Polen Testbericht

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Erfahrungsbericht von wilma

Eine Rundreise durch Polen - Teil 1

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Polen ist allemal eine Reise wert. Seit sieben Jahren fahre ich regelmäßig mit meinem Freund auf Urlaub nach Polen. Im Sommer fahren wir normalerweise drei Wochen kreuz und quer durchs Land und dazwischen gibt es auch immer noch den einen oder anderen Kurztrip. Zu den altbekannten Vorurteilen möchte ich nur anmerken, daß mir in Wien bereits dreimal das Auto aufgebrochen wurden, in Polen wurde uns bis jetzt lediglich ein Werkzeugtäschchen vom Fahrrad gestohlen. Natürlich darf man auch nicht leichtsinnig sein. In Großstädten stellen wir unser Auto prinzipiell auf bewachte Parkplätze und wenn wir essen gehen, bemühen wir uns, den Parkplatz und unseren Sitzplatz so zu wählen, daß wir unser Auto immer im Blick haben.
Zu meiner Freude habe ich auch schon festgestellt, daß Einheimische ‚das Auto der Touristen' bewacht haben und Jugendliche, die verdächtig ums Auto herumgegangen sind verscheucht haben.

Mein Vorteil, daß ich wirklich Land und Leute kennenlernen konnte ist, daß mein Freund aus Polen stammt - daher gibt's für uns keine Sprachbarrieren.

Ich möchte Euch jetzt eine Reisebeschreibung geben, wie sie zwar nicht authentisch stattgefunden hat, wo ich aber die schönsten und uns wichtigsten Reisestationen beschreiben möchte.

