Oslo Testbericht

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Erfahrungsbericht von bjlghs

Oslo - interessant aber Oslo ist nicht Norwegen

Pro:

super Einkaufen, interessante Bauten, Skischanze

Kontra:

\"sauteuer\"

Empfehlung:

Ja

Oslo - interessant aber Oslo ist nicht Norwegen

Nachdem ich nun schon dreimal in dem von den Norwegern selbst gern als schönste Hauptstadt Europas bezeichneten Oslo war, hier nun ein kleiner Bericht zu dieser durchaus interessanten Stadt.

Oslo allgemein

Oslo ist die Hauptstadt Norwegens und liegt am Ende des wunderschönen Oslofjordes, der sich über viele Kilometer ins Land zieht und vom Schiff aus eine Vielzahl hübscher Fotomotive hergibt und mit einer herrlichen bergigen, oder vielmehr hügeligen Küstenlinie glänzt. Eine unserer Oslobesuche war Teil des Schnuppertrips Kiel-Oslo-Kiel, der sehr empfehlenswert, wenn auch ziemlich teuer ist. Andererseits ist das Wort teuer ohnehin ständiger Begleiter aller Dinge, die mit Norwegen zu tun haben.

Oslo hat mit seinem Eingemeindungen (Regierungsbezirk) eine Fläche von rund 454 qkm und ist damit nur \"etwas mehr als halb so groß\" wie Hamburg. Mit den Eingemeindungen kommt die Stadt auf rund 770.000 Einwohner, Oslo allein ohne die Randgemeinden hat nur etwa 520.000 Einwohner und ist damit kaum größer als Hannover.

Bedenkt man, dass in ganz Norwegen nur knapp 4 Millionen Menschen leben, dann leben also rund 1/7 bis 1/6 der Gesamtbevölkerung im Raume Oslo.

Oslo teilt sich in 16 Bezirke auf : gemäß der aktuellen Stadtteilsreform ab 1.1.2004: Østensjø, Grünerløkka, Sagene, Nordstrand, St. Hanshaugen, Frogner, Ullern, Vestre Aker, Nordre Aker, Bjerke, Gamle Oslo, Grorud, Stovner, Alna, Søndre Nordstrand und der Nord-Mark (Marken oder Marka)

Kommt man mit dem Schiff nach Oslo hinein, ist es bis zur Innnenstadt schon ein wenig zu laufen. da empfiehlt sich eine kurze (und teure) Taxifahrt bis ins Zentrum zum Beispiel bis zur Karl-Johans-Gate, dann ist man mitten drin in dieser so lebendigen \"Kleinstadt\". Man kann sehr schön eine ganze Reihe von Sehenswürdigkeiten der Stadt zu Fuß erreichen und zu anderen kommt man ohne Taxi problemlos mit öffentlichen Verkerhsmitteln, wie Bus oder U-Bahn.

Rathaus und Akers Hus

Starten wir mit dem Rathaus, dass direkt an der Hafenlinie neben der Burganlage Akers Hus liegt. Häufig wird in der Literatur von einem schönen Rathaus gesprochen, aber dass kann ich nun wirklich nicht bestätigen. Der klotzige, aus dunkelroten Ziegeln bestehende Bau hat aus meiner Sicht eher etwas Düsteres an sich und es gibt wahrlich schönere Rathäuser in diesem, unserem Europa (Kopenhagen, London, Rom).

Neben diesem in seiner eckigen Turmbauweise zumindest sehr markantem Rathausbau liegt die Burganlage Akers Hus, die sehr schön restauriert und ausgestaltet ist. Man kann dort über alle Wälle laufen, die fast durchweg begrünt sind, die alten Kanonen bewundern, das im frühen Mittelalter ausgeprägte Verteidigungsdenken gut erkennen und hat eine herrliche Aussicht auf den Hafen und die Stadtlinie an der Hafenmeile. Wenn man Glück hat, liegt direkt an einer Seite der Burg an der keine 50 Meter entfernten Pier eines der großen Kreuszfahrtschiffe (wir konnten das Ablegemanöver eines italienischen Riesenpottes beobachten, was schon sehr interessant und eindrucksvoll war).

