Niederlande Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von schraddel
Weihnachten in Amsterdam
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Weihnachten in Amsterdam
Amsterdam - das assoziiert mancher vielleicht mit Sommer, Sonne, High Life, "shiny happy people" aus aller Herren Länder, dem Aroma von Coffeeshops, durchgefeierten Nächten, Abhängen im Vondelpark...
Aber was, fragt Ihr vielleicht, macht jemand zu Weihnachten ausgerechnet in Amsterdam?
Nun, das kam so:
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Leaving Germany
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Nach einer ziemlich stressigen Vorweihnachtszeit waren meine Freundin und ich absolut urlaubsreif. Es war aber klar, dass es nur nach Europa gehen konnte, denn für weitere Strecken fehlte uns die Zeit. Mehr als ein paar Tage waren einfach nicht drin.
Wir klickten uns also durchs Internet auf der Suche nach preiswerten Angeboten, fanden nichts Passendes, und landeten schließlich durch Zufall auf der Seite der Deutschen Bahn. Einfach so losfahren und sehen, wo wir ankommen würden, das passte gut in unser Konzept. Warum nicht? - Wir ließen uns spaßeshalber ein paar Fahrpläne erstellen, und dabei fanden wir das Angebot "Sparpreis Niederlande". Wir sahen uns an, blickten uns tief in die Augen, und sagten gleichzeitig: "Amsterdam?".
Damit war die Entscheidung gefallen.
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Amsterdam, Centraal Station
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Die Bahnfahrt war relativ angenehm, aber nur, weil es uns gelang, in letzter Minute eine der wenigen noch freien Platzreservierungen zu ergattern. Nach der unvermeidlichen Wartezeit an der holländischen Grenze - dort müssen die Loks umgespannt werden, weil die Deutsche Bahn mit Wechselstrom fährt, die niederländische aber mit Gleichstrom, und die jeweils andere Lok nie pünktlich da ist - kamen wir mit knapp einer Stunde Verspätung am Amsterdamer Hauptbahnhof an. Um 15 Uhr begaben wir uns also auf die Suche nach einem Hotel.
Wer denkt, am 26. Dezember sei nichts los in Amsterdam, der irrt. Die Schlange beim VVV (Tourist-Info und Zimmervermittlung) gegenüber des Bahnhofs war ziemlich lang (wohl, weil nicht allzu viele Schalter besetzt waren), also tigerten wir zu Fuß los. Die Entscheidung erwies sich als richtig, denn in einem Hotel in relativer Bahnhofsnähe bekamen wir ein nettes Zimmer, das allerdings auch recht teuer war: 160 Gulden pro Nacht, das entspricht etwa 75 Euro. Einige Leute, die nach uns ankamen (und die Adresse vom VVV bekommen hatten), wurden abgewiesen. Wir hatten tatsächlich das letzte freie Zimmer bekommen.
Sicher fragt Ihr Euch jetzt, hat der schraddel einen Goldesel zuhause, oder wieso nimmt der ein Zimmer für 75 Euro? - Kurz gesagt, es war einfach ideal für einen entspannenden Urlaub zu zweit. Von den 15 Zimmern, die das Hotel hat, war es das einzige "Apartment"; und diesen Ausdruck kann man wörtlich nehmen, denn es befindet sich direkt unter dem Dach, hat Aussicht über die Dächer von Amsterdam, es führt eine eigene Treppe hinauf, vor der sich unten noch eine zweite abschließbare Tür befindet, hat eine Dusche asiatischer Bauart (großer gekachelter Raum mit Duschkopf, kein Mini-Kabinchen oder Wanne mit Vorhang), Kabel-TV (auch wenn der Bildschirm winzig ist), und ein superbequemes Doppelbett.
Und wieso, fragt Ihr Euch vielleicht, verrät uns der schraddel nicht, wie dieses Hotel heißt? - Ganz einfach: Ich möchte den Tipp nicht "verbraten". Wer diesen Text liest und nach Amsterdam fahren möchte, erhält die Anschrift gerne von mir per Mail. Alle anderen sollen selber suchen.
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The Greenhouse Effect
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Was macht der durchschnittliche Amsterdam-Tourist gleich am Abend nach der Ankunft? - Richtig: Er geht in einen Coffeeshop. Und falls jemand noch nicht wissen sollte, was das ist: Das sind die Läden, in denen man in aller Ruhe in Deutschland verbotene Substanzen käuflich erwerben und genüsslich rauchen kann.
