Die Orks (Taschenbuch) / Stan Nicholls Testbericht

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ab 4,43
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Erfahrungsbericht von vampire-lady

eine sehr langes Buch mit garssssssssstigen Orks

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Ich habe den 800-Seiter „Die Orks“ von Stan Nicholls vor ein paar Monaten aus einer Laune heraus gekauft – die Laune entsprang dem Gewinn eines Amazon-Gutscheins, der gerade dem Buchpreis von € 15,- für das Heyne-Taschenbuch (2002) entsprach.

Außerdem zog natürlich der Hinweis von Tad William „der größte Spaß, den Sie je mit einem Haufen Orks haben werden“.

Um es vorweg zu schieben, da Nicholls meiner Ansicht nach beim guten Tad (und nicht nur da) gewildert hat, wäre es wahrscheinlich spaßiger gewesen, wenn Tad das Buch gleich geschrieben hätte.

Was sind Orks?
Die meistens werden sich an die schlammgesichtigen Monster erinnern, die insbesondere in letzten Teil von „Herr der Ringe“ plattgemäht werden. Tauchen sie in irgendwelchen Fantasywerken auf, sind sie in der Regel lichtscheu, opportunistisch, verräterisch, kriegerisch, verschlagen und feige. Nicholls will ihnen in seinem Buch nun einmal wirklich gerecht werden.

„Die Orks“ besteht eigentlich aus drei Büchern – freundlicherweise wurde in Deutschland die gesamte Trilogie also als ein Buch veröffentlich, was auch den Geldbeutel zufrieden stimmt.

Die einzelnen Bücher:
Leibwächter des Blitzes - Bodyguard of Lightning
Legion des Donners - Legion of Thunder
Krieger des Sturms - Warriors of the Tempest

Ein Kriegstrupp der Orks unter Hauptmann Stryke hat einen Auftrag von Königin Jennesta bekommen. Sie sollen ihr ein Artefakt beschaffen, welches sich in einer Menschensiedlung befindet. Wir lernen den Trupp um Stryke (Coilla, Haskeer, Alfray und den Zwerg Jup) gerade kennen, als sie die Siedlung dem Erdboden gleich machen. Dummerweise findet sie dort einen großen Vorrat einer Droge und bekiffen sich erst einmal ordentlich, weshalb sie die Nacht vor Ort verpennen. Am anderen Tag geraten sie zudem in einen Hinterhalt. Mittlerweile wird klar, daß sie zu spät in ihr Lager zurückkommen werden. Jennesta bezeichnet den Trupp schon als Deserteure und Verräter und Stryke beschließt lieber das Weite zu suchen. Jennesta ist nämlich ein launisches Biest, eine Diva des Bösen, die ihren Opfern gern das Herz rausreist, um es frisch und körperwarm zu verspeisen.

Durch einen alten Gremlin erfahren sie mehr über das Artefakt, das sie gestohlen haben, und beschließen, da sie eh nichts zu tun haben, aber ein Verhandlungsmittel für Jennesta brauchen, auch die vier anderen „Instrumentale“ die es noch geben soll, zu sammeln. Damit wäre der Handlungsfaden gefunden, die Orks latschen durch Maras-Dantien um die 5 Instrumentale zusammen zu bringen. Manchmal stehlen sie, manchmal handeln sie darum.

Jennesta hängt ihnen natürlich auf den Fersen, nicht nur mit ihrer Armee, sondern sie hetzt dem Kampftrupp ihre Drachen und einige Kopfgeldjäger auf den Balg.

Ebenso hetzt ihnen Hobrow hinterher, den die Orks ziemlich verarscht haben, als Jup ihm ein Instrumental unter der Nase wegklaute. Hobrow ist ein menschlicher Führer einer Religionsgemeinschaft, kurz Unis genannt, die nur an einen Gott glaubt. Die Unis sind bei den alten Rassen (Zwerge, Elfen, Orks undundund) Maras-Dantien ungefähr so beliebt, wie Fußpilz. Auch die anderen Menschen, die Mannis, die wenigstens noch an viele Götter glauben und weniger radikal sind, sind nicht gerade gern gesehen, werden aber meist noch akzeptiert, sind ihre Ansichten den anderen Rassen doch wesentlich näher.