Karl-Johans-Gate und Schloss-Platz

Natürlich darf ein Besuch des Schlossplatzes am Ende, bzw. Anfang der Karl-Johans Gate, der bekanntesten Einkaufsstraße Oslos, nicht fehlen. Das Schloss wird bewacht von bewaffneten Elitesoldaten, die vor dem Schloss postiert sind und alte Uniformen tragen. Man darf sich aber nicht täuschen lassen. Wenn zu viele Menschen zu nahe an den Eingang kommen, oder gar eine Absperrung übersteigen (so von uns 1999 gesehen) dann ist es ein Sekundenwerk, bis weitere Soldaten neben den schon vorhandenen stehen und deutlich machen, bis hierher und nicht weiter. (Wer ist auch so blöd und steigt angesichts scharfer Waffen über eine Absperrung).

Neben ganz vielen Skulturen und Denkmälern überall in der Hauptstadt sind es vor allem die aneinandergereihten Patrizierhäuser in Gamle Oslo, die sehenswert sind. Und eben diese sehr belebte und internationale Karl-Johans Gate, auf der man alles kaufen kann, was das Luxusherz begehrt. Normales Taschengeld langt dabei in aller Regel nicht. Jeansshops, Boutiquen, edle Restaurants, Pizzerien (die keineswegs als preiswert einzustufen sind), kleine und größere Kaufhäuser, Juweliere und Uhrenfachgeschäfte, Jagdshops, Cafés, Elektroläden hier besonders Telefonshops und viele andere Läden tummeln sich hier.

Die besondere Atmosphäre dieser Straße wird aber geprägt durch die zumindest bei unseren Besuchen meist zahlreichen Straßenmusikern, die zum Teil beachtliches musikalisches Niveau erreichen. Dabei sind alle möglichen Richtungen vertreten. So trifft man z.B. kleine Mädchen mit Geigen (die konnten richtig gut spielen und ich hatte das Gefühl, dass sie die Töne, die sie treffen wollten auch trafen), den Countrysänger mit Gitarre und Schlagzeug (auf dem Rücken, betätigt durch Fußbewegung), der wirklich ganz ordentliche Musik machte und von dem ich noch heute eine CD habe, den Folklore- (Bänkel-)sänger mit Gitarre und Mikrofon für seinen in der Tat etwas dürftigen Gesang genauso, wie die in fast allen Fußgängerpassagen Europas vetretenen peruanischen Flötenquäler, die in der Tat rhythmisch ansprechende Songs hervorbrachten, aber spätestens beim zweiten (sehr ähnlich klingenden) Lied zur Ohrenqual wurden.

Dazu saßen alte und junge Männer an Schachbrettern und spielten ein Blitzschachturnier auf der Straße aus, es gab etliche Straßenstände mit Handwerksangeboten und noch mehr kleine Buden mit Snacks und essbarem Handlichen. Wir hatten dereinst eine Entscheidung für eine der vielen Pizzerien getroffen und konnten feststellen, dass wir zum gleichen Preis umgerechnet in Hamburg in einem der besseren Lokale hätten speisen können. Mit drei Personen jeweils eine Pizza und ein Getränk (alkoholfrei) kostete umgerechnet locker 72 DM. Wir haben insbesondere diesen Teil der Oslobesuche jeweils sehr genossen, denn (nur) in diesem Teil Oslos kam echtes Großstadtflair auf.

Mueumsinsel
Kontiki und Fram

In Oslo gibt es eine sogenannte Museumsinsel, auf der mehrere interessante Museen direkt nebeneiander errichtet wurden. Ich möchte hier zwei besonders herausheben, deren Besuch ich empfehlen kann.

Zum einen ist es das Kontiki-Museum, in dem alles das, was mit Thor Heyerdals Leben zu tun hatte, akribisch dokumentiert wurde. Die Atmosphäre in skandinavischen Mueen ist dabei nicht zu vergleichen mit der in deutschen Museen. Hier geht alles etwas lockerer zu, die Exponate sind wie ich finde, sehr lebendig ausgestellt, man kommt in aller Regel auf Anfaßnähe heran, was nicht heißt, dass man auch alles anfassen darf und die Räumlichkeiten sind in aller Regel hell und freundlich und durch viel Beleuchtung attraktiv.