Der nächstgelegene Laden dieser Art hieß "Greenhouse Effect", war winzig und mit lauter Musik beschallt, aber mit seinen rohen Holzdielen irgendwie gemütlich. Wir ließen uns froh auf ein Pfeifchen nieder, aber nach Bahnfahrt und Hotelsuche entwickeln selbst die Sitzflächen hölzerner Stühle eine gewisse Klebekraft, so dass wir unseren Aufenthalt etwas ausdehnten.
Glücklicherweise herrscht in dem Laden Selbstbedienung, so dass man bei Durst notgedrungen aufstehen musste; und weil sich noch dazu Hunger einstellte, beschlossen wir, zu gehen.
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Northern Lights are shining
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Draußen schneite es, und obwohl sich unser Hotel nur zwei Ecken weiter befand, entschieden wir uns für einen Spaziergang, verbunden mit intensiver Nahrungssuche. Es war herrlich, die Schneeflocken im Licht der Straßenlampen zu beobachten, und Amsterdams Gassen so menschenleer wie sonst selten zu sehen.
Kälte und Hunger trieben uns bald in einen der letzten Thai-Imbisse, die noch geöffnet hatten. Das Menü, das wir verspeisten, war königlich; wer allerdings die deutsch-entschärfte Variante asiatischen Essens kennt, sei gewarnt: "spicy" heißt "würzig" und ist scharf; "hot" heißt "scharf" und ist... - nun ja. Als erfahrene Asien-Reisende waren wir jedenfalls begeistert.
Es ist unserem leicht breiten Zustand zuzuschreiben, dass wir diesen Imbiss während des ganzen Aufenthalts in Amsterdam (immerhin fünf Tage) nicht wieder fanden. Das Essen, das wir an den üblichen Touristen-Abfütterstationen bekamen, ist kaum einer Beschreibung wert und schmeckt ziemlich langweilig. Trotzdem gibt es echte Highlights; man findet sie aber eher abseits und in Gassen, wo man es kaum vermuten würde.
Den Rückweg ins Hotel fanden wir dann irgendwie in konzentrischen Kreisen, und so gegen 2 Uhr morgens baten wir den Nachtportier höflich grinsend um Einlass.
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Breakfast for two
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Das Frühstück (im Preis inklusive) fiel üppig aus: Diverse Brotsorten, Toast, Käse, Schinken, O-Saft und Kaffee bis zum Abwinken, und holländisches Rosinenbrot, das so süß ist, dass es eigentlich keinen Marmeladen-Aufstrich mehr braucht. Dazu das obligatorische Ei. - Unsere Begeisterung über Menge und Service legte sich allerdings am dritten Tag, als wir feststellten, dass das ein Standard-Frühstück ohne jegliche Variationen ist. Also jeden Tag dasselbe.
Wir schalteten um auf Selbstversorgung, was durch einen nahe gelegenen 24-Stunden-Supermarkt sehr erleichtert wurde. (Ob der Laden wirklich 24 Stunden geöffnet hat, weiß ich nicht. Auf jeden Fall bis spät in die Nacht.) Die Preise dort waren zwar happig, aber es gab alles für den täglichen Bedarf und einige Leckereien obendrein. Und da wir den Laden bereits am zweiten Tag unseres Aufenthalts entdeckten, verbrachten wir den Nachmittag auf dem Bett herumlungernd mit essen, trinken, und "Discovery Channel" gucken. Die Restbestände aus dem "Greenhouse" taten ihr übriges.
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Walking the town
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Am nächsten Tag schneite es mal wieder. Nicht unangenehm, sondern in leichten, weißen Flocken. Ein ideales Wetter also für einen Spaziergang, denn schließlich wollten wir auch etwas von der Stadt sehen. Da wir beide nicht zum ersten Mal in Amsterdam waren, ließen wir die Sehenswürdigkeiten aus dem Reiseführer links liegen, und spazierten einfach herum.
Es war zwar schon der 28. Dezember, also ein ganz normaler Werktag, und trotzdem war die Stadt angenehm frei von Touristen. Sogar in der Fußgängerzone hatte man Platz, sich frei zu bewegen. An den Preisen in den Touristenlokalen änderte die Nebensaison jedoch nichts.
