Mehr zum Thema Literatur Testbericht

No-product-image
ab 6,52
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

Erfahrungsbericht von neuhier

Ein wiklich fesselndes Buch.

Pro:

Konnte nicht aufhören zu lesen..

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Ich bin auf dieses tolle Buch aufmersam geworden und denke es sollte zum Allgemeingut gehören. Daher trage ich es unter dieser Rubrik ein...

Wer den Titel „Geheime Botschaften“ sieht, denkt wahrscheinlich als erstes an einen Thriller. Doch weit gefehlt und doch auch nicht so weit daneben. Denn bei dem hier besprochenen Buch handelt es sich um ein Wissenschaftssachbuch. Genauer gesagt um ein Buch, das sich mit der Geschichte der Verschlüsselung von der Antike bis ins Internet-Zeitalter beschäftigt. Aber dieses Buch ist so spannend geschrieben, dass es sich mit vielen Thrillern durchaus messen kann.

Der Autor dieses Buches, Simon Singh, wird manchem Leser durch sein Buch „Fermats letzter Satz“ ein Begriff sein. In diesem Buch hat er die Lösung eines der ältesten und bekanntesten Problem der Mathematik in unglaublich mitreißender und unterhaltsamer Form geschildert.(Und mir fällt auf, dass man dieses Buch mal wieder lesen könnte und dann unbedingt dazu eine Meinung schreiben sollte).

Und genau auf diesem hohen Unterhaltungsniveau macht der Autor auch bei seinem jüngsten Werk „Geheime Botschaften“ weiter. Beginnend mit den alten Griechen erläutert er die grundlegenden Verfahren der Verschlüsselung, das Verschieben (Transposition) und das Ersetzten (Substitution) von Zeichen nach bestimmten Regeln um Informationen für Außenstehende zu verbergen. Und er schildert im Verlauf der Jahrhunderte den Kampf zwischen Kryptographen und Kryptoanalytiker, also denjenigen die etwas verschlüsseln und denjenigen, die diese Verschlüsslung brechen wollen. Immer sehr anschaulich und mit spannenden Beispielen belegt wir aufgezeigt, wie die Verfahren weiter verbessert werden und dennoch kleinste Schwächen dieser Verfahren zum Knacken des Codes benutzt wird. Aber er beschränkt sich nicht nur auf die Theorie sondern zeigt auch auf, dass die vertrauliche Übermittlung von Daten schon immer entscheidend für politische Entwicklungen war. Beste Beispiel hierfür ist die schottischen Königin Maria Stuart im 16.Jahrhundert, die zum Tode verurteilt wurde, weil verschlüsselte Informationen eines Komplott entschlüsselt werden konnten.

Im weiteren Verlauf des Buches begegnen wir u.a. Charles Babbage, der als einer der Urväter des Computers gilt, aber auch ein begnadete Codebrecher war, es wird ausführlich die Enigma, die Codiermaschine des 3.Reiches, vorgestellt und die Tricks und Kniffe, die polnische und englische Codebrecher benutzten um diese als „unknackbar“ geltende Maschine doch zu entschlüsseln. In einem Exkurs wird dann aufgezeigt, wie Hieroglyphen und altgriechische Schriften von Archäologen entziffert wurden. Dies ist zwar keine Verschlüsselung im eigentlichen Sinne, sondern eher das Wiedererlangen vergessenen Wissens. Aber die Techniken, die dabei angewandt werden, sind die gleichen wie beim Codebrechen.

In den letzten Kapiteln beschäftigt sich Simon Singh schließlich mit den Errungenschafen der Kryptographie in den letzen 30 Jahren, die zur Grundlage der gesicherten Kommunikation im Internet- und Computerzeitalter wurden. Viele Begriffe wie RSA, DES, PGP oder PKI, die einem doch immer wieder begegnen, wenn man sich mit Sicherheit beschäftigt, werden in ihrer Historie und Bedeutung vorgestellt. Und schließlich gibt es auch noch einen Ausblick auf die mögliche Zukunft, z.B. mit Quantencomputern zur Verschlüsselung.

Abgerundet wird das Buch von einigen Anhängen, in denen teilweise tiefer als im eigentlichen Text z.B. auf die Mathematik hinter RSA eingegangen wird, einem Glossar und einer hervorragenden Liste von weiterführender Lektüre, jeweils den einzelnen Kapiteln des Buches zugeordnet.

Wie man schon an der Zusammenfassung unschwer erkennen kann, hat mich dieses Buch absolut fasziniert. Trotz des sehr mathematisch vorbelasteten Themas gelingt es Singh auch schwierige Zusammenhänge allgemeinverständlich darzustellen. Alle Verschlüsslungsverfahren werden immer an einfachen Beispielen dargestellt, es gibt dazu immer Skizzen, Muster und Abläufe. Und immer wieder wird der Text durch Informationen zum Kontext und Anekdoten aufgelockert. Es werden nicht nur Verfahren vorgestellt, sondern auch die Menschen, die dahinter steckten.

Ich bin der Meinung, dass man an diesem Buch auch seine Freude haben kann, wenn man nicht unbedingt mit der Mathematik auf gutem Fuß steht. Ich selbst hatte zwar mal Mathe-Leistungskurs, aber das ist mehr als 15 Jahre her. Und ich hatte keinerlei Probleme, den Verfahren zu folgen. (Die einzige Stelle, bei der dies eventuell etwas schwieriger werden könnte, ist der Ausblick am Ende des Buches. Quantenphysik ist nicht unbedingt etwas, was man beim ersten Lesen sofort als logisch ansieht. Aber auch hier ist der Autor um eine anschauliche Darstellung bemüht).

Dies Begabung, eigentlich trockenen wissenschaftliche Themen wie die Kryptographie oder einen einzigen mathematischen Satz in seinem vorigen Buch so spannend und verständlich darstellen kann, mag daran liegen, dass der 1964 in England geborenen Autor die Thematik von zwei Seiten kennt. Er ist studierter Physiker und hat danach jahrelang für die BBC Wissenschaftssendungen journalistisch betreut. Wer den hohen Standard und die Qualität des BBC-Wissenschaftssendungen einmal selbst gesehen hat, ahnt, wo er dieses Fähigkeit der Wissensvermittlung gelernt hat.

Noch ein Hinweis, bevor ich zum Abschluss komme: Ich habe nicht die gebundene Ausgabe des Buches, sonder die Ende 2001 bei dtv erschienen Taschenbuch-Ausgabe gelesen. Wobei man bei einer Größe von 21 x 14 cm und einem Preis von 24,50 DM oder jetzt 12, 50 Euro doch etwas stutzt bei dem Begriff Taschenbuch.


Ich kann dieses Buch nur jedem wärmstens ans Herz legen, der eine spannend, vergnüglichen und trotzdem fundierten Überblick über die Thematik der Kryptographie erlangen will.