Lasst Knochen sprechen (gebundene Ausgabe) Testbericht

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Summe aller Bewertungen
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  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von Araxas

Knochen lügen nicht

Pro:

Die Detailverliebtheit der Autorin

Kontra:

Die Detailverliebtheit der Autorin

Empfehlung:

Ja

Kurzer Inhaltsanriss
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Dass ist nun ein diskussionswürdiger Punkt. Mein Motto dazu: \" So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig.\" Weitere diffuse Hinweise zur Handlung findet man unter den nachfolgenden Überschriften .

Rockerkrieg in Kanada. Verfeindete Charter(1) der Hell\'s Angels und der Outlaws kämpfen um die Vorherrschaft im Drogenhandel. Im Laufe dieser Auseinandersetzungen kommt die neunjährige Emily Anne Toussaint zu Tode. Bei einer Schießerei zwischen den verfeindeten Gangs wird das kleine Mädchen, mitten auf der Straße, von zwei Kugeln, im Kopf getroffen.

Die forensische Anthropologin Tempe Brennan ist tief betroffen und empört über den sinnlosen Tod des Mädchens. Ihre überragenden Fähigkeiten sind eigentlich diesem Routinefall nicht angemessen. Aber sie bringt ihren Vorgesetzten dazu sie in die Ermittlungen mit einzubeziehen. So steht sie denn auch den Ermittlungsbehörden mit Rat und Tat zur Seite. Aufgrund ihrer emotionalen Betroffenheit macht es ihr nichts aus ihre, ohnehin karg bemessene Zeit, unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.

Ein Informant aus der Biker Szene, der seinen dreckigen Hals retten will, führt das Ermittlungsteam zu einer Stelle auf dem Clubgelände der \"Vipers\" ( Charter der Hell\'s ) wo zwei Opfer früherer Auseinandersetzungen der Erzfeinde verbuddelt wurden.

Das ist natürlich ein Job für Ms. Brennan. Der Informant weiß nicht wo genau denn nun die Leichen verscharrt wurden. So dass Tempe, in ihrer streng wissenschaftlichen Arbeitsweise, ein großräumiges Gebiet um den vermeintlichen Fundort untersuchen lässt.

Die angekündigten Leichen werden zwar gefunden. Aber auch bestimmte Knochen einer dritten Leiche die nicht zugeordnet werden können.

Diese dritte Leiche fällt nun wieder in den Zuständigkeitsbereich der Protagonistin. Die Knochenreste der weiblichen Person sind nicht vollständig ( ein Schädel und zwei Beinknochen ) und weitere Recherchen führen in den Süden der USA.

Tempe hat sich da einiges zugemutet. Der Fall, in dem sie eigentlich nur beratend mitwirken wollte, hat sich zu etwas entwickelt dass ihr Fachgebiet unmittelbar berührt.

Als ob dass denn nicht schon genug Stress wäre, geht es in ihrem privaten Bereich drunter und drüber. Ihr Lover der Polizist Andrew Ryan steht unter dem Verdacht mit Drogen gedealt zu haben. Auch Tempes Neffe Kit, ein leidenschaftlicher Harley-Fan, gerät in den Dunstkreis der Biker - und wozu diese finsteren Typen fähig sind, weiß Tempe nur allzu gut.

Exkurs: Forensische Anthropologie
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Die folgenden Ausführungen kann man getrost überlesen.

Mich hat\'s jedenfalls interessiert. Bei einer genaueren Recherche wird schnell klar dass diese Bezeichnung nicht eindeutig definiert ist. Viele Rezensenten benutzen diesen Begriff so als müsste einfach jeder halbwegs gebildete Mensch wissen was denn genau dahintersteckt.

Forensische Anthropologin, der Beruf von Tempe Brennan. Ich konnte mit dieser Bezeichnung nicht allzu viel anfangen, und nahm zuerst an es wäre Synonym für einen Pathologen der bei einer Strafverfolgungsbehörde angestellt ist. Beim Lesen des Romans ist mir klargeworden dass dem nicht so ist.

Anthropologie ist die Lehre vom Menschen. Das Spezialgebiet der biologischen Anthropologie (ein wichtiger Forschungsgegenstand ist die anatomische Ausprägung des menschlichen Körpers, die mit Hilfe der Anthropometrie erfasst wird) liefert eine Teilerklärung.

