Das Wunschspiel (gebundene Ausgabe) / Patrick Redmond Testbericht
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Erfahrungsbericht von starfax
Die Leichen im Keller
Pro:
Spannung,
Kontra:
--
Empfehlung:
Ja
Habt ihr schon mal mit dem Wunsch ,jetzt unbedingt ein ganz tolles Buch zu finden, einen Buchladen betreten und gleichzeitig das Gefühl gehabt, eigentlich schon alles Gute gelesen zu haben und etwas, das hundertprozentig euren Geschmack träfe, könntet ihr - zumindest in diesem Moment - gar nicht finden?
Nun, gestern erging es mir so. Jetzt hatte ich schon seit einer Woche Urlaub, war aber noch nicht zur Ruhe gekommen - und das wollte ich mir jetzt unbedingt gönnen - in Ruhe, allein und mit einem aufregenden Buch in der Hand. Ich mußte zwar stundenlang durch drei Buchläden stöbern, aber meine Ausbeute war mit drei Büchern nicht schlecht und nach einer fast ganz durchlesenen Nacht und nicht einmal 24 Stunden später bin ich mit dem ersten Buch fertig und kann nur sagen: Das war echt ein Glücksgriff! Alles dabei, was mich interessiert, spannend bis zur letzten Seite und dann noch sehr gut geschrieben! Kein Ex - und - Hopp - Wälzer, sondern ein Buch, das einen einfach mit ins Geschehen reißt - und zwar schon auf den ersten Seiten...
DIE STORY:
Ein mäßig erfolgreicher Journalist wittert den großen Durchbruch, als er auf eine 45 Jahre zurückliegende Geschichte stößt. Er lädt den letzten lebenden Zeugen zu sich nach Hause und bringt ihn, nach anfänglichem Widerwillen dazu, seine Geschichte zu erzählen..
Jonathan Palmer, ein vierzehnjähriger Schüler des Elite - Internats Kirkston Abbey , wird wegen seiner Herkunft aus der Arbeiterschicht von seinem Lehrer, Mr. Ackerley und James Wheatley, einem fiesen Mitschüler und seinen Vasallen schwer gegängelt. Während einer Lateinstunde, in der ihn Mr. Ackerley wieder einmal quält, wird ihm unerwartete Hilfe von Richard Rokeby, einem extremen Außenseiter zuteil.
Jonathan, von dessen Stolz und Unabhängigkeit beeindruckt, beschließt ,diesem seine Freundschaft anzutragen.
Rokeby nimmt diese schließlich an - zur Überraschung aller Mitschüler, denn Rokeby, der scheinbar vor nichts und niemandem Respekt oder Angst hat, ist dafür bekannt, alle Mitschüler mit Verachtung zu behandeln und auch den Lehrern gegenüber sehr eigensinnig zu sein.
Es entsteht eine sehr enge Bindung zwischen beiden und als sich Wheatley, Jonathans ständiger Peiniger, der selber vergebens um Rokebys Freundschaft wirbt, brutal an Jonathan rächt, hilft ihm dieser, mit seinen Peinigern fertig zu werden. Jonathans Feinde werden schon bald ihr blaues Wunder erleben - aber um einen hohen Preis:
Für Jonathan geht es zunächst nur darum, in Ruhe und Frieden zu leben, doch Rokeby verfolgt seine eigenen Pläne - er kümmert sich auch noch um jeden, der ihrer Freundschaft kritisch gegenübersteht. So sorgt er nicht nur dafür, daß sich Jonathans alte Freunde von ihm abwenden, auch einige Lehrer werden plötzlich mit ihren eigenen Leichen im Keller konfrontiert.
Und als die beiden Schüler noch ein gefährliches Spiel beginnen, verstrickt sich Jonathan immer tiefer in Schuld. Als er entdeckt, wozu der haßerfüllte Rokeby wirklich fähig ist, ist er ihm bereits ausgeliefert. Rokeby will auf keinen Fall auf Jonathans Freundschaft verzichten.
In ihr Spiel mit dem Feuer ziehen sie schließlich nicht nur den mißgünstigen Lateinlehrer - seltsame Todesfälle werden sich an dieser Schule häufen...
DAS BUCH:
Ja, früher war ich mal ne richtige Leseratte, heute fehlt mir dazu meistens die Zeit. Wenn ich dann mal ein gutes Buch bräuchte, habe ich keines zur Hand und den Nerv, mir eines zu suchen, habe ich dann meistens doch nicht, zumal ich keinen Bock auf das billige Geschreibsel habe, das heute die Masse der Romane im Buchladen ausmacht.
