Puppentheatermuseum Testbericht

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Erfahrungsbericht von Hanni64

Eine Kiste voller Puppen!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

„Öff Öff!“

oder:

„Ich will auch so eine pföne Mupfel!“

Nein! Ich habe keinen Sprachfehler.

Aber der Ping, eine Figur der Augsburger Puppenkiste, der kann kein „sch“ sagen.
Wie? Kennt Ihr nicht?
Dann wird es aber allerhöchste Zeit.

Nicht nur weil ich 7 Jahre in Augsburg gelebt habe, sondern weil ich ein absoluter Fan von dieser Bühne bin, möchte ich Euch die Augsburger Puppenkiste etwas näher bringen. Sie ist es wirklich wert einen ausführlichen Bericht darüber zu schreiben und ich hoffe, ich komme nicht zu sehr ins Schwärmen.

Was ist die Augsburger Puppenkiste überhaupt?

Ich glaube nicht, dass es jemanden gibt, der sie nicht kennt, aber man kann ja nie wissen.

Es ist keine Kiste, in der verschiedene Puppen aufbewahrt werden, so wie man vielleicht meinen könnte, obwohl es gar nicht so weit hergeholt ist.
Es handelt sich hierbei um ein Marionettentheater, das mittlerweile auf der ganzen Welt berühmt ist.

Vater der Puppenkiste ist Walter Oehmchen.
Er war 1940 Soldat und wurde damals in einer Schule bei Calais einquartiert. Als er dort ein kleines Puppentheater entdeckte unterhielt er seine Kameraden und in ihm wuchs der Wunsch nach einem eigenem Puppentheater, das man in einer Kiste aufbewahren kann und jederzeit zu einer Vorstellung sein sollte.
Mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern erbaute er 1943 sein eigenes Marionettentheater.
Es hatte den Namen „Puppenschrein“.
Als der Krieg zu Ende war, begann Walter Oemchen ein neues Puppentheater zu planen und zwar in Augsburg, in dem ehemaligen Heilig – Geist – Spital.
Nach der Premiere am 26.02.1948, war die Augsburger Puppenkiste ständig auf Erfolgskurs und nicht mehr aufzuhalten.


Im Jahre 1950 begann Walter Oehmchen mit Planungen für eine Reisebühne. Er traf auf Manfred Jenning, der bereits 1950/51 das erste Kabarett der Augsburger Puppenkiste inszenierte.
1953 wurde die erste Fernsehproduktion live im NWDR ausgestrahlt. Das war Peter und der Wolf und somit wurde sie auch außerhalb Augsburgs bekannt.
Als 1957 eine Tochter Oehmchens den Schauspieler Hans – Joachim Marschall heiratete, wurde ihm sogleich die Leitung des Theaters übertragen. Unter seiner Leitung entstanden Produktionen des Hessischen Rundfunks z.B. von der Muminfamilie, Jim Knopf oder Kater Mikesch.
Eine der bekanntesten Fernsehproduktionen wurde Urmel aus dem Eis.
Ich denke, ich habe nun genug über den Werdegang der Puppenkiste erzählt.
Viel Interessanter finde ich die Star der Bühne und des Fernsehens und vor allem, wie sie entstehen.

Dafür gibt es natürlich eine eigene Werkstatt, in der die Puppen zu größten Teil noch per Hand hergestellt werden.
Die Werkstatt befindet sich im Keller und neben einer Werkbank, Stühlen, Tischen und Regalen mit Werkzeugen und einer Säge findet man dort nicht mehr.
Außer Holz natürlich. Lindenholz. Wo gehobelt da fallen auch Späne und Pumuckl würde sich in dieser Werkstatt bestimmt sehr wohl fühlen.
Die Stars werden aus Lindenholz geschnitzt.
Hannelore Marschall – Oehmchen, die Tochter Walter Oehmchens, greift auch noch selber zum Schnitzmesser, vor allem wenn es sich um Gesichter von Persönlichkeiten handelt, wie z.B. Helmut Kohl.
Die Gesichter brauchen aber noch ein Make up. Das bekommen sie von Hannelore Marschall – Öhmchen persönlich.
Geschminkt werden sie mit Ölfarben.
Damit die Puppen nicht nackt auf die Bühne müssen sind noch Kleider notwendig, die Imke Henze für sämtliche für Charaktertypen entwirft und näht.

