Offenstallhaltung Testbericht

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Erfahrungsbericht von wilma

Offenstallhaltung? Ja gerne, aber......

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Klar, Offenstallhaltung klingt optimal und könnte es vermutlich auch sein.........wenn nicht....... aber ich fange vielleicht mal ganz von vorne an - hoffentlich auch für diejenigen unter Euch verständlich, die nicht soviel Ahnung von Pferden und ihren Bedürfnissen haben.

Ich reite seit 25 Jahren, bin seit 11 Jahren Pferdebesitzer und habe derzeit 3 Pferde. Natürlich mache ich mir schon seit längerer Zeit Gedanken über die optimale Pferdehaltung. Den Begriff 'artgerecht' halte ich für falsch, weil artgerecht für mich die totale Freiheit der Pferde fernab der Zivilisation und vor allem fernab von Reitern und Fahrern bedeutet. Dies ist aber in dieser Zeit und in dieser Gegend (Mitteleuropa) einfach ein Ding der Unmöglichkeit.

Pferde sind von Natur aus Lauftiere - das heißt, in Ihrem ursprünglichen Leben als Wildpferd sind sie in ständiger Vorwärtsbewegung und verbringen den Großteil Ihres Lebens fressend. Und, sie sind Herdentiere – die sozialen Kontakte zu Artgenossen sind für die Entwicklung des jungen Pferdes und für die Ausgeglichenheit des erwachsenen Pferdes immens wichtig.

Das Schlimmste, was man einem Pferd also antun kann, ist 24-stündige Boxen-Einzelhaft, die dann vielleicht für eine halbe oder ganze Stunde von einem ehrgeizigen Reiter unterbrochen wird, um in der Halle seine Kreise zu ziehen, oder über Hindernisse zu springen. (Über Anbindehaltung in Ständern will ich gar nicht schreiben, weil diese Form der Haltung eigentlich ohnehin bereits verboten ist und hoffentlich auch tatsächlich nirgends mehr vorkommt).

Die richtige Alternative dazu wäre also, dem Pferd soviel Zeit wie möglich zusammen mit Artgenossen auf einer Koppel zu ermöglichen. Diese Haltungsform, in der das Pferd sich 24 Stunden am Tag wahlweise im Freien oder in einem schützenden Unterstand aufhalten kann und diese Fläche mit anderen Pferden teilt, nennt man Offenstall.

Leider gibt es auch bei der Offenstallhaltung ausgesprochen schlechte Beispiele, wie matschige Koppeln, auf denen die Pferde bis zu den Fesselgelenken im Gatsch versinken (wenn es dann friert, wird diese Fläche zur potentiellen Haxenbrecherbahn), zugige oder zu kleine Unterstände, schlechtes Fütterungsmangement (ranghohe Tiere bekommen mehr Futter als sie brauchen) und das Hauptmanko ist im Allgemeinen zu wenig Weidefläche.

Offenstallhaltung wird meist als preiswerte Alternative zu den Luxus-Boxenställen angepriesen, jedoch würde, meiner Meinung nach, ein gut geführter und gestalteter Offenstall wesentlich kosten- und arbeitsintensiver sein, als ein Boxenstall.

Wenn ich einmal von meinem Traum des idealen Offenstalles ausgehe, dann ist die Grundvoraussetzung für diese Haltungsform viel, viel Platz (leider in unseren Breiten höchstens etwas für Lotto-Jackpot-Knacker). Nicht nur, daß ich (variierend je nach Herdengröße) einen ausreichend großen, zugfreien Unterstand (mit zwei Eingängen, mit zwei Eingängen, dmait rangniedere Tiere hinausflüchten können bzw. ein ranghohes Tier nicht einfach den Eingang blockieren kann) brauche, gehört der Platz vor (bzw. rund um) den Unterstand absolut wetterfest hergerichtet. Die Herde benötigt für den Winter einen Auslauf, der wenigstens 200 m²/Pferd groß sein sollte. Dieser Auslauf muß so drainagiert und befestigt sein, daß die Pferde in der nassen Jahreszeit nicht ständig im tiefen Gatsch stehen, bzw. immer die Möglichkeit haben, sich auf trockene Flecken zurückzuziehen. Für die Sommerzeit (bzw. natürlich auch im Winter, wenn genug Schnee liegt als Auslauf) sollten dann noch ausreichend Weiden für die Pferde zur Verfügung stehen. Man rechnet mit einem Hektar Weidefläche/Pferd ist als Erhaltungsfutter ausreichend. Es gibt aber auch viele Pferde, denen so ein Überangebot an Gras einfach zu viel wird und die dadurch gesundheitliche Probleme bekommen. Außerdem werden unsere Pferde, die ja meist auch als Reit- oder Zugtiere dienen, ohnehin mit Kraft- und Rauhfutter zugefüttert, sodaß man sicher auch mit der halben Weidefläche auskommt. Es kommt dann stark auf die Herde an, ob man die Pferde rund um die Uhr, oder nur stundenweise auf die Weide läßt. Allerdings sollte man immer die Möglichkeit haben, einen Teil der Weide abzusperren, damit sich dieser Teil der Wiese wieder erholen kann.