Irgendwann gegen Mittag gelangten wir in ein Café, in dem ein einsamer Computer stand, über dem ein Schild hing: "Internet". Ich konnte es mir nicht verkneifen, einen Gulden zu investieren und die Webcam abzurufen, die den Strand von Zandvoort (einem Küstenort in der Nähe von Amsterdam) zeigt (http://www.zandvoort.com). - Da stand zu lesen, dass die Kamera außerhalb der Saison nicht in Betrieb sei, und damit stand für uns fest: Wir mussten da hin.
Da vom Hauptbahnhof aus ein Regionalzug nach Zandvoort fährt, stellte das kein größeres Problem dar. Ein anderes war die Versorgung mit Geld, das uns langsam ausging. Zu diesem Zeitpunkt (vor ca. 2 Jahren) war die EC-Karte noch das einzige Mittel, vom heimischen Konto abzuheben, und die Automaten dafür waren recht dünn gesät. Auch, sich mit Prepaid-Handys von e-plus mobil zu verständigen, falls man sich verlor, war damals noch unmöglich. - Inzwischen hat sich diese Situation grundlegend geändert: Man kann mit e-plus auch bei Prepaid-Karten in den Niederlanden telefonieren, seit KPN (die ehemalige niederländische Post) den Laden mehrheitlich übernommen hat, und viele deutsche Banken (voran die Postbank) erlauben das Abheben mit der "normalen" Kontokarte auch bei Partnerbanken im Ausland.
Wir mussten noch ein wenig suchen - der Geldautomat im Hauptbahnhof befindet sich in der mittleren Halle, ist aber sehr unscheinbar, so dass man leicht daran vorbei läuft -, aber dann stand dem Ticketkauf nichts mehr im Wege.
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Kroket on the rocks
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Ein Strandspaziergang im Winter ist nichts für zart besaitete Gemüter. Das musste ich nach meiner Ankunft in Zandvoort feststellen.
Die Strandpromenade: verlassen. Die Strandlokale: verbrettert und verwaist. Die Möwen: scheinen auch zu frieren. Ein starker Wind weht vom Meer her; gefrorene Salzkristalle prallen auf Dein Gesicht und - für Brillenträger besonders schlimm - lagern sich als Kruste überall ab und trüben die Sicht. Ein einsamer Heringsverkäufer hält mit seinem Verkaufswagen die Stellung. Gleich dahinter steht der Traktor, der ihn abends vom Strand schleppen wird, und wenn man sich dem Stand nähert, spürt man eine angenehme Wärme. Das Geheimnis ist ein Gasbrenner, mit Hilfe dessen der Verkäufer Erfrierungen vorbeugt, und der sich im Inneren des Wagens befindet. Aha!
Wir verlassen den Strand und begeben uns ins Stadtinnere. Eine Mini-Fußgängerzone mit einem Schnellimbiss ist ein Lichtblick. Hier - wie überall in Holland - gibt es noch "Automatenrestaurants", eine Erfindung der 50er Jahre: Man wirft Geld in einen Automaten, öffnet eine Klappe, und holt sich einen frischen Snack heraus, der von den Angestellten "im Hintergrund" zubereitet und von hinten in die leeren Fächer nachgefüllt wird. Das ist normalerweise recht "lekker", aber das "Kroketje" (eine gewürzte Hackfleischrolle, das runde Pendant zur Berliner Boulette oder zum bayerischen Fleischpflanzl), das ich mir da aus dem Automaten zog, war innen roh und temperaturmäßig "on the rocks". Meine Freundin verzichtete auf diese sicherlich lehrreiche Erfahrung. Aber es war auch schon Zeit für unseren Zug zurück nach Amsterdam.
Im "Greenhouse" lassen wir den Tag ausklingen.
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Biodiversity
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Die von uns verspeisten Frühstücksmengen im Hotel werden mangels Abwechslung immer weniger. Glücklicherweise sind die Menschen verschieden, so dass meine Freundin sich ungestört über den Käse hermachen kann, während ich mich bevorzugt dem Schinken zuwende.
Verschieden ist heute auch unsere Tagesplanung. Wir haben vereinbart, uns am späten Nachmittag im Hotel zu treffen, da meine Freundin gerne in Ruhe einkaufen möchte, während ich mich zu einer Grachtenfahrt mit dem Boot und einem guten Mittagessen entschließe.
