Nationalpark Harz Testbericht

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Erfahrungsbericht von AustroError

Die Grüne Lunge Sachsen-Anhalts...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Liebe Leserinnen, liebe Leser!


Wer schon einmal umgezogen ist weiss, wovon ich spreche: Auch wenn die Vorzüge des neuen Wohnsitzes (in meinem Fall war und ist das wieder Wien) unbestreitbar sind, gehen die Gefühle für die \"Ex-Heimat\" meistens nicht verloren. Im Gegenteil - mir war früher scheinbar nie so richtig bewusst, dass ich in einer der schönsten deutschen Landschaften zu Hause war - im Harz!

\"Im\" Harz ist eigentlich falsch, denn mein letzter Wohnort Mansfeld/Lutherstadt (ja - genauso heisst sie! Aus finanziellen Gründen wurde entschieden, den Beinamen Lutherstadt an das Ende des Stadtnamens zu verschieben...) liegt eigentlich am Harzrand. Wo ist der Harz nun geografisch anzusiedeln? Die Webseite www.harzinfo.de will uns glauben machen, dass er sich mitten im Herzen der Bundesrepublik befindet und mit Auto und Bahn gleichermaßen gut zu erreichen ist. Dabei ist der Harz das nördlichste Mittelgebirge Deutschlands und passt in ein gedachtes Dreieck zwischen Braunschweig, Göttingen und Halle/Saale (zumindest die erste Aussage der o.a. Webseite sollte man also mit einem Lächeln quittieren) Das Gros des Gebietes (auch Unterharz genannt) gehört zu Sachsen-Anhalt, das fehlende Drittel (der Oberharz) wird von Niedersachsen verwaltet. Er erstreckt sich auf ungefähr 100 km Länge und ca. 50 km Breite. Seine Hauptattraktionen sind der Brocken (Name des höchsten Berges, 1142 m hoch) bei Schierke, die Touristenhochburg Braunlage (Wurmberg-Schanze, Seilbahn, Eisstadion), das wunderbar restaurierte Wernigerode (bekannt aus der Werbung für Hasseröder Bier), Quedlinburg (Schloss, Altstadt), Thale (Bergtheater, Hexentanzplatz) und vieles andere mehr.

Die großen \"Metropolen\" befinden sich übrigens fast ausnahmslos am Harz. Dazu zählen neben dem erwähnten Wernigerode (Auto-KZ: WR) auch Goslar (GS), Osterode (OHA), Nordhausen (NDH), Sangerhausen (SGH), Lutherstadt Eisleben (ML = Mansfelder Land), Aschersleben (ASL), Quedlinburg (QLB) und Halberstadt (HS).

Kehren wir aber zurück zum Ausgangspunkt: Mansfeld/Lutherstadt (ca. 4000 Einwohner). Mansfeld wurde 973 erstmals urkundlich erwähnt und beeindruckt seine Besucher vor allem durch die weithin sichtbare Burg. Ihr Bau (um 1229) war eine der bedeutensten Leistungen der Baumeister Hans Schlegel und Ludwig Binder. Entscheidend für die Entwicklung der Stadt war allerdings der Kupfer- und Silberbergbau, die Verarbeitung dieser Mineralien bzw. der Handel damit. Im 15. Jahrhundert hat Mansfeld jährlich über 10 Tonnen (lt. Stadtführer 20.000 bis 30.000 Zentner) davon exportiert - zum Teil bis nach Venedig!!! Mansfeld war zu seiner Zeit das einzige Gebiet, das Kupfer in nennenswerten Mengen lieferte.

Der prominenteste Einwohner von Mansfeld war allerdings der Reformator und Bibelübersetzer Dr. Martin Luther (geboren und gestorben in der Lutherstadt Eisleben, aus dem Geschichtsunterricht bekannt durch die Verbreitung seiner 95 Thesen in der Lutherstadt Wittenberg). An ihn erinnern das (restaurierte) Wohnhaus der Familie und das Lutherdenkmal (Lutherbrunnen). Es existiert auch ein entsprechendes Museum. Leider sind Führungen dort und überhaupt eher sporadisch. Rundgänge und Besichtigungen anderer Sehenswürdigkeiten - z.B. der Stadtkirche St. Georg, dem oben erwähnten Schloss, der Wohnhäuser von Cyriacus Spangenberg (Heimatkundler) oder Franz-Wilhelm Junghuhn (Naturforscher) sind selbstverständlich auch alleine möglich. Wahrscheinlich ist das sowieso empfehlenswerter, denn für Nicht-Einheimische ist es unter Umständen recht schwierig, den Manfelder \"Slang\" zu verstehen (sächsisch vermischt mit reichlich unschönen Wörtern - einige Wiener werden meine Bemerkung verstehen... ). Es gibt natürlich auch \"Mansfäller\", die sich aufs Hochdeutsche verstehen und dürften inzwischen wohl sogar in der Mehrheit sein.

