Rufmord - Jenseits der Moral (VHS) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
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Erfahrungsbericht von TokeiIhto
RUFMORD
Pro:
sehr gute Schauspieler
Kontra:
letztendlich unglaubwürdig
Empfehlung:
Nein
Im Dezember 2003 lief auf Premiere ein sehr interessant klingender Hollywood Film mit erstklassigen Darstellern an. Ein bissiger Politthriller sollte es sein, ein Film, der im Zuge der Clinton/Lewinsky Affäre gedreht wurde. Die Rede ist von dem im Jahre 2000 entstandenen Streifen:
********RUFMORD - Jenseits der Moral********
(Originaltitel: "The Contender")
°°°Die Schauspieler°°°
Hauptrollen:
Joan Allen als Senatorin Laine Hanson
Gary Oldman als Kongressabgeordneter Runyon
Jeff Bridges als Präsident Evans
Nebenrollen:
Sam Elliott
Christian Slater
William L. Petersen
Philip Baker Hall
Joan Allen wurde für ihre Leistung für den Oscar nominiert.
Das hört sich vielversprechend an und ich komme jetzt, natürlich ohne das genaue Ende des Filmes zu verraten, zur
°°°Handlung°°°
Washington - Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten ist gestorben und Präsident Evans (Demokratische Partei) ist auf der Suche nach einem Nachfolger. In Betracht kommen insgesamt drei Kandidaten. Zwei Senatoren aus dem Lager der Demokraten und die erst kürzlich von den Republikanern konvertierte Senatorin Laine Hanson. Besonders wichtig ist die Nominierung zum Vizepräsidenten deshalb, da der Präsident keine weitere Amtszeit mehr vor sich hat. Geplant ist, dass der/die Vizepräsident/in für das höchste Amt bei der nächsten Wahl kandidieren wird.
Der Präsident möchte sich ein Denkmal setzen und Senatorin Hanson als erste Frau überhaupt in dieses Amt hieven. Dies stößt bei einigen Parteifreunden auf Widerstand. Besonders der wieselgleiche Kongressabgeordnete Runyon hält dagegen und plant, Mrs. Hanson bei einer Anhörung bloßzustellen. Zu Collegezeiten soll sie an einer Gruppensexorgie teilgenommen haben. Dies belegt Runyon mit Fotos und Augenzeugen. Die Senatorin weigert sich bei der Anhörung, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Eine Schlammschlacht mit unsicherem Ausgang nimmt ihren Anfang......
°°°Regie, Drehbuch und Schauspielerleistungen°°°
Der Film ist bis in die letzte Nebenrolle vorzüglich besetzt. Joan Allens Leistung fällt dabei besonders positiv auf. Überlegenes Auftreten, Betroffenheit und Überraschung zeigen und dann doch immer wieder zur Selbstbeherrschung zurückfinden, das alles spielt sie sehr überzeugend.
Jeff Bridges brilliert in der Rolle des selbstsicheren US Präsidenten derart überzeugend, dass man meint, er sei es tatsächlich. Ebenso Gary Oldman, der den fiesen und verbitterten Runyon vortrefflich rüberbringt.
Der Regisseur und Drehbuchautor dieses Filmes ist Rod Lurie. Mit seinem politischen Hintergrundwissen gelang es ihm, einen zu Anfang sehr realistischen Film mit dichter Atmosphäre zu drehen - doch dazu später mehr.
°°°Meinung zum Film°°°
Regisseur Rod Lurie gelingt es von Anfang an, die Zuschauer durch den logischen Aufbau des Filmes zu fesseln. Sehr geschickt wird aufgezeigt, was Politik zu dem macht was es ist. Es geht nicht um die Durchsetzung idealistischer Ziele oder darum, dem Volk die Wahrheit zu erzählen. Vielmehr taktiert man und lässt nur das nach außen dringen, was den größtmöglichen Nutzen bringen könnte. Lurie setzt die Politiker wie Schachfiguren in Szene, die nur auf die passende Gelegenheit warten, um den vorteilbringenden Zug auszuführen.
Er zeigt auf, dass hier vor wirklich gar nichts Halt gemacht wird. Es ist schockierend mitzuerleben, wie Senatorin Hanson systematisch von ihren politischen Gegnern denunziert und öffentlich erniedrigt wird. Dies geschieht freilich, so wird offiziell erklärt, nur im Interesse des amerikanischen Volkes. Eine sehr realistische Darstellung, bis dahin.
