Rebell (Single) - Die Ärzte Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Cover-Design:  gut
  • Klangqualität:  sehr gut

Erfahrungsbericht von SchwesterE

Ich bin dagegen...

5
  • Cover-Design:  gut
  • Klangqualität:  gut

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Eines meiner Lieblingslieder von den Ärzten habe ich mir für meinen Bericht ausgesucht.

Die Ärzte sind bei mir ein Thema für sich. Die Band war ja schon zu meiner Jugend aktuell, aber absolut nicht mein Fall. Aber je älter ich wurde, umso besser gefielen mir die Ärzte. Allerdings kann ich den „alten“ Sachen immer noch nichts abgewinnen.

Ende der 90er lief non-stop ein Lied im Radio das es mir angetan hatte. Nie schaffte ich es in Erfahrung zu bringen, wer das sein könnte. Voller Verzweiflung rief ich meinen Bruder auf der Arbeit an, der denselben Musiksender hörte wie ich. Seine Kollegin klärte mich dann freundlich auf und meinte dann auch gleich dass mein Bruder die CD doch hat. NA toll. Ein gutes Beispiel der Kommunikation zwischen mir und meinem Bruder *g*.

Das Lied war Rebell von den Ärzten. Über die Ärzte brauche ich denke ich nichts erzählen, die dürften jedem bekannt sein. Entweder man mag sie oder eben nicht. Wie gesagt, ich mag ihre „alten“ Sachen auch nicht. Vor allem aufgrund der Texte. Ich denke an diesem Song hat mich vor allem der Text fasziniert und versetzt mich quasi in andere Sphären. Da werden für mich Erinnerungen wach an eine unheimlich schöne Zeit, auch wenn der Anlass weniger schön war. Und ich finde mich, zumindest für diese Zeit in dem Text wieder.

Die Ärzte selbst schreiben auf ihrer Homepage (www.bademeister.com) das der Song ein Aufruf sein soll, sein eigenes Ding zu machen und dazu zu stehen. Und genau das ist es wohl was mich fasziniert.

Aber erst mal der Text, damit mir noch irgendjemand folgen kann :-)

Ich bin dagegen, denn ihr seid dafür.
Ich bin dagegen, ich bin nicht so wie ihr.
Ich bin dagegen, egal worum es geht.
Ich bin dagegen, weil ihr nichts davon versteht.
Ich bin dagegen, ich sag es noch einmal.
Ich bin dagegen, warum, ist doch egal.
Ich bin dagegen, auch wenn es euch nicht schmeckt,
ich nenn es Freiheit, ihr nennt es Mangel an Respekt.

Bitte versteht mein Verhalten als Zeichen der Ablehnung,
mit der ich euch gegenüberstehe.
Bitte versteht mein Verhalten als Zeichen der Ablehnung,
mit der ich euch gegenüberstehen tu.

Ich bin nicht blöde, auch wenn du gern so tust.
Ich bin nicht faul, ich hab nur einfach keine Lust.
Ich bin nicht hässlich, ich seh&Du hast verloren, du gibst es nur nicht zu.
Ich bin nicht taub, du brauchst nicht so zu schrei&Ich bin nicht blind, ich seh&Ich bin nicht stumm, ich halte nur den Mund.
Was sollt ich sagen? - ich hab doch keinen Grund.

Bitte versteht mein Verhalten als Zeichen der Ablehnung,
mit der ich euch gegenüberstehe.
Bitte versteht mein Verhalten als Zeichen der Ablehnung,
mit der ich euch gegenüberstehe.
Wenn ihr schon dabei seid, dann betrachtet auch mein Aussehen
als Symbol der Nichtidentifikation mit euren Werten.

Keiner, Keiner, Keiner hat das Recht mir zu befehlen,
was ich zu tun hab, wirklich Niemand, einfach Keiner,
das ist ganz allein meine freie Entscheidung.

Ich bin nicht arm, ich hab, was mir gefällt.
Ich bin nicht neidisch, auf dich oder dein Geld.
Herzlich willkommen in meinem Lebenslauf.
Ich bin ganz ruhig, warum regst du dich denn so auf?
Wenn du dann durchdrehst, und mich wieder verhaust,
stellst du dir selber ein Armutszeugnis aus.
Du kannst mir Leid tun, die Wut macht dich blind.
Du hast verloren, ich bin nicht mehr dein Kind.

Keiner, Keiner, Keiner hat das Recht mir zu befehlen,
was ich zu tun hab, wirklich Niemand, einfach Keiner,
das ist ganz allein meine freie Entscheidung,
sowie Meinung oder Kleidung
und die innere und äußere Erscheinung.

