Neapel Testbericht
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Erfahrungsbericht von Charley
Wenn Engel reisen
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Als Odysseus auf seinen Irrfahrten in die Höhle des einäugigen Zyklopen kam, hat dieser den Ausgang versperrt und Odysseus mit seinen Gefährten gefangen, um sie einen nach dem anderen zu verspeisen. Nachdem er schon sechs von ihnen gefressen hatte sagte er zu Odysseus, dass er sich ihn als besonderen Leckerbissen bis zum Schluss aufbewahren wolle. Da machte der den Stab des Riesen an einem Ende glühend und blendete damit den Zyklopen. Da jedoch alle in der Höhle gefangen waren und der Riese nur jeden Tag seine Schafe im Freien grasen ließ, banden sich Odysseus und seine Gesellen unter die Bäuche der Schafe und so konnte der blinde Riese, der den Schafen immer beim verlassen der Höhle über den Rücken strich, die Flucht nicht sofort bemerken. Odysseus begab sich an Bord seines Schiffes und verließ eiligst den Ort des Grauens. Der Zyklop bemerkte jedoch seine Flucht und packte riesige Gesteinsbrocken und warf sie dem Schiff hinterher, ohne aber zu treffen.
Diese Brocken liegen noch heute vor der Küste am Fuße des Vesuv und bilden die Inseln im Golf von Neapel. Die größten heißen Ischia, Capri und Procida.
Auf Ischia habe ich vor einigen Wochen meinen Urlaub verbracht. Diese Insel ist wie auch die anderen vulkanischen Ursprungs und ragt daher steil und weit aus dem Meer auf. Die höchste Erhebung ist der Monte Epomeo mit einer Höhe von 788 m. Mit dem Auto dauert eine Fahrt rund um die Insel etwa 90 Minuten, dabei kommt man durch die Orte Ischia Porte, Casamicciola, Lacco Ameno, Forio, Serrara Fontana und Barano und ist dann wieder zurück in Ischia Porte. Die Straße verläuft teilweise auf Meereshöhe, klettert dann aber auch auf Höhen von etwa 500 Metern. Bekannt unter den Ferienorten ist durch einen deutschen Schlager Sant’ Angelo geworden. Der hier besungene weiße Strand ist aber eher graubraun und mit den Zuckersandstränden an den deutschen Küsten nicht zu vergleichen.
Mein Urlaubsort war Forio. Eine hübsche kleine Stadt mit einem Hafen, mehreren Stränden und vielen Hotels. Eben ein typischer Touristen- oder auch Kurort. Auf der Insel gibt es jede Menge Thermalquellen und heilsame Schlämme weshalb hier sehr viele Gäste zur Kur herfahren. Beinahe jedes Hotel verfügt über ein Thermalbad, oft eines im Freien und eins im Inneren. Die Wassertemperaturen liegen etwa zwischen 32° und 35° C. Man kann also stundenlang im Wasser liegen und sich von den meist vorhandenen Düsenstrahlen massieren lassen.
Nun zu meinem Hotel. Es heißt Santa Lucia und liegt direkt am Meer, etwa 10 Minuten Fußweg vom Stadtkern entfernt. Leider gibt es keinen Badestrand unmittelbar am Hotel, da muss man schon etwa eine halbe Stunde auf der Küstenstraße laufen. Viele Zimmer des Hotels haben einen wunderschönen Ausblick auf das Meer. Aber es gibt einen Haken. Als Singlereisender möchte ich natürlich nicht mit einem Unbekannten in einem Doppelzimmer übernachten. Also noch einmal tief in die Tasche greifen und ein Einzelzimmer bestellen. Hier beginnt die Strafe. Die Einzelzimmer sind so angeordnet, dass sie sich entweder im Untergeschoss oder mit Blick auf den sehr engen und von hohen Betonmauern umgebenen Hof befinden. Manche waren so klein, dass man sich darin kaum bewegen konnte. Immer nach dem Motto: du bist doch hier um die Landschaft zu genießen, das Zimmer brauchst du eh nur zum schlafen. Warum muss ich dann aber diesen Aufschlag bezahlen? Zwei Personen passen da ja doch nicht rein.
Trotzdem kann ich das Hotel weiter empfehlen. Die Belegschaft ist außerordentlich freundlich und um jeden Gast bemüht, ihm alle Wünsche zu erfüllen. Auch die Sauberkeit ist hervor zu heben und das Essen schmeckte ausgezeichnet. Da kann ich aber nur für mich sprechen denn da sind die Geschmäcker doch sehr verschieden.
