Paris Testbericht

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Erfahrungsbericht von Drogybaer

Von der Wasserpumpe zum Luxus...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

..oder auch \"Shopping mit Panorama\" könnte das Motto für dieses Pariser \"Grand Magazin\" lauten. Am rechten Seineufer gelegen trägt dieses Kaufhaus den Namen eines Brunnens, der unter Heinrich dem IV gebaut wurde um den Louvre und die Tuilerien mit Wasser zu versorgen. Motiv der Fontaine: Die biblische Szene von der samarischen Frau, die Jesus Wasser aus dem Brunnen schöpft.

1869 entstand an dieser Stelle ein Kaufhaus, das letzte im Reigen der traditionsreichen \"Grand Magazins\" des zweiten Kaiserreiches. Die Gebäude die heute zu sehen sind entstanden aber später und so präsentiert das Samaritaine an der Seineseite eine eindrucksvolle Art-Deco-Fassade mit streng geometrischer Gliederung, großen Glasflächen und zurückweichenden Terrassen der oberen Stockwerke. Vom Quai des Grands Augustins auf der linken Seineseite kann man bei Sonnenuntergang wunderbar beobachten, wie die Glasflächen in verschiedenen Rot-, Orange- und Goldtönen scheinbar von selber leuchten. Die der Rue de la Monnaie zugewandte Seite fasziniert durch gold-bunte (Emaille? Kacheln?) Friese. Vermutlich unbemerkt von den meisten Einkäufern.... Nicht weniger faszinierend das Innere des Hauptgebäudes: Säulen und Treppen mit gußeisernen Geländern und vegetalen Dekoren zeigen, wie auch die Fassade, zugleich Schlichtheit und Eleganz. Von der Parfumerieabteilung im Erdgeschoß kann man nach oben zu einer (vor ca drei Jahren restaurierten) Galerie im fünften Stock blicken, wo an den Wänden ebenfalls Gold mit floralen Jugendstilmotiven dominiert. Edel, aber dennoch schlicht und ohne die Zierschnörkel, die man von Barock oder Rokkoko kennt. Rolltreppe und Aufzug sollte man verschmähen und stattdessen die alte, breite Treppe mit dem dunkeltürkisblauen Geländer (akzentuiert von ein wenig Gold) hinaufsteigen. Von jedem Stockwerk aus bekommt man eine etwas andere Perspektive auf den Innenraum.

Ach so, einkaufen kann man natürlich auch... das Angebot ist das Übliche: Von Parfum über Handtaschen bis zu Kleidung, Haushaltswaren und Möbeln bekommt man alles. Da es sich größtenteils um Markenartikel handelt sind die Preise natürlich nicht wirklich billig. (Billige(re) Ware bekommt man an den Verkaufsständen vor dem Kaufhaus, die meist ebenfalls die \"offiziellen\" Samaritaine Plastiktüten verwenden. Gedruckte Seidenfoulards in durchaus guter Qualität bekommt man hier auch schon ab etwa 50 DM (wenn ich mich recht erinnere, wie gesagt, die Qualität ist stabil und damit muß so ein Tuch nicht so oft erneuert werden... ;-).) Die Aufteilung der Waren ist, wie in den französischen Kaufhäusern üblich, nach Marken gegliedert. Dies ist oft irritierend und etwas lästig, wenn man z.B. einen blauen Pulli sucht, muß man eben bei jeder Marke nach blauen Pullis suchen und der Vergleich zwischen einzelnen Artikeln wird so in den großen Abteilungen erschwert. (Bei Make-Up und Parfum ist ein Vergleich zwischen verschiedenen Marken auf diese Weise sogar beinahe unmöglich.) Alltagsgegenstände für den Haushalt oder auch lebensmittel haben zum großen Teil aber die parisüblichen \"Innenstadt- Preise\" und auch für Marken-Kleidung kann man gerade in kleinen Boutiquen auch noch mehr ausgeben. Wer also gerne ein Souvenir aus Paris nach Hause mitnehmen möchte, der kann im Samaritaine ohne all zu schlechtes Gewissen zugreifen. Und Paris wäre nicht Paris, wenn es nicht Artikel gäbe, die im Samaritaine billiger wären, als im Supermarkt vor den Toren der Stadt... Plastikmappen für Bewerbungen und große Briefumschläge zum Beispiel... (braucht man als Tourist allerdings eher selten... ;-). Auch in der Buchabteilung kann man den einen oder anderen netten Bildband ergattern (Buchpreisbindung scheint Frankreich allerdigs keine zu kennen.)

Teuer und exklusiv geht es dagegen in der Möbelabteilung zu. Dafür bekommt man hier aber auch ein Schlafzimmer im \"Louis XY-Stil\", ganz neu und bei bedarf auch maßgeschreinert für die eigene Wohnung. Wer ein kleine Wohnung sein eigen nennt, kann sich hier (und in anderen Paris Läden) übrigens Anregungen für pfiffige Stauraum-Lösungen holen. Denn nicht jeder Pariser wohnt in einem Herrschaftshaus.