( Quelle: http://www.songtext-archiv.de/lyric.php?id=815)

Eingeleitet wird das Stück mit Gitarren. Eine Anklage: Ich bin dagegen. Gegen alles was euch (wem auch immer) wichtig ist.
Der Song fängt ruhig an und steigert sich mit den jeweiligen Aussagen.

Erst bittet der Sänger um Verständnis, dann versucht er zu erklären.

Dann macht er klar, das er sich von keinem was sagen lässt und im Endeffekt das macht was ihm gefällt.

Zum Schluss macht er klar, dass er im Endeffekt gewonnen hat. Er hat was ihm gefällt. Er kann noch in den Spiegel blicken, ohne dass er sich von der „Gesellschaft“ hat verbiegen lassen.

Parallelen zu meinem Leben.
Anfang der 90er zur Zeit des 2. Golfkriegs, da finde ich mich in dem Lied wieder. Ich machte was ich wollte. Klamottentechnisch: selbstgenähte Flatterhosen. Alles möglichst bunt. Im Schlepptau immer ein Rucksack. Jenachdem noch irgendwas mit einem Peacezeichen drauf oder ähnlichem.
Sagen lassen habe ich mir zu der Zeit auch wenig. Wurden wir (eine Gruppe Menschen der verschiedensten Alters- und Gesellschaftsschichten, die auf einer Kirchentreppe eine Mahnwache gegen den Golfkrieg abhielten) von Passanten dumm angemacht, hatten sie in mir einen würdigen Diskussionpartner (eher wohl Gegner *g*).

Damals noch bei den Eltern wohnend, noch keine 18 Jahre alt, kam ich nur noch zum Schlafen und Wäsche wechseln heim. Meine Eltern waren zwar nicht begeistert, aber irgendwie hatten sie Hochachtung vor meiner neuen Einstellung.

Für mich war das damals eine unheimliche Leistung. Zu meinem Anderssein stehen. Für etwas eintreten.

Obwohl dieses Dagegensein an sich mein Leben bestimmte. Meist habe ich meinen Kopf allerdings nicht durchgesetzt. Es sei denn meine Mutter bekam von anderer Seite erklärt, dass meine Meinung die bessere sei. Heute weiß ich dass mir meine Rebellion nichts gebracht hat. Das ist aber wohl eine andere Geschichte.

Der Song an sich, passt wenn man einfach eine Leck- mich- am- Arsch- Stimmung hat. So Zeiten gibt’s ja :-)

Momentan höre ich den Song wieder häufiger. Vielleicht möchte ich mal wieder ausbrechen. Aus meinem Leben das in einer Sackgasse steckt. Aus dem geordneten Leben das mir meine Chefin zeitweise aufzwingt. Oder einfach das Kontra zu meinen Arbeitgebern, die recht engstirnige Ansichten haben. Es gibt nur eine Möglichkeit was richtig zu machen und das ist ihre. So krass habe ich das noch nie erlebt. Aber noch „ducke“ ich mich, aus Angst um meinen Arbeitsplatz, vielleicht wäre es aber für mich besser, mal zu rebellieren.

Der Song an sich fordert auf alles was die Gesellschaft fordert, anzuzweifeln. Ob das wirklich richtig ist, mag dahin gestellt sein. Aber der Text ist sehr treffend, wenn einen die ganze Welt einfach mal kann.

Der Song wird von Gitarren und Trommeln (ich glaub man nennt das heute Drums*g*) untermalt oder besser begleitet. Etwas was ja für die Ärzte typisch ist. Der Gesang wird aber durch die Begleitung nicht negativ beeinflusst, sondern unterstreicht die „wichtigen“ Stellen des Textes. Gleichzeitig wird der Song so impulsiver.
Singen tut glaube ich hauptsächlich nur einer. Nur der Refrain wird zeitweise von allen gesungen. Da möchte ich mich aber nicht festlegen. Für mich ist wichtig, das ich mitgrölen kann und dem Song folgen kann, was wunderbar geht, da der Text deutsch ist *grins*

Rebell ist eine Singelauskopplung aus dem Album 13. Das Album habe ich geschenkt bekommen und weiß den Preis deshalb nicht. Ich wollte mich aber bewusst, nur diesem Song widmen, weil er mir persönlich am meisten gibt.

In diesem Sinne.

ICH BIN DAGEGEN….



Gruß Alex ( Dezember 2003 für yopi und ciao)

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