Reptile - Eric Clapton Testbericht

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Erfahrungsbericht von emmtie

Zuwenig für jemanden wie Clapton !

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Wie geht man damit um, wenn ein Interpret, der zu den All-time-favorites gehört, eine neue CD abliefert und man enttäuscht ist?

Genauso ging es mir nach den ersten zwei-, dreimal Hören von Eric Claptons „Reptile“. Die CD ist wirklich nicht schlecht, aber irgendwie hatte ich mir etwas Anderes, „Größeres“ erhofft. Ich habe meine ersten Eindrücke von stichwortartig zu Papier gebracht. Da ich aber eine Platte niemals nach dem ersten Eindruck beurteile, habe ich diese Eindrücke bewusst nicht gepostet, sondern habe mir in der Zwischenzeit die Platte häufiger angehört und einige Zeit später meine Aufzeichnungen vorgekramt und abgeglichen. Und leider musste ich feststellen, dass dieses mal der erste Eindruck scheinbar stimmte und ich das meiste jetzt noch genauso sehe:

Eric Clapton hat mit dieser Platte, die als eine Art Tribut an seinen verstorbenen Onkel, der ihn in seiner Jungend laut Booklet sehr geprägt hat, zu sehen ist, den Versuch unternommen, viele verschiedene Einflüsse auf einer Platte unterzubringen.

Die CD beginnt mit dem Titelstück, das mich durch seine für Clapton untypischen Art des Gitarrenspiels sehr an Ottmar Liebert, einen deutschstämmigen spanisch beeinflussten Gitarristen, den ich sehr mag, erinnert. Doch das ganze Lied ist mir etwas zu leicht, in Richtung Easy Listening oder um es noch brutaler auszudrücken „Fahrstuhlmusik“. Kein guter Einstieg !

Zum Glück geht es mit guten altem Blues in „Got you on my mind“ weiter. Schön schleppend, mit einer scheppernden akkustischen Gitarre, wie auf „Unplugged“.

Höhepunkt der CD ist „Travelin’ light“, ein typischer Clapton-Song, der aus der Feder von J.J.Cale stammt, von dem ja mit die erfolgreichsten Cover-Songs die Clapton gespielt hat stammen. Schöner Rocksong, gutes Tempo und hervorragende Soli.

Mit „Believe in life“ kommt es leider wieder etwas seichter. Mid-tempo Lovesong, der ganz in Ordnung wäre, wenn Clapton mittendrin nicht auf einmal der Text ausginge und er „dedededim“ singt.

„Come back baby“ ist wieder fast klassischer Blues, wie er in den Clubs in den 50er/60er-Jahren gespielt wurde.

„Broken down“ klingt mit den ersten paar Taken fast wie „Heal ist gone“ von J.L.Hooker, es folgt eine schöne Klavierbegleitung, gute Chorpassagen und die unnachahmliche Art Gitarre zu spielen. Wieder ein Höhepukt. Ich komme mir langsam vor wie auf einer Achterbahn. Top, flop, top,….

“Find myself” ist geprägt von einem Boogie-Klavier und etwas schmalzigen Chorus.

„It ain’t gonna..“ wird wieder rockiger-popiger, schöne Bandpassagen, geschrieben von Stevie Wonder.

„I want a little girl“ ist ein schöner Slow-Blues mit einer bestimmenden Orgel, der an Ende an Intensität zunimmt.

„Second nature“, ist wieder Mid-tempo, wobei die Melodie sich meiner Ansicht nach nicht alleine trägt und es daher ein wenig an einen Höhepunkt fehlt.

„Don’t let me be lonley“ drosselt das Tempo noch ein wenig, nimmt aber an Blues-Feeling zu, fast ein wenig in Richtung Gospel tendierend. Ein schönes Lied, aber wenn man am nörgeln ist, findet man ja immer was und hier ist es der Versuch von Clapton mit hoher Stimme zu singen; das muß wirklich nicht sein.

An „Modern girl“ habe ich nichts zu mosern :-) Ein langsamer, zurückhaltender Song mit schöner Akkustikgitarre und passendem Chorus; wieder ein Highlight.

„Superman inside“ erinnert mich ein wenig an die Dire Straits aber ähnlich wie bei „Second nature“ fehlt mir ein wenig die Linie bzw. das „auf den Punkt bringen“

Und die CD endet mit „Son&Sylvia“ einem netten Instrumental.


Ich habe mir lange überlegt, ob ich die Bemerkungen zu den Songs in dieser Form stehen lasse, da es sich fast wie ein Veriss liest. Die CD ist nicht schlecht und wenn jemand unvorbelastet herangeht, wird er damit wahrscheinlich viel Freude haben. Aber da ich Clapton seit langer Zeit mag, hatte ich gerade nach der sehr guten CD mit B.B.King irgendwie etwas anderes erwartet. Irgendwie kommt mir dies CD so vor, als ob Clapton fast zwanghaft von jeder möglichen Stilrichtung, die ihn einmal beeinflusst hat, etwas auf der Platte haben wollte. Doch dadurch geht meiner Ansicht nach der Zusammenhalt der Platte verloren. Sie wirkt wie ein Sampler, obwohl sie keiner ist.

Außerdem gibt es auf der CD auch einige Songs, die ich ganz klar unter der Kategorie Ausfall verbuche. Bei allem verständlichen Kommerz hätte ich doch nicht erwartet, auf einer Clapton-Platte „Fahrstuhl-Musik“ zu hören.

Und daher stehe ich dazu: Für jemanden mit dem Können von Clapton eindeutig zu wenig !!!!

16 Bewertungen, 1 Kommentar

  • FrauRossi

    03.03.2002, 01:56 Uhr von FrauRossi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wollte mir die CD auf jeden Fall kaufen, da ich immer der Meinung war, daß man mit Clapton nichts verkehrt machen kann. Werde jedoch jetzt erst einmal hineinhören. Gruß Kerstin