Paris Testbericht

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Erfahrungsbericht von ciaobella

VON PARIS HAT JEDER SEINE EIGENE VORSTELLUNG

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Liebe Freunde,

Mein erster Besuch in der Weltmetropole soll Gegenstand meines Berichtes sein. Ich lade euch herzlichst ein.

Ich meine – alle sind sie auf ihre Art zutreffend. Nie wird man die diese unvergleichbare Vielfalt der großen Stadt erfassen können. Heinrich Heine sagte: „Paris ist die Hauptstadt der zivilisierten Welt“. Er lebte hier 25 Jahre als Emigrant und starb nach langer Krankheit in Paris. Davon wird in einem nachfolgenden Bericht meiner Parisreihe noch mehr zu lesen sein.

Die Enzyklopädisten des 18 Jahrhunderts um Voltaire, Diderot und Rousseau popularisierten den humanistischen Geist der Aufklärung, die Französische Revolution 1789 läutete das Ende des Feudalismus ein und verkündete allen Menschen Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.Zwischen 1789 und der Pariser Kommune 1871 gab es 5 Revolutionen, dreimal wurden die Monarchien - Bourbonen und Orleans – und zweimal das napoleonische Kaiserreich gestürzt, dreimal die Republik ausgerufen. Der geistige Fortschritt brachte einen großen Aufschwung der Künste.

Varnhagen van Ense, Börne, Heine, Hebbel, Alexander von Humboldt, Johanna Schopenhauer zog es ebenso nach Paris wie Liszt, Chopin, Wagner und Rossini. Mit seiner „Menschlichen Komödie“ zeichnete Balzac ein genaues Sittenbild vom Verfall der Aristokratie und vom Siegeszug der Bourgeoisie. Auch Zola schaute hinter die Kulissen der Gesellschaft. (Der Bauch von Paris).Und in den Niederungen des Leides gingen die Ausgebeuteten auf die Barrikaden. Hugo zeichnet in den „Elenden“ das Bild dieser Schicksale nach. Daumier hielt in seinen Karrikaturen den Neureichen den Spiegel vor das Gesicht. Künstler wie Manet, Monet, Renoir, Degas und andere setzten der Salonmalerei der Gründerjahre den sehr naturnahen Impressioneismus entgegen. Proust und Baudelaire schilderten die Dekdenz der Jahrhundertwende. Oscar Wilde fand beispielsweise in Paris die Toleranz, die er in England vergeblich suchte. Mit ihm zog es Künstler und verfolgte Revolutionäre aus aller Welt in die französische Metropole. Hemingway schrieb darüber ins seinem Buch „Paris – ein Fest für’s Leben. Maler aus aller Welt lebten und reiften hier. Paris wurde zum Exil für fortschrittliche Künstler wie die Brüder Mann, Lion Feuchtwanger und viele, viele andere. In den Nachkriegsjahren erlangte Paris kulturelle Geltung in der Welt. Ich denke dabei an den Philosophen Sartre und den Romanciers Camus.

PARIS IST REICH AN KULTURELLEN ANGEBOTEN
von Ballett, Oper, klassischem Theater, Konzertleben und Literaturpflege über die vielen Galerien und Kunstausstellungen bis zu avantgardistischen Dichtung, zeitgenössischer Musik, Pop-Kunst, experimentelles Theater und alternativen Darstellungen. Pariser sind sehr interessiert und offen für alles Neue. Die Stadt Paris erhielt ihr heutiges Gesicht primär im vorigen Jahrhundert. Der Präfekt Hausmann hat die Stadt in den 17 Jahren seiner Amtszeit von 1853 – 1870 gründlich verändert, ganze Viertel eingeebnet, riesige Boulevards gestaltet. Zum Schmuck der Hauptstadt baute er monumentale Prunk- und Zweckbauten.Natürlich auch zum Rum seines Monarchen Napoleon III. Hausmann hat die Höhe der Häuserfronten im Verhältnis zur Breite der Straßen eisern durchgesetzt, so daß Paris im großen Teil bestimmt wird durch sechs-achtstöckige Reihenwohnhäuser mit mehreren gußeisernen Balkongalerien und hohem gewölbtem Blechdach mit Mansarden. Noch heute sind es mehr als 60 % aller Wohnungen der Metropole Paris. Über den Boulevard Hausmann werde ich (ciaobella) noch in Nachfolgeberichten schreiben. Spricht man von der Glanzzeit von Paris, dann spielte die „Art Nouveau“ – Jugendstil eine besondere Rolle. Schöne Fassaden im vornehmen 16. Stadtbezirk und vor allem die aus Gußeisenranken gestalteten Metroeingänge findet man noch heute in der Stadt. Interessenten und Sammler können diese Metroeingänge bei der Stadt käuflich erwerben.

