Schleie Testbericht

Schleie
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Erfahrungsbericht von tommy30

Schleien im Baggersee

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Mich faszinierte ihre wunderschöne Färbung und die dunklen Schatten, die man im Sommer immer wieder an der Oberfläche sehen kann. Als unerfahrener Jungangler bin ich dann natürlich sofort ans Wasser und haben den sich sonnenden Schleien gleich mal eine Posenmontage mit Tauwürmern vor die Nase gesetzt. Wenn ich es schaffte, die Fische damit nicht gleich zu verscheuchen und weiterhin auf einen Biss hoffte, so wurde ich in den meisten Fällen enttäuscht.
Heute weiß ich viel mehr über das Verhalten, die Standplätze und die Fressgewohnheiten der Schleie in einem ganz bestimmten Gewässertyp: dem Baggersee! Oft liest man von übervorsichtigen Schleienbissen, bei denen sich das Wackeln der fein austarierten Pose über Minuten hinwegstreckte, und dass der frühe Morgen die beste Schleienzeit sei. Am Besten noch vor Sonnenaufgang sollte man laut Fachliteratur am Wasser sein. Obwohl ich alle Regeln befolgte, wunderte mich bei den Schleien immer wieder die Konsequenz, mit der sie in „meinem“ Gewässer jedes der ihr bescheinigten Verhaltensmuster ignorierten.


Seen dieser Art gibt es haufenweise: künstlich ausgebaggerte Seen mit wenigen bis gar keinen auffallenden Unterständen und einer gleichmäßigen Grundstruktur. Untertags werden solche Seen und Teiche oft als Badegelegenheit genutzt, weshalb meist Stege, Sprungtürme oder Rutschen für die Badegäste angelegt wurden. Es handelt sich hierbei natürlich nicht um typische Schleiengewässer, was aber nicht gleich heißen muss, dass es hier keinen Bestand an anständigen Schleien geben kann. Wenn man an heißen Sommertagen die Augen aufsperrt und einen Spaziergang ums Gewässer macht, ist es leicht möglich, eine Gruppe der Zielfische an der Oberfläche zu erspähen. Abends gründeln die Schleien gerne ganz in Ufernähe und verraten sich durch Bläschenspuren, aufsteigendem Morast oder Wasserpflanzen. Aufschluss können auch erfahrene Angler geben, die schon die eine oder andere Schleie erbeuten konnten.

Ist sichergestellt, dass in dem Gewässer tatsächlich Schleien vorkommen, müssen wir uns mit der Frage auseinandersetzen, wann geangelt werden soll. Werfen Sie alle Faustregeln über Bord, die besagen, dass zwischen fünf und acht Uhr morgens die beste Beißzeit sein soll. Das mag vielleicht an idyllischen Naturteichen stimmen, trifft aber nicht auf künstlich angelegte Baggerseen zu. Im Frühjahr und Herbst kann man eigentlich den ganzen Tag lang mit Bissen rechnen, da die Fische in Gruppen die Uferpartien absuchen und früher oder später an unserer Futterstelle vorbeikommen werden. In diesen Jahreszeiten habe ich die meisten Schleien vormittags und abends (bis etwa 20 Uhr) erbeutet. Im Frühjahr und Herbst ist es allerdings wichtig, dass das Wetter stabil bleibt, denn eine plötzliche Schlechtwetterphase macht ein Angeln auf Schleien schon fast sinnlos.
Ist der Sommer heiß, sieht es schon anders aus. Sollte Badebetrieb herrschen, kann man das Angeln sowieso vergessen. Falls nicht, kann man sich fast sicher sein, dass man keine Schleie erbeuten wird, solange die Sonne hoch am Himmel steht und die Temperaturen jeden zum Schwitzen bringen. Auch im Hochsommer erzielte ich die besten Ergebnisse abends bis etwa eine Stunde nach Einbruch der Dunkelheit.

Was die Auswahl der Stellte betrifft, so gibt es hier weit weniger Probleme. Bagger- und Badeseen weisen meist eine recht monotone und gleichmäßige Ufer- und Grundstruktur auf. Veränderungen können oft als Hotspot angesehen werden, besonders Stege, Seerosen, Schilf, Brücken, Bootsanlegestellen, Pfeiler, usw. Ich bevorzuge das Angeln auf Stegen, weil es sich sehr bequem gestaltet. Man kann dann ganz komfortabel direkt vor den Füßen angeln. Wenn nicht, empfiehlt es sich, vom Ufer aus entlang der Stege zu angeln. In Gewässern mit Badebetrieb sind die Fische Radau meist gewöhnt, doch trotzdem sollte man laute Geräusche, die durch Stampfen oder das energische Abstellen von Equipment zustande kommen können, weitestgehend vermeiden.