Selbst die Bücher von Henning Mankell interessieren mich nicht sonderlich, denn die Spannung dort wird meistens aus der Ungeheuerlichkeit irgendeines Mordes gezogen und der Inspektor weiß-der-geier-wie-der-heißt erledigt den Fall dann quasi nebenher, während er mit seinem zutiefst unerfüllten Leben hadert.
Keine Figur, die mich sonderlich berührt sondern ob ihrer Trostlosigkeit eher abschreckt.
„Das Wunschspiel\" nun habe ich eher aus Mangel an Alternativen ausgewählt (die andere Möglichkeit war „Ring\" zu dem gleichnamigen japanischen Film, der Vorbild zu „The Ring\" war - aber der erinnerte mich vom Stil her zu sehr an diese trockenen Polizisten - Bücher) und war halb darauf gefaßt, bitter enttäuscht zu werden.
Aber weit gefehlt!
Es fängt schon mal gut an mit dem Prolog im London des Jahres 1999, wo gleich die unheilschwangere Atmosphäre hergestellt wird und die Schatten der Vergangenheit grüßen lassen.
Sodann der Rückblick nach Norfolk im Jahre 1954. Internat. Lateinstunde. Wunderbar beschrieben, noch dazu mit einer Begebenheit, die mir aus meiner eigenen Schulzeit nicht unvertraut ist. Minutiös und wie mir aus der Seele geschrieben. Sofort war ich mit voller Aufmerksamkeit bei der Hauptfigur Jonathan und jede seiner Regungen und Gedankengänge konnte ich hundertpro nachvollziehen.
Was mit ihm gelingt, gelingt aber auch mit den anderen Figuren in diesem Buch, Patrick Redmond läßt jede einzelne zum Leben erwachen und selbst die fiesesten werden so geschildert, daß man mit ihnen später mitleidet und ihre Denkweisen zumindest nachvollziehen kann.
Genau und stimmungsvoll wird auch das Internatsleben geschildert. Oft muß man an „Der Club der toten Dichter\" denken (wegen der strengen Atmosphäre) oder an Harry Potter (wegen der einfühlsamen Erzählweise und auch der Figurenkonstellation wegen).
Dabei bleibt alles sehr englisch und subtil. Redmond erzählt einfach, aber nicht simpel, ausführlich, aber wird nie voyeuristisch und läßt den Figuren ihre Würde.
Durch diese zurückhaltende Erzählweise wirkt die Geschichte selbst in ihren stärkeren Szenen und selbst im Finale nie reißerisch oder unglaubwürdig. Die Themen Okkultismus, Homosexualität, Mobbing und was sonst noch hineinspielt, stehen immer im Dienst der Geschichte, nie für eine große Moral oder Botschaft, aber werden sehr behutsam geführt und bilden ein großes Mosaik, in dem sich die Handlung entwickelt.
Die Aufmerksamkeit schließlich bleibt nicht nur bei Jonathan, sondern wird immer auch zu den anderen Figuren gelenkt und besonders gegen Ende wechselt Redmond immer wieder hin und her, so daß der Leser bei den vielen Parallelsträngen immer auf dem Laufenden bleibt und sich natürlich auch die Spannung immer mehr steigert.
Letztendlich geht es in „Das Wunschspiel\" nicht nur um einen guten Psychothriller, sondern auch um die Notwendigkeit eine starke, unabhängige Persönlichkeit zu werden und sich nichtzu sehr von den Urteilen anderer abhängig zu machen (aber auch darum, sich nicht zu weit von den anderen Menschen zu entfernen - denn eine starke Persönlichkeit kann sich nur im Miteinander ausprägen...).
DER AUTOR:
Patrick Redmond war mir bislang nicht bekannt und „Das Wunschspiel\" ist auch sein erstes Buch. Er studierte auf Wunsch seines Vaters (dem er dieses Buch auch widmete) Jura und war in London in verschiedenen Anwaltskanzleien tätig.
„Das Wunschspiel\" war wohl international sehr erfolgreich und es gibt noch ein zweites Buch von ihm „Der Schützling\", das sich in der Kurzbeschreibung aber nach einem typischen Zweitbuch anhört, denn die Problematik ist dem „Wunschspiel\" sehr ähnlich.
FAZIT:
Meine Überraschung ist immer noch sehr groß. Immerhin habe ich dieses Buch innerhalb eines dreiviertel Tages gelesen und die Warnung im Klappentext („Es wird sie eine schlaflose Nacht kosten, denn dieser Psychothriller hat Suchtpotential.\") hat sich bewahrheitet und ich stehe nun wieder ohne spannendes Buch da (gedacht wars für wenigstens drei Tage oder so).