Auffällig war, dass sehr viele alleinstehende Frauen hier zu Gast waren. Übrigens bis auf eine tschechische Reisegruppe kamen fast alle Gäste aus Deutschland. Die Damen (alleinstehenden) waren sehr kontaktfreudig, ich weiß allerdings nicht ob es daran lag, dass ich als männliches Wesen ebenfalls alleinstehend war. Wir hatten jedenfalls nach dem Abendessen öfter viel Spaß miteinander. Besonders wenn wir noch bei Peppe auf ein viertel Wein, es können auch mehrere gewesen sein, eingekehrt sind.
Tagsüber ist jeder seiner eigenen Wege gegangen. Schade dass ich meine Tauchausrüstung vergeblich mitgeschleppt habe. Es gibt dort zwar mehrere Tauchbasen und die Tauchgründe rund um die Insel sind offenbar sehr interessant, aber mir ist es nicht gelungen, jemand dort anzutreffen. Ich fand die Örtlichkeiten immer nur verschlossen vor und ohne jeden Hinweis, wann dort mal jemand anwesend sei. So habe ich dann die Insel nur an Land erkundet. Es gibt dort noch eine Menge historischer Bauten und Anlagen. So zum Beispiel ein altes Aquadukt, also eine Wasserleitung, wie sie im Römerreich gebaut wurden, um das Trinkwasser aus den Bergen in die Ortschaften zu leiten. Außerdem gibt es eine alte klösterliche Festungsanlage, die auf einem Felsen unmittelbar neben der Insel Ischia errichtet wurde. Heute ist dort ein Museum untergebracht.
Ich habe auch einen Tagesausflug zum Vesuv und nach Pompeï unternommen, darüber will ich aber gesondert berichten.
Viele Orte der Insel scheinen direkt am Felsen zu kleben, die unmittelbar von der Küste steil aufragen. Daher wird jeder Spaziergang auf der Insel zum Fitnesstraining. Wenn bloß nicht das Bier so teuer wäre. Den Gipfel habe ich in einer wunderschönen Gaststätte, dem Orangengarten in Ischia(Ort), erlebt, dort kostete das Glas 0,4 Liter 4,15 €. Da sich kein Einheimischer so etwas leisten kann, wird Bier wohl nur von den Touries getrunken. Selbst im Supermarkt kann man sich eine Büchse Bier nur mit Tränen in den Augen kaufen. Dafür ist der Wein aber sehr preiswert. Für eine Flasche mit ein und einhalb Liter Rotwein musste man nur knapp 4,- € löhnen. Pech für alle Biertrinker. Wie komme ich nur von Fitness auf Bier? Ach ja, aus Kostengründen musste ich mich eben stark zurückhalten und das kam meiner Fitness zu Gute.
Eins ist noch zu erwähnen. Früher gab es auf der Insel viele wilde Kaninchen. Da die Bauern nicht gerade mit Reichtum gesegnet waren, wurde Kaninchenbraten zu einer Art Hausgericht. Dazu haben die Einheimischen eine Soße kreiert, die einen vorzüglichen Geschmack hat und nur hier auf Ischia zubereitet wird. Ich kann nur jedem empfehlen, einmal dieses spezielle Inselgericht zu probieren, wenn er auf Ischia Urlaub macht. Die Gewürze zu dieser Soße gibt es hier auch fertig abgemischt zu kaufen aber ich glaube, den Geschmack bekommt man doch nicht so hin wie es sein muss. Nicht einmal Küchenexperten wie Campino traue ich das zu, obwohl ich vor ihren Rezepten den Hut ziehe. Heute werden allerdings nicht mehr wilde Kaninchen sondern Stallhasen verwendet.
Dann abschließend noch ein Wort zur Verpackung. Ich sehe schon Eure zweifelnden Mienen, natürlich ist das Wetter gemeint, was ja einen entscheidenden Einfluss auf das Gesamturteil hat. Eigentlich ist für den Golf von Neapel das Wetter im September/Oktober eine sichere Bank. Aber wie überall auf der Welt hat es auch in dieser Region im Jahr 2002 verrückt gespielt. So gab es heftige Gewitter begleitet von Stürmen und starken Regenfällen, die einem schon mal den Urlaub vermiesen können. Zwischen zwei Schlechtwettergebieten, in denen das erste im Hotel sogar eine Scheibe eingedrückt hat, lag eine Woche mit angenehmen Temperaturen um 23° C und ohne Regen bei Windstille. Das war die Woche, in der ein Engel Urlaub hatte, also ich.