Die fertige Marionette wird normalerweise mit 10 Fäden gelenkt und das erfordert natürlich sehr viel Übung und Geschick.

Wie ich meine Liebe zur Puppenkiste entdeckte?
Im Alter von ca.8 Jahren schenkte mir mein Vater einen Schallplattenspieler.
Ich begann Märchenplatten zu hören und irgendwann kam eine Schallplatte von Fix und Foxi und von der Augsburger Puppenkiste dazu.
„Gut gebrüllt Löwe“ hieß meine erste Platte.
Man merkt schon an meinem Bericht von dem TV-Gerät Loewe, dass ich die Puppenkiste sehr oft in meinen Gedanken habe.

Ich muss sagen, dass mich der Sultan, das Kamel und natürlich auch der Löwe vom ersten Moment in ihren Bann gezogen haben.
Ich fand das faszinierend, wie die drei auf einem fliegendem Teppich durch die Luft flogen und auch den Löwen aus manch brenzliger Situation retteten.

Als im Laufe der Zeit immer mehr Produktionen über das Fernsehen ausgestrahlt wurden, kamen noch viele andere Lieblinge von mir dazu, auf die ich aber nur kurz eingehen möchte:

Der kleine König Kallewirsch:
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Wer kennt ihn nicht, den König der Erdmännchen, der in einem Gartenzwerg eingetont wurde. Zwei Menschenkinder haben ihn gerettet und begleiten ihn zurück. Er muss rechtzeitig zu einem Duell mit Zoppotropp erscheinen. Er möchte König über die Erdmännchen werden. Er lies die Menschenkinder schrumpfen und nahm sie mit ins Erdreich. Ein spannender Wettlauf mit der Zeit beginnt und es gilt viel Hindernisse zu überwinden.
Besonders lustig finde ich die Fledermaus mit ihrem schweizer Dialekt, die zusammen mit einem Igel die Geschichte „moderiert“.

Wie das alles ausgeht?
Dreimal dürft Ihr raten.


Der Kater Mikesch:
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Er lebt in Holleschütz (hoffe, dass man das so schreibt) bei seinem Frauchen, einem netten Omilein.
Er lebt dort recht sorgenfrei und lernt sogar das Sprechen.
Zu seinen Freunden zählt er einen Hund, ein Schwein und eine Ziege. Oder ist das ein Ziegenbock? Egal, auf jeden Fall passiert ihm eines Tages ein furchtbares Missgeschick:
Er zerbricht Omi`s Milchtopf.
Er schämt sich und möchte sich Geld verdienen um den Milchtopf zu ersetzen. Dazu geht er in die weite Welt hinaus.
Er gerät an einen Zirkus und als die Merken, dass er Sprechen kann, riechen sie Geld und nehmen ihm nahezu gefangen.
Zahlreiche Abenteuer muss der kleine Kerl überstehen.
Seine Freunde und auch die Omi sind sehr traurig und machen sich große Sorgen.
Moderiert wird die Geschichte auch, und zwar von zwei männlichen Puppen, die in einem Ballon über Holleschütz schweben.


Bill Bo und seine Bande:
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Bill Bo und seine Bande
zieh`n bald schon durch die Lande
und weil man sie nicht fassen kann,
hängt keiner am Galgen dran.

Diese Gangsterbande ist schon wieder so drollig, dass man ihnen nicht böse sein kann.
Es gehört zu einer meiner Lieblingsgeschichten.

