Ohne dich - Münchner Freiheit Testbericht

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  • Cover-Design:  durchschnittlich
  • Klangqualität:  gut

Erfahrungsbericht von LeaofRafiki

Von Ohrwürmern und Ohrenwärmern

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Also vorneweg, mit Ohrwürmern meine ich nicht diese im Garten sehr nützlichen kleinen braunen Tierchen, von denen man immer unberechtigterweise Sorge hat, daß sie einem in die Lauscher krabbeln könnten und unter Ohrenwärmern verstehe ich auch nicht diese seltsamen Gebilde aus zwei Plüschplatten, die in der Mitte mit einem Bügel, den man sich über den Kopf schieben kann, versehen sind, um die Ohren zu schützen, sondern zum einen Songs, die sich einem ins Gedächtnis graben wie Ackerfurchen, in denen man versinken kann und zum anderen so ca. 4- 6 kg schwere bepelzte Wesen, die nächtens ihren Platz auf dem eigenen Kopfkissen beanspruchen um sich dann möglichst malerisch um das Haupt ihres Schlaf suchenden Menschen zu kringeln.

Von beidem hab ich reichlich, und letztens ist noch was hinzugekommen. Ein Song, der sich, nur schon beim Lesen des Refrains in meinem Kopf breit machte und dortens mittlerweile gigantische Ausmaße erreicht hat, so daß ich an nichts anderes mehrdenken kann. Dabei ist er gar nicht mal so besonders gut, oder gar künstlerisch wertvoll, dieser Song, aber darauf nehmen Ohrwürmer ja keine Rücksicht - genausowenig wie die Bepelzten auf das Schlafbedürfnis ihres Menschen.

Die Rede ist von „Ohne Dich\" der Gruppe „Münchener Freiheit\".
Als relative Pop-Banausin, erst recht, was deutschsprachige Songs angeht so wußte ich bis dato nicht einmal, daß ausgerechnet dieser Song dieser Gruppe zuzuordnen ist..., aber zum Lernen ist es nie zu spät, also beschaffte ich mir den Text, um mal zu schauen, was denn da meine grauen Zellen von Wichtigerem abhält. Nun will ich auch niemandem vorenthalten, was mein kätzisches Alter Ego dazu meint:


Ich will mich nicht verändern, um Dir zu imponier\'n,
„Meine liebe Menschin, das brauchst Du auch nicht! Du weißt doch, wie Feliden schaun mehr auf innere Werte und was das Imponiergehabe angeht, so reicht es, wenn unserereins damit den Artgenossengegenüber angibt!\"

und nicht den ganzen Abend Probleme diskutier\'n,
„Meine Liebe Menschin, du weißt doch, wir Feliden haben so unsere eigene Art zu diskutieren... Aber das tun wir ebenfalls bestenfalls untereinander, in Auseinandersetzungen mit uns Feliden zieht ihr Humnaoiden jedesmal den Kürzeren. Und wenn es uns zu dolle wird, kringeln wir einfach unseren Schwanz dekorativ um unsere Pfoten, fahren uns mit derselben durch‘s Gesicht und beschäftigen uns mit wichtigeren Dingen.\"

aber eines geb ich zu: Das, was ich will, bist du!
„Meine liebe Menschin, das könnte Dir so passen! Wir sind eine freiheitsliebende Art! Du wirst nie wirklich einen von uns haben können, bestenfalls kommen wir freiwillig...\"

Ich will nichts garantieren, das ich nicht halt\'n kann,
„Aber wenigstens ausreichend Futter, Streicheleinheiten, Spiel- und Schmusestunden, ein regelmäßig gesäubertes Katzenklo wirst Du uns doch garantieren können, sonst suchen wir uns einfach einen neuen Dosenöffner.\"

will mit Dir was erleben, besser gleich als irgendwann,
„Das kannst Du haben! Mit uns wird es Dir nie langweilig werden! Je nach Laune räumen wir dir die Regale aus, klettern die Gardinen hoch, verstecken uns, so daß du uns lange suchen mußt oder deine Feuerzeuge, Kugelschreiber, Schlüsselbunde, eben alles, was klimpert und glitzert, damit du die suchen mußt, wir klauen dir die Wurst vom Frühstückstisch, wenn du nicht aufpaßt, bringen Dir als Freigänger lauter nette Geschenke wie erlegte Mäuse, Spinnen oder Schmetterlinge, und erfreuen dich mit unserer Gegenwart, wann immer du eigentlich was anderes vorhast...\"