Im zweiten Weltkrieg blieb Paris fast unbeschädigt. Dadurch blieb das historische Stadtbild erhalten. Ein Befehl Hitlers, die Stadt vor dem Rückzug niederzubrennen wurde durch den Aufstand der Resistance und die Kapitulation des Stadtkommandanten General von Choltitz rechtzeitig verhindert. Wie mir unser Freund Marcel erzählte kramte der Schriftsteller André Malraux in den 60iger Jahren eine vergessene Verordnung Napoleons hervor, wonach Hausbesitzer alle 10 Jahre die Fassaden zu renovieren haben. Alle öffentlichen Gebäude und Kulturdenkmäler wurden mit Sandstrahl und Waschlauge von der Patina befreit. Nicht jeder war damit einverstanden, aber die Stadt erhielt ein schöneres Antlitz. Viel schmerzlicher aber war für die Stadt, daß Hochhäuser zur Errichtung freigegeben wurden. Die Pariser sprechen noch heute von den „Pfählen aus Fleisch“. Dem historisch gewachsenen Stadtbild wurde durch die Hochhäuser am rechten Seine-Ufer, an der Place d’Italie, am Lyoner Bahnhof und durch das 56 Stockwerke hohe Haus am Montparnasse-Bahnhof Schaden zugefügt. Die Verantwortlichen untersagten den Bau weiterer „Tours“-Türme in der City und ließen sie nur in Vorstädten wie La Defense, den Geschäftsvierteln zu. Inzwischen haben sich die Pariser an die Türme der 60iger Jahre gewöhnt. Seit dem umstrittenen Eiffelturm hat die Stadt gezeigt, daß sie stark genug ist, um auch Fremdes aufzunehmen. Heute ist auch das „Centre Pompidou“ nicht mehr wegzudenken, das dem Rohrgestänge einer Raffinerie sehr gleicht und mitten in einem der ältesten Stadtviertel steht. Viel wird heute in der Stadt erhalten, restauriert und den modernen Wohnbedingungen angepaßt. Das hat natürlich auch einen Nachteil, weil für die Touristen und zahlungskräftige Bewohner eine fast kunstgewerbliche Kulisse gepflegt wird. Pariser sagen: „Dieses hat mit dem eigentlichen Leben der Stadt Paris wenig zu tun.“

LICHTERSTADT PARIS
Das ist wohl das verbreitetste Etikett der französischen Hauptstadt. Im Mittelalter wurden die Hausbesitzer verpflichtet eine Kerze vor die Tür und in die Fenster des Obergeschosses zu stellen, um die Gassen zu beleuchten. Man wollte sich sicherer vor Raubüberfällen machen. Später hängte man Öllampen an Drähten über die Straßen. Wer diese beschädigte wurde mit der Verbannung bestraft. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde mit Gas experimentirt, im Jahre 1829 war Paris die erste Stadt der Welt mit einer Gas-Straßenbeleuchtung. Die „Belle Epoque“ brachte noch viel mehr Glanz – den Pariser“Goldenen Jahren“ die Fee Electriciteé, der auf der Weltausstellung 1900 ( auf dem Marsfeld) ein so benannter Riesenpavillon gewidmet war. Man stelle sich vor, daß heute mehr als 300 000 Lampen benötigt werden, um Paris zu beleuchten. Dazu kommen noch die Lichtreklamen, die Glanzlichter der Stadt – mehr als 160 Kulturdenkmäler, öffentliche Gebäude, Springbrunnen und Denkmäler, die abends angestrahlt werden. Allerdings heute nicht mehr ganz so lange wie früher. So ist es berechtigt von Paris als Lichterstadt zu sprechen und das Treiben, das in der Nacht auf den Hauptstraßen wie der Champs-Elysées, den großen Boulevards im Norden und den Boulevards Saint Michel und Saint Germain im Studentenviertel Quartier Latin herrscht, ganz zu schweigen vom Vergnügungsviertel Pigalle, bestätigt immer mehr „Paris ist eine amüsante Stadt“. Moulin Rouge und sein Cancan, der strohhutschwenkende Maurice Chevalier gehörten zu den flüchtigen Vergnügungen wie die „Maisons closes“ – geschlossene Häuser – genannte Etablissements, wo der wohlanständige Bürger gegen klingende Münze seine Fantasien ausleben konnte. Marcel meint: Paris ist nicht mehr das, was es war. Die meisten Pariser meiden es. Andere Bühnen und Moulin Rouge halten die Kulisse für die erwartungsvollen Touristen aufrecht. Dahinter aber grassieren Straßenprostitution, Nepp und Pornografie und die sich immer mehr ausbreitende Kriminalität.