Als erstes führt uns unser Weg zu einem Stausee an der slowakisch-polnischen Grenze zwischen Dolny Kubin (SK) und Rabka (PL). Dort verbringen wir ein, zwei Tage in absoluter Ruhe, gehen ein bisschen schwimmen, versuchen uns (erfolglos) im Windsurfen, faulenzen und machen abends ein schönes Lagerfeuer, auf dem gegrillt wird.
Dann geht's weiter nach Krakau - ein bisschen Kultur ist angesagt.... Wir schlendern durch die Altstadt, essen ein Eis, trinken Kaffee und schließlich leisten wir uns noch eine Fiakerfahrt. Mein Freund fragt den Kutscher ab und zu, was das hier für ein Bauwerk oder das für eine Kirche sei, aber der Kutscher zuckt nur immer mit den Achseln, und meint, daß er das nicht wisse. Also fragen wir ihn natürlich, was er denn für ein Kutscher sei, wenn er gar nichts in dieser Stadt kennt. Darauf antwortet er: "Bis vorige Woche war ich noch Bauer, aber das bringt nichts ein. Also bin ich mit meinem Pferd in die Stadt gekommen, um hier wenigstens ein bisschen was zu verdienen." Klar, irgendwie ist so was eine Frechheit - aber wir haben es lustig gefunden und er hat an uns sicher genug verdient ;-)
Der nächste Fixpunkt heißt Kazimierz und dort die berühmte Bäckerei. Ok - vor einigen Jahren war sie wirklich noch urtümlich - mit einem kleinen Gastgarten, wo man auf rohen, wackeligen Holzbänken gesessen ist - jetzt haben sich da leider Plastikmöbel und ein riesiger Souvenirladen breitgemacht. Aber der Striezel und die anderen Kuchen schmecken immer noch genauso gut. Ich schätze, in Kazimierz fresse ich mir meine ersten 2 kg rauf.
Dann bemühen wir uns eigentlich so rasch, wie möglich in die Mazuren zu kommen. Die bereits ziemlich fällige Dusche genießen wir an einer Tankstelle - früher mussten wir extra auf einen Campingplatz fahren, um zu duschen - mittlerweile hat schon jede moderne Tankstelle Duschen mit Warmwasser.
Wir kommen an den größten See der Mazuren - an den Sniardwy. Im Urlaub habe ich auch Urlaub vom Autofahren, bin dafür aber auch fürs Kartenlesen zuständig. Wir haben eine sehr genaue Karte von Polen, wo wirklich jedes noch so kleine Dorf eingezeichnet ist. Plötzlich sehe ich einen kaum noch leserlichen Wegweiser zu einem Dorf, das ich in meiner Karte nicht habe. Da ich es nicht glauben kann, daß es so was gibt, mussten wir natürlich dort einbiegen. Wir haben dann zwar ein Dorf (aber mit einem anderen Namen) gefunden und dort eine alte Frau gefragt, ob man hier zum See käme. Sie hat uns den Weg beschrieben und wir kamen zu einem wirklich tollen Platz. Rundherum alte Obstbäume und in der Mitte eine mittelgroße Wiese mit direktem Zugang zu einer kleinen Bucht. Wir hatten hier also alles, was man sich wünscht: Sonne, Schatten, See und vor allem viel Ruhe. In der kleinen Bucht konnte ich endlich mal in aller Ruhe mit dem Surfbrett üben und das Segel aus dem Wasser ziehen, ohne daß mir gleich der Wind reingefahren ist (und vor allem ohne grinsende Zuschauer ;-) ). Schon am nächsten Tag haben wir uns mit einer Bauernfamilie aus der Nähe angefreundet, bei denen wir Milch gekauft haben und haben sie für den Abend zum Grillen eingeladen. Eigentlich hatten wir ja vor selbst für Speis und Trank zu sorgen, aber die Familie kam vollgepackt mit selbstgemachter Wurst, eingelegtem Gemüse, selbstgebackenem Brot und, ganz wichtig, einer ausreichenden Menge Wodka. Ich kann Euch versichern: Es hat prima geschmeckt - und ich würde so ein Essen nicht gegen eines in einem Haubenlokal eintauschen. Ich kann kein polnisch - d. h. ich kann gerade das allernotwendigste, um einzukaufen, oder mir etwas zu essen oder zu trinken zu bestellen, aber spätestens, wenn ich auf polnisch angesprochen werde, setzen meine Kenntnisse aus. Bei dieser ‚internationalen' Feier war aber die Sprache vollkommen egal. Wir haben uns mit Händen und Füßen und Zeichen geben unterhalten und hatten alle den größten Spaß.
Nach ein paar Tagen hat uns wieder die Wanderlust gepackt und wir sind weiter nach Augustow gefahren. Dort haben wir unseren Camper auf einen sogenannten Biwakplatz abgestellt. Das sind Plätze, wo man offiziell campieren darf, wo aber der einzige Luxus ein Plumpsklo ist (und so was ist wirklich Luxus, wenn man sich sonst immer zwischen Büschen verstecken muß). Auch ein sehr nettes Plätzchen, wo man aus dem Wald plötzlich auf eine Lichtung am See kommt. Hier konnte ich meine bereits erworbenen Surfkenntnisse endlich einmal auf 'offenem See' ausprobieren. Naja, geradeaus fahren ging ja gerade noch..... Das gute an den polnischen Seen ist, daß dort kaum andere Wassersportler sind und es daher keine Rolle spielt wenn man etwas hilflos und manövrierunfähig über den See gleitet - nötigenfalls muß man halt heimpaddeln ;-)
Weiter ging unsere Reise Richtung Suwalki und noch ein bisschen weiter nördlich, wo wir wieder einen netten See finden wollten. Wir haben wieder einen Bauern nach einer netten Stelle am See gefragt und er hat uns spontan angeboten, daß wir uns auf seine Kuhweide stellen können. Dort haben wir wieder ein paar tolle Tage verbracht mit lustigen Grillfesten - mit dem Bauern verbindet uns noch heute eine gute Freundschaft (wir fahren immer wieder zu ihm) und vor zwei Jahren hat er uns sogar zu seiner Hochzeit eingeladen, da mussten wir aber leider aus Zeitmangel absagen - wobei, so eine polnische Hochzeit hätte ich schon gerne miterlebt.
Der Bauer hatte im Hof eine alte Badewanne stehen - und nachdem für uns wieder mal Waschtag angesagt war, haben wir die Badewanne zu unserem Lagerplatz gebracht, über das Lagerfeuer gestellt und Wasser eingefüllt. Die ganze Aktion hat natürlich ganz schön lange gedauert, dann war das Wasser natürlich zu heiß, aber dann hat es gepasst und ich habe mitten auf der Kuhweide ein Vollbad genommen - einfach irre!

Um den Beitrag nicht allzu lange werden zu lassen, will ich hier den ersten Teil unserer Reise abschließen. Ich hoffe doch, daß er Dir so gut gefallen hat, daß du auch noch den zweiten Teil lesen willst?