Danach ist bis zum Treffen noch reichlich Zeit, und ich suche das "Greenhouse" auf. Dort treffe ich Keith aus Bristol. Er ist, wie ich erfahre, schon seit zwei Wochen in Amsterdam; aber das hätte er nicht eigens erwähnen müssen. Wir diskutieren über "Biodiversity", die genetische Vielfalt der Arten, und darüber, ob Gras auch auf der Venus wächst, als mich eine außerirdische Begegnung der ganz anderen Art ereilt:
SIE steht in der Tür!
Jeder Mann, der jemals in eine hochphilosophische Diskussion verwickelt war, über Themen, von denen Frauen sowieso nichts verstehen, kann mir sicher nachfühlen, wie unangenehm diese Situation war. Ich wusste nicht, was ich tun sollte.
Aber bevor ich Keith erklären konnte, wer SIE ist, hatte sie schon ihre Einkaufstüten neben unserem Tisch abgestellt und mit den Worten, "Ihr habt wohl nichts mehr..." für rauch- und trinkbaren Nachschub gesorgt.
Viel, viel später einigten wir uns darauf, dass Biodiversität irgendwie wichtig ist und wohl etwas mit Frauen zu tun hat.
------------------------------
Checking out
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Am nächsten Tag checken wir nach dem Frühstück pünktlich aus dem Hotel aus und deponieren unser Gepäck in einem Schließfach im Bahnhof, da wir erst den Spätnachmittagszug nach Deutschland nehmen wollen.
Viel von der Stadt haben wir nicht gesehen, aber das war auch nicht unsere Absicht gewesen. Für touristische Besuche und "Sehenswürdigkeiten-Abklappern" ist der Sommer eindeutig die bessere Jahreszeit. Wer aber eine ruhige Zeit zu zweit oder zu mehreren verbringen möchte, und dabei nicht auf den Komfort einer Großstadt verzichten will, der kann das zu Weihnachten oder in der Zeit "zwischen den Jahren" in Amsterdam ganz gut. Das ist zumindest unsere Erfahrung nach fünf Tagen Amsterdam im Winter, und wir würden einen solchen Urlaub jederzeit wieder machen.
Amsterdam - das assoziiert mancher vielleicht mit Sommer, Sonne, High Life, "shiny happy people" aus aller Herren Länder, dem Aroma von Coffeeshops, durchgefeierten Nächten, Abhängen im Vondelpark...
Aber was, fragt Ihr vielleicht, macht jemand zu Weihnachten ausgerechnet in Amsterdam?
Nun, das kam so:
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Leaving Germany
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Nach einer ziemlich stressigen Vorweihnachtszeit waren meine Freundin und ich absolut urlaubsreif. Es war aber klar, dass es nur nach Europa gehen konnte, denn für weitere Strecken fehlte uns die Zeit. Mehr als ein paar Tage waren einfach nicht drin.
Wir klickten uns also durchs Internet auf der Suche nach preiswerten Angeboten, fanden nichts Passendes, und landeten schließlich durch Zufall auf der Seite der Deutschen Bahn. Einfach so losfahren und sehen, wo wir ankommen würden, das passte gut in unser Konzept. Warum nicht? - Wir ließen uns spaßeshalber ein paar Fahrpläne erstellen, und dabei fanden wir das Angebot "Sparpreis Niederlande". Wir sahen uns an, blickten uns tief in die Augen, und sagten gleichzeitig: "Amsterdam?".
Damit war die Entscheidung gefallen.
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Amsterdam, Centraal Station
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Die Bahnfahrt war relativ angenehm, aber nur, weil es uns gelang, in letzter Minute eine der wenigen noch freien Platzreservierungen zu ergattern. Nach der unvermeidlichen Wartezeit an der holländischen Grenze - dort müssen die Loks umgespannt werden, weil die Deutsche Bahn mit Wechselstrom fährt, die niederländische aber mit Gleichstrom, und die jeweils andere Lok nie pünktlich da ist - kamen wir mit knapp einer Stunde Verspätung am Amsterdamer Hauptbahnhof an. Um 15 Uhr begaben wir uns also auf die Suche nach einem Hotel.