Mitglieder Bande sind natürlich Bill Bo, ein Hesse, der das Kommando der Bande übernommen hat.
Mit von der Partie sind auch ein Schwabe, ein Bayer, ein Ungar und ein Sachse.
Ein liebenswertes Quintett.
Sie wollen die Burg Dingelstein erobern.
Dingelstein liegt mitten im Rhein.
Die Bewohner der Burg sind ein Graf und seine Tochter. Sie werden von einer Haushälterin bedient und von einem unerschrockenen Ritter bewacht, der sich für Don Quichotte hält.
Er hört auf den klanghaften Namen:
Don Quichotto Spinoso von der Laweng.
Er greift alles an und hält sogar das kleine Eichkätzchen, das die Prinzessin DingDing vor dem Überfall warnt, für eine Gefahr.
DingDing entscheidet sich, sich als Junge verkleidet in die Bande einzuschmuggeln und somit mehr über die Pläne der Bande herauszufinden. Das gelingt ihr auch mit Erfolg.
Die Bande währenddessen fällt Bäume um ein Floß zu bauen. Dabei geraten sich der Bayer und der Schwabe immer wieder in die Haare und „raufen“.
Der Ungar verwechselt immer den Rhein mit der Donau und Bill Bo lässt lässt des Öfteren seinen super Fluch los.

„Bombengranatenelementenblitzplotzdonnerwettersaperamentnochmal“!

Natürlich wendet sich auch hier alles zum Guten.


Jim Knopf und die Lokomotive:
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Eine Insel mit zwei Bergen
In dem tiefen blauen Meer
Mit viel Tunnels und Geleisen
und nem Eisenbahnverkehr.
Sag wie mag die Insel heißen
Ringsherum ist feiner Sand,
jeder sollte einmal Reisen
in das schöne .....

genau....Lummerland!

Auch hier regiert ein König.
Es gibt noch einen Fotografen und einen Tante Emma laden.
Nicht zu vergessen, Jim Knopf, das Findelkind und Lukas den Lokomotivführer. Die Lokomotive heißt Emma und muss mit den Beiden sehr viele Abenteuer bestehen.
Ich glaube aber, dass diese Geschichte am weitesten Bekannt ist und da werde ich nicht mehr darüber berichten.


Urmel aus dem Eis:
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Neben Jim Knopf eines der bekanntesten Geschichten der Puppenkiste.

Achtung:
Hanni kommt ins Schwärmen:

Es wurde erstmals 1969 aufgezeichnet, ja so alt ist das Urmele schon.
Die Geschichte spielt auf der Insel Titiwu. Darauf wohnt Professor Tibatong, der den Tieren das Sprechen beibringt.
Eines Tages strandet ein Eisblock auf der Insel und als der geschmolzen war, kam ein Ei zum Vorschein. Die Bewohner beschlossen das Ei auszubrüten und das Resultat ist Urmele.

Ein Schwein, die Wutz ist der gute Geist des Professors. Sie versorgt ihn und sie zieht auch das Urmele groß. Zärtlich singt sie es in den Schlaf und sorgt sich rührend um es, oder ihn, oder sie? Urmel ist glaube ich geschlechtslos, fällt mir jetzt erst auf. Es heißt ja auch das Urmel.
Dann gibt es noch Wawa, den Varan. Er schläft in einer großen Muschel und Ping der Pinguin beneidet ihn um diese tolle „Mupfel“. Ping hat Schwierigkeiten mit dem „sch“.
Eine herrliche Idylle herrscht auf der Insel, bis eines Tages jemand auftaucht, der das Urmel abknallen möchte.
Natürlich gelingt ihm das nicht.


Der Zauberer Schmollo:
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Er gehört zu den neueren Produktionen der Puppenkiste.

