Miami Nights Testbericht

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Erfahrungsbericht von DieEine

Sie werden neue Schuhe brauchen...

Pro:

Musicalathmosphäre, Band

Kontra:

schlechte Choreografie, Tänzer, Sänger, Eintrittspreise

Empfehlung:

Nein

...mit Riemchen und Strass. So hieß es auf den großen Werbeplakaten, die zum Start des Musicals \"Miami Nights\" in Düsseldorf überall hangen. Diese Werbung sprach mich irgendwie an, obwohl ich dachte, dass es sich bei dem Miami Nächten um ein Disco-Event handelte. Bald fand ich aber heraus, dass damit für den Nachfolger von Grease in dem Musical-Theater geworben wurde. Obwohl mich das alles neugierig machte, habe ich es erst am Donnerstag, kurz vor Ende der Spielzeit von \"Miami Nights\" in eine Vorstellung geschafft.

Ich hatte einen Gutschein zum Geburtstag bekommen, habe dank meines Studentenausweises 30 Prozent Ermäßigung bekommen. Meine Freundin, die nicht studiert hat für die Preiskategorie 2 stolze 47 Euro bezahlt. Das Capitoltheater auf der Erkrather Straße in Düsseldorf, in der nähe des Hauptbahnhofes ist normalerweise in 4 Preiskategorien aufgeteilt. Allerdings waren davon am Donnerstag nur drei zu sehen, denn die PK 4, befindet sich normalerweise im oberen Teil des Theaters, der diesmal mit einem Vorhang verhangen war. Die Preise sind natürlich nicht nur in einzelne Preiskategorien nach Sitzplätzen, sondern auch nach Tagen geordnet. So kostet es Dienstags, Mittwochs und Donnerstags um 20 Uhr, sowie Sonntags um 14 und um 18.30 Uhr in der \"PK 1\" 55 Euro, in \"PK 2\" 45 Euro, in \"PK 3\" 35 Euro und in \"PK 4\" 25 Euro pro Karte.
Freitags um 20 und Samstags um 15 Uhr kosten die Karten 65, 55, 45 und 35 Euro, Samstags um 20 Uhr wird es dann ganz teuer mit 75, 65, 55 und 45 Euro pro Ticket.
Wer mit dem Auto anreist muss nochmal 3 Euro Parkgebühr dazurechnen, aber dafür kann man auf dem überwachten Capitol-Parkplatz sehr gut parken.

Die Preise sind in meinem Augen zwar ganz schön happig, aber man gönnt sich ja sonst nichts und mich hat schon gewundert, dass es am Donnerstag gut voll war.

Bevor \"Miami Nights\" pünktlich um 20 Uhr startete, haben wir uns an einer der Bars noch etwas getrunken. Die Preise sind mit 2,50 Euro für eine Cola oder einen Milchkaffee ganz normal und nicht weiter erwähnenswert. Im Foyer bekommt man aber nicht nur was zu essen, sondern kann auch kleine Snacks, wie Laugenbrezeln, zu sich nehmen. Außerdem befindet sich dort auch der Merchandising-Stand, der einem vom T-Shirt, über Cocktailrührer alles verkauft, was das Herz begehrt. Zu total überzogenen Preisen versteht sich.

Nachdem es um kurz vor 20 Uhr zum zweiten mal geläutet hat, sind wir ins Theater gegangen und haben unsere Plätze eingenommen. Die Sitze sind zwar sehr bequem, aber man geht echt auf Tuchfühlung mit seinem Nachbarn, so eng ist alles gebaut. Auch konnte ich meine doch kurzen Beine nicht übereinanderschlagen, da kurz vor meinem Knie schon die nächste Reihe anfing. Außerdem liegen die Sitze sehr tief, so dass ich nichts hätte sehen können, wenn vor mir ein etwas größerer Mensch gesessen hätte. Das hätte ich nicht so prickelnd gefunden, aber zum Glück saß vor mir eine kleinere Dame.

20 Uhr: die Show beginnt mit dem Orchester (oder der Band, wie man möchte) und die Musik ist laut, fetzig und erzeugt bei mir eine richtige Gänsehaut. Dann geht der Vorhang hoch und man sieht die Tänzer in ihren glitzernden Kostümen, wie sie tanzen und auf der Bühne herumwirbeln.

Die Geschichte fängt direkt in dieser ersten Minute auch schon an. Es geht um das berühmte Tanzturnier \"Miami Nights\", dessen Siegerpaar 10.000 Dollar und natürlich Ruhm für die Tanzschule winken.
Jimmy Miller ist einer der Tänzer, der mit seiner Partnerin Jessica Diamond zu den Favoriten gehört. Jimmy findet allerdings heraus, dass Jessica den Tanzschuh einer Konkurrentin manipuliert hat und sie somit aus dem Turnier beförderte, woraufhin er Jessica rausschmeißt. Diese schmeißt sich an Jimmys Rivalen Roy Fire ran, um mit ihm das Turnier zu tanzen und natürlich zu gewinnen.
Während Mr. Bob, Jimmys Trainer und Anwärter auf die Präsidentschaft des Vereins, und Jimmys Mutter Betty eine neue Tanzpartnerin für ihn suchen, trifft sich Jimmy heimlich mit der Popcornverkäuferin Laura, die ihn in die Geheimnisse des Salsa einweiht.
Mit ihr will er auch das Turnier tanzen, was seiner Mutter und dem Trainer natürlich gar nicht gefällt und auch Jessica will plötzlich wieder mit Jimmy tanzen und wendet so manchen weiblichen Tricks an, um ihn mit Laura auseinanderzubringen.
Ob es ein Happy End gibt, kann ich nicht sagen, denn die Show endet irgendwann abrupt und ohne erkannbares glückliches Ende. Allerdings ist davon auszugehen, dass alles gut wird, denn die Darsteller strahlen beim Schlußmedley.