Zumindest sind die Spätankommer (die Menschen erschienen zuletzt im Land) Schuld daran, daß das Land seine Magie verliert, worunter die anderen Rassen leiden. Besonders die Unis sind sehr zerstörerisch, die Mannis erinnern eher an eine Esoterikhorde und haben ihre Fehler erkannt und wollen die Zerstörung des Landes stoppen. Die Unis dagegen wollen Mannis auf dem Scheiterhaufen schmoren sehen und so spielt der Krieg zwischen den Menschen auch eine wichtige Rolle in dem Buch. Allerdings hätte ich schon mal auf diesen religiösen Aspekt voll verzichten können.

Überhaupt kommt bei dieser Landzerstörung ein bestimmter ökologischer Aspekt zum Tragen, den ich in diesem Zusammenhang nicht mag. Außerdem wird das nicht konsequent genug durchgezogen, wenn man denn schon mal damit anfängt. Wirkt so gut gemeint aber nicht gekonnt und zieht das Buch, dem es gut getan hätte, wäre es um 200-300 Seiten kürzer erschienen, nur in die Länge.

Ich merke gerade, daß ich vom Inhalt bereits nahtlos ins Nörgeln übergegangen bin. Dann will ich einfach dabei bleiben.

Die Geschichte der Orks an sich eiert nämlich. Sie ist ziemlich langweilig. Sie ziehen von links nach rechts und von oben nach unten durch die Pampa und immer zufällig dann, wenn man wieder ein Instrumental gefunden hat, tritt irgendein Heini auf den Plan, der zufällig weiß, wo der nächste herumfliegt. Gern werden auch die Leute, die die Orks getroffen haben, 5 Seiten später von den Verfolgern niedergemäht. Wieder ein Zufall! Zwischen dem Gesuche werden die Orks ständig in Scharmützel und Kämpfe verwickelt, die sie natürlich gewinnen. Das regt auch nicht sonderlich an, weil der Autor während der Kampfszenen von der Perspektive einer Figur zur anderen wechselt – nach drei Kämpfen ähnelt die Erzählung einem Abzählreim, was da noch aufrüttelt, ist nur die Brutalität und das reichliche Blutgespritze. Hierbei muß man zwar bedenken, daß ein Ork nicht lange fackelt, bevor er draufhaut – trotzdem macht es keinen Spaß ständig seitenweisen Haudraufrhetorik zu lesen.

Außerdem ist es reichlich nervend zu lesen, wie der Trupp hinter den Instrumentalen herrennt, ohne den Sinn und Zweck zu kennen. In Bezug auf die Instrumentale habe ich auch nicht verstanden, warum auf einmal einer der Orks, Feldwebel Haskeer, den Gollum markiert, seinen Kumpel niederschlägt und sich von den Instrumentalen einen vorsingen lässt – denn prinzipiell haben die 5 Teile nichts von wegen knechten und binden im Sinn. Es soll wahrscheinlich spannend sein, wie Haskeer wieder eingesammelt wird, aber es hilft der Geschichte nicht weiter.

Genauso blöde sind die drei Kopfgeldjäger, die Jennesta engagierte. Stryke und Co haben bereits bewiesen, daß ein Mensch kein großer Gegner für einen Ork ist. Und da sollen drei bekloppte Kopfgeldjäger etwas gegen einen ganzen Kriegstrupp ausrichten? Auf jeden Fall werden die drei regelmäßig in die Flucht geschlagen (warum eigentlich?) und tauchen alle 50 Seiten wieder hinter einem Gebüsch auf, wenn sich ein einzelner Ork mal kurz vom Trupp entfernt. Ich habe jedes Mal verzweifelt die Augen verdreht.

Auch die anderen Rassen die so am Wegesrand erscheinen lernt man nur kurz am Rande kennen. Gerade über die „zündungsfähigen Pixies“ mit ihrem tuntigen Gehabe hätte ich mehr gehört – tja schade. In Bezug auf andere Rassen hätte man vielleicht nicht nur auf Quantität setzen sollen.

Dann hatte ich ein Problem im sprachlichen Sinne. Ich finde die passenden Stellen in den 800-Seiter jetzt nicht mehr, aber manchmal holpern Satzbau und Grammatik. Genug um mich zu irritieren. Außerdem stören mich die Szenen massiv, in denen Stryke seine Untergebenen plötzlich siezt, weil er einen dicken Hals auf jemanden hat. Das mag zwar befehlstechnisch Sinn machen, veranlasste mich aber immer wieder zum blättern, weil mich das „Sie“ befremdete.

