Pariser Katakomben Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von sili74
Die "Unterwelt" von Paris
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Die \"Unterwelt\" von Paris
Ein Erfahrungsbericht von sili74 über Die Katakomben von Paris (13.08.2002)
sili74s Urteil zu Die Katakomben von Paris
Pro: interessant und beeindruckend
Kontra: etwas gurselig
Ihr Bericht bearbeiten
„Um die tiefsten Tiefen von Paris zu sehen, müssen sie in die Katakomben gehen“, riet mir ein Souvenirhändler. „Zwanzig Meter unter der Erde liegen die Gebeine von sechs Millionen Menschen aufgestapelt.“ Das machte mich neugierig. Woher stammen diese Gebeine? Und wie sieht es da unten aus?
Also sattete ich bei meinem letzten Parisaufenthalt auch den Pariser Katakomben einen Besuch ab. Wollt ihr mich dabei begleiten?
Kirchen verpesten die Luft
**********************
Die Katakomben von Paris fungieren erst seit dem 18. Jahrhundert als unterirdischer Friedhof. Vom Mittelalter an wurden die Toten in Kirchen oder in der Nähe einer Kirche beigesetzt. Das brachte der Kirche Geld ein, war aber höchst unhygienisch, weil sich die Friedhöfe mitten in der Stadt befanden. Ein Alptraum war es beispielsweise für die Anwohner des Friedhofs Saints-Innocents, des größten Friedhofs von Paris, der 7 000 Quadratmeter umfasste und auf dem die Verstorbenen von ungefähr 20 Kirchengemeinden sowie nichtidentifizierbare Leichen und Seuchenopfer begraben wurden.
Im Jahr 1418 wurden auf dem Friedhof zirka 50 000 Leichen begraben; diese Menschen waren vom Schwarzen Tod hinweggerafft worden. Und 1572 wurden die Leichen von Tausenden von Menschen, die dem Gemetzel in der Bartholomäusnacht zum Opfer gefallen waren, in Massengräbern auf dem Friedhof Saints-Innocents beigesetzt. Stimmen wurden laut, die die Schließung des Friedhofs forderten. Auf Grund der rund zwei Millionen Leichen, die zum Teil bis in 10 Meter Tiefe übereinandergestapelt waren, lag das Niveau des Friedhofs bereits über 2 Meter höher als das der Stadt. Er war eine Brutstätte für Infektionskrankheiten und verbreitete einen Fäulnisgeruch, der angeblich Milch und Wein sauer werden ließ. Die Geistlichkeit war jedoch gegen die Schließung der Friedhöfe in der Stadt.
Im Jahr 1780 zerbarst ein Gemeinschaftsgrab und schleuderte zig Leichen in die anliegenden Keller. Damit war das Maß voll! Der Friedhof wurde geschlossen, und Bestattungen in Paris wurden untersagt. Die Massengräber wurden geleert und die Toten in die stillgelegten Steinbrüche von Tombe-Issoire umgebettet. 15 Monate lang transportierten gespenstische Konvois Abend für Abend die Gebeine dorthin. Dann wurde beschlossen, auch die toten von weiteren 17 Friedhöfen und 300 Andachtsorten dorthin zu verlegen. Die Gebeine wurden einen 17,5 Meter langen Schacht hinuntergeworfen. Heute führt dort eine Treppe von der Straße hinunter in die Katakomben.
Ein Besuch in den Pariser Katakomben
********************************
Vom Place Denfert-Rochereau aus, südlich vom Quartier Latin, ging ich die 91 Stufen hinunter in die Katakomben. Die Frauen des königlichen Hofes waren 1787 unter den ersten, die diese unterirdische Grabstätte im Licht brennender Fackeln besichtigten. Heute kommen jedes Jahr 160 000 Besucher.
Hinter der Treppe erstreckt sich eine schier endlose Reihe von Stollen und Galerien, wo die Leichen aufbewahrt sind. Ich bewegte mich behutsam vorwärts. Mir wurde bewusst, dass die Katakomben eine Fläche von über 11 000 Quadratmetern einnehmen. Ein Mann namens Philibert Aspairt gelangte zu trauriger Berühmtheit, als er 1793 versuchte, sich in den Hunderte von Kilometern langen Stollen zurechtzufinden. Er verirrte sich in dem Labyrinth. Sein Skelett wurde 11 Jahre später entdeckt. Man identifizierte ihn an Hand seiner Schlüssel in der Kleidung.