Und dann geschieht das Unfassbare - aus heiterem Himmel wechselt der Streifen in den letzten 20 Minuten vollkommen die Richtung. Machtgierige Politiker wandeln sich der "Guten Seite der Macht" zu. Zweifler werden überzeugt, Bösewichte und Lügen enttarnt und schließlich und endlich wird noch das Loblied der perfekten amerikanischen Demokratie gesungen. Der Film nimmt einen fast märchenhaften Ausgang, der mehr an Cinderella als an einen realistischen Politthriller erinnert. Zu allem Überfluss wird am Ende noch reichlich mit schier unerträglichem Patriotismus gewürzt.
Mir ist vollkommen schleierhaft, warum der Drehbuchautor und Regisseur Rod Lurie trotz seines Insiderwissens diesen vollkommen unrealistischen Schluss inszeniert hat.
Dieser Film erhebt den Anspruch, ein realistischer Politthriller zu sein und hat das Prädikat "besonders wertvoll" erhalten. Meiner Meinung nach macht dieses Finale den Film zu einer Farce. Sehr, sehr schade, denn wie bereits erwähnt, der Film hat ganz hervorragend und sehr glaubhaft begonnen.
°°°Fazit°°°
Empfehlenswert ist dieser Film vor allem für Joan Allen und Jeff Bridges Fans, die beide in ihren Rollen brillieren. Auch Leute, die schon immer der Überzeugung waren, in den Vereinigten Staaten die Wiege der Demokratie zu finden, werden begeistert sein. Als kurzweiliger Zeitvertreib mit anschließender lebhafter Diskussion eignet sich der Film allemal.
Alle, die Wert darauf legen, die Ware zu erhalten die auf der Verpackung angepriesen wird, sollten einen weiten Bogen um "Rufmord" machen. Ein realistischer Film ist das auf jeden Fall nicht.
°°°Bewertung und Empfehlung°°°
3 Sterne bekommt der Film vor allem wegen der sehr guten Schauspieler und des Unterhaltungswertes (hier meine ich die Diskussionen nach dem Film)
Eine Empfehlung kann ich aber leider nicht aussprechen, da der Streifen nicht hält was er verspricht.
°°°°°°°Vielen Dank fürs lesen, bewerten und kommentieren°°°°°°°
© TokeiIhto/TschetanSapa
********RUFMORD - Jenseits der Moral********
(Originaltitel: "The Contender")
°°°Die Schauspieler°°°
Hauptrollen:
Joan Allen als Senatorin Laine Hanson
Gary Oldman als Kongressabgeordneter Runyon
Jeff Bridges als Präsident Evans
Nebenrollen:
Sam Elliott
Christian Slater
William L. Petersen
Philip Baker Hall
Joan Allen wurde für ihre Leistung für den Oscar nominiert.
Das hört sich vielversprechend an und ich komme jetzt, natürlich ohne das genaue Ende des Filmes zu verraten, zur
°°°Handlung°°°
Washington - Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten ist gestorben und Präsident Evans (Demokratische Partei) ist auf der Suche nach einem Nachfolger. In Betracht kommen insgesamt drei Kandidaten. Zwei Senatoren aus dem Lager der Demokraten und die erst kürzlich von den Republikanern konvertierte Senatorin Laine Hanson. Besonders wichtig ist die Nominierung zum Vizepräsidenten deshalb, da der Präsident keine weitere Amtszeit mehr vor sich hat. Geplant ist, dass der/die Vizepräsident/in für das höchste Amt bei der nächsten Wahl kandidieren wird.
Der Präsident möchte sich ein Denkmal setzen und Senatorin Hanson als erste Frau überhaupt in dieses Amt hieven. Dies stößt bei einigen Parteifreunden auf Widerstand. Besonders der wieselgleiche Kongressabgeordnete Runyon hält dagegen und plant, Mrs. Hanson bei einer Anhörung bloßzustellen. Zu Collegezeiten soll sie an einer Gruppensexorgie teilgenommen haben. Dies belegt Runyon mit Fotos und Augenzeugen. Die Senatorin weigert sich bei der Anhörung, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Eine Schlammschlacht mit unsicherem Ausgang nimmt ihren Anfang......
