Prag Testbericht




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- Preis-Leistungs-Verhältnis:
- Empfehlenswert:
Erfahrungsbericht von schraddel
Prag: Auch ein Tagesausflug lohnt sich
Pro:
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Kontra:
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Empfehlung:
Ja
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Die Anfahrt
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Am Grenzübergang Furth im Wald verließen wir Deutschland und fuhren zunächst Richtung Pilsen. Man hatte uns den Tipp gegeben, vor Pilsen nicht den Wegweisern nach Prag zu folgen, sondern geradewegs ins Stadtzentrum zu fahren. Ab da sei Prag wieder ausgeschildert; wenn man den Wegweisern vor der Stadt folgt, würde man Pilsen umrunden und einen riesigen Umweg fahren. Wie groß der Umweg ist, kann ich nicht sagen; wir taten, was uns geraten worden war, und alles klappte einwandfrei, und wir nutzten die Fahrt durch Pilsen für einen kleinen Zwischenstopp und Imbiss.
Am späten Vormittag kamen wir in Prag an. Da es nur ein Tagesausflug werden sollte, beschlossen wir, uns auf die Altstadt zu beschränken. Sie ist mit dem Auto leicht zu finden; man braucht nur den Wegweisern "staré mesto" (Altstadt) zu folgen. Man landet dann unweigerlich auf einer Straße, die ein Stück weit die Moldau entlangführt, und wenn man das erste ausgeschilderte Parkhaus ansteuert, findet man schnell eine Unterstellmöglichkeit für sein Auto. Die ist für tschechische Verhältnisse ziemlich teuer: Für wenige Stunden haben wir damals (1996) bereits 240 Kronen bezahlt, also rund 6 Euro. Dafür ist das Parkhaus nur wenige Meter von der berühmten Karlsbrücke entfernt.
Wer mit dem Zug fahren möchte, kann das natürlich auch tun. Wir haben uns ein wenig informiert, welche preiswerten Varianten es gibt, und ich möchte hier zwei Möglichkeiten vorstellen.
Eine davon ist das bayerisch-tschechische "Freundschaftsticket", das an vielen Bahnhöfen im Grenzbereich angeboten wird. Das liegt preislich in der Nähe des bekannten Wochenendtickets, man kommt damit aber nicht bis nach Prag, sondern nur ein Stück weit in die Tschechische Republik hinein. Für die restliche Strecke sollte man sich ein Ticket bei der tschechischen Eisenbahn besorgen.
Ebenfalls eine gute Idee ist es, erst einmal in einen Ort kurz hinter der Grenze zu fahren und dort eventuell (wenn man Zeit hat) eine Übernachtung einzuschieben. Dort kauft man sich dann ein Bahnticket bis Prag und am besten gleich ein Ticket für die Rückfahrt zu dem gewünschten Ort in Deutschland: Das ist bei der tschechischen Bahn auf jeden Fall billiger als bei der DB.
Ich weiß nicht, ob die tschechische Eisenbahn noch die alten Abteilwägen mit den roten, plüschigen Sesseln und Vorhängen benutzt; aber wenn Ihr die Gelegenheit habt, in einem solchen Wagen zu fahren, solltet Ihr sie nutzen. Dort ist die zweite Klasse bequemer als bei uns die erste, und an der Mini-Bar, mit der ein Angestellter gelegentlich vorbei rollt, kann man sich mit einem tschechischen Bier (zu zivilen Preisen; kein Vergleich mit Bundesbahn-Wucher) auf den Urlaub einstimmen.
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Die Karlsbrücke
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Die Karlsbrücke (Karluv most) ist wohl die berühmteste der Prager Moldau-Brücken und erstes Ziel jedes Touristen. Zwischen den "Steinheiligen", also den Skulpturen, die zum Wahrzeichen dieser Brücke geworden sind, stehen im Sommer die fliegenden Händler und Schausteller. Abgesehen von dem üblichen Touristen-Tinneff kann man hier auch schöne kunsthandwerkliche Sachen erstehen, die es sonst nirgendwo zu kaufen gibt, und wenn man das Glück hat, auf einen wirklich talentierten Marionettenspieler zu treffen, sollte man seiner Vorführung ein paar Minuten Zeit widmen.
Doch ist es in der Hochsaison nicht leicht, in Ruhe zu schauen und auszuwählen, da die Brücke voller Touristen ist, die schieben und drängen. Hochsaison ist jetzt natürlich auch für Taschendiebe, darum sollte man auf seine Wertsachen besonders achten. Manchmal geht eine "Welle" durch die Menschenmenge; dann ist gerade wieder eine Reisegruppe auf ihrem kollektiven Weg über die Brücke. Den Reiseleiter erkennt man an dem hochgehaltenen, zusammengeklappten Regenschirm (oft mit Fähnchen dran), der über die Köpfe der anderen hinausragt.