Schmollo hat mit dem Zaubern so seine liebe Mühe. Es geht ihm oft etwas daneben.
Er beginnt an sich zu zweifeln, bis er eines Tages von einer Wirtin Töchterlein gebraucht wird. Sie ist auf der Suche nach ihrem Vater und bittet ihn um seine Hilfe.
Das ist die einzige Geschichte die ich von der Puppenkiste kenne, in der sich auch mal eine kleine Liebesgeschichte entwickelt, denn natürlich verliebt sich Schmollo in das hübsche Mädchen. Ob er unter diesen Umständen aber Zauberer bleiben kann?
Das verrate ich nicht.



Ups:
Ich glaube ich muss mich kurz fassen.
Es gibt noch so viele Geschichten der Puppenkiste.
Dem Schlupp, Die drei Dedektive, Die Blechbüchsenarmee, Räuber Hotzenplotz wurde gespielt, viele Märchen der Gebrüder Grimm aufgeführt und sogar ein Kinofilm gedreht. Monti Spinneratz wurde 1996 gedreht. Es dauerte insgesamt 10 Wochen und spielte in Bottrop, Duisburg und New York.
Ostern 1997 lief der Film in unseren Kinos an.

Meinen persönlichen Liebling möchte ich aber noch erwähnen:
Das ist der Seelöwe aus „Urmel aus dem Eis“.
Er hat einen Schal um den Hals gebunden, sitzt auf einem Felsbocken am Meer und singt rund um die Uhr.
Natürlich in einem tiefen Bariton. Er sagt sehr viel in Ö-Lauten. Da klingt ein Lied bei ihm etwa so:

Öst alles donkel öst alles tröbe, öch bön allöin auf döser Wölt!
Ist alles dunkel ist alles trübe, ich bin allein auf dieser Welt!

Auf Grund des 50jährigen Jubiläums war in Augsburg natürlich eine Ausstellung der Puppenkiste.
Hanni musste da unbedingt rein.
Der Seehund war in voller Größe ausgestellt. Mitten im Meer, das durch Folie super hergestellt war, saß er auf seinem Felsen, nur gesungen hat er nicht. Aber das habe ich für ihn gemacht.
Völlig abgetreten, stand ich davor und begann mit tiefer Stimme ein paar Lieder von ihm zu singen, natürlich mit den Ö-Lauten.
Oh Mann: Ich bemerkte nicht, wie viele Leute mir grinsend zusahen, aber meinem Mann war das damals etwas peinlich.
Mein Sohn lachte und sagte nur: Typisch Mama!



Die Puppenkiste führt aber auch Opern und Theaterstücke für Erwachsene auf.
Die Zauberflöte steht z.B. manchmal auf dem Programm.

Sie war dieses Jahr auf Tournee und die geht jetzt langsam zu Ende. Von 22.10 – 26.10 gastiert sie noch in Münster, in der Münsterlandhalle.

Für alle die mehr Informationen möchten, gebe ich die Internetadresse bekannt:

www.augsburgerpuppenkiste.de

Da sind auch tolle Bilder von den Stars der Puppenkiste abgebildet und ein paar Infos zu diesem Bericht, holte ich mir von der Seite.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim stöbern und lesen.

Danke für das Durchhalten, mein nächster Bericht wird wieder kürzer.

*Eure Hanni64*

24 Bewertungen, 4 Kommentare

  • hackbrett52

    28.05.2002, 10:14 Uhr von hackbrett52
    Bewertung: sehr hilfreich

    wieder mal ein Fan der Puppenkiste *g* wenn ich neben dir gestandenhätte, dann wäre bestimmt ein Duett bei den Ö Lauten herausgekommen

  • uteker

    13.04.2002, 17:42 Uhr von uteker
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht. Aus dem Fernsehen kenne ich sie natürlich auch, aber das ganze mal so live erleben, wäre nicht schlecht. Viele Grüße von Ute

  • Netti1982

    11.04.2002, 23:48 Uhr von Netti1982
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht, da bekomme ich richtig Lust mal hinzufahren... MfG Netti

  • Faceman28m

    11.04.2002, 23:47 Uhr von Faceman28m
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht,vorallem sehr Invormativ.Mich hat die länge aber nicht gestört.mach weiter so.