Also, festzuhalten ist, daß hier ein sehr spannender, subtiler Thriller vorliegt, der mich in seinen besten Momenten an Stephen King (in Punkto Spannung), Harry Potter (in Punkto Einfühlsamkeit) und „Club der toten Dichter\" (alles andere) erinnert hat und der seine Figuren nicht als Schlachtvieh ausbeutet sondern jede einzelne in ihrer Menschlichkeit schildert.Genau richtig für Tage wie diese und höchst empfehlenswert!
Nun, gestern erging es mir so. Jetzt hatte ich schon seit einer Woche Urlaub, war aber noch nicht zur Ruhe gekommen - und das wollte ich mir jetzt unbedingt gönnen - in Ruhe, allein und mit einem aufregenden Buch in der Hand. Ich mußte zwar stundenlang durch drei Buchläden stöbern, aber meine Ausbeute war mit drei Büchern nicht schlecht und nach einer fast ganz durchlesenen Nacht und nicht einmal 24 Stunden später bin ich mit dem ersten Buch fertig und kann nur sagen: Das war echt ein Glücksgriff! Alles dabei, was mich interessiert, spannend bis zur letzten Seite und dann noch sehr gut geschrieben! Kein Ex - und - Hopp - Wälzer, sondern ein Buch, das einen einfach mit ins Geschehen reißt - und zwar schon auf den ersten Seiten...
DIE STORY:
Ein mäßig erfolgreicher Journalist wittert den großen Durchbruch, als er auf eine 45 Jahre zurückliegende Geschichte stößt. Er lädt den letzten lebenden Zeugen zu sich nach Hause und bringt ihn, nach anfänglichem Widerwillen dazu, seine Geschichte zu erzählen..
Jonathan Palmer, ein vierzehnjähriger Schüler des Elite - Internats Kirkston Abbey , wird wegen seiner Herkunft aus der Arbeiterschicht von seinem Lehrer, Mr. Ackerley und James Wheatley, einem fiesen Mitschüler und seinen Vasallen schwer gegängelt. Während einer Lateinstunde, in der ihn Mr. Ackerley wieder einmal quält, wird ihm unerwartete Hilfe von Richard Rokeby, einem extremen Außenseiter zuteil.
Jonathan, von dessen Stolz und Unabhängigkeit beeindruckt, beschließt ,diesem seine Freundschaft anzutragen.
Rokeby nimmt diese schließlich an - zur Überraschung aller Mitschüler, denn Rokeby, der scheinbar vor nichts und niemandem Respekt oder Angst hat, ist dafür bekannt, alle Mitschüler mit Verachtung zu behandeln und auch den Lehrern gegenüber sehr eigensinnig zu sein.
Es entsteht eine sehr enge Bindung zwischen beiden und als sich Wheatley, Jonathans ständiger Peiniger, der selber vergebens um Rokebys Freundschaft wirbt, brutal an Jonathan rächt, hilft ihm dieser, mit seinen Peinigern fertig zu werden. Jonathans Feinde werden schon bald ihr blaues Wunder erleben - aber um einen hohen Preis:
Für Jonathan geht es zunächst nur darum, in Ruhe und Frieden zu leben, doch Rokeby verfolgt seine eigenen Pläne - er kümmert sich auch noch um jeden, der ihrer Freundschaft kritisch gegenübersteht. So sorgt er nicht nur dafür, daß sich Jonathans alte Freunde von ihm abwenden, auch einige Lehrer werden plötzlich mit ihren eigenen Leichen im Keller konfrontiert.
Und als die beiden Schüler noch ein gefährliches Spiel beginnen, verstrickt sich Jonathan immer tiefer in Schuld. Als er entdeckt, wozu der haßerfüllte Rokeby wirklich fähig ist, ist er ihm bereits ausgeliefert. Rokeby will auf keinen Fall auf Jonathans Freundschaft verzichten.
In ihr Spiel mit dem Feuer ziehen sie schließlich nicht nur den mißgünstigen Lateinlehrer - seltsame Todesfälle werden sich an dieser Schule häufen...
DAS BUCH:
Ja, früher war ich mal ne richtige Leseratte, heute fehlt mir dazu meistens die Zeit. Wenn ich dann mal ein gutes Buch bräuchte, habe ich keines zur Hand und den Nerv, mir eines zu suchen, habe ich dann meistens doch nicht, zumal ich keinen Bock auf das billige Geschreibsel habe, das heute die Masse der Romane im Buchladen ausmacht.
Selbst die Bücher von Henning Mankell interessieren mich nicht sonderlich, denn die Spannung dort wird meistens aus der Ungeheuerlichkeit irgendeines Mordes gezogen und der Inspektor weiß-der-geier-wie-der-heißt erledigt den Fall dann quasi nebenher, während er mit seinem zutiefst unerfüllten Leben hadert.
Keine Figur, die mich sonderlich berührt sondern ob ihrer Trostlosigkeit eher abschreckt.