Ungefähr 30 Prozent der Fläche von Paris sind durch Steinbrüche unterhöhlt. Lange Zeit wurde die Arbeit in den Stenbrüchen nicht kontrolliert – bis dann 1774 ein 300 Meter langes Stück der Rue d`Enfer (die Höllenstraße, der heutige Place Denfert-Rochereau) 30 Meter in die Tiefe stürzte. Paris stand in Gefahr einzustürzen. Die Steine, die „wir oben sehen“, erklärte ein Schreiber, „fehlen unter unseren Füßen“. Um die unterirdischen Galerien abzustützen, baute man sie zu prachtvollen Gewölben aus.
„Schade! Wenn sie doch schon einmal dabei waren, hätten sie auch gleich Wege pflastern können“, jammerte ich beim Anblick meiner schmutzigen Schuhe. Ich rutschte in einer Pfütze aus, schaffte es aber, mich an einer schweren Bronzetür festzuhalten. Hinter der Tür liegt ein Gang, dessen Wände aus Menschenknochen bestehen. Die in Reih und Glied aufgeschichteten oder in der Form eines Kreuzes oder eines Kranzes angeordneten, grimassenhaften Schädel und brüchigen Oberschenkel- und Schienbeinknochen bieten einen albernen Anblick. Auf Tafeln sind Bibelverse und Gedichte eingeritzt, die die Reflexionen des Menschen über den Sinn des Lebens und des Sterbens wiederspiegeln.
Mein Fazit
*********
Mein Rundgang durch die „Unterwelt“ von Paris war eine ungewöhnliche Erfahrung, die ich nicht so schnell vergessen werde. Ohne Frage hat Paris mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick sehen kann.
Besonders für jene unter euch, die nicht das erste Mal in Paris sind, und die traditionellen Schauplätze schon des öfteren besucht haben, sind die Pariser Katakomben ein Muss. Allerdings sollte jemand der sehr geruchsempfindlich ist vorbeugende Maßnahmen ergreifen, denn stinken tut es in den Katakomben doch sehr. Deshalb zieh ich auch einen Stern ab.
Ich hoffe es hat euch Spaß gemacht, mich zu begleiten.
Der Eintritt in die Katakomben kostete damals (1998) übrigens 15 FF. Fragt mich bitte nicht wieviel genau das in Euro ist.
Eure sili74
Ein Erfahrungsbericht von sili74 über Die Katakomben von Paris (13.08.2002)
sili74s Urteil zu Die Katakomben von Paris
Pro: interessant und beeindruckend
Kontra: etwas gurselig
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„Um die tiefsten Tiefen von Paris zu sehen, müssen sie in die Katakomben gehen“, riet mir ein Souvenirhändler. „Zwanzig Meter unter der Erde liegen die Gebeine von sechs Millionen Menschen aufgestapelt.“ Das machte mich neugierig. Woher stammen diese Gebeine? Und wie sieht es da unten aus?
Also sattete ich bei meinem letzten Parisaufenthalt auch den Pariser Katakomben einen Besuch ab. Wollt ihr mich dabei begleiten?
Kirchen verpesten die Luft
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Die Katakomben von Paris fungieren erst seit dem 18. Jahrhundert als unterirdischer Friedhof. Vom Mittelalter an wurden die Toten in Kirchen oder in der Nähe einer Kirche beigesetzt. Das brachte der Kirche Geld ein, war aber höchst unhygienisch, weil sich die Friedhöfe mitten in der Stadt befanden. Ein Alptraum war es beispielsweise für die Anwohner des Friedhofs Saints-Innocents, des größten Friedhofs von Paris, der 7 000 Quadratmeter umfasste und auf dem die Verstorbenen von ungefähr 20 Kirchengemeinden sowie nichtidentifizierbare Leichen und Seuchenopfer begraben wurden.
Im Jahr 1418 wurden auf dem Friedhof zirka 50 000 Leichen begraben; diese Menschen waren vom Schwarzen Tod hinweggerafft worden. Und 1572 wurden die Leichen von Tausenden von Menschen, die dem Gemetzel in der Bartholomäusnacht zum Opfer gefallen waren, in Massengräbern auf dem Friedhof Saints-Innocents beigesetzt. Stimmen wurden laut, die die Schließung des Friedhofs forderten. Auf Grund der rund zwei Millionen Leichen, die zum Teil bis in 10 Meter Tiefe übereinandergestapelt waren, lag das Niveau des Friedhofs bereits über 2 Meter höher als das der Stadt. Er war eine Brutstätte für Infektionskrankheiten und verbreitete einen Fäulnisgeruch, der angeblich Milch und Wein sauer werden ließ. Die Geistlichkeit war jedoch gegen die Schließung der Friedhöfe in der Stadt.