Das Kontiki-Museum zeigt u.a. die Papyrus-Boote (RA 2 z.B.), mit denen Heyerdahl nachgewiesen hat, dass es für die Küstenindianer Südamerikas möglich war, vom südamerikanischen Festland bis auf weit entfernte polynesische Inseln zu gelangen. Ein insgesamt auch für Kinder sehr spannendes Museum.

Noch interessanter für Kinder ist das \"Fram\"-Museum. Hier hat man das Polarschiff \"Fram\" an Land gezogen und ringsherum das Museumsgebäude errichtet. Mit der Fram waren der Polarforscher Fridtjof Nansen und der wohl noch berühmtere Roald Admunsen zum Nord- und Südpol unterwegs gewesen und noch heute behaupten die Norweger steif und fest, dass die Fram das wohl solideste Schiff seiner Zeit gewesen ist. Angesichts der tollen Leistungen, die dieses Schiff erbracht hat, kann man die Norweger gern in diesem Glauben lassen.

Das schöne an diesem Museum ist nicht nur seine Lage direkt am Oslofjord und Hafen, sondern auch der Umstand. dass man das Schiff auch in allen Innenräumen durchstöbern kann, sehen kann, wie die Menschen auf ihren entbehrungsreichen Fahrten gelebt haben, wie sie bei medizinischen Notfällen gelitten haben mussten (allein die Auslage der groben Instrumente des Schiffsarztes können da Respekt erzeugen) und welche Waffen und sonstige Gegenstände für solche frühen Expeditionen in eisige Regionen genutzt wurden.

Rings um das recht imposante Schiff herum gibt es eine Vielzahl von Ausstellungsthemen rund um Nord- und Südpol, die Expeditionen, die nordischen Tiere und viele Fotos und Gemälde zum Thema des Museums. Aus meiner Sicht eine rundum gelungene Mischung, die auch für die vielen Kids, die wir dort angetroffen haben, sehr spannend zu sein schien.

Frammuseet
Bygdøynesveien 36
0286 Oslo
Tel: 23 28 29 50
Fax: 23 28 29 51

Oslo ist nicht Norwegen

Wenn man dann zwischen den Museen, die unmittelbar nebeneinander liegen, herumgeht, wird klar, dass Oslo nicht Norwegen ist. Weder in Bergen, noch in Kristiansund / W, noch in Molde oder in Drammen ist uns so viel Dreck und Abfall außerhalb der dafür vorgesehenen Behälter begegnet. Oslo ist eben ein Schmelztiegel, in dem die halbe Welt lebt, und eben nicht nur Norweger. In allen anderen Orten dieses Landes (Städte, Kleinstädte, Mini-Orte, Campingplätze) strotzte dieses Land bislang vor Sauberkeit, nur eben in Oslo nicht, wo es auch in der Innenstadt, wie in vielen Großstädten dieser Welt, häßliche Graffittis gibt und eben auch Müll auf öffentlichen Plätzen und Straßen. Hier soll nicht der Eindruck entstehen, Oslo sei eine schmutzige Stadt, eher im Gegenteil, Oslo ist sicher nicht schmutziger als Hamburg oder Bremen, aber eben doch deutlich weniger sauber als der Rest des Landes.

Holmenkollen-Skisprungschanze

Ach ja und dann gibt es in dieser teilweise an hohen Hügeln klebenden, sehenswerten Stadt auch noch die weltberühmte Holmenkollen-Skisprungschanze. Diese besuchten wir zuletzt im Dezember 2002 bei eisigem Wind, gemessenen 7 Grad minus, gefühlten minus 20 Grad und teilweise extrem dichtem Schneetreiben. Wir waren mit der U-Bahn aus der Innenstadt kommend den hohen Berg hinaufgefahren, was angesichts der grandiosen Aussicht bei klarem Wetter sehr lohnenswert ist. Die U-Bahn, die an vielen Straßen vorbei oder über sie hinweg ihren Weg nach oben nimmt, unterscheidet sich kaum von denen anderer europäischer Großstädte.