So, nun zerreißt mich nicht gleich und macht auch lieber mal Urlaub auf Ischia,
Euer Charley.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-02 14:57:08 mit dem Titel Von Ischia zum Vesuv
Wenn man eine Reise unternimmt, so sollte man auch immer ein wenig für seine Bildung tun. Wenn ich schon mal auf einer Insel im Golf von Neapel Urlaub mache, dann liegt es nahe, einen Ausflug zum Vesuv und nach Pompeï zu machen.
Die erste Fähre von Ischia nach Neapel geht um 6:40 Uhr. Also um 5:45 Uhr holt mich der Sammelbus vom Hotel ab. Das heißt: aufstehen um 5:00. Frühstück um 5:30 und dann kann es losgehen. Was macht man aber, wenn man zu so früher Stunde, also mitten in der Nacht gar nichts essen kann? Zu Hause gibt es bei mir nie etwas vor 12 Uhr zu essen. Also etwas trinken, ein Glas Obstsaft und einen Pott Kaffee und ein kleines Brötchen mit Butter runterwürgen, man gönnt sich ja sonst nichts.
Im Bus ist schon ein Fahrgast und wir touren über die halbe Insel, um noch 5 weitere Teilnehmer aufzusammeln. Dann geht’s zum Hafen. Vor der Fähre steht ein großer Reisebus, darin werden wir den Ausflug unternehmen. Also alles umsteigen, der Bus ist schon zur Hälfte besetzt und nach uns kommen noch weitere Teilnehmer, sodass der Bus am Ende voll ist. Jetzt kommt der Fachmann, der uns den ganzen Tag begleiten wird. Er spricht zunächst italienisch...?! Ja es sind nicht nur deutsche Touristen sondern viele Italiener, die auch die Sehenswürdigkeiten ihres Landes kennen lernen möchten. Also – jeder erhält erst einmal einen Fahrschein für die Fähre, dann müssen alle wieder den Bus verlassen und das Schiff erstürmen.
Während im Bauch des Schiffes der Bus sein einsames Dasein fristet, können wir für etwa 90 Minuten den Blick über das Meer und einen wunderschönen Sonnenaufgang über Neapel genießen. Im Hafen angelangt, versucht jeder einen guten Platz im Bus zu ergattern. So was gelingt mir nur sehr mäßig, da ich nicht der Typ bin, der sich durch drängeln in den Vordergrund schieben kann. Trotzdem erwische ich einen Fensterplatz, allerdings ziemlich weit hinten. Als dann fast alle Plätze besetzt sind, fragt mit eine Dame mittleren Alters in unverkennbarem österreichischem Dialekt: „sind Sie frei?“. Ich deute auf den Platz neben mir und nicke, nach kurzer Pause füge ich dann hinzu: „im übrigen bin ich auch frei“. Sie lacht und sagt: „ich auch“. So haben wir fürs erste Gesprächsstoff und sind uns dann den ganzen Tag immer wieder begegnet, wenn wir zu Fuß unterwegs waren. Damit ist aber die Geschichte mit der Österreicherin bereits zu Ende.
Erster Halt, wir haben Neapel noch nicht einmal verlassen, ist ein Museum. Eigentlich hätte ich an dieser Stelle das Wort Museum in Anführungszeichen setzen müssen, denn es handelt sich um Meeresschmuck und der wird dort auch hergestellt und verkauft. Ich war als Taucher, der die Schönheit der Unterwasserwelt aus eigener Anschauung kennt und stets bemüht ist, dort nichts zu beschädigen entsetzt, dass hier Muscheln, Schnecken und Korallen noch immer zu Schmuck verarbeitet werden. Noch schlimmer, dass es Leute gibt, die so etwas zu horrenden Preisen kaufen und sich um den Hals hängen. Vergessen wir das Ganze schnell und fahren wir weiter in Richtung Vesuv.
Der Bus windet sich die steile Straße in Richtung Gipfel den Berg hinauf. Unterwegs sehen wir noch den erkalteten Lavastrom, der beim letzten großen Ausbruch des Vulkans im Jahr 1944 den Berg hinab floss. Dann haben wir die Stelle erreicht, von der aus wir zu Fuß weiter gehen müssen. Es sind noch etwa 200 Höhenmeter auf einer Länge von 500 m zu überwinden. Dann habe ich den Kraterrand erreicht und darf nun 6,- € Eintritt bezahlen. Wofür? Aber dann werde ich mit einem wunderschönen Ausblick belohnt. Ist ja auch nötig bei der Kraxelei bis in 1281 m Höhe und den mindestens 10 kg zuviel, die ich mit mir rumschleppen muss.
Nach eingehender Besichtigung, vielen Fotos und einigen Minuten Videoaufzeichnung geht es zurück zum Bus und dann ab in Richtung Pompeï.
