Neapel Testbericht

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Erfahrungsbericht von retilein

Sonne über den Golf von Neapel

Pro:

herrliche kultur

Kontra:

leider so weit weg

Empfehlung:

Ja

Eine Busreise brachte mich im 2 Jahre 2000 im Oktober in den Golf von Neapel. Neben Rom, Neapel, und die Inel Capri war auch ein Ausflug für den Vesuv und Pompeji vorgesehen.

Der Golf von Neapel selbst ist wohl eine der geschichtsträchtigsten Regionen Italiens. Die Römer gründeten hier einige ihrer bedeutendsten Städte. Wohl am bekanntesten die Hafenstadt Pompeji. Vor dem Ausbruch hatte der Vesuv eine Höhe von rund 3000 m, danach nur noch seine heutige Höhe von 1279 m. Mehr als 1 km Berg sind hier in wenigen Stunden in die Luft gegangen und begruben Pompeji unter sich.

Aber der Reihe nach.

Neapel
******
Neapel, am gleichnamigen Golf direkt unter dem aktiven Vulkan Vesuv gelegen, wurde bereits im 8. Jahrhundert v. Chr. gegründet und gehört seit 1860 zu Italien. Mit seinen 1,2 Mio. Einwohnern bzw. über 3 Mio im Großraum, ist Neapel drittgrößte Stadt Italiens. Sie bietet zwar auch einiges, aber komischweise sind mir vor allem die verrückten Straßenbrückenkonstruktionen und der Besuch des Hafengeländes in Erinnerung geblieben. Eine besondere Atmosphäre findet man in der Altstadt mit ihren schmalen, steilen Gassen, aber dafür fehlte uns die Zeit. Das 700 Jahre alte Castel Nuovo und das auf einer Felsinsel gebaute Castel dell Ovo sind mir sehr imposant in der Erinnerung geblieben.
Während der Busrundfahrt erlebte man eine ganz neue Art des Autofahrens! Die Italiener, besonders die Mofafahrer, fahren sehr aggressiv und ihre Überholungsmethoden sind sehr beängstigend!

Und über Neapel thront sanft und würdig der Vesuv und anderersits gehts zu den vorgelagerten Inseln Capri oder Ischia.

Vesuv
*****
Ein Besuch des berühmtesten Vulkans der Welt (in ausbruchssicheren Zeiten!) bietet ein in jeder Hinsicht bleibenden Eindruck mit Sicht auf das weithingestreckte Panorama Neapels und des Golfes, während des Aufstieges. Neben der Straße stürzt erstarrte Lava ins Tal. Ihr Muster ist das eines wild schäumenden Baches mit Wellen, Strudeln und Spritzern aus Stein.

Der Vesuv, ital. (Monte Vesuvio), ist z Z. 1279 m hoch, die Gipfelhöhe verändert sich allerdings bei jedem Ausbruch.

Auf einer guten Fahrstrasse erreichte unser Bus über die Westflanke auf ca. 1000 m Höhe einen Parkplatz, von dem aus man den Gipfel in ca. 30 Minuten auf einem schattenlosen Schotterweg zu Fuß erreichen kann. Etwas trickreich wird übrigens ca. 50 Höhenmeter (also unmittelbar vor der Kraterzone) unterhalb des Gipfels eine ziemlich saftige Eintrittsgebühr fällig. Wer also die ca. 10000 Lire pro Nase nicht ausgeben will, nur um in einen ziemlich toten Trichter eines 230 m tiefen Krater sehen zu können, sollte erst gar nicht den mühsamen und in der Sonnenglut heissen Aufstieg angehen.

Übrigens die letzte große Eruption geschah am 22. März 1944, bei dem 26 Menschen ums Leben kamen. Dieser bisher letzte größere Ausbruch gab dem Vulkan sein heutiges Aussehen.

