. Am Ende bleibt Sorbas nur der Tanz -im Film unterlegt mit der Musik von Theodorakis, übrigens auch ein Kreter.
Kazantzakis war ein fleissiger Mann. Zu seinen berühmtesten Werken gehört die \"Griechische Passion\". Auch dieser Roman ist verfilmt worden, doch hat diese Verfilmung auch nicht annähernd den Ruhm des Sorbas-Films erreicht.
In diesem Roman lernt man Kazantzakis als den grossen Kritiker der Kirche kennen, und dieses Werk hat gewiss dazu beigetragen, dass sein Verhältnis zur orthodoxen Kirche Griechenlands überaus gespannt blieb -bis nach seinem Tode.
Aber gleichzeitig ist die \"Griechische Passion\" eine eindringliche Schilderung kretischer Charaktere und kretischer Bräuche. Wer das Dorf Kritsa von heute kennt, hat es nicht leicht, darin die Romanvorlage zu wiederzuerkennen. Aber man stelle sich das Ausflugsziel Kritsa ohne Busse, ohne Autos und ohne all die Souvenirläden vor -solch ein Ort muss Kazantzakis vorgeschwebt haben.
Freiheit oder Tod war die Losung der Kreter in den Aufständen gegen die Türken. Wer die Freiheit nicht errang, war bereit zu sterben. Was die türkische Besatzung für die kretische Bevölkerung, für jede betroffene Familie, wirklich bedeutet hat, vermittelt Kazantzakis eindringlich in seinem Roman \"Freiheit oder Tod\".
Er ist ein ausgezeichneter Schlüssel zum Verständnis der kretischen Geschichte.
Er schildert die Grausamkeiten der Türken mit einer Eindringlichkeit, die verständlich macht, dass auch heute noch überall auf der Insel vom \"türkischen Joch\" gesprochen wird.
Nicht nur Alexis Sorbas lebt, sondern auch die Zeit, in der kretische Widerstandskämpfer öffentlich gehäutet wurden.
Bei aller Parteilichkeit und bei allen Längen des Romans, sollte man diese Geschichte des kretischen Widerstandes lesen, wenn man die Einstellung der Kreter von heute zu den Türken begreifen will.
Übrigens: Zu Hass hat Nikos Kazantzakis niemals aufgerufen!
Kazantzakis, der moderner dachte als er schrieb, hat noch eine Reihe weiterer Werke verfasst, die ins Deutsche übersetzt worden sind -unter anderem den \"Brudermörder\" oder auch die \"Rechenschaft vor El Greco\".
Selbst wenn man beim Lesen an der Langatmigkeit der Romane scheitert -stets findet man hier einen Gedanken, den man selbst weiterzudenken gezwungen ist, dort den Ansatzpunkt für eine Erinnerung (Urlaub), oder auch nur eine Landschaftsschilderung, die einem bekannt vorkommt und die unvergesslich bleibt.
Das gilt ganz besonders für die kleine Schrift \"Im Zauber der griechischen Landschaft\".
Nikos Kazantzakis, der 1883 in Heraklion geboren wurde, lebte in Deutschland, als dort 1955 die Übersetzung seines schon 1946 geschriebenen Romans \"Alexis Sorbas\" erschien. \"Freiheit oder Tod\", 1953 verfasst, war in einer deutschen Übersetzung schon 1954 erschienen.
Als Nikos Kazantzakis am 26. Oktober 1957 in Freiburg(Breisgau) starb, war seine Anhängerschaft nicht nur in Griechenland, sondern auch in Deutschland und in Frankreich, wo er lange gelebt hatte, gross.
Auf Kreta wurde und wird er heute noch geradezu abgöttisch verehrt. Sein Grab auf der Bastion von Heraklion ist Tag für Tag eine Pilgerstätte.
Im Teil 2 werde ich über den zweiten berühmten kretischen Schriftsteller der Gegenwart Pandelis Prevelakis schreiben.
Man sieht: Kreta ist mehr als eine Urlaubsinsel, in diesem Sinne viel Spass beim lesen und bewerten, Günter.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-06 15:13:00 mit dem Titel Alexis Sorbas lebt - Kreta in der Literatur /Teil 2
Hallo erstmal, ich komme nun zu den versprochenen zweiten Teil von \"Kreta in der Literatur\".
