Mehr zum Thema OVB Testbericht

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Erfahrungsbericht von babsi_k

Organisierte Verbrecher Bande...

Pro:

-

Kontra:

so viel, dass es im Bericht steht!

Empfehlung:

Nein

wäre vielleicht ein treffenderer Name anstatt objektiver Vermögensberater...

Vorgeschichte
*************
Vor ein paar Monaten hab ich nach langer Zeit einen alten Klassenkameraden wiedergetroffen, der mir dann stolz erzählte, dass er sich selbstständig gemacht hat und nun ziemlich viel Geld verdient.
Wenig später hat er mich dann angerufen und gefragt, ob ich an einem Nebenjob interessiert bin. Ich würde 10 Stunden die Woche bei freier Zeiteinteilung arbeiten, indem ich Daten erfasse, auswerte und evtl. Kundengespräche führe und dabei bis zu 1000 € monatlich verdienen. Ok, da ich eh gerade auf Nebenjobsuche bin, dachte ich mir, dass ich mir das mal angucke.

Und dann...
*****
Gesagt, getan. Ich bin dann also mit ihm, einer Bekannten von ihm und einem Klassenkameraden nach Neuss gefahren, um an einem zweieinhalb stündigen Seminar teilzunehmen, wo mir angeblich etwas über meinen zukünftigen Nebenjob erzählt werden würde.
So wurden mein Klassenkamerad und ich in das Büro der Firma OVB in Neuss geführt. Von den Räumlichkeiten her machte das alles eigentlich einen seriösen Eindruck auf mich, aber der Hammer kam dann schliesslich in den zweieinhalb Stunden Seminar.
Mit etwa dreißig bis vierzig Leuten wurden wir in einen Schulungsraum gesetzt und bekamen erst einmal etwas vom Unternehmen erzählt.
OVB stehe für Organisation, Vertrieb und Beratung, existiert seit 1970, hat 18000 Mitarbeiter und einen Haufen zufriedene Kunden. OVBs Problem bestehe darin, dass sie einen rapide wachsenden Kundenstamm haben, aber nicht genügend Mitarbeiter.

Als erstes wurde den Teilnehmern Honig ums Maul geschmiert, indem schon mit den Worten begrüsst wurde \'Dass Sie hier alle an einem Samstagmorgen so früh erschienen sind, obwohl Sie doch so gut hätten ausschlafen können, zeigt mir, dass sie Nägeln mit Köpfen machen, engagiert sind.\'
Es wurde vorgeschwärmt, wieviel man doch als OVB-Mitarbeiter verdienen kann, wie man doch die Karriereleiter in Windeseile erklimmen kann.
Man müsse lediglich an einer 6-9 monatigen Schulung teilnehmen, die einmal die Woche für zwei Stunden stattfindet. Danach ist man OVB Finanzkaufmann (bzw. -frau, das lasse ich jetzt aber der Einfachheit halber weg).
Es wurde eine tolle Folie aufgelegt mit dem Titel: \'Der OVB Finanzkaufmann hat folgende Kenntnisse\':
- Bankfachmann
- Bausparkassenfachmann
- Versicherungsfachmann
- Investmentberater
- Goldberater
- Kapitalanlageberater
- Rentenberater
- Immobilienberater
- Hypothekenvermittler
- Immobilienfondsvermittler

Das schreit ja schon nach Utopie, wenn mans nur liest.
Anschliessend wurde den Anwesenden regelrecht eine Gehirnwäsche verpasst, wie toll die OVB doch sei und welche tollen Konzepte sie doch habe. Es wurden Fragen an die Anwesenden gestellt á la \'Würden Sie sich nicht auch eine Viertelstunde Zeit nehmen, damit sie von diesem einmaligen Angebot profitieren können ?\' oder \'Wenn es dieses und jenes zu dem und dem Zeitpunkt in ihrem Leben gegeben hätte, dann hätten sie sich doch auch dafür entschieden, oder ?!\'.
Der grösste Teil der Anwesenden stimmte natürlich immer zu, keine Frage, ob\'s da nicht einen Haken gibt.
Und den gibt\'s mit hundertprozentiger Garantie.
Ebenso wird mit Sprüchen gelockt \'Sie wollten doch auch schon immer ein eigenes Haus / einen Porsche /... haben. Mit uns kriegen sie das Geld dafür spielend zusammen\'. Die reinste Gehirnwäsche !Um bei OVB anfangen zu können, muss man lediglich seine Adresse angeben, zwei Passbilder, ein Führungszeugnis, eine Schufa-Auskunft und einen tabellarischen Lebenslauf. Nach Alter, Zeugnis oder sonstigem Bildungsstand wurde kein einziges Mal gefragt.