Bei der Forensik scheiden sich die Geister, („Forensisch“ heißt eigentlich vor Gericht/für das Gericht ). Diese Bedeutung war in Deutschland unerwünscht. Als Anglizismus ist das Wort aber über TV und Kino in seiner unrichtigen Bedeutung wieder nach Europa gelangt.

Unter Forensik könnte man eine, sich gegenseitig verstärkende, Zusammenarbeit von
Kriminalistik, Rechtsmedizin und Naturwissenschaften verstehen.

Link zum Thema: http://www.benecke.com/wasist.html

Kathys Arbeit setzt genau dort ein wo alle Spezialisten mit ihrem Latein am Ende sind. Wobei ihre Methoden interdisziplinär sind.

Persönliches
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Tempe ist keine Spezialistin oder doch eine Spezialistin die die Erkenntnisse der \"Fachidioten\" in einem größeren Zusammenhang interpretiert. Ich kann die Faszination die, die Autorin für ihre Arbeit empfindet, in höchstem Maße nachvollziehen.

Genau diese Orientierung ist meine höchst persönliche Vorstellung davon, wie man die Zeit, die man dem \"Broterwerb\" opfern muss, sinnvoll ausfüllt.

Pro und Kontra
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Ja, ich gebe es zu. Tempe und damit Kathy sind mir außerordentlich sympathisch. Die enge Verquickung von Autorin und Protagonistin gefällt mir. Wobei ich mir durchaus im Klaren bin dass die Autorin ein geschöntes Abbild ihrer Selbst darstellt.

Ich bin der Autorin gegenüber eindeutig wohlwollend eingestellt. Dass beeinflusst natürlich mein Urteilsvermögen. Der Roman hat einige Schwachpunkte, ich konnte darüber hinwegsehen, versuche aber trotzdem einmal einem potentiellen Leser diese Punkte aufzuzeigen.

Tempe wirkt sehr menschlich. Sie sorgt sich einerseits über ihre Frisur, und andererseits hat ihre Tätigkeit als \"Knochensortierer\" ihre Emotionen noch nicht abgeschliffen. Sie ist, je nach Stimmung, ungehalten und reagiert oft ungerecht. Ihr ist dies vollkommen klar und sie versucht es im nachhinein zu relativieren.

Die Autorin begeht nicht den Fehler ihre Figur, mit Gewalt, in den Vordergrund zu rücken. Ihre Arbeit trägt zwar entscheidend zur Aufklärung des Verbrechens bei. Aber sie ist halt nur eine externe Beraterin die die wahren Kriminalisten bei ihrer Arbeit unterstützt.

Die Verwicklungen die ihren Freund und Geliebten Andrew Ryan betreffen sind wohl doch ziemlich abgedroschen und vorhersehbar. Wenn so ein integerer, muskulöser und gut aussehender Polizist plötzlich im Untergrund verschwindet dann kann nur er doch nur ein Undercover Agent sein, oder ?

Und der Neffe, der so ganz unschuldig, in das böse, böse Bikermilieu abrutscht wirkt doch schon arg konstruiert.

Die Akribie die für ihre Arbeit notwendig ist überträgt sich eindeutig auf ihre Schreibe. Die Detailverliebtheit der Autorin führt dazu, dass relativ unwichtige Dinge so genau beschrieben, und gewiss auch realistisch dargestellt werden, dass der Leser am Ende verwirrter ist als vorher.

Negativ – Beispiel: Tempe erklärt die Strukturen der Organisation für die sie arbeitet bis ins kleinste Detail und nennt auch gleich die Namen auf englisch und französisch. Wollte man dies ernstnehmen dann müsste man, auf einem extra Blatt Papier, die Strukturen der einzelnen Organisationen aufzeichnen. Es interessiert mich nicht wirklich dass Agent XY der u-ten Unterabteilung ( Bezeichnung auf englisch und französisch mit Erklärung der jeweiligen Kürzel ) des FBI\'s angehört. Die Information, dass er zur \"Firma\" gehört reicht vollkommen aus.