Alles, was man sonst an baulichen Einrichtungen noch braucht, ist das gleiche, wie in jedem anderen Reitstall: Putzplatz, Waschplatz, Beschlags- und Tierarztplatz, Sattelkammer, Garderobe, Futterkammer, Lagerraum für Heu, Stroh, Sägespäne, Misthaufen, ev. ein oder mehrere Reitplätze, Halle, Longierzirkel......

Wenn man nun wirklich in der Lage war, so einen Ideal-Offenstall zu bauen, muß man natürlich dafür sorgen, daß die Anlage auch in Schuß bleibt. Wichtig ist, daß der/die Unterstände und der Winterpaddock wenigstens zweimal täglich gemistet werden und auch die Weiden regelmäßig abgeäppelt werden. Die Weidezäune müssen regelmäßig kontrolliert und ausgebessert werden, Stromlitzen müssen von Grünbewuchs freigehalten werden.

Ein weiteres Problem ist die Fütterung der Pferde. Da jedes Pferd individuellen Futterbedarf hat, muß auch dementsprechend zugefüttert werden. Damit sich ein ranghohes Tier nicht den ganzen Hafer ‚unter den Nagel reißt‘ gibt es einerseits die Möglichkeit der getrennten Fütterung – die Pferde werden zur Futterzeit bei Ihrem Futtertrog angebunden und nachher wieder losgemacht (ausgesprochen arbeitsintensiv, wenn es sich um eine größere Herde handelt) oder man hat dieses elektronische Futtersystem (miri555 hat es ganz gut in ihrem Bericht beschrieben), das natürlich entsprechend teuer ist.

Fazit für mich: bis jetzt habe ich den idealen Offenstall in meiner Umgebung noch nicht gefunden, daher müssen meine Pferde weiterhin in Boxenhaltung mit täglichem Koppel/Weidegang leben. Für mich ist ein guter Boxenstall eben pferdefreundlicher, als ein schlechter Offenstall. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, daß es doch einmal den idealen Betrieb für mich und meine Pferde gibt (wenn Ihr einen kennt, der von Wien 21 einigermaßen günstig erreichbar ist, dann immer nur her mit den Vorschlägen) - oder ich warte einfach auf den nächsten Lottosechser ;-)

P.S: meine allgemeine Bewertung 'sehr gut' bezieht sich natürlich nur auf den optimalen Offenstall

24 Bewertungen, 5 Kommentare

  • stelpa

    02.03.2003, 14:49 Uhr von stelpa
    Bewertung: sehr hilfreich

    stimmt! Offenstall bringt Nachteile! aber solang das Pferd täglich rauskommt ist eine Box auch nicht so schlimm... (meiner steht auch Nachts in der Box, weil er sonst zu fett werden würde...) Islandpferdeställe sind meist Offenställe

  • eva.z

    25.10.2002, 17:18 Uhr von eva.z
    Bewertung: sehr hilfreich

    guter bericht

  • nati1311

    11.07.2002, 12:03 Uhr von nati1311
    Bewertung: sehr hilfreich

    hab auch ein pferd.steht momentan auf der weide. guter bericht!

  • surfbabeblue

    05.04.2002, 15:27 Uhr von surfbabeblue
    Bewertung: sehr hilfreich

    Eine gute Beschreibung, kann ich nur befürworten. Ich habe mal einen Bericht gelesen, da hat einer genau so was aufgezogen. Leider weiß ich nicht mehr wer oder wo. Aber für 80 % der Pferde dürfte es ein Traum bleiben. Wir, die Halter,

  • Jenni_Aurin

    07.03.2002, 16:53 Uhr von Jenni_Aurin
    Bewertung: sehr hilfreich

    habe auch pferde und bin deiner meinung.schöner bericht