Wer denkt, am 26. Dezember sei nichts los in Amsterdam, der irrt. Die Schlange beim VVV (Tourist-Info und Zimmervermittlung) gegenüber des Bahnhofs war ziemlich lang (wohl, weil nicht allzu viele Schalter besetzt waren), also tigerten wir zu Fuß los. Die Entscheidung erwies sich als richtig, denn in einem Hotel in relativer Bahnhofsnähe bekamen wir ein nettes Zimmer, das allerdings auch recht teuer war: 160 Gulden pro Nacht, das entspricht etwa 75 Euro. Einige Leute, die nach uns ankamen (und die Adresse vom VVV bekommen hatten), wurden abgewiesen. Wir hatten tatsächlich das letzte freie Zimmer bekommen.
Sicher fragt Ihr Euch jetzt, hat der schraddel einen Goldesel zuhause, oder wieso nimmt der ein Zimmer für 75 Euro? - Kurz gesagt, es war einfach ideal für einen entspannenden Urlaub zu zweit. Von den 15 Zimmern, die das Hotel hat, war es das einzige "Apartment"; und diesen Ausdruck kann man wörtlich nehmen, denn es befindet sich direkt unter dem Dach, hat Aussicht über die Dächer von Amsterdam, es führt eine eigene Treppe hinauf, vor der sich unten noch eine zweite abschließbare Tür befindet, hat eine Dusche asiatischer Bauart (großer gekachelter Raum mit Duschkopf, kein Mini-Kabinchen oder Wanne mit Vorhang), Kabel-TV (auch wenn der Bildschirm winzig ist), und ein superbequemes Doppelbett.
Und wieso, fragt Ihr Euch vielleicht, verrät uns der schraddel nicht, wie dieses Hotel heißt? - Ganz einfach: Ich möchte den Tipp nicht "verbraten". Wer diesen Text liest und nach Amsterdam fahren möchte, erhält die Anschrift gerne von mir per Mail. Alle anderen sollen selber suchen.
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The Greenhouse Effect
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Was macht der durchschnittliche Amsterdam-Tourist gleich am Abend nach der Ankunft? - Richtig: Er geht in einen Coffeeshop. Und falls jemand noch nicht wissen sollte, was das ist: Das sind die Läden, in denen man in aller Ruhe in Deutschland verbotene Substanzen käuflich erwerben und genüsslich rauchen kann.
Der nächstgelegene Laden dieser Art hieß "Greenhouse Effect", war winzig und mit lauter Musik beschallt, aber mit seinen rohen Holzdielen irgendwie gemütlich. Wir ließen uns froh auf ein Pfeifchen nieder, aber nach Bahnfahrt und Hotelsuche entwickeln selbst die Sitzflächen hölzerner Stühle eine gewisse Klebekraft, so dass wir unseren Aufenthalt etwas ausdehnten.
Glücklicherweise herrscht in dem Laden Selbstbedienung, so dass man bei Durst notgedrungen aufstehen musste; und weil sich noch dazu Hunger einstellte, beschlossen wir, zu gehen.
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Northern Lights are shining
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Draußen schneite es, und obwohl sich unser Hotel nur zwei Ecken weiter befand, entschieden wir uns für einen Spaziergang, verbunden mit intensiver Nahrungssuche. Es war herrlich, die Schneeflocken im Licht der Straßenlampen zu beobachten, und Amsterdams Gassen so menschenleer wie sonst selten zu sehen.
Kälte und Hunger trieben uns bald in einen der letzten Thai-Imbisse, die noch geöffnet hatten. Das Menü, das wir verspeisten, war königlich; wer allerdings die deutsch-entschärfte Variante asiatischen Essens kennt, sei gewarnt: "spicy" heißt "würzig" und ist scharf; "hot" heißt "scharf" und ist... - nun ja. Als erfahrene Asien-Reisende waren wir jedenfalls begeistert.
Es ist unserem leicht breiten Zustand zuzuschreiben, dass wir diesen Imbiss während des ganzen Aufenthalts in Amsterdam (immerhin fünf Tage) nicht wieder fanden. Das Essen, das wir an den üblichen Touristen-Abfütterstationen bekamen, ist kaum einer Beschreibung wert und schmeckt ziemlich langweilig. Trotzdem gibt es echte Highlights; man findet sie aber eher abseits und in Gassen, wo man es kaum vermuten würde.
Den Rückweg ins Hotel fanden wir dann irgendwie in konzentrischen Kreisen, und so gegen 2 Uhr morgens baten wir den Nachtportier höflich grinsend um Einlass.
