Robben Island Cape Town Testbericht

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Erfahrungsbericht von Kuschelwuschel

Insel der VERDAMMTEN

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Auf dem Flug zu unserem eigentlichen Urlaubsziel Neuseeland haben wir einen (eher untypischen) Zwischenstopp in Kapstadt eingelegt. Daher werde ich parallel zu meinen kommenden Neuseeland Berichten auch nach und nach Kapstadt Berichte veröffentlichen. Dies ist nun mein zweiter Kapstadt Bericht.



1. Vorwort
2. Anfahrt / Öffnungszeiten
3. Eintrittspreise
4. Reservierung
5. Informationen / Historisches über Robben Island
6. Kuschelwuschels Bericht
7. Kuschelwuschels Fazit



1. Vorwort:

Während meines Stopovers in Kapstadt, habe ich natürlich auch die Gelegenheiten zum Besuch von Robben Island genutzt. Auf Robben Island fristete Nelson Mandela den größten Teil seiner 27-jährigen Gefangenschaft. Durch die Arbeiten im dortigen Steinbruch schädigte er sein Augenlicht. Mittlerweile ist die ganze Gefängnis-Insel ein Museum und kann ganzjährig besichtigt werden.


2. Anfahrt / Öffnungszeiten:

Robben Island liegt ca. 12 km vor der Küste Kapstadts. Die Überfahrt zur Insel startet am Jetty Nr. 1, an der Victoria and Alfred Waterfront in Kapstadt City. Besichtigungstouren finden jeden Tag (ganzjährig) im Stundentakt statt. Die Überfahrt zur Insel dauert etwa 30 Minuten.


3. Eintrittspreise:

Erwachsene: 150.00 Rand (etwa 15 Euro, je nach Wechselkurs)
Kinder (4 – 17 Jahre): 75.00 Rand (etwa 7,50 Euro, je nach Wechselkurs)
Kinder bis vier Jahre frei

Behinderte Personen und Gruppen von mehr als 15 Personen erhalten auf Nachfrage einen Rabatt. Auch für Schulklassen gibt es Sonderpreise.

Diese Preise sind seit dem 01.12.2002 gültig, ich habe Ende Oktober noch ca. 20 Rand weniger bezahlt!

Verschiedene Kreditkarten werden akzeptiert.


4. Reservierung:

Telefon Nummer:
++(021) 419-1300

Fax Nummer:
++(021) 419-1057

E-Mail:
[email protected]
[email protected]




5. Informationen / Historisches über Robben Island:

Vor allem wurde Robben Island durch Nelson Mandelas Gefangenschaft bekannt. Ursprünglich wurde Mandela wegen Terrors und kommunistischer Aktivitäten und des Versuchs die Regierung zu stürzen zum Tode verurteilt, das Urteil wurde dann aber in lebenslange Verbannung umgeändert. Auf Robben Island war er 18 Jahre lang inhaftiert und musste dort täglich 8 Stunden im Steinbruch arbeiten. Die Haftbedingungen waren sehr schlecht, und selbst im Gefängnis hatten es schwarze Häftlinge noch schlechter als weiße. Durch das gleißend helle Licht, dass der helle Kalkstein unter Sonneneinstrahlung verursachte wurden nicht nur Mandelas Augen für immer geschädigt. Lediglich eine durch die Insassen in den Steinbruch gehauene Höhle diente den Sträflingen als Pausenraum und sorgte für kurzen Schutz vor der Sonnen. Ansonsten gab es im Steinbruch auch keine Toiletten, die Notdurft musste entweder in der Höhle oder vor den Augen der Gefangenen und Wärter erfolgen. 1967 traten die Häftlinge in einen unbefristeten Hungerstreik, damit erreichten sie unter anderem: mehr Decken (im Winter ist es nachts in Kapstadt recht kalt), mehr Essen und die Erlaubnis im Gefängnis Hof Fußball zu spielen. So langsam erhielt Robben Island auch mehr Beachtung durch ausländische Hilfsorganisationen. So verbesserten sich 1970 die Haftbedingung ein klein wenig und den Gefangenen war es nun auch erlaubt lesen und schreiben zu erlernen. 1974 wurde aufgrund von internationalen Protesten der Steinbruch geschlossen. Nelson Mandela verarbeitete seine Erlebnisse in seiner Biographie „Long Walk To Freedom“.