Pompeji
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Zwei Millionen Besucher besuchen laut Prospektangaben jährlich das das erst 1998 zum Weltkulturerbe erklärte Pompeji (incl. Herkulanum). Die ausgegrabenen Ruinen verfallen, die Fresken verblassen und Mosaike und wertvolle Inschriften werden zerstört: deshalb mein Tipp schnell hin und anschauen, denn es ist sicherlich immer noch sehr beeindruckend !!
Die genauen Eintrittspreise weiss ich leider nicht mehr, eine Tageskarte kostet aber glaube ich um die 16.000 Lire.

Aber nun zu ein paar Hintergrundinformationen.

Pompeji(italienisch Scavi di Pompei) war Hafen und Handelsstadt und wurde bereits um 600 v. Chr. gegründet und von den Samniten, einem Volksstamm aus dem Apennin besiedelt, bis die Römer diese 80 v. Chr. besiegten.

Am 24. August des Jahres 79 n. Chr., so die Geschichtsschreibung, soll der Vesuv ausgebrochen sein und hat die einstmals blühende Stadt unter sich begraben haben. Pompeji wurde unter einer drei bis fünf Meter dicken Bimsstein- und Ascheschicht begraben. Das Meer war um 1,5 km zurückgegangen. Pompeji war kein Hafen mehr. Die schönsten Häuser und Villen der reichen Pompejaner lagen einst vor dem Vesuvausbruch direkt am Meer.

Übrigens noch wesentlich schlimmer hat es die Stadt Ercolano, zu Deutsch, Herculaneumtadt erwischt, welche sich noch näher am Vesuv befand, denn diese wurde gänzlich von der Lava und dem Geröll mit einer gut 20 Meter hohen Schicht bedeckt, und es kamen gut 5000 Menschen um. In Pompeji selbst war der Schrecken nur kurz, aber tödlich für die meisten der 20.000 Bürgerinnen und Bürger. Es starben die meisten Menschen an den tödlichen Phosphordämpfen.
Pompeji war also damals eine relativ unbedeutende Kleinstadt gewesen, die ohne die Katastrophe wohl völlig vergessen worden wäre.

Schon 1594 und 1600 entdeckte man durch Zufall bei Entwässerungsarbeiten im Sarno-Tal unterirdische Gänge mit Inschriften und Statuen. Doch ahnte man noch nicht, daß es sich bei den Funden um Teile aus Pompeji handelte.
Im Jahre 1748 bekam der Geistliche Giacopo Martorelli von dem Bourbonenkönig Karl dem III (1734 -1759 König beider Sizilien) den Auftrag, auf einem Gebiet, das von den Bauern der Umgebung jahrhundertelang nur Civita genannt wurde, nach den Resten des antiken Stabiae zu graben. Erst als 1763 die Inschrift respublica Pompeianorum gefunden wurde, erhielt die anonyme Cività wieder ihren ursprünglichen Namen. Nach beinahe 1700 Jahren war das vom Aschenregen gänzlich verschüttete Pompeji wiederentdeckt.
Ab 1860 beginnt aber erst die eigentliche und systematische Ausgrabungsgeschichte, die bis heute andauert. Denn noch über ein Drittel der Stadt bleibt zu entdecken.

Nur 14% der ausgegrabenen Fläche steht den Besuchern heute für eine Besichtigung zur Verfügung. Insgesamt sind knapp 40 Gebäude und Einrichtungen in einem mehr oder minder gutem zustand freigelegt, der Rest besteht leider meistens nur noch aus den Grundmauern. Verschedene ereignisse trugen zur Verschlechterung der Bausubstanz bei. Bombenangriffe der Amerikaner im 2. weltkrieg oder das Erdbeben von 1980.

Die Straßen wurden mit Basaltplatten gepflastert und besaßen Bürgersteige. Bei Regen gelangte man über die hochragenden Grenzsteine trockenen Fußes auf die andere Straßenseite. Interessant fand ich in dieser Stadt das noch gut sichtbare Abwassersystem, wobei aus einigen Häusern noch die bleiernen Abwasserröhren zu sehen sind, welche sich dann auf die stark vertiefte Straße ergossen haben. Diese Straßen, überwiegend aus schweren Steinplatten und -blöcken gebaut, sind gesäumt mit Gehwegen, ebenfalls aus selbigem Material gefertigt, die Überwege zwischen den Gehwegen wurde mit einzeln stehenden Steinen auf den Straßen ermöglicht, wobei diese Steine so angeordnet sind, dass die Ochsen und Pferdekarren ohne Probleme noch weiterhin passieren konnten.