Wenn es abends etwas ruhiger wird, kann es jedoch durchaus sein, dass man sogar zum Betrachten der Statuen etwas Platz und Muße findet. Sie gehörten ursprünglich nicht zur Brücke, die in den Jahren 1357 bis 1383 erbaut wurde; einzige Statue auf dem 516 Meter langen Bauwerk war zunächst eine Kreuzigungsszene. Erst 300 Jahre später, 1683, wurde ein Standbild des Heiligen Johannes von Nepomuk aufgestellt, und bis 1714 kamen weitere Statuen hinzu. Man sagt, die Prager hätten die Idee in Rom geklaut, und wollten auch so etwas haben wie den dortigen Ponte dei Angeli. Weitere Stücke kamen im 19. Jahrhundert und später hinzu, so dass jetzt beidseitig auf jedem der 16 Brückenbögen jeweils eine Statue steht. Die "modernste" Statue stammt aus dem Jahr 1938.
Es soll übrigens Glück bringen, die Bronzeplatte der Nepomuk-Statue zu berühren; sie schimmert leuchtend an der Stelle, an der tausende Finger darüber gefahren sind. Sicher berührt auch der Akrobat jeden Tag diese Statue, der abends auf der Brücke seine Kunststücke vorführt. Er bezieht die Brüstung in seine Vorführung mit ein und steht schwankend über der Moldau, so dass die Zuschauer unwillkürlich den Atem anhalten. Er sei aber, so versichert er jedem, noch nie in den Fluss gefallen.
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Die Prager Burg
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Wer einen kleinen Marsch bergauf nicht scheut, sollte unbedingt zur Prager Burg (Praszky hrad) hochspazieren. Nicht so sehr wegen der Burg selber - die für historisch Interessierte sicher auch sehenswert ist -, sondern wegen des Ausblicks über die Stadt und die Moldau. Auf dem Weg hinauf findet man auch einige Speiselokale, deren Preise etwas gemäßigter sind als an den Haupt-Touristenplätzen, und unterhalb der Burg befindet sich ein Park, der zum Sitzen, Ausruhen und Aussichtgenießen einlädt.
Über die Burg selber und den (sehenswerten) Veitsdom möchte ich an dieser Stelle nichts schreiben; die vielen historischen Daten und Einzelheiten würden mehrere Seiten eines Reiseführers füllen. Interessierten empfehle ich den Prag-Band aus der Reihe "Thomas Cook Reiseführer" (ISBN 3426268310): Dieses Buch ist kompakt, schön bebildert, und trotzdem sehr ausführlich. Da man Prag unmöglich an einem Tag kennen lernen kann, empfiehlt sich bei Zeitknappheit einer der im Buch vorgeschlagenen Rundgänge.
Oder man macht es wie wir, nachdem wir den Abstieg von der Burg geschafft hatten: Ein örtlicher Veranstalter bot eine 45-minütige Busrundfahrt zu einem günstigen Preis an. Leider war die Reiseleitung auf Tschechisch, was wir beim Einsteigen nicht beachtet hatten; wir haben daher wenig über das erfahren, was es zu sehen gab, aber die entspannende Rundfahrt trotzdem genossen.
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Altstädter Ring
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Von der Karlsbrücke aus gesehen genau in entgegengesetzter Richtung zur Burg kommt man zum Altstädter Ring (Staromestske namesti), auch eine dieser Ecken, die jeder Tourist gesehen haben muss, vor allem wegen der astronomischen Aposteluhr am Altstädter Rathaus. Tagsüber zu jeder vollen Stunde drehen hier die zwölf Apostel, von einem Glockenspiel begleitet, ihre Runde, und ganz zum Schluss dreht der Sensenmann sein Stundenglas um. Klappe zu, Vorführung beendet; bis in einer Stunde.
Diese Uhr von Anfang des 15. Jahrhunderts ist ein Wunderwerk der Feinmechanik und zeigt neben der Uhrzeit auch noch Planetenstände und andere astronomische Daten an. Ein kleines Faltblatt, das im Rathaus erhältlich ist, gibt leider nur unzureichend Auskunft, und uns fehlte die Zeit, um an einer Führung teilzunehmen, bei der die Funktionsweise der Uhr genau erläutert wird. Es hätte sich aber sicher gelohnt.