Ist Anfüttern in den von uns beangelten Gewässern nötig? Die Antwort lautet eindeutig ja, denn die Schleien ziehen die Uferpartien des Gewässers in kleinen Gruppen mehrmals am Tag ab, um Nahrung zu suchen. Treffen sie dann auf unseren Angelplatz, wäre es von Vorteil sie mit einem Futterteppich auch dort zu halten, um Bisse nicht dem Zufall zu überlassen. Bei der Wahl des Futters hat man einige Möglichkeiten, die sich nach Aufwand unterscheiden. Für gewöhnlich reicht ein Teppich aus Dosenmais, den man vorher mit etwas Vanillearoma garniert hat. Grundfutter wäre natürlich optimal und Sensas Schleienfutter ist nur zu empfehlen. Ich strecke es immer mit Semmelbrösel, sonst kann das ein ziemlich teurer Spaß werden. Etwas Mais, Maden oder Wurmstücke sind unbedingt beizumengen, um die Schleien am Platz zu halten. Die Futterbälle sollten nicht zu locker sein, da sie sonst haufenweise Kleinfisch anlocken. Feste Ballen in Faustgröße tun ihren Dienst und lösen sich am Gewässergrund eher langsam auf.
Falls befürchtet werden muss, dass Weißfische unseren mühevoll angelegten Futterplatz leer fressen, hat es sich bewährt, zusätzlich harte und große Partikel beizumengen, wie zB halbe oder ganze Frolicringe. Sollte nämlich Mais und Wurmstückchen tatsächlich von Brachsen oder Rotaugen vernichtet werden, bleiben die harten Ringe wesentlich länger am Futterplatz und locken unseren Zielfisch durch ihr unwiderstehliches Aroma an, das bei der langsamen Zersetzung des Köders entsteht.
Wie sehr Schleien auf dieses Hundefutter stehen, habe ich in der letzten Saison beim Karpfenangeln selbst erfahren, denn mir sind mehr Schleien als Karpfen an den Haken gegangen.

Klassiker wie ein paar Mistwürmer oder eine Reihe Maiskörner gehen immer und in jeder Jahreszeit. Genauso zu empfehlen sind Madenbündel oder würziger Teig, den man in kleinen Bällchen um den Haken knetet. Wer einmal was anderes ausprobieren will, ist mit Frühstücksfleisch oder Miniboilies gut beraten, allerdings sollte man letztere ein paar Tage lang vorfüttern.
Schleien fressen am Grund – diese eine Regel gilt auch für den Baggersee, und dort muss der Köder auch hin. Angeboten wird der Köder nur wenige Zentimeter über Grund, aber nicht unbedingt aufliegend. So fällt der Köder über dem Futterteppich etwas mehr auf.
Ich bevorzuge dafür gut austarierte Posenmontagen. Die Hauptschnur mit einer Stärke von 0,20 – 0,25 mm, das Vorfach etwas dünner, dazu Haken der Größe 12-6, je nach Ködergröße. Da meist in größerer Tiefe geangelt wird, kommt man um eine Laufpose nicht umhin. Bewährt haben sich Waggler und vor allem Stachelschweinposen, die ja durch die untere Öse auch als Laufpose einsetzbar sind. Damit der Köder schnell absinkt, sollten die Schrotbleie bis etwa 10 cm vor dem Haken angeordnet werden, während die Größe der Schrote nach unten hin abnimmt. Bei einem Biss hebt sich die Pose meist ein wenig aus dem Wasser oder legt sich sogar flach. Bitte begehen Sie jedoch nicht den Fehler und schlagen sofort an, sondern warten Sie, bis der Fisch mit dem Köder wegschwimmen will.

Bei nicht allzu schlammigen Grundverhältnissen habe ich auch mit Grundbleimontagen große Erfolge von mehreren Schleien pro Tag erzielen können. Je einfacher die Montage ausfällt, desto besser ist sie auch. Jeglicher Schnickschnack ist zu vermeiden. Meine Standartmontage sieht so aus: auf die 0,25er Hauptschnur wird ein Birnenblei gefädelt, dessen Gewicht sich den Umständen entsprechend zwischen 15 und 40 Gramm bewegt. Danach folgt eine Gummiperle und ein kleiner, aber stabiler Karabinerwirbel. In diesen wird ein einfaches Vorfach von etwa 50 bis 60 cm Länge eingehängt. Angelt man mit Frolic oder Miniboilies, verwendet man natürlich ein Haarvorfach mit Hakengröße 4 bis 8.
Nach dem Ausbringen der Grundbleimontage bringe ich die Schnur auf leichte Spannung und bringe einen Einhängebissanzeiger zwischen der Rolle und dem ersten Rutenring an. Schleienbisse gestalten sich – ähnlich wie bei der Posenmontage – recht zügig und lassen normalerweise keinen Zweifel über den richtigen Zeitpunkt des Anhiebs aufkommen.

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