Red letter days - Paddy goes to Holyhead Testbericht

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Erfahrungsbericht von Sven79

Holyhead ist noch immer nicht erreicht

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Man kennt das ja: seine alte Lieblingsband stößt man nicht einfach so aus dem Plattenregal. Eigentlich interessiert einen deren Musik schon seit Jahren nicht mehr wirklich, wenn dann aber eine neue Platte rauskommt... Rennt man in den nächsten Laden, hört Probe, ist enttäuscht und kauft trotzdem. Warum? Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung.

Genauso geht es mir mit der Darmstädter Irish-Folk-Band „Paddy goes to Holyhead“ (PgtH). In meinen Teenagerjahren haben ich ihre fetzige gute Laune Musik geliebt, kannte alle Texte auswendig und sprang auf ihren Konzerten fröhlich umher. Mit der Zeit aber verschwand diese Begeisterung Stück für Stück.

Zu den Gründen: die Platten wurden schlechter, klangen alle irgendwie gleich und die Konzerte waren längst nicht mehr die Parties der Vergangenheit. Früher hatten Paddy Songs, die kleine witzige oder nachdenklichmachende Geschichten erzählten. „The Titanic“ (Der Untergang, klar!), „Johnny went to war“ (und kommt nie zurück) oder „The dragon“ (über die Freundschaft zwischen einem Drachentöter und seinem eigentlichen Opfer).

Trotz allem habe ich immer brav weiter ihre Platten gekauft. Die neue Scheibe „Red Letter Days“ aber blieb im Laden. Denn was musste ich auf dem geschmacklosen Cover, das ein Bandfoto ziert, sehen? Songschreiber und Bandbegründer Paddy Schmidt hat der Truppe adieu gesagt. Und überhaupt: von der Originalbesetzung ist nur noch Schlagzeuger Kalle Spriesterbach übriggeblieben. Wozu also Fantreue, wenn die Band sowieso nichts mehr mit den ursprünglichen PgtH zu tun hat?

Mit Weihnachten kam aber alles anders, und ich besitze die CD nun doch. Glücklicherweise muss ich sagen. Denn vieles ist besser auf dem neuen Album. Zwar fehlen noch immer die grandiosen Storysongs früherer Tage, dafür wird wieder munter drauf los gefiedelt und geschrammelt. Großes Plus ist auch der neue Sänger Mark Patrick, der mit angenehmer und ausdrucksstarker Stimme überzeugt und die Paddies außerdem auf neues musikalisches Gebiet führt. So würden die Popsongs „Cornerstone“, „Starry Eyed“ oder „Done 4 You“ auch einem Robbie Williams gut zu Gesicht stehen. Geiger Jens Kempgens sorgt mit schönen Gitarrenparts aber dafür, dass unverkennbar PgtH-Songs bleiben.

Neben eigenen Songs gab es auf PgtH-Alben schon immer neu arrangierte und aufgepeppte Traditionals. Das ist auch diesmal wieder so: „Ye Jacobites by name“ und „The oak & the ash“ gehen ab wie Luzie und verwandeln wohl jeden Konzertsaal in ein fröhlich mitsingendes Tollhaus. Weniger gelungen ist dagegen Paddies Version von „House of the rising sun“, absolut unpassend. Passender ist da schon der Geiger auf dem Dach („Fiddler on the Rooftop“).

Meine absoluten Lieblingssong sind aber „The Troubador“, „The Klabautermann“ und das unvermeidliche Trinklied „Fill my glass“. Absolut tanzbar, zwingende Refrains und endlich wieder der paddytypische Humor. Alte Fans wissen nun endlich warum es die Annie B. so schwer hatte: Der Captain hat die Warnungen des Klabautermanns ignoriert.

Zu PgtH gehören aber nicht nur diese vorzüglichen „Happy go lucky“-Nummern, sondern seit jeher zu Herzen gehende Balladen. Fans erinnern sich an „My Belfast“ oder „Ula Drake“, um nur zwei zu nennen. Auf „Red Letter Days“ ist es die wunderbare Powerballade „On Angel’s Wings“ die für ruhige Momente zwischen den überschwänglichen Temposongs sorgt.

Fazit: Es geht wieder aufwärts mit „Paddy goes to Holyhead“. Der neue Sänger hat der Band gut getan. Die „Happy go lucky“-Irish Folk Songs zünden wieder und auch der alte Humor zeigt sich wieder. Noch ist aber nicht alles Gold: mir fehlen halt die erwähnten Storysongs und „House of the rising song“ ist großer Mist.

Deshalb empfehle ich allen PgtH-Neulingen doch mit „Ready for Paddy?“* einzusteigen. Ich sage Euch, wer Pogues, Levellers, Dubliners, Runrig oder die Oysterband mag, wird auch mit dieser Scheibe seinen Spaß haben. Für alte und momentane Paddy Fans ist „Red Letter Days dagegen ein Pflichtkauf.

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*auch zu diesem Meisterwerk (ich sage nur Storysongs!) gibt’s eine Meinung von mir.

Pro: fetzig, mitreißend, ein Ohrwurm jagt den nächsten, Humor blitzt auf ==) super Irish Folk

Kontra: House of the rising sun, leider keine Storysongs

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