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-06 10:49:24 mit dem Titel Eine Rundreise durch Polen - Teil 2

Auf geht's zum zweiten Teil unserer wunderbaren Reise. Uns lockte das Meer und wir wollten in das nördlichste polnische Dorf am Meer. Kurz vor unserem Ziel, in Braniewo, plagte uns der Hunger - es war schon Mitternacht, aber (so wie fast überall in Polen) wir fanden einen offenen Sklep (so was wie ein Greißler in Österreich - in Deutschland heißts dann wohl Gemischtwarenladen?) und konnten uns dort was zu Essen besorgen. Man merkte, daß das Meer schon sehr nahe war - obwohl wir bis jetzt traumhaft schönes Wetter hatten, war es leicht nebelig und irgendwie unheimlich. Ein Säufer, der dringend Geld für Wodka brauchte, wollte uns eine Uhr verkaufen und war ziemlich aufgeregt, daß wir seine 'wertvolle' Uhr nicht wollten. Wir setzten uns ganz rasch wieder in den Campingbus und schauten, daß wir weiterkamen. Nach ein paar Kilometern waren wir dann an unserem Ziel, um einen wirklich schönen Schlafplatz zu suchen war es schon zu spät, außerdem wurde der Nebel immer dichter, also suchten wir nur ein Plätzchen, wo es einigermaßen ruhig schien und schliefen uns erst mal aus.

Am Morgen erlebten wir eine ziemliche Enttäuschung - schön war es dort wirklich nicht. Irgendwie sah das ganze wie ein vergessenes Industriegelände aus. Also fuhren wir gleich weiter Richtung Frombork, und zwar über eine alte Landwirtschaftsstraße fast direkt am Meer (genauer gesagt ist das dort eine Art riesengroße Meeresbucht, die nur auf einer kleinen Stelle mit dem Meer verbunden ist). Die Landschaft ist dort wunderschön - einfach Natur pur. Auf halbem Weg hielten wir an, um einen Kaffee zu trinken und als ein Feldarbeiter vorbeikam, luden wir ihn auch auf einen Kaffe ein. Wir wollten eigentlich durch den Schilfgürtel zum Meer fahren und den Tag dort verbringen - nur mussten wir natürlich fragen, ob wir das überhaupt dürfen und außerdem befürchteten wir, daß wir mit unserem Camper auf halbem Weg stecken bleiben. Der Arbeiter meinte, daß wir dort ruhig hinfahren können und falls wir stecken bleiben - er kommt ohnehin am Nachmittag mit dem Traktor vorbei, dann zieht er uns wieder raus.

Wir SIND steckengeblieben *g*. Es war aber dann nicht mehr so weit zu gehen und das Auto hatten wir trotzdem noch im Blick. Mein Freund versuchte sich wieder mal im Surfen - er ist da viel mutiger (oder verrückter?) als ich. Er fährt immer irrsinnig weit raus und muß dann echt kämpfen, um wieder zurückzukommen. Ich hab schon gefürchtet, daß er splitternackt, wie er war, nach Russland abgetrieben wird *g* - na, die hätten sich gewundert. Natürlich hab ich dann auch zu Surfen versucht - bis dahin hatte ich noch keine Wendung zusammengebracht, ohne ins Wasser zu fallen. Wie ich da schon recht lässig übers Wasser geglitten bin, seh ich plötzlich um mich herum lauter Fischabfälle schwimmen - es war auf einmal echt grauslich. Nix wie zurück zum Strand.... dazu muß ich aber erst mal wenden..... Kurz und gut - ich habe dort meine erste Wendung ohne Sturz geschafft! Ok, die Freude an diesem einsamen Strand war uns gründlich vergangen - zum Glück kam auch schon der Traktor und zog uns wieder auf die feste Straße und wir konnten nach Frombork fahren. Frombork ist eine total nette Stadt, mit einer Burg aus roten Ziegelsteinen (wie man viele Kreuzritterburgen in Polen sehen kann). Es war sehr gemütlich dort ein bisschen zivilisiert herumzuflanieren, aber uns hat es schon wieder weitergezogen. Wir fuhren mal auf die Halbinsel, die durch die Mündung der Weichsel entstanden ist. Hier konnten wir endlich in sauberem Meer baden - allerdings war es zum Campen nicht so schön - da dort alles Naturschutzgebiet ist, waren wir gezwungen, uns auf einem Campingplatz einzuquartieren.