DAS BESONDERE AN PARIS
Ist die unnachahmliche Atmosphäre der Stadt und die Vielfalt der Eindrücke und ihr Rhythmus, diese sehr harmonische Stadtkulisse.Multiculti ist das Zauberwort, die verschiedenen Rassen, die Farben ihrer Kleidung, die klassisch-schönen Straßenschilder und Metroeingänge, die einfallsreichen gestalteten Ladenfassaden und natürlich Schaufensterauslagen. Mir fielen besonders die originellen Filmplakate und Reklamewände auf. Dürfte man eine beleuchtete Litfaßsäule mit dem wunderschönen Foto von Isabell Huppert kaufen, ich hätte es getan. Diese schönen und alten Litfaßsäulen bringen einen ganz besonderen Glanz in die Stadt. In den großen Boulevards reihen sich die Restaurants, die Läden, viele Kinos, sind die Fahrbahnen voll von den rollenden Autos, die nie jagen! Und die Bürgersteige voll von flanierenden Menschen. Menschen, die nie hasten. Die Stadt ist überall in Bewegung. Man sollte unbedingt einen ganzen Tag damit verbringen, daß man auf der Café-Terrasse sitzend einen guten Teil von Paris an sich vorbeiziehen läßt. Das Café ist besonders magisch anziehend. Wer sich die Muße und den Blick bewahrt hat, wird in vielen Details das eigentliche Paris finden. Die fleißgen Pariser, die über ihre Arbeit nicht das „Plaisir de vivre“ – die Lust am Leben – vergessen, und entdecken kann man durchaus den Angler und die Liebespaare an der Seine und die Chlochards unter den Brücken, die Maler, die ihre Staffelei aufstellen, um ein vielleicht schon morgen abgerissenes Stück vom alten Paris festzuhalten.

ARTICLES DE PARIS
Pariser Mode, Galanteriewaren, Schmuck, Wäsche , Parfüm? Dafür gibt es in Paris jahrhundertelange Traditionen. Für die Bedürfnisse der Könige wurden wurden viele Kunsthandwerker gebraucht. Ihre Macht nach außen hin demonstrieren, dem Monarchen darin nachzueifern, Prunk und Glanz zu demonstrieren, das war das Streben der Aristokraten. Heute gehört es zum guten Ton unter Reichen der Welt, sich in Paris einzukleiden. Dabei geht es um eine recht große Spanne zwischen Hâute - Couture Modellen und den Schmuck-Unikaten der Juweliere an der Place Vendome einerseits und der auch für breitere Schichten erschwinglichen Modekonfektionen andererseits.

Während im Mittelalter in der Stadt Handwerker und Adel, Werkstätten, Paläste und Speicher dicht beieinander lagen, haben vor allem die Stadtsanierung Hausmanns und die Eingemeindung zahlreicher Dörfer zu einer Polarisierung innerhalb der Stadt geführt. Im historischen Zentrum der Stadt gab es die Teilung Paris links und rechts der Seine. Doch so wie die Teilung in linkes und rechtes Ufer heute nicht mehr so recht passen mag, weil viel zu viel ineinander überging, wird auch die Gliederung in reiche und arme Viertel nicht mehr stimmen. Immer mehr Wohnhäuser in „bester Lage“ sind in Büros verwandelt worden, deren Mieten hohe Gewinn garantieren.Stadt der Reichen ist eine soziologische Realität. Paris ist ein Luxus, den nur wenige Haushalte sich leisten können. Wo die „kleinen Parier leben“ werden immer mehr Wohnungen an finanzkräftige Mieter verkauft.