Ich will nicht alles sagen und nicht so viel erklär\'n,
und nicht mit zuviel Wort\'n den Augenblick zerstör\'n,
„Sieh an, du hast ja schon etwas gelernt von uns... Wir sind ja meist auch recht wortkarg und genießen viel lieber ein ruhiges, stilles Beinandersein. In Schweigen vereint, nur unsere Blicke treffen sich manchmal (wenn ich nicht gerade wohlig in Deinem Schoß döse) und mehr und mehr wirst du merken, wie unsere Gelassenheit und Ruhe, unsere Fähgkeit, alles Unwichtige fahren zu lassen, auf dich übergehen wird.\"

Ich will auch nichts erzählen,
was Dich eh nicht intressiert,
will mit Dir was erleben,
was uns beide fasziniert,
„Meine Liebe Menschin, das stimmt doch so nicht! Du kannst mir so viel erzählen, denn ich liebe den Klang deiner Stimme, egal was sagst, so lange du nicht mit mir schimpfst. Auch wenn ich nicht alle Worte verstehe, so verstehe ich doch, was hinter ihnen liegt. Und wenn sie freudig klingt, freue ich mich mit dir, wenn sie sorgenvoll, ängstlich oder traurig klingt, stupse ich dich einfach leicht an, um dich wieder zum Lachen zu bringen oder leck dir die salzigen Tränen aus dem Gesicht. Und wenn ich eines Tages mal nicht mehr bei dir bin, wirst du dich doch immer daran erinnern, an die vielen Momente, in denen du mir fasziniert zugeschaut hast, wenn ich mich elegant geputzt habe, oder vielleicht weniger elegant eine Fliege gefangen habe.

und ich gebe offen zu: Das, was ich will, bist du!
„Aber, du hast mich doch schon... willst du etwa noch mehr von meiner Sorte?\"

Ohne Dich schlaf ich heut\' Nacht nicht ein!
Ohne Dich fahr ich heut\' Nacht nicht heim!
Ohne Dich komm ich heut\' nicht zur Ruh\'!
„Meine liebe Menschin, das wäre ja noch schöner, wenn du dich einfach zur Ruhe legen wolltest, ohne mein Geschnurre, ohne meine samtweichen Pfoten, die dich an der Nase kitzeln, ohne mein Kampfgewicht, wenn ich vom Kratzbaum herab auf deinen Bauch springe und ohne meinen flauschigen Pelz an deinen Ohren, wenn ich mich um dich herumwickele und das so herrliche weiche Kopfkissen am liebsten für mich allein beanspruchen würde, und so ein klitzekleines bißchen darfst du dir auch ruhig Sorgen machen, wenn ich mal nicht gleich heimkomme, wenn du mich rufst, du weißt doch, die Nacht ist eigentlich die wichtigste Tageszeit für uns, wie gemacht für Stelldicheins mit samtpfötigen Schönen und ehrwürdige Treffen der Bruderschaft der Kater. Aber, wenn Du mir hoch und heilig versprichst, mich nicht dauernd mit so einer blöden schunkelnden, stinkenden Knatterkiste durch die Gegend, womöglich zu so einem ätzend riechenden Weisskittel zu kutschieren und mich nie, nie, nie über nacht da läßt, komme ich immer wieder gerne freiwillig, dich mit meiner Anwesenheit zu beglücken.\"

Das was ich will, bist du!
„Allerliebste, ich bin doch da!\"

(Münchner Freiheit - im Dialog mit Leas Mitbewohnern)

Was Ohrwürmer und Ohrenwärmer angeht, sie kommen meist ungerufen, meist dann, wenn man nicht mit ihnen rechnet, nisten sich ein und bleiben - bis sie eines Tages wieder verschwinden.

Und jedesmal, wenn ich auch nur wenige Akkorde dieses Songs höre, möchte ich ihn am liebsten wieder aus dem Kopf schütteln wie lästige Parasiten, und lieber dem sanften, melodischen Schnurren meiner Hausgenossen lauschen - seit nunmehr über 17 Jahren, aber ach, zuweilen wird er wieder im Radio gespielt und verfolgt mich dann über Stunden und Tage.


© LeaofRafiki 10.02.2003

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ACHTUNG FAKERSCHUTZ: Ich poste meine Berichte lieber selber und unter gleichem Nick regelmäßig bei Ciao, häufig bei Yopi, ab und an bei talkon, nach dem Relaunch selten Dooyoo, und noch seltener auf irgendwelchen anderen Plattformen *grins*

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