Ich weiß immer noch nicht, wie man diesen historischen Ort richtig schreibt, entweder so wie oben, Pompeji oder Pompei? Mein Computer hält die Schreibweise mit „j“ für richtig, ich bin mir aber da nicht sicher, deshalb bleibe ich bei meiner Schreibweise, die ähnelt am meisten der italienischen.
Kurz vor diesem Ziel werden wir noch zu einem Mittagessen an einer riesigen Gaststätte ausgekippt. Es sind schon mehrere Busse da und es kommen ständig neue. Darauf ist man hier aber eingerichtet. Das Menü kostet 11,- €, es schmeckt gut und Wein gibt es bis zum Abwinken und der ist im Preis enthalten. Allerdings war bis vor einem Jahr das Essen noch im Paketpreis von 80,- DM enthalten wie auch der Eintritt in der Ruinenstadt. Heute kostet das Paket 43,- € und das Essen sowie den Eintritt in Pompeï (10,- €, es sei denn, man ist älter als 65 Jahre) muss man drauf legen. So hat mich die ganze Fahrt einschließlich Vesuv 70,- € gekostet, zum Vergleich im Vorjahr ohne Vesuv 80,- DM.
Nun zur Ausgrabungsstätte
Bei seinem Ausbruch im Jahre 79 n. Chr., bei dem der gesamte Bergkegel weggesprengt wurde, hat sich die Landschaft rund um den Vulkan völlig verändert. Von dem ehemaligen Berg ist nur ein niedriger Rand stehen geblieben, aus dem sich dann im Laufe der nächsten Jahrhunderte durch viele weiter Eruptionen ein enuer Bergkegel gebildet hat – der heutige Vesuv. Durch den Ausbruch wurde Pompeï zunächst nicht direkt betroffen. Erst drei Tage nach dem verheerenden Ausbruch entwichen Schwefelsäuregase aus dem Berg, die in kurzer Zeit alles Leben auslöschten, das von ihnen erfasst wurde. Es ist äußerst bedauerlich, aber Gasmasken waren noch nicht erfunden, sodass die Bevölkerung rund um den Vulkan den tödlichen Gasen schutzlos ausgesetzt war. So starben auch die Bewohner von Pompeï in der Haltung und bei der Tätigkeit, in der sie von den Gasen überrascht wurden. Später, als die gewaltigen Aschemengen sich wieder absenkten, wurde die ganze Gegend mit einer mehr als drei Meter dicken Schicht bedeckt. Diese hat dann die Körper aller Lebewesen in der Haltung konserviert, die sie inne hatten. Man erkannte erst sehr spät, dass die gefundenen Hohlräume die genaue Abbildung der damals eingeschlossenen Körper ergaben. Daher ließen sich dann nach dieser Erkenntnis eine ganze Reihe Gestalten durch Gipsabgüsse rekonstruieren.
Erstaunlich ist die hohe Kunstfertigkeit der Handwerker zur damaligen Zeit. So hat man eine ganze Reihe von Mosaiken und Gemälden gefunden, die auf ein hohes künstlerisches Niveau hinweisen. Allerdings schien auch das Laster schon damals verbreitet zu sein. So fand man Räumlichkeiten, in denen Glücksspiele stattfanden und wer über größere Geldsummen verfügte, fand in den hinteren Zimmern dieser Häuser Damen, die sich der käuflichen Liebe hingaben. Habe ich das nicht eben schön beschrieben? Man hätte ja auch Puff dazu sagen können.
Begeistert haben mich besonders die technischen Anlagen, die man den Menschen in dieser Zeit nicht unbedingt zutrauen würde. So wurde das Regenwasser in jedem Haus in Zisternen aufgefangen, um es dann im Hause zum Kochen und Waschen zu verwenden. Auch hatte man schon Badehäuser, in denen Männlein und Weiblein, natürlich streng getrennt, sich der Reinigung durch Dampfbäder und Thermalbäder hingeben konnten. Diese getrennten Häuser hatten im Inneren einen gemeinsamen Garten, in dem man sich dann begegnete und vielleicht auch kennen lernte.
Alles in Allem war es ein sehr interessanter Ausflug in die Historie der Gegend rund um den Vesuv und für alle Teilnehmer ein bleibendes Erlebnis, glaube ich jedenfalls. Auf der Rückfahrt mit der Fähre trafen wir übrigens unseren Reiseführer wieder, der ebenfalls auf Ischia wohnte. Er erzählte uns noch viele interessante Details über die Inseln und empfahl uns wärmstens, der Insel Procida einen Besuch abzustatten. Dort ist noch nicht alles auf den Tourismus ausgerichtet und vieles noch in seinem ursprünglichen Zustand erhalten. Besonders die Bewohner leben dort noch in ihrer natürlichen Umgebung, das schlägt sich auch in den Preisen wieder, die noch nicht ins unermessliche gestiegen sind.
