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Erfahrungsbericht von Destany

WANN WERDEN WIR ETWAS GELERNT HABEN?

Pro:

s.B.

Kontra:

die heute noch MARSCHIERENDEN...

Empfehlung:

Nein

“Jugend ohne Gott” - ein kleines Taschenbuch.

ISBN: 3-518-38874-6

Herausgegeben vom Suhrkamp Taschenbuch - Verlag, 148 Seiten.

“Alles Denken ist ihnen verhasst. Sie pfeifen auf den Menschen! Sie wollen Maschinen sein, Schrauben, Räder, Kolben, Riemen - doch noch lieber als Maschinen wären sie Munition: Bomben, Schrappnells, Granaten. Wie gerne würden sie krepieren auf irgendeinem Feld! Der Name auf einem Kriegerdenkmal ist der Traum ihrer Pubertät.”

Diese Worte finde ich auf der Rückseite des Buches und nichts trifft besser die gelehrte vermeintlich richtige Ideologie der Hitlerjugend. Sie konnten es nicht besser wissen...in ihrer Entwicklung gestoppt und verändert.

Kurze Inhaltsbeschreibung

Der Erzähler des Romans schreibt in der Ich - Erzählweise. Er arbeitet als Lehrer an einem Gymnasium inmitten des zweiten Weltkrieges. Seine Schulklasse besteht aus vielen noch fairen gläubigen Kindern. Doch Propaganda ist unaufhaltsam und findet schnell ihre Ziele. Eine Klassenarbeit verdeutlich dies, da ein Schüler - nämlich N - schreibt “Neger sind hinterlistig, feige und faul.” Ein Radiospruch. Kurzum folgt eine kleine Diskussion, auch mit dem Vater - später dem Direktor, der jedoch lieber dem “Straussyndrom” erliegt und letztendlich fast der Rausschmiss des Lehrers.
Die Klasse fährt nach der Einführung von Pflichtcamps in die Schulen mit den Jungs in ein Lager zur vormilitärischen Ausbildung. Die Kinder sind 14 Jahre alt.
Unter ihnen selbst gibt es Streit, jedoch insbesondere zwischen N und Z, da N kurz vor Beendigung des Zeltlagers tot aufgefunden wird. Z wird verdächtigt, da N laut seiner Aussage sein Tagebuch las, welches für ihn eine Art Einbruch in sein Herz ist.
Während der Ausbildung lernt der Lehrer den Pfarrer des Ortes kennen und wird Dinge gelehrt, die eher nicht seinem Glauben entsprechen. Vieles ändert sich.
Auch ein Mädchen spielt während dieser Tage eine sehr bedeutende Rolle - gestrauchelt und vergessen lebt sie in einer Höhle und hält sich mit Diebstählen am Leben. Auch sie - Eva - kannte Z und begann mit ihm eine kleine Liason, die Z völlig überbewertete.
Z wird des Mordes angeklagt. Im Zeugenstand gesteht der Lehrer, dass nicht N das Tagebuch las, sondern er selbst. Eva stellt sich sofort mit ihrer folgenden Aussage auf Seiten des Lehrers und spricht von einer noch ganz anderen Person, die sie zur Mordzeit sah. Doch wer dies ist...solltet Ihr selbst herausfinden.


Die Wandlung des Lehrers


Dieser ist anfangs recht gläubig, doch je mehr er in die Tiefen des Krieges gerissen wird umso weniger mag er verstehen. Gespräche mit dem Pfarrer sowie einem “Penner” - Julius Caesar - genannt, helfen ihm die reale Welt zu erkennen, die ihn zusehens verwirrt. Sein Gerechtigkeitssinn ist sehr stark ausgeprägt, so versucht er, der später angeklagten Eva zu helfen und den wahren Mörder zu entlarven, was ihm auch gelingt. Dessen Beweggründe, oder auch Motiv ist mindestens genauso erschreckend wie für mich unerklärbar.
Am Ende des Romans verlässt er Deutschland und geht nach Afrika - zu den Negern eben.


Einige wichtige Textstellen möchte ich besonders hervorheben:

“Woraus die Dinge entstanden sind, darein müssen sie auch wieder vergehen nach dem Schicksal, denn sie müssen Busse und Strafe zahlen für die Schuld ihres Daseins nach der Ordnung der Zeit.” (Gespräch Lehrer - Pfarrer)

“Wir müssen von der Jugend alles fernhalten, was nur in irgendeiner Weise ihre zukünftigen militärischen Fähigkeiten beeinträchtigen könnte - das heißt: wir müssen sie moralisch zum Krieg erziehen. Punkt!” (Gespräch Direktor - Lehrer)

“...sie müssen ja nur abschreiben, was das Radio zusammenblödelt, und schon bekommen sie die besten Noten. Aber es gibt auch noch einzelne, Gott sei Dank.”
(Gespräch Julius Caesar - Lehrer)


Fazit


Ich empfehle dieses Buch in jedem Falle weiter. Die sehr leichte Manipulation der Menschen wird sehr gut dargestellt und was ist einfacher zu manipulieren als Kinder?
Kinder, die eines Tages ihr Leben auf einem Schlachtfeld verlieren und inmitten von blutgetränkter Erde ersticken - doppelt sterben. Kinder, die nie zu leben begannen.
Auch Erwachsene wurden beeinflusst, je dümmer sie waren, umso besser. Der Lehrer, der “Penner” und auch der Pfarrer - dies sind die Denker...zu wenige leider.
Und noch heute sehe ich Kinder mit DEM GRUSS die Strassen entlangmaschieren - was haben wir daraus gelernt?

Kosten dürfte das Buch etwa 6 Euro - ich habe es nicht gekauft.


Eure Desty

55 Bewertungen, 4 Kommentare

  • skloiber13

    11.08.2004, 01:02 Uhr von skloiber13
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse Bericht ich glaube zu dir muss ich öfters mal hineinschauen!!! Gefällt mir! Guter aufbau & Inhalt. Mach weiter so! PS: Seit neustem bin ich auch wieder unter EUCH mit Berichten, die DICH sicherlich auch ansprechen ;-) mfg skloiber13

  • LoMei

    29.04.2002, 20:39 Uhr von LoMei
    Bewertung: sehr hilfreich

    Und heute? Bewegründe und die Einflußnahmen haben sich geändert. Wie geht es weiter? Gruß, LoMei.

  • guardien

    29.04.2002, 13:56 Uhr von guardien
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich will was schreiben, weis aber nicht was... bis bald.

  • Volker111

    07.04.2002, 22:33 Uhr von Volker111
    Bewertung: sehr hilfreich

    Alle sind manipulierbar! Es hat mich oft erschreckt, wie leicht selbst Akademiker einer Massensuggestion verfallen, von anderen Personen gar nicht zu reden!