Das Hochsicherheitsgefängnis Robben Island wurde 1961 „eröffnet“. Südafrikas Apartheids-Regierung nutzte die 574 Hektar große Atlantik Insel vor den Toren Kapstadts um hauptsächlich Regime Gegner dort unter Verschluss zu halten. Mitglieder des ANC (African National Congress), des PAC (Pan Africanist Congress of Azania) und anderen Organisationen saßen dort Jahrzehntelang ein. Allerdings wurde die Insel auch schon vor dem Apartheids-Regime als Gefängnis genutzt. Denn schon im 16. Jahrhundert wurde diese Insel von den Holländer als Strafkolonie benutzt. Auch schon zur damaligen Zeit mussten die Strafgefangenen im Steinbruch arbeiten oder Muscheln sammeln. So wurde damals dort abgebauter Kalk und Schiefer zum Bau verschiedener Gebäude auf dem Festland genutzt. Zwischen 1806 und 1820 diente der kleine Hafen Walfängern als Zwischenstation. 1843 wurde das Gefägnis auf der Insel geschlossen um ein weiteres unrühmliches Kapitel zu eröffnen. Lepra Kranke wurden auf die Insel zum Sterben verbannt, statt eines schnellen Todes errichteten sie eine Kirche und zeugten sogar 43 Kinder. 1931 wurden die verbliebenen Lepra Kranken dann nach Pretoria umgesiedelt. Kurz vor dem zweiten Weltkrieg errichtete das Südafrikanische Militär eine Basis auf der Insel.

Im Dezember 1996 verließen die letzten 300 Gefangenen, ihre 90 Wärter und die 18 Killerhunde Robben Island. 1997 wurde die Haftanstalt zur Gedenkstätte erklärt und seit Ende 1999 ist sie UNESCO Weltkulturerbe. 43 Familien leben freiwillig auf der Insel und arbeiten dort, als Museumswärter, Arbeiter oder als Touristenführer. Die Tennisplätze und die Minigolfanlage der damaligen Wärter sind verwaist, die Offziermesse wurde zur Schule umfunktioniert und das Postamt verschickt nun überweigend Touristengrüsse.


7. Kuschelwuschels Bericht:

Ein Besuch von Robben Island steht anscheinend ganz oben auf dem Besichtigungs Programm von Kapstadt, dies mussten wir leider feststellen, als wir vormittags zwei Karten für diesen Nachmittag haben wollten. Es war schon alles ausgebucht, die nächste Möglichkeit war erst am nächsten Tag nachmittags (15 Uhr Tour) und dies obwohl keine Ferienzeit in Südafrika oder Deutschland war. Für diese Tour gab es auch nur noch ein paar wenige Karten. Da wir für unsere paar Tage in Kapstadt relativ flexibel waren, haben wir also gleich die Karten für den nächsten Tag gekauft. Kein Problem so haben wir uns an diesem Tag eben etwas anderes angesehen.

Kuschelwuschels Tipp:
Solltet ihr Robben Island besichtigen wollen, dann geht sobald wie möglich zur Victoria and Alfred Waterfront – diese sollte man sowieso besichtigen, von daher ist es also auch kein Umweg – und kauft euch ein Ticket für die kommenden Tage. Zurückgeben geht dann viel einfacher, als eins für den selben Tag zu bekommen.

Am nächsten Tag ging es also los. Nach kurzer Warte- und Kontrollzeit am Steg fuhren wir mit einem schnellen Katamara in etwa 30 Minuten zu Robben Island. Im Eitnrittspreis ist sowohl die Hin- und Rückfahrt mit dem Boot, wie auch der Eintritt auf der Insel und die Führung enthalten. An der Ablegestelle an der Waterfront haben wir auch ein paar spielende Seehunde im Wasser gesehen und auf der Fahrt die Aussicht auf Kapstadts Küste genossen. Auf der Insel angekommen erhält man als erstes ein paar Ablauf Informationen, dann wird man in Gruppen eingeteilt und wird von ehemaligen Strafgefangenen in alten amerikanischen Schulbussen über Robben Island kutschiert. Dort sieht man die verschiedenen Häuser und Anlagen (Sportanlagen und Unterkünfte der Wärter, ein kleines Postamt usw.) aus den letzten 40 Jahren der Insel. Daneben gibt es auch die teilweise zerfallenen Gebäude, vor allem die kleine Kirche, der Lepra Kranken und deren Gräber zu sehen. Weiter geht es in den Steinbruch in dem die Gefangenen gearbeitet haben, dort sieht man auch sehr schön die kleine Höhle die ich oben schon erwähnt habe. Ab und zu entdeckt man auch noch die errichteten Militäranlagen aus dem 2. Weltkrieg. Während den kurzen Fahrtzeiten mit dem Bus über die Insel erhält man sehr viele Informationen von den Führern. Bevor es zurück zur Gefängnisanlage ging, haben wir einen kurzen Stopp an der Küstenseite der Insel mit Blick Richtung Kapstadt gemacht, dort haben wir schöne Fotos machen können. Außerdem gibt es die Möglichkeit für kleine Snacks. Da wir uns vorher Lunchpackete gemacht haben, haben wir davon etwas vertilgt. Anschließend fuhren wir an dem Insel Leuchtturm zurück zur Haftanstalt. Auf dem Weg dorthin haben wir auch ein wenig was von der dortigen Flora und Fauna gesehen, so haben wir neben Hasen auch Springböcke und Dammwild gesehen. Weiterhin hat man auch die Möglichkeit auf der Überfahrt noch Delfine oder Wale zu sehen. Auch gibt es auf Robben Island mittlerweile wieder Pinguin Brutkolonien (die Pinguine wurden im 17. Jahrhundert ausgerottet), verschidene Vogelarten, Schildkröten, Strausse, Echsen, Geckos und Schlangen.