°°°Regie, Drehbuch und Schauspielerleistungen°°°
Der Film ist bis in die letzte Nebenrolle vorzüglich besetzt. Joan Allens Leistung fällt dabei besonders positiv auf. Überlegenes Auftreten, Betroffenheit und Überraschung zeigen und dann doch immer wieder zur Selbstbeherrschung zurückfinden, das alles spielt sie sehr überzeugend.
Jeff Bridges brilliert in der Rolle des selbstsicheren US Präsidenten derart überzeugend, dass man meint, er sei es tatsächlich. Ebenso Gary Oldman, der den fiesen und verbitterten Runyon vortrefflich rüberbringt.
Der Regisseur und Drehbuchautor dieses Filmes ist Rod Lurie. Mit seinem politischen Hintergrundwissen gelang es ihm, einen zu Anfang sehr realistischen Film mit dichter Atmosphäre zu drehen - doch dazu später mehr.
°°°Meinung zum Film°°°
Regisseur Rod Lurie gelingt es von Anfang an, die Zuschauer durch den logischen Aufbau des Filmes zu fesseln. Sehr geschickt wird aufgezeigt, was Politik zu dem macht was es ist. Es geht nicht um die Durchsetzung idealistischer Ziele oder darum, dem Volk die Wahrheit zu erzählen. Vielmehr taktiert man und lässt nur das nach außen dringen, was den größtmöglichen Nutzen bringen könnte. Lurie setzt die Politiker wie Schachfiguren in Szene, die nur auf die passende Gelegenheit warten, um den vorteilbringenden Zug auszuführen.
Er zeigt auf, dass hier vor wirklich gar nichts Halt gemacht wird. Es ist schockierend mitzuerleben, wie Senatorin Hanson systematisch von ihren politischen Gegnern denunziert und öffentlich erniedrigt wird. Dies geschieht freilich, so wird offiziell erklärt, nur im Interesse des amerikanischen Volkes. Eine sehr realistische Darstellung, bis dahin.
Und dann geschieht das Unfassbare - aus heiterem Himmel wechselt der Streifen in den letzten 20 Minuten vollkommen die Richtung. Machtgierige Politiker wandeln sich der "Guten Seite der Macht" zu. Zweifler werden überzeugt, Bösewichte und Lügen enttarnt und schließlich und endlich wird noch das Loblied der perfekten amerikanischen Demokratie gesungen. Der Film nimmt einen fast märchenhaften Ausgang, der mehr an Cinderella als an einen realistischen Politthriller erinnert. Zu allem Überfluss wird am Ende noch reichlich mit schier unerträglichem Patriotismus gewürzt.
Mir ist vollkommen schleierhaft, warum der Drehbuchautor und Regisseur Rod Lurie trotz seines Insiderwissens diesen vollkommen unrealistischen Schluss inszeniert hat.
Dieser Film erhebt den Anspruch, ein realistischer Politthriller zu sein und hat das Prädikat "besonders wertvoll" erhalten. Meiner Meinung nach macht dieses Finale den Film zu einer Farce. Sehr, sehr schade, denn wie bereits erwähnt, der Film hat ganz hervorragend und sehr glaubhaft begonnen.
°°°Fazit°°°
Empfehlenswert ist dieser Film vor allem für Joan Allen und Jeff Bridges Fans, die beide in ihren Rollen brillieren. Auch Leute, die schon immer der Überzeugung waren, in den Vereinigten Staaten die Wiege der Demokratie zu finden, werden begeistert sein. Als kurzweiliger Zeitvertreib mit anschließender lebhafter Diskussion eignet sich der Film allemal.
Alle, die Wert darauf legen, die Ware zu erhalten die auf der Verpackung angepriesen wird, sollten einen weiten Bogen um "Rufmord" machen. Ein realistischer Film ist das auf jeden Fall nicht.
°°°Bewertung und Empfehlung°°°
3 Sterne bekommt der Film vor allem wegen der sehr guten Schauspieler und des Unterhaltungswertes (hier meine ich die Diskussionen nach dem Film)
Eine Empfehlung kann ich aber leider nicht aussprechen, da der Streifen nicht hält was er verspricht.
°°°°°°°Vielen Dank fürs lesen, bewerten und kommentieren°°°°°°°
© TokeiIhto/TschetanSapa
68 Bewertungen, 1 Kommentar
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30.01.2006, 15:35 Uhr von Madrianda
Bewertung: sehr hilfreichsh! Gruß Beate
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