Mein ehemaliger Klassenkamerad war noch nicht einmal volljährig, als er angefangen hat als sogenannter \'Vermögensberater\' zu arbeiten, geschweige denn, dass er einen Schulabschluss hatte.
Würden Sie Leuten mit dieser \'Kompetenz\' derartig wichtige Dinge wie ihre Rente in die Hände legen ???
Um das Gefühl von Seriosität bei den Kunden zu erzeugen, besteht eben der Dresscode - Männer müssen Hemd und Krawatte tragen. Da wird das Prinzip \'Kleider machen Leute\' geschickt angewendet, aber dass es sich um \'Nieten in Nadelstreifen\' handelt fällt halt nicht jedem Kunden auf. Ja, ja, so kann man auch gutgläubigen Omas Lebensversicherungen aufschwatzen...

Dieses Unternehmen erscheint mir auch sehr unseriös, da ich vorher noch nie etwas von ihm gehört habe. Wenn es doch wirklich besser und toller ist, als sämtliche Banken, Sparkassen, Versicherungen, etc., dann müsste es doch eigentlich viel bekannter sein. Die Bekannten, die ich heute so gesprochen habe, hatten den Namen OVB auch noch nie gehört.
Abgesehen davon, dass ein Top-Unternehmen es ganz bestimmt nicht nötig hat irgendwelche Leute von der Strasse einzustellen und nicht Leute, die eine vernünftige Ausbildung in diesem finanziellen Bereich haben.
Ein seriöses, erfolgreiches Unternehmen hat doch keinen Klinkenputzertrupp nötig.

Das beste ist ja noch, dass man die ganze Zeit keine Antworten auf seine Frangen bekommt. Ich bin ahnungslos reingegangen und ahnungslos wieder rausgekommen - wie mein angeblicher Nebenjob nun konkret aussehen soll, wurde mit keinem Wort erwähnt, Fragen diesbezüglich wurden entweder ignoriert, abgewiesen oder es wurde mit der Antwort \'das erfahren sie bald/ später/ morgen auf dem Meeting /..etc.\' reagiert.

Eine Dame im Raum, die diese Frage auch stellte, argumentierte, dass in der Annonce, die sie gelesen hatte, etwas von Verdienst im Bereich der Bürotätigkeit stand (was aufzufassen war wie Sekretärinnenstelle zu vergeben) und sie nun bitte wüsste, was jetzt mit dem Job sei, weil man ihr nun schon seit drei Tagen nichts genaueres sagt.
Ihr wurde dann gesagt, dass sie das noch früh genug erfahren würde und wenn es ihr nicht passen würde, dass sie es jetzt noch nicht weiss, solle sie doch gehen, sie wüsste ja, wo sich die Tür befindet. Gleich darauf lullte man sie ein, dass es eine einmalige Chance für sie sei, die sie sonst nirgendwo kriegen würde.
Und zack, sie war überzeugt und blieb.

Ich finde diese Zustände echt haarsträubend. Also ich werde keinen Fuss mehr über die Schwelle dieses Büros setzen, denn einen derartigen Nepp würde ich nciht mal für alles Geld der Welt unterstützen.
Wenn mein Bericht an manchen Stellen vor Ironie strotzt und streckenweise etwas zu emotional geraten ist, dann liegts daran, dass mich eine derartige Verarsche (sorry für den Ausdruck) so auf die Palme bringt.

Finger weg von der OVB,
in diesem Sinne, Eure Babsi

18 Bewertungen, 1 Kommentar

  • krawallbaer

    05.12.2008, 09:36 Uhr von krawallbaer
    Bewertung: besonders wertvoll

    Ein ausgezeichneter Bericht, welcher haargenau die Wirkungsweise der OVB wiederspiegelt. Auch eine sehr gute vertiefende Informationsquelle, für die nebenjobsuchenden Mitbürger.