Etwaigen Hunger stillt man am besten im \"Neuen Ratskeller\" oder im \"Gasthaus zur Guten Quelle\" (der angeblich ältesten Gaststätte Deutschlands - seine Entstehung soll auf das Jahr 1431 zurückgehen), die sich ganz in der Nähe des Stadtzentrums befinden. Hier bekommt man Hausmannskost vom feinsten zu absolut fairen Preisen und ein leckeres Bierchen (0,25 Liter) schon für 1 Euro. Liebe Grüße hiermit an Reiner Kluczinski und Heinz Segiet :-) Die Stadtinformation Mansfeld, die Kirche St. Georg, die bereits angesprochenen Wohnhäuser bzw. Museen von Luther und Junghuhn sind nur einen Steinwurf von diesen beiden Gasthäusern entfernt. Für einen Aufstieg zum Schloss sollte man von hier aus jedoch mindestens 30 Minuten Fußweg einplanen. Es ist durchgehend geöffnet und an der \"Kasse des Vertrauens\" am Eingang sollte man den winzigen Obolus entrichten, auch wenn es nicht sooo viel zu sehen gibt. Zumindest hat man bei guter Sicht einen fantastischen Blick über Mansfeld und angrenzende Ortschaften...

Von Mansfeld aus erreicht man über die B242 (auch Harzhochstraße und Clausstraße genannt) in wenigen Minuten das \"Innere\" vom Harz - eigentlich ist man bereits beim Verlassen der Stadt sofort im Grünen. Leider ist diese Strecke für eine Vielzahl von Unfällen berühmt-berüchtigt, die aber zu über 90% durch Einheimische verursacht werden. Grund: Die Fahrbahn ist zwar modernisiert, durch eine Vielzahl von Kurven, Steigungen und Abhängen jedoch sehr schwer einsehbar. Wer die Vorschriften beachtet, hat auf dieser Strecke allerdings nichts zu befürchten - Raser gibt es leider überall... :-(

Nächstgrößere Stadt - entlang der B242 - ist Harzgerorde (die sich selbst gerne als Hauptstadt des Unterharzes bezeichnet) und durchaus einen \"Abstecher\" wert ist: Schloss und Innenstadt finde ich persönlich sehenswert.

Kurz vor Siptenfelde befindet sich mitten im Wald eine Raststätte, die neben einem vorzüglichen Imbiss (z.B. Suppen aus der Gulaschlkanone) auch eine weitere Harzer Spezialität anbietet: Hirsch-Salami! Relativ teuer (100g ca. 2,50 Euro) aber sehr schmackhaft! Nach Aussagen des mir bekannten Revierförsters werden natürlich nur Überbestände gejagt - so, wie es gesetzlich festgelegt ist. Selbstverständlich kommt man - sofern man nicht Auto fährt - auch hier zu seinem \"Schierker Feuerstein\", einem Kräuterlikör, den man ganz einfach einmal gekostet haben muss...

In Güntersberge gibt es die Möglichkeit, nach Thale abzufahren (auch schon in Harzgerode möglich, aber nicht zu empfehlen). Hier laden im Sommer die sagenumworbene Rosstrappe, der Zoo, die Seilbahn und vor allem das Freilichttheater zu einem Besuch ein. Über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde Thale durch die jährlich am 30.4. stattfindende Walpurgis-Nacht-Feierlichkeiten, die für Menschen mit Platzangst allerdings absolut nicht geeignet sind. 30 bis 50.000 Besucher tummeln sich im wahrsten Sinne des Wortes auf einem Quadratkilometer...

Um diesen Bericht nicht ausufern zu lassen, will ich Städte Wernigerode, Braunlage, Bad Lauterberg, Bad Harzburg, Bad Sachsa, St. Andreasberg und Clausthal-Zellerfeld nur noch als sehr lohnende Ausflugsziele erwähnen (bis auf Wernigerode alles Gebiete im Oberharz, also zu Niedersachsen gehörend). Die Möglichkeiten für Eltern und Kinder sind hier eher noch größer als bisher beschrieben, da die Infrastruktur im Westteil des Harzes selbstverständlich wesentlich besser ausgebaut ist (was ich nicht unbedingt immer als Vorteil ansehe).

Auf Anregung einiger Freunde möchte ich noch die "Harzquerbahn" erwähnen, die mit einer guten alten Dampflok sogar den Brocken erklimmt. Zusteigemöglichkeiten gibt es z.B. in Wernigerode, Drei Annen Hohne und Schierke. Die Preise sind allerdings gepfeffert, Erwachsene sollten mit knapp 30 Euro für Hin- und Rückfahrt rechnen (vor 3 Jahren lag der Preis bereits bei über 50 Mark). Ich habe keine sehr guten Erinnerungen an diese Tour, da ich mit Frau und Kind an einem Feiertag in den total überfüllten Zug einsteigen musste und mit dem Kopf irgendwie im \"Freien\" hing. Das Ergebnis waren grau-schwarze Haare, hervorgerufen durch die \"Abgase\" der Lokomotive. Natürlich wird ein Großteil der Einnahmen für die Erhaltung des Landschaftsschutzgebietes Harz verwendet.

Viel Spaß im Harz!

Anreisemöglichkeiten Unterharz (Pkw):

von Magdeburg (Norden) über die B180/B81 in Richtung Aschersleben
von Erfurt (Süden) über die B85/B86 in Richtung Sangerhausen
von Göttingen (Westen) über die B27/B446 in Richtung Nordhausen
von Halle/Saale (Osten) über die B80/B180 in Richtung Harzgerode


Liebe Grüße

Steffen

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