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Erfahrungsbericht von 0-8-15

'Anleitung zum Unschuldigsein' Illies, Florian

Pro:

s.o.

Kontra:

s.o.

Empfehlung:

Nein

Leise schleicht es hinter uns aus dem Dunkel, es nähert sich uns völlig geräusch- und geruchlos, wir bemerken es erst, wenn es uns mit voller Wucht auf den Hinterkopf schlägt...

Nein, das ist kein schlechter Horrorfilm, sondern ich rede vom schlechten Gewissen, welches uns mehr als nur einmal täglich heimsucht. Auf den Punkt bringt es Florian Illies in seinem „Generation Golf“-Nachfolger „Anleitung zum Unschuldigsein“.

Florian Illies schreibt mit spitzer zynischer Feder über das was uns heutzutage am meisten plagt, unser schlechtes Gewissen. Unsere Gesellschaft zwingt uns moralische Werte auf, unsere Geschichte lehrt uns Scham und endlich spricht es einer aus, man bekommt beim Lesen schon fast ein schlechtes Gewissen weil man so oft ein schlechtes Gewissen hat. Er beschreibt mit unendlicher Geduld und Hingabe alltägliche Situationen die dieses unerwünschte Gefühl mit sich bringen. Angefangen bei der Mülltrennung, über Autofahren und Zahnarztbesuche, bis hin zum Treffen von Klassenkameraden deren Namen man vergessen hat ist unter Garantie für jeden eine Situation dabei und keiner kann sich von einhergehenden Gewissenbissen freisprechen.
Manche mögen jetzt denken, dass das Thema nicht viel hergibt, aber Illies glänzt durch sprachgewaltige Gefühlsbeschreibungen vermischt mit knallharter Sozialkritik, ein Konzept, welches aufsässig, trotzig und trotzdem zum mitfühlen anregend wirkt. Man möchte in manchen Situationen einfach Mitleid haben, zumindest wenn man nicht längst gemerkt hat, dass Illies sein schlechtes Gewissen schon gar nicht mehr so richtig ernst nehmen kann.

Aber warum heißt das Buch jetzt „Anleitung zum Unschuldigsein“? Und warum der Untertitel „Das Übungsbuch für ein schlechtes Gewissen“? Diese Fragen sind schnell beantwortet, das Buch unterteilt sich in 23 Kapitel, von denen jedes eine Gewissensbiss-Situation beschreibt. Meist werden sogar mehrere davon in einem Kapitel zusammengefasst, um eine besonders schöne Herleitung, oder einen starke Betonung zu erreichen. Abgeschlossen wird jedes Kapitel mit einer Übung, zu denen ich noch kurz ein paar Worte verlieren möchte:
Jede Übung besteht aus einer provozierenden, übertriebenen und bewusst erzeugten Schlechtes-Gewissen-Situation, die den Leser (Anwender) dazu bringen soll sich mit seinen Gefühlen auseinanderzusetzen um sich so dagegen zu immunisieren. Vielleicht hilft hier ein Beispiel zur Veranschaulichung:
(Zitat aus „Anleitung zum Unschuldigsein“ von Florian Illies, Kapitel 7 „Heute kaufe ich dem Mann mit den Rosen keine Rose ab“, S.67)
Übung: Wir gehen in ein Restaurant und fragen, bevor wir die Getränke bestellen, den Ober verschwörerisch, ob denn hier auch einer dieser netten Rosenverkäufer vorbeikomme. Diese Frage wiederholen wir alle halbe Stunde. Kommt der Rosenverkäufer endlich zur Tür herein, springen wir auf und begrüßen ihn per Handschlag. Wir teilen ihm daraufhin lautstark mit, dass wir keine Rosen kaufen wollen. Dabei spielen wir ihm auf unserer mitgebrachten Gitarre ein Lied vor und halten ihm den Hut hin. (Zitatende)

Ich hoffe ich konnte euere Neugier wecken, denn selten hat jemand die Macken unserer Gesellschaft so auf den Punkt getroffen. Mit sprühendem Zynismus gegenüber aktuellen Moralvorstellungen kämpft Illies dafür, dass sich jeder Mensch (der das Buch liest *g*) ein bisschen besser fühlen kann. Und wer konsequent alle Übungen befolgt wird garantiert zu einem egoistischen rücksichtslosen Menschen der nie wieder von einem schlechten Gewissen geplagt wird.

In diesem Sinne,

0-8-15

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