Nun hoffe ich, dass ihr einen kleinen Einblick über die Gegend erhalten habt und vielleicht habe ich die Neugierde geweckt, dort auch einmal Urlaub zu machen. Dazu wünsche ich euch viel Spaß.
Euer Charley
Diese Brocken liegen noch heute vor der Küste am Fuße des Vesuv und bilden die Inseln im Golf von Neapel. Die größten heißen Ischia, Capri und Procida.
Auf Ischia habe ich vor einigen Wochen meinen Urlaub verbracht. Diese Insel ist wie auch die anderen vulkanischen Ursprungs und ragt daher steil und weit aus dem Meer auf. Die höchste Erhebung ist der Monte Epomeo mit einer Höhe von 788 m. Mit dem Auto dauert eine Fahrt rund um die Insel etwa 90 Minuten, dabei kommt man durch die Orte Ischia Porte, Casamicciola, Lacco Ameno, Forio, Serrara Fontana und Barano und ist dann wieder zurück in Ischia Porte. Die Straße verläuft teilweise auf Meereshöhe, klettert dann aber auch auf Höhen von etwa 500 Metern. Bekannt unter den Ferienorten ist durch einen deutschen Schlager Sant’ Angelo geworden. Der hier besungene weiße Strand ist aber eher graubraun und mit den Zuckersandstränden an den deutschen Küsten nicht zu vergleichen.
Mein Urlaubsort war Forio. Eine hübsche kleine Stadt mit einem Hafen, mehreren Stränden und vielen Hotels. Eben ein typischer Touristen- oder auch Kurort. Auf der Insel gibt es jede Menge Thermalquellen und heilsame Schlämme weshalb hier sehr viele Gäste zur Kur herfahren. Beinahe jedes Hotel verfügt über ein Thermalbad, oft eines im Freien und eins im Inneren. Die Wassertemperaturen liegen etwa zwischen 32° und 35° C. Man kann also stundenlang im Wasser liegen und sich von den meist vorhandenen Düsenstrahlen massieren lassen.
Nun zu meinem Hotel. Es heißt Santa Lucia und liegt direkt am Meer, etwa 10 Minuten Fußweg vom Stadtkern entfernt. Leider gibt es keinen Badestrand unmittelbar am Hotel, da muss man schon etwa eine halbe Stunde auf der Küstenstraße laufen. Viele Zimmer des Hotels haben einen wunderschönen Ausblick auf das Meer. Aber es gibt einen Haken. Als Singlereisender möchte ich natürlich nicht mit einem Unbekannten in einem Doppelzimmer übernachten. Also noch einmal tief in die Tasche greifen und ein Einzelzimmer bestellen. Hier beginnt die Strafe. Die Einzelzimmer sind so angeordnet, dass sie sich entweder im Untergeschoss oder mit Blick auf den sehr engen und von hohen Betonmauern umgebenen Hof befinden. Manche waren so klein, dass man sich darin kaum bewegen konnte. Immer nach dem Motto: du bist doch hier um die Landschaft zu genießen, das Zimmer brauchst du eh nur zum schlafen. Warum muss ich dann aber diesen Aufschlag bezahlen? Zwei Personen passen da ja doch nicht rein.
Trotzdem kann ich das Hotel weiter empfehlen. Die Belegschaft ist außerordentlich freundlich und um jeden Gast bemüht, ihm alle Wünsche zu erfüllen. Auch die Sauberkeit ist hervor zu heben und das Essen schmeckte ausgezeichnet. Da kann ich aber nur für mich sprechen denn da sind die Geschmäcker doch sehr verschieden.
Auffällig war, dass sehr viele alleinstehende Frauen hier zu Gast waren. Übrigens bis auf eine tschechische Reisegruppe kamen fast alle Gäste aus Deutschland. Die Damen (alleinstehenden) waren sehr kontaktfreudig, ich weiß allerdings nicht ob es daran lag, dass ich als männliches Wesen ebenfalls alleinstehend war. Wir hatten jedenfalls nach dem Abendessen öfter viel Spaß miteinander. Besonders wenn wir noch bei Peppe auf ein viertel Wein, es können auch mehrere gewesen sein, eingekehrt sind.