Im Jahr 1780 zerbarst ein Gemeinschaftsgrab und schleuderte zig Leichen in die anliegenden Keller. Damit war das Maß voll! Der Friedhof wurde geschlossen, und Bestattungen in Paris wurden untersagt. Die Massengräber wurden geleert und die Toten in die stillgelegten Steinbrüche von Tombe-Issoire umgebettet. 15 Monate lang transportierten gespenstische Konvois Abend für Abend die Gebeine dorthin. Dann wurde beschlossen, auch die toten von weiteren 17 Friedhöfen und 300 Andachtsorten dorthin zu verlegen. Die Gebeine wurden einen 17,5 Meter langen Schacht hinuntergeworfen. Heute führt dort eine Treppe von der Straße hinunter in die Katakomben.
Ein Besuch in den Pariser Katakomben
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Vom Place Denfert-Rochereau aus, südlich vom Quartier Latin, ging ich die 91 Stufen hinunter in die Katakomben. Die Frauen des königlichen Hofes waren 1787 unter den ersten, die diese unterirdische Grabstätte im Licht brennender Fackeln besichtigten. Heute kommen jedes Jahr 160 000 Besucher.
Hinter der Treppe erstreckt sich eine schier endlose Reihe von Stollen und Galerien, wo die Leichen aufbewahrt sind. Ich bewegte mich behutsam vorwärts. Mir wurde bewusst, dass die Katakomben eine Fläche von über 11 000 Quadratmetern einnehmen. Ein Mann namens Philibert Aspairt gelangte zu trauriger Berühmtheit, als er 1793 versuchte, sich in den Hunderte von Kilometern langen Stollen zurechtzufinden. Er verirrte sich in dem Labyrinth. Sein Skelett wurde 11 Jahre später entdeckt. Man identifizierte ihn an Hand seiner Schlüssel in der Kleidung.
Ungefähr 30 Prozent der Fläche von Paris sind durch Steinbrüche unterhöhlt. Lange Zeit wurde die Arbeit in den Stenbrüchen nicht kontrolliert – bis dann 1774 ein 300 Meter langes Stück der Rue d`Enfer (die Höllenstraße, der heutige Place Denfert-Rochereau) 30 Meter in die Tiefe stürzte. Paris stand in Gefahr einzustürzen. Die Steine, die „wir oben sehen“, erklärte ein Schreiber, „fehlen unter unseren Füßen“. Um die unterirdischen Galerien abzustützen, baute man sie zu prachtvollen Gewölben aus.
„Schade! Wenn sie doch schon einmal dabei waren, hätten sie auch gleich Wege pflastern können“, jammerte ich beim Anblick meiner schmutzigen Schuhe. Ich rutschte in einer Pfütze aus, schaffte es aber, mich an einer schweren Bronzetür festzuhalten. Hinter der Tür liegt ein Gang, dessen Wände aus Menschenknochen bestehen. Die in Reih und Glied aufgeschichteten oder in der Form eines Kreuzes oder eines Kranzes angeordneten, grimassenhaften Schädel und brüchigen Oberschenkel- und Schienbeinknochen bieten einen albernen Anblick. Auf Tafeln sind Bibelverse und Gedichte eingeritzt, die die Reflexionen des Menschen über den Sinn des Lebens und des Sterbens wiederspiegeln.
Mein Fazit
*********
Mein Rundgang durch die „Unterwelt“ von Paris war eine ungewöhnliche Erfahrung, die ich nicht so schnell vergessen werde. Ohne Frage hat Paris mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick sehen kann.
Besonders für jene unter euch, die nicht das erste Mal in Paris sind, und die traditionellen Schauplätze schon des öfteren besucht haben, sind die Pariser Katakomben ein Muss. Allerdings sollte jemand der sehr geruchsempfindlich ist vorbeugende Maßnahmen ergreifen, denn stinken tut es in den Katakomben doch sehr. Deshalb zieh ich auch einen Stern ab.
Ich hoffe es hat euch Spaß gemacht, mich zu begleiten.
Der Eintritt in die Katakomben kostete damals (1998) übrigens 15 FF. Fragt mich bitte nicht wieviel genau das in Euro ist.
Eure sili74
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