Die ältesten Thermen in Pompeji mit einer kleinen angeschlossenen Palaestra, Männer- und Frauenabteilung sind getrennt, geben ein schönes und veständliches Bild vom Aufbau römischer Bäder mit Heiß- und Kaltbad, Aufenthaltsräumen und Bedienstetenräumlichkeiten sowie den Wasserleitungen.

Bei dem stadtnahen Amphitheater handelt es sich um das älteste erhaltene Gebäude für Gladiatorenspiele, entstanden um 80 v. Chr und besaß 35 Sitzstufen und bot ca. 20.000 Zuschauern Platz.
Gegenüber des Amphitheaters liegt die Grosse Palästra, die die Funktion eines Sportplatzes mit angeschlossenem Sportschwimmbad einnahm und von regelrechten Sportvereinen genutzt wurde.

Auch sind noch die Grundrisse einige Tempel zu sehen, und, sozusagen als Prunkstück, das noch wirklich gut erhaltenen Kolosseum, in seinen Ausmaßen natürlich kleiner, als das große in Rom, aber an sich doch wesentlich besser erhalten. Pompeji war auch berühmt für seine zahlreichen Freudenhäuser und das lassen sich die Führer auch nie entgehen.

Das Forum, das nur für Fußgänger zugänglich war, bildete den Stadtkern, dort befanden sich Verwaltungsgebäude, Thermen für Männer und Frauen sowie die Markthallen. Die eindrucksvollste Anlage war natürlich das Forum selbst, ein langgestreckter Platz mit umlaufender Säulenhalle. An der Nordseite stand der Capitolinische Tempel, im Osten schloß sich das Macellum an, eine Markthalle für Lebensmittel, ebenso der Tempel des Vespasian und das Gebäude der Eumachia (Markthalle für Stoffe). Im Südosten befand sich das Comitium (Gericht), an der Westseite des Forums die Basilika (55 x 24 m groß) mit dem sich dahinter befindlichen Areal der Venus Pompejana, der Stadtgöttin Pompejis

Einige des beeindruckensten und größten Villen liegen im nördlichen Teil des Ausgrabungsgeländes. Die Villa des Fauns - benannt nach einer 78 cm hohen Bronzeskulptur eines tanzenden Satyrs (Wesen aus der griechischen Mythologie mit Hörnern und Schwänzen) - ragt besonders heraus und gilt als eine der schönsten Villen des ganzen Altertums. Vermutlich gehörte sie einem Neffen des Diktators Sulla; sie war ausserordentlich luxuriös ausgestattet, besaß zwei Atrien, zwei Peristyle, zwei Speiseräume und eine grosse Zahl weiterer Zimmer. Insbesondere die Dekoration der Fußböden und Wände mit Mosaiken sind Kulturschätze von höchstem Wert, glücklicherweise sind sie großteils erhalten und im Archäologischen Museum in Neapel ausgestellt. Dabei ragt das sogenannte "Alexandermosaik" mit der Darstellung der Schlacht von Issus mit seinen 1,5 Millionen Mosaiksteinchen heraus.

An der Hauptstrasse Via dell´Abbondanza liegen auf dem Weg zum Forum eine Vielzahl von Gewerbebetrieben wie Bäckereien, Färbereien und Walkereien, ferner viele antike Imbissbuden und Schänken, die darauf hindeuten, dass ein beträchlicher Teil der Nahrung in öffentlichen Gaststuben eingenommen wurde und dies billig und üblich war.

Unbedingt erforderlich ist ein Reiseführer (als Buch), in dem wenigstens ein Teil der Gebäude in ihrer ursprünglichen Funktion erläutert sind, da kaum örtliche Hinweisschilder vorhanden sind.