Die Story ist original die Geschichte von \"Strictly Ballroom\", aber ich kann jetzt nicht sagen, ob der Film oder das Musical zuerst da waren, was letztendlich aber auch keine Rolle spielt, denn schließlich geht es hier um Musik, Tanz und Unterhaltung und nicht um eine tiefgehende Geschichte.

Aber gerade, weil es um Musik, Tanz und Unterhaltung geht, hat mich das Musical \"Miami Nights\" nicht vom Hocker gehauen.
Spaß hatte ich an der Musik, ja, aber das lag nur an der grandiosen Band und keinesfalls an dem Singsang der Darsteller, dem teilweise der Pep fehlte oder besser ausgedrückt, der nur teilweise Pep hatte. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Sänger der Band hinterhersingen und ich habe noch nie in meinem Leben eine so lahm dahingesungene Version von Whitney Houstons \"I wanna dance with Somebody\" gehört wie in diesem Stück. Da können selbst die Sänger im Phantasialand besser singen.
Bei den Liedern kam einfach nicht das richtige Gefühl rüber und ich fand sie wirklich fast alle viel zu langsam gesungen. Das hat man auch am Publikum gemerkt. Keiner hat mitgewippt, keiner geklatscht, keiner gesungen, nichts. Schade, denn die Stücke aus den 80er Jahren hätten dazu wirklich einladen sollen . Bei \"The Rythm is gonna get you\" oder \"Material Girl\" kann ich mich normalerweise nicht zurückhalten, aber bei \"Miami Nights\" sprang der Funke von der Bühne aufs Publikum einfach nicht über.

Enttäuscht war ich auch von der Choreografie, die ja von der Fachzeitschrift \"Musical\" bei der Leserwahl 2002 ausgezeichnet worden ist. Ich weiß nicht, welche Leser dieses Magazin lesen, aber von Tanz scheinen sie nichts zu verstehen.
Ich hab ja früher selbst ein bisschen getanzt und das, was mir am Donnerstag da auf der Bühne geboten wurde, hätte ich in zwei Wochen auch erlernen können. Die Tanzeinlagen waren einfach nicht atemberaubend oder so witzig, dass man über die einfachen Schritte hätte hinwegsehen können.
Die Choreografie wirkt auf mich viel zu gestellt, was durch die Tänzer, die einfach nicht synchron waren noch verstärkt wurde. Schöne Bilder gab es bei den Tänzen einfach nicht. Alles ist sehr einfach konstruiert. Kreisbilder, V-Formationen, ein bisschen Formationstanz - auch hier sprang nichts aufs Publikum über.
Das Ganze wirkte einfach ein bisschen müde und routinemäßig abgenudelt.

Was mich hingegen positiv überrascht hat, war das Bühnenbild, das ich sehr gut fand, denn es gab keins. Einzelne Elemente, wie Showtreppen, Umkleidekabinen, die Salsabar und die Schickimicki 80er Xanadu-Bar wurden einfach während des Tanzens reingeschoben. Das fand ich sehr gut gelöst und brachte ein bisschen Schwung in die Geschehnisse auf der Bühne. Auch die Idee mit der Drehbühne hat mir gefallen, denn die sorgte manchmal mit entsprechendem Licht für ein wenig Romantik.

Passend zum Bühnenbild waren dann auch die glitzernden Tanzkostüme sehr schön anzusehen.

Die Aufführung machte nach anderthalb Stunden eine kleine Pause und ging dann nochmal knapp eine Stunde, so dass man gegen die Länge des Musicals eigentlich nichts sagen kann.
Meiner Freundin, die mich begleitet hat, hat die Aufführung auch sehr gut gefallen, daran sieht man, dass es vielleicht auch eine Frage des Geschmacks oder der Einstellung ist.
Ich für meinen Teil kann nur einfach sagen, dass ich Abende im Musical mag, weil man sich sowas eben nicht jeden Tag gönnt und man einfach mal etwas anderes sieht, aber hätte ich den vollen Eintrittspreis bezahlt, hätte ich mich sehr geärgert, denn die Eintrittspreise sind einfach nicht gerechtfertigt. Die Musicalhäuser müssen sich einfach nicht wundern, wenn die Besucher ausbleiben, denn für knapp 50 Euro kann ich immerhin eine Woche leben oder mal volltanken.

Ich war von \"Miami Nights\" einfach enttäuscht, weil ich mir mehr davon versprochen hatte und die Aufführung einfach fetziger erwartet hätte, aus dem Thema und der Musik hätte man einfach mehr machen können. So richtig schlecht war es aber auch nicht, aber wer sich eben mit Tanz ein wenig auskennt und hört, wenn ein Sänger mal einen Ton nicht halten kann, für den muss ein Besuch bei \"Miami Nights\" einfach nicht sein.
Empfehlen möchte ich \"Miami Nights\" deshalb auch nicht, da ich denke, dass es weitaus bessere Musicals gibt, für die sich das Eintrittsgeld eher lohnt und man eine Salsa- oder 80er Jahre Party, bei der man selbst tanzen kann und mehr Spaß hat, schon für weniger Geld bekommt.

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