Platon Testbericht

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Erfahrungsbericht von Peter3110

DAS SCHICKSAL EINES WEISEN AUCH HEUTE!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Die Apologie des Sokrates gehört zu den frühen Schriften Platons. Sokrates hat keine eigenen Schriften hinterlassen, nur sein Schüler Platon. Deshalb sind die Übergänge zwischen Sokrates und Platon sehr schwimmend, da man nie genau weiß ist das noch Sokrates oder schon Platon.

Ich habe Auszüge dieses Werkes im Griechisch-LK übersetzt. Um ein Gesamtbild zu erhalten übersetzte ich den Rest in den darauffolgenden Wochen und Monaten. Für die philosophische Auslegung und Diskussion sind meines Erachtens Griechischkenntnisse von entscheidender Bedeutung, denn jede Übersetzung ist nur eine Interpretation in der wichtige Aspekte verloren gehen können.

Inhalt
Seinen Ursprung hat dieser Prozess in einer Tat des Chairophon. Er befragt die Pythia in Delphi (Orakel von Delphi), ob es einen weiseren Menschen als Sokrates geben würde. Die Pythia antwortet ihm, dass niemand weiser sei als jener. So versucht Sokrates jemanden zu finden der weiser sei als er, denn sein Lebensmotto lautet ja bekanntermaßen „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Bei seinen Untersuchungen kommt er zu allerlei vielen und auch wichtigen Personen. Er erkennt, dass diese zwar so groß tun, aber in Wahrheit überhaupt nichts wissen. Da er ihnen dies vor die Augen führt, macht er sich bei ihnen sehr verhasst.
So klagen sie Sokrates vor dem Volksgericht Athens (keine Richter, sondern mehrere hundert Athener Bürger) wegen „Verderben der Jugend“ und „Götteslästerung“ (er glaubte and die daimones) an.

Ein kurzes Wort zu den daimones. In einem Bericht bei Ciao wurden diese als „Gewissen“ benannt. Im eigentlichen Sinne gibt es gemäß des griechischen Mythos die daimones seit dem goldenen Zeitalter des Kronos. Alle Menschen lebten damals glücklich und zufrieden, bis die Macht die Menschen verdarb. Kronos erkannte, dass die menschliche Natur nicht fähig sei sich selbst zu regieren. So stellte er die daimones über die Menschen. Sie sind die Stufe zwischen dem Göttlichen und dem Sterblichen. Sie regierten die Menschen nun, wie ein Hirte seine Herde. Hier liegt nun die Schwierigkeit, da viele verschiedene Interpretationsmöglichkeiten bleiben. Das Gewissen ist eine davon, doch die Seele scheint mir angebrachter da die Seele die Verbindung des Menschen zum Göttlichen ist und nicht das Gewissen, wobei das Gewissen meiner Meinung nach ein Instrument der Seele ist.
Sokrates berichtet das ihn seine daimones davon überzeugt haben, dass er seinen göttlichen Auftrag ausführen müsse, ohne Rücksicht auf seine eigene Person. Er begründet dies mit der Aussage, dass jemand im Krieg und auch im Leben dort, wo er von jemandem höheren hingestellt wird, seine Aufgabe verrichten muss.
Die Vorwürfe er nehme die Götter der Stadt Athen nicht an, kann in der Folgezeit problemlos entkräften, da beispielsweise viele seriöse Zeugen anführt, die gesehen haben, dass er den Göttern Athens geopfert hat, und außerdem glaubten damals ohnehin nur noch wenige wirklich an die olympischen Götter, wie Sokrates anmerkt.

Der zweite Anklagepunkt, nämlich das Sokrates durch sein Verhalten die Jugend verderben würde, kann er ebenso widerlegen. Er führt an, dass er ja niemandem gezwungen habe mit ihm seine Zeit zu vertreiben. Ferner habe er schließlich auch kein Geld dafür verlangt. Diese Anklagepunkt hatte ihre Ursache darin, dass die Ausfragerei des Sokrates über die Tatsache ob jemand weise ist, die jungen Menschen so fasziniert haben muss, dass sie selbst ihr Glück versuchten und für diejenigen, die Sokrates anklagten zu einer großen Gefahr wurden.

Neben diesen zwei Anklagepunkten gibt es freilich noch weitere, aber diese sind meines Erachtens die wichtigsten.
Sokrates wird, obwohl alle Anklagepunkte zweifelsfrei widerlegen konnte zum Tode verurteilt. Sokrates zeigt jedoch überhaupt keine Angst vor dem Tod. Seiner Meinung nach gebe es nur zwei Möglichkeiten, was nach dem Tod geschehen könne. Entweder es ist wie der Schlaf, also ein einfaches Nicht-Sein, oder man kommt in eine andere Welt, in der man alle anderen Seelen trifft. Sokrates freute sich darauf den großen Homer zu treffen.
Dies wird näher in einem anderem Werk von Platon „Phaidon“ behandelt. Ich kann euch nur raten dies einmal in Ruhe zu lesen.
Sokrates hätte nun bevor den Schirlingsbecher trinken musste, noch fliehen können, doch er tat dies nicht da er seiner Einstellung, nämlich an den Ort zu bleiben, wo ihn Gott hingestellt hat, treu bleibt.

Interpretation und Philosophie
Ich versuche dies kurz zu halten, wobei dies bei der philosophischen Tragweite dieses Werkes praktisch unmöglich ist.
Im Kern dieses Werk steht die Weisheit (sophia) und die Scheinweisheit (doxosophia), dies ist Element des allseits beliebten platonischen Dualismus. Es geht darum, dass der Philosoph, wie sein Name schon sagt ein Freund er Weisheit ist, sie aber nie erreichen kann, denn nur der Gott ist weise. Hier liegt ein weiterer aber untergeordneter Punkt, der ich bisher in keiner Übersetzung herausgehoben wurde. Dort steht oft die Götter oder manchmal Zeus. Dies ist jedoch vollkommener Quatsch, da in der antiken Ausgabe immer Gott (theos) ohne Artikel steht. Also heißt es schlicht Gott.
Mit seinen daimones spielt Sokrates (oder Platon) ganz geschickt darauf an, dass seiner Meinung nach die Menschen sich nicht eigenständig verwalten und regieren können. Damit wird sich um so mehr Zorn zugezogen haben.
Die Einstellung gegenüber dem Tod wird hier nur kurz aufgeführt, doch die Dimension dieser Frage wird deutlich. Ich verweise noch einmal auf den „Phaidon“.

Sein Platz in der heutigen Zeit
Die Apologie ist meiner Ansicht nach ein zeitloses Werk. Die philosophischen Probleme und Fragestellungen sind heute gefragter den je, aber auch der Inhalt sollte zu Nachdenken anregen. Denn seien wir mal ganz ehrlich. In unserer heutigen Zeit würde einem wirklich weisen Menschen, der allen anderen ihren Unwissenheit vor Augen führt ein ähnliches Schicksal blühen.

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