Man kann, oben angekommen, sehr schnell von schönem, klarem Wetter ins Schneetreiben geraten, wie uns passiert. Keine halbe Stunde dauerte es, dann konnte man vom Berg aus den Fjord und die kaum 100 Meter tiefer gelegenen Häuser nicht mehr sehen und das Schneetreiben war ziemlich heftig und machte ausgedehntes Spazierengehen nicht gerade zum Vergnügen.

Das Begehen der Flächen unmittelbar vor dem Schanzengelände war hochgradig problematisch, denn alle gehwege waren von einer zentimeterdicken Eisschicht bedeckt, die nur auf Rasenflächen begehbar war und es machte Mühe, sich vorwärts zu bewegen, ohne auszurutschen. Wir schlidderten an die Schanze heran und standen vor einem grandiosen Bauwerk, dass Oslo hoch überragt. Die Scanze selbst war zu dieser Zeit gesperrt, aber man konnnnnte gut sehen, wie eng die Zuschauer sitzen müssen und wie steil es vom Zuschauerraum hinunter zum Sprungbereich und zum Auftreffareal der Springer ist. Es ist kaum vorstellbar, dass in diesem recht engen Areal viele tausend Besucher Platz finden sollen. Am unteren Ende der steilen Zuschauerränge stehend flog an meinem geistigen Auge gerade Hannawald vorbei, der zu dieser Zeit noch zur Weltspitze gehörte. Die Zeit zwischen Absprung und Auftreffen der Springer muß unendlich schnell vorbeigehen und man konnte trotz der eisigen Stille dort oben (es pfiff nur der Wind, der aber heftig) geradezu hören, wie es tosen mußte, wenn aus tausenden Kehlen zeitgleich Geschrei ertönt.

Nach der Schlidderpartie zur Schanze gönnten wir uns im ebenfalls sehr bekannten Schanzencafé ein wenig Ruge, Wärme (es brannte ein wärmendes Feuer im Riesenkamin) und natürlich Kaffee und Kuchen, um die gefühlten minus 20 Grad zu bewältigen. Dieses sehr schöne Holzhaus sollte man unbedingt besuchen, denn es ist unendlich gemütlich und anheimelnd eingerichtet und der Kuchen war exzellent.

Und sonst?

Nicht besucht habe ich bei allen Oslotrips bislang den Viggeland-Park, eine Ansammlung unendlich vieler Skulturen des gleichnamigen Künstlers, deren Abbildungen mir schon nichts gesagt haben. Das ist sicher sehr geschmacksorientiert, sich diesen Skulpturenpark einzuverleiben. Wir haben ihn jedenfalls bislang nicht als sehenswert eingestuft.

Fazit

Sicher gibt es in Oslo noch ein paar mehr Dinge zu sehen, aber ich denke, die bekanntesten und aus unserer Sicht auch wichtigsten haben wir gesehen und beschrieben. Oslo ist eine Stadt mit leicht provinzieller Ausstrahlung. Flair kommt eigentlich nur in der Karl-Johans-Gate und seinen unmittelbar daran angrenzenden Seitenstraßen auf, ansonsten hat man nicht den Eindruck, in einer wirklichen Großstadt zu sein.
Oslo ist ohne Frage interessant und jeden Besuch wert, hat aber bei weitem nicht die Ausstrahlung Kopenhagens, Hamburgs, Londons oder Roms. Und Oslo ist nicht Norwegen, denn es muß der Tatsache Tribut zollen, dass hier lhalb Europa und ganz viel der Restwelt ein und aus geht. Das ist in der Tat fast überall in Norwegen anders, wo Massentourismus in unseren Sinne kaum bekannt ist. Nur eines ist in Oslo wie überall in diesem Lande: es ist \"sauteuer\".

bjlghs, viel Spaß beim Lesen, sicher wird der eine oder andere Oslos Plätze wiedererkennen.

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