„Das Wunschspiel\" nun habe ich eher aus Mangel an Alternativen ausgewählt (die andere Möglichkeit war „Ring\" zu dem gleichnamigen japanischen Film, der Vorbild zu „The Ring\" war - aber der erinnerte mich vom Stil her zu sehr an diese trockenen Polizisten - Bücher) und war halb darauf gefaßt, bitter enttäuscht zu werden.
Aber weit gefehlt!
Es fängt schon mal gut an mit dem Prolog im London des Jahres 1999, wo gleich die unheilschwangere Atmosphäre hergestellt wird und die Schatten der Vergangenheit grüßen lassen.
Sodann der Rückblick nach Norfolk im Jahre 1954. Internat. Lateinstunde. Wunderbar beschrieben, noch dazu mit einer Begebenheit, die mir aus meiner eigenen Schulzeit nicht unvertraut ist. Minutiös und wie mir aus der Seele geschrieben. Sofort war ich mit voller Aufmerksamkeit bei der Hauptfigur Jonathan und jede seiner Regungen und Gedankengänge konnte ich hundertpro nachvollziehen.
Was mit ihm gelingt, gelingt aber auch mit den anderen Figuren in diesem Buch, Patrick Redmond läßt jede einzelne zum Leben erwachen und selbst die fiesesten werden so geschildert, daß man mit ihnen später mitleidet und ihre Denkweisen zumindest nachvollziehen kann.
Genau und stimmungsvoll wird auch das Internatsleben geschildert. Oft muß man an „Der Club der toten Dichter\" denken (wegen der strengen Atmosphäre) oder an Harry Potter (wegen der einfühlsamen Erzählweise und auch der Figurenkonstellation wegen).
Dabei bleibt alles sehr englisch und subtil. Redmond erzählt einfach, aber nicht simpel, ausführlich, aber wird nie voyeuristisch und läßt den Figuren ihre Würde.
Durch diese zurückhaltende Erzählweise wirkt die Geschichte selbst in ihren stärkeren Szenen und selbst im Finale nie reißerisch oder unglaubwürdig. Die Themen Okkultismus, Homosexualität, Mobbing und was sonst noch hineinspielt, stehen immer im Dienst der Geschichte, nie für eine große Moral oder Botschaft, aber werden sehr behutsam geführt und bilden ein großes Mosaik, in dem sich die Handlung entwickelt.
Die Aufmerksamkeit schließlich bleibt nicht nur bei Jonathan, sondern wird immer auch zu den anderen Figuren gelenkt und besonders gegen Ende wechselt Redmond immer wieder hin und her, so daß der Leser bei den vielen Parallelsträngen immer auf dem Laufenden bleibt und sich natürlich auch die Spannung immer mehr steigert.
Letztendlich geht es in „Das Wunschspiel\" nicht nur um einen guten Psychothriller, sondern auch um die Notwendigkeit eine starke, unabhängige Persönlichkeit zu werden und sich nichtzu sehr von den Urteilen anderer abhängig zu machen (aber auch darum, sich nicht zu weit von den anderen Menschen zu entfernen - denn eine starke Persönlichkeit kann sich nur im Miteinander ausprägen...).
DER AUTOR:
Patrick Redmond war mir bislang nicht bekannt und „Das Wunschspiel\" ist auch sein erstes Buch. Er studierte auf Wunsch seines Vaters (dem er dieses Buch auch widmete) Jura und war in London in verschiedenen Anwaltskanzleien tätig.
„Das Wunschspiel\" war wohl international sehr erfolgreich und es gibt noch ein zweites Buch von ihm „Der Schützling\", das sich in der Kurzbeschreibung aber nach einem typischen Zweitbuch anhört, denn die Problematik ist dem „Wunschspiel\" sehr ähnlich.
FAZIT:
Meine Überraschung ist immer noch sehr groß. Immerhin habe ich dieses Buch innerhalb eines dreiviertel Tages gelesen und die Warnung im Klappentext („Es wird sie eine schlaflose Nacht kosten, denn dieser Psychothriller hat Suchtpotential.\") hat sich bewahrheitet und ich stehe nun wieder ohne spannendes Buch da (gedacht wars für wenigstens drei Tage oder so).
Also, festzuhalten ist, daß hier ein sehr spannender, subtiler Thriller vorliegt, der mich in seinen besten Momenten an Stephen King (in Punkto Spannung), Harry Potter (in Punkto Einfühlsamkeit) und „Club der toten Dichter\" (alles andere) erinnert hat und der seine Figuren nicht als Schlachtvieh ausbeutet sondern jede einzelne in ihrer Menschlichkeit schildert.Genau richtig für Tage wie diese und höchst empfehlenswert!
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