Capri
*****
Da war dann auch noch der Tagesausflug nach einer der berühmtesten Romatikinseln der Welt. Die Insel Capri liegt in südlichen Teil des Golfes von Neapel und ist mit seinen ca. 10 kqm wirklich klein zu nennen, aber dafür ist es umso erstaunlicher was es alles zu entdecken gibt. Die Küstenlänge der Insel beträgt ca.17 km und die Insel hat eine Gesamtfläche von ca.1.036 Hektar. Sie ist 6,7 km lang und die Breite variiert zwischen 2,7 km und 1,2 km. Der höchste Berg ist der Monte Solaro mit 589 Metern über N.N..

Vom Hafen aus kann man in ca. 5 Minuten für sehr wenig Geld (weniger as 1 euro) mit der Funicolare, der betagten Standseilbahn, in den zentralen Ort Capri(ca. 8.000 Einwohner) gelangen um von dort mit Bus weiter zum zweiten Inselort dem stillen Anacapri (ca. 7.000 Einwohner) zu reisen.
Eigentlich bin ich kein Freund solch romantischer Euch allen bekannten Klischeevorstllungen zu Capri, aber ich muß zugeben, daß mich die Insel unweigerlich in Ihren Bann zog. Beeindruckt hat uns die Farbenvielfalt dieser Insel. Schneeweiße Häuser - ein buntes Blumenmeer - grüner Wald - schroffe Steilküste mit atemberaubenden Blicken auf unendlich blaues Wasser.

Capris Hauptattraktion ist sicherlich die Grotta Azzura, die Blaue Grotte. Die nur an ganz ruhigen Tagen und mit viel Glück die Faszination ausstrahlt, mit der die Werbeprospekte überall werben. Wir hatten wahrscheinlich halbegs einem dieser Tage erwischt. Die Grotta azzura ist 54 m lang, 15 m breit und 30 m hoch. Die Wassertiefe beträgt zwischen 14 und 25 m. Hier schimmert das Licht blau, Farbreflexe bedingt durch Lichtfilterungen sorgen für eine einzigartige Stimmung in dieser Höhle.

Mehr könnt Ihr meinen Extrabericht zu Capri entnehmen.

Das Licht taucht die Insel während des Tages in unterschiedliche Farben und verzaubert jeden Betrachter. Wenn auf Capri die rote Sonne im Meer versinkt, dann träumt man, die Welt sei in Ordnung.


Eine wahrlich ereignisreiche Kultur- und Besichtigungsreise die mir sehr gefallen hat.

42 Bewertungen, 10 Kommentare

  • krullinchen

    09.06.2009, 15:34 Uhr von krullinchen
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße.

  • anonym

    23.03.2009, 15:13 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    schönen tag und lieben gruss...

  • Zzaldo

    16.02.2009, 11:17 Uhr von Zzaldo
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße sendet dir Stephan

  • panico

    12.02.2009, 11:05 Uhr von panico
    Bewertung: sehr hilfreich

    Allerliebste Grüße von panico:-)

  • Sky112

    11.02.2009, 19:46 Uhr von Sky112
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh

  • tina08

    10.02.2009, 22:37 Uhr von tina08
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Grüße .... Tina

  • cosch

    10.02.2009, 22:27 Uhr von cosch
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG von cosch

  • gerfra2

    07.06.2002, 12:37 Uhr von gerfra2
    Bewertung: sehr hilfreich

    Aber eine Insel vergisst jeder: PROCIDA. Liegt zwischen Ischia und Napoli. Man fährt gezwungenermaßen dran vorbei wenn man nach Ischia fährt. Diese Insel ist noch kleiner wie Capri (4 kqm) und einfach süß

  • Babba

    09.04.2002, 20:07 Uhr von Babba
    Bewertung: sehr hilfreich

    Auch hier, weniger ist manchmal mehr. Für manche vielleicht ist der geschichtliche Hintergrund interessant, wer sich aber nur informieren möchte, ob er dort vielleicht seinen nächsten Urlaub verbringen möchte, dem wird es schnell zu lan

  • Corni

    07.04.2002, 19:52 Uhr von Corni
    Bewertung: sehr hilfreich

    liest sich wieder sehr schön....