Paris und seine Autos sind ein Problem für sich. Neu sind diese Probleme für Paris nicht. 1610 konnte Ravaillac den König Heinrich IV.nur dehalb in seiner Kutsche überfallen und erdolchen, weil diese im heutigen Hallen-Viertel in einem „Verkehrsstau“ steckengeblieben war. 300 000 nahezu stehen heute im Parkverbot und sind dazu verurteilt ein Strafmandat zu riskieren. Der neue Bürgermeister der Stadt hat kürzlich über 60 000 Autos aus der Stadt wegfahren lassen, die nicht mehr fahrbereit und in der Stadt abgestellt waren.Sein umweltbewußtess Handeln macht aus Paris ein saubere Stadt. Es ist reich geworden und die Menschen atmen wieder auf. Die Arbeitslosigkeit ist gering. Paris ist mit Abstand das größte Industriegebiet des Landes. Als Bildungszentrum hat Paris eine lange Tradition. Die Sorbonne ist die älteste Universität Europas. Im Mittelalter studierten hier auch Männer wie Calvin, Dante. Jeder dritte Student des Landes ist an der Sorbonne immatrikuliert. Der Ausbildungsweg geht in Frankreich immer über Paris. (Elite-Hochschulen).

DER TYPISCHE PARISER
Ich entdeckte ein Foto eines Meisterfotografen. Es zeigt einen sympathischen Mann im Arbeitsanzug, im Mundwinkel eine Zigarette aus schwarzem Tabak, verläßt mit einem Baguett – dem langen, weißen Weißbrot – in der Hand einen Bäckerladen, und aus der tiefen Tasche schaut der Hals einer Flasche Wein – beides ist denke ich mal für die Mittagspause bestimmt.Für mich stimmt dieses Bild des französischen Mannes. Der Durchschnittsfranzose ist freundlich und höflich auch Fremden gegenüber, aufgeschlossen und interessiert, mehr fleißig als strebsam, nie einem kleinen Plaudern abgeneigt. Er hat ein gesundes Maß an Pflicht und Vergnügen, Disziplin und Nonchalance. Die wahren Sitten des Mittelalters kennt man aus den Dichtungen von Villon. Aber den „Vert Galant“ – Schürzenjäger gibt es noch immer.

WANN IST PARIS AM SCHÖNSTEN?
Wer sich Zeit nimmt und sich zu Fuß von ausgetretenen Touristenschneisen seitlich ins Stadtdickicht mit seinen engen Gassen und stilvollen Winkeln schlägt, wer für echte Eindrücke empfänglich ist, der wird noch alte Werkstätten mit altertümlichen Zunftzeichen finden und hölzerne Ladenfronten mit verschnörkelten Schriftzügen und naiven Bildern finden. Landschaften mit Kühen an Milchläden, mähende Bauern und Windmühlen an Bäckereien und Jagdszenen an Fleischerläden. Nur so kann man feststellen, warum Paris auch die Stadt der 100 Dörfer genannt wird. Zitat: „In Paris gibt es einige Paris, die mehr sind als andere“. (Max-Pol Fouchet). Man achte besonders auf die Straßennamen. Das ist ein vergnügliche Reise durch das alte Paris.

Paris entdecken heißt in die Arrondissements zu gehen, dem Seine –Ufer entlang flanieren Über die idyllischen Quartiere, lieblichen Grünanlagen, herrlichen Straßenzüge wird noch zu berichten sein. Kultur und Ästhetik ist in Paris kaum zu übertreffen. Savoir vivre wird nirgends so zelebriert. Paris stillt den Lebenshunger und hält für jeden Geschmack etwas bereit. Die Sehenswürdigkeiten aufzulisten, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Wie sagt man: „Paris ist verzogen, verrückt, zum Verlieben.“

In diesem Sinne lade ich euch weiterhin in“ Ranitzchens Welt“ ein. An vielen schönen Erinnerungen meines Paris-Aufenthaltes, den stillen Augenblicken und der unbändigen Lebensfreude dürft ihr gern teilhaben. Dies sei der Auftakt, um euch die schönste Stadt der Welt „PARIS“ ins rechte Licht zu rücken. Fortsetzung folgt..............

Ich wünsche allen eine gute Zeit.

Herzlichst
ciaobella für Yopi/ Ciao-Ranitzki für Ciao.com.

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