Diese Akribie treibt seltsame Blüten. Für das Verständnis der Handlung ist es nun wirklich unerheblich, bis in die letzte Einzelheit, die Organisation der Rockerbanden zu erklären. Dass Charter der Hell\'s mit Chaptern anderer Gangs im Clinch liegen hätte durchaus ausgereicht. Aber nein, Reichs erklärt uns dass die \"Vipers\" nur Anwärter ( Prospects (2)) auf die Mitgliedschaft bei den Hell\'s sind. und dass die \"Outlaws\" unter dem Namen \"Rock Maschine\" in Kanada operieren. Tatsächlich sind \"Rock Maschine\" und ihre Prospects aber nur Anwärter auf die Mitgliedschaft bei den \"Bandidos\". Wenn jetzt Sonny Barger solche Zusammenhänge aufgedeckt hätte dann wäre dass ja noch in Ordnung.

Die Information dass Hell\'s und Bandidos sich gegenseitig auf die Ohren hauen hätte durchaus ausgereicht.

Als Positiv – Beispiel werte ich die Erklärungen der Autorin zu kriminalistischen und medizinischen Fragestellungen. Ich liebe so etwas, eine wissenschaftliche untermauerte Fragestellung, weckt mein Interesse . Es reizt mich ungemein wenn Kathy, medizinische oder physikalische Sachverhalte bis ins letzte Detail erklärt.

Quickwater ist einer der ermittelnden FBI Beamten, Kathy kann sich auf sein seltsames Verhalten keinen Reim machen und reagiert recht ungehalten auf ihn. Die Erklärung, warum Quickwater sich so verhält und warum er trotzdem zurechtkommt ist so an den Haaren herbeigezogen dass es schon fast weh tut, Aua.

Der Ekelfaktor ist zuweilen recht hoch. Ihre wohldosierten Unappetitlichkeiten bei der Beschreibung ihrer Arbeit haben mich begeistert. Alleine schon die Erklärung warum die Leichenteile der unbekannten Toten von South Carolina nach Kanada gebracht wurden, ist \"hammerhart\". Perfekt !

Die Autorin
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Kathy Reichs, 1950 in Chicago geboren, arbeitet u.a. als forensische Anthropologin an den gerichtsmedizinischen Instituten in Montreal und Charlotte, als Gutachterin für die Vereinten Nationen und das US – Verteidigungsministerium und unterrichtet an der FBI – Akademie in Quantico, Virginia.

http://www.kathyreichs.com = Homepage von Kathy Reichs. Die Seite sollte man sich unbedingt anschauen, auch wenn man die englische Sprache nicht beherrscht. Dort erfährt man z.B., dass Frau Dr. Kathleen Reichs bei der Identifizierung der Opfer des 11. Septembers mitgeholfen hat.

Das Buch:
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Titel: Lasst Knochen sprechen
Autorin: Kathy Reichs
ISBN: 3-442-35923-6
Seiten: ca. 340 Seiten
Verlag: Blanvalet
Erscheinungsdatum: Mai 2003
Übersetzer: Klaus Berr
Preis: 6,00 EURO fürs TB

Glossar
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(1) Charter
(wörtlich: Lizenz) Ableger eines Clubs in weiteren Städten oder Gegenden. Fährt unter dem Namen und Logo des Mutterclubs, führt aber eine lokale Selbstverwaltung. Bei allen anderen Clubs ( die nicht zu den Hell\'s Angels gehören ) heißt es übrigens \"Chapter\" ( Ortsgruppe ) Bei den amerikanischen Outlaw – Gangs werden die Begriffe nicht sorgfältig unterschieden, wohl aber in Deutschland.

(2) Prospect
Anwärter für die Mitgliedschaft in einem Club. Er trägt i.d.R. keinen vollständigen Rückenaufnäher, sondern nur Teile davon. Auch ganze Clubs können als \" Prospect – Charter \" Anwärter auf die Mitgliedschaft im Hell\'s Angels MC sein.

Fazit
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Endlich einmal ein Thriller von einer Frau, mit einer weiblichen Heldin, bei der die Autorin nicht einfach nur ihre männlichen Kollegen kopiert hat. Ich habe das Buch gerne gelesen und konnte über einige Schwächen hinwegsehen. Die Detailverliebtheit der Autorin ist stellenweise ziemlich nervig. Jedenfalls ist das Buch kein \"08/15 - Frau in Gefahr – Thriller\".

© by Araxas / 12.09.03

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