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Breakfast for two
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Das Frühstück (im Preis inklusive) fiel üppig aus: Diverse Brotsorten, Toast, Käse, Schinken, O-Saft und Kaffee bis zum Abwinken, und holländisches Rosinenbrot, das so süß ist, dass es eigentlich keinen Marmeladen-Aufstrich mehr braucht. Dazu das obligatorische Ei. - Unsere Begeisterung über Menge und Service legte sich allerdings am dritten Tag, als wir feststellten, dass das ein Standard-Frühstück ohne jegliche Variationen ist. Also jeden Tag dasselbe.
Wir schalteten um auf Selbstversorgung, was durch einen nahe gelegenen 24-Stunden-Supermarkt sehr erleichtert wurde. (Ob der Laden wirklich 24 Stunden geöffnet hat, weiß ich nicht. Auf jeden Fall bis spät in die Nacht.) Die Preise dort waren zwar happig, aber es gab alles für den täglichen Bedarf und einige Leckereien obendrein. Und da wir den Laden bereits am zweiten Tag unseres Aufenthalts entdeckten, verbrachten wir den Nachmittag auf dem Bett herumlungernd mit essen, trinken, und "Discovery Channel" gucken. Die Restbestände aus dem "Greenhouse" taten ihr übriges.
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Walking the town
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Am nächsten Tag schneite es mal wieder. Nicht unangenehm, sondern in leichten, weißen Flocken. Ein ideales Wetter also für einen Spaziergang, denn schließlich wollten wir auch etwas von der Stadt sehen. Da wir beide nicht zum ersten Mal in Amsterdam waren, ließen wir die Sehenswürdigkeiten aus dem Reiseführer links liegen, und spazierten einfach herum.
Es war zwar schon der 28. Dezember, also ein ganz normaler Werktag, und trotzdem war die Stadt angenehm frei von Touristen. Sogar in der Fußgängerzone hatte man Platz, sich frei zu bewegen. An den Preisen in den Touristenlokalen änderte die Nebensaison jedoch nichts.
Irgendwann gegen Mittag gelangten wir in ein Café, in dem ein einsamer Computer stand, über dem ein Schild hing: "Internet". Ich konnte es mir nicht verkneifen, einen Gulden zu investieren und die Webcam abzurufen, die den Strand von Zandvoort (einem Küstenort in der Nähe von Amsterdam) zeigt (http://www.zandvoort.com). - Da stand zu lesen, dass die Kamera außerhalb der Saison nicht in Betrieb sei, und damit stand für uns fest: Wir mussten da hin.
Da vom Hauptbahnhof aus ein Regionalzug nach Zandvoort fährt, stellte das kein größeres Problem dar. Ein anderes war die Versorgung mit Geld, das uns langsam ausging. Zu diesem Zeitpunkt (vor ca. 2 Jahren) war die EC-Karte noch das einzige Mittel, vom heimischen Konto abzuheben, und die Automaten dafür waren recht dünn gesät. Auch, sich mit Prepaid-Handys von e-plus mobil zu verständigen, falls man sich verlor, war damals noch unmöglich. - Inzwischen hat sich diese Situation grundlegend geändert: Man kann mit e-plus auch bei Prepaid-Karten in den Niederlanden telefonieren, seit KPN (die ehemalige niederländische Post) den Laden mehrheitlich übernommen hat, und viele deutsche Banken (voran die Postbank) erlauben das Abheben mit der "normalen" Kontokarte auch bei Partnerbanken im Ausland.
Wir mussten noch ein wenig suchen - der Geldautomat im Hauptbahnhof befindet sich in der mittleren Halle, ist aber sehr unscheinbar, so dass man leicht daran vorbei läuft -, aber dann stand dem Ticketkauf nichts mehr im Wege.
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Kroket on the rocks
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Ein Strandspaziergang im Winter ist nichts für zart besaitete Gemüter. Das musste ich nach meiner Ankunft in Zandvoort feststellen.
Die Strandpromenade: verlassen. Die Strandlokale: verbrettert und verwaist. Die Möwen: scheinen auch zu frieren. Ein starker Wind weht vom Meer her; gefrorene Salzkristalle prallen auf Dein Gesicht und - für Brillenträger besonders schlimm - lagern sich als Kruste überall ab und trüben die Sicht. Ein einsamer Heringsverkäufer hält mit seinem Verkaufswagen die Stellung. Gleich dahinter steht der Traktor, der ihn abends vom Strand schleppen wird, und wenn man sich dem Stand nähert, spürt man eine angenehme Wärme. Das Geheimnis ist ein Gasbrenner, mit Hilfe dessen der Verkäufer Erfrierungen vorbeugt, und der sich im Inneren des Wagens befindet. Aha!