In der Haftanstalt wurden wir dann von einem anderen ehemaligen Häftling rumgeführt, dieser sperrte uns gemeinsam in den Schlafsaal ein und berichtete uns über die damalige Zeit und die vielen Mißstände: - Die geringen Essrationen - weiße Gefangene hat etwas mehr zu Essen, über zu wenig Pritschen - viele der Gefangenen lagen auf dem kalten, harten Boden. - Über die schweren Arbeitsbedingungen, darüber, dass die Gefangenen bis 1971 weder lesen noch schreiben durften usw. Kündigten sich Hilfsorganisationen zu Besichtigungen des Lagers an, wurden die Bedingung für diesen Tag für die schwarzen Häftlinge verbessert. Anschließend wurden auch wir wieder freigelassen.

Neben dem Gefängnis Innen- und Aussenhof konnten wir auch Nelson Mandelas fünf Quadratmeter große Zelle besichtigen. Ein Großteil der Gefängnisanlage (Wachtürme, Mauer, Teil des Hafens, Krankenhaus Erweiterung usw.) wurde von den Gefangenen damals selbst aufgebaut. Das Gefängnis hat einen hohen Sicherheitsstandard: Zellen, Wärter, Mauern, Wachtürme, Killerhunde und nicht zuletzt die 12km Meer bis nach Kapstadt vereitelten von vornherein etlich Fluchtversuche. Zur Spitzenzeit waren 800 Gefangene gleichzeitig auf Robben Island inhaftiert.

Anschließen ging es wiederum mit dem Katamaran zurück zur Kapstadt Harbourfront. Die Tour dauerte vom Ablegen bis zum Anlegen des Schiffes ungefähr 3,5 Stunden.

Einen ganz guten Einblick, Fotos und einige Informationen erhält man auch unter dem nachfolgendem Link: http://www.robben-island.org.za


8. Kuschelwuschels Fazit:

Ein Besuch von Robben Island ist eigentlich Pflicht. Abgesehen von einer tollen Bootsfahrt, einer schönen Aussicht auf Kapstadts Küste und der Möglichkeit Tiere zu sehen, ist dieser Ausflug sehr lehrreich. Vorher habe ich mich nicht explizit mit der Apartheid in Südafrika und Nelson Mandela beschäftigt, aber durch diesen Ausflug habe ich doch einiges hinzu gelernt. Es ist wirklich sehr interessant und lehrreich, so erfährt man nicht nur viel über die Gefängnis Insel, sondern auch über das damalige Apartheidssystem. Für mich war zum Beispiel auch sehr erstaunlich, dass selbst die Wärter und die Gefangenen dort damals unterschiedlich behandelt wurden. Die schwarzen Gefangenen wurden zum Beispiel durch kleinere Essensrationen und die schwarzen Wärter dadurch, dass diese keine Gewehre – lediglich Schlagstöcke tragen durften – gegenüber den Weißen benachteiligt. Gerade wegen dieser Ungerechtigkeit (nicht nur dieser Schlechterstellung wegen, sondern auch wegen der Inhaftierung von politischen „Andersdenkenden“) ist es umso erstaunlischer und bemerkenswerter, dass ehemalige Gefangene und auch Wärter über dieses Gefängnis informieren. So bekommt man Informationen und Details, die diese Menschen selbst erlebt haben sehr bewegend mitgeteilt (man merkt auch, mit wieviel Emotionen dies verbunden ist) und die Gefangenen sorgen für eine Aufklärung mit der Hoffnung, dass es in Zukunft keine Unterschiede mehr zwischen Menschen aufgrund deren Hautfarbe geben wird.

Deswegen lohnt ein Besuch auf jeden Fall, auch wenn der Eintrittspreis für dortige Verhältnis etwas höher liegt. Aber dieser Ausflug ist jeden Rand / Cent wert.




Viel Spaß bei diesem interessanten und lehrreichen Ausflug, wünscht euch Kuschelwuschel. ;)



Ps: Mit der Schreibweise Schwarze und Weiße habe ich hoffentlich niemanden politisch unkorrekt behandelt, zumindest wollte ich dies keinesfalls.

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