Tagsüber ist jeder seiner eigenen Wege gegangen. Schade dass ich meine Tauchausrüstung vergeblich mitgeschleppt habe. Es gibt dort zwar mehrere Tauchbasen und die Tauchgründe rund um die Insel sind offenbar sehr interessant, aber mir ist es nicht gelungen, jemand dort anzutreffen. Ich fand die Örtlichkeiten immer nur verschlossen vor und ohne jeden Hinweis, wann dort mal jemand anwesend sei. So habe ich dann die Insel nur an Land erkundet. Es gibt dort noch eine Menge historischer Bauten und Anlagen. So zum Beispiel ein altes Aquadukt, also eine Wasserleitung, wie sie im Römerreich gebaut wurden, um das Trinkwasser aus den Bergen in die Ortschaften zu leiten. Außerdem gibt es eine alte klösterliche Festungsanlage, die auf einem Felsen unmittelbar neben der Insel Ischia errichtet wurde. Heute ist dort ein Museum untergebracht.
Ich habe auch einen Tagesausflug zum Vesuv und nach Pompeï unternommen, darüber will ich aber gesondert berichten.
Viele Orte der Insel scheinen direkt am Felsen zu kleben, die unmittelbar von der Küste steil aufragen. Daher wird jeder Spaziergang auf der Insel zum Fitnesstraining. Wenn bloß nicht das Bier so teuer wäre. Den Gipfel habe ich in einer wunderschönen Gaststätte, dem Orangengarten in Ischia(Ort), erlebt, dort kostete das Glas 0,4 Liter 4,15 €. Da sich kein Einheimischer so etwas leisten kann, wird Bier wohl nur von den Touries getrunken. Selbst im Supermarkt kann man sich eine Büchse Bier nur mit Tränen in den Augen kaufen. Dafür ist der Wein aber sehr preiswert. Für eine Flasche mit ein und einhalb Liter Rotwein musste man nur knapp 4,- € löhnen. Pech für alle Biertrinker. Wie komme ich nur von Fitness auf Bier? Ach ja, aus Kostengründen musste ich mich eben stark zurückhalten und das kam meiner Fitness zu Gute.
Eins ist noch zu erwähnen. Früher gab es auf der Insel viele wilde Kaninchen. Da die Bauern nicht gerade mit Reichtum gesegnet waren, wurde Kaninchenbraten zu einer Art Hausgericht. Dazu haben die Einheimischen eine Soße kreiert, die einen vorzüglichen Geschmack hat und nur hier auf Ischia zubereitet wird. Ich kann nur jedem empfehlen, einmal dieses spezielle Inselgericht zu probieren, wenn er auf Ischia Urlaub macht. Die Gewürze zu dieser Soße gibt es hier auch fertig abgemischt zu kaufen aber ich glaube, den Geschmack bekommt man doch nicht so hin wie es sein muss. Nicht einmal Küchenexperten wie Campino traue ich das zu, obwohl ich vor ihren Rezepten den Hut ziehe. Heute werden allerdings nicht mehr wilde Kaninchen sondern Stallhasen verwendet.
Dann abschließend noch ein Wort zur Verpackung. Ich sehe schon Eure zweifelnden Mienen, natürlich ist das Wetter gemeint, was ja einen entscheidenden Einfluss auf das Gesamturteil hat. Eigentlich ist für den Golf von Neapel das Wetter im September/Oktober eine sichere Bank. Aber wie überall auf der Welt hat es auch in dieser Region im Jahr 2002 verrückt gespielt. So gab es heftige Gewitter begleitet von Stürmen und starken Regenfällen, die einem schon mal den Urlaub vermiesen können. Zwischen zwei Schlechtwettergebieten, in denen das erste im Hotel sogar eine Scheibe eingedrückt hat, lag eine Woche mit angenehmen Temperaturen um 23° C und ohne Regen bei Windstille. Das war die Woche, in der ein Engel Urlaub hatte, also ich.
So, nun zerreißt mich nicht gleich und macht auch lieber mal Urlaub auf Ischia,
Euer Charley.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-02 14:57:08 mit dem Titel Von Ischia zum Vesuv
Wenn man eine Reise unternimmt, so sollte man auch immer ein wenig für seine Bildung tun. Wenn ich schon mal auf einer Insel im Golf von Neapel Urlaub mache, dann liegt es nahe, einen Ausflug zum Vesuv und nach Pompeï zu machen.