Auf unserer weiteren Fahrt streiften wir Gdnask und Gdynia und kamen schließlich nach Puck (zu deutsch: Putzig) - und genau das war diese Stadt auch - total putzig. Schön langsam mussten wir aber wieder ans heim fahren denken und schlugen den Weg Richtung Süden ein. Auf einem kleinen Privatflugplatz, der einfach auf einem Stoppelfeld war, kam mein Freund auf die Idee, daß wir einen kleinen Rundflug machen. Ich weiß ja nicht welcher Teufel mich geritten hat, daß ich ja gesagt habe, der Start und die Landung waren die reinste Rumpelkiste (die kleine Propellermaschine startete quer zu den Ackerfurchen) - aber der Flug war wunderschön und führte uns auch ein Stück übers Meer (das tatsächlich blaugrün war) und die Halbinsel Hela.
Nun kamen wir durch die Gegend der schönen Häuser. Jedes Haus hat einen Vorbau aus Holz und Glas, wo sich das gesellschaftliche Leben der Polen abspielt. Wenn man da so durchfährt, kriegt man richtig Lust, sich ein Häuschen zu kaufen. In der Nähe von Kartusy haben wir noch einen schönen Platz an einem See gefunden. Offensichtlich campieren dort öfter Leute (oder machen zumindest Lagerfeuer), wir hatten noch nie solche Probleme, ausreichend Holz zu finden.

Unbedingt muß ich noch von unserem Besuch im Schmalspurbahnmuseum in Wenecja erzählen. Es war dort einfach ein alter, gut erhaltener Bahnhof mit Original-Lokomotiven und Waggons. Ich bin zwar nicht gerade der Eisenbahnfreak, aber es war sicher einen Besuch wert. Dort überkam mich dann auch das Bedürfnis, dem ich in letzter Zeit fast nur im Wald und hinter Büschen versteckt nachgehen konnte und ich freute mich schon auf ein normales Klo. Bisschen enttäuscht war ich, wie ich die Holzbaracke (=Plumpsklo) gesehen habe. Naja, dachte ich, Nase zu, schnell rein, schnell wieder raus und tief durchatmen. Es hat übrigens nicht gestunken, war äußerst sauber, dafür hab ich fast einen Lachkrampf bekommen. Man stelle sich vor: altes, sehr dunkles Holz, alles ganz einfach und schmucklos - und über dem Loch war eine Metallic-blaue Klobrille......

Mit der Schmalspurbahn fuhren wir dann weiter nach Biskupin. In Biskupin gibt es eine teilweise noch gut erhaltene, teilweise originalgetreu rekonstruierte Siedlung aus Urzeiten (ich muß ehrlich gestehen - ich hab keine Ahnung von welcher Zeit). Auf jeden Fall total interessant - weil man sich hautnah vorstellen konnte, wie die Menschen damals gelebt haben.
Nun war es aber schon höchste Zeit, daß wir uns Richtung nach Hause begeben - es ging sich gerade noch ein gemütlicher Tag an einem See in der Nähe von Klecko aus (am liebsten hätte ich verlängert), aber dann mussten wir wirklich fast durch zurück nach Wien fahren.

Ein wirklich traumhaftes Land mit sehr schöner Landschaft und viel Platz, sehr gastfreundliche Menschen leben dort, man kann wirklich gut essen, ohne großartig Geld auszugeben. Die Straßen sind eigentlich relativ gut - klar kommt man immer wieder mal auf fürchterliches Kopfsteinpflaster, aber die Hauptverbindungen sind wirklich zügig zu fahren. Man findet so ziemlich in jedem Dorf eine ‚Minibar', wo man ein bisschen ausspannen kann, fast in jedem Dorf gibt es mindestens einen Sklep, der 7 Tage in der Woche 24 Stunden geöffnet hat - also verhungern brauchst Du in Polen nicht. Die Auswahl in den Supermärkten in den Großstädten braucht den Vergleich mit dem Westen nicht zu scheuen.

Und ich freu mich schon megamäßig über meinen nächsten Urlaub.

21 Bewertungen, 2 Kommentare

  • owesen

    06.03.2002, 11:55 Uhr von owesen
    Bewertung: sehr hilfreich

    Interessant zu lesen ! - Beide Teile !!! Gruß, Sönke ( owi13 )

  • my-opinion

    06.03.2002, 11:55 Uhr von my-opinion
    Bewertung: sehr hilfreich

    na, das nenn ich doch mal einen Reiseführer! :-) Alex