Ein weiterer dreistöckiger Bau, der Rue Rivoli zugewandt, ist der Herrenmode gewidmet. Wo sich Hemden über ein halbes Stockwerk breit machen dürfen, sollte für jeden etwas dabei sein und das Personal ist freundlich und kompetent (wie gesagt, die Artikel sind nach Marken sortiert... \"ein blaues Hemd\" erfordert größere Sucharbeit...). In der Photo- und Hifi-Abteilung hingegen kann sich die Suche nach zuständigem Personal hingegen schon mal schwierig gestalten. Aber die drahtlosen Kopfhörer in der gewünschten Qualität waren nun mal billiger als bei FNAC... (Und zugegeben, es war der 23. Dezember...)

Der dritte, keilförmige Bau beherbergte früher Sportartikel (auch eine Kletterwand) und eine Zoohandlung. Bei meinem letzten Besuch in der Gegend (Ende 2000 oder Anfang 2001) war er allerdigs geschlossen und eingerüstet, angeblich soll ein anderes Geschäft hineinkommen. Auch die Zoohandlung war sehenswert, denn hier verkaufte man süße kleine Wuschelhunde und Rassekätzchen. Ob die sich in ihren gläsernen Käfigen mit weißer Papiereinstreu allerdings so wohlfühlten wage ich mal zu bezweifeln.... traurigen Blickes verkaufen sie sich vielleicht leichter...

Doch das Kaufhaus Samaritaine bietet nicht nur einen attraktiven Anblick, sondern auch einen aparten Ausblick: Im fünften Stock steigt man in einen Aufzug, der einen ohne Stop an den Verwaltungsstockwerken vorbei nach oben in die neunte Etage bringt. Eine Etage weiter findet man im Sommer (genaue Öffnungsdauer ist mir nicht bekannt, vermutlich so von Ostern bis Allerheiligen, denn das sind in Frankreich häufige Eckdaten) eine Terrasse mit Selbstbedienungstheke und einem Blick über Paris, die Ile de la Cite, Notre Dame,.... der den Preis für ein Bier oder einen Cafe durchaus wert ist. (Das Bier lag, wenn ich mich recht erinnere, bei den parisüblichen FF 24 für 250 ml - die Franzosen haben nun mal eine phantasievolle Vorstellung von \"eine Halbe Bier\"....) Vorausgesetzt man schafft es, einen Platz an der Brüstung zu ergattern. Oder überhaupt einen Platz...

Eine enge Wendeltreppe führt dann ganz nach oben, auf die Dachterrasse. (Die Treppe ist nichts für Klaustrophobiker und den Gedanken einen Kinderwagen oder gar einen Rollstuhl hinaufzubekommen sollte man ganz schnell vergessen. Der Verkahr auf der Treppe erfolgt schubweise: solange noch Leute herunterkommen, kann niemand hinauf und umgekehrt. Doch oben wird man mit einem atemberaubenden Blick über Paris belohnt! Die Architektur von Notre-Dame oder den Aufbau von Louvre oder der Conciergerie kann man von hier oben viel besser würdigen, auch die große Sichtachse vom Louvre entlang der Champs Elysee bis zum Arc de Trioumphe erkennt man von oben sehr gut. An schönen Tagen sieht man auch ihre Verlängerung bis zum Grand Arche in La Defense. Die weiße Basilika Sacre Coer thront über dem Pariser Norden,.... Panorama zum sattsehen. (Das im Gegensatz zu den meisten anderen erhöhten Aussichtspunkten in Paris keinen Pfennig Eintritt kostet!) Und wer Paris nicht gut genug kennt, um alles aus der ungewohnten Vogelperspektive zu erkennen, dem helfen die Markierungen an der Brüstung. allerdings funktionieren die nur, wenn man wirklich ganz gerade vor einer dieser Markierungen steht. Schon eine leichte Verschiebung der Sichtachse hat bei den Entfernungen zur Folge, daß man etwas ganz anderes anschaut...

Nach aller Begeisterung noch ein paar praktische Hinweise: Das Samaritaine befindet sich am Seinufer, direkt am Pont Neuf im ersten Arrondissement; die Postadresse lautet 19, Rue de la Monnaie. Geöffnet hat es Montag bis Samstag von 9.30 Uhr bis 19.00 Uhr, Donnerstags bis 22.00 Uhr. (Die Terrasse ist meines Wissens nur bis zum Einbruch der Dunkelheit und bei gutem Wetter geöffnet.) Von der Metrolinie 7 (Station Pont-Neuf) kann man direkt in das Untergeschoß des Kaufhauses gelangen, was zumindest bei Regen ein sehr gutes Argument ist. Wer ohnehin über die Station Chatelet-Les Halles fährt sollte sich bei gutem Wetter das Umsteigen dort sparen und stattdessen die letzten Meter zu Fuß zurücklegen, was einen Blick auf die Kirche St. Eustache und den davorliegenden Park ermöglicht. (Dann links in die Rue des Prouvaires und immer geradeaus bis zum Samaritaine.)

(Die Schlange an der Toilette im neunten Stock ist gewöhnlich mörderisch, weil hier alle Touristen nach Restaurantbesuch und Panoramablick einfallen; ungeduldige Seelen fahren hinunter in den fünften Stock und benutzen dort die etwas versteckte Kundentoilette in der Bastelabteilung.)

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