Die erste Fähre von Ischia nach Neapel geht um 6:40 Uhr. Also um 5:45 Uhr holt mich der Sammelbus vom Hotel ab. Das heißt: aufstehen um 5:00. Frühstück um 5:30 und dann kann es losgehen. Was macht man aber, wenn man zu so früher Stunde, also mitten in der Nacht gar nichts essen kann? Zu Hause gibt es bei mir nie etwas vor 12 Uhr zu essen. Also etwas trinken, ein Glas Obstsaft und einen Pott Kaffee und ein kleines Brötchen mit Butter runterwürgen, man gönnt sich ja sonst nichts.
Im Bus ist schon ein Fahrgast und wir touren über die halbe Insel, um noch 5 weitere Teilnehmer aufzusammeln. Dann geht’s zum Hafen. Vor der Fähre steht ein großer Reisebus, darin werden wir den Ausflug unternehmen. Also alles umsteigen, der Bus ist schon zur Hälfte besetzt und nach uns kommen noch weitere Teilnehmer, sodass der Bus am Ende voll ist. Jetzt kommt der Fachmann, der uns den ganzen Tag begleiten wird. Er spricht zunächst italienisch...?! Ja es sind nicht nur deutsche Touristen sondern viele Italiener, die auch die Sehenswürdigkeiten ihres Landes kennen lernen möchten. Also – jeder erhält erst einmal einen Fahrschein für die Fähre, dann müssen alle wieder den Bus verlassen und das Schiff erstürmen.
Während im Bauch des Schiffes der Bus sein einsames Dasein fristet, können wir für etwa 90 Minuten den Blick über das Meer und einen wunderschönen Sonnenaufgang über Neapel genießen. Im Hafen angelangt, versucht jeder einen guten Platz im Bus zu ergattern. So was gelingt mir nur sehr mäßig, da ich nicht der Typ bin, der sich durch drängeln in den Vordergrund schieben kann. Trotzdem erwische ich einen Fensterplatz, allerdings ziemlich weit hinten. Als dann fast alle Plätze besetzt sind, fragt mit eine Dame mittleren Alters in unverkennbarem österreichischem Dialekt: „sind Sie frei?“. Ich deute auf den Platz neben mir und nicke, nach kurzer Pause füge ich dann hinzu: „im übrigen bin ich auch frei“. Sie lacht und sagt: „ich auch“. So haben wir fürs erste Gesprächsstoff und sind uns dann den ganzen Tag immer wieder begegnet, wenn wir zu Fuß unterwegs waren. Damit ist aber die Geschichte mit der Österreicherin bereits zu Ende.
Erster Halt, wir haben Neapel noch nicht einmal verlassen, ist ein Museum. Eigentlich hätte ich an dieser Stelle das Wort Museum in Anführungszeichen setzen müssen, denn es handelt sich um Meeresschmuck und der wird dort auch hergestellt und verkauft. Ich war als Taucher, der die Schönheit der Unterwasserwelt aus eigener Anschauung kennt und stets bemüht ist, dort nichts zu beschädigen entsetzt, dass hier Muscheln, Schnecken und Korallen noch immer zu Schmuck verarbeitet werden. Noch schlimmer, dass es Leute gibt, die so etwas zu horrenden Preisen kaufen und sich um den Hals hängen. Vergessen wir das Ganze schnell und fahren wir weiter in Richtung Vesuv.
Der Bus windet sich die steile Straße in Richtung Gipfel den Berg hinauf. Unterwegs sehen wir noch den erkalteten Lavastrom, der beim letzten großen Ausbruch des Vulkans im Jahr 1944 den Berg hinab floss. Dann haben wir die Stelle erreicht, von der aus wir zu Fuß weiter gehen müssen. Es sind noch etwa 200 Höhenmeter auf einer Länge von 500 m zu überwinden. Dann habe ich den Kraterrand erreicht und darf nun 6,- € Eintritt bezahlen. Wofür? Aber dann werde ich mit einem wunderschönen Ausblick belohnt. Ist ja auch nötig bei der Kraxelei bis in 1281 m Höhe und den mindestens 10 kg zuviel, die ich mit mir rumschleppen muss.
Nach eingehender Besichtigung, vielen Fotos und einigen Minuten Videoaufzeichnung geht es zurück zum Bus und dann ab in Richtung Pompeï.
Ich weiß immer noch nicht, wie man diesen historischen Ort richtig schreibt, entweder so wie oben, Pompeji oder Pompei? Mein Computer hält die Schreibweise mit „j“ für richtig, ich bin mir aber da nicht sicher, deshalb bleibe ich bei meiner Schreibweise, die ähnelt am meisten der italienischen.