Ich fange mit dem letzten Satz von gestern an, und dann gehts in neue literarische Gefilde.
Nach Nikos Kazantzakis ist Pandelis Prevelakis, der zweite berühmte kretische Schriftsteller der Gegenwart. Er hat bei weitem nicht den Ruhm von Kazantzakis erlangt.
Der 1909 in Retimnon geborene Professor hat eine Reihe von Werken geschrieben,, die zwar nicht der Popularität der Romane Kazantzakis´erlangt haben, aber durch ihre knappe Sprache vortrefflich geeignet sind, in kretische Denk- und Lebensweise, in das komplizierte Gefüge von Brauchtum und Tradition einzuführen. Auch wenn das Problem der Blutrache kaum noch existiert, ist der Roman \"Die Sonne des Todes\" -1961 verfasst, schon 1962 in Deutsche übersetzt- für jeden Kreta-Urlauber, der mehr als an Sand und Sonne interessiert ist, eine wahre Fundgrube. Denn er schildert meisterhaft aus Traditionen erwachsene Zwänge, die Menschen erdrücken können -ob sie sich nun beugen oder sie in Frage stellen. Zudem sind Prevelakis´Figuren von einer Kraft, die der Gestalt des Alexis Sorbas in nichts nachsteht.
Gross ist die Zahl der Bücher, die man in Bibliotheken unter dem Stichwort \"Kreta\" findet -von frühesten Reisebeschreibungen eines Pashley (\"Travels Crete\", erschienen 1837 in Cambridge) über Werke der Kunstgeschichte und Archäologie bis hin zur sozialen Doktorarbeit: \"Tradition und sozialer Wandel auf der Insel Kreta\" von Vassilios Vuidaskis.
Zei literarische Meisterwerke gehören, zumal als Taschenbuch erhältlich, ins Reisegepäck, wenn man die Insel Kreta besucht: Henry Millers \"Der Koloss von Maroussi\" und Erhart Kästners Inselbeschreibung mit dem Titel \"Kreta\".
Henry Millers Aufzeichnungen stammen aus der Zeit kurz vor dem zweiten Weltkrieg, Kästners Kreta-Bericht mitten aus dem Krieg. Henry Miller widmet nur relativ wenige Seiten der Insel Kreta,wie er auch nur die kürzeste Zeit seines Griechenland-Aufenthaltes auf dieser Insel verbracht hat.
Doch wie er die Griechen -unruhige Geister in einer unruhigen Zeit- schildert, weckt den Hunger auf eine Begenung mit griechischen Menschen. Wer auf Kreta Freunde hat, und ich habe viele dort mittlerweile, der findet sie anhand der Beschreibungen in diesem Buch wieder.
Erhart Kästner (geboren 1904 in Augsburg, gestorben 1974 in Staufen/Breisgau) schildert eine ganz andere Welt -es ist eine intakte Welt, obwohl Kästner als Soldat nach Kreta kam und seine Aufzeichnungen aus dieser Zeit stammen. der Krieg findet nur am Rande statt, in Nebensätzen. Kästners kretische Welt ist heil, und die Sprache, in der er sie einem schildert, ist es ebenso. Das ist ganz bestimmt nicht jedermanns Geschmack, und auch ich musste diese Aufzeichnungen mehrmals lesen um klarzukommen. Aber jeder, der in der Literatur nach einem Schlüssel zum Verständnis der Insel Kreta und ihrer Bewohner sucht, ist dankbar für die Zustandsbeschreibung in diesem Kreta-Buch.
Aber auch dies ist nur ein Mosaikstein zu einem Kreta-Bild, das wohl niemals vollendet wird.
Ich bin seit nunmehr über 10 Jahre dieser Insel im Mittelmeer, im wahrsten Sinne des Wortes, verfallen.
Wer auf Kreta war kann dies mit Sicherheit nachvollziehen und denjenigen die mal dorthin möchten sei gesagt: \"Vorsicht Kreta macht süchtig!\"
Vielen Dank fürs lesen und bewerten, Günter
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