Gut gefallen dagegen haben mir die Orks. Auch wenn ich nicht unbedingt einsehe, was an den Hauptfiguren besonders orkisch sein soll. Immerhin sind sie ein schlagkräftiger Trupp mit rauen Sitten, die aber mit Einsatzfreude zueinander stehen und einen recht derben Humor haben, von dem ich gern mehr gelesen hätte. Schlecht weg kommt meiner Ansicht nach der Zwerg Jup. Allgemein werden Zwerge in diesem Buch als Rasse bezeichnet, die sich an den verdingen der gerade zahlt. Sie wirken so unehrenhaft und blass, was nicht recht zu den klassischen Zwergen passen will. Ganz witzig sind die Interaktionen zwischen dem Zwerg Jup und dem Ork Haskeer, vor allem da Haskeer etwas schwer von Begriff ist. Beide sind Feldwebel und haben sich immer in den Köppen. Man kennt dieses Stilelement der freundschaftlichen Hassliebe zwar, es ist hier aber gut dosiert entgesetzt worden. Zumindest die 5 Haupt-Orks wachsen dem Leser schon ans Herz. Sie agieren einfach nach dem Motto ein Ork muß tun, was ein Ork tun muß, auch wenn das zur Folge hat, daß beispielsweise ein Speisezettel nach einer Beinamputation ein merkwürdiges Gulasch enthält.

Dabei will ich noch erwähnen, daß es sich bei Coilla um einen weiblichen Ork handelt. Wozu eigentlich? Weibliche Kriegerorks scheinen eigentlich kaum vorzukommen, aber Coilla gibt es. Sie ist auch ein prima Kumpel und so – aber die Tatsache, daß sie weiblich ist, hat keinen Einfluss auf die Erzählung? Eine Quotenorkin? Muss das sein???

Ein Highlight ist auch Jennesta, erfreulicherweise nicht der einzige große Fiesling im Buch. Sie teilt sich das erfrischenderweise mit ihrer Schwester Adpar und dem Prediger Hobrow. Das stiftet zwar etwas Verwirrung, sprengt aber das übliche Schema. Jennesta allerdings ist wirklich böse, sie verfolgt nicht einfach nur ihr Ziel, sondern quält zum Spaß und mit Genuss. Und wehe es beschwert sich einer! Schade wiederum, daß so ein potenter Charakter nicht besser integriert werden konnte. Ihr gebührt im verworrenen Ende nicht einmal ein spektakulärer Tod.

Das Ende driftet nämlich in die Scifi-Ecke ab und schmeckt mir überhaupt nicht. Gerade als das Chaos ausbricht und das fette Ende naht, entdeckt Stryke nämlich den Sinn der Instrumentale und Schluss ist. Die Orks sind gerettet, während draußen noch die Kacke dampft!

Wäre das Buch letztendlich einige Seiten kürzer, würde ich vielleicht sogar eine Empfehlung für Fantasten absondern, denn ich habe mich manchmal wirklich amüsiert. Viel zu oft schlug aber die Langeweile brutal zu, auch wenn mich dann ein deftiger Spruch wieder aus der Lethargie riss. Trotzdem habe ich gerade als ich die Buchmitte erreichte, nie mit (Vor)Freude nach dem Buch gegriffen, um endlich zu erforschen, wie es denn weitergeht – sondern eher mit einer Prise Pflichtbewußtsein, von wegen zu Ende lesen müssen/wollen. Denn das Ende wollte ich doch wieder wissen.

49 Bewertungen, 2 Kommentare

  • WotanCB

    29.03.2005, 02:32 Uhr von WotanCB
    Bewertung: sehr hilfreich

    Denn das lese ich gerade auch. Ich finde es nicht gut, aber unterhaltsam und beim Lesen deines berichtes sind mir doch einige sachen aufgefallen, die mich auch gestörrt haben, ohne dass ich sie benennen konnte. Christoph

  • alariel

    14.12.2004, 14:47 Uhr von alariel
    Bewertung: weniger hilfreich

    Irgendwie mag ich es nicht, wenn sich sämtliche Fantasy ständig am Herrn der Ringe messen lassen muss. Schliesslich gibt's noch andere Welten - und Quotenorkin hin oder her, wen soll's interessieren, wenn sie denn Charakter hat...