Wir verlassen den Strand und begeben uns ins Stadtinnere. Eine Mini-Fußgängerzone mit einem Schnellimbiss ist ein Lichtblick. Hier - wie überall in Holland - gibt es noch "Automatenrestaurants", eine Erfindung der 50er Jahre: Man wirft Geld in einen Automaten, öffnet eine Klappe, und holt sich einen frischen Snack heraus, der von den Angestellten "im Hintergrund" zubereitet und von hinten in die leeren Fächer nachgefüllt wird. Das ist normalerweise recht "lekker", aber das "Kroketje" (eine gewürzte Hackfleischrolle, das runde Pendant zur Berliner Boulette oder zum bayerischen Fleischpflanzl), das ich mir da aus dem Automaten zog, war innen roh und temperaturmäßig "on the rocks". Meine Freundin verzichtete auf diese sicherlich lehrreiche Erfahrung. Aber es war auch schon Zeit für unseren Zug zurück nach Amsterdam.
Im "Greenhouse" lassen wir den Tag ausklingen.
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Die von uns verspeisten Frühstücksmengen im Hotel werden mangels Abwechslung immer weniger. Glücklicherweise sind die Menschen verschieden, so dass meine Freundin sich ungestört über den Käse hermachen kann, während ich mich bevorzugt dem Schinken zuwende.
Verschieden ist heute auch unsere Tagesplanung. Wir haben vereinbart, uns am späten Nachmittag im Hotel zu treffen, da meine Freundin gerne in Ruhe einkaufen möchte, während ich mich zu einer Grachtenfahrt mit dem Boot und einem guten Mittagessen entschließe.
Danach ist bis zum Treffen noch reichlich Zeit, und ich suche das "Greenhouse" auf. Dort treffe ich Keith aus Bristol. Er ist, wie ich erfahre, schon seit zwei Wochen in Amsterdam; aber das hätte er nicht eigens erwähnen müssen. Wir diskutieren über "Biodiversity", die genetische Vielfalt der Arten, und darüber, ob Gras auch auf der Venus wächst, als mich eine außerirdische Begegnung der ganz anderen Art ereilt:
SIE steht in der Tür!
Jeder Mann, der jemals in eine hochphilosophische Diskussion verwickelt war, über Themen, von denen Frauen sowieso nichts verstehen, kann mir sicher nachfühlen, wie unangenehm diese Situation war. Ich wusste nicht, was ich tun sollte.
Aber bevor ich Keith erklären konnte, wer SIE ist, hatte sie schon ihre Einkaufstüten neben unserem Tisch abgestellt und mit den Worten, "Ihr habt wohl nichts mehr..." für rauch- und trinkbaren Nachschub gesorgt.
Viel, viel später einigten wir uns darauf, dass Biodiversität irgendwie wichtig ist und wohl etwas mit Frauen zu tun hat.
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Checking out
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Am nächsten Tag checken wir nach dem Frühstück pünktlich aus dem Hotel aus und deponieren unser Gepäck in einem Schließfach im Bahnhof, da wir erst den Spätnachmittagszug nach Deutschland nehmen wollen.
Viel von der Stadt haben wir nicht gesehen, aber das war auch nicht unsere Absicht gewesen. Für touristische Besuche und "Sehenswürdigkeiten-Abklappern" ist der Sommer eindeutig die bessere Jahreszeit. Wer aber eine ruhige Zeit zu zweit oder zu mehreren verbringen möchte, und dabei nicht auf den Komfort einer Großstadt verzichten will, der kann das zu Weihnachten oder in der Zeit "zwischen den Jahren" in Amsterdam ganz gut. Das ist zumindest unsere Erfahrung nach fünf Tagen Amsterdam im Winter, und wir würden einen solchen Urlaub jederzeit wieder machen.
8 Bewertungen, 1 Kommentar
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15.06.2003, 18:42 Uhr von Yopinchen
Bewertung: sehr hilfreichNaja, ich bin an Weihnachten lieber zu Hause hier in Deutschland, auch wenn das Wetter immer so blöd ist... Lieben Gruss ;o)
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