Wir haben dann bei einem der zahlreichen Lokale, die Sitzplätze im Freien anbieten, eine Kleinigkeit gegessen. Auch bei einer zweiten und dritten Pragreise konnten wir es nicht lassen, dort zumindest einen Palatschinken (Pfannkuchen mit Obst, Eis und Sahne gefüllt) zu uns zu nehmen. Aber es war jedes einzelne Mal ein Reinfall: Die Preise sind überteuert, die Qualität lässt zu wünschen übrig, und die Bedienung ist unfreundlich. Touristen-Nepp pur also; einzig zu empfehlen sind die fahrbaren Hotdog-Stände und ein Foto-Labor in einer Seitenstraße, das innerhalb einer Stunde Abzüge auf Kodak-Gold-Papier zu einem unschlagbaren Preis anfertigen kann. Überhaupt ist es empfehlenswert, vollgeknipste Filme nach Möglichkeit noch in Tschechien entwickeln zu lassen; man spart dabei eine Menge Geld, und die Qualität ist hervorragend.
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Schwarzes Theater
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An Sehenswürdigkeiten genügte uns das für einen Tag; aber auf dem Weg zum Altstädter Ring waren wir an einem Plakat vorbei gekommen, das für eine Vorführung des so genannten "Schwarzen Theaters" warb. Das hatte uns neugierig gemacht, und da die Vorstellung schon am frühen Abend sein sollte, gingen wir hin.
Wir wurden nicht enttäuscht. Das Thema war "Alice im Wunderland", und die Aufführung fand größtenteils pantomimisch und mit Musik untermalt statt, so dass es keine Sprachprobleme gab.
Beim "Schwarzen Theater" treten schwarz gekleidete Schauspieler auf einer schwarzen Bühne auf, beleuchtet von UV-Licht. Je nachdem, welche Teile des Kostüms bunt sind, schwebt da mal ein Arm, mal ein Kopf durch die Luft; ein anderes Mal verschmelzen zwei oder drei Gestalten zu einem mehrarmigen Phantasiewesen; Türen öffnen sich, wo man sie niemals vermutet hätte; und lebensgroße Fabelwesen aus Pappmaché schweben an unsichtbaren Fäden über die Bühne. Ein faszinierendes Schauspiel, wie wir fanden, und ideal, um den Tag ausklingen zu lassen.
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Die Rückfahrt
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Wir beschlossen, die Rückfahrt nach Deutschland nicht mehr in der Nacht zu wagen, da wir schon ziemlich müde waren; aber unser Auto aus dem Parkhaus holen und die Stadt verlassen, das wollten wir unbedingt noch. Bei einer anderen Reise haben wir zwar auch einmal im Wohnmobil in einem Außenbezirk von Prag übernachtet, aber uns war ein Motel in der Ortschaft Myto empfohlen worden, die etwa eine Stunde Fahrt von Prag entfernt ist. Bis dahin schafften wir es ganz bequem, und wir hatten Glück und bekamen noch ein Zimmer. Und da der Speisesaal des Motels bis Mitternacht geöffnet hat, kam ich an diesem Tag doch noch zu einem tschechischen Bier, das ich mir als Autofahrer in Prag wegen der dortigen Null-Promille-Grenze verkniffen hatte: Die tschechische Polizei versteht vor allem bei Touristen keinen Spaß und rechnet Strafzettel schon mal 1:1 von Kronen in Mark (oder inzwischen in Euro) um.
Gut ausgeruht und gesättigt fuhren wir am nächsten Mittag zurück nach Deutschland und nutzten noch die günstigen Einkaufsmöglichkeiten im Duty-Free-Shop am Grenzübergang Furth im Wald. Eine Stange Zigaretten bzw. 500 Gramm Tabak, einen Liter Hochprozentiges und zwei Flaschen Wein darf man pro Person einführen; für Parfüm, Kosmetika, Kaffee und sonstige Souvenirs gibt es ebenfalls Beschränkungen, über die ich aber nichts weiß. Die Verkäufer im Shop wissen aber Bescheid, so dass man im Zweifelsfall einfach nachfragen sollte.
8 Bewertungen, 5 Kommentare
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25.03.2002, 18:37 Uhr von Ludwig123
Bewertung: sehr hilfreichwar noch nicht da!
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15.03.2002, 20:54 Uhr von pepsiman
Bewertung: sehr hilfreichSehr informativ.
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14.03.2002, 16:18 Uhr von KleineHexe82
Bewertung: sehr hilfreichBin bisher leider immer nur bis in den Grenznahen Bereich bei Oberfranken gekommen...
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14.03.2002, 12:56 Uhr von new_siveritas
Bewertung: sehr hilfreichWir waren auch mal für n Tag in Prag, allerdings von Dresden aus, wo n Freund von mir mal ne Zeit lang gewohnt hat.
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14.03.2002, 12:51 Uhr von IvoryB
Bewertung: sehr hilfreichGuten Moschen! Irgendwie fällt mir Dein Name immer wieder auf, mag aber auch an Deinen Berichten liegen! *SMILE* Lieben gruß, Ivory
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