Rollenspiele Allgemein Testbericht

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Erfahrungsbericht von Tinitus

\"Rollenspiele werden nicht nur von Jugendlichen gern als Auszeit vom Alltag betrachtet!\"

Pro:

- Stärkung des Gemeinschaftssinns, - eigene Kreativität ist gefragt, ....

Kontra:

Sie besitzen dieselbe Basis wie Computerspiele: Die Vereinfachung der Realität, ....

Empfehlung:

Ja

\"Fantasy für Kopf und Körper\"

Sie schlüpfen in abenteuerliche Rollen und erschaffen fantastische Welten: Rollenspieler. In altertümliche Gewänder gehüllt, machen sie eine Weile Urlaub vom Alltäglichen.

Wenn Jugendliche in Kettenhemden und mit Streitäxten bewaffnet durch den Wald rennen, erschreckt mancher Wanderer.
Woher sollte er auch wissen, dass die Waffen aus Plastik sind?
Rollenspiele sind nur eine von vielen Facetten der Fantasy-Bewegung. Neben Filmen wie \"Der Herr der Ringe\" und Literatur gehören zu ihr auch Brett- und Videospiele.

Vorläufer der Fantasy-Szene ist der Kreis von Anhängern der Science-Fiction-Literatur.
Während sich Science-Fiction-Bücher eher um das \"technisch Wunderbare\" drehen, liegt der Schwerpunkt der Fantasy beim \"magisch Wunderbaren\": bei Drachen, Zauberern oder Hexen. \"Das Schwarze Auge\" etwa gab es zunächst als Rollenspiel.
Mittlerweile sind rund 100 Romane zu haben, in denen die Figuren und Orte aus \"DSA\" im Mittelpunkt stehen.

Viele Jugendliche treffen sich regelmäpig mit Freunden zum Rollenspiel. Grundversion dabei ist \"Pen und Paper\":
Gespielt wird nach festen Regeln und einem Szenario, das sich einer der Mitspieler, der so genannte Master, ausdenkt. Die Handlungen ähneln oft jenen aus \"Der Herr der Ringe\".
\"Es gibt aber auch futuristische Weltungergangs-Szenarien, Vampir- oder Star-Trek-Spiele\".
Im Rollenspiel übernimmt jeder Teilnehmer einen bestimmten Charakter mit vorgegebenen Eigenschaften. Für \"Pen und Paper\" sind vier Spieler nötig, damit es Spaß macht. Die Regeln müssen nicht selbst ausgedacht werden:

Es gibt Spielsysteme zu kaufen, mit einem Handbuch für den Master und so genannten Charakterbögen für die Mitspieler. \"Die Eigenschaften der Charaktere können ausgewürfelt oder etwa mit Hilfe von Tarot-Karten festgelegt werden.
Die Spieldauer ist sehr unterschiedlich. \"Bei einfachen Szenarien kommt man mit drei oder vier Stunden hin\".
Ein klares Ende haben Rollenspiele aber ebenso wenig wie einen Gewinner. Oft wird aber abgebrochen, wenn eine bestimmte Aufgabe, etwa die Befreiung einer entführten Prinzessin, von den Spielern gelöst ist.
Der Reiz am Rollenspiel ist das Abtauchen in eine andere Welt.
\"Man gönnt sich eine Auszeit - so wie etwa Jogger beim Laufen abschalten\". Den \"typischen\" Rollenspieler scheint es nicht zu geben: \"Das reicht vom Schüler und Handwerker über den Arzt bis zum Anwalt\".

Die Erweiterung von \"Pen und Paper\" ist das Live-Spielen, auch LARP (LiveAdventureRolePlay) genannt. Dabei hüllen sich die Teilnehmer in Verkleidungen und verwandeln zum Beispiel einen Bauernhof in eine mittelalterliche Welt.


\"Wenn man wirklich glaubt ein Ritter zu sein\" - Realitätsverlust durch Rollenspiele...

Für viele Jugendliche sind Rollenspiele mittlerweile zum größten Hobby geworden. Ich will nicht abstreiten, dass es eine witzige Erfahrung sein kann, eine Rolle zu spielen, die so gar nicht dem eigenen Charakter entspricht, wobei - anders als bei einer Theater- oder Filmrolle - der Handlungsverlauf nicht vorgegeben ist. Allerdings sehe sich eine Gefahr darin, dass der eine oder andere schnell dazu neigt, der \"geborgten\" Persönlichkeit Zugang zur eigenen zu verschaffen, gerade wenn man die Figur darstellt, die man auch im wahren Leben gerne sein würde.
Positiv an dieser Freizeitbeschäftigung ist natürlich die Stärkung des Gemeinschaftssinns, denn die Abenteuer müssen häufig in der Gruppe bestanden werden. Außerdem bilden die Rollenspiele natürlich ein Pendant zu den immer wieder in die Kritik geratenen Computerspielen. Kein simples Herumballern á la \"Doom\" oder \"Tomb Raider\", nein, die eigene Kreativität ist gefragt. Man sitzt nicht nur herum, sondern ist auf den Beinen, manchmal sogar in der freien Natur.
Dennoch bin ich Rollenspieln gegenüber skeptisch eingestellt, denn sie besitzen dieselbe Basis wie Computerspiele:
\"Die Vereinfachung der Realität\".

Konfliktreiche Themen des Alltags werden ausgespart. Die Fantasiespiele haben zumeist einen starken Mittelalterbezug. Ritter und Zauberer, Prinzessinnen und Feen sind die romantisch verklärten Vorstellungen, die wir mit dieser Zeit verbinden. Die finsteren Seiten werden schlichtweg ausgeblendet. Rollenspiele progagieren zudem häufig, dass in Konfliktsituationen eben nur noch ein zünftiger Schwertkampf hilft oder auch der Einsatz der Armbrust.

Natürlich können die meisten Menschen durchaus erkennen, wann man sich besser der \"ersten\" Realität widmen sollte, aber wer kennt sie nicht, die Jungs mit den langen Haaren und den Lederhosen, die Alkohol aus Hörnern trinken und schon mal im selbstentwickelten Kostüm in der Schule auftauchen?
Ich begegnete mal einem Jungen dieser Spezies. Er trug einen weiten, schwarzen Umhang, alles mit metallen Schnallen befestigt, und er sah aus, als wäre er gerade dem Film \"Vampires\" entlaufen. Die Grenze ist fließend, doch gefährlich wird es, wenn die \"zweite\" Realität immer mehr in die erste hinüber greift.
Rollenspiele sollten bleiben, was sie sind: Spiele - keine Lebenseinstellung.

Davon mal abgesehen: Fühlt sicht nicht jeder ein bisschen mulmig, wenn er sich vorstellt, dass der eigene Hausarzt oder Mathelehrer mit einem Plastikschwer durch den Wald rennt und eine Prinzessin befreien will? Eben!

Danke für Lesung und evtl. Bewertung meines Beitrags
lg Tini

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