Kurz vor diesem Ziel werden wir noch zu einem Mittagessen an einer riesigen Gaststätte ausgekippt. Es sind schon mehrere Busse da und es kommen ständig neue. Darauf ist man hier aber eingerichtet. Das Menü kostet 11,- €, es schmeckt gut und Wein gibt es bis zum Abwinken und der ist im Preis enthalten. Allerdings war bis vor einem Jahr das Essen noch im Paketpreis von 80,- DM enthalten wie auch der Eintritt in der Ruinenstadt. Heute kostet das Paket 43,- € und das Essen sowie den Eintritt in Pompeï (10,- €, es sei denn, man ist älter als 65 Jahre) muss man drauf legen. So hat mich die ganze Fahrt einschließlich Vesuv 70,- € gekostet, zum Vergleich im Vorjahr ohne Vesuv 80,- DM.
Nun zur Ausgrabungsstätte
Bei seinem Ausbruch im Jahre 79 n. Chr., bei dem der gesamte Bergkegel weggesprengt wurde, hat sich die Landschaft rund um den Vulkan völlig verändert. Von dem ehemaligen Berg ist nur ein niedriger Rand stehen geblieben, aus dem sich dann im Laufe der nächsten Jahrhunderte durch viele weiter Eruptionen ein enuer Bergkegel gebildet hat – der heutige Vesuv. Durch den Ausbruch wurde Pompeï zunächst nicht direkt betroffen. Erst drei Tage nach dem verheerenden Ausbruch entwichen Schwefelsäuregase aus dem Berg, die in kurzer Zeit alles Leben auslöschten, das von ihnen erfasst wurde. Es ist äußerst bedauerlich, aber Gasmasken waren noch nicht erfunden, sodass die Bevölkerung rund um den Vulkan den tödlichen Gasen schutzlos ausgesetzt war. So starben auch die Bewohner von Pompeï in der Haltung und bei der Tätigkeit, in der sie von den Gasen überrascht wurden. Später, als die gewaltigen Aschemengen sich wieder absenkten, wurde die ganze Gegend mit einer mehr als drei Meter dicken Schicht bedeckt. Diese hat dann die Körper aller Lebewesen in der Haltung konserviert, die sie inne hatten. Man erkannte erst sehr spät, dass die gefundenen Hohlräume die genaue Abbildung der damals eingeschlossenen Körper ergaben. Daher ließen sich dann nach dieser Erkenntnis eine ganze Reihe Gestalten durch Gipsabgüsse rekonstruieren.
Erstaunlich ist die hohe Kunstfertigkeit der Handwerker zur damaligen Zeit. So hat man eine ganze Reihe von Mosaiken und Gemälden gefunden, die auf ein hohes künstlerisches Niveau hinweisen. Allerdings schien auch das Laster schon damals verbreitet zu sein. So fand man Räumlichkeiten, in denen Glücksspiele stattfanden und wer über größere Geldsummen verfügte, fand in den hinteren Zimmern dieser Häuser Damen, die sich der käuflichen Liebe hingaben. Habe ich das nicht eben schön beschrieben? Man hätte ja auch Puff dazu sagen können.
Begeistert haben mich besonders die technischen Anlagen, die man den Menschen in dieser Zeit nicht unbedingt zutrauen würde. So wurde das Regenwasser in jedem Haus in Zisternen aufgefangen, um es dann im Hause zum Kochen und Waschen zu verwenden. Auch hatte man schon Badehäuser, in denen Männlein und Weiblein, natürlich streng getrennt, sich der Reinigung durch Dampfbäder und Thermalbäder hingeben konnten. Diese getrennten Häuser hatten im Inneren einen gemeinsamen Garten, in dem man sich dann begegnete und vielleicht auch kennen lernte.
Alles in Allem war es ein sehr interessanter Ausflug in die Historie der Gegend rund um den Vesuv und für alle Teilnehmer ein bleibendes Erlebnis, glaube ich jedenfalls. Auf der Rückfahrt mit der Fähre trafen wir übrigens unseren Reiseführer wieder, der ebenfalls auf Ischia wohnte. Er erzählte uns noch viele interessante Details über die Inseln und empfahl uns wärmstens, der Insel Procida einen Besuch abzustatten. Dort ist noch nicht alles auf den Tourismus ausgerichtet und vieles noch in seinem ursprünglichen Zustand erhalten. Besonders die Bewohner leben dort noch in ihrer natürlichen Umgebung, das schlägt sich auch in den Preisen wieder, die noch nicht ins unermessliche gestiegen sind.
Nun hoffe ich, dass ihr einen kleinen Einblick über die Gegend erhalten habt und vielleicht habe ich die Neugierde geweckt, dort auch einmal Urlaub zu machen. Dazu wünsche ich euch viel Spaß.
Euer Charley
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